Wirt-, 24. October. AuS Hanoi wird von heule gemeldet, daß die letzten chinesischen Truppen, welche die Verschanzungen von Shu besetzt hielten, diese Stell» ungen w'eder geräumt haben.
Petersburg, 24. October. Der Kaiser begnadigte die in dem letzten HochverrathSproceß zum Tode verurteilten Vera Figner, Ludmilla Wolkenstein, Artilleriestabs-Kapitän Pochitonoff, Jnsanterie-Oberstlieutenant Aschenbrenner, Jnsanterie-Secondelieutenant Tichanowitsch und den Fähnrich des Flottensteuer- mannS-CorpS Huvatscheff zu lebenslänglicher resp. 15jähriger Zwangsarbeit. An dem ebenfalls zum Strange verurtheilten früheren Flottenlieutenant Baron Alexander Stromberg und dem Artillerielieutenant Rogatscheff wurde das Urtheil am 22. ds. vollzogen. Die übrigen Angeklagten, Kaufmannssohn Wassily Jwa- noff, Pnesterssohn Apollon Nemolowsky, Edelmann Wladimir Tschaikoff, Priesterssohn Dimitry Ssuromtzeff, Kausmannssohn Athanasy Spandoni Batzmandshi, Priesterstochter Linbow Tschemodanbwa wurden zur Zwangsarbeit von 4 bis 20 Jahren verurtheilt.
Kairo, 24. October. „Reuter's Bureau" meldet: Bei der Reduction der egyptischen Armee aus 3000 Mann werden alle englischen Ofstciere bis aus zwei verabschiedet.
New-Bork, 24. October. Gouverneur Cleveland verzichtete aus die gerichtliche Verfolgung veS gegen ihn stattgefundenen Angriffs. Der Attentäter wurde in Folge deffen auf freien Fuß gesetzt, nachdem er der Reue über seine That Ausdruck gegeben.
Konstantinopel, 24. October. Der Sultan verlieh dem Botschafter v. Radowitz die goldene Jmtiaz-Medaille. v
London, 24. October. Um Unterhause theilt Ashley mit, dat englische Protektorat aus Neu-Guinea erstrecke sich vom 141. Grade östlicher Länge bis an das Ostkap in der Goschenstraße und die benachbarten Inseln. Die Grenze im Innern hänge von lokalen Umständen ab. Ein Abkommen mit Deutschland, betr. die Occupation des nördlichen Theils der Insel Seitens Deutschlands habe die Regierung nicht getroffen. — Fitzmaurice erklärte, England beschicke die westafrikanische Conferenz in Berlin, ohne die jüngsten Arrangements, betr. den Nigerfluß, zu präjudiciren. Da die Conferenz allseitig angenommen, hätte England keine Vorbehalte gemacht.
Vermischtes.
— AuS Wiesbaden wird uns zur Richtigstellung der durch die Presse verbreiteten irrigen Nachricht, daß daS neu erbaute prachtvolle Hotel „Zum Englischen Hof" daselbst in Folge eineß vor einigen Tagen stattgehabten BranoeS detriebSunfähig geworden sei, mugetheitt, daß das Hotel vollständig intact geblieben und In seinem Betrieb nicht gestört worden ist. Der Brand, der sich auf dm Dachstuhl des Seitenflügels beschränkte, wurde Dank der ganz vortrefflich functtonirmden Löschapparate des Hotels rasch lokalistrt und gelöscht.
Nord hausen, 21. October. Im Kyffhäuserwalde ist heute der Revierförster Rosen auS Tilleda meuchlMgS erschossen worden und zwar wahrscheinlich durch einen Wilddieb. ES wurde die Spur etneS erlegten Stück WtldeS verfolgt und dabet im Dickicht die Leiche des Ermordeten, mit Laubblättern bedeckt, aufgffunden. Bei der Leiche fand sich ein Rock des Wilderers vor, dagegen fehlte der Rock des Forstmannes.
Potsdam, 22. October. Die gestrige dritte Königliche Parforcejagd, der zum ersten Male in diesem Winter der Protector dieser Retterjagden beiwohnte, fand leider ein trauriges Ende. Herr v. HagmS, Secondelieuteuant des ersten Garde-Felb-Art'llerie- Regtwmts, kam bet der Jagd zu Fall und brach den Arm. Er fuhr sofort zum Garnison-Lazareth hierher, ließ sich hier den Arm verbinden und sprach schon die Hoffnung aus, er würde io kurzer Zeit das Lazareth verlassen können, alS eine plötzliche Wendung zum Schlimmem in seinem Befinden etntrat und er bald darauf, 'uum vier Stundm nach dem Sturze, eine Leiche war.
Theater.
—d. Gießen, 25. October.
Eines der bekanntesten Lustspiele von Roderich Bcoedix, „Die relegtrten Studenten" ging gestern Abend über unsere Bühne.
Die Dtrection hatte in der Wahl des Stückes einen glücklichen Griff gethan; der Besuch war verhältntßmäßtg gut, namentlich war der Sperrsitz vollständig oußoerkauft. DaS Stück gehört, trotz de« Beifalls, den es überall findet, nicht zu den besten der Benedix'schen Lustspiele; es wird so viel darin vorausgesetzt, daß für eine eigentliche Handlung in dramatischem Sinne kein Raum bleibt. Doch werden wir dafür ent- schädigt durch eine Reihe ergötzlicher und fetnkomischer Semen. Der relegirte Studmt Reinhold Kronau kehrt, nachdem er die Welt zu Fuß durchwandert und zwar wenig Kenntnisse io Pandekten und Kirchmrecht, aber umsomehr LebmSerfahrungen und praktisches Wissen gesammelt hat, zu seinen Verwandten zurück. Diese, habgierig und geizig, behandeln ihn wie einen Landstreicher und verabreichen ihm einige Thaler alS sein Erbthetl. Sin glücklicher Zufall ließ ihn auf seiner Reise einer Dame daS Leben retten; er erhält eine Stelle als Amtmann auf deren Herrschaft; dieselben Verwandten strömen jetzt über von Liebesbezeichnungeu rc. und er soll gleich zwei Coustnm auf einmal heirathen. Diese aber haben jede eia Verhältnttz mit zwei Freunden Kronau's, die ehemals mit ihm relegtrt wurden und jetzt tüchtige Bürger geworden sind; er hilft dm Liebenden, dm Widerstand der Eltem zu brechen. Nachdem er erfahren, daß die vermeintliche Gesellschafterin, die er fett jenem UnglückSfall liebt und die seine Liebe erwidert, die Herrin selbst ist, spielt er eine stolze Wetgerungsscene L l» Major Tellheiw, um dann doch frmdtg Herrin und Herrschaft in Besitz zu nehmm — und der Schluß sieht die üblichen Brautpaare.
Daß Spiel des Herrn Hendrich war, wie immer in solchen Rollen, sehr gut und bis ins Kleinste ausgedacht; nur möchten wir ihm empfehlen, seinem an sich etwas eigenartigen SDjgan keinen Zwang anzuthun; das umgekehrte wäre anzuratben, wenn seine gestrige Sprache wirklich die natürliche ist. Die Leistung des Herrn Schwarz als Reinhold Kronau war die beste, die wir von ihm bis jetzt gesehen haben. Herr Herrmann (Born), Herr Hahn (Lindeneck», Herr Voigt tTannenheim) und Herr Sternke (Hirschbach) waren in Spiel und Maske recht gut. Herr Humbert (Stein) verdarb nichts, doch war er in Sprache und Spiel etwas befangen- Frau Größer (Frau Hirschbach) und Frl- Barnow (Frau Kronau) verstanden es vortrefflich, die Kampffcene, in der die Beiden über die Vorzüge ihrer Töchter streiten, mit echt weiblichem Feuer wiederzugeben und wurden durch reichen Beifall belohnt. Die Damen v- Ja gewann (K. Hartenbergs, Frl. Fr. Eng (Hedwig Kronau) und Frl. A. Eng fpielten ihre Rollen recht brav. — Trotz des guten Spieles der einzelnen Mitwirkenden können wir dem Ensemble-Spiel diesmal das Prädikat „gleichmäßig und flott" nicht ausstellen; der Dialog bei dem Familienrath ließ zu wünschen und auch über manchen andern Scenen schwebte so eine gewisse Unsicherheit, die dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen konnte.
Die diesjährige Wintcrmode für Damenhüte scheint in der That „pyramidal" werden zu wollen; läge es nicht im Interesse der verehrten Damen selbst, auch hier die schöne Sitte einzuführen, im Theater, wie dies ja auch in Concerten geschieht, un- bethürmten Hauptes zu erscheinen?
Handel und Verkehr.
Gießen, den25.October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund dL 0.95—1.08, Hühnereier pr. Stück 7—0 H, Käse St. 4—9 Käsematte 2—3 Erbsen pr. Liter 20 Linsen 26 H, Tauben per Paar 0,45—0,50 Hühner per Stück 0.90—1.20, Hahnen pr. Stück dl 0.60-1.00, Enten per Stück 1.30—1.50, Gänse per Pfund 42—54 H, Welsche JL 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfund 68—70 äu Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Schweinefleisch 54—60 Hammelfleisch 60—70 H, Kalbfleisch 56-60 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.00—4,o0, Milch per Liter 12—16 Zwiebeln per Ctr. dl 4,00-5,00, Weißkraut pr, Stück 4-9
— Das mechanische Theater des Herrn Poti har ft (in Oswalds Garten) steht von feiner früheren Anwesenheit Hierselbst noch in guter Erinnerung. Auch diesmal übt das reichhaltige Programm, welches Sehenswürdigkeiten der verschiedensten Art in sich schließt, eine große Anziehungskraft aus. Mit gespanntem Interesse bewundert man die verschiedenen Schauobjecte, bald die naturgetreue Wiedergabe von Landschaften und Scenen, bald die herrlichen Lichteffecte, bald die kunstvolle Mechanik der Figuren. Der Besuch dieses Theaters kann Jedermann empfohlen werden.
— Die auf OSwald'S Garten befindliche KunstanSftellung des Herrn Dölle können wir zum Besuche sehr empfehlen. Die Ansichten find Photographien und zwar Stereoskopenbilder, welche durch achromatische Stereoscopengläser betrachtet werden. Die Bilder weisen eine vorzügliche Schärfe und Plastik auf und sind selbstverständlich absolut naturgetreu, von den überaus zahlreichen Ansichten ist gegenwärtig die erste Serie ausgestellt, auf welche in diesen Tagen die zweite folgen wird. Wir haben die erste Serie gesehen, sie enthält meist die entzückenden Berglandschaften der Alpen und Italiens, sowie auch größere Sehenswürdigkeiten berühmter Städte. Unter ersteren dürften die Bilder des Montblanc-Gebirges besonders ivteressiren. Wir machen vor Allem daS gebildete Publikum auf diese Ausstellung aufmerksam, da sie auf jeden, der mit einigem Verständniß die verschiedenen Ansichten beobachtet, unbedingt bildend wirken muß. Ja, wenn man sich recht hineinzudenken weiß, macht man förmlich eine Reise durch aller Herren Länder — und fürwahr, diese ist billig und bequem genug; man hat nicht einmal von seinem Sitze aufzustehen, sondern kann alles vor sich vorbeiziehen lassen. — Sehr zu wünschen bleibt auch, daß seitens der Schulen ein reger Zuspruch stattfinden möge, Geographie, Geschichte und Kunst werden den Kindern dann mehr Interesse erwecken, da fie sich hier gleichsam verkörpert und in greifbarer Thatsache vorfinden.
An
die Mitglieder des evang. Kirchengessngvereins für Hessen.
Die Abhaltung unserer diesjährigen Generalversammlung war im Sommer l.J. — wie es 8 6 der Vereins-Statuten vorschreibt — im Anschlüsse an unser VI. Kirchengesangfest nicht zu ermöglichen. Wir haben daher nunmehr beschlossen, dieselbe auf Mittwoch den 5. November l. I. zu verlegen und laben unsere Mitglieder er- gebenst ein, sich am genannten Tage, Nachmittags ;2Vi Uhr, im Sitzungslokale des Saalbaues dahier einfinden zu wollen.
Mit der Generalversammlung unseres Landesvereins beabsichtigen wir zugleich daß 10jährige Stiftungsfest des evangelischen KirchengesangvereivS für Darmstadt zu verbinden, bestehend in einer Festfeier in der Stadtkirche, welche um 7 Uhr Abends ihren Anfang nehmen wird und einer derselben nachfolgenden geselligen Vereinigung im Saalbau.
Auch zu diesen beiden festlichen Veranstaltungen beehren wir unS, die Mitglieder de« Landesvereins mit der herzlichen Bitte um recht zahlreiche Betheiligung ergebenst einzuladen.
Wir werden unseren auswärtigen Mitgliedern auf Wunsch freie Quartiere zur Uebernachtung in Darmstadt zur Verfügung stellen und selbstverständlich bestimmte Plätze in der Kirche für sie reservirt halten.
Um alle erforderlichen Anordnungen rechtzeitig treffen zu können, bitten wir ergebenst um Anmeldung mittelst Postkarte unter der Adresse unseres Schriftführers Herrn Reallehrer Th. Becker bis spätestens am Samstag den 1. November. Dem Wunsche nach Gewährung freien Quartiers zur Uebernachtung könnte dabei durch daS einfache Wort „Quartier" Ausdruck verliehen werden.
Zur Erlangung etwa erforderlichen Urlaubs wollen sich insbesondere auch die Herren Lehrer im Dienstwege an die vorgesetzte Behörde wenden.
Darmstadt, den 20. October 1884.
güt den Vorort des evartgettscheit «irchensesang-Vereins für -efferrr
HallwachS, Geheimer StaatSrath. Dr. Bender, Gymnasiallehrer.
Becker, Reallehrer. Ewald, Ministerialsecretär. Keil, Mitprediger.
Dr. Sell, Superintendent.
Auszug aus bett Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute.
Den 18. Oktober. Max Hermann Eduard Karl Friedrich Bücking, Forsiaccesfist zu Darmstadt und Karoline Anna Emilie Ottilie Nanny Gail, Tochter deS Rentners Ferdinand Gail zu Gießen.
Den 19. October. Friedrich Wilhelm Schreiber, Bierbrauer und Henriette Johanna Mohrherr, Tochter des verstorbenen TaglöhnerS Christian Mohrherr zu Biedenkopf.
Den 22. October. Wilhelm Zöll, Schreiner, ein Wittwer und Dorothea Vaubel, geb. May, Wittwe.
Denselben. Peter Gibb, Hilfsführer, ein Wittwer und Katharine Euler, Tochter deS Ackersmanns Christian Adam Euler zu Grüningen.
Getaufte.
Den 19. October. Dem Schuhmacher Heinrich Saud ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geboren den 13. September.
Denselben. Dem Fuhrmann Wilhelm Wilke eine Tochter, Elisabeth, geboren ben 15 September.
Denselben. Dem Fabrikant LouiS EmmeliuS eine Tochter, Emma Sophie, geboren den 5. September.
Den 23. Oclober. Dem Second-Lieutenant Adalbert Rudolph ein Sohn, Adalbert Willy Max August Lorenz, geboren den 3. September.
Beerdigte.
Den 19. October. Katharine Hofmann, geb. Kramer, alt 47 Jahre, starb den 17. Oktober.
Den 21. Oktober. Elise Wienhold, Tochter des zu HerSfeld verstorbenen Pfand- meisters Friedrich Wienhold, att 65 Jahre, starb den 19. Oktober.
Denselben. Konrad Rinn, Oeconom, alt 70 Jahre, starb ben 19. Oktober.
Den 23. Oktober. Marie Müller, geb. Schneider, Wittwe des Schäfers Peter Müller, alt 65 Jahre, starb den 21. Oktober.
-= Sprachführer. =-
Praktisch und leicht fasslich.
Parlez-vous fran<?ais? (Franz.) 13. Aufl. Geh. dl. 1.80, geb. JZ.2.40 Do you speak English? (Engi.) 12. Aufl. Geh. dl. 1.20, geb. 1.80 ^Ha bla V. castellano? (Span.) 3. Aufl. Geh. dl. 1.20, cart. dL 1.50 Paria le italiano? (Ital.) 5. Aufl. Geh. «X 1.20, cart. dl. 1.50.
Falla Vmce por t uguez? (Portag.) Geh. dl. 2.50.
Spreekt Gij de Hollandsche laal? (Holl.) 2. Aufl. Geh. dL 1.50.
Taler De Dansk? (Dän.) Geh. dL 1.50.
Talar Ni swenska? (Schwed.) Geh. dl. 1.50.
Tud ön magy arul? (Ung.) Geh. dL 1.50.
Möwisz Pan po polsku? (Poln.) Mit Aussprache. Geh. dL 2.
Srechen Sie russisch? 2. Aufl. Mit Aussprache. Geh. dL 2.50.
Türkd sehe söj lemisiniz? (Türk.) Geh. dl. 2.50.
Omilite Ellinika? (Neugriech.) Geh. dl. 2.50.
Leipzig. C* 4* Äoch'* Verlag.
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Zur HerbW Herrenhi fi nabenhi und Fo Damenhfi Formen M den billigsten
Es werd, Me in die moi gepreßt.
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