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H. Adame.

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Nr. 20.

Donnerstag den 24. Januar

1684

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Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.

Vurean: Schul st raße 7.

Erscheint -Äglich mit Ausnahme des Montags.

PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerkohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstand des Vereins für Geflügel- und Vogelzucht in Mainz die Erlaubnis, ertheilt, gelegentlich seiner vom 15.19. März d. I. abzuhaltenden Ausstellung eine Verloosung von Geflügel, Vögeln rc. zu veranstalten, und zwar unter der Bedingung, daß höchstens 8000 Loose L 50 H ausgegeben und mindestens 60% des Brrttoerlöses Aus den Loosen zum Ankauf der Gewinngegenstände verwendet ^werden. Der Vertrieb der Loose ist im Großherzogthum gestattet.

Gießen, den 22. Januar 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann._____ _____________________ _ ____________________

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Pserdemarkt-Comitö in Caffel die Erlaubniß zum Vertrieb von 500 Loosen ä 3 JL sür die am 28. Mai d. Js. zu Cassel stattfindende Verloosung von Pferden rc. in den Kreisen Gießen und Alsfeld ertheilt.

Gießen, den 21. Januar 1884. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________________ Dr- Boekmann. _____________________________________

Bekanntmachung.

Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 18. Juni 1883 genehmigt, daß der zur Bestreitung der Kanzleikosten Großherzoglicher Handelskammer für das Rechnungsjahr 1883/84 noch fehlende Betrag von 970. auf die Wahlberechtigten zur Handels­kammer ausgeschlagen werde, auch das betreffende Hebregister durch Verfügung vom 18. Januar l. I. für executorisch erklärt hat, legen wir dieses Register 8 Tage, vom 23. bis zum 31. d. M. auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht der Interessenten offen. Einwendungen und Beschwerden gegen dieses Hebregister müssen während dieser Frist bei uns vorgebracht werden, andernfalls solche keine Berücksichtigung finden.

Gießen, den 20. Januer 1884. Großherzogliche Handelskammer

Ed. Silbereisen.

Politische Ueberstcht.

Gießen, 23. Januar.

Es ist nicht zu leugnen, daß der politische Horizont nicht frei von sog. dunkeln Punkten ist. Die Krisis in Spanien muß schon um deshalb Be­sorgnisse einflößen, well die französische Presse gar kein Hehl daraus macht, daß die französischen Sympathien auf Seiten derjenigen Elemente stehen, welche die öffentliche Ruhe in Spanien bedrohen. Die Angelegenheiten in Egypten müssen der englischen Negierung schwere Sorgen machen; aber die Ereignisse, die sich dort abspielen, sind wohl geeignet, auch außerhalb Englands ernsthafte Auf­merksamkeit zu erregen, da in demselben der Keim neuer Verwicklungen zwischen England, Frankreich und der Türkei liegen könnte. Die Tongkingfrage endlich ist, nachdem die Chinesen die Absicht zu erkennen gegeben hatten, durch Sper­rung des Kantonflusses eine Art von Kriegszustand in den Vertragshäsen von Kanton herzustellen, in ein Stadium getreten, das sämmtliche mit China Handel treibende Mächte in Mitleidenschaft zu ziehen droht. Trotz alledem herrscht augenblicklich keine tiefer gehende Beunruhigung. Was Spanien angeht, -so hält man es für wahrscheinlich, daß die Energie des wohlberathenen und vielfach gewarnten Königs eines drohenden Ausstandes vor dessen Ausbruch Herr werden dürste. In Bezug auf Egypten will man in der Entsendung Gor- don's ten Beweis erblicken, daß England dort thatkräftig einzugreifen beabsich- -tigt, wogegen man den französischen Einmischungs-Gelüsten keine zielbewußte Beständigkeit zutraut. Die chinesischen Angelegenheiten endlich werden sich vor­aussichtlich noch lange hinziehen und in erster Linie wohl nur den französischen Steuerzahlern empfindliche Schtnerzen verursachen. Der europäische Friede aber, und der ist schließlich die Hauptsache, wird von keiner Seite als ernstlich ge­fährdet betrachtet, und die Reise des Herrn v. Giers nach Wien, die Versetzung des Grasen Herbert Bismarck nach Petersburg werden als Zeichen angeführt, daß die Beziehungen zwischen den drei Kaiserreichen augenblicklich als mehr be­friedigend zu bezeichnen sind, als dies seit langer Zell der Fall gewesen war. Unter diesen Umständen sieht man dem kommenden Frühjahre, das im Herbste noch manchem Politiker als gefahrbringend erschien, mit der Zuversicht entgegen, daß es dem allgemeinen europäischen Friedensbedürfniß entsprechend ohne Störung des Friedens vorübergehen werde.

Der Ausgang der jüngstenCulturkampf-Debatte" im preußischen Abgeordnetenhause hat nicht überrascht, denn die Ablehnung des Reichensperger'jchen Antrages konnte von vornherein erwartet werden. Wenn es überhaupt etwas Ueberraschendes an diesen ganzen Verhandlungen gab, so war es die feste, selbstbewußte Haltung, welche der Cultusminister v. Goßler zur Schau trug. Das Centrum konnte aus den Erklärungen desselben deutlich entnehmen, daß es $für die Regierung denn doch eine Grenze in ihren Con- cessionen in der kirchenpolitischen Frage giebt. Namentlich machte die entschie­dene Erklärung des Ministers, daß an eine Begnadigung der Erzbischöfe von Köln und Posen nicht zu denken sei, tiefen Eindruck und es dürste deshalb die Schroffheit nicht verwundern, mit welcher der Abg. Windthorst den Ausfüh­rungen des Herrn v. Goßler entgegentrat. Es sind lange nicht so scharfe .Wor^.7 zwischen Ministertisch und Centrum gefallen, als am Freitag und Samstag und nach der Meinung des Abg. Windthorst stehen wir vor einer neuen Aera des Kampfes auf kirchenpolitischem Gebiete; die Chancen des Cen­trums sind indessen unleugbar gefallen und es bleibt abzuwarten, ob dasselbe wirklich in die alte entschiedene Oppofitionsstellung gegen die Regierung zurück- hehren wird.

In der badischen zweiten Kammer ist am Samstag die Inter­pellation Pflüger über Aufhebung der geheimen Abstimmung bei den Reichs­tagswahlen zur Verhandlung gekommen. Der Staatsminister Turban erklärte, .daß ein solcher Antrag beim Bundesrathe bisher nicht gestellt und Die badische Regierung daher noch nicht in die Lage gekommen sei, zu der Frage Stellung zu nehmen. Die Interpellation wurde alsdann einer längeren Besprechung unterzogen, in der sich sämmtliche Redner, klerikale sowohl als auch demo­kratische und liberale, für die Aufrechterhaltung der geheimen Wahl erklärten, mit besonderer Schärfe der Führer der nationalliberalen Partei, Abg. Kiefer. Der. entschiedene Widerspruch, der sich von allen Seiten bei der Ankündigung des Ministers v. Puttkamer von der Eventualität einer Abschaffung der gehei­men Wahl erhoben hat und in der badischen Kammer lebhaften Ausdruck fand, wird hoffentlich seine Wirkung an .maßgebender Stelle nicht verfehlen. Es scheint uns undenkbar, daß wirklich ein derartiger Antrag an den Bundesrath kommen sollte.

In jüngster Zeit machen die angeblichen Verschiebungen in den Partei­verhältnissen Württembergs viel von sich reden. Es heißt, daß sich eine An­näherung der deutschen Partei, welche die gemäßigten Elemente, sowohl nach conservativer als auch liberaler Richtung hin, umschließt, und der demokratischen Volkspartei bemerklich mache. Unter den Anhängern der letzteren soll sich ein gewisser Umschwung in nationalem Sinne bemerklich machen und feien nament­lich die jüngeren Führer von dem Bestreben erfüllt, sich dem Standpunkte der gemäßigten Partei zu nähern und die Politik der fruchtlosen, stets negirenden Opposition aufzugeben. Im Sinne der Erstarkung des Reichsgedankens wäre eine derartige Annäherung zwischen der deutschnationalen und der Volkspartei in Württemberg gewiß nur mit Freuden zu begrüßen.

Der russische Minister des Auswärtigen, Herr v. Giers, ist am Sonntag früh, von Stuttgart kommend, in Wien eingetroffen. Noch im Lause des Tages hatte derselbe eine Privataudienz beim Kaiser, welche 40 Mi­nuten dauerte, später conferirte der Minister mit dem Grafen Kalnoky über eine Stunde. Die Montags-Revue bezeichnet es als eine erfreuliche Thatsache, daß der diesmalige Besuch des Herrn v. Giers in Wien keine gewagten phanta­stischen Commentare hervorgerufen habe und daß die Beziehungen der beiden Kaisermächte, Deutschland und Oesterreich, zu Rußland als durchaus geregelte und freundschaftliche vorausgesetzt werden. Derart habe das deutsch-österreichische Bündniß seinen conservaliven Grundgedanken an der Stellung Rußlands erprobt. Rußland bekunde immer deutlicher seinen Entschluß, die Ausgabe steter Fühlung und Verständigung mit den beiden Kaisermächten allen einseitigen politischen Entscheidungen voranzustellen. Es sei demnach die Hoffnung berechtigt, daß dir einzelnen sich ergebenden Fragen immer mehr im Geiste praktischen gegenseitigen Wohlwollens aufgefaßt und behandelt werden. Es sei in'ö politische Bewußt­sein gedrungen, daß Gegensätze zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, welche nothwendig eine gewaltsame Entscheidung fordern, an sich nicht bestehen und nur durch eine selbstsüchtige begehrliche Politik geschaffen werden könnten.

In Spanien ist nunmehr ein conservatives Ministerium unter CanovaL de Castillo ans Ruder gekommen, nachdem die verschiedenen mit liberalen Mini­sterien unternommenen Experimente mehr oder weniger mißglückt sind. Castilla war schon einmal, vor 10 Jahren, Ministerpräsident, er führte den König Alfonso nach Madrid und unter seinem Regime begann Spanien auszublühen. Er ist ohne Zweifel der bedeutendste jetzt lebende spanische Staatsmann, dessen Bedeu­tung man auch in Spanien anerkennt; aber immerhin erscheint es noch fraglich, ob sein Einfluß so weit reicht, den mannigfachen sich in Spanien kreuzendem