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Aus der Stadt Gießen.

Leuchteni>es Blumenmeer.

Wenn über den morgendlichen Tau von Pflanze zu Pflanze die Spinnen ihre Netze weben, wenn die ersten Fäden des Altweibersommers in den hellen Tag hineinziehen, das leuchtende Meer der Dahlien ein wundersames Farbenspiel in unseren Gärten entfaltet, dann neigt sich die Zeit der Reife und der Erfüllung zu, und durch die Natur weht der erste Schauer des Vergänglichen. Jetzt sind wir so weit. Welcher aufgeschlossenen Pracht begegnen wir in unseren Stqudengärten! In allen Farben strahlen die Edeldahlien auf, die gefüllten und ungefüllten, die Ponpons und Georginen. Auch sie sind königliche Blumen von sattem, vollem Glanze, und königlich sind ihre Namen, wie Abendsonne, Feueropal, Frie­densengel, Flammenwerfer, Parkperle, um hier nur em paar herauszugreifen. In stolzer Haltung stre­ben sie zum Licht. Hier haben wir sie im reinsten Weitz, dort leuchten sie goldgelb, anderswo glühen sie in Rot, wieder woanders strahlen sie uns in famtnerii Violett entgegen und an einer weiteren Stelle schimmern sie in rotweitzem Gewand. Herrs lich ist es,^so einen Strauß zu winden.

Nicht nur die Dahlien beglücken uns jetzt, vom zarten Zitronengelb bis zum satten Braun, immer wieder kommen uns neue^ Sorten und Farben m den Sinn, sondern auch der Phlox ist es, der seine duftenden Blumendolden in Ueverfülle offen hält, wobei Weitz und Rot und Violett die Haupt- farben bilden. Besonders angetan hat es uns eher die Sonnenblume, die über alles hinausragt und ihren herrlichen Blütenkopf immer wieder zur Sonne dreht am Morgen, am Mittag, am Abend.

Es ist jetzt die rechte Zeit der Blumenfreunde. Wollen wir einen bunten Strauß uns ins Heim stellen, dann sei er mit Liebe und Geschmack ge­wunden, all das zusammengenommen, was zuein- ünder patzt. Nicht die Menge macht es, ein paar Blumen wirken schon Wunder, ja sie nehmen sich besonders köstlich aus. Und es soll immer ein wenig Grün dazwischen leuchten. Und auch der Strauß in der Vase will gepflegt sein, will morgens und abends das Wasser erneuert haben, und wenn wir recht lange an ihm erfreuen wollen, dan ist es not- wendig, dem Wasser eine Prise Salz beizugeben und die Stiele täglich ein wenig nachzuschneiden, am besten schräg, damit sie zur Nahrungsaufnahme lange taugen.

z Für Mutter und Kind.

Zum ersten Opfersonntag im krlegswinlerhilfswerk 1942/43.

NSG. Der kommende Sonntag wird uns zum erstenmal zum praktischen Einsatz für das Kriegs- vinterhilfswerk 1942/43 aufrufen! Unsere Spende wird diesmal vor allem den Müttern gelten, die ihre Schaffenskraft in den Dienst der Heimat stellen, um damit ihren Beitrag zum Siege des Großdeutschen Reiches zu leisten. Es gilt nun gleichzeitig, für das Wohl all jener Kinder Sorge zu tragen, deren apfere Mütter die unzähligen leergewordenen Ar- eitsplätze der Väter an der Front einnehmen. Der lufruf des Führers zum 4. Kriegswinterhilfswerk oll nicht ungehört an unserem Ohr verhallen. Mehr enn. je wollen wir Herz und Hand weit machen, wenn die Sammler am Sonntag an unsere Tür klopfen. Wer für Mutter und Kind gibt, dient der Heimat, nicht nur für den Augenblick, sondern auch für die weitere Zukunft unseres Vaterlandes. Daran vollen wir denken!

Oie Speisenabgabe am ersten Opfersonntag.

NSG. Die Wirtschaftgruppe Gaststättengewerbe gibt ihren Mitgliedern zur Kenntnis, daß der erste öpfersonntag des Kriegswinterhilfswerks auf den 6. September 1942 von 10 bis 17 Uhr festgesetzt ist. , Die Speisenabgabe kann nach der üblichen Speise­karte erfolgen, es muß jedoch ein Eintopfgericht ent­halten sein. Die zu entrichtende Spende gilt für alle Gerichte unverändert wie in den Vorjahren und ist wie folgt eingeteilt:

Klasse I a e s,20 RM.

H - - - -,30 III ... 1,20

Die Einzeichnung der Spende erfolgt wie im vori­gen Jahre auf Ouittungsblocks, die durch die ört­liche Dienststelle der NSV. zu beziehen find.

Freiwillige für die Waffen-^.

Von der Erg.-Stelle Fulda-Werra (IX) erhalten mir die Mitteilung, daß wiederum Freiwilligen die Möglichkeit gegeben ist, in die Waffen-^ einzutreten. Die Divisionen der Waffen-kämpften auf allen Kriegsschauplätzen und stehen jetzt in vorderster Front im Kampf gegen den Bolschewismus. Ihre stolzen Taten sind ein Ruf an die deutsche Jugend Md an die wehrhaften Männer. Vollmotorisiert um­fassen die Divisionen alle Truppen, wie Infanterie, Artillerie, Pioniere, Panzer, Nachrichtentruppen, Kavallerie, Panzerjäger, Flak, Kradschützen- Ge- birgs- und Sanitätstruppen.

Die Waffen-^ stellt ein: a) Kriegsfreiwillige, b) Freiwillige mit Dienstzeitverpflichtung vom voll§ endeten 17. bis zum 45. Lebensjahr.

Der Dienst in der Waffen-^ ist Wehrdienst. Bei Eignung stehen den Freiwilligen die Unterführer- Md Führerlaufbahn sowie Sonderlaufbahnen offen. Einberufung zur Truppe erfolgt beschleunigt.

Annahmeuntersuchungen finden am 13. Septem­ber imBurghof" in Gießen statt. Meldungen von Freiwilligen werden dort angenommen. Arbeitsbuch Md Wehrpaß find mitzubringen. Außerdem nimmt die ^-Erg.?Stelle Fulda-Werra (IX), Kassel-Wil- helmshöhe, Löwenburgstraße 10, Tel. 36683 und 34441 ständig schriftliche Meldungen an und über­sendet auf Anforderung das ausführliche. Merkblatt.

Gießener Docheumarktpreife. \

* Gießen, 5. Sept. Auf dem heutigen APochim- rnarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,8p RM^, Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 9 bis 10, Kärtoffeln> 5 kg 60, Wirsing, % kg 12 bis 15, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 13, rote Nüben 10, Spinat 16 bis 20, Römischkohl 10, Boh­nen, grün, 30, Grünkohl 15, Tomaten 25 bis 30, Dirnen 30, Zwetfchen 30, Mirabellen 30, Salat- gurken 28, Einmachgurken, das Stück 2 bis 5, Blu­menkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 10, Endivien 15, Lberkohlrabi 8 bis 12, Rettich 8 bis 10 Rpf.

** Eine weitere Zuteilung von Käse auf den Abschnitt N30 der Nährmittelkarte wird heute in einer Bekanntmachung angekündigt.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)

5./6. September 1942

Acht Jahre mit Oberbürgermeister Ritter

Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger hat den Gießener Oberbürgermeister Ritter zum Oberbürgermeister der Stadt Mainz bestimmt. Am Donnerstag ist Oberbürgermeister Ritter von dem Reichsinnenminister Dr. Frick eine besondere Auszeichnung für das neue Mainzer Stadtoberhaupt in fein Amt eingeführt worden. Nur noch wenige Tage wird Oberbürgermeister Ritter hier die Geschäfte führen. Unsere Stadt muß also nun Abschied nehmen von dem Manne, der ihre Verwaltung während der letzten acht Jahre, vom 17. Mai 1934 bis jetzt, geleitet hat.

Als Oberbürgermeister Ritter fein Gießener Amt antrat, konnte er von seinem Amtsoorgänger, Oberbürgermeister Dr. Keller, der in Darmstadt im Ruhestand lebt, eine Verwaltung übernehmen, die gut organisiert, straff geführt und mit tüch­tigen Beamten besetzt war. Das war schon ein wichtiger positiver Faktor. Hinzu kam noch, daß dem neuen Oberbürgermeister eine städtische Finanzwirtschaft übergeben wurde, die trotz des Niedergangs der vorhergehenden Jahre von Ober­bürgermeister Keller mit peinlicher Gewissenhaftig­keit verwaltet und gesund erhalten worden war. Don außen her erwachsene Hemmungen und un­vertretbare Belastungen für die Gießener Finanzen waren immer nach bester Möglichkeit abgewehrt worden. So konnte der neue Oberbürgermeister auf einer gesunden, Grundlage ans Werk gehen, und dieser kraftvolle und tatenfrohe Wille zum Aufbau hat Oberbürgermeister Ritter, den schon auf vielen anderen Gebieten erfahrenen und bewährten natio­nalsozialistischen Kämpfer, allezeit bis in seine letzten Tage des Wirkens in Gießen ausgezeichnet.

Sein Streben zum Besten unserer Stadt Gießen war stets von tief empfundener Verantwortung für das ihm anoertraute Gemeinwesen und gegenüber der vom Führer gegebenen großen gesamtdeutschen Zielsetzung getragen. Dieser Einstellung entspre­chend war er weitausschauend und kühn im kommu­nalwirtschaftlichen Planen, zugleich vorsichtig ab- wäaend bei der Vorbereitungsarbeit für die verschie­densten Aufgaben und großen Probleme, die er in Angriff nahm, aber mit ungeheurer Tatkraft zu­packend und vorwärtstreibend bei der Verwirk­lichung seiner Pläne. Er war niemals Pedant oder starrer Bürokrat, der seine Arbeitskraft in Dingen von untergeordneter Bedeutung erschöpft hätte. So großzügig und bildlich gesprochen weiträumig er zu planen verstand, so großzügig war sein Han­deln, bis er das Ziel erreicht hatte. Seinen Mit­arbeitern gab er dabei weitgehend Raum zur Be­tätigung, wie er auch jederzeit gerne und aufnahme- bereit Ansichten und Ratschläge entgegennahm. Aus der großen Gesamtschau formte er im Geiste das geplante Werk, um es dann mit den bestdienlichen Mitteln in die Tat umzusetzen. Dadurch hat er in rastlosem achtjährigen Schaffen an der Spitze der Gießener Stadtverwaltung Leistungen vollbracht,, die in der Geschichte unserer Stadt seinen Namen mit besonderer Ehre verkünden werden.

Bei seinem Wirken stand jederzeit die Pflege der städtischen Finanzen im Vordergründe der Arbeit. Für ihn war es stets eine unerläßliche Bedingung, die finanzwirtschafkliche Grundlage der Stadt immer stark zu halten und dadurch ständig leistungsfähiger für die Arbeit zu machen. Seiner vorsichtigen und dennoch großzügigen Finanzpolitik ist denn auch der erfreuliche Erfolg zuzuschreiben, daß die Stadt Gießen trotz der vielseitigen Arbeiten vor dem Kriege und der mannigfaltigen Anspannungen in den. verflossenen drei Kriegsjahren mit gesunder und starker Finanzarundlage dasteht. Damit hat Ober­bürgermeister Ritter eine hauptsächliche und ver­heißungsvolle Voraussetzung für die Erfüllung von vielen Aufgaben des Aufbaues nach dem Kriege ge­schaffen und dem neuen Leiter unserer Stadtverwal­tung einen guten Ausgangspunkt für fein Wirken hinterlassen. Die Früchte dieser weitblickenden und fürsorglichen Finanzpolitik kamen 'und kom­men in weitem Ausmaß der heimischen Wirtschaft zugute, denn dadurch, daß die Stadt finanziell lei­stungsfähig ist, -können von ihr Arbeits- und Ver­dienstmöglichkeiten erschlossen werden, die immer wieder neue Kraftströme auslösen.

Das Schaffen und Streben des Oberbürgermei­sters Ritter ging allezeit auch dahin, unsere Stadt größer und schöner und in ihrer Bedeutung bevor­zugter zu machen. Es ist im Rahmen dieser Be­trachtung nicht möglich, alle Einzelheiten des Auf­bauwerks Heinrich Ritters aufzuzählen. Erinnert fei aber an einige besonders markante Meilensteine der Gießener Entwicklung in den letzten acht Jahren. Was feit vielen Jahren von zahlreichen Bewohnern ersehnt, früher aber immer vergeblich erstrebt wor­den war, gelang ihm gewissermaßen mit Leichtigkeit: die Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden, über deren große Bedeutung wir heute nichts weiter Zu sagen brauchen. Däß die alte Garnisonstadt Gie­ßen ihm gleichfalls viel zu danken hat, brauchen wir auch nicht näher zu begründen. Die Förderung unserer Ludwigs-Universität als führende Kultur­stätte in weitem Umkreis ließ er sich jederzeit be­sonders angelegen sein; die repräsentative und wür­dige Ausgestaltung des Universitätsgebäudes und des Platzes vor der Universität sind auf diesem Schaffenskonto bedeutsame Aktivposten. Die Univer­sität erfüllte eine Ehrenpflicht, als sie ihn anläßlich der Wiedereinweihung des Unioersitätsgebäudes im November 1940 zum Ehrensenator ernannte und ihn dadurch für immer in engste Gemeinschaft mit der Ludoviciana brachte. Das Theater der Universitäts­stadt Gießen als weiterer bedeutsamer Mittelpunkt der Kultur und Kunst in unserer engeren Heimat hatte in ihm stets einen wahrhaft einzigartigen Freund und Förderer, der den Ausbau dieses ge­meinnützigen Instituts als eine feiner vornehmsten Verpflichtungen gegenüber der Volksgemeinschaft ansah und immer bereitwillig die Kraft der Stadt in den Dienst des Aufbaues auf diesem Gebiete stellte. Bildende Kunst, Musik und Literatur erfuhren ebenfalls viele Beweise feiner fürsorglichen Betreu­ung. Die Auflockerung der Altstadt durch die In­angriffnahme der Altstadtsanierung und die Durch­führung ihres ersten Abschnitts ist ein weiterer Be­weis für sein großzügiges Wirken; daß diese Auf­gabe bisher nicht weiter vorangebracht werden konnte,, ist durch den Kriegsausbruch bedingt. Die großzügige Durchführung bedeutender Wohnungs­bauprogramme zur Schaffung von Hunderten von guten Klein- und Mittelwohnungen ist ein weiteres wichtiges Kapitel in feiner Aufbauarbeit. Und daß ihm mitten im Kriege mit all feinen Erschwernissen die Schaffung des Obus-Verkehrsbetriebes mit An­schluß des früher vom planmäßigen Verkehrswesen

lange Zeit ausgeschlossenen Vororts Klein-Linden ge­lungen ist, darf er als besonderes persönlichstes Ver­dienst in Anspruch nehmen. Leider hat ihm auf vielen weiteren Gebieten, auf denen er neue Werke schaffen wollte, der Krieg mit feinen vordringlichen Erfordernissen zwingend Halt geboten. Daß'Ober­bürgermeister Ritter jederzeit für alle Volksgenossen zu sprechen war und für ihre Anliegen und Nöte oder auch Vorschläge ein offenes Ohr hatte, stets gepaart mit der Bereitschaft zur Hilfeleistung, ver­steht sich bei ihm als altem Nationalsozialisten von selbst.

Vor einigen Tagen hat Gauleiter und Reichs- statthalter Sprenaer als Beauftragter der NSDAP, mit Oberbürgermeister Ritter als seit- heuigem Leiter unserer Stadtverwaltung und den Gießener Ratsherren über die Nachfolge des Ober­bürgermeisters Ritter in Gießen beraten. Auf Gru»7d dieser Beratungen ist der Erste Beigeordnete unserer Stadt, Bürgermeister Heinrich Vogt, vom Gauleiter zum Oberbürgermeister der Stadt Gießen berufen worden. Auf Grund jener Beratungen wurde ferner vom Gauleiter das Amt des Ersten Beigeordneten bei der Gießener Stadtverwaltung dem Bürgermeister Dr.jur. Hill in Alzey über­tragen.

Die Einführung von Oberbürgermeister Vogt in sein neues Amt kann zunächst noch nicht erfol­gen, da Oberbürgermeister Vogt zur 3eit noch als Offizier im Felde steht. Die Einführung des neuen Ersten Beigeordneten Dr. jur. H i l l in fein Gießener Beigeordnetenamt wird Oberbürgermeister Ritter am kommenden Montag um 17 Uhr in einer öffent­lichen Sitzung der Ratsherren im Gießener Stadt­haus vornehmen.

Oberbürgermeister Vogi

der am 11. Dezember 1901 in Offenbach a. M. ge­boren wurde, verlebte feine Jugendzeit in Gießen. Er besuchte hier die Oberrealschule, an der er 1920 die Reifeprüfung bestand. Dann studierte er an der Universität Gießen Jura und war anschließend zur weiteren praktischen Ausbildung an den Depositen­kassen Schotten und Friedberg der früheren Mittel­deutschen Creditbank tätig. 1926 bestand er an der Universität Gießen die Referendarprüfung, 1930 die Staatsprüfung im Justiz- und Verwaltungsfach. Im Juli 1931 wurde er Gefolgsmann des Führers. Von 1932 ab lebte er als Rechtsanwalt in Alsfeld. Dort wurde er 1933 Ortsgruppenleiter der NSDAP., ferner Führer der NS.-Fraktion im Alsfelder Stadt-' rat, 1933 auch Direktor der Bezirkssparkasse Alsfeld und 1934 Beigeordneter von Alsfeld. Nachdem er Ende November 1933 als kommissarischer Provin­zialrat zu der damaligen Prooinzialdirektiop der Provinz Oberhessen in Gießen berufen worden war, erfolgte.mit Wirkung ab 1.April 1934 feine Er­nennung zum Provinzialrat. Nach der Aufhebung der Provinzialverwaltungen in Hessen am 1. April 1937 wurde er zweiter Beigeordneter deck Stadt Gießen und im Februar 1940 vom Gauleiter, nach Rücksprache mit dem Oberbürgermeister Ritter und den Gießener Ratsherren, auf den Posten des ersten Beigeordneten der Stadt Gießen mit der Amts­bezeichnungBürgermeister" berufen. Diese Anstel­lung datiert vom 16. Februar 1940. Bei Ausbruch des Krieges rückte Bürgermeister Vogt erneut zur

Am 1. September 1942 ist auch in Gießen die Hauptschule eingerichtet worden. Damit hat unsere Stadt einen neuen Schultyp er­halten. lieber die Aufgaben und Ziele dieser neuen Schule sowie ihren heimatlichen Wir­kungskreis haben wir uns mit dem Leiter des Stadt- und Kreisschulamtes Gießen, Schulrat Walter, unterhalten.

Bei der Schaffung der Hauptschule, die allmählich im ganzen Großdeutschen Reiche entstehen soll, handelt es sich um die Verwirklichung einer grund­legenden Entscheidung des Führers, die in Fort­führung der bisherigen Maßnahmen der Schul­reform tiefgreifende Wandlungen im Aufbau des deutschen Schulwesens zur Folge haben wird. Die Hauptschule tritt an die Stelle der bisherigen Mit­telschule, auch in Gießen. Die zu Ostern 1940 in unserer Stadt eingerichtete Mittelschule wird zwar nicht sofort aufgehoben werden, sondern erst in einigen Jahren auslaufen. Die jetzigen Klassen der Mittelschule werden ihren Unterrichtsplan im Laufe der nächsten Jahre abwickeln, so daß der erste Ab­bau der Mittelschule Ostern 1946 beginnen und bis zum Herbst 1947 beendet fein wird. Dann wird riur noch die Hauptschule hier bestehen. Aufnahmen in die Mittelschule haben jetzt schon nicht mehr statt­gefunden.

*

Die Hauptschule hat die Aufgabe, besonders be­gabten Dolksschülern nach den ersten vier Grund­schuljahren eine weiterführende Ausbildung kosten­los zu ermöglichen. Etwa ein Drittel der aus der Grundschule aufsteigenden Volksschüler soll wie in einer Zusammenfassung in der ZeitschriftDer Gemeindetag", Zeitschrift der deutschen Gemeinde­politik, dargelegt wird in der Hauptschule pflicht- mäßig zusammengefaßt und in vierjährigem Lehr­gang zu einem über das Volksschulziel hinaus­gehenden Bildungsziel geführt werden. Der Besuch der Hauptschule wird schulgeldfrei sein. Der Ge­danke des pflichtmäßigen Besuchs der Hauptschule 7st vorläufig noch zurückgestellt worden, der Besuch wird vielmehr bis auf weiteres auf der Grundlage der Freiwilligkeit erfolget. Es besteht die Möglich­keit, auf die Hauptschule zwei weitere Klassen (5. und 6.) aufzusetzen und über diese den gehobenen Bildungsabschluß zu erreichen, den bisher die grund­ständige Mittelschule des Altreichs gab. Die großen Vorzüge der Hauptschule sind in ihrem Charakter als Schule der breitesten Begabtenauslese zu er­blicken.

Die Hauptschule kennzeichnet sich hiernach eines- tells als eine weiter führende grundständige mittlere

Hiernach kann unsere Stadt heute, da sie die Ab­schlußbilanz des Wirkens ihres bisherigen Ober­bürgermeisters Ritter zu ziehen hat, nur zu dem Ergebnis kommen, daß aus den acht Jahren des Wirkens dieses Mannes an der Spitze unserer Stadt­verwaltung eine reiche Fülle von Aufbauwerken zum Besten unseres Gemeinwesens heroorgegangen ist. Ihm dafür zu danken ist eine besondere Ver­pflichtung der Gießener Bevölkerung. Mit diesem Dank seien alle guten Wünsche für das weitere Wohlergehen Heinrich Ritters bei feinem Leben und Wirken im Dienste noch größerer Aufgaben als hier in Gießen verbunden, zu denen er nun durch den Ruf des Gauleiters bestimmt ist. Die Aera Ritter wirb in der Geschichte der Stadt Gießen allezeit ein hervorragender Abschnitt fein. B.

Der neue Gießener Oberbürgermeister.

Bürgermeister Vogi zum Nachfolger von Oberbürgermeister Nitter bestimmt.

Die Hauptschule in Gießen.

Ein neuer Schultyp zur Förderung besonders begabter Schüler.

Wehrmacht ein, gegenwärtig steht er als Offizier noch im Osten im Felde.

Oer neue Erste Beigeordnete.

Bürgermeister Dr. jur. Philipp Hill von Alzey erblickte am 10. November 1887 als Sohn des Landwirts Philipp Hill in Waldüloersheim (Kreis Oppenheim) das Licht der Welt. Nach dem. Besuch der Realgymnasien zu Mainz und Darm­stadt bestand er am 24. Februar 1908 die Reife­prüfung. Von 1908 bis 1912 studierte er an den Universitäten Gießen und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften und bestand am 29. November 1912 vor der juristischen Fakultät in Gießen die erste juristische Staatsprüfung. Dann war er vom Dezember 1912' bis 1. Oktober 1913 als Referen­dar am Amtsgericht in Oppenheim beschäftigt. Am 1. Oktober 1913 trat er als Einjährig-Freiwilliger in das Fußartillerie-Regiment 3 in Mainz ein, mit dem er im August 1914 ins Feld rückte. Den ersten Weltkrieg hat er von Anfang bis Ende als Leutnant, später als Adjutant des Regiments mit­gemacht. 1916 wurde er in der Schlacht vor Verdun verwundet. Nach der Demobilmachung setzte er am Landgericht in Gießen und am Kreisamt in Darm­stadt seinen juristischen Vorbereitungsdienst fort und bestand im März 1920 in Darmstadt das juristische Staatsexamen. Nach seiner Ernennung zum Ge­richtsassessor wurde er zunächst Amtsanwalt beim Amtsgericht in Alzey, nach sechsmonatiger Tätig­keit wurde er von dort als stellv. Amtsrichter an das Amtsgericht Osthofen versetzt. Am 4. Februar 1921 wurde er zum Bürgermeistere der Stadt Alzey gewählt; dieses Amt trat er am 17. Februar 1921 wurde er zum Bürgermeister der Stadt Ruhrgebiet im Jahre 1923 und die dadurch ent- ftanbenen starken Abwehrkämpfe aller Deutschen im besetzten Rheinland wurde Bürgermeister Hill von den Franzosen am 28. Januar 1923 aus Alzey und Rheinhessen ausgewiesen und in das unbesetzte Gebiet nach Darmstadt abgeschoben. Im Dezember 1923 promovierte er vor der juristischen Fakultät der Universität Gießen zum Dr. jur. Nach Ablauf seiner ersten Wahlperiode als Bürgermeister in Alzey wurde er am 21. Februar 1933 von der dortigen Stadtverordnetenversammlung erneut auf weitere zwölf Jahre zum Bürgermeister von Alzey gewählt. Bürgermeister Dr. Hill gehört der Partei und dem Stab der SA.-Standarte 27 an. Nunmehr erfolgte feine Berufung nach Gießen.

Beigeordneter Nicolaus

wird das Amt des ehrenamtlichen Beigeordneten in unserer Stadtverwaltung, das er seit einer Reihe von Jahren bekleidet, auch weiterhin führen.

Schuleinrichtung, andernteils als Unterbau oder Zubringeanstalt für die (verkürzte) höhere Schule 'in Aufbauform, zum dritten aber hat sie auch die Aufgabe, den Hauptschülern, die schon nach acht­jähriger Schulzeit ins Berufsleben hinaustreten und in die Berufslehre eintreten wollen, eineir ge­wissen Bildungsabschluß zu geben. Die Hauptschule wird damit recht eigentlich zum Mittelstück eines organischen Schulaufbaues werden.

Die Arbeit der Hauptschule wird dadurch erleich­tert, daß die Auslese schon frühzeitig, nach dem vierten Schuljahr, stattfindet (ohne ein Hinüber­wechseln aus der Volksschule in die Hauptschule in einem späteren Zeitpunkt auszuschließen), ferner dadurch, daß infolge der Schulgeldbefreiung äußere Hemmungen der wirtschaftlichen Sage der Eltern überwunden und durch die Schulbesuchspflicht die Erfasswig aller für den weiterführenden Bildungs­weg irgendwie geeigneten Begabungen gewähr­leistet wird.

Die Hauptschule wird von Jungen und Mädchen besucht werden. Als Unterrichtsfächer sieht der Lehr­plan vor: Leibeserziehung, Deutsch, Geschichte, Erd­kunde, Musik, Lebenskunde und Gartenbau, Natur­lehre, Rechnen und Raumlehre, Zeichnen, Werken, Handarbeit, Hauswerk, Kurzschrift, Fremdsprache. Handarbeit und Hauswerk kommen nur für den Unterricht der Mädchen in Betracht, Hauswerk bet den Mädchen auch nut in der vierten Klasse. Kurz­schrift wird für Jungen und Mädchen nur in der vierten Klasse gelehrt.

Auf Grund der Auslese und der ihr eigenen Ar­beitsweise ist die Hauptschule in besonderem Maße geeignet, der Vorbereitung zum Besuche aller jener weiterführenden Bildungseinrichtungen zu dienen, die nicht den Besuch der Höheren Schule voraus­setzen. Der Hauptschule ist aufgetragen, als Teil der einheitlichen nationalsozialistischen Erziehungs­ordnung über das Ziel der Volksschule hinaus die Leistungen zu steigern, frühzeittg eine national- sozialistische Berufshaltung vorzubereiten, eine der Altersstufe angemessene abgerundete Gesamtschau der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Grundlagen des deutschen Volkes zu vermitteln und die Ausrichtung des Lebens nach der germanisch­deutschen Weltordnung anzubahnen. Die Schüler, die zur Arbeit in der Hauptschule für geeignet be­funden wurden, sind zu ihrem Besuche verpflichtet, wenn sie nicht eine höhere Schule besuchen. Damit steigert die Hauptschule den Grundsatz der Schul­pflicht zu dem einer erhöhten Bildungspflicht.

In Gießen sind am 1. September zunächst.roei Klassen der Hauptschule eröffnet worden. Die Klajn