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Nußland.

Petersburg, 24 December. Bezüglich der Ermordung der Sarah Becker, wegen welcher Oberstlieutenant Mironowitsch als Thäter verurtheilt wurde, machte zufolge Privatmeldungen aus Moskau ein junger Franzose bei den dortigen Behörden die Aussage, daß er Sarah Becker ermoroet habe.

Moskau, 24. December. In dem Procrtz Rykow und Geosssen wurde heute da* gerichtliche Urtheil veröffentlicht. Die Angeklagten wurden gemäß den Anträgen des Staatsanwalts verurtheilt und außerdem verpflichtet, einen Schadenersatz von 9 Millionen Rubel zu leisten-

Kriechenlauo.

Athen, 24. December. Die Kammer genehmigte den Handelsvertrag mit Deutschland.

Amerika.

NewrAvrk, 23. December. Das Theater Comic ist niedergebrannt. Der Feuerschaden wird aus 175,000 Dollars geschätzt.

Australien.

Melbourne, 25. Decbr. (Telegramm desReuter'schen Bureaus.") Ta-monia unv Queensland haben dem Vorschläge des Premiers von Victoria, sich dem Proteste gegen die deutschen Annexionen im Stillen Ocean anzuschließen, zugestimmt. Neu-Süd-Wales und Süd-Australien haben es abgelehnt, sich zur Zeit diesem Proteste anzuschließen. Der Premier von Victoria hat dein Gou­verneur ein Memorandum überreicht, in welchem unter Hinweis auf die bestimm­ten Versicherungen Lord Derby's dem Befremden darüber Ausdruck gegeben wird, daß die englische Negierung auf die Wünsche und Bestrebungen der Colo­nien keine Rücksichten zu nehmen scheine.__________________________________________

Telegraphische Depeschm.

Wiesbaden, 26. December. Der Bischof Peter Josef Blum von Lim­burg ist heute Mittag gestorben.

Brünn, 26. December. Ein hier eingetroffenes Telegramm des Han­delsministers annullirt die stattgehabten Wahlen zur Brünner Handelskammer und ordnet sofortige Neuwahlen an.

Nom, 26. December. Der frühere chinesische Gesandte Li-Fong-Pao und der neu ernannte chinesische Gesandte Hsü - Chung - Cheng sind hier einge­troffen, um ihre Abberufungs- bezw. Beglaubigungs-Schreiben zu überreichen.

8L o £ a ft c 6.

Gießen, 27. December. Die Weihnachtsfeieuage, die wir fotben ve.lebt habrn, gefielen sich diesmal in der Rolle eines wunderlichen Heiligen. Das schöne Fest, dessen herkömmliche Gepflogenheit sonst nur das Vollzaudern mit cUerkf G.schenk.n ist, hat diesmal seinen durch das Gewohnheitsrecht bestimmten Wirkungskreis über­schritten und Groß und Klein eine Ueberraschung bescheert, die um so freudiger bescheert, wurde, als sie zwar erwartet wurde, ihre Erfüllung aber dennoch s hr ungewiß schien. Ueber Nacht zauberte uns das Christfest nämlich in das trübst lige regnerische Herbst- oeiter einen schien unv rechten Winter hinein und die Winter röcke, vor wenigen Tagen noch niedergedrückt durch bk Erkermtniß ihrer absolutesten Ueoerflüssigkeck, erwachten am ersten Weihnachtsfeiertage mit dem Bewußtsein ihrer Unentbehrl-chkut. So liegen denn die Tage, an denen die Welt die Geburt des Christkindes feiert, wieder hinter uns und Millionen kleine Kinderherzen, die vor pochender Ungeduld in der irrten Woche fast-chergingen, haben ihre sehnsüchtigen Wünsche endlich erfüllt gesehen. Und .auch so manches große Kmd hat von der Christsee sich Bescheerung erlitten und unter ihrem Scepter sein ganzes Lebensglück unlösbar an ein anderes Menschenkind geknüpft. Möge des diesjährigen Christfeste von Allen nur mit Gefühlen der innigsten Freude und deS reinsten Glückes auch in späten Jahren zmückgedacht werden!

Ein trauriges Gesch ck muß schwer auf einem Lebensmüden gewaltet haben, welcher in der Christnacht seinem Dasein ein jähes Ende bereitet. Am ersten Feiertage früh sahen Vorübergehende auf einer Bank links der Wasserleitung im sogen. Lärchcnwäldchen die Leiche eines noch jungen Mannes sitzen. Ueber die Persönlichkeit des Selbstmörders geht uns nachstehende Mcktheilung zu: Die am ersten Weihnachtstage Morgens früh in dem sogen. Lärchenwäldchen auf einer Bank aufgefundene Leiche würbe in der Person deS Lehrers a. D. Heinrich Hartwig Gent, geboren am 11. December 1854 zu Sauingen, Kreis Wolfenbüttel und seit October l. I. in Frankfurt a. M. domiciltrend, recognoScirt. Derselbe logirte am 24. d. M. in einem hiesigen Gasthaus, wo er sich AbcndS gegen 5 Uhr entfernte, durch einen Dienstmann fern Gepäck expediren lstß und er selbst auf der Post zwei Einzahlungen besorgte, davon eine an Großh. Bürger­meisterei Gießen mit 27 JL zur Bestreitung seiner Beerdigungskosten. Von da muß er sich an den Ort der That begeben haben, wo v die Waffe, einen Revolver, gegen sich richtete und durch einen Schuß in den Mund feinem Leden ein Ende machte.

Gestern Abend ll* 1 2 3/< Uhr brach in der Küche eines Hauses der Marktstraße Feuer au8. Die Entstehung ist noch unbekannt, jedenfalls liegt Fahrlässigkeit vor. DaS Feuer war alsbald gelöscht. ___________________________________

Vermischtes.

Berlin. Eine Aenderung in der Fußbekleidung der Infanterie beschäfiigt schon seit längerer Zeit die Militärb»hörden. Es sind bis jetzt bet der Infanterie die längs schäftigen und kurzschästtgen Stiefel im Gebrauch aewesen. Erstere sollen Marsch- und Kriegsstiefel sein und unter allen Umständen mehr Schutz gegen W tterungSeinflüsse gewähren alS die kurzschäftigen. Die Frage, ob sie übzr die Füße des Mannes gegen Wasser, Schnee und Schmutz schützen, ,st fast durchweg o-tneint worden. Em Com­pagniechef empfiehlt daher den Versuch mit einem festen Schuh mit Darüber geschnallter Gamasche von wasserdichter Leinwand, wie sie jetzt luftdurchlasirnd hergestellt wird, deffen Tragen sich leicht und auch wirklich allen Verhaltriisstn ercksprechend gestaltet. Der Schuh selbst müßte bis auf den Spann deS Fußes hinaufreichen, die Srltentheile verlängern sich in Kloppen, die oben auf dem Fuße zasammengebunben werben. Die Gamasche aus wasserdichter Leinwand reicht etwa 3 Centirntter über düsen Bund hinüber, wird unter dem Fuß mit einem Leberriemen versehen, bissen eincs Enbe an bet Gamasche vernäht, das andere zum Schnallen an der Außenseite des Fußes ein­gerichtet ist. Die Umhüllung des Fußes ist zugenaht, das Fersen- und Beinstück offen, die eine Seite hat kleine Löcher gestanzt, die andere Secke Metallösen, durch welche eine Nadel, nach Art der Torntsternadeln, nachdem die Seitentheile übereinander gelegt sind, durchgesteckt wird.

lieber den Brand des katholischen Waisenhauses zu Brooklyn liegen dctall- lirtere Berichte vor. Danach brach das Feuer im Waschhause aus. Die Wais nkinder lagen bereits im Schlafe und wurden von den Nonnen au6 den ®:tten gertssm und auS dem brennenden Gebäude in'S Freie gebracht. S'e hatten nd)t Zckt, sich an- -»ikleiden. Dabei herrschte eine bittere Kälte und es schneite in dichten Flocken. Nach­dem die meisten Kinder in Sicherheit gebracht worben, erinnerte sich eine der Nonnen, Schwester Mary, daß 36 kranke Kinder in dem Hospital zurückgelassen worben seien. Sie war im Stande, das Gebäude zu brtrcken, allein bie Flammen machten ihr und den kranken Kindern den Ausgang unmöglich. Bald darauf wurde die Nonne auf dem Mansardendach gesehen, worauf ihr ein Mitglied der Feuerwehr mit eigener L<bens- aefabr von dem benachbarten Dache auS seinen schweren Ueberrock zuwaist In dem Bestreben, den Nock aufzusangen, verlor sie das Gleichgewicht und stürzte in die Straße hinab, wo sie schwer verletzt aufgehoben wurde und binnen wenigen Stunden starb. Man fürchtet, daß die kranken Kinder zumeist in den Flammen umgekomwen sind. BIS jetzt sind 12 Kinderleichen geborgen worden. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit um sich und baö Gebäude ist fast gänzlich viedergebrannt. Die Anstalt barg nah-'zu 800 Insassen, meistens Kinder im Alter von 2 bis 15 Jahren.

l.Per Telegraph.) Ein Vater, der seinen Sohn nach Wien sendet, damit et dort Juris ftubire, von demselben aber statt der Zeugnisse über gut abgelegte Prüfungen Liebeserklärungen erhält und zwar telegraphisch, der hat unzweifelhaft Recht, wenn er feinen Sprößling für verrückt halt. H.rr W.....ein ruhiger Bürger in St. Miholy

in Ungarn, wähnt feinen Sohn ruhig den juristischen Studien nachgehend, da erhält er von demselben an einem einzigen Tage drei Depeschen, jede ein schweres, geschlagenes LtebeSgeständniß enthaltend. Der Herr Papa fcbüft-lt dm Kopf unb telegrapdirt nach Wien:Lieber Arthur, bist Du verrückt geworden?" Der Lohn antwortet nicht: doch kommen im Laufe zweier Tage noch fünf telegraphische Liebeserklärungen angerückt. Da wird es dem alten Herrn endlich zu arg. Er sttzt sich auf und fährt nach Wien, um nach feinem Sohne zu sehen. D e Geschichte wirb bald klar. Der junge Herr hatte auf der Straße ein Mädchen gesehen, welches ihm ausnehmend gut gefiel, ru: wollte das Fräulein von seiner Werbung absolut nichts wissen und nahm die Liebes­briefe, welche er ihr zustecken wollte, nicht an. Endlich erfuhr er, daß sie T-legraphistm sei und nun übermittelte er ihr die 2<efr8briefe in Form von Depeschen. Er kam m das Amt, wo daö Fräulein bedienstet ist, setzte dort feine LiebeSbetheucrungen auf unb überreichte ihr das Blatt. Ob sie wollte ober nicht, sie mußte cs lesen und telegraphirte dann den Inhalt an den Popa ihres Anbeters, wohin er adresstrt war. DaS ging so mehrere Tage hindurch, bis der Papa nach Wien kam und feinen Sohn derb abkanzeUe. Genützt hat es aber trotzdem nichts. Da letzteren daS Fräulein noch immer Mcht erhören will, telegraphirt der Herr Studiosus noch immer, jedoch nicht mehr an feinen Vater, sondern an feinen Onkel

sTürk.sche G:nfur.] AuS Konstantinopel wird uns geschrieben: Die Zeit- schriftlieber Land und Meer" darf vorerst nicht mehr hier eingeführt werben. Einige B'lber, in denen Muhammed, her heilige Prophet des Islams, mit mageren «einen und bergt, dargestellt war, haben im JtldtSkiosk Anstoß erregt und bas Verbot hervorgerufen.

Handel und Verkehr.

Limburg, 24. December. Rother Weizens 13.90, weißer Weizen JL 00.00, Korn JL 10 60, Gerste JL. 9.50, Hafer Ji. 0.00, Kartoffeln ä 100 Pfund JL 0.00, Erbsen L 100 Pfund 00.00.

i oLoi -üe .lohe Oer ixoeien, waten«. tiie uoK<st^ «mx u.

jdor mehre Zeitungen verursacht, wird mar: sich niemals sehen, wenn anv

7on der Annoncen - Expedition von El AAS fcri, 8 TBS IX' >

Frankfurt a. Ni. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Aeekunft einfordert, die auch Hinsicht» der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blütter auf Grund reiekü?

Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen ztrverläaeigen Bath srthellt

Auszug aus den Staudesamtsregistern des Standesamts Gießen.

Eheschließungen.

D-cember: 21. Gendarm Heinrich Dörr mit Marie Katharine Hamel, Tochter des Oeconomcn Ebeih.rd Hamel au Güßen. 24. Schneider Alexander Schmucker mck Margarcthe Arnold zu Gießen. 24 Schuhmacher Hermann Schäfer mit Luise Arnold Zu Gießen. 26. Handschuhmacher Gustav Julius Enke mit Marie Wilhelrnme Krell, geb. Bach, Wittwe des Handschuhmachers Karl Ehregott Krell zu Gießen. 26 Oeconom Wilhelm Karl Lindenstruth mit Henriette Weller, Tochter deS Fuhrmanns Philipp Weller zu Gießen- 26. Kaufmann Friedrich Ludwig Richard Volck zu Berlin mit Marie Lu se Agnes Flory, Tochter des Obertelegraphen-Asststenten Christian Friedrich Ferdinand Flory zu Gießen.

Geborene.

December- 14 Dem Tag'ökmer Johann Eberhardt von Langd ein Sohn, Johannes. 16. Dem Arbeiter Philipp Otto eine Tochter. 18. Dem Postschaffner Georg Wilhelm Kumpf ein Sohn, G org Wilhelm. 20. Dem Postst cretär Karl Wrrnrr e'ne Tochter. 21. Dem Schriftsatz r Johann Richard Peterw.ann eine Tochter. 21. Dem Oeconomen Georg Brömer eine Tochter, Marie. 21. Dem Schuhmacher Max Srmon ein Sohn. 22. Dem Locomotivheizer Heinrich Amend ein Sohn. Karl.

Gestorbene.

December: 20. Schneider Wilhelm Koch, 22 Jahre alt, von Obbornhofen. 21. Heinrich Martin, 1 Jahr alt, Sohn des GlastrmeisterS Hermann Scherff. 21. Recha. 3 Monate alt Tochter des MetzgerS David Löwenstein. 22.' Metzgermeister Georg Malkornestus, 48 Jahre alt. 22. Dienstmädchen Elifabethe ForrnbalS. 21 Jahre alt, Tochter des verstorbenen Maschinenputzers Heinrich Formhals. 23. Wllhelmive Mathilde, 1 Jahr alt, Tochter des GastwirthS Ernst Jughard.

DM" Der Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde Gießen erscheint in der nächsten Nummer.

Kirchliche Anzeigen -er Dtadt Greffen.

Evangetischr Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag nach Weihnachten. 28. December.

Vormittags 9*/2 Uhr: Pfarrer Dr. Nauman n.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldcy.

Am Mittwoch, den 31. December, Sylvestertag, wird Abends 6 Uhr ein Gottes­dienst gehalten-

Am 9teujahrstag wird nach beiden Gottesdiensten eine Kollekte für die Armen unserer Gemeinde erhoben.

Die am 1. Weihnachtsfciertag für die hiesige Kleinkindcr-Bewahranstalt erhobene

Kirchenkollekte betrug 48 JL 83

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 28. December bis 3. Januar besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Altkatholischer Gottesdienst

Sonntag, 28. December, Vormittags 11 Uhr, Hochamt und Predigt in der Stadtkirche.

Montag, 29. December, Vormittags 9 Uhr, eine Seelenmesse für den verstorbenen Pros. Dr. Anton Bernhard Lutterbeck, ebendaselbst.

Jnr gest. BeachtnnG.

Schrfftliche Anfragen wegen Auskrlnstserthrffnng über Jnferstc rc. können nur dann beantworten, wenn denselben,eine Freimarkc für bk Rückantwort beiges^ ist. Ueber Inserate bezüglich deren Offerten einMttrchsn find, ist die Gx^'dr4e«n y<. keinerlei AuskltnstsertheiUulgen bcfvgt. OffertenOrie^e sind soweit keine npo<'nt6^ilini>r> Abmach"na-'n rn>!rh?H in __________

Brodpreise

vom 28. December 1884 bis 11. Januar 1885.

der Bäcker H

1 Kar. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27

2 (4 Pfd.) Weißbrod .... 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48

1 (2 Pfd-) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

bei K- Haas ....... 64

der Brodverkäuser

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27

2 (4 ) .....54

1 (2 ) Schwarzluod 1. Sorte 24

2 , (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte 48

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte

1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte

Gießen, den 27. Dezember 1884.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. F.resenins.