Nr. 265 Zweites Blati
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
7./8. November M?
Dank und Bekenntnis.
Am morgigen Sonntag gedenkt das deutsche Volk in den Feierstunden der Partei seiner gefallenen Helden, des gewaltigen Opfers der Männer, die- für unser Volk uni) für die Größe und Zukunft des Reiches ihr Leben hingegeben haben. Ihr Opfergang begann bereits im ersten Weltkrieg 1914/18, er sand eine Fortsetzung in.dem Blutopfer der Gefallenen der Bewegung vor der Feldherrnhalle in München und in dem sahrelangen schweren Ringen um die innerdeutsche Befreiung, er wird jetzt wiederum von Tausenden von Männern vollbracht, die sich in dem gegenwärtigen Ringen um die Freiheit und Vie Zukunft unseres Volkes in der Welt bis zum Letzten einsetzen.
Der Opfertod aller dieser Männer, die ebenso gerne gelebt und gewirkt haben wie jeder von uns, die aber nicht zögerten, ihr Letztes und Höchstes für die Gemeinschaft hinzugeben, ist für unser Volk als Ganzes und für jeden Einzelnen eine Verpflichtung. Mögen wir in der Heimat an unserem Arbeitsplatz, in unserem Familienkreise, beim Wirken für die Gemeinschaft ober sonstwie auch noch so viel tun, es wird alles nur ein Bruchteil dessen sein, was jene toten Helden durch ihren Kampf und die Hin
gabe ihres Lebens für jeden Einzelnen von uns geleistet haben.
Daran müssen wir uns besonders an einem Gedenktag wie diesem erinnern. An diesem Tage wollen wir unseren Gefallenen nicht nur mit Worten oder mit warmherzigem Empfinden danken, wir müssen uns vielmehr bemühen, diesen Dank durch eine Bekundung der Tat wenigstens zu einem kleinen Teile erkennbar zu machen. Zwar kann auch ein Opfer fn Gestalt einer Geldspende für das Kriegswinterhilfswerk nicht im entferntesten mit dem verglichen werden, was unsere, gefallenen Helden durch die Hingabe ihres Lebens für uns geleistet haben. Aber mit unserer Opserspende — sie darf nur ein wirkliches Opfer sein! — können wir doch soziale Taten für die Gemeinschaft fördern helfen, die im Sinne unserer gefallenen Helden ideell ganz auf der gleichen Ebene ihres Opferganges liegen.
Um dieser Zielsetzung willen wollen wir am morgigen Gedenktag unseren Gefallenen durch wirkliche Opferspenden eine erneute Bekundung unseres Einsatzwillens und zugleich unserer Kampfentschlossenheit im Geiste ihres Opfers darbringen.
Lebensmittel unter polizeilicher Kontrolle
Ladenzeiten, Friseurgeschäste, Zigarrenfabriken und Sandgruben unter dem Auge des Gesetzes.
Aus der Stadt Gießen.
Kleine und große Sorgen.
Es liegt in der Art des Menschen, daß er sich mit der Zukunft beschäftigt. Er tut zwar fein möglichstes, um sie nach feinem Willen zu formen, aber er weiß zugleich, daß es viele Dinge gibt, die außerhalb seines Willens liegen und die daher feinen Weg beschatten können. So kreisen seine Gedanken immer wieder um das Kommende, und wenn dieses unangenehmer Natur ist, nehmen die Gedanken die Form von Sorgen an.
Für viele Menschen gehörte einst die Sorge, sobald sie die unbeschwerte Zeit der Kindheit hinter sich hatten, zu den treuesten Begleitern ihres Lebens. Gerade zu Anfang des Winters legten sich häufig beklemmende Fragen aufs Herz. Woher das tägliche Brot nehmen, wenn's keine Arbeit gab? Woher das Holz, um zu heizen? Woher die Arznei, wenn eines krank wurde? So stand die Sorge immer wieder vor dem einzelnen, aber eben nur, weil er ein einzelner war. In einer echten und wirklichen Gemeinschaft hat diese Art Sorge keinen Raum mehr, weil die Gemeinschaft dem einzelnen, wenn feine Kraft einmal zu schwach ist, die Last abnimmt. Wo man den Begriff Volk verstanden hat und mit ihm Ernst macht, da kann es keine Not mehr geben, soweit deren Beseitigung in der Macht des Menschen liegt, und da ist es unmöglich, daß der eine im Ueberfluß lebt und der andere hungert urtb friert. Da bedarf es auch keiner besonderen Verheißung und keines besonderen Lohns, um den Willen zum Helfen zu fördern,
Haben wir also noch ein Recht, von Sorgen zu sprechen? Wir wollen dabei ganz absehen von jenen Sorgen, die diesen durch viel Leid und Not geweihten Namen gar nicht verdienen. Wenn sich heute jemand noch darüber den Kopf zerbricht, ob das Bier im Laufe des Krieges vielleicht nicht doch noch dünner wird oder ob die seidenen Strümpfe vielleicht nicht doch noch ausgehen, so sind das keine Sorgen mehr, sondern unnütze Gedanken.
Gewiß, es gibt daneben noch Sorgen, die einen andern Zuschnitt haben, und das Leben ist oft eine harte Sache, auf dessen weitem Feld immer wieder Steine fortzuraumen sind. Aber auch da gilt, daß das Gewicht dieser Steine häufig mehr von der persönlichen Auffassung des betreffenden MeUschen abhängt als von deren wirklicher Größe. Bis ihn _ bann bas Leben in feine Zucht nimmt und ihm plötzlich eine große Sorge aufs Herz legt, vor der die kleinen, die etwas so Lähmendes und Unfruchtbares an sich haben, verschwinden. Manche von den Dingen, die uns früher beschäftigten, sind vor dem Erlebnis des Krieges und seinen viel größeren Fragen, bedeutungslos geworden, und die vielen kleinen Sorgen,um die Belanglosigkeiten des Da-- seines sind zurückgetreten vor der einen großen um das Wohl derer, die man draußen weiß, und um das Schicksal des Volks, das um sein'' Leben kämpft. Es scheint der Wille der Gottheit zu sein, daß wir die sorgende Kra^t unseres Herzens nicht auf die Dinge, sondern auf die Menschen richten, die uns nahestehen und die wir in der Waage des Schicksals wissen. Das ist die einzige Sorge, die auch vor dem strengen Gericht des Krieges besteht!
Und neben der Sorge der Mutter, der Gattin, der Braut die Sorge des Staatsmanns, der sich um sein Volk müht und der die Sorgen der ganzen Nation auf sich nimmt! Diese Sorge, in der die Kraft des gemeinsamen Blutes ist upb bie den Pulsschlag bes schöpferischen Lebens in sich trägt, — diese Sorge um unser Deutschland und seine Söhne wollen mir immer haben!, W. F.
(Sitte Stunde der Gemeinschaft mit unserer Kriegsmarine.
. Eine lehrreiche und zugleich unterhaltsame Stunde erlebten am gestrigen Freitagvormittag die Schüler und Schülerinnen mehrerer Gießener Schulen in einem Lichtbilderoortrag, den unsere Kriegsmarine der Gießener Jugend bot. Der Beauftragte der Kriegsmarine beim hiesigen Wehrbezirkskommando, Fregattenkapitän Chorus, konnte zu Beginn mit Recht darauf Hinweisen, daß unsere Kriegsmarine von heute in dem gleichen bewährten und opferbereiten Frontgeist wie ihre Vorgängerin von 1914/18 sich einsetzt. Nach der Vorführung eines Kurzfilms, der interessante Ausschnitte aus dem Dienst der Minensucher zeigte, berichtete Leutnant zur See Wysk in zwangloser und fesselnder Weise von dein Dienst unserer blauen Jungens auf den Minensuchbooten. Er gab den mit außerordentlicher Spannung zuhörenden jungen Menschen, aber auch den als Gäste erschienenen Volksgenossen in älteren Semestern ein anschauliches Bild dieses Dienstzweiges der Kriegsmarine mit dem Ergebnis, daß bie Herzen warm mürben bei der Erksnntnis all dessen, was auch hier von unseren Kämpfern zur See geleistet wird. Die auf persönliche Erlebnisse im Minensucherkampf gegen England aufgebaute Schilderung des Berichters gab Anlaß zu herzlichen Dankeskundgebungen an den Vortragenden, zugleich auch für unsere Männer zur See. Die' Vorführung des Films vom Stapellauf des Schlachtschiffes „Tirpitz" im Frühsommer 1939 bildete den vortrefflichen Abschluß der schönen Stunde der Gemeinschaft mit unserer Kriegsmarine.
Zimmer für Studierende.
Die Bereitstellung des erforderlichen Wohnraums für Studierende hat in den Hochschulstädten seit mehreren Semestern große Schwierigkeiten bereitet. Der Reichsinnenminister hat im Einvernehmen mit den beteiligten Stellen bie ©emeinben aufgefordert, der Unterbringung der Studierenden und insbesondere der Wehrmachturlauber ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden. Sie sollen die Hoch- und Fachschulen sowie das Reichsstudentenwerk bei ber Wohnraumbeschaffung mit allen Kräften unterstützen und namentlich die Wohnungsämter einschalten. Diese Maßnahmen liegen im Interesse der Hochschulstädte selbst, da diese sonst, wenn bie ausreichende Unterbringung nicht mehr gewährleistet ist, für den Zugang von Studierenden gesperrt werden müßten.
Gießener Vocheamarktpreife.
* Gießen, 7. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kartoffeln, 5 kg 51, Wirsing' % kg 6 bis 9, Weißkraut 5 bis 7, Rotkraut 6 bis 8, gelbe Rüben 6 bis 10, rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Römischkohl 10, Unterkohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 20 bis 25, Tomaten 25, Schwarzwurzeln 20 bis 40, Feldsalat 47 bis 50, Aepfel 30 bis 35, Birnen 25 bis 30, Lauch 15, Sellerie 16, Blumenkohl, das Stück 50 bis 70, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 8 bis 15, Rettich ö bis 2Q, RadiesKen, das Bund 10 Rp^
Die Gewerbepolizei für den Stadtkreis Gießen hat ein außerordentlich umfangreiches Arbeitsfeld zu betreuen. Eines ber wichtig- tigsten gilt ber Kontrolle der Lebensmittelgeschäfte und der Läden aller Branchen, u. a. auch der Friseurgeschäfte, Zigarrenfabriken und sogar der Stein- und Sandbrüche. In der jetzigen Kriegszeit kommt ber Kontrolle ber Lebensmittel befonbere Bebeutung zu.
- lieber diesen Zweig haben wir uns mit dem Sachbearbeiter berv Gewerbepolizei, Diplom- Volkswirt re übet, unb seinem Mitarbeiter, Polizoiobersekretär H o l z i g e l, unterhalten.
Die Gewerbepolizei für den Stadtkreis Gießen ist seit Mai 1939 von der staatlichen Polizeiverwaltung abgezweigt und dem Oberbürgermeister (Stadtverwaltung) übertragen worden. Ihr Aufgabengebiet umfaßt die Durchführung der Gewerbeordnung mit ihren vielfältigen Bestimmungen, bie Veterinärpolizei nach den Bestimmungen des Dieh- seuchengesetzes und die daraus erwachsenen Aufgaben, die Gesundheitspolizei mit den Aufgaben bes Hebammengesetzes, ber Handhabung bes Gesetzes über den Umgang mit Giften, der Anordnungen gegen Kurpfuscherei, der Ueberwachung bes Lahnwassers, schließlich bie Lebensmittelpolizei mit ben Obliegenheiten, bie sich aus dem Lebenßntittel- gesetz ergeben. Die Dienstobliegenheiten der Beamten erfordert nicht nur ein genaues und außerordentlich umfangreiches Wisse«, um die jeweils einschlägigen Bestimmungen der vielen Gesetze und Verordnungen, sondern auch eine ftaunenerregeiibe Warenkenntnis auf dem sehr vielseitigen Gebiete der Lebensmittelversorgung: man kann sogar sagen, daß das Fachwissen- der Kaufleute vieler Branchen sich iin ben mit der polizeilichen Lebensmittelkontrolle beauftragten Beamten vereinigt. Don dem weitschichtigen Arbeitsgebiet der Gewerbepolizei wollen wir uns heute besonders die Tätigkeit der Lebensrnittel- und Warenkontrolle betrachten.
/ * 1
Stichproben sind ein wichtiges Mittel der Kontrolle durch die Gewerbepolizei. Da rollt eine Kohlenfuhre durch die Straßen. Das Fuhrwerk wird von dem Kontrollbeamten der Gewerbepolizei an- gehalten. Der Beamte hat seine Kontrollwaage bei sich. Aus dem mi[ gefüllten Säcken beladenen Wagen werden einige herausgegriffen und gewogen. Das Gewicht wird in Ordnung befunden. Das Fuhrwerk kann weiterrollen. Bei derartigen „fliegenden Kontrollen" werden gelegentlich aber auch Mindergewichte festgestellt. In solchen Fällen greift der Kontrollbeamte sofort energisch durch. Zunächst wird die ordnungsmäßige Belieferung des Bestellers sichergestellt. Daneben gibt es für den Verkäufer, je nach Sage des Falles, eine kostenpflichtige Verwarnung oder eine Strafanzeige bei Gericht. Dabei braucht bei dem Lieferanten nicht etwa eine Betrugsabsicht vorzuliegen, auch eine Leichtfertigkeit oder Nachlässigkeit eines Mitarbeiters hat derart schwerwiegende Folgen. Es geht eben darum, die gerechte Versorgung des Käufers zu gewährleisten. Gleiche Kontrollen sind in den letzten Wochen beim Transport von größeren Kartoffelmengen in Säcken, Gemüse usw. durchgeführt worden.
Ueberraschungsbesuche werden häufig auch den Milchtransporten gemacht. Da steht der Kontrollbeamte der Gewerbepolizei nicht nur an Werktagen, sondern sogar Sonntag früh zwischen 5 und 6 Uhr schon in der Zentralstelle, bei der die M'lchtrans- portautos mit Hunderten von Kannen Milch anrollen. Im Verlaufe von mehreren Stunden, bis in die Mittagszeit hinein, auch an Sonntagen, werden aus zahlreichen Kannen Milchproben in kleine Fläschchen entnommen, die zur Untersuchung auf Wasser- und Fettgehalt dem Chemischen Untersuchungsamt zugeleitet werden. Jedes dieser kleinen Fläschchen trägt die genaue Angabe des Milchlieferanten, der für den Inhalt der Milchkanne verantwortlich ist. Das Ergebnis der Untersuchungen des Chemischen Untersuchungsamtes ist für die Stel- lungnabme der Gewerbepolizei maßgebend. In den meisten Fällen ist der Befund der Milch hinsichtlich des Wasser- und Fettgehalts erfreulicherweise einwandfrei. Es kommen gelegentlich aber immer noch Mängel vor, die zu energischen Maßnahmen gegen den Milchproduzenten Anlaß geben. In diesen Fällen erfolgt Strafanzeige bei Gericht mit entsprechender Steigerung der Strafen bei der Wiederholung von Mängeln. Der Gesamteindruck der Milchkontrollen geht aber dahin, daß unsere Bauern und ßanbro’rte sich ihrer großen Verantwortung für die Lieferung einwandfreier Milch durchaus bewußt sind. *
Die ständige Nachprüfung der Beschaffenheit und der Lagerung von Lebensrnitteln aller Art läßt sich die Lebensmittelpolizei besonders angelegen sein. Da erscheint ganz überraschend in einem Lebensmittelgeschäft, einer Metzgerei, einer Bäckerei, aber auch in den Küchen und Lagerräumen der Hotels oder Speisewirtschaften der Konttollbeamte der Gewerbepolizei zur Nachschau. Er wendet lerne
Aufmerksamkeit nicht nur der Beschaffenheit, sondern — um als Beispiel hier das Brot anzuführen — auch dem Gewicht der Ware zu. In der großen Mehrzahl aller Fälle kann er den ordnungsmäßigen Befund bescheinigen. Es ist aber auch schon vorgekommen, daß manches Brot wegen Mindergewicht beschlagnahmt werden mußte — es wird der NSV. zur Verfügung gestellt — und der Bäckermeister ein unangenehmes' Nachspiel erlebte, erst recht bann/ wenn derartige Sünden schon Vorgänger hatten. Auch manche Wurst konnte gelegentlich vor den einwandfreien Feststellungen des Chemischen Untersuchungsamtes die Probe aufs Exempel nicht bestehen und brachte ihrem Hersteller durch angemessene Bestrafung eine fühlbare Einbuße am Geldbeutel. Bei den Wurftproben entnimmt der Konfrollbeamte 150 Gramm je Sorte, bei der Prüfung von Fleischwurst wird wegen des Wassergehalts.stets eine ganze Wurst zur Prüfung mitgenommen. Die Wurst wird von dem Kontrollbeamten bezahlt, er stellt dem Metzger auch eine Bescheinigung über das Gewicht der entnommenen Wurstmenge aus und gibt ihm damit die Grundlage für die entsprechende Anrechnung bei der Markenstelle des Ernährungsamtes. Die Probewurst wird ungesäumt dem Chemischen Untersuchungsamt ober auch dem Vetevinär-Untersuchungsamt zugeleitet. Dort wird sie so gründlich nach jeder Richtung hin untersucht, auch mit Hilfe von chemischen Mitteln, daß von ihr nicht das kleinste „Frühstück" übrigbleibt. Von dem Befund der Untersuchungsstelle hängt die Entscheidung der Gewerbepolizei ab.
In Bäckereien und Metzgereien, ebenso in allen anderen Lebensmittelgeschäften, wird bei dem Kontrollbesuch auch die Sauberkeit der Warenlagerung, im Laden sowohl wie im Vorratsraum, stets gründlich unter die Lupe genommen. In Kolonialwarengeschäften z. B. wird die Beschaffenheit aller Waren auch hinsichtlich echter oder unechter Färbung usw. scharf nachgeprüft. Die Blicke des Kontrollbeamten wandern dabei auch unter den Ladentisch. Kurzum:
gibt nichts, was bei einer derartigen Kontrolle nicht mit aller Gründlichkeit nachgeprüft und in dem Kontrollbericht vermerkt würde.
Bei der Prüfung der Küchenbetriebe in Gaststätten wandert der kontrollierende Blick auch in die Kühlschränke, in den Kartoffel- und Gemüsekeller usw., nicht zuletzt in die Küche und Kochtöpfe selbst. Wird in einer Gaststätte — es sind deren in Gießen nur ganz wenige und nur kleine — in der Küche Pferdefleisch verarbeitet, so muß der Gaststätteninhaber an deutlich lesbarer Stelle feines Lokals einen Aushang machen, auf dem zu lesen steht: „Hier wird Pferdefleisch verarbeitet."
*
Die Ladengeschäfte der Lebensmittelbranche, beispielsweise auch die Friseurläden (hinsichtlich der Sauberkeit), die Speiseeisbetriebe, deren ' es in Gießen nur 66 gibt, allerdings einschließlich bet Konditoreien, Kaffees und Bäckereien mit diesem Spezialzweig, der Diehmarkt hinsichtlich ber einwandfreien Beschaffenheit der Viehtransportwagen usw., die Zigarrenfabriken (hinsichtlich der Sauberkeit bei ber Tabakverarbeitung und ber Betriebseinrichtungen), ja sogar Steinbrüche und Sandgruben hinsichtlich der ordnungsmäßigen Beschaffenheit ihrer Umzäunung, sie alle und noch andere Spezialgeschäfte werden von der Gewerbepolizei fortlaufend kontrolliert. In neuerer Zeit wird auch besonderes Augenmerk auf bie genaue Einhaltung der vorgeschriebenen Ladenzeit gerichtet. In diesex Hinsicht besteht begründeter Anlaß zu scharfer Aufmerksamkeit. Auf wohlbegründete Einwände oder Wünsche der Geschäftsinhaber wird weitgehend Rücksicht genommen. Es kann und darf aber nicht so sein, daß manche Geschäftsleute die Meinung vertreten, sie könnten ihre Läden ganz nach ihrem Ermessen zu einem beliebigen Zeitpunkt öffnen oder schließen. Man darf nicht außer acht lassen, daß — um nur ein Beispiel anzuführen — viele Frauen, die gegenwärtig in anerkennenswerter Weise in kriegswirtschaftlich wichtigen Betrieben tätig sind und früh morgens bereits an ihrer Arbeitsstätte sein müssen, nicht vor den beiden letzten Abendsttlnden ihre Einkäufe machen können. Daher muß darauf gesehen werden, daß die Geschäfte abends bis zur behördlich angeordneten Schlußzeit geöffnet sind. Gegebenenfalls, kann dafür, je nach Lage der Dinge und im Hinblick auf Stromersparnis, ein gewisser Ausgleich für die Zeit des frühen Vormittags eingeräumt werden. Verstoße gegen die behördlich bestimmte Ladenzeit werden mit gebührenpflichtigen Verwarnungen bzw. mit Strafanzeigen geahndet.
*
Mit dieser kleinen Auswahl aus einem umfangreichen Arbeitsgebiet mag es heute genug sein. Es geht aus den Erkenntnissen bei unserem Besuch hervor, daß die Gewerbepolizei in ber Stadt Gießen in sorgsamster Weise ihre Aufgaben erfüllt. Dafür gebührt ihr alle Anerkennung. 6.
Verdunkelungszeil:
7, November von 17.43 bis 7.00 Uhr.
S. Rovember von 1741 bis 7M UhL
♦♦ Eine Kranzniederlegung am Hel- dendenkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz findet am morgigen Sonntag, 8. November, 10.30 Uhr, durch den Kreisleiter statt. Vertreter der Partei, und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, der Polizei, des Reichskriegerbundes und der NSKOV. sind zu der Feier eingeladen.
** Die Dienstzeit der Behörden ist durch Anordnung des Reichsstatthalters in Hessen (Landesregierung) wie folgt festgesetzt worden: von Montag bis Freitag auf die Zeit von 8 bis 17 Uhr, Samstag auf die Zeit von 8 bis 14 Uhr.
** Karl Luther, der als Schneefchuhlaufer und Paddler sich einen bekannten Namen gemacht hat, ein Sohn der Stadt Gießen, begeht am 9. November in München seinen 60. Geburtstag. Sohn eines Braumeisters, besuchte eb das Gymnasium und die Universität in Gießen und wandte sich dann in München der Presse zu. Seit über drei Jahrzehnten gibt er die Halbmonatsschrift „Der Winter" heraus. Von seinen Schriften seien genannt: „Schule des Schneelaufs", „Der Skitourist", „Der große Sprung", „Paddelsport und Flußwanderung", „Geschichte bes Eis- unb Schneesports", „Der deutsche Skilauf" und „Alpine Skiparckbiese".
** 8 4 Jahre alt. Am morgigen Sonntag, 8.November, kann Frau Wwe. Eis en Hut in Wieseck, Gießener Straße 120, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit ihren 84. Geburtstag begehen. Der Jubilarin herzlichen Glückwunsch.
** Gießener Konzertring. Man schreibt uns: Als zweiter Solistenabend im Rahmen der Veranstaltungen des Gießener Konzertringes 1942/43 findet am Mittwoch, 11. November, ein Liederabend ber als Oratorien- und Konzertsängerin in gleicher Weise bekannten unb geschätzten Altistin Lore Fischer statt. Durch ihr umfangreiches unb kultiviertes stimmliches Material, das der tiefsten Verinnerlichung und der stärksten Leidenschaft fähig ist, hat die Künstlerin bei ben Choraufführungen m der Stadtkirche wie bei ihren Liederabenden in der Universitätsaula stets Begeisterung und Bewunde- rung hervorgerufen.
** Ausgabe von Sptzifezwiebeln. Aus die Nährmittelkarte 42, Abschnitt 35, werden in den nächsten Tagen Speisezwiebeln ausgegeben.
** Schneegänse auf dem Zug. Am Donnerstag zwischen 18.30 und 19.40 Uhr ließen sich am Sudrand der Stadt, hauptsächlich innerhalb des Vororts Klein-Linden, große Scharen von Schneegänsen nieder. Sie ruhten aber nicht von ihrem langen Fsuge aus, sondern flogen ununterbrochen, laut „kruh-kruh" schreiend, in niedrigster Höhe über Häuser unb Fluren, so daß viele Leute auf die Straße liefen, um die Tiere zu beobachten. Leider war die Sicht so gering, daß man die Tiere auch nicht in nächster Nähe sehen konnte. Erst nach mehr als einer Stunde wurde es wieder ruhiger, und der nächtliche Spuk verschwand. Dem Ruf „kruh-kruh" zufolge müßten die Tiere Kraniche und nicht Schnee« oder 'Graugänse gewesen sein.
Amtsgericht Gießen.
Unter falschem Namen hatte sich der Heinrich Ebel aus Kochern im Juni und August im piefigen Gerichtsgefängnis und im Juli im Gerichtsgefängnis in St. Goar in die Gefangenenbücher einschreiben lassen. Er hatte dazu eine Ausweiskarte benutzt, die auf den Namen Josef Mader lautete und die er gesunden hatte. Dadurch entstanden in den Gefangenenbüchern unrichtige Eintragungen, die den Namen Maders belasteten. Ebel hatte ferner eine Lohntüte mit 84 RM., die ein Bergmann auf der Landstraße zwischen Berstadt und Wölfersheim verloren hatte, gesunden und für sich behalten. Wegen Unterschlagung und fortgesetzter mittelbarer Falschbeurkundung wurde der Angeklagte zu zwei- Jahren und vier Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt.
Landkreis Gieße«.
'£ Heuchelheim, 6. Nov. Heinrich Weigand und feine Ehefrau Helene, geb. Volkmann, feierten heute das Fest dergoldenen Hochzeit. Beide erfreuen sich noch bester Gesundheit. Dem Jubelpaar unseren herzlichen Glückwunsch.
G.A -Sport.
Dom Fußball. '
Bübingen — 1900.
Die Blau-Weißen müssen morgen zur Sportgemeinde Büdingen und stehen damit abermals vor einer schweren Ausgabe. Durch den vorläufigen Ausfall von Maintz ist eine weitere Veränderung in der Mannschaft erforderlich geworden. Durch oer- schiedene Urlauber ist jedoch einigermaßen Ausgleich geschaffen worden, und mit der Besetzung ßeuning, Wimmler, Schuck, Kistler, Knauß, Drösch, Feustel, Schellhaas, Köhlinger, Jörg, Ebert hofft man zwar nicht auf einen Sieg, aber immerhin auf ein achtbares Abschneiden.
Handball-Vorschau.
Holzheim — Luftwaffe Gießen IT.
Holzheim sorgte in den letzten Spielen für manche Ueberraschung. Durch Einstellung älterer Spieler ist man in diesem Treffen in der Lage, den Soldaten alles abzuverlangen. Auf eigenem Boden erwartet man daher Holzheim als knappen Sieger.
hJ.-handbatt.
Grüningen — Mtv. Gießen TI.
Grüningen muß dieses Spiel mit Ersatz bestreiten. Die Mannschaft wird trotzdem versuchen, mit dem Tabellenführer Schritt zu hatten. Bei aller Anstrengung der Gießener werden sie der Platzmann- mannhaft doch bie Punkte überlassen müssen.
Mtv. Gießen I — Lang-Göns.
Durch den Platzvorteil erwartet man Gießen in Front, zumal bie Gäste mit Ersatz antreten müssen.
DT-Klasse.
Grüningen — Mtv. Gießen II. Mtv. Gießen I — Lang-Gons.
Klein-Linden — Holzheim. Watzenborn — Allen dorf a. d. Lda.
Frankfurter Schlacßkviehmarkt.
Frankfurt a. M., 7. Nov. (Vorbericht.) Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochfen 38 bis 47, Bullen 36 bis 45, Kühe 25,50 bis 45, Färsen 37 bis 46, Kälber 40 bis 59, Hämmel 52 bis 54, Schafe 34 bis 46, Schweine 59 bis 64. Marktverlauf: alles zugeteilt.
Briefkasten Der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit ber Schriftleitung.)
A. §ch. G. Dem schikanösen Verhalten Ihres Nachbarn könnten Sie mit einer Unterlassungsklage ent» gegentreten. Die Klage ist bei dem Amtsgericht zu .erheben, in defjen BeM der Nachbar, [einen Mchv« IM hak


