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Samstag, 30./Sonntag, 31. Mat 1942

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192. Jahrgang Nr. 124» W q Samstag, 30.^

Gießener Anzeiger

Subdas Lhandra dose vom Führer empfangen

den Vorkämpfer der indischen Freiheitsbe

l ro p

Subhas Lhandra Vose zu

einer

megung

Erbitterte Schlacht in der Cyrenaika

Aus dem schon seit Tagen verfolgten und wie-

Oer Wehrmachiberichk

DRB. Führerhauptquartier, 29. Mai. Der Führer empfing in Gegenwart des Reichsminiskers des Auswärtigen von Ribben-

bekannt:

Die Säuberung des Schlachtfeldes südlich Charkow von den zersprengten Resten des ge­schlagenen Feindes wird fortgesetzt. Gefangenen- und Beutezahlen wachsen ständig.

Im mittleren Abschnitt der Ostfront führte ein Angriffsunternehmen in harten Kämpfen zur Einschließung mehrerer Feindgruppen.

Auch im nördlichen Frontabschnitt brachte ein örtlicher Angriff Geländegewinn, ver­einzelte Angriffe des Feindes blieben erfolglos.

Vor der Kaukafusküfke erzielten Kampf­flugzeuge Bombentreffer auf einem Sowjet-Zer- ftörer. An den Ufern des Ladogasees trafen Kampf- und Sturzkampfflugzeuge große Versor­gungslager der Sowjets sowie abgestellte Züge und warfen ein Frachtschiff m Brand. Im Hafen von Murmansk wurde ein großes Handelsschiff durch Bombenwurf beschädigt. Allein in Luft­kämpfen an der karelischen Front verlor der Feind am gestrigen Tage 2 2 Flugzeuge, darunter mehrere des Musters hurricaae.

Zeit vom 25. bis 27. Mai 14 Schiffe mit zu­sammen 96 000 BRT. versenkt. Inzwischen wurden zwei weitere Handelsschiffe mit zusammen 12 000 BRT. versenkt und ein be­reits beschädigtes Handelsschiff von 6000 BRT. er­neut angegriffen und zum Sinken gebracht, fo daß sich der bisher vernichtete Handelsschiffsraum auf 114 000 BRT. erhöht hat.

In der Cyrenaika sind deutsche und italie­nische Truppen am 26. Mai zum Angriff auf die feindlichen Stellungen angelrelen. Seitdem ist eine erbitterte Schlacht im Gange.

Ein Sicherungsfahrzeug der deutschen Kriegs­marine versenkte vor der libyschen Küste ein britisches Schnellboot durch Artillerievoll­treffer.

Reber der Deutschen Bucht wurden in der ver­gangenen Rächt einzelne feindliche Störslugzeuge festgestellt. Marinartillerie brachte eines der Flug­zeuge zum Absturz.

und fällt aber mit der militärisch-politischen Gesamt­lage im Nahen Osten! Und mit der bekannten Vor­sicht sind die Engländer als Bauunternehmer im Hatay heute auf dem Punkt angelangt, abzuwarten, was sich aus dem japanischen Stoß gegen Indien und aus dem deutschen Stoß gegen die UdSSR, ergeben wird.

Die Langeweile des langsamen Arbeitstempos vertreiben sich die Engländer in dem sonst sehr netten Städtchen Mersin mit ausgiebigem Genuß des einheimischen Rakki-Schnapses. Es gibt keinen Whisky mehr, denn die Schiffe, die kommen, haben andere Ladungen und auch das türkische Bier und der türkische Wein sind rar geworden, weil es an Flaschen, Korken, Bstchverschlüssen und an Trans­portmöglichkeiten fehlt. Die türkischen Industrie­zweige, von der Lieferung ausländischer Rohstoffe, Maschinen und Ersatzteile abhängig, haben ja im Laufe der letzten Jahre einiges an Leistungsfähig­keit eingebüßt.

Aehnliche Aspekte, wie Mersin, zeigt Iskende­run (Alexandrette). Nach der Seeseite hin ist die kleine Stadt weniger türkisch und mehr leoanti- nisch, eine Folge der französischen Mandatszeit. Die Straßen sind gut, die Häuser häufig ansehnlicher. Der englische Konsulardienst verfügt über zwei stattliche Billen, die ben türkischen Offiziersklub und die Dienststelle des kommandierenden türkischen Generals einrahmen. Unweit daneben das kleine Wohnhaus des deutschen Vizekonsuls, dem derzeitig in Kleinasien am südlichsten liegenden Reichsvertreter.

Von Iskenderun führt eine unter französischer Mandatshoheit erbaute prachtvolle Autostraße über das Amanusgebirge, über den herrlichen Belen- Paß nach dem alten Antiochia, dem heutigen A n - t a k y ä. Die Stadt liegt hübsch und sauber am Fuß steiler Felsgebirge, gekrönt von Ruinen. Der Oron- tes-Fluß zieht mit reißender Strömung durch die Stadt und vermittelt etwas Kühlung, vermischt mit

längeren Unterredung. Vorher Halle der Reichsauhen- minisler mit Subhas Lhandra Bose eine Bespre­chung. Subhas Lhandra Bose war vor kurzem auch vom Duce empfangen worden, wobei der Duce mit ihm eine lange und herzliche Besprechung hakle.

Subhas Chandra Bose, der Führer der indischen Nationalisten, hat in den letzten Monaten, seitdem Japans Wehrmacht vernehmlich an die Tore In­diens klopft, durch zahlreiche Aufrufe von glühender Vaterlands- und Freiheitstiebe von sich reden ge­macht. Sein Besuch in Deutschland und Italien lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf einen Mann, der sein ganzes Leben lang sich dem Kampf für die Befreiung feines Vaterlandes vom englischen Joch gewidmet hat. Obwohl er nach einem Studium an

Myriadenschwärmen winziger Mücken. Eine arbeit­same Stadj, der es aber sichtlich am Hinterland fehlt und die zur fördernden Meerseite durch den Wall des Amanusgebirges abgeschlossen ist. Der Basar von Antakya ist noch typisch orientalisch, viele Häuser verraten arabischen Einschlag, vom französischen Sprachgut ist wenig übrig geblieben und Arabisch scheint nicht weniger häufig gesprochen zu werden wie Türkisch. Als die Volksabstimmung des Sandschak die Rückkehr des Gebietes zur Türkei besiegelte, erfolgte eine beinahe radikale Auswan­derung der Nichttürken, also der Armenier, Griechen und Juden und selbstverständlich der Franzosen, so daß heute im Hatay die Türken durchaus unter sich sind, außer den Engländern.

Man kann aber nicht behaupten, daß die Eng­länder etwa übermäßig auffallen würden. Im An­fang haben sie es -getan, haben sich inkolonialem" Benehmen versucht, betätigten sich als Propagan­disten ihrerfünften Kolonne". Darauf reagierte man von türkischer Seite überaus unangenehm, so daß die britische Botschaft sehr massive Sprachrege­lungen erteilen mußte, um unbequemen Zwischen­fällen vorzubeugen. Jetzt leben die Engländer streng unter sich, bekommen scharfe türkische Ueberwachung zu spüren und das Höchste ihrer Gefühle darf sich darin äußern, daß sie in der einzigenTanz-Bar" von Mersin sich allabendlich gegen gutes Geld das Tipperary-Lied oder den lächerlichen Song von derWäsche an der Siegfried-Linie" vorspielen lassen. Wenn aber England irgendwo eine Nieder­lage eingesteckt hat, dann läßt der englische Konsul in Mersin oder der in Iskenderun schön gedruckte Einladungskarten an dieSociety", also auch an Türken (und Juden) ergehen, zu feuchten Empfän­gen, mit Tanz verbunden ... Stimmungsmache mit der LosungKeep smiling". Die Türken haben das aber längst durchschaut und sie haben auch registriert, daß die Engländer nur langsam bauen, daß in Aleppo große Transportflugzeuge angekom­men sind (wer soll damit von mo evakuiert wer­den?!), und man weiß aus englischen Aussprüchen, daß im gefährdeten Gebiet angelegte Bauten auch von vornherein mit den Dispositionen für eine Zer­störung versehen werden.

pausenlose Luftangriffe in der Cyrenaika-Gchlacht.

Der italienische Wehrmachtbericht.

Rom, 30. Maii. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut:

Seit dem 26. Mai griffen italienische und deutsche Streitkräfte die ihnen an der Marmarica-Front gegenüberliegenden feind­lichen Verbände an.

Seit dem Vormittag des 27. Mai ist eine hef­tige Schlacht im Gange, die sich zugunsten der Truppen der Achsenmächte entwickelt. Zahlreiche Gefangene und beachtliche Beute wurden gemacht.

Die Luftwaffe unterstützt pausenlos mit starken Verbänden die Bodenunternehmungen. In Luft* kämpfen wurden sieben Flugzeuge von deutschen Jägern abgeschossen.

^Jn der vergangenen Nacht warfen britische Flugzeuge in der Umgebung von Catania Sprengbomen ab; es entstanden feine erheblichen Schäden, keine Opfer unter der Zivilbevölkerung. Eine Maschine wurde von der Flak abgeschossen.

*

Die Cyrenaika ist der östliche Teil Libyens und der eigentliche Schauplatz der fünf Feldzüge, die seit dem Herbst 1940 hier geführt wurden. Unter der Marmarica wird die tafelförmige Erhebung mit leicht gewellter Oberfläche verstanden, die nach dem Norden zur Küste, nach dem Süden zur eigentlichen Sahara abfällt und nach Osten an die ägyptische Grenze anstößt. Alle Kämpfe in Libyen waren bis­her durch zwei wesentliche Merkmale gekennzeich­net: durch den überragenden Einsatz der Panzer in den Erdkämpfen, die aus der Luft nachdrücklich unterstützt wurden: fei es durch Aufklärer, die die feindlichen Panzerstreitkräfte ausmachten; sei es durch Kampfflugzeuge und Jäger, die die Luft­überlegenheit sicherten; sei es durch die Stukas, die den Angriff der eigenen Panzer gegen die feind­lichen Streitkräfte fo wirkungsvoll unterstützten; fei es auch durch die braven Lastmafchinen, die Nach­schub über die Hunderte von Kilometern schwierigen Geländes unmittelbar hinter die Front brachten Aber so vielfältig der Eins i; der Luftwaffe ist, fo fällt doch in der Cyrenaika den Panzern hie Rolle zu, die im europäischen Bereich von der Infanterie erfüllt wird: Gelände, das erobert ist, zu behaup­ten. Lange hat der heiße, staubsührende Südwind, der Gibst, der in diesem Jahr besonders heftig auf-

.^K°"Mchandluygen unmöglich gemacht. In­zwischen hat der afrikanische Sommer eingesetzt. Die englische Mittelmeerslotte, in deren Oberbefehl vor wenigen Tagen ein Wechsel eingetreten ist, hat die Verbindung mit Libyen nicht, wesentlich zu stören vermochte Malta wurde in monatelangen Luftbom­bardements niedergehalten. Damit waren die Dor- Absetzungen für die Kampfhandlungen gegeben, die jetzt begonnen haben. ä

der Universität Cambridge im indischen Zivildienst schnell aufgestiegen war und als Bürgermeister von Kalkutta die sichersten Aussichten auf eine große Stellung in der indischen Verwaltung hatte, ver­zichtete er auf diese Laufbahn und trat der indischen Unabhängigkeitsbewegung bei.

Als ihr Führer in Bengalen richtete er die schärfsten Angriffe gegen die britischen Regierumgs- methoden, was wiederholt zu seiner Verhaftung und zu hohen Gefängnisstrafen führte. 1924 wurde er nach Burma verbannt, nach zwei Jahren wegen einer Erkrankung begnadigt, jedoch 1927 erneut ein­gekerkert. Nach seiner Entlassung 1929 wurde er Vizepräsident des Allindischen Kongresses. 1933 brach Boses Gesundheit infolge neuer langer Ker­kerhaft erneut zusantmen, und er mußte sich zu einer Kur nach Europa begeben. Ein Kongreß der im Auslande lebenden Inder wählte ihn im De-, zember 1939 in Rom zu seinem Präsidenten.

Als er ein Jahr später nach Kalkutta zurück­kehrte, wurde er von den Engländern unter Polizei­aufsicht gestellt. Trotzdem wurde er im Januar 1938 Zum Präsidenten des Allindischen Kongresses ge­wählt. Als solcher vertrat er auf das schärfste die völlige Loslösung Indiens aus dem britischen Em­pire. Als sich Meinungsverschiedenheiten mit Ghandi ergaben, trat Bose im Mai 1939 als Kongreßpräsi­dent zurück. Ende Juni 1940 wurde er erneut ver­haftet und im November zu mehreren Jahren Ge­fängnis verurteilt, aber, da er sofort in den Hun­gerstreik trat, bereits Anfang Dezember entlassen.

Kurz vor seiner Wiederverhaftung verschwand Bose im Januar 1941 aus Kalkutta. Sein Empfang durch den Führer und den Duce zeigt die Sym- pachten, die der Freiheitskampf des indischen Vol­kes gegen seine britischen Unterdrücker bei den Mächten der Achse genießt. Die neue Ordnung, der Welt, für die Deutschland, Italien und Japan gegen den anglo-amerikanischen Kapitalismus kämp­fen, wird auch den unterdrückten Völkern das ihnen so lange vorenthaltene Recht auf Selbstbestimmung ihres nationalen Schicksals geben.

Reise nach den Hatay

Von unserem W. E. B.-Berichterstatter.

Gegen Tschunking.

Bald sind es fünf Jahre seit jenem folgen­schweren Zwischenfall an der Marco-Polo-Drücke bei Peking, einer Schießerei zwischen japanischen Soldaten und chinesischen Studenten, mit dem der japanisch-chinesische Krieg begann, der nun in eine neue Phase eingetreten zu sein scheint. Damals glaubte man in Tokio vermutlich nur an eine kurz­fristige Strafexpedition in einer der bereits unter Kontrolle der japanischen Kwantung-Armee stehen­den nordchinesischen Provinzen, während der radi­kale Flügel der Kuomintang, der nationalistisch- reformerischen chinesischen Einheitspartei Sunjatsens in dem Zwischenfall den Auftakt zum großen Befrei­ungskampf Chinas sah. Marschall Tschiangkaischek, der Verwalter des Erbes Sunjatsens, war nüch­tern und klar blickend genug, die ungeheuren Schwierigkeiten zu erkennen, die sich einem solchen Unterfangen seines kaum gerüsteten, noch keines­wegs von einem einheitlichen starken Nationalgefühl durchdrungenen und nach schier endlosen Bürger­kriegen sich mitten in größten innerpolitischen Um­wälzungen befindenden Volkes entgegenstellen muß­ten. Aber bei den radikalen Nationalisten der Kuo­mintang fand der Marschall mit solchen Bedenken kein Gehör. Sie zwangen ihn, die Führung des Krieges zu übernehmen, dem er gerne ausgewichen wäre, um sein großes Aufbauwerk der inneren Be­friedung Chinas als Voraussetzung für die Errich­tung eines modernen nationalem chinesischen Ein­heitsstaates ungestört fortsetzen zu können. Auch Ja­pan hätte den Krieg gerne vermieden, weil es nichts anderes wollte, als die Ausschaltung des anglo­amerikanischen Kapitalismus, der im Laufe der letz-, ten achtzig Jahre, begünstigt durch die ständigen inneren Wirren in China und die.Schwäche der chinesischen Zentralgewalt, alle wirtschaftlichen Schlüsselstellungen des Landes unter feine Kontrolle gebracht hatte. In ihm mußte Japan das hatte schon der Mandschukuo-Konflikt 1931 gezeigt eine ständige Bedrohung feiner eigenen kontinentalen Interessen und den schärfsten Gegner seines Plans der Errichtung einer großasiatischen Wohlstand­sphäre durch einen engen Zusammenschluß der drei großen Völker Ostasiens sehen. Denn nur durch den. Einbau der gewaltigen Volks- und Wirtschaftskraft des chinesischen Reiches mit feinen 430 Millionen Menschen, mit seinen ri^igen Bodenschätzen und den in einer Intensivierung seiner um Jahrhun­derte rückständigen Landwirtschaft liegenden Mög­lichkeiten konnte Japan seinen Plan einer einheit­lichen politischen und wirtschaftlichen Ausrichtung des ostasiatischen Raumes duxchführen, in dem es die beste, ja die einzige Sicherung der eigenen natio­nalen Zukunft eines auf dem schmalen Raum einiger vulkanischer Inseln zusammengepreßten, ständig wachsenden Volkes sah, das bislang trotz allen Fleißes und aller Genügsamkeit nicht das Maß an Unabhängigkeit und Wohlstand hatte er­ringen können, das ihm nach seiner glorreichen Ge­schichte, seiner hohen Kultur und immensen Volks- fraft zukommt.

Tschiangkaischek,*der ein gut Teil feiner militari-

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Ankara, im Mai 1942.

Ganz im Süden der Türkei, 30 Bahnstunden von Der Hauptstadt Ankara entfernt, liegt dasHatay- Land, das in den Nachkriegsjahren als Sand­schak Alexandrette viel von sich reden machte, bis es.zum türkischen Mutterland zurück­kam. Die Rückgliederung des Hatay an die Türkei hat eine wesentliche Rolle gespielt bei der von Eng­land betriebenen Bündnispolitik mit der Türkei, dis wie Üblich auf Kosten einer dritten Macht ging, nämlich Frankreich, das von England gezwungen wurde, auf den Sandschak, der zum Mandatsland Syrien gehörte, zu verzichten.

Auch heute ist das Hatay-Land für England von einer gewissen Bedeutung, nachdem Syrien von den Engländern besetzt wurde. Die Tätigkeit der Eng­länder im Hatay ist überaus rege, in den ver­schiedensten Formen.

Die äußerliche Berechtigung für das Vorhanden­sein von etwa 300 Engländern in den kleinen tür­kischen Küstenstädten Mersin und Iskende­run (Alexandrette) ist abgeleitet durch Bau­aufträge, die der türkische Staat an" englische Firmen übertragen hat: Vorarbeiten für die A n - läge von Häfen in beiden Städten, Einrich­tung von Lagerhäusern, Bau und Ausbesserung des Landstraßennetzes. Daneben geht der ganze türkische Seehandel mit den angelsächsischen Mächten über diese beiden Häfen, vor allem die Einfuhr von Kriegsmaterial für die Türkei, sowie die Ausfuhr von Chromerzen nach England. Diese maritime Bewegung, betrieben unter englischer, auch nor­wegischer, schwedischer und griechischer Flagge im Dienste Englands, macht die Anwesenheit der Be­amten einesBoard of Shipping" erklärlich, sowie die Anwesenheit von technischen Abnahme- und Uebergabekommissionen. Außerdem gibt es in Mer­sin, Iskenderun und auch in Adana englische Kon­sulate, mit den dazugehörigenSpezialbeamten" ... Dreihundert Engländer, teils mit Familien, müssen natürlich untergebracht werden, so daß jeder ver­fügbare Raum und jedes Haus, das einigermaßen tauglich ist, von den Engländern belegt ist, was eine Steigerung der Mietpreise um das Drei- und Vierfache hervorgerufen hat.

Ein reges Hin und Her der Engländer läßt sich bet jeder Eisenbahnfahrt beobachten. Diese südlichste Ecke der Türkei ist ja auch das Transitland für den englischen Verkehr nach Syrien, nach dem Irak, zum Persischen Golf, zum Suezkanal, nach Aegyp­ten. Oft auf Wochen hinaus sind die drei Schlaf­wagen desTaurus-Expreß", der heute noch zweimal in der Woche zwischen dem Bosporus und dem Irak und Syrien verkehrt, von Engländern, Amerikanern, Polen und Juden belegt. Der Taurus-Expreß, zusammen mit demAnatolien- Expreß", zwischen Istanbul und Ankara, gehört zu den wenigen Strecken, die noch von der Inter­nationalen Schlafwagen-Gesellschaft bewirtschaftet werden. Zweimal in der Woche gibt es einen Schlaf­wagen nach Bagdad und zurück und einen nach dem syrischen Tripolis.

In schneller Fahrt rast der Taurus-Expreß auf der von deutschen Fachleuten erbauten Strecke vom 1470 Meter hohen Ulu-Ktschla-Paß hinab in die zili- zjsche Ebene, durch eine Hochgebirgswelt von groß­artiger Schönheit, von kahlen, windumbrausten Hochflächen durch unzählige Tunnels in die sub­tropische Landschaft Adanas. Palmen, Kakteen, Agaven und primitive Dörfer aus Lehmziegeln er­baut, kennzeichnen den letzten Tell des Weges in­mitten einer ungemein fruchtbaren, sauber bestellten Gegend. Kurz vor Adana liegt die Station P e - nidsche, mit dem typischen Stationsgebäude im türkischen Stil, erbaut von deutschen Architekten in den Jahren vor dem Weltkrieg. Von hier führt eine Stichbahn nach der Hafenstadt Mersin, der eigentlichen Hochburg der Engländer. Das glte, aber sauber gehaltene und dabei geradezu romantisch- orientalische HotelToros" mit seiner hölzernen, zum Strand reichenden Terrasse ist Verkehrsmittel­punkt der Engländer, die auch die meisten Zimmer als Dauermieter besetzt halten.

In Mersin soll ein richtiger Hafen gebaut wer­den. Heute liegen die Schiffe auf der breiten, weit- hinaus versandeten, den Südwinden preisgegebenen Reede. ImToros"-Hotel bekommt man.schon rich­tigesbreakfast", allerdings ohne Butter ... letz­teres eine bemerkenswerte Erscheinung der Dertei- lungs- und Ernährungsschwierigkeiten eines reinen Agrarlandes, dem aber die dauernde Mobilhaltung einer zahlenmäßig sehr hohen Wehrmacht einen für die Zivilbevölkerung sehr fühlbaren Stempel auf­drückt. Die Lebensmittelpreise sind teilweise noch höher als in Ankara, denn das Wenige, was aus den Zwangsaufkäufen der Militärintendantur über bleibt, wird nach den großen Städten verkauft. Daneben blüht ein guteingefpielter Schleichhandel mit Vieh und Bodenprodukten hinüber nach Snrien, um die britischen, südafrikanischen, neuseeländischen, griechischen, polnischen, gaullistischen und sogar ara­bisch-jüdischen Divisionen und Brigaden, die zwi­schen Iran, dem Irak, Syrien und Palästina hin- und hergeschoben werden, mituerforgen zu helfen.

Don der Bautätigkeit der Engländer sieht man nicht viel. Sie hat auch keinen großen Umfang, und die wenigen Arbeiten gehen im gemütlichen Tempo vor sich. Der Grund ist einleuchtend, einmal man­gelt es an einheimischen Arbeitskräften, zum an­deren sind die Engländer vorsichtige Leute. Die Arbeiten, die sie sich im Hatayland für Häfen und Straßen haben überschreiben lassen, haben ein dop­peltes Gesicht. Das türkische Jnteresie an leistungs­fähigen Häfen und ordentlichen Straßen ist unbe­streitbar. Das englische Interesse ist dagegen absolut eiaensüchtig begrenzt. Ihnen liegt nicht das Ge­ringste daran, schnell zu arbeiten und wirtschaftliche Werte zu erstellen, die anderen als englischen Zwecken dienen könnten. Der englische Zweck und die Bestimmung der übernommenen Aufträge steht

derholl von Luft- und Seestreitkräften mit großem

DRB. Aus dem Führerhauptquarkier,!Erfolg angegriffenen Geleitzug in den Ge- 29.2Ral Das Oberkommando der Wehrmacht gibt wassern des hohen Nordens wurden, wie ge­stern durch Sondermeldung bekanntgegeben, in der