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W. 227 Zweitez Blatt

Aus -er Stadt Gießen.

Das Eiserne Kreuz.

Es klopft zaghaft an der Tür der Schriftleitung Cm Mütterchen mit schlicht gescheiteltem Haar tritt etwas befangen ein und stellt die prall gefüllte Emkaufstasche ab. Sie ist wohl das erstemal in den Räumen, in denen man die Zeitung macht und fühlt sich nicht ganz sicher dort.

Mein Junge hat das Eiserne Kreuz bekommen" sagt fie, und wahrend sie an- der Handtasche nestelt und Die Urkunde aus dem schützenden Umschlag nimmt, geht eine seltsame Wandlung mit der Ver­legenen vor. Ihre Befangenheit weicht einem schönen und sicheren Stolz. Die tapfere Tat ihres Sohnes strahlt auf sie zurück und gibt ihr Grosze.

Denn das Eiserne Kreuz ehrt nicht nur den jungen Soldaten. Es lohnt die Sorgen und Mühen und allezeit wachen Gedanken der Mutter. Es wiegt so manche Traurigkeit der Frauen auf Es stärkt den Stolz der Väter, die ihre Mitteilung mit Selbstverständlichkeit machen möchten. (Er ist mein Sohn. Wie könnte es anders sein!) und doch ihre Freude nicht verhehlen können.

Vielleicht war dieser Sohn nicht der stärkste unter seinen Kameraden, vielleicht hat der Vater ihn manchmal mit nachdenklicher Sorge betrachtet und ihn nicht ohne Unbehagen in den Krieg entlassen dessen Harte er selbst im Weltkrieg erfahren. Run hat er bas Eiserne Kreuz bekommen, den sichtbaren Ausdruck der Tapferkeit vor dem Feinde. Er hat sich nicht nur bewährt, er hat sich hervorgetan. Er ist ein ganzer Kerl. Der Sohn seines Vaters!

Es wird soviel von der Härte gesprochen, die dieser Krieg mit sich bringt, von dem eisernen Muß der Trennung, von Leid und Trauer um die Gefalle­nen. Wir wollen aber auch von der Freude der Soldatenväter, -mütter und Soldatenfrauen sagen der Freude in dem Augenblick, in dem das Kreuz der Tapferkeit, das Eiserne Kreuz am schwarzweißroten Band den Kampfgeist ihres Jungen oder Gatten da draußen bestätigt. Oeb.

Aufnahmefeier

der jungen Parteianwärter.

Die Aufnahmefeier der jungen Par- teianroärler und -anroärfer innen der HI. und des BD2N. in die NSDAP, für sämtliche Gießener Ortsgruppen findet Sonntag, 27. Septem­ber, 11 Uhr, in der Aula der Universität statt. Die Ettern sowie die Angehörigen gefallener Partei- und Volksgenossen sind besonders herzlich eingeladen, desgleichen die Vertreter von Wehrmacht, Staat und Behörden. An die Verwundeten der hiesigen Reserve­lazarette sind besondere Einladungen ergangen.

Kür Tapferkeit vor dem Kemöe.

Dem Feldwebel Ludwig Klingelhöfer von Oppenrod, der schon im Besitz des Eisernen Kreuzes II. Klasse war, wurde nun auch das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.

M tofw d WW

Die nächste Erfinderberatungsstunde findet am 26. 10. 1942 in der DAF.°Kreiswaltung, Gießen, Schanzenftraße 18, zwischen 10 und 12 Uhr statt.

Gießener Wochenmarktprrise.

* Gießen, 26. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, 5 kg 51, Wirsing, S kg 8 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 10, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spi­nat 14 bis 17, Römischkohl 8 bis 10, Unterkohlrabi 10, Tomaten 25, Frühäpfel 20 bis 30, Falläpfel 10, Birnen 20 bis 30, Salatgurken 28, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 10, Endivien 8 bis 10, Rettich 13 bis 20, Radieschen, das Bund 10 Rpf.

Verdunkelungszeit

26. September von 20.13 bis 6.45 Uhr.

27. September von 20.10 bis 6.47 Uhr.

*

** Goldene Hochzeit. Die Eheleute Schuh­machermeister Albert Franke und Frau Luise, geb. Barbas, in Gießen, Dammstraße 28, können am 28. September das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Das Ehepaar wohnt jetzt 44 Jahre im Hause Dammstraße 28 und ist 50 Jahre Bezieher des Gießener Anzeigers. Dem Jubelpaar unseren herzlichen Glückwunsch! _.

** Speisekartoffelversorgung. Die Versorgung mit Winterkartoffeln betrifft eine Be­kanntmachung vbes Ernährungsamtes im heutigen Anzeigenteil. , r .,

* Die Ausgabe d e r Reichsseifen­karten und der Zusatzseifenkarten für die Monate Oktober 1942 bis Mai 1943 betrifft eine Bekannt­machung des Wirtschaftsamtes im heutigen Anzei­genteil.

Amtsgericht Gießen.

H. Ph. B. in Gießen hatte sich wegen Dieb - stahls zu verantworten. Er ist beschuldigt, ^ahr- radteile gestohlen zu haben. Der Angeklagte be­hauptet, die Fahrradteile (ein Vorder- und ein Hinterrad) im Walde gefunden zu haben. Das Ge­richt schenkte seinen Behauptungen keinen G-auben und verurteilte den Angeklagten zu einer Gesang- nisftrafe von sieben Monaten. Straferschwereno wirkten die Vorstrafen und das Leugnen oes An­geklagten.

Strafkammer Gießen.

Artur Bitsch in Frankfurt a. M. hatte in der Nacht vom 20./21. Juni d. I. einer Gastwirtin in Gießen-Klein-Linden 800 RM. gestohlen^ fiachdem er sich in das Haus eingeschlichen und im Keller ver­borgen gehalten hatte. B. kam 1^41 cms der Frem­denlegion zurück. Er lernte die Gastwirtin leimen, kam am Wochenende regelmäßig zu ihr und war auch kurze Zeit mit ihr verlobt Am fraglichen Tage war er ohne Wissen der Gastwirtin nach> Gi - ßen-Klein-Linden gefahren. Der Angeklagte gibt bie Tat zu, behauptet aber, es seien ihm nicht 800«RM sondern nur 372,50 RM. m b»e J>anöe flefaUen 'Wegen Einschleichungsdiebstahl zur Nachtzeit wurde er zu einer Zuchthausstr a e von einem Hahr, auf die drei Monate der erlittenen Unter­suchungshaft angerechnet werden, verurteilt.

26?27. September 1942

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen)

Der Kampf um Stalingrad in der neuen Wochenschau.

In der neuen Wochenschau erleben wir drei Grundformen filmischer Darstellung. Die Wieder­gabe des englischen Landungsversuchs bei Tobruk ist ein nüchterner Tatsachenbericht. Man kann die einzelnen Phasen der Abwehr ver­folgen und ihre Wirkung an zerschlagenen Schiffen und in die Gefangenschaft abmarschierenden feind­lichen Soldaten ablesen. Die Ähnlichkeit des Ver­laufs dieser Abwehr mit dem von Dieppe ist sym­ptomatisch. Sie wirkt in ihrer Wiederholuna aber nicht etwa so, daß sie das Interesse der Beschauer herabsetzt, sondern erweckt in ihnen die Ueberzeu- gung, daß jeder Versuch des Feindes, an irgendeiner Stelle an den deutschen Abwehrfronten einzudrin­gen, immer die gleiche Reaktion auslöst: die Ver­nichtung oder Vertreibung des Gegners.

Die Kriegsberichter aus dem Kaukasus warten diesmal mit einem ganz besonderen Bildstreifen aus. Der Filmbesucher findet sich auf einen Beobach­tungsposten der Artillerie versetzt.-Unter ihm liegt ein vom Feind besetztes Dorf im Talkessel. Die eigene Artillerie ist in voller Tätigkeit. Ihre Wir­kung ist genau zu beobachten. Haus um Haus wird von den Granaten erfaßt, bestimmte Geländestriche völlig unter Feyer gefetzt. Durch diese Aufnahmen

ist das ganze deutsche Volk für eine Minute in die Lage eines Artillerieoffiziers versetzt, der mit Ge­nugtuung die Richtigkeit seiner Berechnungen und Anweisungen festftellt.

Das Bild Stalingrads wird mit einer Ein­dringlichkeit in die Hirne der Betrachter projiziert, die dem Tonfilm vor allen anderen Uebermittlungs- möglichkeiten eigen ist. Wir sehen die Infanteristen am Rande der Stadt, überblicken aber darauf gleich das gesamte Weichbild durch eine Flugaufnahme, erleben die Härte des Häuserkampfes mit, werden aber gleich davon ebenfalls überzeugt, daß hier Heer und Luftwaffe in einer Weise Hand in Hand arbeiten, die sich als Meisterstück moderner Strategie erweist. Das große Finale der Wochenschau be­kommt diesmal durch wahrhaft überlegenen Schnitt und ungewöhnlich geglückte Aufnahmen eine dämo­nische Färbung. Es wird, ohne daß das Wort es unterstreichen muß, jedem einzelnen deutlich: die Kraft der deutschen Wehrmacht ist unheimlich. So verdunkeln die Qualmwolken über dem sowjetischen Bollwerk an der Wolga die Sonne, machen den Tag zu einer überirdisch erscheinenden Halbnacht und geben Kunde davon, daß der deutsche Wille unüberwindlich ist. H.-H. G.

Landkreis Gieße«.

. * L i ch , 25. Sept. Am Sonntag, 27. Septembev. vollendet Marie T r e ch s l e r Wwe. in voller geifti« ger Frische und guter Gesundheit das 80. Lebens* j a h r. Auch wir gratulieren herzlich.

ch Lich, 25. Sept. Im Kreise ihrer Kinder untz Enkel konnte am 23. Sept. Frau Marie Schmidts Löwengasse 9, ihren 8 4. Geburtstag feiern* Die hochbetagte Frau zählt zu den ältesten Ge­meindegliedern, ist geistig und körperlich noch recht rüstig und nimmt an den Ereignissen der Gegen-, wart regen Anteil. Im Weltkrieg starb ihr jüngstex Sohn den Heldentod fürs Vaterland. Wir gratis lieren der alten Kriegermuttei; herzlich zu ihrem Geburtstag.

Heimatschrifistetter Heinr. Naumann t.

LPD. Marburg, 25. Sept. In feinem Heimat« dörfchen Nanzhausen im Kreise Marburg ft ar b im Alter von 86 Jahren der weitbekannte Künder hessi­schen Volkstums, Altbauer und Schriftsteller Heinrich Naumann. Seine zahlreichen Schriften und Er­zählungen aus dem hessischen Bauernleben haben vielen Anklang gefunden. Lange Jahre bekleidete er zahlreiche Ehrenämter und war auch ein gern ge­sehener Gast und Redner bei volkstümlichen Ver« anftaltungen.

Kreis IHarburg.

* Fronhause n (Lahn), 25. Sept. Am 23.d. M. wurde hier unter außerordentlicher Anteilnahme des ganzen Kreises Marburg Hauptlehrer und Or­ganist Heinrich I m m e l zu Grabe getragen. Eine schwere Krankheit hatte der reichen Tätigkeit des allseitig hochgeschätzten Mannes ein Ziel gesetzt. Alle Nachrufe am Grabe von Vertretern der Partei, der Gemeinde, der Schulbehörde usw. gipfelten in der Anerkennung seiner vortrefflichen Gaben des Geistes und des Herzens, die es ihm ermöglichtem vielen Trost, Rat und Hilfe zu spenden. Vom nahen Sichertshausen war der Dahingeschiedene 1925 nach Fronhausen gekommen. Nicht nur feine! Gattin und sein Sohn, der als Leutnant in Ruß­land kämpft, sondern auch die ganze Gemeinde und vor allem die Schule hat in dem Dahingeschiedenen einen treuen Menschenfreund und Berater in jeg< licher Not verloren. Er ruhe in Frieden!

Jugendliche Sünder.

Lpd. Mainz, 25. Sept. Der Besuch von Licht­spieltheatern ist im Interesse des Jugendschutzes durch einschränkende Bestimmungen geregelt. Ob­wohl bei Bekanntgabe jeder Filmvorführung mit­geteilt wird, ob Jugendliche von der Teilnahme an den Vorstellungen ausgeschlossen oder auf bestimmte Altersklassen beschränkt zugelassen sind, wird zu­weilen versucht, diese erzieherischen Maßnahmen durch Täuschung zu umgehen. Ein 17jähriger Lehr­ling, der vor kurzem auf seiner Kennkarte das Ge­burtsjahr 1925 in 1923 änderte, um sich der Kon­trolle beim Kinobesuch als nicht mehr jugendlich auszugeben, wurde im Schnellverfahren des Amts­gerichts Mainz wegen dieser Urkundenfäl­schung zu zwei Wochen Jugendarrest ver­urteilt und zur nachdrücklichen Auswirkung der Er­ziehungsanordnung sofort zur Vollstreckung einge­liefert. \

Frankfurter Schtachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 26. Sept. (Vorbericht.) Cs notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen 41 bis 50, Bullen 39 bis 48, Kühe 28,50 bis 48, Färsen 40 bis 49, Kälber 50 bis 59, Schweine 57 bis 64. Marktverkauf: alles zugeteilt.

G. A.-Sport.

Sommersporttag von Buderus Lollar.

Wie im vergangenen Jahr führte Buderus Lollar auf dem schön gelegenen Waldsportplatz seinen Sommersporttag durch. Nach der Flaggenhissung eröffnete Direktor Jansen mit einer Ansprache und Gefallenenehrung die Veranstaltung. Die Be­teiligung war, der Gefolgschaftsstärke entsprechend, gut. Schöne Wander- und Wertpreise winkten den Siegern. Zur Austragung kamen ein Fünfkampf der Männer sowie ein Vierkampf der Frauen, die einzeln und mannschaftsweise gewertet wurden. Fußballspiel, Bodenturnen, Federbrett und Einzel­wettbewerbe vervollständigten das Programm, wo­bei im Keulenweitwurf die Leistung des Lehrlings Grün mit 65m zu erwähnen wäre. Auf dem Wehr­kampstag in Gießen konnte die Betriebssportgemein­schaft Buderus Lollar ihre sportliche Betätigung unter Beweis stellen. Die Männer erran.ien im Manu-- schafts-FünsRimpf hinter Schunk 8- Ebe den zweiten Platz, während sie im Medizinballstoßen und in der 8 X 75-m-Pendelstaffel die erste Stelle einnahmen. Die 2. Mannschaft der Männer ft mb an 8. Stelle. Die Frauen waren in der Mannfchaftsbewertung und 6 X 50-m-Pendelstaffel an Dierter Stelle.

Handball.

Gauklasse.

Polizei Frankfurt Luftwaffe Gießen.

Infolge dienstlicher Versetzungen besitzt der vor­jährige Gaumeister nicht mehr die alte Mannschaft. Einem Sieg in der neuen Spielrunde folgte eine überraschende Niederlage. Dadurch wird die Mann­schaft bestrebt sein, weiterhin mit der Spitzengruppe Schritt zu halten. Die Gießener zeigten in dem Lo­kaltreffen eine ansteigende Form. Gelingt es, in stärkster Besetzung in Frankfurt anzutreten, so sollte es ein knappes Resultat geben.

HI.-Klasse.^

Rttv. Gießen Holzheim.

Im ersten Punktspiel empfängt der Mtv. Holz­heim. Die Gäste konnten am letzten Sonntag ihren Lokalrivalen Grüningen sicher bezwingen,, während die Gießener in ihrem Treffen nicht überzeugen konnten. Sie müssen sich daher schon besonders an­strengen, um keine Uederraschung zu erleben.

Grüningen Lang-Göns.

Durch spielstarke Gegner hat Lang-Göns in letzter Zeit schon größere Erfahrungen gesammelt. Wenn auch die Mehrzahl der Spiele auf eignem Boden stattfanden, so werden sie sich doch gegen die Platz­besitzer sicher zu behaupten wissen. Allerdings wird sich Grüningen mächtig anffrengen, damit das Re­sultat nicht allzu hoch wird.

Watzenborn Luftwaffe II.

Durch Fehlen aktiver Gegner nimmt die II.Mann­schaft der Gießener Luftwaffe in dieser Runde teil. Da die HI.-Mannschaften für diese Treffen ältere Spieler einsetzen können, ist mit gleichstarken Ein­heiten zu rechnen. Die Platzmannschaft zeigte am letzten Sonntag eine annehmbare Leistung, lieber die Spielstärke der Soldaten ist noch nichts bekannt. Aus diesem Grunde ist eine Vorhersage nicht möglich.

Vom Druckbogen zum fertigen Buch.

Blick in eine große Verlagsbuchbinderei.

lieber den weiten Weg, den ein geistiges Er­zeugnis vom ersten schöpferischen Aufblitzen in Hirn und Herzen des Autors durchläuft, bis es als Buch in die Hand des Lesers gelangt, ist des öfteren die Rede gewesen. Heute wollen wir einmal den letzten Teil dieses langen und umständlichen Weges ins Auge fassen und den Produktionsgang vom Rohdruck bis zum fix und fertig gebundenen Buch verfolgen. Das ist sehr lehrreich auch heute noch, wo man weniger Bücher im Schaufenster sieht und zu kaufen bekommt als früher. Denn auch heute noch werden Bücher geschrieben, gesetzt, gedruckt, ge­bunden und verkauft-, es kommt uns in diesem Falle nicht darauf an, ob es sich etwa um ein Deutsches Lesebuch für Volksschulen oder um ein illustriertes Werk über Rinderzucht handelt. Uns interessiert heute das Buch nicht seinem Inhalt, sondern seiner äußeren Form und Gestalt nach. Wir befinden uns in einer großen Verlagsdruckerei, d. h. also in einem im Gegensatz zum kleineren Handwerks­betrieb für Einzelbindearbeiten weitgehend ma­schinell' ausgerüsteten Betrieb zur Herstellung von Massenauflagen.

Wenn das Buch gesetzt, korrigiert und ausgedruckt ist, liegt es im Rohdrucklager aufgestapelt und hat vorerst die unhandliche Form schwerer Pakete, deren jedes 250 bedruckte Bogen enthält. Auf jedem Bogen stehen 16 Buchseiten. Die Bogen kommen nun in die Buchbinderei, wo als erster Arbeitsvorgang das Fallen beginnt. Die einzelnen Druckbogen ge­langen fortlaufend in die Falzmaschine und kom­men, je nach Bedarf und Wunsch einfach, zwei-, drei- oder pierfach gefalzt, wieder zum Vorschein. Die Leistung dieser von einer Falzerin bedientest, sehr sinnreich konstruierten, vollautomatisch arbeiten­den Maschine beträgt 3500 Bogen in der Stunde. Zur Vermeidung von unschönen Quetschfalten wird der Bogen jeweils beim zweiten Falzbruch in der Maschine perforiert (gelocht), so daß auf diese Weise die überschüssige komprimierte Luft entweichen kann.

Die fertig gefalzten Bogen werden, nach der Bogensignatur geordnet, auf großen Tischen auf­gesetzt. Die Bogensignatur, zur Orientierung des Buchbinders bestimmt, besteht aus einer sog. Prime auf der ersten und aus der Sekunde, auf der dritten Bogenseite. Das ist wesentlich, damit die Bogen im Buch in der richtigen Reihenfolge erscheinen. Wer zu Hause ein Buch aufschlägt, wird nach je 16 Seite»! am untere? Seitenrande die kleingedruckte Bogen­signatur entdecken, deren Zweck ihm vielleicht bisher nicht klar war. (Das Buch besteht nämlich nicht aus einzelnen Blättern, sondern aus Bogen zu 8 Blät­tern gleich 16 Seiten.) Die zusammengetragenen und jetzt in der gehörigen Folge geordneten, ge­falzten Bogen werden darnach in der Stockpresse eingepreßt, bamit die noch zwischen den Bogen be­findliche Luft vollends entfernt wird und das Buch nach dem Binden eine festgefügte, kompakte Form bekommt: es würde sich sonst etwa wie ein Schwamm anfühlen.

Dann wird kollationiert, d. h. nachgeprüft, ob die Reihenfolge der Bogen stimmt: fehlerhafte Bogen werden ausgeschieden, in falscher Folge zusammen­getragene berichtigt. Nach dem Kollationieren wer­den die Bogen auf der von einer Hefterin bedienten Fadenheftmaschine geheftet: je ein Bogen wird auf­geschlagen und von der Maschine im Rollstich auf

Die Wanderung am Sonntag.

Dandervorschlag des DHL.. Zweig Gießen.

Abmarsch: Am Sandfeld. Mit dem blauen Strich (HDE.-Markierung) zur Badenburg (% Stunden), durch das Badenburger Wäldchen hinauf zum Han­gelstein, weiter zum Saubringer Paß und Aspen- kippel (1% Stunden). Hier treffen wir auf den roten Punkt und wandern mit beiden Zeichen an dem Dörfchen Climbach vorbei zum Endziel Allendorf an der Lumda. Gesamtwanderzeit 4 Stunden.

Lollar Wißmarbachlal Waidhaus Salzdödetal Fronhausen.

Beim Bahnhof Lollar durchschreiten wir die linke Unterführung und folgen den chwarzen Strichen, die uns am Bahnkörper entlang über die Lumda­brücke und hierauf über die Ei enbahnbrücke durch einen kleinen Teil von Wißmar nach dem lieblichen vielgewundenen Wißmarbachtal führen. Nach zwei­stündiger Wanderung erreichen wir das Forsthaus Waldhaus. Der Weitermarsch (gelber Punkt) führt durch den Buchenbühl zck dem prächtigen Ausblick nach dem Verstak und den Gladenbacher Bergen. Dem Wegezeichen folgend überschreiten wir zunächst einen Wiesengrund, den sog. Sauwasen, hierauf ein Hochplateau mit wiederum hübschen Blicken auf die Marburger Gegend. Bei der gastlichen, *im Salz- böbetal gelegenen Schmelz endigt die Markierung. Ein gutes Teil der Salzböde aufwärtsgehend, ver­lasse»» wir bei der Steinfurthsmühle dH? schöne Tal, wenden uns rechts, um, nochmals eme aussichts­reiche Höhe überschreitend, durch Oberwalgern nach

einen Gazestreifen sechsfach geheftet. Beim Hefter» wird also aus den Einzelbogen der sogenannte Buchblock, d. h. ein Buch ohne Einband. Der Buch­block bekommt auf der Anleimmaschine einen steifen Buchrücken. Hernach wird der Buchblock auf dem Dreischneider dreiseitig auf die vorgeschriebene Größe beschnitten.. Jetzt kann man schon blättern, im Gegensatz zur unaufgeschnittenen Broschur, die erst der Leser mit dem Papiermesser aufschlitzt.

Auf der Rundmaschine wird dann der Buchrücken gerundet. Jetzt hat der Buchblock die Form, die man beim fertigen Buch in der Regel kennt. Daraus wird der Schnitt eingefärbt, gewöhnlich nur die obere Seite. Ferner wird kaptalt: das Kaptalband, meist farbig, odm langen Strang abgeschnitten, er­gibt, auf den Buchbkock aufgeflebr, den Abschluß und dient heute nur noch als Zierat, während es früher beim handgebundenen Buch, vom Buch­binder geknüpft, außerdem noch eine Haltefunktion hatte. Hiernach werden die Blöcke gehülst: die Hülse dient zum Einhängen des Buchblocks in die Ein­banddecke.

Ein anderer Arbeitsvorgang in der Buchbinderei dient der Herstellung der Buchdecke. Diese besteht aus drei Pappteilen, zwei Deckeln und einem Rücken­teil: dazu kommt der Einbandstoff. Auf der Decken­maschine wird Leim auf den -Einbandstoff aufge­tragen, der bann über ein Transportband zu den an bie Maschine angeschlossenen Arbeitstischen ge­langt. Hier werben bie angeschmierten Stücke des Einbanbstoffes abgenommen und mit der Leimseite nach oben aufgelegt. Jetzt werden bie geschnitte­nen Buchdeckel unb bie Rückeneinlage angeklebt unb ber überstehende Rand des Einbandstoffes ein­geschlagen. Die fertige Decke wird bann bedruckt, wofür es verschiedene Verfahren gibt. Jetzt hat. das Buch sein Gesicht, den Titel und, gegebenenfalls, auch die Rückenbeschriftung. Der Rücken der Decke muß noch einmal auf einer Spezialmaschine ge­rundet werden.

Nun kann man die fertigen Buchblöcke in die ge­rundeten und bedruckten Decken einlegen und fest­kleben. Sie werden hierauf zunächst in einer klei­neren Spindelpresse vorgepreßt, danach in der sog. Schlagpresse bis zur völligen Durchtrocknung des Bandes gepreßt. Damit ist der langwierige Pro­duktionsgang beendet, das Buch ist fertig. Die Bände werden dann aus der Presse genommen und auf mögliche Mängel durchgesehen, die etwa in Gestalt von zusammengeklebte»? Schnitt oder Bindefehlern erscheinen können. Die solcherart bean­standeten Bücher gehen als Remittenden oder Krebse" in den Betrieb zurück und werden hier ausgebessert. Es wird dem Laien, der in Kriegs­zeiten gelegentlich einverbundenes" Exemplar in bie Hanb bekommt (bei bem eine Anzahl Seiten fehlen ober hoppelt vorkommen) interessant fein zu erfahren, daß derartige Mängel so restlos beseitigt werden Formen, daß man bem ausgebesserten Banbe nichts anmerkt, mag es sich babei um eine einzelne fehlerhafte Seite ober um einen ganzen Bogen handeln.

Zuletzt werben bie fertigen Bücher eingeschlagen unb gelangen aus ber Buchbinberei ins Ausliefe­rungslager. Von hier aus erfolgt ber Verfanb in Einzelstücken ober, was bie Regel ist, in Kisten- fenbungen an ben Kommissionär, unb von bort aus an ben Buchhandel (Sortiment).y

unserem Endziel Fronhausen zu gelangen. Gesamt­dauer der genußreichen Wanderung 5 Stunden.

Bieber Haina Dicke Eiche Bubenrod Bieder.

Eine schöne Wanderung von knapp 3 Stunden ist die folgende: Wir benutzen bie Biebertalbahn bis zum Enbziel. Mitten im Ort, wo sich ber Weg teilt, schlagen wir ben zur Linken ein, ebenso eine kleine Weile später unb gelangen so auf guter Straße an bem stattlichen Gutshof Haina unb später an bem anmutig gelegenen Forsthaus Haina vorüber zum Walb. Hier treffen wir alsbalb schwarze- Drei­ecke, bie von Kinzenbach kommen unb uns in bas liebliche Schwalbenbachtal führen. Mitten im Tal weifen uns ein Schilb unb ein weißer Strich hinauf zur bicken Eiche. Der Baum, ber trotz feiner 1000 Jahre immer noch grünt, hat einen Umfang von etwa 10 Meter; feine Hauptäste werben von Eisen­klammern zusammengehalten. Von hier leiten uns gelbe Striche nach Hof Bubenrob, beffen Wirtschaft vor einigen Jahren eingegangen ist. Kurz vorher stoßen wir roieber auf bas schwarze Dreieck, das uns burch bas Anwesen führt unb uns zunächst in bas Tal unb später roieber zur Höhe auf bie Königsberger Straße bringt. An biefer Stelle ge­nießen wir eine prächtige Ausschau auf ben Düns- berg mit ben benachbarten Höhen unb Königsberg. Wir verlassen jetzt bas seitherige Wegzeichen unb folgen gelben Kreuzen, bie uns burch Felb unb Walb, immer mit reizenben Blicken nach Bieber zurückbringen.