Ausgabe 
2.5.1902 Zweites Blatt
 
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Frertag S. Mai 1002

ISS. Jahrgang

Zweites Blatt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v **

Nr. 103

Erscheint täglich außer Sonnlags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschen Landwirt die Eteßener Kamilien- blätter viermal in der

Woche betgelegt Rotattonsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch- wStein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktton, Expedition unb Druckerei:

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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen WM

Die heutige Kummer umfaßt 10 Setten.

Aas Hjeanjynoikat.

Tie Mitteilungen der Verwaltung des Norddeut- scheu Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie Über ihre durch Vertrag festgelegte Stellung zu dem amerikanisch-englischen Schiffahrts-Syndikat werden in der Presse lebhaft erörtert, teils in zustimmendem, teils in ab­lehnendem Sinne. Tie letztere Kritik findet sich vorwiegend in den agrarisch gerichteten Blättern. Von dieser Seite wird bekanntlich seit geraumer Zeit die Vcrftaatlich- ung der genannten Großrhedereien gefordert, unter Hin­weis auf die den nationalen Interessen angeblich drohen­den Gefahren. Tie Fachkreise an derWasserkante" wenden »utressend ein, daß die Verstaatlichung der modernen See­schiffahrt mit deren Wesen und Zweck unvereinbar sei. Andererseits freilich heißt es die Sachlage verkennen, wollte man den Veränderungen, die sich vollziehen, jede Bedeut­ung für deutsch-nationale Jn^errsien absprechen. Es er­weist sich jetzt vielmehr, daß Mr. Morgan, der Organi­sator des gigantischen Unternehmens, draus uiid dran war, die deutschen Tampfcrlinicn als festes Glied dem Syndikat einzusügen, wodurch die Selbständigkeit und damit der nationale Charakter der Bremer und Hamburger Rhederei zweifellos verloren gegangen wären. Tie Tirektoren Dr, Wieg and t und 23 all in haben dieses Ansinnen, wie nicht anders erwartet werden konnte, abgelehnt.

Zur richtigen Beurteilung des Vorganges ist vor allem nötig, sich gegenwärtig zu halten, daß die deutschen Rhede- reien dem amerikanisch-englischen Syndikat gegenüber sich in einer gewissen Zwangslage befinden. Ter Versuch, den Wettkamps in Bezug auf Frachttarife, Passagepreise, Anzahl der Fahrten usw. mit den vereint marschierenden Gegnerin durchzuführen, hätte vielleicht mit der Niederlage der deut­schen Gesellschaften geendet. Alle in jahrzehntelanger mühevoller Arbeit erzielten Errungenschaften der deutschen Seeschiffahrt, derenRückgrat" nun einmal die nordatlan­tische Route ist, würden damit in Frage gestellt. Es war also für die beiden deutschen Großrhedereien ebenso ein Gebot der Selbsterhaltung, wie es auch den nationalen Interessen Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser" zu gute kommt, daß eine Verständigung mit dem Schiffahrts-Syn­dikat erstrebt wurde. Was bisher über den betreffenden Vertrag verlautete, läßt erkennen, daß das Prinzip der Gegenseitigkeit zunächst in Bezug auf die finanzielle Seite der Sache festgelegt ist. Die deutschen Rhedereien und das Syndikat sind wechselseitig, in einem bestimmten Rahmen, an den Erträgen ihrer Betriebe in der nordatlan­tischen Schiffahrt interessiert. Dagegen wird sich im all­gemeinen nichts sagen lassen. Eine größere Stetigkeit der Frachtsätze und damit eine bessere Einnahme aus diesem Geschäft wird eben durch den Zusammenschluß der Rhede­reien ermöglicht. Weniger absehbar hinsichtlich der finan­ziellen wie allgemein-wirtschaftlichen Konsequenzen er­scheint die Bestimmung des Vertrages, derzufolge die deut­schen Gesellschaften sich verpflichtet haben, ihren gegen­wärtigen Verkehr von England nicht über ein be­stimmtes Maß zu erweitern. Ob hieraus eine Ein­engung der Bewegungsfreiheit der deutschen Rhedereien folgt, dürfte der für die außerordentliche Generalversamm­lung der Aktionäre des.Lloyd" am 28. Mai zu erwartende Bericht der Verwaltung k'larlegen. Ueberhaupt wird ein abschließendes Urteil über die Angelegenheit wohl am besten bis dahin zurückgestellt. Daß gewichtige deutsche Interessen durch das auf 20 Jahre bemessene seewirtschast- liche Abkommen nicht beeinträchtigt werden, ergiebt sich ohne weiteres aus der von glaubwürdiger Seite verbürgten Thatsache, daß die Direktoren Dr. Wiegandt und Ballin vor Abschluß des Vertrages den Kaiser von dessen Bestimm- ungen in Kenntnis setzten.

Aus Stal»! uni) Kani).

Gießen, 2. Mai 1902.

* Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 7, aus- gegeben am 29. April enthält: 1. Bekanntmachung, sum­marische Uebersicht der Rechnung der Regierungsrat May- schen Schulunterstützungs-Stiftung für 1900 betreffend. Vom 28. Dezember 1901. 2. Uebersicht der vom Ministerium des Innern für das Jahr 1902/03 zur Bestreitung der Kom­mun alb edürfnifse der Gemeinden des Kreises Schotten genehmigten Umlagen. 3. Uebersicht der vom Großh. Mi­nisterium des Innern für das Etatsjahr 1902/03 genehmig­ten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse in den zum Steuerkommissariatsbezirk Bingen gehörigen Land­gemeinden des Kreises Bingen. 4. Dien sm ach richten.

Am 5. April wurde der Louis M ö b u s zu Bad- Salzhausen zum Badewärter bei der Bade-Anstalt Bad- Salzhausen ernannt; am 18. April wurde dem Schul­lehrer Mergott zu Beuern, Kr. Gießen, die 2. Lehrer­telle an der Gemeindeschule zu Obbornhofen, in dem- elben Kreise, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Schättl er zu Rüddingshausen, Kr. Gießen, eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Dudenhofen, Kr. Lffen- dach übertragen.

6. Nachweis der Befähigung zur Uebemahme eines Kirchenamts. , _ , . . , , o

lieber den Besitz der nach Artikel 1 nnd 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchen­amts notwendigen Eigenschaften ist der Nachweis er­bracht worden: bezüglich der Kandidaten der evange­lischen Theologie Bender ans Darmstadt, Hofmann aus »ohen-Sülzen, S ch n e i d e r aus Hochheim, Schulz aus Offenbach, Waas aus Darmstadt und Wöntz- Hoffer ans Eppelsheim; bezüglich der katholischen

Geistlichen Brandt aus Udenheim, Feuerbach aus Ober-Wöllstadt, Hans aus Münster, Ille aus Gerns­heim, I o st aus Tarmstadt, K a ft e l l aus Worms, Sch ä - f er aus Herrnsheim, Schmitt aus Offenbach, Seipel aus Groß-Steinheim, T h o m i n ans Mainz undZinßer aus Seibelsdorf.

8. Ruhestandsversetzung. 9. Kvnkurrenzeröffnunaen.

Erledigt sind: eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß-Eichen, Str. Schotten. Mit der Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden, die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende ö. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sprendlingen, Kr. Offenbach. Dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Prä- sentalionsrecht zu derselben zu, beide mit dem gesetz­lichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

** Falsche 20 - M a r k - S ch e i n e, die von den echten nur sehr schwer zu unterscheiden sind, tauchen eben in verschiedenen Gegenden des Reiches auf. Auf der Rückseite ragt das erstez" vonZwanzig Mark" etwas über die Linie hinaus. Auf die Entdeckung der Verfertiger oder Verbreiter ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.

** Arbeiter-Kolonie N e u - U l r i ch st e i n. Ende April befanden fick) auf der Kolonie stellen- resp. arbeits­los 49 Mann. Seit dem Bestehen der Anstalt wurden aus­genommen 4300 und entlassen 4251 Mann. Der Bestand am 1. April 1902 betrug 95, dazu kamen 14, während 60 weg­gingen. Gründe der Entlassung waren : In Stellung durch die Kolonie 1, durch eigenes Bemühen 9, auf eigenen Wunsch 46, wegen schlechten Betragens 4. Tie Kolonie verpflegte an 1862 Tagen und arbeitete 1623 Tage.

t Krofdorf, 1 Mai. Die für den Kreis Wetzlar bestellte Kreis-Handarbeitslehrerin, Frl. Merle, unter­zieht gegenwärtig sämtlichen Hatidarbeitsunterricht der Bürgermeisterei Atzbach einer Revision. Im Vorjahr wurden die Schulen der Bürgermeisterei Launsbach einer solchen unterzogen. Infolge der Ueberwachung des Hand­arbeitsunterrichts, sowie der gründlichen Vorbildung sämt­licher Handarbeitslehrerinnen hat der Handarbeitsunter­richt in sämtlichen Landgemeinden eineu bedeutenden Auf­schwung genommen. Neben der Revision der Schulen hat das Fräulein auch die Ausgabe, abwechselnd in den einzelnen Bürgermeistereien Kurse für Handarbeitslehrerinnen der Volksschulen abzuhalten. Denselben haben sich auch die bereits im Lehramt thätigen Handarbeitslehrerinnen zu unterziehen.

(:) Aus dem Kreise Wetzlar, L Mab Wie im vorigen Jahr so wird auch diesmal wieder die Beteiligung an den am 3. Mai beginnenden Kursen für Volksschullehrer an der Universität Gießen von selten der Lehrer unseres Kreises sehr groß Aus allen Teilen des Kreises Wetzlar von der Dill-, Lahn- und Braunfelser Gegend nehmen die Lehrer mit Vorliebe an dieser praktischen Einrichtung An­teil. Bei dem Vorsitzenden des Lehrervereins, Scheidt- Laufdorf, hatten sich vor mehreren Wochen bereits 50 Besucher angemeldet.

ö Nieder-Moos, 1. Mai- Heute nachmittag fand unter großem Trauergefolge die Beerdigung des Pfarrers Schultheis statt, ^eine Gemeinde betrauert tief feinen Heimgang, da er als tüchtiger Seelsorger sich das ganze Vertrauen und die Liebe seines Kirchspiels erworben hatte. Ter erst im 33. Lebensjahre steyende Mann wurde vor etwa zwölf Tagen plötzlich von drei Krank­heiten befallen, Rippenfellentzündung, Lungenentzündung und Hirnentzündung, denen er zum Tupfer fiel. Erft vor einigen Monaten hatte er sein Anstellungsdekret erhalten.

k Fauerbach b. Nidda, 1- Mai. Am Sonntag wurde die hiesige neue Kirchenorgel durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer-ülos-Wallernyausen eingeweiht und ihrer Be­stimmung übergeben. Ter Redner sprach über die Worte: Singet dem Herrn", welche als Inschrift über der Orgel prangen. Ter Erbauer des Werkes ist Orgelbauer Eifert aus Stadtilm t Th. Tas Werk ist dem Gotteshause an- gepaßt und soll nach dem Urteil Sachverständiger solid und kunstvoll sein, sodaß es dem Erbauer alle Ehre macht.

o. Romrod, 30. April. Ein äußerst frecher uiid ver­wegener Einbruchsdieb stahl würbe vergangene Nacht hier verübt. Der schon durch einen früher bei ihm ver­übten Diebstahl vorsichtig gewordene Gastwirt und Metzger Spam er von hier pflegt jeden Abend seine Geldkasse mit ins Schlafzimmer zu nehmen, das von einem scharfen Hund bewacht wird. Trotzdem gelang es dem Dieb, in das Schlaf­zimmer, in dem drei erwachsene Menschen schliefen, einzu­dringen und die ganze Kasse, die durch eine große Einnahme am Tage vorher gegen 4000 Mark in sich barg, mitzu­nehmen. Es erregt allgemeine Verwunderung, daß der sonst so lebhafte und bissige Hund, der vor der Thüre des Schlafzimmers lag, feinen Ton von sich gab. Spamer wurde wach und sah gerade noch den Dieb, der eine Stearinkerze in der Hand hatte, aus dem Zimmer entweichen. Vorher aber war schon, wie Tropfen deutlich zeigten, der Tieb in fast allen Zimmern des Hauses gewesen, auch in dem Schlafzimmer des zur Zeit hier anwesenden Gestütsdieners, dem er die auf dem Tische liegende Taschenuhr ent­wendete. Merkwürdigerweise wurde zur selben Zeit in das der Spamerschen Wirtschaft benachbarte Haus des Handelsmanns Josef Flörsheim eingebrochen. Hier kam der Dieb zunächst in das Schlafzimmer des Dienst­mädchens, das er, an den Haaren fassend, aus dem Bette herauszog. Durch Hllferufe wurde der Eindringling ver­anlaßt, schnell das Haus zu verlassen. Heute morgen wurde der Geldkasten Sparners mit noch 4 Goldstücken Inhalt und der Taschenuhr des Gestütsdieners im nahen Walde von spielenden Kindern gefunden. Dieser Einbruchsdlebstahl ähnelt sehr den vor wenig Wochen in der Büdinger Gegend verübten, und es ist daher wohl anzunehmen, daß eine gut organisierte Einbrecherbaude zur Zeit unsere Provinz

durchzieht. Beglreiflicherweise ist die ganze Gegend in größter Aufregung. Die Polizei müßte die größte Anstreng­ung machen, solchem Tiebesgesindel auf den Leib zu rücken.

T a r m ft a b t, 1. Mai. Ein schreckliches Ereignis hat ich gestern morgen zugetragen. Die Frau eines Heizers hatte ihr 5 Monate altes Kind gewaschen und war im Be­griffe, dasselbe anzukleiden. Kurz vorher hatte sie, um Wäsche zu bereiten, einen Kübel mit kochendem Wasser auf den Boden gestellt. Sie hatte das Kind auf den Knieen liegen und mußte sich, um die Kleidungsstücke von einem hinter ihr stehenden Tische zu nehmen, halb rückwärts wenden, wobei sie das Kind anscheinend losließ Dasselbe iel von den Knieen direkt in den Behälter mit kochendem Wasser, wobei es vollständig ver­brüht wurde, sodaß es nach einer halben Stunde trotz ärztlicher Hilfe verschied.

b. Mainz, 1. Mai. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, beabsichtigt der Großherzog bald nach seiner Rückkunft aus Italien für kurze Zeit hier in Mainz feine Residenz auszuschlageu. In dem Schlosse werden schon die nötigen Vorbereitungen getroffen.

r. Wiesbaden, 1. Mai. Lord Roberts, der gegenwärtig zur Wiederherstellung feiner Gesundheit hier weilt, wird sich später einer Nachkur in Bad-Nauheim unterziehen. Wie die Blätter zu melden wissen, wird der Lord während des Aufenthalts des Kaisers in Wies­baden am 15. resp. 16. Mai von dem Monarchen in Audienz empfangen werden und Grüße König Edwards überbringen. Lord Roberts werde auch die Düsseldorfer Ausstellung be­suchen und als Gast des Kaisers den diesjährigen Kaiser- monöüern beiwohnen.

Schierstein, 1. Mai. Dieser Tage stießen Arbeiter der Wiesbadener Wasserwerksverwaltung, die eben Wasser­bohrungen in der Umgegend unseres Ortes vornehmen, in dem Bette des von Frauenstein herkommeuden Baches etwas unterhalb der Groroder Mühle ui einer Tiefe von etwa 42 Metern auf eine ziemlich starke Mineralquelle. Eine vorgenommene chemische Untersuchung soll ergeben haben, daß das Wasser Kochsalz, kohlensaures Natron und Spuren von Lithium enthalte. Die Temperatur beträgt etwa 15 Grad Celsius. Ein eingesetztes Rohr, das aus dem B a ch b e t t e emporragt, läßt schon von weitem die Stelle erkennen, an der die Quelle sich befindet.

Frankfurt a. M., 1. Mai. Sergeant Hickel in Frank­furt. Die Firma I. Jttmann hier, hat derKl. Pr." zufolge, gestern abend nach Bekanntwerden des freisprechen­den Urteils im Gumbinner Prozeß dem Sergeanten Hickel telegraphisch das Anerbieten einer Anstellung in ihrem Geschäft gemacht und ihm im Falle der Annahme einen monatlichen Gehalt von Mark 150 zugesichert. Hickel hat bis zur Stunde noch nicht geantwortet.

Universitäts-Nachrichten.

Der Verein süddeutscher Laryugologen hält seine 9. Der- sammlung am Pfingstmontag zu Heidelberg ab. Aus Mar­burg wird geschrieben: Am 3. Mai habilüiert sich hier in der philosophischen Fakultät als Privatdozent Dr. Heinrich Jung mit einer Antrittsvorlesung über Leonhard Euler. In der juristischen Fakultät in Halle habilitierte sich am 1. Mai Gerichtsassessor Ur jur. M. Fleischmann mit der Antrittsvorlesunglieber ben Friedericianischen Sozialismus". Man schreibt aus Zürich: Tie von der juristischen und medizinischen Fakultät der hiesigen Hochschule für das letzte Jahr ausgeschriebenen Prersaufgaben haben, wie bei der Jahresfeier der Universität mitgeteilt wurde, keine Bearbeitung erfahren. Tie staatswissenschaftliche Fakul­tät schreibt für 1902/1903 als Thema einer Preisarbctt aus: .Die geschichtliche Entwickelung der Züricher Effektenbörse und deren gegenwärtiger Zustand."

Verbotene Burschenschaft. Tie akadennsche Behörde der Universität Berlin hat diefreie Burschenschaft" Gothia nach § 41 der Allgemeinen Vorschriften verboten,weil sie Angehörige einer anderen Hochschule als sarbentragendeConkneipanten" mit den Rechten der aktiven Mitglieder ausgenommen und außerdem eine wesentliche Aenderung ihrer Statuten ohne Genehmigung des Rektors vorgenommen hat." DieGothia" besteht seit dem 4. De­zember 1886.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

O Grüuberg, 1. Mal. Obwohl der heute hier statlgehabie Markt, der sogen. Konfirmandenmarkt, vom Wetter nicht sehr begünstigt war, brachte er doch unserem Städtchen recht lebhaften Verkehr. Auf dem Viehmarkt waren Schweine, namentlich jüngere Ferkel, in großer Anzahl sowohl von Landwirten als auch von auswärtigen Händlern auigetrieben. Infolge der starken Nachfrage mären die Preise ungewöhnlich hoch. Sechs bis acht Wochen alte Ferkel kosteten 65 bis 80 Mk. das Paar, ältere wurden zu 85 dis 100 Mk. das Paar verkauft. Es sind dies Preise, rote sie seit Jahren nicht erreicht wurden. Ter Handel mit Rindvieh ging weniger lebhaft. Ta in den meisten Orten hiesiger Gegend die Kon­firmation zu Pfingsten stattfindet und die Landwirte auf diesem Markte den Bedarf an Kleidern, Schuhen u. f. w. für das bevor­stehende Fest zu decken pflegen, waren die Geschäftsleute bis in die Nachmittagsstunden vollauf beschäftigt.

)( Nreder-Moos, 30. April. Ter heutige erste Viehmarkt war verhältnismäßig stark befahren, ünfgctrieben waren zirka 400 Stück Schweine, meistens Ferkel, die sehr gesucht waren. Je­doch waren verhältnismäßig wenig Käufer da, sodaß nicht alles verkauft wurde. Tas Paar sechs bis acht Wochen alte kostete 5260 Mk., ältere, acht bis 10 Wochen alt, 6070 Mk. Sogen. Einlegeschweine (Läufer) wurden mit 90120 Mk. das Paar ver­kauft; hierin wurde fast alles verkauft. Nur wenige Zuchtschweinc roaren angefahren, wovon einige verkauft wurden, das Stück mit 65 bis 70 Mk. Fette Schweine sind im J3reifc etwas zurück- gegangen, doch kostete immerhin das Pfund Schlachtgewicht 57 bis 58 Pf., Lebenogewicht 4547 Pf. Es wurde alles verkauft. Der Handel war im allgemeinen gut.

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Für die Redaltton verantwortlich j. B.: A. Dittmarrrr,