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Sonntag den 26. October
Nv. 251 Zweites Blatt
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Erscheint tLski^ mit Ausnahme d«s MoMags-
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Wochenschau.
Gießen, 25. Octobst.
Seit Donnerstag weilt Kaiser Wilhelm wieder in Berlin und sind nunmehr die diesjährigen größeren Reisen des Kaisers zu ihrem Abschluß gelangt; auf der Rückreise von Baden-Baden wohnte er der Goldenen Hochzeit des Fürstlich Hohsnzollern'ichen Ehepaares in Sigmaringen bei. Gleichzeitig mit seinem kaiserlichen Vater ist auch der Kronprinz wieder in Berlin eing-' troffen, wo seiner als Präsident des preußischen SiaatSrathe«, dessen Eröffnung am heutigen Samstag durch den Kronprinzen erfolgt ist, neue wichtige Pflichten harren.
Dem ernsten und von weittragenden politischen Folgen — wenn sich dieselben auch erst später bemerkbar machen werden — begleiteten Ereignisse, welches den Uebergang aus der vorigen in diese Woche bildete, dem Ableben des Herzogs Wilhelm von Braunschweig, waren zum großen Theile die Betrachtungen der Tagespresse in dieser Woche gewidmet. Einen bemerkenswerthen Commentar zu der braunschweigischen Thronfolge-Frage bringt die „Nordv. Allg. Ztg." in ihrer Abend-Ausgabe vom 22. October an leitender Stelle. Das osficiöss Blatt schreibt, es wolle heute nicht die rechtliche Seite der Frage berühren, welche der Entscheidung des Bundesrathes unterliege, sondern lediglich auf die politische Seite eingehen, welche die gedachte Frage durch das Verhalten der Hannoversschen Welfenpartei gewonnen. In politischer Hinsicht dürfe man sich nicht über die Gefahren täuschen lassen, welche dem Reiche drohten, wenn ein Anhänger der Welsenpartei als Herzog von Braun- schweig souveränes Reichsmitglied würde. Die landeshoheitlichen Rechte, die er als solcher in einem bestimmten Bezirke ausllbe, würde er benutzen, um seinen Hos zum Crystallisations-Punkte sür Welfenumtriebe hinzugeben und unter der herzoglich braunschweigischen Autorität die Mittel vorzubereilen, um die Pläne der Welfenpartei zu verwirklichen, sobald anderweitige Complicationen des deutschen Reiches den Moment dazu günstig erscheinen ließen. Das Programm und die Haltung der Welfenpartei haben das Reich in die Unmöglichkeit versetzt, diesen Bestrebungen einen archimedischen Punkt zu gewähren, wie ihn die Rest- denz eines souveränen Parteimitgliedes in Braunschweig geben würde. Das sieht freilich nicht darnach aus, al« ob Preußen den Ansprüchen des Herzogs von Cumberland auf den braunschweigischen Thron sehr entgegenkommen würde! Mittlerweile conserirt der welfische Thronprätendent in seiner „Residenz" Gmun- den in Oesterreich mit Excellenz Dr. Windthorst über die Lage und darf man wirklich begierig sein, zu erfahren, welche Vorschläge der gewandte Führer des Centrums dem Herzog von Cumberland gemacht hat.
Die Leiche des Herzogs Wilhelm ist Mittwoch Mitternacht mittelst Extrazuges von Sibyllenort in Braunschweig eingetroffen. Die feierliche UebersAhrung der hohen Leiche vom Bahnhose nach dem Residenzschloffe erfolgte gemäß' dem Programm, welches zwischen dem Regentschaftsrath, resp. dem Staatsdninisterium und dem General v. Hilgers vereinbart worden war. Dis Beisetzung der Leiche im Dome sollte nach neueren Bestimmungen nicht Samstag, NpchtS, sondern bereits am Mittag des genannten Tages vor sich gehen 'sämmtliche deutsche und auch eine Reihe auswärrliger Höfe sind hierbei vertretem, der Berliner Hof läßt sich durch Prinz Albrecht von Preußen, der Wieners durch den Erzherzog Ferdinand d'Este vertreten. Das welfische Ge- sammlihaus wird hierbei durch den greisen Herzog v. Cambridge repräsentirt.
-Der Reichskanzler hat nunmehr dis ländliche Zurückgezogenheit von Friedri,Ichsruhs wieder mit dem Geräusch der Reichshauptstadt vertauscht, wo er am Dsiienstag Nachmittag mit seinem zweiten Sohne, dem Grasen Wilhelm, -ingetroMen ist. Die verschiedenen zur Zett schwebenden Fragen der inneren und auswärtigen Angelegenheiten machen allerdings die Anwesenheit des leitenden Stt-gaLsmannes in Berlin dringend nothwendig. In ersterer Beziehung sind es die braunschweigische Affaire, dann die bevorstehenden Wahlen nebst den Vor- bereitunstgen für die Arbeiten des künftigen Reichstages, die Berathungen des preußischen Staatsrathes u. s. w., welche die Thätigkeit des Fürsten Bismarck in Anspruch nehmen, während dies nach Außen in erster Linie mit der Congo- Consererhjiz der Fall ist. Dem Zusammentritt derselben kann man wohl baldigst entgegen^lsehen, da jetzt neben England auch die nordamerikanische Union ojficiell ihren Beitritt zur Conserenz erklärt hat.
L/^ie ab gelaufene Woche ist die letzte vor den Wahlen, nächsten Dienstag fällt die Entscheidung. Möge jeder Wähler, der treu zu Kaiser und Reich hä^lt, an diesem Tage voll und ganz seine Pflicht thun!
J'^.n österreichischen Kaiser st aate wird der politische Schwerpunkt für die rtvächste Zeit in Pesth liegen, wo am künftigen Montag die Delegationen beider Rt nchshälsten zu einer neuen Session zusammentreten. Zugleich mit den Delegationen wird das ungarische Abgeordnetenhaus forttagen, in welchem in den näck»? -sten Wochen wohl die Debatten über den vom Ministerpräsidenten Tisza eingebrc Achten Gesetzentwurf, betr. die Reform des Oberhauses, die Hauptrolle spielen i Serben. Großes Aussehen erregt die Entdeckung, daß hohe Polizeibeamte in Pesth^ , und auch Geheimpolizisten, mit einer weitverzweigten Diebes- und Gaunerb ande in engster Verbindung gestanden haben; die betr. Beamten sind bereits i-a Untersuchungshaft genommen. ,
<y un Frankreich ist die ostasiatrsche Frage und specrell tue Tongkmg- Affaire^ brennender geworden, als je. Trotz der jüngsten Waffenerfolge des französi Aschen Expeditionscorps in Tongking über bie Chinesen drmgen diese immer .wieder vor und erst in den letzten Tagen meldet eme Depesche der
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh», Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf.
Generals Stiere ds l'Jsls das Auftreten starker chinesischer Streitkräfte int Delta des Rothen Flusses. Offenbar erweist sich das Expeditionscorps Btists'S zur Vornahme durchgreifender Operationen als zu schwach und die großen Pariser Blätter fordern ohne Ausnahme zur Absendung hinreichender Verstärkungen nach Tongking auf. Das Journal „Paris" schlägt die Absendung eines Corps von 10,000 Mann vor, von denen General Briete 7000 und Admiral Coutbet 3000 Mann erhalten soll. Das Blatt meint, die Kammern würden ihre Zustimmung nicht versagen und für diese Annahme spricht allerdings der Umstand, daß bei dem in der französischen Devutirten- kammsr am Dienstag vorgekommenen Wahlen zu der elfgliederigen Commission die Anhänger des Ministeriums Ferry die Majorität erhielten. Das Gerücht von einem Conflict zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Kriegsminister erhält sich, da letzterer ein ganzes Armee-Corps mobilisiren und nach Tongking schicken will, während Ferrp vor einer so weittragenden Maßregel noch zurückschreckt.
Das Ereigniß der Woche jenseits des Canals ist bet am Donnerstag erfolgte Zusammentritt des englischen Parlaments zu einer außerordentlichen Session. Heftige Redekämpfe zwischen den liberalen und den con- servativen Parteiführern, an denen sich auch die Mitglieder des Cabinets Gladstone lebhaft bsthsiligtsn, sind der neuen Session vorausgegangen und werden jedenfalls auf der parlamentarischen Tribüne ihre Fortsetzung finden. Neben der Wahlreform dürften auch die egyptischsn Angelegenheiten zu scharfen Debatten führen. Offenbar, um in letzterer Beziehung Stimmung für Gladstone zu machen, hielt am Dienstag der Finanzminister Childers in Knottmg- ley eine Rede, in welcher er die Fehlschläge, die Mr. Gladstone in diesem Jahre bezüglich seiner egyptischen Politik zu verzeichnen hat, auf französische Umtriebe zurückführte. — Dis längst signalssirte Ausdehnung des englischen Protektorats über die Südostküste von Neu-Gninea ist nun zur Thatsache geworden, indem das englische Kriegsschiff „Nelson" dieses Protectorat in der Oranjebucht proclamirt hat. , ■
Der glänzende Wahlsieg der belgischen Liberalen bet den Comniunalwahlen hat die politische Situation in Belgien wesentlich verändert. Eine theilweise Umbildung des Cabinets gilt als sicher, dagegen werden die Gerüchte, daß das gesammte Ministerium Malve. zurücktreten wolle, entschteden dementirt. Ruhestörungen werden aus Courtrai, wo die katholische Partei gesiegt hat, ferner aus Hasselt und einigen Ortschaften in der llmgegend von Mecheln gemeldet. .
In Rußland sind den Studentenunruhen von Kiew solche in Moskau gefolgt, in Folge deren dort 110 Personen, größtentheils Studirende, verhaftet wurden. Nach neueren Meldungen ist die Ruhe an der Moskauer Universität wieder hergestellt.
Das serbische Ministerium hat durch den Rücktritt des Flnanz- ministers Pavlovics eine theilweise Umgestaltung erfahren. Der Ministerpräsident Garaschin übernimmt neben dem Auswärtigen auch die Finanzen, Caffationsrath Rayonic ist zum Minister für Volkswirthschaft und Ministcrial- secretär Popovic zum UnterrichtSminister ernannt worden. Dis übrigen Minister behalten ihre Portefeuille.
Dis egyptifchs Mission Lord Northbrooks ist nun zu Ende und wurde derselbe am Mittwoch Vormittag vom Khedlve in Abschieds- audienz empfangen-__
vermischtes.
— Prinz W lhelm hielt, wie mehrfach erwähnt, mit dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich in diesen Tagen eine Jagd auf Elchwild ab, das in Deutschland A'gen- wärtig nur noch in einem engen Winkel im äußersten Nordosten, in dem Revier Jbenhorst bei Memel, im Regierungsbezirk KöntgSb^g, ^rkommt und auch hier nur unter dem Schutze strenger Gesetze erhalten w'rd. Der ^benhorster Forst besteht aus 2000 Morgen höher gelegenen, mit Kiefern, Fichten und Birken bestandenen Landes, 6000 Morgen Torfmooren und etwa 40000 Morgen Erlenbruch mit «"gesprengten Birken und Eschen. Sumpf und Moor sind für das Elchwild so wesentlich wie der Wald und wenn man den Büffel das „Sumpfrtnd" nennt, so verdient das Elch die Bezeichnung „Sumpfhirsch". Derselbe bewegt sich denn auch im Sumpf mit derselben Virtuosität wie der Büffel, schwimmt nicht blos ausgezeichnet, sondern kreuzt selbst den Morast. Der Elch läßt sich auf sehr verschiedenartige Weise zagen, wobei tedoch die Treibjagd den obersten Rang etnntmmt, die auch von den beiden fürstlichenl Jägern, dem Prinzen Wilhelm und Kronprinz Rudolf, für die bezeichnete Jagd gewählt ist. DaS Elchwild läßt sich gut treiben und hält, wie alles Großwild, gern seine Wechsel. DaS Wildpret eines zur rechten Zeit erlegten, nicht zu alten ElcheS darf als wohlschmeckend und nahrhaft bezeichnet werden und das Geäse. gut Subere tet, gilt als eine große Deltcatesse. Dasselbe gilt vom Knochenmark. Oberförster Axt in Jbenhorst, der Pfleger und Hüter des Elchwtldbestandes in Deutschland, hatte die Leitung der Jagden^auf^ Elchwttd ^brnommen ^^enschtrm-Leihinstitut, dessen wir erwähnten, ist nun unter Dein Namen „Pluvlus" mit 71 Ausgabestellen tn Cigarrengeschäften unb anderen Instituten und Verkaufslocalen tn allen Thcilen der Stadt eröffnet worden. Für die Benutzung eines Schirmes bis zu einer Stunde sind 10 -H zu entrichten, wobei^jedoch• Wnben von 11 Uhr Abends bis 8 Uhr Morgens nicht in Anrechnung kommen. DaS Abonnement pro Monat beträgt 1 X Bet der Entnahme eines Schirmes gee< roeld)C g„f. H.,m in
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