192. Jahrgang Nr. 206
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vrühlfche llniversttSIrdruckeretv. Lange General-Anzeiger für Oberhessen
। jk w* d Mittwoch,2. September t942
Gietzener Anzeiger
Estland atmet auf.
Von unserem Gr.-Korrespondenten.
Reval, August 1942.
Wenn der Sturm über ein Land geht, tprren Ziegel, und Fallholz bedeckt die Straßen. Der Wald vermag mit seinen geschlossenen Fronten sich ihm entgegenzustellen, der einzelne Baum aber hat die ganze Last des Ansturms zu tragen. Wenn er stark und elastisch ist, legt er sich in die Windrichtung und weicht dem Druck aus. Er wird zrbor geschüttelt und gerupft, aber wenn er nicht zerbricht, richtet er sich wieder auf, nachdem sich das Unwetter verzogen, und steht da wie vorher, nur um eine Erfahrung reicher.
Es war in diesem Sommer ein Jahr, daß das traurige Geschick, das schlimmer als eine Natur- kcstastrophe über E st l a n d hereinbrach, nach Osten weitergezogen ist. Das Aufatmen nach dem Gewitter ist bereits ein untrügliches Lebenszeichen, aber noch nicht das Leben. Der Druck ist gewichen, aber es braucht seine Zeit, bis das Vakuum, das er geschaffen, aufgefüllt wird, bis das Blut, das dem Körper entzogen wurde, nachströmt. Fallholz und Ziegel müssen weggeräumt, das Selbstvertrauen geweckt und der Blick vom Vergangenen hinweg in das Morgen gelenkt werden. Es ist eine Frage des Lebenswillens, wie lange die Rekonvaleszenz dauert.
Der blühende Sommer war bemüht, Wunden zu heilen und Narben zu überdecken. Eine Fahrt durch das Land — gleichviel in welcher Richtung — zeigt wohl noch Spuren des großen Sturmes. Doch das Leben ist stärker und will uns als ein Gleichnis feine aufbauenden wie zerstörenden Kräfte zeigen in dem häufigen Bild blumenüberschäumter Ruinen. Die Gräber am Straßenrand — meist sind sie dort angelegt, wo die Soldaten gefallen — sprechen eine eindringliche Sprache. Der Sturm, den sie getragen, ist wie ein reinigendes Gewitter weitergezogen, sie sind zurückgeblieben, verstreut über das Land, die sinnfälligsten Zeugen höchster menschlicher Verpflichtung. Die flachen Hügel sind eingefaßt. Auf das Grau des Stahlhelms' hat die Sonne begütigende Lichter aufgesetzt, und die Frauen und Mädchen des Landes tragen herbei, was die Gräber schmücken kann. 1
Es äst ein Bild tiefsten Friedens, das sich überall zeigt, und man muß — wenn es an einem fröhlichen Sommertag auch schwer fällt — sich die harten Prüfungen des Landes vor Augen halten, um nicht an der Oberfläche haften zu bleiben und tiefer zu sehen. Die Gehöfte am Straßenrand, oft nur mit den schilfgedeckten Giebeln aus dem wogenden Grün von Ellerngebüsch hervorragend, sind manchmal leer wie ausgenommene Schoten. Die Männer wurden verschleppt, oft auch die Frauen, und heute macht sich ein Umstand bemerkbar, der sich einmal rächen mußte, — das Fehlen der Kinder. In wie so vielen Gehöften mangelt es heute an kräftig zugreifenden Händen! ■
Allmählick drängt das Kulturland Mopre und nasses Wiesenland zurück. Wir nähern uns der Kornkammer Estlands, dem Kreis Fellin. Vilija n d i, die Kornreiche, ist ein verpflichtender Name für eine Stadt, die einem ganzen Landkreis bas Attribut kornschwerer Felder verleiht. Der lange und harte Winter — nur die Schneegatter erinnern an ihn, die in regelmäßigen Abständen links und rechts der Straße auf geb aut sind — vermochte die Wintersaat nicht allzu sehr zu beeinträchtigen. Sie verspricht eine zufriedenstellende Ernte. Klee wechselt mit Hafer Und Gerste, und die zahlreichen Gehöfte machen einen gepflegten, fast wohlhabenden Eindruck. Wo in den Feldern oder im Straßengraben als Reminiszenzen des vergangenen Sturmes aus- oebrannte Panzer liegen, wogt das Korn in grünen Fahnen darüber hin, ein Triumph des Lebens über die tote Materie. Militärgespanne wurden auf den verschiedensten Bauernhöfen abgestellt. Sie ziehen in langen Wagenrechen die Straße einher, um bald nach links und nach rechts in die Felder abzubiegen. Die Feldbestellung darf nicht unter dem Mangel an Pferden leiden, und wo die Möglichkeit besteht, springt die Wehrmacht mit ihren Pferden ein. Die Sauern sind sehr froh darüber, man glaubt es auch den Soldaten aufs Wort, daß ihnen dieser uner- hoffte Arbeitseinsatz Freude macht.
Am späten Nachmittag beginnt es zu regnen. Die Bauern freuen sich, jeder Tropfen ist Gold wert. Es ist ein linder, zügiger Regen, der die Nacht hindurch anzudauern verspricht. Wir stehen unterdessen in einer Molkerei unter. Für' die Winter- monate dient sie der Nachwuchsschulung. Jetzt sind die Schüler zu Hause in den elterlichen Betrieben, wo für die Sommermonate jede Kraft benötigt wird. Der Betrieb — mit einem Jahresumsatz von 3 Millionen Litern — wird von dem Stammpersonal weitergeführt. In den ausgedehnten Maschinenpark teilen sich die Fabrikate aller Milchwirtschaft treibenden Länder, allen voran Dänemark, die Niederlande, Deutschland und die Schweiz. Einer ähnlichen Zusammensetzung erfreut sich die Fachbibliothek der Anstalt. Die milchwirtschaftliche Topographie umfaßt alle Länder Europas. Selbst die Sowjets sind mit einigen Fachbüchern vertreten, die, wie uns der Dixektor versichert, unlesbar sind, weil die Bolschewisten ihre Propaganda selbst in die Wissenschaft tragen.
Die Milchanlieferung leidet noch stark unter den Auswirkungen der Bolschewistenzeit. Das gute Milchvieh wurde verschleppt und abgeschlachtet. Hier, wo die Wiesen feuchter sind, hatte sich mit der Viehzucht auch die Milchwirtschaft hervorragend entwickelt und heute ist man wieder bemüht, den Herdenstand aufzufrischen und zu ergänzen. Ueber- r-II am Wege treffen wir das estnische Rotv'eh, d^sien Vorgänger einst aus den weiten Marschen Sck'?swigs eingeführt wurden. D'e Produktion der M-lkcrei ist auf die Kriegsverhältnisse umgestellt morden. Abgesehen davon, daß der Fettgehalt der Käse verringert worden ist, wurde auch die Gärzeit verkürzt, um den Produktiynsanforderungen gerecht
zu werden. Die Qualität der Erzeugnisse blieb, wie wir festzustellen Gelegenheit hatten, nahezu unverändert. Neben zahlreichen Laboratorien stehen den Schülern bewährte Fachkräfte zur Verfügung. Der Direktor selbst hat in der Wissenschaft einen über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Namen. Als wir uns von ihm verabschieden, entschuldigt er sich mit einem Blick auf seine schwieligen Hände, daß er einen mehrwöchigen Urlaub im Rahmen der allgemeinen Brennstoffaktion mit Torfstechen verbracht habe.
Im gleichen Gebiet besuchen, wir noch ein Mustergut, in dem ebenfalls eine Landwirtschaftsschule untergebracht ist. Das Gut beherbergt Pferde aus der bekannten estnischen Tori-Zucht, die der Verschleppung nur dadurch entgingen, daß sie beim Abzug der Bolschewisten rechtzeitig -in die Wälder gebracht und versteckt worden waren. Wirtschaftsund Stallgebäude machen einen peinlich sauberen Eindruck. Äie Schweinezucht erweist sich als erfolgversprechend und rentabel, wie überhaupt die ganze Bewirtschaftung, abgesehen von der kriegsbedingten Forderung nach bestmöglicher Produktion, die auf
Mit dem Dersenkungsergebnis von August 1942 ist die 20-Millionen-BRT.-Grenze übersckMten. In den drei Jahren dieses zweiten Weltkriegs haben die Feinde mehr Schiffsraum verloren, als England bei seiner Kriegserklärung am 3. September 1939 — es waren 17,8 Millionen — überhaupt besaß. Diese Gegenüberstellung hebt die Bedeutung der deutschen Gegenblockade plastisch heraus.
Am 2. August wurde mitgeteilt, daß sich das Gesamtergebnis an Versenkungen seit Kriegsbeginn auf 19,5 Millionen BRT. belaufen hat. Im August hat die deutsche Kriegsmarine 699 100 weitere BRT. für die Fische beigesteuert, die Luftwaffe 109 000 BRT. Das Gesamtergebnis des August hält sich mit 808 100 BRT. im Rahmen der letztmonatlichen Erfolge.
Nach amerikanischen Statistiken, die die englische Fachpresse übernommen hat, werden 17 Tonnen toten Schiffsraums benötigt, um einen Soldaten zu einer 5000 km entfernten Front zu bringen und weitere 3,4 Tonnen Schiffsraums sind für die Sicherung seines. Unterhalts und seines 'Kriegsmaterial- nachscbubs notwendig. Um eine Million Menschen über See zu Herfrachten und zu verpflegen, ist also ein einmaliger Aufwand von 17 Millionen Tonnen und ein dauernder Nachschub-Schiffsraum von 3,4 Millionen Tonnen notwendig. In den letzten Tagen schrieb eine führende amerikanische Zeitung, daß eine einzige Infanteriedivision von 15 000 Mann an einem einzigen Kampftage etwa 1000 Tonnen Munition verbrauche, und daß eine ungeheure Menge anderer Schiffe Lebensmittel, Benzin und die notwendigen Ausrüstungsgegenstände nachführen müsse, um dann in den Klageruf auszubrechen:
Berlin, 1. Sept. (DNB.) In den Kämpfen um die Festung Stalingrad trafen die deutschen Truppen im. weiteren Vordringen durch das tiefgegliederte feindliche Befestigungssystem auf zähen Widerstand. Vergeblich versuchten die Bolschewisten, ihre bereits seit langer Zeit mit Eisen- und Betonbunkern ausgebauten Stellungen auf einem Höhenrücken und entlang eines Flußabschnittes Unter stärkstem Einsatz von schweren Waffen und Panzern zu verteidigen. Den deutschen Infanterie- und Panzerverbänden gelang es, tieferindas 23 er»
den Grundlagen modernster Erkenntnisse aufgebaut ist.
Zum Mustergut gehört auch ein ausgedehnter Gartenbaubetrieb, der den Schülern als Versuchsfeld zur Verfügung steht. Mit berechtigtem Stolz mit den Besuchern ein Beet mit Sojabohnen gezeigt. Die Gewächshäuser sind mit Gurken- und Tomatenpflanzen gefüllt, die eine reiche Ernte versprechen. Obwohl die Felder im vergangenen Herbst spät oder gar nicht unter den Pflug gekommen sind, werden die Aussichten für das Wintergetreide hier dank den bisher günstigen Witterungsverhältnissen zufriedenstellend beurteilt. Was fehlt, sind die Arbeitskräfte, obwohl die verantwortlichen Stellen alles unternehmen, um sie dem Land ausreichend zur Verfügung zu stellen.
Der Grad der angerichteten Zerstörungen variiert. Aber auch dort, wo zu beiden Seiten der Straß? von den Gehöften nur noch dft Grundmauern übrig- geblieben sind, wurden die Felder bestellt. Auf den Stoppeln grasen die Pferde, sie haben sich nach dem langen, futterarmen Winter gut herausgemacht. Ihr Fell ist blank und geschmeidig, und die ecf.igen Formen sind edleren Linien gewichen. '.Das Bild einer Stute, die plötzlich mit ihrem Fohlen aus dem Ellerngebüfch auf die Straße tritt, umfaßt soviel Anmut und Kraft und selbstsichere Zuversicht, daß es unwillkürlich als der Ausdruck ungebrochener ländlicher Kraft erscheint.
„Diese große Anzahl Schiffe besitzen wir jetzt nicht mehr. Dafür haben die deutschen U-Boote mit ihren erfolgreichen Torpedoangriffen gesorgt."
Die indirekten Wirkungen der Schiffsoersenkungen durch U-Bootangriffe, auf die Wahl langer Schifffahrtswege, auf die langsamen und nur mühsam zusammenstellbaren Geleitzüge ist schon genugsam geschildert. Weniger dagegen der ungeheure Bedarf an Stahl und anderen Metallen zur Ausbesserung beschädigter Schiffe und zum Ersatz der versenkten Schiffe. Der englische Schiffsbau ist bereits weit hinter der amerikanischen zurückgefallen. Und der amerikanische Schiffsbau, dessen Leistungen hinter den Versenkungen zurückbleibt, kann die allernotwendigsten Schiffe nur dadurch bauen, daß die Eisen- und Stahlpläne der USA. in völlige Verwirrung gefomemn sind. Alle diese Faktoren müssen zur Gewinnung eines tatsächlichen Ueberblicks über die Wirkungen der U-Bootversenkungen zusammengefaßt werden. Die Tätigkeit der U-Boote ist keine isolierte Handlung, sondern beeinträchtigt auf das empfindlichste die feindlichen Landoperationen und die feindlichen Rüstungsleistungen.
Im vergangenen August hat auch die englische Kriegsflotte im Mittelmeer schwer darauf zahlen müssen genau so wie die amerikanische und englische Kriegsflotte beiden Salomon- Inseln. Besonders empfindlich ist die Torpedierung des Flugzeugträgers „E a g l e" sowie die schwere Beschädigung der Flugzeugträger „F u r i - o u s" und „Illustriou s4. Die große Gemacht England dürfte für „alle sieben Weltmeere" nur noch "drei oder vier Flugzeugträger verwendungsbereit haben!
teidigungsfystem hineinzustoßen, nach beiden Seiten die Einbruchsstelle zu erweitern und hierbei die Besatzung eines feindlichen Stellungsabschnittes aufzureiben. Verbände einer Flak- division unterstützten vorbildlich Infanterie und Schnelle Truppen. Allein am 31. August wurden 51 Feldbefestigungen vernichtet und Gegenstöße feindlicher Panzer abgewehrt. Westlich von Stalingrad nahm eine niedersächsische Divisipn schon vor einigen Tagen in kühnem Handstreich die Stadt Kalatsch ostwärts des Don. Zwei
Auf dem Elbrus.
Wie der OKW.-Be- richt vor wenigen Tagen mitteilte, hißte eine Hoch« gebirgstruppe am 21. August, 11 Uhr vormittags, au) dem Elbrus, dem höchsten Gipfel des Kaukgsusgebirges, welcher 5630 Meter hoch ist, die Reichskriegsflagge. Unser Bild zeigt den Gipfel des Elbrus. Heftiges Schneetreiben verhinderte das Photographierendes Gipfels. Vorn sieht man das Lager am Paß nach der Rückkehr der Gipfelbezwinger. (PK.-Kriegsbe- richter Kintfcher. jSch.j)
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Mehr als 20 Millionen BRT.
Oer Ll-Bootkrieg wirkt auf Landkrieg und Rüstungsleistung.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Die Kämpfe um Stalingrad.
Kalatsch, westlicher Eckpfeiler des Stalingrader FestungSsystems in erbittertem . Häuserkampf, genommen.
Sieg für unsere Kinder und Kindeskinder.
Der Aufruf des Führers zum Kriegswinterhilfswerk 1942/43 zeigt die unverkennbaren Züge feiner ganz persönlichen Handschrift. Der kategorische Schluß: ,Äch erwarte, daß die Heimat im vierten Kriegs-Winterhilfswerk ihre Pflicht erfüllt", wird der Heimat ein Ansporn sein, das zu tun, was in ihren schwachen Kräften steht. Die Wollsachen- sammlung, auch die Schisammlung zu Beginn des Jahres — in der Fülle der Ereignisse sind diese Heimat-„Sensationen" ganz in Vergessenheit geraten, obwohl seither nur acht "Monate vergangen sind — waren wirkliche Beispiele herzerfrischender Gebefreudigkeit. Was jetzt dem deutschen Volk nahegelegt wird, ist sehr viel leichter: damals mußte sich jeder von irgendeinem Stück Kleidung oder Wäsche trennen, das ' er selbst brauchte. Jetzt wird das deutsche Volk aufgefordert, von seinem geldlichen Einkommen einen möglichst ansehnlichen Betrag in die Gemeinschastskasse zu legen. Nur wenige unter uns haben sich an den Mammonismus, an den Geiz verloren, der sich selbst zum Ziele letzt. Wir fingen nicht das Loblied der Armut. Wir wünschen dem deutschen Volk ein Höchstmaß von Wohlhabenheit. Äber noch mehr wünschen wir ihm das sichere Bewußtsein, daß Geld allein nicht glücklich macht.
Bolschewismus und Nationalsozialismus unterscheiden sich gerade auf diesem Kerngebiet, denn der bolschewistische Zwangsstaat leugnet die Wohlhabenheit und die persönliche Freiheit des Einzelmenschen grundsätzlich und läßt diese höchstens „hinten herum" seiner jüdisch beherrschten Oberklasse zukommen. Der Nationalsozialismus kennt keine öde Gleichmacherei. Er anerkennt die Werte der wahrhaft schaffenden Persönlichkeit, gleichgültig auf welchem Platz sie arbeitet. Aber a r b e i t en muß sie, für totes Ka- pitcch hat der Nationalsozialismus kein Interesse.
Dem Denken und Fühlen des Führers liegt es sehr, vom Besonderen zum Allgemeinen, vom un=
Angriffsgruppen, ans Infanterie, Pionieren, Panzerjägern, Artillerie und Flakgeschützen, drangen m harten Nahkämpfen in die Stadt ein. Die Bolschewisten, die jedes Haus am Stadtrand zu Widerstandsnestern ausgebaut hatten, setzten sich verzweifelt zur Wehr. Bunker auf Bunker mußte^ von den Flakgeschützen im direkten Beschuß erledigt werden. Auch in den Straßen wurde um jedes Haus gekämpft. Mit Flammenwerfern und geballten Ladungen räucherten die Pioniere die Widerstandsnester aus. Nach vierstündigem erbitterten Häuserkampf waren Stadt und Bahnhof fest in deutscher Hand. Die Bolschewisten verloren zahlreiche Gefangene und hatten schwere Verluste. Mit Kalatsch ist der wichtigste Eckpfeiler aus der Westfrynt des Stalingrader Festungssystems herausgebrochen worden.
Im Nordwesten von Stalingrad belegten Kampf- und Sturzkampfflugzeuge die feindlichen Verteidigungsanlagen mit Bomben aller Kaliber, lieber 30 Panzerkampfwagen, die von den Bolschewisten an beherrschenden Punkten des hügeligen Geländes eingegraben waren, wurden zertrümmert, 15 Geschütze beim liebergang über einen Flußlauf vernichtet und über 300 Lastkraftwagen zerstört.
Anapa.
Der ftuban und die hinter dem Kuban schroff auf- steigenden Vorgebirge des Kaukasus sind keine leichten Hindernisse gewesen. Am Dienstag konnte der Wehrmachtbericht mitteilen, daß deutsche und rumänische Truppen nach Brechung des zähen feindlichen Widerstandes an die Ostküste des Schwarzen Meeres durchgebrochen sind: „Stadt und Hafen Anapa wurden von rumänischen Truppen genommen." Anapa hatte in den letzten Jahrzehnten ein geruhsames Schicksal als Sommerkurort, dessen knapp 20 000 Einwohner neben Fischerei auch Garten- und Weinbau trieben. Bekannt geworden ist Anapa durch seine großen Weinkeltereien, Brennereien und Brauereien, die sich hier auf Grund des durch Klima und Boden begünstigten Weinbaues entwickeln konnten. In der Weinkellerei Sowjos Supsch wurden jährlich über eine Million Flaschen abgefüllt. Eine gewisse Bedeutung gewann es durch die in letzter Zeit gesteigerte Ausfuhr von Kuban- Weizen. Mit seinen schwefel- und bromhaltigen Quellen in landschaftlich schöner Lage genoß es er- hebliche Bedeutung als Kurort.
Aber so ganz idyllisch war die Rolle Änapas ursprünglich nicht. 45 Kilometer südöstlich von der Mündung des Kubans in das Schwarze Meer gelegen, ließ es die türkische Regierung 1781 durch französische Ingenieure als Grenzfestung gegen die Zaren errichten. Es hatte schon damals die Aufgabe einer Riegelstellung, die das Küstengelände am Fuße des Kaukasus decken sollte. 1829 mußte es die Türkei, die bis dahin im Kaukasus eine vorherrschende Stellung hatte, an die Zarenregierung abtreten, die es während des Krimkrieges zu einer Basis für die zaristische Schwarzmeer-Flötte machte. Aber erst 1856, im Frieden von Adrianopel, kam Anapa endgültig in russischen Besitz, und eilte große Anzahl der in der Stadt lebenden Tscher- kessen, hie sich der russischen Herrschaft nicht unter« werfen wollten, wanderte nach der Türkei aus. Im Altertum war Anapa die griechische Kolonie Georgippia und im 13. bis 16. Jahrhundert ein wichtiger Handelspunkt der Genueser gewesen.
KraSno-Medwidowskaja genommen.
Berlin, 1. Sept. (DNB.) Südlich des unteren Kuban nutzten die deutschen und rumänischen Truppen ihren gestrigen Durchbruchserfolg aus und stießen bis an die Küste des Schwarzen Meeres vor. Hierbei nahm ein deutsches Infanterieregiment unter Führung des Ritterkreuzträgers Oberst Friede nach fünftägigen Kämpfen und Märschen, die höchste Anforderungen an die deutschen Soldaten stellten, die stark ausgebaute und vom Feinds hartnäckig verteidigte Ortschaft Krasno-Med« widowskaja, ostwärts Anapa.


