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23.10.1884 Zweites Blatt
 
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Nr. 24l8

1884

Zweites Blatt. Donnerstag den 23. October

Ww?«0« t Schnkstraße 7.

(Srnfoint mit Nusmchmc des Monter--

Pret» vierreljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerkchn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark öO Pf.

Vermischtes.

Darmstadt- Ende 1882 waren in den 43 öffentlichen Sparkassen des Landes

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Politische Ueberficht.

Gießen, 22. October.

Der Tod des Herzogs von Braunschweig hat die braunschwei­gische Erbfolgefrage plötzlich mit in den Vordergrund der politischen Betrachtungen gerückt. Bezeichnend ist es, daß die bekannte Proklamation des in Braunschweig commandirenden preußischen Generalmajors Hilgers veröffentlicht wurde, noch ehe sich das braunschweigische Staatsministerium entschloß, den Tod des Herzogs osstciell zu verkünden. Es macht dies auf die braunschweigische Bevölkerung den Eindruck vollkommener Entschlossenheit der Reichsgewalt in der Thronfolge­frage. Der Satz in der Bekanntmachung des Generalmajors Hilgers, worin von demunbeerbten" Hinscheiden des Herzogs die Rede ist, erregt die allge­meine Aufmerksamkeit, weil man daraus entnehmen will, daß die Reichs- regierung von oer Ansicht ausgeht, es sei kein nachfolgeberechtigter Thronfolger vorhanden, während das Regentschafts-Gesetz vom 16. Februar 1879 aus der entgegengesetzten Annahme beruht. Daß man an leitender Stelle in Berlin durchaus nicht gesonnen ist, dem Herzog von Cumberland in der braun­schweigischen Thronsolgesrage Zugeständnisse zu machen, beweist die Mittheilung derSchles. Ztg.", wonach der Oberprästdent von Schlesien, v. Seydewitz, noch am Samstag im Schlöffe zu Oels erschienen ist und den Beamten der herzog­lichen Kammer erklärt hat, daß er vom Minister des Innern Auftrag erhalten habe, Namens Sr. Maj. des Königs und Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen von dem gesammten herzoglichen Grundbesitz, feudalen und allodialen, Besitz zu ergreifen; der Oberpräsident habe die Verwaltung bereits übernommen. Die Leichs des Herzogs Wilhelm wird wahrscheinlich am Mittwoch Abend von Sibyllenort in Braunschweig eintreffen und alsdann nach dem Residenzschloffe übergesührt werden. Die Landestrauer ist, wie weiter aus Braunschweig ge­meldet wird, aus die Dauer von zwei Monaten angeordnet worden.

DieKölnische Zeitung" ist in der Lage, mitzutheilen, daß zu­nächst die Neuschaffung eines kaiserlich deutschen General-Consulats in Capstadt kund" Ä feÄn ÄfWfcWWfl? verLst'we-dm sollen. Sicherem Vernehmen nach ist für diesen wichtigen Posten bereits em Vertreter ousgewählt und demselben schon jetzt der Charakter etites General-Consuls bei- «tert worden. Es ist der bisherige Consul in Smgapore, vr. jur. E. Bieber, ein Hanseate, der zuerst Rechtsanwalt in Hamburg war, dann in den Consulats- dienst des Reiches eintrat und sich in demselben er war ungefähr 9 Jahre in Singapore so bewährt hat, daß er in das Auswärtige Amt berufen wurde.' Der General-Consul Dr. Bieber ist ferner , als deutscher Commissar Ersehen, die schwebenden Fragen der englischen Ansprüche m Angra Pequena mit r®eenn?eS ungarischen Ministerpräsidenten, Herrn Tisza,

welche derselbe jüngst im ungarischen Reichstage bezüglich der Kaiser-Zusammen­kunft in Skierniewice abgegeben hat, beherrschen in ^Verreich-Ungarn noch immer die politische Discussion. Es unterliegt fernem Zweifel, daß Herr Tisza zu feinen Aeußerungen von Wien ausangeregt worden ist, zumal da der^Sec tions-Ches im Wiener Auswärtigen Amte, u. Szögyenyey < Manch, eigens nach Pesth gekommen war, um die Rede Tisza's mit anzuhoren. Die magijansche Oppositions-Preffe speit freilich Feuer und Flammen gegen H^°" besom ders die radikalen Blätter toben und Landespreisgebung ist das Wenigste was sie dem Ministerpräsidenten vorwerfen, aber auch die Organe der gemäßigten Ovvosition sind mit Tisza nicht zufrieden und werfen ihm vor, daß er heute ein- Meinung kundgegeben und morgen sich sagen lasten müsse, diese Meinung dürfe nicht so gemeint sein. Es beweist dies Alles indesten nur, w,e wemg noch in Ungarn Verständniß für die durch die Monarchen-Entrevue von Skier- niewiee geschaffene Lage vorhanden ist. ,js»er&srirarb

Die Differenzen des französischen FinanzmlNlsterS Llraro mit der Budget-Commission der Deputirtenkammer scheinen ihre gütliche Bei­legung finden zu wollen. Wenigstens schreibt derKemps', daß die Regierung und die Budget-Commission sich wahrscheinlich auf derBasis-neuer Ersparniste verständigen würden, welche Meldung man wohl in obigem Smnedeuten darf. Eine schwierige Frage bleibt es freilich, bei welchen Etatsthellen diese Erspar niste gemacht werden sollen. Die Commission hat hierbei den Manne- und den Heeres-Elat im Auge, aber weder der Marinemmlster Peyron, noch der Kriegsminister Campenon sind gewillt, sich an ihren Budgets Abstriche gefallen zu lassen und der letztere ist bekanntlich soeben erst nut einer Kreditnachforderung von 11 Millionen für Tongking vor die Kammern getreten. Wie die- Dmge aeaenwärtiq in Ostasien liegen, erscheint eine Redunrung des französischen KUeqs- und Marine-Budgets allerdings auch kaum räthlich und die Budget- Commission wird daher wohl oder übel ihre Abstriche bei anderen Etatsthellen vornehmen muffen. .

rtn Belgien ist am vergangenen Sonntag eine neue Wahlscylacht zwi- schen Liberalismus und Klerikalismus geschlagen worden. Diesmal spie te sich der Kampf im Schooße der Gemeinden ab und die Bedeutung der ftattgefun» Len Communaüvahlen dürste wohl schon aus dem Umstande erhellen daß während bis jetzt die Ernennung der Bürgermeister und Schöffen auf Vorschlag

«»=.««? ««»d-i »ich, «H«*»* "»« * Ler Schöffen aus dem Gemeinderathe hervorzugehen hat. Rach den bis i tz

vorliegenden Berichten scheint es, als ob bei den Communalwahlen im Allge­meinen die Liberalen den Sieg davongetragen haben. In Brügge, Nivelles, Hall, Oudenarde, Grammont und Furnes siegte die katholische Partei, dagegen wurden die liberalen Candidaten gewählt in Mons, Braine, Jemappes, Jodoigne, Ostende, Marche, Dixmude, Lüttich, Namur, Tournai, Nochefort, Löwen und in allen Vororten Brüssels mit Ausnahme von Ellerbeck; ferner in Arlon, Ver- viers, Dinant, Diest und Virton. In der Stadt Brüssel erwartet man eine Majorität von über 3000 Stimmen für die Liberalen, dieselben haben auch in Antwerpen eine Majorität von 1500 Stimmen.

Deröcumenische Patriarchenstreit" in Konstantinopel rst jetzt beendigt. Der Sultan empfing am Montag den zum öcumenischen Patriarchen ernannten bisherigen Metrovoliten von Derkon, Joachim IV.

Die Früchte der Mission Lord Northbrook's in Egypten lassen noch immer auf sich warten. Jüngst durchlief das Gerücht die Presse, Lord Norlhbrook habe der englischen Regierung Bericht über die egyptischen Angelegenheiten erstattet, was jetzt indessen von Kairo aus wieder dementirt wird. ES wird hierbei zugleich versichert, daß Northbrook's Bericht, sobald er fertig gestellt sein würde, doch nicht vor seiner Wiederankunft in England veröffentlicht werden würde. Wann überhaupt Lord Norlhbrook nach England zurückkehren wird, ist zur Zeit noch ungewiß, jedenfalls dürfte dies aber nicht vor Ablauf dieses Monats geschehen.

Univerfttäts- Chronik.

, Der städtische Musikdirektor L. Wolff in Bonn (früher in Marburg) ist zum llniversttats-Musikdirector ernannt und beauftragt worden, dcn fett Professor Breiden- ftein 3 Tod erledigten Lehrstuhl der Musikwissenschaft anzunehmen.

In Leipzig ist am Freitag ein zahnärztliches Institut der Universität eröffnet / worden; Direclor ist Professor Dr Hesse.

Zum Nachfolger des Professors Klinkerfues in Göttingen (des Begründers der modernen Wetterprognose) ist Hugo Gylden (geboren 1841 in Helsingfors), früher Observatm MHMawa^nd bis jetzt Dtrector der Stockholmer Sternwarte, be- elne Äa2SUnZ^ltÄßtaX"en"^^tof<ffor Lio. vr. Lemme Breslau Ist zum ordentlichen Professor in der evangelisch-theologischen Fakultät Bonn und der biSberiae Pr^essor an der Forstakademie zu Eberswatve, Dr. O. Breseld, -um otbenb liien Professor in der philosophischen Fakultät der Akademie zu Münster, der Geh. SUmtsarchioar Dr. R. Koser in Berlin ist zum außerordentlichen Professor daselbst ernannt_wo ben ordentliche Profeffor an der Universität Graz, Dr. M-

Wlassak, ist zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät zu Breslau er­nannt worden. Uniüerrt{ät8;8dwerefn in Krakau würbe in Folge Regierungsauftrags polizeilich geschlossen und der Secretär des Lesevereins, Mediciner Dabrowski, wegen foc!aI'fUf4<^UmtrteJ>e^e_rWUt.^^ ff|em ^röff-nklicht eine D-rft-lluna

über die bereits erwähnten Studenten xcesse bei der Jubiläumsfeier daselbst. Danach

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