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Philharmonisches Konzert unter der Leitung Furtwänglers. Schon sehr zeitig betritt ein breitschultriger Mann den Saal. Er nimmt nicht gleich seinen Platz in der Mitte der Reihen ein, sondern bleibt an der Seite stehen, und seine Augen gehen beobachtend über die nun immer lebhafter herein- ftrömenben Menschen. Mancher Blick streift den Mann mit dem kantigen wettergebräunten Gesicht und den suchenden Augen.
Bergenroths Aufmerksamkeit wird lange angestrengt. Erst kurz vor Beginn des Konzerts tritt Helene ein. Er erkennt sie sofort, aber er kann ihre Erscheinung jetzt nur flüchtig aufnehmen ... eine hohe Gestalt im festlichen Kleid. Seltsam fremd kommt ihm Helene vor und doch wieder, als sie jetzt Platz nimmt, vertraut in den Linien der Schultern, des Kopfes, um den sich das ^nnkle Haar heute in geordneten Wellen legt.
(Fortsetzung folgt.)
Ludwig Rautenberg hat auf der Durchreise vom Osten zum westlichen Kriegsschauplatz einige Tage Urlaub für Berlin. Vieles drängt sich in diese Zeit. Zwar hält ihm Johannes alle weniger wichtigen Geschäfte fern, aber es ergibt sich natürlich doch manche Besprechung.
An einem dieser Tage macht Rautenberg der Witwe eines vor Warschau gefallenen Kameraden seinen Besuch. Er findet eine tapfere, gefaßte Frau. Ein Kind, ein kleiner Knabe schmiegt sich zärtlich
Rautenberg hat für den Abend eine Verabredung. Er sagt ab und bleibt allein zu Hause. Ihm ist sehr emft zumute. Ganz bestimmte Gedanken beschäftigen ihn, aber noch ist er zu keiner Entscheidung gekommen. Er denkt an den Besuch heute, das Bild der ernsten Frau und des Kindes steht noch immer vor ihm.
Lange überlegt und erwägt er und kommt zu einem Entschluß. Er fühlt auch jetzt keine Der- pflichtung. Käte Allert zu heiraten, weil er in einer solchen Ehe kein Glück sieht, für beide Teile mcht. Aber er will feinen Sohn adoptieren Martin soll den Namen Rautenberg tragen und feine Erziehung, seine Zukunft überhaupt sollen sicher- gestellt werden.
Als Rautenberg sich hierzu entschließt, setzt er sich auch gleich an seinen Schreibtisch und legt feinen Willen schriftlich fest. Johannes wird alles weitere veranlasien und wird sehr einverstanden fein.
Johannes wird zufrieden sein und vielleicht auch Helene, wenn sie davon erfährt. Unb sie steht ja wohl immer noch mit Käte in Verbindung. Vielleicht wird sie bann ihre Meinung über Ludwig Rautenberg wenigstens etwas ändern ...
Helene
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Ihm fällt jener Abend ein, da eine ganz verzweifelt-sehnsüchtige Stimmung ihn von der Tänzerin fort unb zu ber nächtlichen Fahrt nach Dahlem trieb ...
Ob bas Haus noch immer unbewohnt ist?
Wie unter einem Zwang nimmt Rautenberg den Hörer vom Telephon und wählt die Nummer, die ihm von vielen vergangenen Gesprächen noch immer gegenwärtig ist.
Eine Frauenstimme meldet sich, Unverkennbar Bernhardines Stimme. Wie früher. Nein, es ist doch nicht wie früher. Bernbardine ist verschlossen. Sie kann keinerlei Auskunft erteilen. Aber die dunkle Stimme des Mannes beendet bas Gespräch noch nicht. Diese Stimme spricht von Krieg unb Kampf ... spricht von kurzer Urlaubszeit hier in Berlin ... spricht freunblich und bittend mit der alten Dienerin: unb bann weiß Rautenberg sehr bald, wie er mit der Frau steht. Er erkennt, daß Bernhardine ihm noch immer freunblich gesinnt ist.
Theater -er Universitätsstadt Gießen
Heinrich von Kleist: .Penthesilea''.
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Sie erblickt eine schöne, junge Frau ... ein Ge- sicht, in dem eine heiße Sehnsucht lebt ...
Und bas Bilb bort im Spiegel, biefe Frau mit bem dunklen Haar, den brennenden Augen ... dieses Bild gibt wahrscheinlich ihr wahres Gefühl wieder.
Helene fühlt, wie ihr Blut rascher strömt. Sie erkennt diese Sehnsucht. Sie muh sich fragen: Was besitze ich denn? Kameradschaft ... eine herzliche Freundschaft ... .,, ,
Ja, das alles besitzt sie wobl ... nicht aber jene große und starke Liebe, die Leidenschaft kennt ... Sturm ber Herzen und der Smne ...
Was ist das schon für ein Leben, das sie führt ... matt, ohne Duft ... ohne Leuchten ...
Sie weiß nicht, baß Bergenroth sich in biefen Tagen, da ihm Helenes Gegenwart fehlt, feiner eigenen, eingeschlossenen Gefühle stärker unb klarer als je zuvor bewußt wird.
In ihm erwacht die Sehnsucht nach Helene, die gesammelte Glut eines Mannes, der lange einsam gewesen ist. ,
Die für Berlin vorgesehene Woche ist vorüber, doch zöaert Helene noch mit der Abreise. Sie ruft ihren Mann an unb hört die Freude in feiner Stimme, hört den Klang der Erwartung. _
Sie faat mit einem kleinen Scherz, daß sie sich nur Nachurlaub erbitten will. Ja, sie hat diese Tage in Berlin gut verlebt ... sehr gut. Und auch jetzt hat man noch mancherlei vor.
,.Veranügunasfüchtiae Frauen wären wir ... du irrst, Richard. Wir haben zwar mit Lust eingekauft, genießen auch heitere Kunst ..
Erzähle. Helene, was plant ihr denn noch?
"Die Dbilbarmoniker möchte ich noch hören. Furiwängler dirigiert. Wann? Am Donnerstag. Aber ich wundere mich, Richard — es ist wie ein V^Das soll es keinesfalls fein, Helene. Nur Anteilnahme die du mir gewiß erlaubt. Ich wünsche tzir noch recht gute Tage. Unb viele Grüße an Frau Schrott."
an die schlanke Gestalt im schwarzen Kleide. Die Hand ber Muster legt sich auf das blonde Köpfchen. Ihr blasses Gesicht zeigt einen ergreifenden Zug ernster Würde, als sie sagt: „Herr Leutnant, ich das teure Vermächtnis meines
fühlsgegensätze, die im Verhältnis ber Geschlechter zueinander denkbar sind. Manchen wird es überraschen, wie undramatisch in großen Teilen dieses kaum vergleichbare Werk eines ber souveränsten Dramatiker ber Weltliteratur schon beim Lesen anmutet, aber niemand vermag wohl zu überhUen, wie das an sich handlungsarme Charakterbild em er kranken und maßlosen Seele gerade in seinen büh- nenfre.mben, epischen Partien, in der Schilderung von Kampf, Flucht und Verfolgung aus der Teicho skopie (Mauerschau) mit einer unerhörten Plastik, sinnlichen Schärfe unb visionären Gewalt vor dem Leser und Hörer aufgebaut wird — in einem jeden klassischen Ebenmaßes spottenden Furioso der stürzenden, zerhackten, barock verschränkten, getürmten und gebauten Monolog- und Dialogverse, in einer unverwechselbar gehämmerten und ausgeglühten Sprache, die im weiten Umkreise nicht ihresgleichen hat. Kleist, ber im „Käthchen von Heilbronn" bsre innere Gegenbild und die seelische Umkehrung jener maßlosen amazonischen Gesühlsoerwirrung in ber märchenhaft-romantischen Welt beutschen Mittelalters gestaltete, bat roeber das Ritterschauspiel noch die Griechentragödie je auf bem Theater gehört und gesehen. Erst 1876, fast sieben Jahrzehnte nach ber Niederschrift, wagte man in Berlin die erste, übrigens erfolglose Aufführung. —
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Es ist aus dem oben Gesagten unschwer abzuleiten, daß es auch heute noch, aus inneren wie äußeren Gründen, ein Wagnis bedeutet, dieses Trauerspiel auf die Bühne zu bringen, unb es spricht zweifellos für den Ehrgeiz unb ble Unternehmungslust ber Theaterleitung, daß die „Penthesilea" in den Spielvlan ausgenommen wurde. Die von Oberspielleiter Mund in Szene gesetzte Ausführung hatte diesmal erfreulicherweise von der sonst hier beliebten ausführlichen Melodrarnatisie- rung des Schauspiels abgesehen: man sollte sich auch, um ber inneren Geschlossenheit ber ohne Akteinteilung fortlaufenden Szenenfolge willen, zum pausenlosen Durchspielen entschließen. Daß dies vom Darsteller wie vom Hörer viel verlangt, bedarf keiner Unterstreichung: überhaupt wird die Lektüre des Textes, die jedem Besucher vor der Aufführung dringend zu empfehlen ist, bas rechte Gefühl dafür geben, welche Anforderungen das Werk an Spielleitung wie Schauspieler stellt, und es oerbient anerkannt zu werden, was die offenbar gründlich« Vorbereitung vor allem für die sprachliche Getto!- hi na juftanh ^bracht hat. Im übriaen war die Re- gieführung fühlbar bemüht, in der Wiedergabe dem dynamisch überaus differenzierten, schroff umsprin genben Aufbau der Szenenfolge zu folgen. Die von Herrn Löffler entworfene Raumgestaltung war
„Vieles Gewaltige lebt, unb nichts ist gewaltiger als ber Mensch " —: an den berühmten Vers aus der sophokleiscyen „Antigone" fühlt man sich beim Lesen dieses Trauerspieles erinnert, mit bem SH e i ft nach bem voller Verzweiflung verworfenen „Guis- färb" noch einmal, bas Außerorbentlichste wagend, nach den Sternen griff. „Auf den Knien meines Herzens" legte er mit jenem denkwürdigen Dresdener Brief vom Januar 1808 Goethe im „Phöbus" sein Werk vor, von dem er selbst zugab, daß es „nicht für die Bühne geschrieben" sei. Aber Goethe, dessen gemessene „Achilleis" im gleichen Jahre erschien, lehnte kühl und befremdet ab, peinlich berührt von der Vorstellung, daß „Männer mit Amazonen sich balgen", „bedrückt unb bekümmert, wenn ich junge Männer von Geist unb Talent sehe, die auf ein Theater warten, welches da kommen soll ..."; Penthesilea scheine ihm aus so rounberbarem Geschlecht, in einer so fremden Region lebend, daß er Zeit brauche, sich in beides zu finden. Es ist eine müßige Frage, ob die Amazonenfürstin uns heute minder fremd erscheine, unb ob wir jenes kommenbe Theater nun unser eigen nennen dürfen — gewiß ist, daß dieses auf bem Schlachtfelbe bei Troja spielende, antike Trauerspiel so unklassisch wie möglich ist, meilenfern dem von Winckelmann verkündeten Ideal der edlen Einfalt und ber stillen Große, auch fern dem Homer: es ist kleistifch — „mein innerstes Wesen liegt darin" —, sonst nichts. Seine Fabel verkehrt die griechische Sagenüberlieferung, nach der die den Trojanern zu Hilfe eilende Penthesilea von Achill erschlagen wird, ins vollkommene Gegenteil und nimmt jene für Kleist typische Verwirrung des Gefühls als seelische Voraussetzung für den Ablauf ber Tragödie. Während noch im „Amphitryon" Mensch und Gott in getrennten Wesens- und Daseinskreisen einander gegenüberfteben, scheint hier, in wiederum mythischem Bereich, alles Figürliche schlechthin ins Ueberlebens- große gereckt unb gesteigert. Dieses Amazonendrama entlädt sich m;t ber elementaren Wucht unb der verheerenden Unentrinnbarfeit einer Naturkatastrophe, es fällt gleichsam über den Beschauer her, lähmt und bestürzt ihn —: es ist bas furchtbarste, grausamste, unmenschlichste unb unklassischste Stück, bas Kleist je geschrieben hat: es steht messerscharf an ber Grenze dessen, was überhaupt auf der Bühne gewagt werden kann, unb macht uns schaubern.
„Penthesilea" ist die Tragöbie des entfesselten Eros unb des verletzten weiblichen Gefühls, das schon nicht mehr weiblich genannt werden kann: die blutige unb löbliche Tragöbie des maßlosen Ehrgeizes und der maßlosen Liebe. Ihre Szenen zittern von der rasenden Spannung äußerster Ge-
Dee große Irrtum.
Roman von Meta ®nr.
16 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Helene erzählt Bergenroth von diesem Brief
lest ein paar Zeilen daraus vor.
„Nun fragt der Mann, „locken buh diese Ge '^Schon* Und ich will auch nach Berlin fahren. tUtÄ Me°43ei”ieÄ'. Bin ich -rst einigen, Äßeitung V8«n»en «etriebes hier bet btr.
,LofsenUi"habm°wir dich noch recht lange hter! "gn^ergenroti) steigt ein Wunsch aus. „w°nntt Hit Helene nach Berlin fahren wurde ... sie etnm » festlichen Rahmen zu sehen .. - Afuft
Vielleicht hätte Helene emen solchen Entschluß Hergenroths freudig begrüßt. Aber kaum g ' fließt ber Mann sich selbst gleich wieder unerbittlich legen solche Wünsche zu.*
Die beiden Frauen schlendern an den Lor- iiittagen frohgemut durch Berlin, fie 'nhlenbof »egenftänbe, für ihre Wohnung aus dem Uhlenh l. »-schenke und auch für sich selbst elegante und
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terial, sondern an unorganischem Stoff: Kali, Phosphorsäure, Ammoniakverbinbutzgen usw., wirkt.
Während bis dahin die Landwirtschaft sich oft ezwungen sah, Vieh zu halten, um nur genügende ! )üngermengen für ihren Boden zu haben und da- , durch Nahrungsraum für den Menschen verloren gina, lehrt er sie jetzt in den sog. künstlichen Düngemitteln, Kalisalze, Phosphate und Stickstoffverbm- düngen, die bergmännisch gewonnen ober in den chemischen Fabriken hergestellt werden, dem Acker alle nötigen Nährstoffe zuzuführen.
Die Anwendung der künstlichen Düngemittel, die Liebia anfangs gegen den heftigen Widerstand der auf den Stalldünger eingefchworenen Landwirte durchsetzen mußte, hat eine Steigerung ber landwirtschaftlichen Produktion auf fast das Doppelte im Gefolge gehabt, unb wenn um das Jahr 1800 ber Engländer Robert Malthus die Rettung Europas vor ber drohenden Hungersnot nur in ber künstlichen Geburtenbeschränkung sah, d. h. in bem, was wir heute ben Dolkstob nennen, so hat die von Gießen ausgehende lebensbejahende Lehre Justus Liebigs, des größten deutschen Chemikers, das Ge- penft des Hungers für immer aus Europa verbannt.
Als Vertreter eines anderen bedeutsamen Zweiges ber von Liebig begründeten Wissenschaft sprach sodann der Direktor des Agrikulturchemischen Instituts unserer Universität
Professor Or. Scharrer
über „Aufgaben und Bedeutungdermo- bernen Agrikulturchemie". Aus seinen interessanten Darlegungen fei hier folgendes besonders hervorgehoben:
Der Vortragende wies zunächst auf die grundlegenden Erkenntnisse von Liebig unb seinen Schülern hinsichtlich der Ernährung ber grünen Pflanze hin unb erörterte bann in großen Zügen die entscheidenden Wege ber agrikulturchemischen Forschung. Dann betonte er u. a.: Die in ben letzten 50 Jahren erzielte Derboppelung ber Hektarerträge unserer wichtigsten Kulturpflanzen ist zum Großteil auf die verbesserte Düngung unb ben zusätzlichen Einsatz ber Handelsdüngemittel auf ber Grundlage der Wirtschaftsdünger zurückzuführen. Trotzdem sind wir noch weit von jenen Erträgen entfernt, die wir bei entsprechender Ernährung ber Pflanzen aus unseren Boden herausholen konnten. Es ist zweifellos möglich, durch stärkere Düngung nicht nur die Erträge im Getreide-, sondern auch im Hackfruchtbau unb auf dem Grünland noch wesentlich zu steigern. Ein unübersehbar großes Zukunftsgebiet eröffnet sich ber agrikulturchemi- schen Forschung hinsichtlich der Beeinflussung der Qualität ber Ernteerträge durch die Düngung unb hinsichtlich ber Lösung der Frage ber Qualitätsprüfung landwirtschaftlicher unb gärtnerischer Kulturpflanzen. Für unsere Eiweiß- und Fettversorgung ist es wesentlich, zu wissen, wie Eiweiß unb Fettgehalt durch die Düngung verändert werden. Tatsächlich ist man heute bereits imstande, Fette verschiedener ernährungsphysiologischer unb technischer Eigenschaften burd) unterschiedliche Düngung cqp Fett- unb Oelpflanzen zu erzeugen. Wir verfügen ferner schon über Verfahren, auf Grund zusätzlicher später Stickstoffdüngung ben Eiweihgehalt unb Eiweißertrag unserer Getreidearten erheblich zu erhöben. Da bie moderne (Ernährunaslehre immer mehr erkennt, daß bie biologische Wertigkeit ber Eiweißkörper für die Höbe ber Eiweißgaben in der Ration der Tiere wesentl-ch ist, wird es eine wichtige Aufgabe der Zukunft sein, durch entsprechende Düngungsmaßnahmen die pflanzliche Eiweißer^eu- anng im Sinne der Bildung möglichst hochwertiger Eiweißkörver zu beeinflußen. Die Endaufgabe auf diesem Gebiet märe naturaemäß, die Erzeugung von Pflanzenstoffen durch Dünaungsmaßnabmen so zu lenken, daß neben hochwertigen (Eneroieträgern auch Schutzftoffe von bestimmter Eigenschaft (Eiweißkörper bestimmter Zusammensetzung, Vitamine, Lauchöle. ätherische Oele usw.) unb wertvolle Mi- neralftoff* in der Pflanze besond-rs angereichert werden. Hierzu ist es allerdings nötig, die veralteten Methoden der Futter- und Nahrungsmittel- analyse durch neue Verfahren zu ersehen, die mit bem heutigen Stand unserer biochemischen Kenntnisse besser übereinftimmen als bie bisherigen Methoden. ~
Aber auch die Tierernährungslehre hat durch Justus von Liebia vor genau 100 Jahren eine grundlegende Umwälzung erfahren. Mit der von ihm eingeführten Bestimmung der Gesamtnähr- , ftoffe in den Futtermitteln wurde erst bie Grund- . lacre für weitere wissenschattliche Erkenntnisse au 1 biesem Gebiete geleat. Der Vortragende aing bann ’ im einzelnen auf die Entwicklung ber Tierernäh-
‘Parte Sachen ... .
3a, bas Kaufen macht ihr ^reub6- .
.An ben Nachmittagsstunden ruht Gertraude, und öenbs gehen sie oft in em Tbeater ob
Als sich Helene an einem Mefer Wende fur d $ver antleibet und dieses sehr langsam und mtt ‘t«I Aufmerksamkeit und Freude tut we' auch nom schlich Zeit und Gertraude wahrscheml.ch noch '-ngst nicht fertig ift ... an d.e,em Abend tritt « '°r ihren großen Spiegel ---langsam ° ” [jenen Bilde entgegengehend, das dort lM Bl greifbar deutlich wird
118 Sertrter des Gauleiters den alten Rektor unserer Iniversität, Gauamtsleiter Professor Dr. med. H. W. Kranz, der selbst noch vor wenigen Wochen an xr Vorbereitung dieser Feier mitgearbeitet hatte, mit herzlichen Worten, die durch starken Beifall der ztudenten unterstrichen wurden. Weiter begrüßte :r den Vertreter der Landesregierung, Ministerialrat Leip, den Hoheitsträaer der Partei im Kreise Vetterau, Kreisleiter Oberbereichsleiter Back- »aus, die Vertreter der Wehrmacht, der staatlichen ) der städtischen Behörden, insbesondere Bürger- ister Dr. Hill als derzeitigen Leiter ber Uni- tätsftabt Gießen, den Vertreter der Reichsfach- vpe Chemie im NSBDT. Direktor Dr. $ a niet) t e r und alle Freunde unb Gäste der Univer-
den nach siegreicher Beendigung des Krieges bt« einschlägigen Aufgaben bei der Neuordnung (Europas ins Ungeheure wachsen. Der Agrikulturchemie wird bann nicht nur die Bedeutung zukommen, baß sie nach wie vor eine der widrigsten Grundlagen ber Landbauwissenschaften bleiet, sondern darüber hinaus wird sie sich immer mehr zum Fundament und zur Ausgangsstellung unserer modernen Ernährungslehre entwickeln müssen, da ja die menschliche Ernährung nicht vom Boden und der pflanzlichen unb tierischen Ernährung zu trennen ist.
(Stiftung eines Zuftus -Liebig-Preises.
Im Anschluß an die mit starkem Beifall aufgenommenen Vorträge verkündete der Prorektor Professor Dr. Rauch die Stiftung eines Iu- st us-Liebig-Preises zum Andenken an den genialen Chemiker, ben Begründer ber modernen Agrikulturchemie, ber dem deutschen Volke den Weg zur Nahrunasfreiheit geschaffen hat, den Gelehrten, dessen Arbeit grundlegend war für bie weitere Forschung auf dem Gebiete der Chemie. Der Preis wurde von der Unwerfität geftiftet in Verbindung mit dem Staat, der Partei, der Wissenschaft, ber Reichsfachgruppe Chemie im NSBDT. (Nationalsozialistischer Bund deutscher Technik) und der Wirtschaft; seine Verleihung erfolg für besondere wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiete der reinen unb der angewandten Chemie. Der Preis besteht aus einer recht hohen Geldsumme und einem Diplom. Die Verleihung des Preises erfolat zum ersten Male bei der nächsten Gründungsfeier der Universität. Ueber die Verleihung des Preises entscheidet ein Ausschuß mit bem Rektor an der Spitze.
Nach dieser Mitteilung schloß der Prorektor die Feier mit bem Gruß an ben Führer, der uns Vorkämpfer unb Vorbild im deutschen Schicksalskampfe und bei unserer Arbeit ist.
Die Luowlgs-Universität Gießen veranstaltete am Samstagmittag in der Aula eine Iustus - 2iebig-8eter, zu der sich zahlreiche Ehren- zäste und Freunde unserer Ludoviciana mit den Angehörigen der Universität vereinigten.
Das Bläserquintett des Städtischen Orchesters titete die Feier mit einem Musikvortrog ein. Da- iad) begrüßte ber
prorefior Prof. Or. Rauch
tat.
Hierauf betonte der Prorektor, in Zukunft werde ie Liebig-Feier gleichberechtigt neben der Grünlings feier ber Universität stehen, denn wenn Liebig war der ganzen Welt gehöre, so sei er doch in Mz besonderem Sinne unserer Universität Gie- verbunden. Er umriß dann in großen Zügen )ie Einmaligkeit dieses Gießener Gelehrten, oer rch sein Wirken eine neue Weltgeltung der Gie- rner Universität begründete. Unsere Universität eihe Ludwigs-Universität, sie sei aber die Universi- Justus Liebigs.
Anschließend hielt der derzeitige Inhaber des hrstuhls Liebigs, der Direktor des Chemischen In- ts ber Universität
prof. Or. Weih
inen Vortrag über „Iustus Liebia und was i e Welt ihm verdankt." Die fesselnden Aus-
rungen des Vortragenden seien wie folgt zusam- .-gefaßt: Wenn wir bas Wort Nahrungsfreiheit Ören, das heute in aller Munde ist, müssen wir erster Linie eines Mannes gedenken, des roßen deutschen Chemikers Justus Liebig. Als n eines Drogisten im Jahre 1803 in Darmstadt oren, erhält Liebig im väterlichen Geschäft den rften Einblick in die Stoffwelt der Chemie; er setzt s durch, daß ber Vater ihn zum Chemiestudium die Universität schickt; eine Unterstützung des fischen Großherzogs ermöglicht ihm sogar einen geren Studienaufenthalt in Paris, wo er bei bem erühmten Chemiker Gay-Lusfac eine früher be- onnene berühmte Arbeit über das Knallsilber zu ube führt. Mit 21 Jahren wirb er, auf Fürsprache , v. Humboldts, ber in Paris Kenntnis von seinen Seiten erhalten hat, zum Professor an ber hes- schen Landes-Universität Gießen ernannt.
Das erste, was er hier in Angriff nimmt, ist der usbau eines chemischen Unterrichtslabvratoriums, füf alle — und nicht, wie es bisher üblich , nur für einzelne besonders Empfohlene — ierende zugänglich ist. Das Gießener chemische Oratorium und die hier herausgebikbeten Unter- tsmethoden sind vorbildlich für alle deutschen ochschulen geworden, unb wenn am Ende des S. Jahrhunderts bie deutsche chemische Industrie me beherrschende Stelle in ber Welt einnimmt, so nd bie Arbeitsmethoden und die wissenschostllchen rrungenschaften, die auf Liebigs Schule zuruck- en, dafür ausschlaggebend gewesen.
Es ist unmöglich, von den übrigen großen Ber- nften, bie Liebig sich um die chemische Wilsen- t erworben hat, auch nur die allerwichttglten nzuführen; nur zwei allgemein bekannte Stofte len genannt, deren Entdeckung auf Liebig zurück- eben, nämlich bas Chloroform unb das Chloral.
Das Wertvollste, was wir Liebig verdanken, find Erkenntnisse, die er in seinen beiden Werken „Die iraanische Chemie und ihre Anwendung auf Agn- lultur unb Chemie" und „Die organische Chemie n ihrer Anwendung auf Physiologie und Patho- bgie" niedergelegt hat, von bem elfteres ^m Jahre C|uhv..; 1840, bas zweite im Jahre 1842, b. h. gerade vor en. Di« 1100 Jahren erschienen ist, und die eme vollständige stalnur I Umwälzung ber bisher in ber Landwirtschaft gub 3 hob n Lehre bedeuten. Liebig zeigt barm, daß. ent- [ber"if en den bisherigen Anschauungen die DstmiZe uiju.u^ e Substanz ausschließlich aus Mmeralstoffen, s Pros ndb zwar aus der Kohlensäure der Luft und aus ^organischen Bestandteilen des Bodens M^^ laß ber Stalldünger nicht durch seinen Gehal^.an
rungslehre im Verlauf der letzten 100 Jahre ein und erörterte kurz die wichtiasten Grundbegriffe. Die Forderung der heutigen Zeit, die Ernährung ber Nutztiere auf wirtschaftseigener Grundlage durchzuführen und dabei Höchstleistungen an Menge und Güte zu erzielen, ohne daß dabei die Gesundheit unserer Tiere Schaden leidet, stellt die Tierernäh- rungslehre vor gewaltige Aufgaben, die im einzelnen erörtert wurden. Da wir heute die Tiere von der kleinsten Fläche ernähren müssen, ist weit- aehender Ersatz von Futtermitteln des Getreidebaues durch solche des Hackfruchtbaues anzustreben. Das Eiweiß für die tierische Ernährung ist nach Möglichkeit bort, wo bie physiologischen Voraus- etzungen hierzu gegeben sind, durch einfach gebaute, ynthetisch leicht herzustellende stickstoffhaltige Stoffe einzusparen, was bereits in der Praxis durch sog. Amidfuttermittel bei Milchkühen durchgeführi wird. Trotz ber großen Fortschritte auf bem Gebiet der Silotechnik harren auch bei der Gärfutterbereitung noch zahlreiche Aufgaben der Losung. Die für unsere heutige Ernährungssituation wichtige Tatsache, daß im tierischen Organismus die Kohlenhydrate fast restlos in Fette verwandelt werden, wurde zwar schon von Liebig einwandfrei bewiesen; aber erst neueste Forschungen haben erkannt, daß hierbei die Anwesenheit gewisser Vitamine unbedingt erforderlich ist. Bei den großen, heute unbedingt nötigen Milchleistungen unserer Milchtiere ift auch eine ausreichende Versorgung unserer Nutztiere mit Kalzium, Phosphorsäure und überhaupt mit Mineralstoffen von allergrößter Bedeutung.
Bei der stets steigenden Bedeutung aller Maßnahmen, welche die Ernährung unseres Volkes der Menge und Güte nach sichern und verbessern, wer-


