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2.8.1902 Erstes Blatt
 
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Sir. 179

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

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Adresse für Depesche«: Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt. 153. Jahrgang

Samstag Ä. August LS9L

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

VezugSpreiSr monatlich75Pf.,viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePostMk.2.viertel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps, auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal": Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Gießen, 1. August 1902.

Betr.: Fürsorge für Idioten.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Sie wollen feststellen, wieviel schwachsinnige Kinder bis zu 13 Jahren in Ihrer Gemeinde von denjenigen abgesehen, welche bereits in der Anstalt Alicestift zu Darmstadt unter­gebracht sind, noch der Aufnahme in eine Anstalt harren oder etwa der allzugroßen Entfernung von Darmstadt wegen, obwohl anstaltsbedürstig, noch nicht angemeldet worden sind. Ihrem Berichte sehen wir binnen acht Tagen entgegen.

I. 23.: Dr. Wagner.

Gießen, 29. Juli 1902.

Betr.: Maßregeln gegen das Ueberhandnehmen der raben­artigen Vögel.

Das Größtmögliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Da wiederum Klagen über die starke Vermehrung der rabenartigen Vögel erhoben worden sind, empfehlen wir Ihnen, erforderlichenfalls die geeigneten Maßnahmen zur Vernichtung dieser Vögel (Raben, Krähen, Dohlen, Elstern, Häher) zu treffen. Es empfiehlt sich insbesondere die Vertilgung mittelst Abschießens durch die Jagdpächter und durch andere zu­verlässige, mit Zustimmung der Großh. Oberförstereien und mit unserer Genehmigung zu b.estellenden Personen, sowie (zu geeigneter Zeit) das Ausheben der Eier und der Jungen. Es kann hierfür eine Vergütung aus der Gemeindekasse bis zu 20 Pfg. für jeden abgelieferten Vogel und bis zu 10 Pfg. für jedes ausgehobene Ei gewährt werden.

I. 23.: Dr. Wagner.

Der Kaiser in Schwerin.

Schwerin (Mecklenburg), 1. Aügust.

Heute mittag traf der Kaiser mit den Herren seines Gefolges hier ein. Auf dem reichgeschmückten Bahnhose waren der Großh erzog, der Kürassieruniform trug, die Herzöge Paul Friedrich, Johann Albrecht, Adolf Fried­rich, Heinrich Borwin, sowie Prinz Heinrich XVIII. Reuß zum Empfang erschienen. Zum Ehrendienst beim Kaiser ist Oberstleutnant von Manteuffel kommandiert. Auch der mecklenburgische Gesandte in Berlin, v. Oertzen, war an­wesend, sowie die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden. Eine Ehrenkompagnie des 85. Regiments war am Bahn- hof ausgestellt, Der Kaiser, der die Uniform der Marine- Infanterie trug, begrüßte den Großherzog auf das Wärmste. Nach der Begrüßung der übrigen Fürstlichkeiten und Vor­stellung der Umgebungen schritten der Kaiser und der Groß­herzog die Front der Ehreukompagnie ab, und ließen sie alsdann in Parademarsch vorbeidefilieren. Dann be- «der Kaiser die anwesenden Minister und bestieg mit roßherzog den Wegen zur Fahrt nach dem Schlosse. Eine Schwadron Dragoner eskortierte. Die Feststraße, vom Bahnhof am Pfassenteich vorüber zum Schloßplatz, war mit Triumphbogen, Guirlanden urrd Flaggenmasten ge­

schmückt. Die Kriegervereine von Mecklenburg und ein I zahlreiches Publikum bildeten Spalier. Im Schlosse em­pfingen die fürstlichen Damen und die Hofchargen den Kaiser. Eine Batterie des Feldartillerie-Regiments Nr. 60 erwies militärische Ehren. Beim Frühstück führte der Kaiser die Großherzogin Marie. Am Nachmittag begaben sich die Fürstlichkeiten auf dem DampferObotrit" über den Schweriner See zum Schlosse Wiligrad, wo beim Her­zog und der Herzogin Albrecht der Thee genommen wurde, die Fürstlichkeiten kehrten mit der Bahn von Wiligrad nach Schwerin zurück

Um 6 Uhr sand im goldenen Saal Galatafe l statt. Der Kaiser führte die Großherzogin Marie, der Großherzog die Herzogin Paul Friedrich. Bei der Tafel saß der Kaiser rechts vom Großherzog. Es folgten nach rechts und links die anwesenden Fürstlichkeiten. Gegenüber dem Kaiser saß Oberhofmarschall v. Hirschfeld zwischen dem Ministerpräsi­denten Grafen Bassewitz-Levetzow und den Gesandten von Tschirschky und Bögendorff rechts, dem kommandierenden General v. Massow, dem Justizminister Amsberg und dem Gesandten v. Oertzen links. Im Lause des Mahles erhob sich der Großherzog zu folgendem Trinkspruch:

Der heutige Tag, welchen Eure Majestät zu einem Freudentag gemacht haben, stellt vor unser geistiges Auge das Festgebild vergangener Tage, der Tage, an welchen Mecklenburg den hochseligen unvergeßlichen Großvater und den herrlichen Vater Eurer Majestät als erlauchte Gäste und Verwandte unseres Hauses be­grüßen dürste mit jubelndem Zuruf. Ew. Majestät haben mit dem heutigen Tage die Vergangenheit zur glücklichen Gegenwart werden lassen. Ich danke Cw. Ma­jestät innigst für meine Person, aber nicht nur für meine Person, sondern auch im Namen meines Landes, denn ich darf wohl Ew. Majestät mit stolzer Freude versichern, daß jeder Mecklenburger auch ein treuer Deut­scher ist, und daß Mecklenburg ein Glied ist in der eisernen Kette, welche die Einheit im deutschen Reiche sichert. Es soll unsere Aufgabe, unser Stolz und unsre Freude sein, nach dem Vorbilde Ew. Majestät unsere Kraft und unser Leben in den Dienst des Vaterlandes zu stellen 'ind freudig zu opfern, für des Reiches Herr­lichkeit. Wir rufen aus vollem Herzen: Eure Majestät Hurrah! Hurrah! Hurrah!"

Der Kaiser erwiderte:

Ich bringe Eurer kgl. Hoheit meinen herzlichsten Dank entgegen, daß Sie mir die Gelegenheit gegeben haben, die alten Traditionen innigster Verwandtschaft und Freundschaft, welche zwischen unfern beiden Häusern seit Alters her gepflegt wurden, und bestanden haben, auch zwischen uns beiden, Eurer kgl. Hoheit und mir, sortzusetzen. Eure kgl. Hoheit haben erwähnt der Tage, Die mein hochseliger Großvater und mein inniggeliebter Vater im gastfreien Hause hier zubringen durften. Ich selbst bin Zeuge gewesen des innigen Verkehrs zwischen Ihren und meinen Vorfahren. Ich darf es wohl sagen mit Freuden, daß ich hier kein Fremder mehr bin. Ich habe mit diesem Hause und Volke zusammen getrauert an der Bahre hoher dahingeschiedener Fürsten, ich habe auch Freudenfeste mit denselben feiern können. Ich kehre in mir bekannte und mir lieb gewordene Räume und Kreise zurück, und hoffe von ganzem Herzen, daß die innigen und warmen Beziehungen, die zwischen den

Häusern Mecklenburg und Hohcnzollern, zwischen dem mecklenburgischen Volke und dem preußischen bestehen, eifrig weiter gehegt und gepflegt werden. Ich habe kennen und schätzen gelernt das innige Verhältnis zwi­schen dem meck.cnburgischen Volke und seinen Herrschern, das verständn., . nc Eingehen auf die Wege, die der Landesherr roei).'. ^ch bin niemals über die Reichstreue und deutsche Gesinnung der Mecklenburger im Zweifel gewesen. So möge denn der Segen Gottes auf der Regierung Eurer kgl. Hoheit und Ihres Hauses ruhen. Dessen mögen Sie sich versichert halten, daß mein Herz immer das wärmste Interesse für Sie und Ihr Land hegt, dieses Land, das eine Reihe tüchtigster Regenten hervorgebracht hat, dieses Land, das einen der besten Massiker unserer deutschen Schriftsprache geliefert hat, dieses Land, dem wir Fritz Reuter verdanken. Ich fasse meine Wünsche zusammen, indem ich auf das Wohl des Herrschers des Landes und des mecklenburgischen Hauses trinke. Seine kgl. Hoheit, der Großherzog, und sein ganzes Haus Hurrah! Hurrah! Hurrah!"

Der Kaiser verlieh dem Präsidenten des Staatsmini­steriums Grafen Bassewitz-Levetzow, dem Generaladjutan­ten des Großyerzogs Gen.-Lt. Frhr. v. Maltzahn und dem Jußizminister Dr. v. Amsberg den Kronenorden 1. Klasse und dem Oberhofmarschall v. Hirschfeld den roten Adler­orden 1. Klasse.

Am Abend reiste der Kaiser nach Kiel ab.

Dolttische Tagesschau.

Zum Würzburger Profesiorenstreit,

Die Gegensätze, die sich durch den Verlauf der Affaire Chroust-Brenner innerhalb des Würzburger Professoren- Kollegiums herausgebildet haben, bestehen unverändert fort. Ein Beweis dafür ist die Thatsache, daß die katholischen Mitglieder des Senats der Senatssitzung vom vorigen Donnerstag, in der die Stellungnahme des Senats zu den von der Regierung an ihn gelangten Aeußerungen beraten wurde, gemäß vorheriger Vereinbarung fernblieben, obwohl natürlich auch an sie eine Einladung ergangen war. Wie dieMünch, R. Rachr." erfahren, lag dem Senat ein von dessen juristischen Mitgliedern ausgearbeitetes Referat vor, das auch vom Senat einstimmig ohne irgendwelche Aenderung an­genommen wurde. Das Referat hält an dem seither vom Rektor und der Mehrheit des Senats vertretenen Standpunkt in der bekannten Streitfrage, insbesondere auch gegenüber den Aeußerungen des Kultusministers Dr. v. Landmann fest und ist eineErklärung", durch die der Senat in nichts von dem seither beschrittenen Wege abweicht.

Die Ernennung des bisherigen bayerischen Gesandten in Wien Frei Herrn o. Podewils zum bayerischen Kultus­minister ist nunmehr erfolgt. Ein Telegramm meldet aus München, daß der Prinzregent das Ernennungsdekret des Frei­herrn v. Podewils, der wieder in München eingetroffen ist, unterzeichnet hat. Es sei hier einer Studie Erwähnung ge- than, die von derR. Fr. Pr." über Frhrn. v. Podewils veröffentlicht wird. Die diplomatischen Beziehungen des Freiherrn v. Podewils zur Kurie und seine voraussicht-

Jer Iriedhof aus dem Aodtöerge.

Gießen, 2. Aug.

Hoch oben ans dem einsamen Rodtberge, fern von dem rastlos pulsierenden Leben, das die Straßen und Plätze Gießens erfüllt, hat des Baumeisters Kunst den Toten einen stillen Tempel errichtet. Kein Laut dringt aus jene Höhe, verödet und verlassen scheint der.Platz, der so vielen Menschen eine letzte Ruhestätte werden soll. Wer er scheint es nur zu sein; denn laut spricht hier die Natur, die ihre herrlichste Landschaft zu den Füßen des Besuchers aus- breitet Fernhin schweift der Blut zu den Bergen, die das Panorama in weitem Rund begrenzen, dre bald mit Burgen gekrönt, bald mit einem Diadem leuchtender Atmosphäre umsäumt sich mit dem zarten Blau des un­endlichen Alls zu vermählen scheinen; weithin auch gleitet der Blick über die in langgestrecktem Bogen an die Berge sich anschmiegende Stadt Gießen mit den vielen Straßen und Gäßchen, und über allem wölbt sich der prächtige Sommer. . Himmel mit seiner strahlenden Sonne, seinem reichen, glän­zenden Farbenspiel.... Es ist em glücklicher Gedanke gewesen, hier oben auf dem Rodtbergc den neuen Friedhof an-uleaen und eine der Stadt Gießen würdige Kapelle zu errichten^ Mrgend anders wird der Geist des Menschen so sehr von dem Irdischen abgelenkt, wie hier, wo die Natur elbst Besitz von seinem Denken ergreift und ihn das Ewige, llnsaßbare des Seins, des Weltalls ahnen laßt Dort das sckassende Leben, seine Freude, sein Leid, h er die erhabene Stille des Todes, gemischt mit der Maieftat der wunder- 6Qte@sdurfte eines Baumeisters, der die stille Größe des Platzes h er oben zu würdigen wußte der em Werk zu schaffen verstmid, daS sich; mit den .ErnpNndungen, die jedes Menschen Brust hier ersuNen müssen, im Einklang befand. Die Aufgabe siel dem. Stadtbaur-ck. Schmandt zu und er hat sie glänzend gelost Er hat den Gießenern hier ein in edelster Einfachheit gehaltenes monumenMles Gebäude errichtet, das sich ebensosehr durch die Reinheit seiner Formen, wie durch einen seinen und aelauü:rten Geschmack auszeichuet. Und auch die ganze Anlage des Friedhofes läßt ohne weiteres erkennen daß Baurat Schmandt hier Schönheit und Zweckmäßigkeit zu einem har- monischen Ganzen vereinigt hack

Die Geschichte des neuen Friedhofes ist noch nicht alt. Sie beginnt eigentlich erst mit dem Jahre 1895. Nachdem eine Erweiterung des alten Friedhofes durch eine genaue Untersuchung ausgeschlossen war, begannen auf die Initia­tive des damaligen Oberbürgermeisters Gnauth hin die ersten umfangreichen Vorarbeiten für die Anlage eines neuen Friedhofes. Bodenunter suchen gen wurden vorge­nommen, uni) die örtlichen und Grundwasserverhältnisse in verschiedenen Gebieten der Umgebung der Stadt ein­gehend studiert. Diese mühsamen Untersuchungen wurden ausgeführt vom Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Gafsky und vom Stadtbaurat Schmandt. Nachdem man sich dann für das Gebiet im Norden der Stadt entschieden hatte, begannen größere nivellitische Aufnahmen und eingehendere Bodenuntersuchungen; Lagepläne wurden entworfen und sogar ein Modell des Terrains hergestellt. Der Gelände- bedarf wurde mit Rücksicht auf die wahrscheinliche Bevölke­rungszunahme auf 8 Hektar (80 000 Qnadratmeter) fest­gesetzt.

Es erfolgte dann die kreisamtliche Genehmigung zur Anlage des Friedhofes auf dem Rodtberge. Für den Erwerb des Geländes, der grötenteils nur im Wege der Enteignung durckzuführen war, wurden 26 250 Mk. vorgesehen.

In den Jahren 1898/99 konnte endlich mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Zunächst wurde die 400 Meter lange Zufuhrstraße angelegt, die mit den Baumpflanzungen einen Kostenaufwand von 16 000 Mk. erforderte. Die Straße zweigt sich von der Marburgerstraße ab und mündet in den Platz vor dem Verwaltungsgebäude.

Nachdem vom Stadtbauamte ein Voranschlag für die Friedhofsanlage entworfen worden war, bewilligten die Stadtverordneten einen vorläufigen Kredit von 140 000 Mk. pro 1898/99. Im eigentlichen Projekte, das jetzt entworfen wurde, waren vorgesehen: Verwalterwohnung, Friedhoss- kapelle, Leichenhalle, Arzt- und Sezierraum, und,, wegen der exponierten Lage des Friedhofes, Schutzhallen für das Publikum, um dieses gegen die' Unbilden der Witterung zu schützen. Reserviert wurde ein Platz für ein später zu er­bauendes Krematorium. Der Charakter des Friedhofes sollte der eineskommunalen Begräbnisplatzes" sein, gleich für alle Bekenntnisse. t c

Im September 1899 wurden die Erd- und Planierungs- arbeiten vergeben. Nicht weniger wie 25 000 Kubikmeter

Erde mußten bewegt werden, um das wellige und abschüssige Terrain brauchbar zu machen. Auf dem ebenen Platze wur­den alsdann die parkartigen Wege angelegt, die eine Ge­samtlänge von 3,200 Kilometer erreichen (d. h. etwa so lang sind, wie die Entfernung vom Wallthor zum Klein- Lindener Viadukt).

Für die Erbbegräbnisstätten wurden die Plätze an der Umfassungsmauer mit 4,50 Meter Tiefe bestimmt, ebenso zu demselben Zweck mit etwas geringerer Tiefe die Plätze um die einzelnen Gräberfelder. Die Entwässerung erfolgt durch eine kaskadenförmig gebaute Entwässerungsanlage.

Die Hochbauten wurden im Frühjahr 1900 begonnen, mußten aber im Sommer desselben Jahres monatelang wegen des Maurerstreiks ruhen. Die Gesamtanlage wurde nach dem Entwurf des Stadtbaurats Schmandt aus­geführt, dem auch die oberste Leitung oblag. Die Details bearbeitete der Assistent des Stadtbaurats, Architekt Ger­bet, die übrigen Friedhofanlagen der Bautechniker Köh­ler. Die örtliche Bauleitung lag zunächst in den Händen des Bauführers 9!oll, später wurde sie von dem Bau­führer Grode und dem Bautechniker Köhler übernommen. Die Baumpflanzungen stellte, toie wir hier gleich erwähnen wollen, der <Btabtgärtner Balser her.

Am Ende des Zufahrtsweges wurde der Gebäudekom­plex errichtet. Dem Charakter der Landschaft mit ihren alten Burgen, dem Gleiberg und dem Vetzberg entsprechend, hatte Stadtbaurat Schmandt den Uebergangsstyl (Frühgotik) gewählt. Zur Bekleidung der Fassaden lieferten die preu­ßisch-hessischen Basaltwerke in Londorf den sog. Lungstein (Bösaltlava). Ter zur Verwendung gekommene Sandstein von der Nahe ist von der Firma Wilh. Jockel in Adern heim a. Gl. bezogen worden.

Seinem Zweck entsprechend ist das A-eußere der Bauten ruhig, ohne überflüssigen Zierrat gehalten, und das ist gut so; denn die großen Flächen wirken durch das dunkle Material auch ohne jeden Zierrat und verleihen dem Bau­werk die Stimmung, die hier oben die allein herrschende sein kann.

Durch ein Thor treten wir in den stillen geräumigen Vorhof, der die Gestalt eines römischen Atriums hat. Rechts und links erstrecken sich Säulengänge: das Verwal- teraebäude, unter dem wir eben durchgeschrckten sind, mit der Kapelle verbindend. Die Anlage