239 Zweites Blatt
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Eie bereits angekündigt, wird als zweite der 5)3 » ilwveranstaltungen im Rahmen der Kulturwoche t NSDAP, in Gießen am Sonntagnachmittag ses Konzert mit Untertitel „Konzerte und Sin- ii=n alter Komponisten" zur Durchführung ge- io.r. Das Konzert, dessen besonderer Zweck es ist, । musikalische und damit kulturelle Arbeit der ^Jugend auch nach dieser Richtung hin unter peis zu stellen, wird ausgeführt vom Orchester 'Sannes Gießen (116) unter Leitung von Schar- ttt Braun. Als Solistin wird Gertrud D a p - r iKlavier) mitwirken. Die Vortragsfolge sieht einzelnen in wohlabgewogener Gegenüberstel- Wgenbe Werke vor: Als Erstes ein Concerto bsso in e-moll, op. 3 Nr. 3 von Francesco Gemi« l«ni für zwei Violinen, Viola, Klavier und Streich-
Berdunkelungszell:
10. Oktober von 19.40 bis 7.09 Uhr.
11. Oktober von 19.38 bis 7.11 Uhr.
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Aus der Stadt Gießen.
Herbstliche Gönne...
,m Morgen zögert d!e Sonne lange, ehe sie den W durchdringt, der wie ein dichtes Gewebe -'adt und Land emhüllt. In den Straßen ist es um ;jch Zeit wenig einladend; man denkt unwillkür- id) an geheizte Stuben und betrachtet mit leisem 8-tauern die braunen Blätter, die von den Bäu- k'it Eslarn Zur Erde gleiten. Ein Heller Schein |iiiier d«n Nebel aber wirkt wie eine stille Verätzung, und tatsächlich tasten sich die Sonnenstrah- eii allmählich durch, bis sie uns mit leuchtendem lZignz in den späten Vormittagsstunden, noch einen (fönen Herbsttag bescheren. Mit einem Schlage vereitert sich nun auch das Aussehen der Stadt. In >en Garten, wy bis dqhin müde Resignation zu Menschen schien, jubiliert wider lebensfreudig der ichte Blumenflor, in den Anlagen tauchen die Kin- s'ervagen auf tue Bänke stehen nicht mehr so ein- I-ntund verlassen. Die herzliche Sonne wirkt wabr- ßaiiig wie ern Wunder, das wohltätig alles auf- leben läßt.
I Echt anders ist es draußen, vor der Stadt Wrühmorgens ist der Bauer durch taunasses Gras Geschritten, als er über den Feldrain zum Acker jmfl- Er hat die Seinen für die Kartoffelernte ein- »ereilt, und auf dem nebelverhängten feuchten Feld legcnn die Arbeit planmäßig. Einige Stunden lang Viikde unter dem grauen Vorhang des Nebels ge- Ihapt, bis dann der wärmende Schein der Sonne »sich hier sein Wunder vollbrachte. Die braunen Leiber der Pferde bekamen einen glänzenden Schimmer, die Mädchen und Frauen auf dem Acker blicken frohgemut auf, Heller klangen die Hacken, lauter wurzelten die Kartoffeln in Eimer und Körbe, und Itzt nimmt sich die Gruppe der emsig Schaffenden Irradezu malerisch aus. Alle Monotonie ist ver- [ogtn, die Landschaft biegt freundlich unter der lerbstsonne, und selbst die braunen Streifen der lereits abgeernteten Felder fügen sich harmonisch I das Bild ein.
lAom Waldrand her aber lodert das Feuer der liubfärbung. Hier läßt die Sonne jene grandiose Mckigkeit aufleuchten, wie sie nur der große Künst- |r herbst zu vollbringen vermag. Zu dem bren- Irnden Gelb der Buchen und den dunkleren Farben |r Eichen gesellt sich das verheißungsvolle Rot der leeren, die die daheimgebliebenen Vögel locken, livischen den Gräsern am Wegrand aber blühen Me letzte Vermächtnisse des Sommers die zierlichen lauen Glockenblumen. Es ist ein Vergehen in IchSnheit ringsumher, dem die Sonne des Herbstes rechten Glanz verleiht. H. W. Sch.
Die Kulturwoche der NSDAP.
■ . Kunstausstellung in der Universität. # [13m Rahmen des Deranstaltungsprogrammes der Imstwoche der NSDAP, wird am Sonntagvormit- M 11. Oktober, im Großen Hörsaal der Universität »rch den Kreisleiter eine Kunstausstellung eröffnet irrten, die einen interessanten Querschnitt durch R5 gegenwärtige Schaffen unserer oberhessischen Wnstlerschaft vermitteln wird. Die Ausstellung neben zahlreichen Oelbildern auch Aquarell
>d Graphik bringen, und auch die Abteilung „Pla- f wird diesmal gut beschickt sein. Die Ausstellung iri) von einem qualitätvollen Schaffen unserer hei- nchen Künstler ein schönes Zeugnis ablegen. Es in leider nicht möglich, die oberhessischen Künstler i ihrer Gesamtheit zu erfassen, da viele von ihnen ocr den Fahnen stehen. Die Ausstellung wird in» frn auch so noch eine Fülle von wertvollen Kunst- «len aller Art bringen, die der Gießener Bevölke- Wzur regen Besichtigung und auch zum Ankauf empfehlen sind.
Ihzater. — Gloria-Palast. — Lichtspielhaus.
Un|er Theater bringt am Sonntag, 11. Oktober, |.3O Uhr, als seinen ersten Beitrag zur Kultur- Ddje einen festlichen Theaterabend mit „Figaros dchzeit", komische Oper in 4 Akten von Wolfgang najeus Mozart.
lllr Gießener Kulturstätten haben sich der Gloria- lilcft und das Lichtspielhaus durch eine Wiederauf- urungswoche von künstlerisch und kulturell beson-
MS wertvollen Filmen in die Arbeit der Gießener Mturwoche eingespannt. Diese Wiederaufführungs- We wird am Montag, 12. Oktober, 19.30 Uhr, im Wlvr ia - Pala st anläßlich der Erstaufführung des HntA „Sieben Jahre Glück" eröffnet, wobei Kreis- »chkllenleiter Kreisstabsamtsleiter Weber spre- wird. Im Rahmen der Kulturwoche laufen bdhn im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, die v'ch'trhenden Filme: vom 12, bis 14. Oktober „Reitet M t Deutschland", 15. bis 18. Oktober^,Operette", 19. D r A. Oktober „Ohm Krüger", 22. bis 25. Oktober I ki Große König".
Sinfonisches Konzert
; des Orchesters des Bannes Gießen (116).
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Dichlerflunde mit Agnes INiegel.
ih besonderes Erlebnis werden die im Gießrner 1 rtfflgsring zusammengeschlossenen Gießener Kul- foirtänbe ihren Mitgliebern unb Freunben ve- P. Am Dienstag, 13. Oktober, wirb bie oppreu» jfj ' h Dichterin Agnes M i e g e l aus eigenen Wer- / ■’ * leien. Diese Dichterftunbe wirb sicher für alle
, " stcher ein Erlebnis sein.
Daran schließt sich bas Konzert Nr. 19 in rNcll für Klavier unb Streichorchester von PH'l'PP •Wei Bach Sohn des großen Thomaskantors ^S'b.Bach. Den Abschluß bildet die Erste Sm- «k in G-dur von Friedrich dem Großen. Es ist Rjelem, der sich für die Leistungen unseres Or- achwuchses interessiert, Gelegenheit gegeben, en Können an Hand dieser nicht leichten Aus-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Cine Spende des Herzens.
Bisher 1OOOOO Soldatenbüchereien aus der Büchersammlung.
Zum vierten Male wird das deutsche Volk jetzt zur Büchersammlung der NSDAP, für die deutsche Wehrmacht aufgerufen. In den drei Jahren ihres Bestehens konnte die Büchersammlung schon außerordentlich reichen Segen stiften. Die 25 Millionen Bücher, bic in drei Sammlungen gespendet wurden, stellen eine beachtliche Kulturleistung des deutschen Volkes dar. Allein bei der letzten Sammlung wurden über 9!^ Millionen Bücher aufgebracht. Mehr als 100 000 Büchereien sind bisher aus diesen Spenden zusammengestellt worden, 46 600 allein im letzten Jahr. Vom Eismeer bis nach Afrika, von der vordersten Linie der Ostfront bis an den Atlantik reicht heute die Wirksamkeit dieser Büchereien. Sie erstreckt sich aber auch über die Meere, auf denen deutsche U-Boote operieren, die gleichfalls mit Büchereien aus der Spende bedacht werden. Daneben werden auch Lazarette versorgt.
Das Echo dieser Maßnahme war gewaltig. Ungezählte Beweise des Dankes sind von Einheiten aller Wehrmachtteile eingegangen, von allen Fronten, in denen der großen Freude der Soldaten über die Bücherspende der Heimat Ausdruck gegeben wird. Die vielseitige Bücherkiste, die Lesestoff für jeden Geschmack enthält, ist überall bald sehr gefragt und der Inhalt manchmal schon nach kurzer Zeit vergriffen. So wird auch das Buch zu einem Mittler zwischen Front und Heimat, wobei man es besonders dankbar empfindet, daß die Auswahl der Sendungen weitgehend von den jeweiligen Hei
matorten der Truppen zusammengestellt wird und dadurch ihren besonderen Charakter als Spende der Heimat erhält.
Die Weite der Fronten und die Größe der deutschen Wehrmacht haben den Bedarf an Büchern weiter anwachsen lassen, weshalb jetzt erneut an das deutsche Volk appelliert wird. Das Ziel ist, daß jebe Einheit mit einer Bücherei ausgestattet werden kann. Dazu sind noch viele, viele Bücher notwendig. Die am 17. Oktober beginnende neue Sammlung, die von allen Gliederungen der Partei tatkräftig unterstützt wird, wendet sich mehr als in den vergangenen Jahren an den einzelnen Volksgenossen und seinen Bücherschrank, da der Buchhandel aus verständlichen Gründen nicht in gleicher Weise eingesetzt werden kann, wie in früheren Jahren. Es soll diesmal eine Spende des Herzens fein. Die Trennung von einem guten, liebgewordenen Buch ist doch immer noch ein bescheidener Beitrag gegenüber den Opfern, die der Soldat für die Heimat bringt. Wie die Heimat sich im letzten Winter bei der Wollsammlung zu einer gewaltigen Leistung für die materielle Versorgung der Truppe zusammenfand, so soll sie sich jetzt zu einem großen Hilfs- wert der geistig-seelischen Betreuung vereinigen. Sie wird das um so bereiter tun, als es in den nächsten Wochen ganz besonders den Osten mit Büchern zu versorgen gilt, um unseren Soldaten die langen dunklen Wintermonate etwas zu erhellen und zu verkürzen.
Bstn'ebssührer und Gefolgschaft.
Neue Wege zur Schaffung von LeistungSgemeinschasten.
Im „Gießener Anzeiger", Nr. 215 vom 12 /13. September 1942 haben wir auf Grund einer Unterredung mit dem derzeitigen Leiter des Berufserziehungswerkes der Deutschen Arbeitsfront in Gießen, Kreisberufs- walter ^Hofmann, über die zusätzliche Berufsausbildung durch die Deutsche Arbeitsfront berichtet. Ueber diesen Aufgabenkreis hinaus hat das Berufserziehungswerk aber auch neue Wege für die Betriebs- führung gewiesen und erschlossen, um die Gefolgschaften der Betriebe immer mehr zu Leistungsgemeinschaften ausgestalten zu können. Darüber berichten die folgenden Darlegungen.
Die nationalsozialistische Wirtschastsgestaltung hat bie beutschen Betriebsführer vor grunblegenbe Umgestaltungen auf bem Gebiete der Betriebs- und Menschenführung gestellt. Es ist daher ihre vordringliche Aufgabe, das Rüstzeug sich zu eigen zu machen, um die Gemeinschaft ihres Betriebes zur Leistungsgemeinschaft zu gestalten. Das Ziel der Auslese fleißiger und pflichttreuester Mitarbeiter als betrieblicher Unterführerstab muß der Betriebsführer sich stets vor Augen halten. Es ist besonders darauf zu achten, daß ein Unterführer nicht nur guter Fachmann ist, sondern auch Führer und Erzieher. In der durchlaufenden Schulung in Menschenkenntnis, in der Menschenführung und in der Führung der Gefolgschaft muß jeder Unterführer die richtige Unterweisung erhalten. Er muß mit den Pflichten und Aufgaben des Betriebes im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung eingehend vertraut gemacht werden. Don der richtigen Behandlung der Menschen und soDatisch- männlichen Führung der Gefolgschaft hängt letzten Endes doch die Leistung und Wirtschaftlichkeit des Betriebes ab. lieber die reinen fachlichen Kenntnisse des Unterführers hinaus müßen bie zur Führung erforberlichen menschlichen Eigenschaften geweckt unb geförbert werben. Für biefe Ausrichtung ist der Betriebsführer einzig und allein verantwortlich.
Damit dem Betriebsführer die Gelegenheit gegeben
ist, fick; überhaupt einmal in die ganze Materie der Ausrichtung der betrieblichen Unterführer hineinzuleben, wurden vom Amt für Berufserziehung und Betriebsführung die Reichsschulen für Arbeits- sührung geschaffen. An den Arbeitswochen dieser Reichsschulen können auch stellv. Betriebsführer und Direktoren teilnehmen. Darüber hinaus wurden an den Reichsschulen Arbeitsführungswochen eingerichtet, welche für Betriebsleiter, Betriebsingenieure, technische und kaufmännische Abteilungsleiter, Obermeister unb Betriebsobmänner offen sind. Im besonderen sind die an den Reichsschulen in Gelsenkirchen unb Bielatal eingesetzten Werkmeisterlehrgänge zu erwähnen. Unter fachkundiger Leitung werden in diesen Lehrgängen den Teilnehmern viele neue Anregungen und erforderliches Rüstzeug vermittelt.
Da durch die kriegsbedingten Verhältnisse die Frau als betrieblicher Unterführer immer stärker eingesetzt werden muß, sind an der Reichsschule in Stuttgart Sonderlehrgänge für Anlernerinnen in Aussicht genommen, zu denen betriebliche Mitarbeiterinnen, die arbeitsunterroeifenb im Betrieb' tätig sind und schon Erfahrung auf btfm Gebiete der Anlernling haben, oder Mitarbeiterinnen, die eine besondere Befähigung für diese Aufgabe erkennen lassen, zugelassen werden.
Außer der Ausrichtung der betrieblichen Unterführer liegt dem Amt für Berufserziehung und Betriebsführung die organische Gestaltung der Betriebe sowie die Führung im Betriebsraum ob.
Die Ausrichtung der Betriebsführer und Betriebsunterführer auf die jieuen Aufgaben zur Schaffung von Leistungsgemeinschaften wird vom Berufserziehungswerk Gießen in Form von Vortragsreihen durchgeführt. Bei den bisherigen Veranstaltungen dieser Art haben berufene Männer bereits über zahlreiche Themata in aufschlußreicher Weise gesprochen. Von Ende Oktober ab wird in Gießen eine neue derartige Vortragsreihe stattfin- den, in der wiederum namhafte Persönlichkeiten zu Worte kommen unb aus bem reichen Schatze ihrer Erfahrungen unb ihres Wissens wertvolle Aufschlüsse geben werden.
Frauen fragen - Frauen beraten.
Auch viele Männer kommen als Ratsuchende.
Seit Kriegsausbruch besteht in Gießen eine Hauswirtschaftliche Beratungsstelle und Lehrküche des Deutschen Frauenwerks. Diese gemeinnützige Einrichtung hat im Laufe der Zeit so starken Zuspruch gefunden, daß sie in den nächsten Tagen aus dem viel zu klein gewordenen Raume am Lindenplatz in größere Räumlichkeiten an der Ecke Schulstraße- Sonnenstraße verlegt werden muß. Aus einer Unterredung mit der Leiterin der Beratungsstelle Frau Schäfer sei hier einiges über diese Frauenarbeit berichtet.
Die Hauswirtschaftliche Beratungsstelle will allen Hausfrauen auf dem Gebiete der Haus- und Küchenwirtfchast mit gutem Rat zur Hand gehen, insbesondere jetzt im Kriege. Sie zählt Frauen, Mädchen und auch — Männer aus der Stadt und vom Lande zu ihrem Besucherkreis. Sogar so etwas wie Stammkunden verzeichnet sie, die sich von ihr immer wieder beraten lassen. Allein in diesem Jahre vom Januar bis einschl. September nahmen über 4800 Personen die Beratung in Anspruch. Die Männer machen etwa 5 v. H. der Ratsuchenden aus; durchschnittlich erscheint jeden Tag mindestens ein Mann mit einer ober einem ggnzen Bünbel Fragen hauswirtschaftstcher Art, oft kommen aber auch mehr, so baß eine „Sprechstunbe für Männer" entsteht. Immer wirb jebermann mit gutem Rat unb klaren Aufschlüssen auf Grunb neuer praktischer Erprobungen geholfen. Runb 500 bis 600 Frauen erfahren daburch allmo-natlich wertvolle Förberung für ihre Arbeit in Haus unb Küche. Dem „alten Zopf" im Haushalt ist hier der Ärieg erklärt. Die Beratung läßt natürlich bewährtes unb jjud) heute noch verwendbares Altes gelten, aber sie stellt bewußt unb betont bie neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse in ber Ernährungs- unb Volkswirtschaft in ben Dorbergrund. Ständige Abwechslung in der Ernährung, Anpassung der Küche an die jeweilige Beschaffungsmöglichkeit unb Dorratslage aus ber heimischen Erzeugung, Nutzbarmachung aller Nahrungsmittel, auch der Wildfrüchte, Schmackhaftigkeit und höchster Nährwert aller Speisen unter Ausnutzung jeder, kriegswirtschaftlichen Gegebenheit, das sind die wichttgsten Grund
lagen für die Arbeit der Beratungsstelle. Daß sie damit auf bem richtigen Wege ist, beweist ber stän- big fteigenbe Zuspruch, ber nun sogar zur Vergrößerung ber Arbeitsräume zwingt.
*
Im September herrschte jn ber Beratungsstelle ganz besonders starker Betrieb. Anlaß bazu war die Deckeltausch-Aktion. Da konnten die Hausfrauen für ihre Einmachgläser, zu denen sie keine passenden Deckel besaßen, durch Austausch aus dem Vorrat der Beratungsstelle oder durch Tausch mit abgegebenen Deckeln anderer Interessenten kostenlos passende Deckel -für die Einmachgläser erhalten. Auf diese Weise wurden in 20 Tagen 3180 Ein- .machgläserdeckel ausgetauscht, an einem einzigen Tage bei größtem Andrang allein 479 Deckel. Bereits unmittelbar nach der Ankündigung der Aktion in der Presse setzte eine „Völkerwanderung" zur Beratungsstelle ein. Dann ging's tagelang zu wie vor einem Bienenhaus; häufig gab's auch hier einen „Schwarm"; aber alles ging in guter Ordnung von- ftatten, so daß auf allen Seiten Zufriedenheit herrschte. Dazu trug die Tatsache wesentlich bei, daß die Beratungsstelle durch selbstlose Spenden aus dem Kreise der Frauenschaft und des Frauenwerks einen ansehnlichen Vorrat bereitstellen konnte. Manche „Schlaue" wollten dabei kaputte Deckel „gut" loswerden, sie hatten damit aber kein Glück, denn es wurde scharf aufgepaht, daß keine Mogeleien vorkamen, da doch jedem mit brauchbarem Material geholfen werden sollte. Bei diesem Tausch sind manche Hausfrauen zum erstenmal in die Beratungsstelle gekommen, und sie haben sogleich ihre Anerkennung für diese Einrichtung ausgesprochen. Auch Männer mit Aktentaschen voll Deckeln marschierten hier auf. Sogar Kollegen, die nach Schluß rasch von der Arbeitsstätte fortgeeilt waren, um „schnell noch etwas für meine Frau zu besorgen" (die Frau hatte „ihm" vielleicht verboten, von dieser Tauschgelegenheit zu sprechen?), trafen sich hier sehr bald wieder und machten nun oft zuertz ein erstauntes, dann aber doch belustigt lachendes Gesicht.
*
Die Männer kommen zuerst oft mit einem etwas mißtrauischen und kritischen Gesicht anmarschiert'. Man fühlt gewissermaßen den inneren Vorbehalt,
10./II. (Dttota 1942
** 7 5. Geburtstag. Am kommenden Montag» 12. Oktober, kann Herr Karl A m e n b , Löwen- gaffe 10, in aller Frische seinen 75. Geburtstag begehen. Dem Jubilar gelten auch unsere herzlichen Wünsche.
Denkt daran!
NSG. Wer Taschenlampen benutzt, die nicht vor« schriftsmäßig mit Blaufilter abgebunfelt finb, macht sich strafbar.
Verbunkelungszeiten genau einhalten. Die Zeiten stehen täglich in ber Presse.
Bei Fliegeralarm unb auch bei dem Signal „Oeffentliche Luftwarnung" sind alle Lamperz zu löschen bzw. die erforderlichen Verdunkelungsmaßnahmen sofort zu treffen. 7Hs gilt auch, wenn die vorgeschriebene Derdunkelungszeit noch nicht erreicht ist. x
Verdunkelungseinrichtungen immer wieder nach« prüfen. Auch Hausflure, Nebenräume, Dachfenster und dergleichen sind mit der gleichen Sorgfalt zu verdunkeln.
Freiwillige für die Waffen
Von der Erg.-Stelle Fulda-Werra (IX) erhalten mir die Mitteilung, daß wiederum Freiwilligen die Möglichkeit gegeben ist, iri die Waffen-^ einzutreten. Die Divisionen der Waffen-^ kämpften auf allen Kriegsschauplätzen und stehen jetzt in vorderster Front im Kampf gegen den Bolschewismus. Ihre stolzen Taten sind ein Ruf an die deutsche Jugend und an die wehrhaften Männer. Dollmotorisiert umfassen die Divisionen alle Truppen, wie Infanterie, Artillerie, Pioniere, Panzer, Nachrichtentruppen, Kavallerie, Panzerjäger, Flak, Kradschützen, Gebirgs- und Sanitätstruppen. Die Waffen-^ stellt ein a) Kriegsfreiwillige, b) Freiwillige mit Dienstzeitver- pflichtung vom vollendeten 17. bis 45. Lebensjahr. Der Dienst in der Waffen-^ ist Wehrdienstt Bei Eignung stehen dem Freiwilligen die Unterführer- und Führerlaufbahn, sowie Sonderlaufbahnen offen. Einberufung zur Truppe erfolgt beschleunigt! Annahmeuntersuchungen finden am 19 Oktober in Gießen im „Burghof" statt. Meldungen von Freiwilligen werden dort angenommen. Arbeitsbuch und Wehrpaß sind mitzubringen.
Gießener Wodjenmarftpreife.
* Gießen, 10. Okt. Auf dem heutigen Wochen« markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, 5 kg 51, Wirsing, % kg 6 bis 10, Weißkraut 4 bis 6, Rotkraut 9, gelbe Rüben 6 dis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 30, Unterkohlrabi 3 bis 5, Tomaten 20 bis 25, Schwarzwurzeln 20 bis 40, Kürbis 5 bis 8, Feldsalat, V10 7 bis 10, Frühäpfel, kg 20 bis 30, Birnen 20 bis 30, Lauch 15, Sellerie 16, Salatgurken 6 bis 10, Einmachgurken, das Stück 2 bis 4, Blumenkohl 10 bis 50, Salat 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 5 bis 15, Radieschen^ das Bund 10 Rpf.
Und nun noch ein kurzer Blick in die Lehrküchs> die, wie die Beratungsstelle, für alle Volksgenossen! kostenlos zur Hilfeleistung bereitsteht. Hier erfährt der altgewohnte „Magenfahrplan" nach dem Rezept „Meine Mutti hats auch immer so gemacht" täglich seine Hinrichtung. Fast jeden Tag muß hier Neues entstehen, beinahe „noch neuer" als wir in der Zeitung. Aber das bewährte „Alte" hat auch noch mitzufprechen. Und so wird hier gekocht und gebacken und probiert und immer was Neues und Gutes ausgetüftelt. Hier können nicht nur angehende oder junge, sondern auch alte Hausfrauen viel lernen, mit dessen Anwendung sie daheim Freude bereiten und zugleich den Erfordernissen und Möglichkeiten der Gegenwart Rechnung tragen können. Kurzkurse im Kochen und Backen bieten gute Wege zu diesem Ergebnis. Außerdem finden hier Lehrgänge für Führerinnen der Nachrichtenhelferinnen statt, in denen gutes Wissen über neue Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft und -wirtschaft vermittelt wird. Die guten Rezepte der Beratungsstelle sind sämtlich vor der Ausgabe an die Ratsuchenden in der Lehrküche praktisch erprobt und nach jeder Richtung hin durchgeprüft worden. Daher sind sie unseren Hausfrauen auch nur zu empfehlen. Allein im September mürben von der Beratungsstelle 1250 Rezeptblättek über Tomaten, 1250 Rezeptblätter über Bohnen, 2100 Blätter über Kürbis, 1000 Blätter über Einmachen in Flaschen, 855 Blätter über die vielseitige Verwendung von Kohlrüben, 800 Blätter über verschiedene Eintöpfe und 800 Blätter über Verwendung von Weißkohl kostenlos abgegeben; jeder dieser Blätter enthält natürlich eine ganze Reihe von Rezepten der jeweiligen Art. Außerdem rour« den noch 455 Broschüren der Schriftenreihe des Beratungsdienstes verabreicht. Aus diesen wenigen Zahlen geht über,zeugend hervor, welch starken Widerhall die dankenswerte Arbeit dieser Einrichtung des Frauenwerkes allenthalben findet. B,
mit dem sie in die Beratungsstelle eintreten. Meist fragen sie, im Auftrage ihrer Frauen, nach Kochoder Einmachrezepten, nach Erfahrungen mit diesem und jenem usw. Aber schon bald werden sie „tnarm", da sie schnell bemerken, daß hier mit guter Sachkenntnis, mit klarem Blick für das Mögliche und das Unmögliche und vor allem mit dem Willen, eine gute unb nahrhafte Beköstigung mit vielseitiger Abwechslung bei möglichster -Schonung des Geld* beutels beratend zu vermitteln, gearbeitet wird. Wenn es dann noch gerade aus der Lehrküche gut unb pikant riecht, vielleicht sogar auch eine Kost* probe verabreicht wird, kann der Besuch leicht s a enden, wie der jenes Mannes, der jetzt ein begeisterter Freund von Kürbismarmelade mit Aepfelu ist. Am Tage vorher hatte feine Frau in der Be» ratungsffelle nach Einmachrezepten gefragt unb ba< bei ein solches Kürbisrezept ausdrücklich und energisch abgelehnt, denn „das kann mein Mann gar nicht riechen, damit jagt er mich"; und ausgerechnet gleich am nächsten Tage kommt „er" mit Rezeptwünschen anmarschiert, die Lehrküche ist gerade beim Probekochen, der pikante Geruch kitzelt immer mehr in feiner Nase, er schnuppert heftig und hefttger, weiß aber nicht, w a s da gekocht wird; schließlich bittet er um eine Kostprobe, aber eine ausgiebige, er läßt sie sich sehr gut schmecken, ist des Lobes voll, erfährt, was er gegessen hat, und schließlich zieht der „Feind" von Kürbismarmelade als bereit entschiedener Freund von bannen; freilich nicht nach „Mutterns" Rezept, sondern nach dem der Beratungsstelle. Ja, so sind die Männer ... 1 Seitdem gehört „er" zu den männlichen Stammkunden, und „sie" holt sich nach wie vor gerne Rat.


