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Holland, Belgien, Frankreich und dazu rund 4,3 Millionen versenkter Handelsschiffstonnage. Wenn Churchill Dünkirchen in seinen Reden auch als siegreichen Rückzug" bezeichnet hat, so steht auf» fälligerweise dieserGewinn" nicht auf Churchills Gewinnseite. Er hat auch nicht gewagt, seinem Volk nach einem Jahr Krieg zu erklären, daß er seinem Ziele, der Vernichtung Deutschlands und Italiens, einen Schritt nähergekommen sei. Im Gegenteil, er prophezeite, daß der britischen Bevölkerung aus der Insel schwere Zeiten bevorstünden.

Im August 1941 verbuchte Churchill ein Plus für sich: den Eintritt der Sowjets in den englischen Krieg an der Seite der Plutokraten. Er hatte aber vorher schon den Balkan, Griechenland und Kreta abschreiben müssen, und auch den Eintritt der Bol­schewisten in den Krieg verbuchte Churchill noch nicht auf der Gewinnseite seines Hauptbuches. Er fühlte sich aber verpflichtet, nachdem er die zweite August-Stufe seines Krieges erreicht hatte, dem englischen Volk einen Lagebericht zu geben. Sein Wort vonNot, Blut und Tränen* fiel um diese Zeit. Heute erklärt nun Churchill, daß der August 1941 schon wesentlich günstiger ausgesehen hätte als 1940. Denn inzwischen sei nicht mir Stalin sein Verbündeter und Freund geworden, sondern auch R o o s e o e l t sei mit denungeheuren Hilfsquellen der USA." Großbritannien zu Hilfe gekommen. Er erinnert sich heute sicher nicht mehr gern daran, wie sich die Lage für die Plutokraten Ausgang August 1941 gestaltet hatte: Die Sowjets im Durchschnitt über 1000 Kilometer zurück geschla­gen, ungeheure Menschen» und Materialverluste und über vier Millionen Gefangene zurücklassend: Eng­land selbst hatte bis dahin über 13 Millionen BRT. Handelsfchiffsraum allein durch die deutsche Kriegs­marine und Luftwaffe verloren. Die englische- stungs- und Dersorgungsindustrie lag in wesentlichen Teilen in Trümmer. Die Lebensverhältnisse auf der Insel hatten sich in nie geahnter Weise verschärft.

Herr Churchill hat nicht bis zum fälligen August mit seiner Jahresbilanz gewartet, sondern er hat schon jetzt eine Zwischenbilanz gezogen. Der Grund hierfür war nicht die besonders günstige Lage, son­dern die immer mehr zunehmende Beunruhigung und das stärker werdende Mißtrauen, das sich in der Bevölkerung des brittschen Empire breitmacht. Denn inzwischen ist Japan, der Herausforderun» gen der britisch-nordamerikanischen Kriegshetzer müde, an die Seite der Achsenmächte getreten. Churchill konnte in seiner jüngsten Rede diese Tat­sache gleichfalls nicht als Gewinn ausweisen. Im Gegenteil, er erklärte resigniert: ,^>eute triumphiert Japan, und wir sind hart bedrängt."

Was er über die Zukunft des britischen Schicksals zu sagen hatte, war in keiner Weise ermutigend:Wir gehen einer für uns ungünstigen und schweren Zeit entgegen." Er konnte nur orakel­haft erklären:Die Eigenschaften, welche uns im Sommer 1940 gerettet haben, die werden uns auch durch diese Prüfung hindurchführen." Er erwartet nichts von der eigenen Hilfe; denn erstens liegt dem Engländer es nicht, selbst zu kämpfen, zum andern fehlen Churchill für einen Sieg alle Voraussetzun­gen. Er erwartet deshalb einmal, daß Amerika seine ungeheuren Hilfsquellen" zur Verfügung stellt, ferner daß die Sowjets die Deutschen aus ihrem eigenen Lande heraustreiben, daß die Tschungting-Chinefen die Japaner am weiteren Vordringen gegen Indien verhindern, und daß die übrigen Hilfsvölker aller Kontinente Groß­britannien vor dem Untergang bewahren. Wenn das alles zutrifft, dann ist nach Churchillder Sieg in den Bereich der Möglichkeit gerückt".

Wir wissen nicht, ob Churchill am nächsten August noch seinen Lagebericht wird erstatten können, aber das eine wissen wir, daß Churchill heute bereits mit seinem Kriegslatein zu Ende ist. Nach der weißen Flagge über Singapur sieht er ganz schwarz! Po.

Union Zack und weiße Fahne.

Oie Verhandlungen zur llebergabe Singapurs.

Singapur, 16. Febr. (DNB.) Generalleutnant Yamashita, der Oberbefehlshaber der japa­nischen Expeditionskräfte in Malaien, der in einer Unterredung von 49 Minuten Dauer mit General­leutnant A. E. P e r c i v a l, dem Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Singapur, am Sonn­tagabend die japanischen Uebergabebe- bingungen für Singapur diktierte, erklärte sich bereit, die volle Verantwortung für das Leben Der britischen und australischen Truppen sowie auch der in Singapur verbliebenen britischen Frauen und Kinder zu übernehmen und erklärte, man könne sich hierbeiauf den japanischen Buschido-Geist" verlassen.

Bei dieser historischen Zusammenkunft forderte Yamashita eine unverzügliche Annahme der java­nischen Uebergabebebingungen, wie aus dem fol- genoen von Domei veröffentlichten Wortlaut der Unterredung hervorgeht, die zwischen dem japa­nischen und dem britischen Truppenführer ftattfanb:

Yamashita:Ich wünsche kurze und präzise Antworten zu erhalten. Ich werde mich nur mit einer bedingungslosen Uebergabe zufrieden geben."

Percival: ,Ha."

Yamashita:Wurden irgendwelche japanische Soldaten von den Briten gefangen genommen?"

Percival:Nein, nicht ein einziger."

Yamashita:Wie steht es mit den japanischen Einwohnern?"

Percival:Alle japanischen Einwohner, die von den britischen Behörden interniert wurden, sind nach Indien gesandt worden, doch wird ihr Leben von der indischen Regierung vollständig gewähr­leistet."

Yamashita:Ich möchte jetzt hören, ob Sie sich zu ergeben wünschen ober nicht, und falls sie dies wünschen sollten, so bestehe ich auf einer be­dingungslosen Uebergabe. Was ist Ihre Antwort hierauf: Ja oder nein?"

Percival:Wollen Sie mir bis morgen Zeit lassen?"

Yamashita:Bis morgen? Ich kann nicht so lange warten, und es'ist eine abgemachte Sache, daß die japanischen Streitkräfte heute Nacht an- greisen werden."

Percival:Wie wäre es, wenn wir bis 23,30 Uhr japanischer Zeit warten würden?"

Yamashita:3n diesem Fall würden di-e japanischen Streitkräfte ihre Angriffe bis zu diesem Zeitpunkt fortsetzen. Wollen Sie sich jetzt mit ja oder nein erklären?"

Percival schweigt.

Yamashita: ,Hch möchte eine endgültige Ant- wort haben und ich bestehe auf einer vedingungs- losen Uebergabe. Was haben Sie dazu zu sagen?"

Percival:3a.*

Yamashita:Dann gut, der Befehl zum Feuereinstellen muß um 22 Uhr aus gegeben wer­den. Ich werde sofort gestatten, daß bis zu hundert Mann britischer Truppen zur Aufrechterhaltung von Frieden und Ordnung im Stadtgeoiet verbleiben. Sind Sie damit einverstanden?"

Percival:3a."

Yamashita:Sollten Sie diese Bedingungen verletzen, würden die japanischen Truppen keine Zeit verlieren und sofort zur allgemeinen und end- gültigen Offensive gegen die Stadt Singapur an« treten."

Die Briten Haden am 15. Februar um 14.30 Uhr zum erstenmal chre Bereitwilligkett zur Uebergabe geäußert, als drei britische Offiziere, darunter Ma­jor C. M. D. Wilde, sich mit weißen Fahnen der Vorhut der japanischen Haupfftreitkräfte auf dem Sportplatz vier Kilometer nördlich der Bukit- Timah-Straße näherten und eine Unterredung über Waffenstillstandsbedingungen vorschlugen. Auf An­weisung des Generalleutnants Yamashita fragte der Kommandeur des dortigen Verbandes, Suglitz, die britischen Offiziere aus. Der britische Waffenstill, standsvorschlag wurde darauf abgelehnt und die Forderung aus eine bedingungslose Uebergabe ge­stellt. Es wurde den Offizieren mitgeteilt, daß, falls das britische Oberkommando zur Uebergabe geneigt fei, der Oberbefehlshaber der japanischen Streitkräfte die Bedingungen noch am selben Tage 3U besprechen wünsche. Die britischen Offiziere kehr, ren um 16.15 Uhr zurück. Inzwischen dröhnten die Geschütze weiter. Am selben Tage noch, um 18.40 Uhr, kam Generalleutnant Percival, begleitet

von seinem Generalstabschef K. S. T. T o r m a n c e und Major Wilde im Kraftwagen in die Anlagen der Farbwerte. Das Auto Percivals führte einen großen Union Jack und eine weiße Fahne mit und der brittsche Befehlshaber war von dem japanischen Kommandeur Sugita begleitet. Kaum hatten die britischen Offiziere in einem der Räume in den Farbwerken Platz genommen, als um 19 Uhr Generalleutnant Yamashita, begleitet von ver- schiebenen Stabsoffizieren, erschien. Die britischen und japanischen Offiziere reichten sich die Hände und die Unterredung begann.

Tschungling bitter enttäuscht.

Schanghai, 17. Februar. (Eurovapreß.) Auf die T s ch u n g k i n g-Regierung hat der Fall von Singapur geradezu niederschmetternd ge­wirkt. Bittere Enttäuschung spricht ferner aus den Kommentaren der Zeitungen Tschungkings, die

einem Notruf an Großbritannien und die Bereinig ten Staaten gleichkommen.

Düstere Zeit, starker Feind.

Stockholm, 17. Febr. (Europapreß.) Die Zeit ist düster und der Feind ist st a r k, schreibt die USA.-ZeitungBalttmore Sun" in ihrem Artikel, der die allgemeine Stimmung in den Vereinigten Staaten nach dem Fall von Singapur kennzeichnet.

Reuters Korrespondent in Washington ist der Meinung, man beurteile den Verlust von Singapur in den Vereinigten Staaten nicht nur als britisch^ sondern allgemein als britisch-nordameri- konische Niederlage.

Ein Rundfunk-Kommentator erklärte, der Fall Singapurs sei eine Folge der Ereignisse von Pearl Harbour (Hawai) gleich zu Beginn des Ostasien- krieges. Sie hätten die Lage im Stillen Ozean ent­scheidend gugunften der Japaner verändert.

Der Ostindische Archipel.

Von Karl August Deubner.

Der ostindische Kolonialbesitz bildete die Grund­lage des holländischen Reichtums. Nachdem kühne Seefahrer und unternehmende Kaufleute am Aus- aang des 16. Jahrhunderts mit ihren Schiffen von Amsterdam bis zum ostindischen Archipel vorge­stoßen waren, wurde im Jahre 1602 die mit erheb­lichem Kapital ausgestatteteGenerale Ost-Indische Compagnie" gegrünbet, die sich die Ausbeutung der zuerst weaen ihrer Gewürze begehrenswerten In­seln zum Ziel setzte. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein Kolonialreich, das rund 60mal so groß war wie das Mutterland (1904 000 Quadratkilometer). Die volkreichste, an Oberfläche jedoch hinter den anderen großen Inseln des Archipels weit zurück- stehende Insel Java (132 000 Quadratkilometer) wurde mit Batavia der Mittelpunkt dieses kolonia­len Inselreichs. Um das Zentrum Java gruppieren sich als Außenbesitzungen: Sumatra (473 000 Quadratkilometer), zwei Drittel von Borneo (539 000 Quadratkilometer), Celebes (189 000 Quadratkilometer) die kleinen Sunda-Jnseln (ausgenommen portugiesisch Timor), die Moluk­ken und die Westhälfte von Neuguinea (390 000 Quadratkilometer).

Der holländische Staat als Besitz- und Rechts­nachfolger der Ostindischen Kompanie knüpfte zu- nächft an die koloniale Ausbeutungspraxis der Handelsgesellschaft an. Möglichst hohe Gewinne aus den überseeischen Befitzungen zu ziehen, war das Be-» streben der kavitalistisch orientierten niederländischen Kolonialpolittk der ersten Zeit. Erst verhältnismäßig spät, dann allerdings mit anerkanntem Erfolg, wandte sich der Staat der Aufgabe der Organisie­rung und kulturellen Durchdringung seines Kolonial­reichs zu. Ein gewisser Abschluß dieser Entwicklung wurde vor 20 Jahren erreicht, als die niederlän­dische Verfassung das europäische Mutterland und das Kolonialreich als gleichberechtigte Teile aner­kannte. Die Holländer hatten es verstanden, von der rein kapitalistischen zur modernen Kolonialpolitik einen Uebergang zu finden, ohne daß der Staat durch kolonial-revolutionäre Erschütterungen beein­trächtigt worden war. Sie bedienten sich mit gro­ßer Geschicklichkeit der eingebore/ien Fürsten, denen zum Teil nach Sicherstellung be's holländischen Ein­flusses ihre Herrschaftsrechte belassen wurden, wäh­rend nur etwa oie Hälfte des ostindischen Besitzes der direkten holländischen Verwaltung unterstand. Diese großzügige Beteiligung des eingeborenen Elements an der Verwaltung führte dann allerdings zu der Gefahr einer rassischen Ver­mischung, oie so weit um sich griff, dast von rund 240 000 Europäern, die In Niederländisch-In­dien leben, über die Hälfte indo-europäische Misch­linge sind. Nach zuverlässigen Erhebungen bestan­den zuletzt 22,5 v. H. der von Europäern in Ost­indien geschlossenen Ehen aus Mischehen. Der kolo­niale Friede war, sieht man das Problem von die­ser Seite an, mit einer erheblichen Selbstaufgabe bezahlt worden. 1937 zählte man in Nlederländisch- Indien 66 Millionen Einwohner, im holländischen Mutterland 8 Millionen.

Der Gewürzhandel war es, der die Holländer in das von tropischem Klima begünstigte Nieberlän- disch-Indien zog. Der Pfeffer hat bis zu unserer Zeit im osttndischen Export seinen Platz behauptet. Die Produkte, die bann im Dlantagenanbau begün­stigt wurden und bis vor nicht so langer Zelt den

ostindischen Handel beherrschten, Zucker und Kaffee, sind vom Kautschuk und vom O e l rn ihrer Bedeutung abgelöst worden. Die Erdölvor­kommen auf Java, Sumatra und Borneo haben Niederländisch-Jndien den Rang der fünften Del- macht der Welt gesichert. In der Tabelle der wich­tigsten Ausfuhrgüter Nieberländisch-Jnbiens ran­gieren die Oelprodukte mengenmäßig an erster Stelle, wertmäßig gleich hinter dem Kautschuk.

Die Hauptinsel Java ist mit 42 Millionen Ein­wohnern bas am dichtesten bevölkerte Agrarland der Erbe. Ausgebehnte Reispflanzungen befin­den sich hauptsächlich im Besitz von Angeborenen Bauern. In minder ergiebigen Erntejahren reicht die Reisprobuktton Javas allerbings zur Ernäh­rung ber Bevölkerung nicht einmal aus unb muß durch Einfuhr ergänzt werben. Bei einem trifen- bebingten Rückgang bes Anbaus von Zucker und Kaffee hat sich bie Teekultur günstig entwickelt. Sie nimmt in ber Ausfuhr Javas bie erste Stelle ein. Auf der fruchtbaren Insel werden Kautschuk, Zinn, Taplokaprodukte und Chinarinde in bedeu­tenden Mengen gewonnen. In ber Chinarinde, aus ber Chinin gewonnen wirb, besitzt Nieberlän- disch-Jndien bas Weltmonopol.

Sumatra, bekannt geworben burch feinen Tabak von hoher Qualität, hat durch seine aus- aebehnten K a u ts ch u k ku lt u r e n in ben letzten Jahrzehnten einen bebeutenben Wertzuwachs er­fahren. Nach Malaya, bas sich jetzt unter ber Kon­trolle Japans beflnbet, Ist Nleberlänbisch-Jnbien bas ergiebigste Kautschukgebiet ber Welt. Die USA. haben vis zum Kriege ben größten Teil ber nieder- lönbisch-inbischen Kautschukproduktion abgenommen. Die großen Erbölvorkommen auf Sumatra lenken bie Aufmerksamkeit auf biefen schicksalhaften Rohstoff, ber in erheblichen Mengen auch auf B o r- n e o geförbert wirb, bas im übrigen In seinen Ur- walbzonen ein eigentliches Eigentum ber Einge­borenen geblieben ist.

Wirtschaftlich ist bas in weiten Tellen noch uner­schlossene Niederlänblsch- Neuguinea ohne grö­ßere Bebeutung. Die Ausfuhr wirb kompensiert burch bie Einfuhr, es ist hier weniger ein wirtschaft­liches Moment, bas Interesse verdient, als ein be­völkerungspolitisches. Neuguinea ist ein Ventil für bie übervölkerten Inseln bes Archipels, vor allem Java. Auch Japan hat sich zeitweise für eine Be- sieblung Neu-Guineas interessiert.

Dieser umrißartige Ueberblick über die Schätze Nieberländisch-Jndiens bebarf einer Ergänzung burch den Hinweis auf bie bebeutenbe Ausfuhr an Kokospalmprobukten Nieberlänbisch-In- bien steht an ber Spitze ber Kopraausfuhrlänber ber Welt unb Zinn, bei bem Nieberlänbisch-Indien den dritten Platz in ber Welterzeugung einnimmt. LlGA.-AdmiralHart gefallen.

In der Seeschlacht vor Java mit seinem Kreuzer untergegangen.

Schanghai, 16. Febr. (DNB.) Der USA^ Admiral H a r t, der am 7. Februar wegen angeb­licher Krankheit von bem holländischen Vizeadmiral Helfrich als Oberbefehlshaber abgelöst wurde, ist, wie aus Surabaya gemeldet wird, auf bem

Gemischter Tobak.

Kulturhistorische Betrachtung zur Raucherkarte.

Auch die scheinbar so nagelneueRaucherkarte" *r- wie man die Bezugskarte für Tabakwaren im Dolksmunde kurz und treffend nennt gibt der Behauptung des alten Scheichs Ben Akiba recht: Alles ist schon, einmal dagewesen!" Bereits vor 250 Jahren mußten sich in verschiedenen Gemeinden Deutschlands Leute, die dem Tabak hold waren, per- sönliche Berechtigungsscheine zum Rauchen gegen Erlegung von amtlichen Gebühren besorgen, wid­rigenfalls sie beim Rauchen ertappt Strafe zahlen mußten. SolcheTabakzettel" oderRaucher­pässe" allerdings unterschieden sich insosern von unserer neuen Raucherkarte, als sie lediglich die Be­rechtigung zumTabaktrinken" erteilten, nicht aber die Beschaffung von Rauchwaren ermöglichten.

Immerhin ist die Parallele zu unserer Zeit doch auffallend, unb nicht ohve Interesse dürfte in diesem Zusammenhänge auch bie folgende kulturhistorische Reminiszenz fein:1754 wurde in Bremen dix Tabaccise aufgehoben, dagegen verfügt, daß alle Mannspersonen nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre jährlich 8 Schillinge Tabaksgeld zahlen sollten." Es handelte sich hier also um eine Steueränberung, bie generell galt und ben Erfaßten natürlich auch bie Nauchererlaubnis erteilte. Das ist um so beachtlicher, als schon Iugenbliche davon betroffen werden, nachdem noch kurz vorher selbst bas Recht ber Er­wachsenen aufs Rauchen mancherorts bestritten wurde. So sind zahlreiche behördliche Erlasse be­kannt, die das Rauchen manchmal auch nur das unmäßige Rauchen ober das Rauchen an öffentlichen Orten verboten. Ja selbst bas wenigerfeuer­gefährliche" unb nicht burch Qualm andere Leute bdäftigenbe Tabakschnupfen ist mehrfach öffentlich untersagt worden; so verboten es die Päpste Ur­ban 1642 unb Innozenz X 1650 innerhalb ber Kir» chen, was begreiflich erscheint, da es dort wirklich ungehörig ist. Aber auch bie Mebiziner hatten ihre Bedenken, und es ist noch gar nicht so sehr lange her, seit die alte Auffassung getilgt wurde, daß bas Rauchen ben Mann unfruchtbar mache.

Andererseits aber sand ber Tabak auch starke Be­achtung als Heilpflanze, und heute noch ist er offi- zwl in Verwendung. Allerdings erfahrt er nicht rstchr öle sieffattigtz Hestcmwendmrg vvn

Tobak". Diese nämlich war wirklich außerordentlich vielseitig, und folgende Rezepte stellen nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus einem Fachbuche der srkderizianischen Zeit bar,

Das Tabakkraut, in Branntwein geleget und da­von ein Löfflein voll getrunken, tobtet die Würmer im Leibe unb ist gut für bie Steinschmerzen. Die Blätter, in Bier eingeweichet und dieses getruncken, verursachet ein hesftiges Erbrechen, daher die Fie­ber dadurch oft curiret unb vertrieben werden. Das Kraut, in Weine gesotten und hernach warm über die schmertzenden Wunden geschlagen, stillet ben Schmertz wunberbar."

Auch die Indianer schätzten bereits die von ihnen zuerst kultivierte Pflanze als Heilkraut, und es ist uns überliefert, daß sie mit Tabakslauge sogar ver­giftete Pfeilwunden behandelt haben. Im Kult spielte der Tabak eine bemerkenswerte Rolle bei ihnen. Ein alter Reisender, etwa um 1680, beschreibt uns die Zeremonien, die beim Rauchkulte getrieben wurden, ausführlich; da heißt es:Diese Indianer nämlich bie bes füblichen Norbamerikas sollen der Sonne zu Ehren Toback rauchen. Sie kehren ihr Angesicht nach der Sonnen zu, um dadurch ihren Respect, den sie gegen dieselbe tragen, an den Tag !u legen, unb präsentieren also ihre Pfeiffen, so bald le dieselbe angezündet haben, diesem Gestirn mit en Worten: Hschenti ouba!', das heißet: ,Rauche, Sonne!'"

Sodann spielt der Tabaksgenuß dort in seinem Heimattande eine bedeutende Rotte für die körper­liche und seelische Anregung; ja auch der Kautabak war schon frühzeitig dort bekannt, wie alte Berichte, etwa für die Zeit um 1700 herum geltend, barlegen. Wir lesen bei einem Autor jener Zeit:

Wenn die Indianer durch wüste Oerter reifen wollen, machen sie aus dem Tabacke kleine Küglein nach dem anderen vorne in den Mund zwischen Lip­pen und Zähne und saugen daran, daß sie zer­gehen; davon empfinden sie eine Feuchtigkeit, welche sie verschlingen, und können sich also damit einige Tage des Hungers und Durstes erwehren."

Der Name Tabak stammt übrigens von einem indianischen Wort, das soviel wieRauchröhre" eine Vorrichtung zum Rauchen auf Haiti bedeu­tet und von ben Entdeckern in die spanische Form tabaco gebracht wurde. Zigarre kommt vom spa­nischencigarra, bem Namen einer Grillen- ober Zikadensorte, undcigarro ist eine kubanische Ta­baksorte, <m deren Staude das Insekt besonders gern

Ein

stunde verging. * ,jvcnn Sie bet Dem 2

ttM lficht mchp lange fegte dwMinkgeld haben sollen!'

warf.

Nicht so nervös! Nicht so nervös, junger Freund!" lächelte nachsichtig ber alte Herr unb stellte bie Figur behutsam wieber auf. Eine Vier­telstunde verging. *

Eine partie Schach

Von Rudolf Prange.^

alte Herr nach einem gebankenvollen Schweigen, als er einen neuen Zug überlegt hatte.

Meinen Sie?" fuhr Herr Hennig auf und blickt« nach dem Bebienungsfräulein. Dann seufzte er.

Sie müssen aufpassen!" fuhr sein Partner schmunzelnb fort. ,Hhre Dame ist gesährbet!"

Herr Hennig starrte sein Gegenüber verblüfft an. Dann nickte er resigniert unb blickte auf bis Figuren.Sie haben recht!" sagte er leise und schien an etwas anderes zu denken, was aber seinem Partner nicht auffiel, da fein Interesse ganz auf bas Spiel gerichtet war.

Plötzlich, als Herr Hennig gar nicht aufgesehen hatte, kam bann bas Bebienungsfräulein.Das Tele­phon!" sagte sie. Der junge Mann sprang auf. Er war wie elektrisiert, unb ber alte Herr mußte ihm nachsehen, wie er aufgeregt zum Telephon eilte. Kopfschüttelnd neigte er sich bann wieder über das

Schachbrett.

Völlig verwandelt kam der junge Mann zuruck. Sein ganzes Gesicht strahlte. Jetzt fiel es auch bem alten Herrn auf.Warum freuen Sie sich so?" fragte er heiter.Sie haben bas Spiel verloren. In brei Zügen setze ich Sie matt!"

Der junge Mann lachte unb griff nach feinem Mantel, ber am ©arberobenftänber neben dem Tisch hing.Entschulbigen Sie schon!" erwiderte er in einer ähnlichen Heiterkeit, nur schien sie aus tieferen Grünben zu kommen,ich habe nämlich gewonnen. Eben erfahre ich es. Meine Frau ist glücklich mit einem strammen Jungen niedergekommen."

Was Sie nicht sagen", fuhr ber alte Herr über­rascht auf.Sie spielen hier Schach unb"

Meine Frau kriegt einen Jungen!" unterbrach ihn vergnügt der junge Mann, währenb er sich nach dem Fräulein umsah, weil er zahlen wollte. ,^)ier drüben ist boch bie Klinik", erzählte er rasch, bis bas Fräulein kam.Ich war vorhin bort, aber sie haben mich hier in bas Caf6 geschickt. Ich war nämlich aufgeregter als sie alle ba oben. Sie woll­ten mich hier anrufen, wenn es soweit war. Da können Sie sich wohl denken, wie ich gewartet habe.

Er lachte glücklich auf, warf ein Geldstück auf ben Tisch unb rannte los. '

Gratuliere!" rief ber alte Herr ihm nach.

Aber ich habe bem Herrn ba noch gar nicht herausgegeben!" sagte bas Bebienungsfräulein. Behalten Sie nur!" lächelte ber Stammgast, rnenn Sie bei bem Ereignis nicht mal 'n gute«

Ein alter Herr, der jeben Nachmittag in das Caf6 kam und darauf wartete, baß er Bekannte ober auch Unbekannte traf, bie er zu einer Partie Schach überreden konnte, hatte ben jungen Mann schon ein paarmal gemustert unb bie Möglichkeit erwogen, hier vielleicht zu einer Partie Schach zu kommen.

Verzeihen Sie!" roanbte er sich lächelnd an ben Unbekannten,vermutlich warten Sie auf jemanb. Wie wäre es, wenn wir bis dahin eine Partie Schach spielten? Es wartet sich angenehmer dabei!"

Gewiß", sagte ber junge Mann,aber" Er starrte gespannt auf bas Fräulein, bas auf bie Ecke zukam. Doch sie nahm nur etwas Geschirr vom Nebentisch unb verschwand wieder.

Nun?,' lächelte ber Schachfreund.

Der junge Mann stieß einen kleinen Seufzer aus. Wenn Sie meinen", sagte er zögernd.

Das Spiel entwickelte sich. Der junge Mann ver­lor zuerst einen Dauern und war bald in die Ver­teidigung gedrängt.Sie hätten lieber den Läufer ziehen sollen", sagte der alte Herr wohlwollend. Er überlegte jeden Zug so lange, baß sein Partner wieber nervös mit ben Fingern auf der Tischplatte trommelte.

Der junge Mann mußte sich sehr zusammen- nehmen. Sein Interesse teilte sich offensichtlich zwi­schen bem Schachbrett unb bem Bebienungsfräulein, von bem er, so oft es auftauchte, die Nachricht er­wartete, bah Herr Hennig am Telephon verlangt werde. Er zog, ohne lange überlegt zu haben, und seine Hand zitterte so, baß er seine Figur urn-

Mann betrat etwas aufgeregt das kleine Caf6.Fräulein!" sagte er, nachdem er Platz ge­nommen unb sich einen Kognak bestellt hatte,ich erwarte einen Telephonanruf. Ich heiße Hennig. Also rufen Sie mich, wenn ich verlangt werbe!" Er trank ben Kognak in einem Äuge aus, blät­terte zerstreut in ben Zeitungen unb sah von Zeit zu Zeit zu dem Bebienungsfräulein hin.

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