SamStag 3. Mai 1002
ISS. Jahrgang
Erstes Blatt.
Nr. 103
Erscheint tSglich außer SonmagS.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- dliltler viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck il Verlag der Brüh l'schen Unioers.-Buch- iu6tein- druckerei (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Ldrefle für Teveschen: Anzeiger Gießen.
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GietzenerAnzeigerW
W General-Anzeiger " FLL
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
V «Nr i " zeigenteil: Hans Beck.
Volitische Tagesschau.
Prinz Friedrich Karl von Hesse«
hielt beim Stapellauf des tleinen Kreuzers „Arcona" eure Rede, die verdient, im Wortlaut wiedergegeben zu werden. Eie tontet nach der ,Meser-Ztg.":
Die festliche Handlung, zu der wir heute versammelt sind, hat, so oft sie im Laufe der Zeit sich wiederholt, und sie wiederholt ,ich zum Glück oft, ihren tiefen (Sinn und ernste Bedeutung nicht eingebüßt, gilt es doch, ein Wert zu krönen mit dem Namen, in den wir Hoffnungen und Legenswünsche, Erinnerungen und Beziehungen aller Art hineinlegen. Es gilt aber auch, beizuwoynen dem ersten Willensakte des Täuflings, der unter unfern Augen den ersten Schritt hineinthun soll in sein neues Bereich und sich als das bekennen soll, was er ist, als ein Kind des Fortschritts, dieser Macht, die Gewalt hat über alles, was lebt auf Erden. Weh' dem, der sich chm widersetzt, er ist vernichtet, noch ehe er es selber Weitz; wer sich von idm treiben läßt, thut nur, was er mutz. . . . Wenn der CMvind jetzt hmeiiuvcht in das deutsche Land, fiubet er zwischen Ost- und Westgrenze bis an den Fuß der Alpen Lhüren und Herzen offen, und in der Brust manches jungen Mannes entfacht er das Verlangen noch dem Element, dem seine Träume zueilen, und nach Be- thätigung auf diesem Element, nach dem Geheimnis, welches sich dahinter zu verbergen scheint. Da liegen sie am Ufer des Meeres, die mächtigen Gcburtsstütlen der ungeheuren Panzer und der arideren Kolosse, die den Verkehr vermitteln; da liegen sie an den Strommürcd- ungen, die greisen Hansestädte, im Grau der Vergangenheit, im Grün der Gegenwart, die Lunge des mächtigen Organismus von 56 Millionen schlagender Herzen. Und um den Leib unseres Planeten schlingt sich ein friedlicher Arm, der deutsche Handel. Aber wer ist sicher vor den Anfällen der unberechenbaren Zukunft. Wohl denen, die in guten Tagen auch der bösen eingedenk bleiben. Die Zeiten sind dahin, wo der Handel ,ich selbst beschützen konnte; und ist auch durch ihn uiid seine Mittel die Erde scheinbar kleiner gewordeii, die Anforderungen an das Leistungsvermögen sind ins Ungemessene gewachsen. Da jUt es, die Arbeit $u teilen, um den einen Arm zu tärken in »unablässiger Hebung, die Muskulatur zu tählen, die den Namen führt: Heeresmacht uni) Seemacht. Drum treibt der Kaufmann, der Gewerbliche, der Reeder sein friedliches Werk, auf fernem Grund bemüht sich der Kolonist, und mit dem Kosmopoliten, des Altertums, Euripides, ruft auch der moderne: Auf Erden grünt überall ein Vaterland! Uni) er hat recht; aber vergitz nicht, wer du bist und was du bist. Tu brauchst es nicht mehr; denn sieh', das alte Vaterland liegt nicht mehr jenseits des Oceans; es liegt hier unten, wo ich stehe, wo mein Schiff schwimmt, wo ich frei die flagge zeige. Ich lege die alte Heimat neu an die Küste des Auslandes und gebe dir Schutz, wenn du ihn brauchst. Auch du, jüngstes Fahrzeug zum Schirm des Friedens, der Kultur, des Handels und des Gewerbes. Lohne den Fleitz der Hunderte braver Arbeiterjhände, die dich schufen, inbem du tüchtig wirst im Dienst des Vaterlandes und Treue hältst der treuen Mannschaft, die dich befahren soll; wenn die Stunde kommt und das Land es gebeut, ausharre im Kampfe, bis der Sieg errungen, und wenn dein letztes Stück in Trümmer geht, zum Ruhme Deutschlands «und seines Kaisers.
Zur Erneuerung der HandlSverträge.
Der römische Korrespvubent der „Korrespondenz des Handelsvertragsvereins" erklärt, aus authentischer Quelle folgendes über die Verhandlungen Bülows mit Prine t t i in Venedig erfahren zu haben:
Die Handelsverträge sollen bis zum Ende des Jahres 1904 verlängert werden. Dies soll in Zukunft alljährlich geschehen, falls nicht inzwischen rechtzeitig ein neuer Vertrag zu stände kommt. Die Regierungnen verpflichten sich, auch keinerlei formelle Kündigung der geltenden Vertrüge vorznnehmen, bis nicht bie neuen, tm Prinzip und auch in den wichtigsten Grundlinien, festgelegt sind. Man will demzufolge die Einleitung der offiziellen Veryanblungen für die Handeisverträge hinaus- . schieben und damit Zeit gewinnen, damit besonders einerseits die Regelung der Zollfragen zwischen Oesterreich und Ungarn erfolgen, andererseits die deutsche Regierung sich mit dem Reichstag definitiv über die Grundlagen eines neuen Vertrags verständigen könne. Nach der Erneuerung des Dreibunds, der unmittelbar bevorsteht, soll dann eine besondere Uebereinkunft geschlossen werden, welche obige Grundsätze enthält und bestimmt, datz die Möglichkeit einer Verlängerung von Fahr zu Jahr bis zum Zustandekommen neuer Verträge ebenso lang dauern soll, als der Dreibund, illimlich bis 1. Dezember 1909.
Damit hätte also im Kern jener italienische Vorschlag gesiegt, den der Haiidelsvertragsvereiii als erster nach den Mitteilungen Luzzattis im Oktober 1901 veröffentlichte. Bestehen bleiben aber unter diesen Umständen jene die Produzenten und den Nationalwohlftand schädigenden Unsicherheiten, die die V e r l ä n g e r u n g des Schwebe- zuftandes mit sich bringt. Fm Zusammenhang damit wird von der gleichen Seite die Abftcht mitgeteilt, einen großen italienischen Handelsvertragsverein zu gründen, der bis zum endgiltigen Abschluß langfristiger Verträge in Thätigkeit bleibt uiid die Agitation wachhält.
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 3. Mai 1902.
Berechnung der Gemeindesteuer, Bedeutung und Ermittelung des Steuerkapitals. Gelegentltch der Beratung des Budgets der Stadt Gießen sind die Schwierigkeiten zur Sprache gebracht worden, welche den Steuerpflichtigen bei Berechnung der Gemeindesteuer entgegentreten; insbesondere ist )abci darauf hingewiesen worden, daß es nicht bekannt fei, was das St euer kapital bedeute uni) wie dasselbe ermittelt werde. Zur Aufklärung dieser Frage geht mrs vorn Finanzministerium, Abteilung für Steuerwesen, aus Darmstadt folgende Zuschrift zu, die wir unseren Lesern mitteilen:
Tie fixierten Reinerträge für die Grund st euer oder die sogenannten Grundsteuerkapitalien sind Größen, welche auf Grund des Oksctzes vom 13. April 1824, bei Vollendung des Jmmobiliarsteuerkatasters betr., und nach Maßgabe der Bonitierungsinstruktion vom 31. Januar 1825 ermittelt worden sind Mld welche nach dem diesen Bestimmungen zu Grunde liegenden Gedankengang dem mittleren reinen Ertrag der Objekte, welche der Grundsteuer unterworfen sind, entsprechen- sollen. Tie Steuerkapitalien der Gebäude sind in gleicher Weise als Durchschnittsreinertragszifferm gedacht uno werden aus den mittleren lokalen Kanfwerten derselben — d. i. dein Neubauwert der Gebänbe mit Berücksichtigung der Wertsver> minderung infolge Abnutzung ober anderer- besonderer Ur- achen und aus bem Werte des Hofraitegrundes — abgeleitet, indem hiervon 1.8 Proz. bei Wohn- und Gcwerbs- gebäuben unb 1.5 Proz. bei Mühlen in Ansatz gebracht werben, bie Ibas Steuerlapital bilden. Tie so festgestellten Grnnb- unb Gebäudesteuertapitalien stimmen allerdings nicht mehr mit den jetzigen thatsächlichen Reinerträgen des Immobiliarvermögens überein, sodaß die Steuerkapitalien ür bie Steuerberechnung heute thatsächlich nur noch bie Bebeutung von Verhältniszahlen ober Rechnungsfakloren haben. Die Bildung der Gewerbsteuerkapitalien erfolgt auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli 1884, die Gewerbsteuer betreffend. Sämtliche Gewerbe, wie sie nach dem Gewerbstenertarif als steuerpflichtig aufgeführt sind, sind dort in 7 Klassen eingeteilt, für welche mit Rücksicht auf die Bedeutung b:r Gewerbe fixe Steuerlapctaks- ansätze festgelegt sind mit Abstufungen je nach dem Rang der Orte, b. h. der Größe des Orts, an welchem bas Gewerfbe betrieben wirb, ferner nach bem Betriebsumfang mit Zusätzen nach ber Zahl (unb Qualität) ber Gehilfen unb ber Ausbehnung bes Gewerbslokals. Diese Klasseneinteilung der Gewerbe nimmt ebenfalls auf ben thatsächlichen Ertrag ber Gewerbe feine Rücksicht. Ten so gebildeten Steuer» kapitalien kommt vielmehr, tote sich aus bem ganzen Aufbau berselben ergiebt, ebenfalls nur bie Bedeutung von Verhältniszahlen zu. Bei ber Kapitalrenten steuer bilben 8 Hunbertteile bes festgesetzten Einkommens an Kapitalzinsen bas Steuerkapital des einzelnen Pflichtigen. Tiefe Verhältniszahl ist in Art. 11 des Kapitalrentensteuergesetzes vom 11. Juli 1895 festgelegt unb berart gewählt, daß, wenigstens in weiten Grenzen, bas aus Kapitalvermögen fließende Einkommen ebenso besteuert roirb, wie der Ertrag von Grundbesitz und Gewerbebetrieb. Wie bie Gemeindesteuer an ber Hand der Steuerkapitalien berechnet wirb, ist bereits in ber Stadtverordnetensitzung selbst ei> Läutert worben, ist übrigens auch auf jedem Stcuerzettel ab» gebrückt. Es kann allerdings hiernach als richtig anertannt werden, daß die Berechnung der Gemeindesteuer und insbesondere ihrer Grundlagen nicht gerade besonders einfach ist, was übrigens die Steuerbehörden selbst am meisten beklagen. Es steht indessen zu hoffen, daß, nachdem die Berechirung der Staatssteuer infolge der Steuerreform die denkbar einfachste g-eworden ist, auch die Feststellung der Gemeindesteuer bei der bemnächstigen Umgestaltung des Gemeindesteuerwesens in gleicher Weise vereinfacht und leichter verständlich gemacht werden kann.
** Prof. Dr. P i tz wurde am 1. Mai in feine neue Thätigkeit als Direktor der Realschule in Alsfeld ein- gesührt. Um 11 Uhr vormittags fand die Vorstellung und feierliche Einführung des Herrn Professor Tr. Pitz in fein neues Amt als Tirektor der hiesigen Realschule statt. Geh. Oberschulrat N o d n a g c 1 aus Darmstadt als Vertreter der Großh. Regierung entwickelte, wie die „Alsf. Oberh. Ztg." schreibt, in gehaltvoller Ansprache bie Aufgaben eines Tirektors und charakterisierte dessen Stellung zur Regierung, zum Lehrerkollegium, zu den Schülern und deren Angehörigen. Oberlehrer Freund sprach namens bes Lehrerkollegiums ber Realschule. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Tirettor uno Lehrerkollegium in gutem Einvernehmen mit einander verkehren und zum Wohle des Ganzen zusammenwirken möchten. Mit diesem aufrichtigen Wunsche entbiete das Lehrerkollegium seinem Direktor herzlichen Willkommengruß. In lebendiger Rede gab sodann Direktor Dr. P i tz den Gefühlen Ausdruck, die ihn an diesem bedeutungsvollen Tage beseelten. Prof. Dr. Pitz führte aus, daß er sich des Umfanges der Verantwortung und der Aufgaben, die er mit dem Antritt des neuen Amtes übernommen, voll bewußt sei; aber er werde nach besten Kräften bestrebt sein, die seiner harrenden Pflichten nach jeder Richtung treu zu erfüllen, ^lls eine der vornehmsten Aufgaben der Schule bezeichnete er die Erziehung der Schüler zu guten Patrioten. Das Leitmotiv feines Wirkens hierfelvst aber sei durch ben Vorsatz gekennzeichnet, bem Lehrerkollegium ein lieber Vorgesetzter, ben Schülern ein väterlicher Freunb, ben Eltern ein treuer Berater unb der Stabt ein treuer Bürger zu fein. Die eindrucksvolle Feier wurde durch ben Gesang der Schüler unter Leitung des Reallehrers Herrmann eingeleitet unb geschlossen .
** Ortskrankenkasse. Nach bem Geschäftsbericht
>cr Ortskrankenkasse Gießen für 1901 hat bie zu Ende bei Vorjahres von ber Verwaltung gehegte Befürchtung, daß das Geschäftsjahr 1901 sich ungünstig entwickeln würde, ich nicht bestätigt, obschon ber Kran konstant» des ersten Vierteljahres in 1901 ein sehr hoher gewesen ist, so daß )er Einnahme am Ende dieses Zeitraumes mit 21000 Mr. eine Ausgabe von 28500 Mark gegenüberftanb. Der gün« tige Krankenstand während des übrigen Teiles des Jahrein Verbindung mit bem hohen Mitgliederstand ber Kasse hat bewirkt, baß ber Abschluß überaus günstig ist, so daß ein reiner Betriebsüberschuß von 14 214 Mk. 38 Pf. zu verzeichnen ist. — Ucber oie seit bem 1 Janrrar 1902 ein* geführte beschränkte freie Aerztewahl für bie Mitglieber lußert sich ber Bericht ber Verwaltung, soweit sich bisher darüber ein Urteil füllen läßt, recht günstig. Es wirb ber Hoffnung Ausbruck gegeben, baß in nicht allzu ferner Zeit, bie vollstänbig freie Wahl bes Arztes den Mitgliedern eilend ber Kasse gewährt werben könne. Die Gesamt-Beiträge der Mitglieder haben sich in 1901 gegen 1900 um 12 347 Mk. 98 Pf. gesteigert. Am 1. Januar 1901 zählte )ie Kasse 3490 männliche und 438 weibliche Mitglieder, während am 1. Juli 1901 der Bestand sich auf 3924 männliche unb 743 weibliche Mitglieder belief. An Beitrügen würben im ganzen 100 684 Mk. 92 Pf. (88 336 Uk. 94 Pf. in 1900) vereinnahmt, bas ist 22,79 Mk. pro Kopf der Ber- icherten. — Unter den Einnahmen ber Kasse befinden ich 994,94 Mk. Ersatzleistungen von 44 Arbeitgebern wegen Nichtanmelbung ober nicht richtig angcmelbeter Aersicher- ungspflichtiger. Dieser Betrag hat stch gegen 1900 um 675 Mark verringert. Der Bericht stellt diese Tbatsachc mit Befriedigung fest unb erkennt an, baß die Meldungen, insbesondere die über Lohnaufbesserungen in 1901 pünktlicher bei der Kasse eingegangen sind als in 1900, wodurch die Ersatzleistungen der Arbeitgeber in Erkranknngssüllen der Versicherten an die Kasse geringer wurden. Nachdruck, lich wird darauf hingewiesen, daß die nicht pünktlich vor- genommene Anmeldung eine» Verficherungspflichtigen im Erkrankungsfall dem Arbeitgeber teuer zu stehen kommen kann. Es liege im eigenen Interesse derselben, bah alle Melbungen pünktlich und ber Sachlage entsprechend eiligereicht werben. Vereinnahmt würben ferner u- a. 395 Mark Ordnungsstrafen, verhängt über 203 Kassenmitglieder wegen Uebcrtretung ber Kranrenvorschriften, unb weiter 221,93 Mk. Strafen von Arbeitgebern wegen Uebcrtretung ber Melbevorschriften. — An Honorar für Aerzte sinb verausgabt 18 029,03 Mk. gegen 12 363,72 Mk. in 1900, also ein Mehrbetrag von 5 665,31 Mk. Die Mehrausgabe hak in ber Hauptsache ihren Grnnb in ber mit dem 1. Januar 1901 eingetretenen besseren Bezahlung der Kassenärzte, welche vorher pro Kops 2,50 bez. 3 Mk. erhielten, im Berichtjahr aber 3 bez. 6 Mk. erhalten haben. Ali Heilmitteln unb für Arzneien wurden verausgabt 12951,99 Mk. gegen 10857,88 Mk. in 1900, also ein Mehr von 2094,11 Mk. Die erkrankten Mitglieder bezogen an Krankengeld 47 838,32 Mk. gegen 41014,74 M. in 1900, mithin ein Mehr von 6843,32 M. In Heilstätten (Bab-dcauheim unb Sandbach) wurden 28 Mitglieder seitens der Kasse in Pflege gegeben. Zur Unterstützung von Wöchnerinnen (39 Fälle) gewährte die Kasse 838,80 Mk. — Gestorben sind in 1901 27 männliche und fünf weibliche Versicherte, für die 1593 Mk. Sterbegeld zu leisten waren. Das Vermögen ber Kasse setzt sich luie solgt zusammen: Kassen bestand unb reftierende Beiträge 8122 Mk. 66 Pf., Hypotheken und Wertpapiere (für den Reservefonds angelegte) 63 457,83 Mk., Grundstücke 52400 Mk. und Inventar 1300 Marl. Tas Gesamtvermögen beträgt somit 125 780,51 Mk. gegen 114100 Mk. in 19ü0. Der 63 457,85 Mark betragende Reservefonds (59 397,83 Mk. in 1900) entspricht wegen seiner Höhe noch nicht ber Tirrchschnitts- Ausgabe der letzten drei Jahre, die 84 183,84 Mk. beträgt. Es fehlen hierzu noch 20 725,63 Mk. — Auf die durchschnittliche Mitgliederzahl von 4418 im Jahre 1901 entfielen 2081 Krankheitsfälle mit 38 522 Krankheitstagen (in 1900 bei 4008 Mitgliedern 1834 Krankheitsfälle mit 35155 Krankheitstagen.) Auf ben Krankheitsfall entfallen an Krankengelb in 1901 22,99 Mk., berselde Betrag Ivie in 1900.
* * Das Reglern ngsblat t Nr. 24, ausgegeben am 1. Mai enthält: Bekanntmachung, bie Anlegung des Grunbbuchs betreffend. Vom 23. s2lpri( 1902.
* * Litterarische Kommission des Gießener Lehrervereins. Als Zweig des Gießener Lehrervereins hat sich unter dem Vorsitz seines Obmannes neuerdings eine litterarische Kommission gebildet. Sic hat es sich zur Ausgabe gemacht, die wichtigeren Neuerschemungen auf dem Gebiete ber päbagogifchen Litteratur, insbesondere Lehrbücher, einer grünblichen unb gewissenhaften Prüfung uno Besprechung zu unterziehen. Daneben aber geb en ft sie, ihr Augenmerk ganz befonders auf bie bereits eingeführten Schulbücher zu richten, um auf Grund der praktischen Erfahrung Material zu sammeln, bas geeignet erscheint, bei erwachen Neubearbeitungen unb Neuauflagen bestehenbe Mängel beseitigen und wünschenswerte Verbesserungen herbeiführen zu Helsen.
* * Pferdemusterung. Aus die zahlreichen Beschwerden der hessischen Landwirte über die Handhabung des Pfcrdemusterungsgeschäfts, das ganz besonders mit Nachteilen für ben lanbwirtscyaftlichen Betrieb verbunben sein soll, hat das Generalkommanbo des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. Anorbnungen getroffen, bie in jeder Hinsicht den Wünschen der Lanowirte Rechnung tragen. Ferner hat bas Kommando die Ernennung eines weiteren Pferbemufterungskommifsars in Aussicht gestellt.
*• Turnerisches. Wie wir erfahren, beabsichtigt der hiesige Tumoerein am Himmelfahrtstage einen Turngang (Ta- gc5ionr) nach ber Saalburg zu unternehmen. Freunde ber Turnfache unb eines schönen Turnganges sinb willkommen. Näheres wirb noch bekannt gegeben.


