Ausgabe 
1.11.1902 Zweites Blatt
 
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transportiert.

frei.

unb ftche jeder Politik fern

04916

Harry Nau, Gastwirt

103.40

00.10

81.60

120.00

44.00

. 2615 . 92.75 . 74.80 . 101.40 . 218.20 . 187.60 . 180.10 . 142.50 . 100,80 . 101.70 . 19.90 . 181.00 . 200.00

. 169.00 . 167.90

3% Oberhesaen

4X Oesterr. Goldrente

4°/ Italien. Rente . . 4*-,X Portugiesen . . .

Portugiesen. . . . IX C. Türken ... Türkenlose ..... 4*/o U riech. Monopol -Anl. 4* ,X ftusaere Argpntiner

Reicheanleihe do.

Konsole » do. . .

Hessen .

87t°/o 3°/0 sv.o/o 3®/o

Hiermit erkläre ich. daß mein Name ohne mein Wissen und gegen meinen Willen in den Wahlaufruf der sozialdemokratischen Partei gelangt ist. Ich gehöre zu keiner Partei

einerzeit angenommenen Antrages mit Geldmitteln unter- tützt. (Herr Bürgermeister Köhler selbst hatte uns die gestrige Notiz telephonisch übermittelt, da die Leitung aber gestört schien, war eine Verständigung aher nur schwer möglich. D Red.)

Hungen, 31. Ott. Am vorigen Samstag verun­glückte nahe bei Villingen ein Arbeiter, indem er unter den Hinterwagen eines mit Bauholz beladenen Holz- suhrwerkes kam. Ein Rad gina ihm über den Körper und er wurde schwer verletzt in das Hungener Krankenhaus

Telephonischer Kursbericht«

Fruukiurt w. 11., L November l»u2.

. 100.05

. 99 80 . 103.20

Kreditaktien . Diskonto-Kommandit. Darmstadter Bank . Dresdener Bank Zer in er Handelsgee. Oesterr. Staatabahn . Lombarden . Uotthar ibahn . . . Laurauütte . . . . Bochum . . . . . Harpeoer . . . .

Tendern: 1

Aus Ztadl und Land. I

Gießen, 1. November 1902.

Gedenktage. Zu Wexiö starb am L. November 1846 der schwedische Dichter EsaiaS Tegner. Er war der Sohn eines Landpfarrers. Tegner wurde, nachdem er feinen Ruf als lyrischer Dichter begründet hatte, Professor. : Ein patriottscheS Gedicht erregte im Jahre 1811 großes Auf- . sehen. 1824 wurde er Bischof von Wexiö. Großen Beifall 1 fanden seine auch ins Deutsche übersetztenSchulreden.* Bor ' allem wurde aber TegnerS Dichtername der Welt bekannt durch seineFrtthjofLsage*.

Am 3. November 1801 wurde zu Essen der Begründer 1 der unter seinem Namen bekannten Reisehandbücher, Karl Baedecker, geboren. Mit einer kleinen Buchhandlung in Koblenz kaufte er zugleich den Verlag von KleinsRhein- reife*. Diese gestaltete er weiter auS, gab neue Reisegeblete 1 heraus, deren Genauigkeit er durch eigene Beobachtung prüfte, ( unb erreichte durch eigene Reisen für seine Bücher eine prak- tische Brauchbarkeit von größter Bedeutung. Die Sammlung derBaedecker* umfaßt fast sämtliche Gebiete Europas, einen Teil deS Orients und Nordanierikas.

* Hofnachrichten. Der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen trafen gestern früh 8/<9 Uhr in ; Begleitung einer größeren Anzahl von Herren aus Darm-- stadt mittels Extrazuges in Worms ein und fuhren ohne i Aufenthalt nach Pfeddersheim weiter, um daselbst an der von dem Major Freiherrn v. Heyl arrangierten Treibjagd teil- : zunehmen. Der Großherzog kehrte nach beendeter Jagd um /,4 Uhr mittels Extrazuges nach Darmstadt zurück, während Prinz Heinrich abends an dem Jagddiner imAlten Kaiser* teilnahm. Aus Darmstadt wird gemeldet: Prinzeß : Elisabeth und Prinz Georg von Battenberg unter- nehmen öfter auf schottischen Ponnies Spazierritte, wo- ' bei ihnen in der Stadt stets zahlreiche Kinder folgen. Als i vorgestern die beiden fürstlichen Kinder die Rheinstraße 1 heraufritten, folgte ihnen wieder ein großer Schwarm von I kleinen und großen Kindern, welche mit in den Schloßhof i zogen, was einen recht heiteren Anblick gewährte und dem i Prinzeßchen sowie dem kleinen Prinzen große Freude zu machen schien.

" Dekan a. D. Karl Wahl f. Soeben erhalten ; Dir die betrübende Nachricht, daß Herr Dekan a. D. Karl ' Wahl, Pfarrer in Hausen, gestorben ist. Ein schweres Herzleiden, das ihn schon längere Zeit in der Ausübung seines Berufes gehindert hatte, hat ihn im besten Mannes- ; alter seiner Familie und seinem Amte, an dem er mit ganzer i Seele hing, entrissen. Ein treuer Mann, von biederem, : ehrenhaften Charakter und großer Herzensgute ist mit ihm dahingegangen. Sein Scheiden wird in weiteren Kreisen ' große Trauer und herzliche Teilnahme mit der schwer be­troffenen Familie wecken. Karl Wahl entstammt einer alten hessischen Pfarrersfamilie. Er war geboren zu Ruppertsburg als Sohn des dortigen Pfarrers am 29. März 1846. Nach beendigtem Sttidium trat er im Jahre 1868 als Vikar in Nauheim bei Groß-Gerau in das Pfarramt ein. 1873 wurde er Pfarrer in Münzenberg, 1885 in Wieseck. Von dem Vertrauen, das seine Amtsbrüder ihm entgegenbrachten, gibt Zeugnis, daß er schon 1884 zum Dekan des Dekanats Hungen und 1889 deS Dekanats Gießen erwählt wurde. Rücksicht auf feinen leidenden Zustand nötigten ihn schon 1894, sich auf die kleine Pfarrei Hausen zurückzuziehen, und 1899 sein Amt als Dekan niederzulegen. Sein Andenken wird unter uns in Ehren bleiben.

L. U. Promotionen. Im Monat Oktober 1902 wurden an der Landesunioersität promoviert: zum Dr. med. die approbierten Aerzte' Alois Lamers aus Tanten unb Abolf Brettel auS Bübingen; zum Dr. med. vet. bie appro­bierten Tierärzte Franz Seiler aus Rastatt unb Johannes Zürn auS Leipzig.

* Immatrikulationen. Einer Anregung des Rek­torates der Landesuniversität gerne Folge leistend, veröffent­lichen wir in unserer heutigen Nummer bie Liste ber am 1. November immatrikulierten Stubierenden niit ihren Wohnungen. Die Liste wirb jeweils nach einer Woche fortgesetzt werben. Wir glauben hierburch nicht nur ben Herren Dozenten unb Stubierenben, sondern auch unseren Geschäftsleuten einen Dienst zu erweisen, sofern die Liste in Verbindung mit dem Personalbestand des SommersemesterS als vorläusiger Adreß­kalender der Universität dienen kann.

Personalien. Der von Sämtlichen Riedesel Frei­herrn zu Eisenbach auf die evangelische Pfarrstelle zu Maar, Dekanat Lauterbach präsentierte Pfarrassistent Johannes Hill zu Kastel ist für diese Stelle bestätigt worden.

* Spielplan für das Promenadenkonzert in der Süd­anlage am Sonntag dem 2. November, von 121 Uhr: 1. Ouvertüre zur OperDie Felsenmühle" von Reissiger. 2. Luna-Walzer von Lincke. 3. Fantasie über das Lied Süße Heimat" von Voigt. 4. Finale aus der OperLohen- grin" von Wagner.

* * In der Gemälde-AuSstellung am Brand, sind neu ausgestellt, 2 Aquarelle von Hans Koberstein- Berlin, 1 Portrait von Helene Oncken-Gießen unb brei Landsch af ten von M. Schultze-Frankfurt. Die Gcmälbe von Rlcharb Scholz-München, bleiben nur noch acht Tage, einschließlich zweier Sonntage ausgestellt.

* * Stadttheater. Am Sonntag wirb hier ber äußerst humorvolle breiaftige Schwank von C. Kraatz unb H.Stobitzer Mamselle Tourbillon", welcher überall mit jubelnbem Beifall ausgenommen würbe, zum ersten Male zur Dar­stellung gelangen. Das erste Austreten bes Frl. Helene Würtemderg vom Stabttheater in Göttingen alsLuise* inKabale unb Liebe* erfolgt am kommenben Dienstag, ben 4. b. Mts.

** Feuerwehr. Wie wir hören, finbet nächsten Mitt­woch Abenb ein gemeinsamer Brandangriff der beiden hiesigen Wehren an den neuen Güterhallen statt.

- Der hiesige national-soziale Verein hielt gestern feine erste Winteroersammlung ab; Dr. Strecker berichtete über die Verhandlungen auf dem nat.-soz. Partei­tag in Hannover. Sein ausgezeichneter Vortrag seffclte die Aufmerksamkeit der Zuhörer m höchstem Grade und bot ihnen eine Fülle von neuen ©ebanfcn unb Anregungen. Für die nächste Versammlung wurde ein Vortrag überAcbeus- losenversicherung" in Aussicht genommen.

. 101.90 [ BJ/o Mexikaner

. 91.90 I 4*/i /u Chinesen

. 101.85 | Electric, bot ackert

. 91.85 i Nordd. Lloyd . .

zu machen.

Langsdorf, 31. Oft. Herr Bürgermeister Köhler chreibt uns zu unserer gestrigen Notiz über den Langsdorser Gemeindesee: Ich habe den Gemeindesee nicht angelegt, andern, nachdem er über 30 Jahre trocken gelegen hatte, mit 1400 Mk. Geldaufwand der Gemeinde und des Staates wieder neu heraestellt. Nicht alle drei Jaüre soll ein Fischfang ftattfinoen, sondern die Fischzuchtsoll wieder betrieben werden", d. h gehegt, gepflegt und abgefischt werden nach Zett und Gelegenheit, wie es eine rationelle Fischzucht erfordert. Endlich bemerke ich noch, nicht ich will den Gemeinden bei Errichtung von Teichen meine Unter- tübung leihen, sondern die Gemeinden, die darum nach- uchen, werden auf Grund meines von der 2. Kammer

Gerichtslaal.

M. ®ic6cn, 81. Crt. ©traftammer. Ten Vorsitz führte Land- aerichtsbireklor Tr. Gimgench, die Staatsanwallschait oertrat Ge- richlsasjesior Tr. Hetzet. Ter im Landeszuchthaus Manenschloß eiue 12 jährige Zuchthausstrafe verbuvei.de Heinrich Vuchet wird wegen WiberitandS und Bedrohung zu enter sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Ter Kanfinannslehrluig Jakob Roth von Londorf fuhr am 19. Auguft d. Js. von Londorf nach Kessetbach; als er an ben Uebergang der ctrafce WriuibcQ-Vonborf über die Eisenbahnstrecke kam, fuhr er in vollemrab aus diese Stelle los. In diesem Augenblick kam der Zug von Gründern, dessen verannahen durch die die Bahnstrecke flankierenden Hecken und Bäume verdeckt war. Es erfolgte ein Zusammenstoß, wöbet der Wagen des Angeklagten zertrümmert, baß Pferd jm Boden gejchlttr-

Ucuesle Aiewuiigeii.

Originaldrahtmeldungen deS Gießener Anzeiger.

Berlin, 1. 9ioD. Aus Paris wird aemelbet: Bor der Villa des Akademikers Theuriet in dem Vororte öourg la Reine wurde die mit der Familie Theuriet befreundete Frau Mercier, die Witwe eines jungen GenerolsttrbS- offiziers, erdrosselt aufgefunden.

Berlin, 1. Nov. Nach einem Telegramm auS Ezen- tochau stürzten beim Bau einer Jnfanteriekaserne >r ei SDlauern ein, während 130 Arbeiter daran be- chästigt waren. Bisher wurden 15 Tote festgesteltt, 33 Arbeiter sind schwer verletzt, 18 werden noch vermißt.

Thorn, L Nvv. Zwei Musketiere, welche im Monat Mai vorn 61. Infanterie-Regiment desertierten und dabei Gewehre mit scharfen Patronen Mitnahmen und wochenlang als Landstreicher in den Provinzen Branden­burg, Posen, Rheinland, Westfalen kerumzogen und auS der Beute von Einbrüchen lebten, wurden vom OberkriengS- gericht wegen Fahnenflucht, Koniplott, Preisgabe vonTienst- gegenständen, Diebstahl zu 2 Jahren 1 Monat bezw. 3 Jahr 6 Monat Zuchthaus und Entfernung auA >em Heere verurteilt.

Wien, L Nov. Mit Bezug auf die auch vom Fremden- blatt gebrachte Meldung von ber Verlobung der Erz­herzogin Elisabeth mit dem Prinzen vonLiech­te n st e i n ist das Blatt von kompetenter Stelle beauftragt, diese Meldung als vollkommen inoffiziell zu bezeichnen.

Sofia, 1. Nov. Tie von Konstantinopel aus ver­breitete Nachricht, daß Oberst Jankofs gefallen fei, wird vom macedonischen Komitee als ebenso unbegründet be­zeichnet, wie id.ie seinerzeitige Meldung von dessen angeb­licher Gefangennahme.

Sofia, 1. Nov. Ter zum Tode üerurteüte Mörder Stambulowshat gegen seine Verurteilung beimAppella- tionsgericht Berufung eingelegt. Ter Mörder behauptet, im Besitz verschiedener eine Großmacht fomprimittierenbet Tokumente zu sein und droht dieselben der Oefsentlichkett zu übergeben.

Konstantinopel, 1. Nov. Ter italtenrfche Botschafter ist an Typhus erkrankt.

4 -X Oesterr. äilberrente 101.35

4X Ungar. Goldrente . . 102.00

Vermischtes.

* Zum Falle Äugspurg. Nach einer Erklärung desWeimarerOberburaermeistersPabstzu dem Fall Äugspurg hat auch ber betreffende weimarische Schutz­mann, wie unlängst der Wiesbadener, Frl. Dr. Äugspurg für einen verkleideten Mann gehalten, der sich feiner Entdeckung entziehen wollte. Auf die Bemerkung des Schutz­manns, er habe das Recht, um Auskunft über ihre Person zu bitten, antwortete Frl. Tr. Auaspurg:Tieses Recht wollen wir Ihnen eben nehmen". Bei ihrer Vernehmung habe sie ertlärt, eigentlich hätte sie den Schutzmann mit auf bie Wache gebracht und nicht er sie. Ter Vorfall komme ihr geraoe recht; sie brauche solches Material, damit ber in Frage kommende Paragraph des Strafgesetzbuches falle.

** Vom Gleiberg. Die zur Erhaltung ber Burg notwendig gewordenen Arbeiten schreiten rüstig roeiter. Tie Tachdeckerarbeiten am Nassauerbau sind jetzt beendet; zur Zeit wird noch an der Renovierung bezw. Ausbesserung der Mauern gearbeitet Die Kosten belaufen sich auf ca. 4500 Mark, bie zum Teil von Attertumsfreunden gestiftet wurden.

- Von den Sielbauarbeiten. An der Kreuzung der Bahnhofstraße mit deu Anlagen ist man feit gestern nun auch für unsere KanalifationSacbeiten thätig. Hier bekommt das Siel, welches in einer Tiefe von ca. 6 Nieter liegen wird, Abzweigungen. Ter ziemlich ausgedehnte Bauplatz an jener Straßenkreuzung ist mit einem Bretterzaun umgeben. UeberauS emsig wird an dem Sieldau längs der Wieseck ge- chafft; man hat dort Eile, um vor einem eintretenden Hoch- wasser noch fertig zu werden. Tie Verbindung des Siels unter der Wieseck selbst wird nicht etwa gemauert, sondern in der ganzen Breite des Fluffes durch ein zusammengeschweißtes Eisenrohr, das sich in der Form dem gemauerten Kanal an- chließt, hergestellt, das in Schlesien gefertigt wird. Alle Nieten an diesem eisernen Sielrohr mußten vermieden werden, um ein Anfetzen von Schmutz an den Nietköpfen aus- zufchließen.

* Gießener Industrie. Gestern wurde hier der bis jetzt größte Elektromotor an das städtische Elektrizitätswerk angeschloffen. Es ist dies ein 22 P.-b. Motor, welcher in der mechanischen Faßfabrik von I. Wellhöfer, Marburgerstr., aufgestellt ist. Geliefert und montiert wurde derselbe von der Firma F. Baumann.

"Auch im Winter Schutz der Anlagen. Es ist eine bei den Besitzern von Hunden weit verbreitete An- cht, daß sie ihre Tiere im Winter auf den Grasplätzen und Beeten der Anlagen Herumlaufen taffen können, da Schaden hierdurch nicht verursacht werde. Eine berartige Unterstellung i t jedoch unzutreffend. Wie uns von fachmännischer Seite mitgeteilt wird, haben die von Hunden besudelten Wurzeln der Bäume, Sträucher und sonstigen Gewächse bei Frostwetter derartig zu leiden, daß sie oft ganz eingehen. Es ist daher dringend geboten, den Hunden auch im Winter das Betreten der Anlagen zu wehren.

** Allerseelen. Schon sind Herbststürme über ben Friedhof hinweggebraust, und kahl und leer recken die Bäume ihre Aeste zum Himmel empor. Hier unten aber blüht es und duftet eS, und Liebe, Treue und Dankbarkeit wetteifern miteinander, den Toten, denen der heutige Tag geweiht ist, Ehre zu erzeigen. Ta bleibt kein Hügel unge- chmückt, und selbst auf ganz verfallene Gräber legen mit­leidige Vorübergehende ein paar Blumen in ber Annahme, daß der da unten ruht, wohl keine Hinterbliebenen mehr hat, die ihm noch einen pietätvollen Liebesdienst erweisen können. lieber die Entstehung des Allerseelen­estes erzählt uns die Legende, daß einst ein Mann aus >en Gluten des Aetna die armen Seelen habe wimmern ihren. Abt Odilo von Clugny legte dies dahin aus, daß es an einem besonderen Kultakt für die Seelen Abgeschie­dener fehle und führte im Jahre 998 ein Fest ein, das zum Tröste armer Seelen bestimmt war und das Johann XVIIL 1106 zum allgemeinen Kirchenfest erhob. Tas Konzil zu Trient ordnete anno 1549 die Feier dieses Festes dttekt an, !> zuerst mit Allerheiligen zusammen, später aber, wie heute noch, am Tage darauf begangen wurde. Die Feier des Allerseelentages ist mit allerlei Bräuchen verknüpft, von denen das Schmücken der Gräber mit Blumen und Lichtern die allgemeinsten und verbreitetsten sind.

Butzbach, 31. Ott. Am 15. November soll hier ein Wohlthätigkeitsbazar eröffnet werden, dessenlleber- chüsse dem Kirchenbaufonds übermittelt werden sollen. Wuftfc und Gesangvorträge, Theater re. werden mit dazu beitragen, um die Abendstunden angenehm und kurzweilig

bett unb der Angeklagte selbst verletzt wurde. TaS Gericht er­blickte darin, bag ber Angeklagte nicht langsam sondern in schnellem Tempo an die Bahnstrecke herangeiahren war, eine Fahrlässigkeit und verurteilte lhn wegen jahrlassiaer Eisendahntransporlgesähr- dung zu emer Geldstrafe von 10 Atk. Ter evangelische Pfarrer Heinrich Zmn ans Herbstein ist der Körperverletzung mutels eine» gefährlichen Werkzeugs beschuldigt. Ter Angeklagte befaub sich im April vorigen Jahres auf einem Tienstgange von Herbstem nach Unzenhain, als ihm von Weitem drei junge Burschen umer Pseisen, Johlen und Nachahmen von Tierlauten entgegenkamen. Ta der Angeklagte schon wiederholt von Angehörigen der katholischen Be­völkerung Herbsteins durch Pfeisen und Stufe verhöhnt worden war, glaubte er an ähnliche Absichten bei den drei Burschen. Er bog zunächst in einen Seitenweg ab, um die Begegnung zu vermeiden. Als jedoch, je näher er kam, desto lauter und schriller bas Pfeisen unb Johlen würbe, übermannte ihn bie Erregung, er ging aus bie Burschen los, zwei liefen sofort weg, den dritten, ber liehen blieb, faßte er und versetzte ihm mit seinem Spazierilock mehrere derart kräftige Hiebe, daß der Stock zerbrach unb aus bem Rücken deS Geschlagenen sich aldbalb mehrere rote Striemen zeigten. Tas Ge­richt ist der Ueberzeugung, daß bie jungen Leute es darauf abge­sehen hatten, ben Angeklagten zu verhöhnen und daß der Ange­klagte in der berechtigten Annahnie, daß bas ber Fall fei, ur Abwehr dieses Angriffs auf seine Ehre befugt gewesen sei. Er et auch zur Benutzung des Stockes berechtigt geivesen, habe jedoch n der Benutzung desselben das zur Abwehr erforderliche Alaß überschritten. Andererseits billigte das Gericht bem Angeklagten im wertesten Maße mtlbembe Umiiänbc zu, da er den systematischen Kränkungen und Verhöhnungen gegenüber zur Reaktion befugt ge­wesen unb bie Ueberschreilung dieser Befugnis seiner berechtigten Erregung, zu Gute zu halten sei. Eine Geldstrafe von 10 Mk. erschien dem Gericht ols ausreichende Sühne. Ter Erdarbeiter Johannes Gerbig aiis Schwabenrod ist emer Reihe von fßexrü- jereien angeklagt unb wirb unter Einbeziehung einer früher gegen hn erkannten Strafe zu einer GesamtgesangniSstrase von zwei Jahren unb einem Monat verurteilt.

Oldenburg, 81. Ctt. Ter wegen Tötung bes Oberamtsrichters Becker voin Schwurgericht zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt« Bankier Wilhelm v. Baben-Bruns hat gegen bas Urteil Reoi- ion nicht eingelegt.

Eisenach, 81. Cft. Gegen unfern Ersten Bürgermeister Dr. vonFewson, in deffenBureauräumen bieStaatsanwaltschaft unlängst Akten beschlagnahmte, ist nunmehr bie strafrechtliche Untersuchung wegen Vergehens gegen z 846 St.-G.-E. sUnter­lassung ber Verfolgung einer strafbaren Hanbluna) eröffnet. Dr. von Fewson hatte bereits ein mehrstünbiges Verhör vor dem Un­tersuchungsrichter. Er hat seine Stellung als Ehef ber Polizeioer- waltung in bie Hände des zweiten Bürgermeisters unserer Stadt nieder gelegt.

Mürtte.

Gießen, l.Noo.Mark tdericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butterpr.Pfd. 0,901,10 Mk., Hühnereier pr. St. 78 Pfa., 2 Stck. 0000 Psg., Gänseeler 0000 Pfg., Enteneie 0OPfg., Käse or.Slck.59Pf.,Käsematte2Stck.50Pfg., Erbsen pr.Liter 19Psa. Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taudenpr. Paar 0,600,80 Mk., Hühner pr. et 1,001,80 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,50 Alk., Enten pr. Stück 2,003,00 Alk., Gänse pr. Psd. 5060 Psg., Lchsensleisch pr. Pfund 6676 Psg.. Kuh- und Rindfleisch pr. Psund 6064 Psg., Schweine­fleisch pr. Pfund 7080 Psg., echweinesleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 6872 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 8,805,00 Alk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 8,308,50 Atk^ Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 0-00 Psg^ in Körben 00-00 Psg. Trauben 0000 Pfg.