Lokal-S.
Gießen, 20. April. Die gestern Abend im Caf6 Ebel tagende Generalversamm- hing der ^Nationalen und liberalen Partei" war zu dem Zweck etnberufen worden, die Ansicht des Vereins über seine Stellung zu der neuesten Parteibildung zu hören und derselben dann durch einen gemeinsamen Beschluß Ausdruck zu geben. Der Vorsitzende leitete die Verhandlungen ein mit einem Rückbl ck auf den ursprünglichen Zweck bei Gründung des „Vereins der nationalen und liberalen Partei" in Gießen, der eine Zusammenfassung aller liberalen Elements, der gemäßigteren sowohl als der fortgeschritteneren sein sollte, in Folge dessen sich auch die Stellung des Vereins nicht immer ganz mit der national-liberalen Froction des Reichstags gedeckt habe. Als aus der letzteren die Mitglieder der „liberalen Vereinigung" ausschieden, habe daher der Verein keine Veranlassung gehabt, sich dieser Thatsache gegenüber auszusprechen, resp. auf die eine oder die andere Seite sich zu wenden. Durch die weitere Schwenkung nach links, d. h. durch die Fusion von Forischrttt und Secession ergebe sich jedoch mit Nothwendigkeit die Pflicht der Stellungnahme. Redner geht dann auf die national- liberale Bewegung in Südwestdeutschland, speciell in der „hessischen Fortschrittspartei" über und spricht sein Mißfallen über die in derselben in der letzten Zeit hervortretenden Stiömungen aus. Sodann erhielt Herr Dr. Dittmar das Wort und verbre'ttte sich in längerer Rede über die Verhandlungen des Landesausschusses resp. über den Gegensatz der beiden sich bekämpfenden Richtungen, der auch auf der Landesversammlung zu Frankfurt sehr unliebsam hervorgetrcten. Hierbei wurden die beiden Erklärungen, die der Ausschußmajorität und der stark schutzzöllnerisch-agrarisch angehauchten Minorität einer eingehenden Beleuchtung unterzogen. Redner konnte mit Befriedigung constatiren, daß die von der Ausschußmajorität vertretene Richtung auf dem Parteitage in Heidelberg gesiegt und daß es, wenn auch noch längeren Anstrengungen, gelungen sei, den Landes- uusschuß in einer zweiten Sitzung zu einer einfachen Annahme des Heidelberger Programms zu bestimmen, vermehrt noch mit einem kleinen auf Hessen bezüglichen Zusätze.
Im Anschluß hieran empfahl dann der Vorsitzende mit einigen erläuternden Worten der Versammlung ebenfalls die Annahme des Heidelberger Programms. Von einigen Rednern wurde, trotzdem sie vielleicht für einen oder den andern Punkt eine andere Fassung gewünscht hätten, dem Vorschläge d'S Vorsitzenden beigestimmt, und so erfolgte denn nach kurzer Debatte die einstiwm'ge Annahme desselben.
Sodann erklärte man sich ebenso einmütbig für die Unterstützung der Kandidatur Gutfleisch, in der Erwägung, daß eS unmöglich sein werde, einen würdigen Ver« trfter unseres Wahlkreises, mit dem sich auch die nationalliberale Wählerschaft in vielen Anschauungen einig wisse, durch einen der Partei selbst angehörigen zu ersetzen.
Schließlich sei noch bemerkt, daß die Versammlung sich energisch gegen den unfreundlichen UKd hämischen, ja geradezu feindseligen Ton aussproch, der in der letzten Zett an die Stelle sachlicher Erörterung zwischen den liberalen Parteien getreten und an dem daS Gebühren der beiderseitigen Presse nicht unwesentlich Schuld trage.
Gießen, 21. April. Die gestrige Wäblervrrsammlung in Wenzel's Garten, in welcher unser Reichstagsabgeordneter, Herr Dr. Gutfleisch Bericht erstattete, war ganz außerordentlich zahlreich besucht. Unserer Schätzung zufolge wögen wohl 8—900 Personen tm Saale anwesend gewesen sein. Nachdem Herr L- Georgi die Versammlung eröffnet und die Anwesenden begrüßt hatte, wurde er zum Vorsitzenden der Versammlung erwählt und erthetlte derselbe hierauf Herrn Dr. Gut fleisch das Wort zum Vortrag:
Redner leitete seinen Vortrag ein durch den Hinweis, daß die Bildung der neuen deutsch-freifinnigen Partei eine Bewegung auch im hiesigen Wahlkreise hervorgerufen habe, angesichts deren er stinen sonst für das Ende dieser Session bestimmten Rechenschaftsbericht nicht habe verschieben wollen, da auch er zu seinem Erstaunen wegen seines Zutritts zu dieser Partei abfälliger Kritik unterzogen woiben sei. Er wolle indetz zunächst über die seitherigen Reichstagsverhandlungen berichten und erst am Schluffe Ole neue Parteibildung erörtern.
Die zweite Session dieser Legislaturperiode habe zunächst auf dem G<bicte des ReichShauShaltcs den wiederholten Versuch der Regierung zur Einführung zweijähriger Budgetperioden gebracht. Redner Hobe sich mit seinen Freunden diesem Versuche wid<r- * setzt, da er auS den seinen Wählern wiederholt dargelegten Gründen für jährl'che Be-' nr.lliguug deS RrickshauShaltes sei. Sachlich habe man an den zw»t successiv vor- gelegten Budgets für 1883/84 und 1884/85 richt« Erhebl'ch s beanstardet. Die Art, wie men liberalersiitS die Ansorderungeu des Heeres und der Marine nur mit Abstrichen ganz entbehrlicher Positionen bewilligt habe, entkräfte die oft gehötte Verdächtigung, alS erstrebe der Liberalismus die Schwächung unserer K-tegStOchtttzkett. — Die Herabsetzung der Gertcvtskosten habe man von Seiten der Liberalen wiederholt angrstrebt und bestehe Aussicht auf endlichen Elfolg bttfec Bestrebungen. Die stärkere Heranziehung deS mobilen Kapitales zur Steuer in Form e'ner Börsinstimr sei von Regierung und Conservattvco wiederholt v-rsucht worden; der Versuch sei nicht om Widerstände >er Liberalen, sondern an der Schwierigkeit praktischer Lö'ung der Frage gescheitert. Die mißliche Loge der ZuckerrübensttUkr sei Gegenstand von Verhandlungen gewesen, durch die zunächst eine mäßige H rabfttzung der Expottvergütung erzielt und wettere Steuer- veränderung ungebahnt ser. Vielleicht gelinge cs, die technischen Schwierigkeiten, die derzeit der FUbrikaifteuer entgegenslehen, zu überwältigen. Jedenfalls sei zu hoffcn, daß durch baldige Herabsetzung ober Beseitigung der Exportprämie die Zucker'ndufirie vor ungesunder, «ine bedenkliche KrisiS zeitigender Ausdehnung bewahrt werde, waS tm eigenste» Zvteresse dieser Industrie selbst gelegen sei. An den bestehende» landwirthschaftltchen und industriellen Zöllen sei von den Liberalen seither getreu dem Versprechen, dieselbe» ehrlicher Probe zu unterziehen, im Wescrtlichen nicht ceiüttclt worden. De» neu vor- Oeschlageaen Holzzoll habe man obgelehnt, nicht, weil man sich gru»dsätzlich fidem Schutzzölle, auch wenn er der Gesammtwohlfahrt diene, widersetze, sondern wett man Liese Wahruns der Gesammtwohlfahrt beim Holzzoll verwrsse; derselbe belaste selbst de« Aermsten für seinen Holzbedarf m Gunsten weniger Woldbesitzer; siin Schaden Merwiege den überdies zweifelhaften Vorthett erheblich. DaS Tobakmonopol habe man Slßcklich mit 277 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Die Wiederholung der Vorlage fei
1* fürchten und eine Wahrung hiergegen um so uöih ger, weil die bedauerliche Hgrteiztrsplitterung. besonder« aber daS Bestehen einer hnnd«t Mitglieder zählende» Apolitischen rein kirchlichen Fraction die bedenklichsten Adsttmmuvgsrefultate ar«-o- tWt- — Knchliche Angelegenheiten hißten de» Reichstag in den lcht« Sesfioae» nur ««l« in 8»fpru* genommen. Den Antrag aus strengere Sonntagtzfator baße «bgelehnt, «eil dem deutsche« Volke das SonvtagSv-rgnSgön nicht verkümmert, dasselbe Mcht auf die kirchliche SonntogSfeter beschränkt wer den solle. UebrigeuS sei bei z»eitcr Abstimmung eine allerdings bis sitzt wirkungslose kyuservotto - klerikale Mehrheit für Sie Sonntagsstrfvge zu Tage getreten, verschiedene Petitionen auf Aufhebung -er E vilehe habe Redner zum Referate gehabt. Die Petit'ovS - Cvmmisstsn habe auf seine» Astrag die Petitionen abgelehnt, weil man sich bk gute Errungenschaft der Zivilehe nicht nehmen lasse. Das V-rhällniß bc5 Staate« zur katholischen Kirche an- Langeud, sei euffchieden zu mißbilligen die diskretionäre Handhabung dcr Kirchenaes/tze- man möge für oder gegen diese fein, ketnenfallS rinne man eS billigen, daß ihre Snl Wendung in s jeweilige Belieben der Verwaltuvgsbchöiden verstellt werde. Esser sringevd zu wünschen, daß ein Wcg gesund?« werde, der eS ermögliche, dsß die Größe und ausschlaggebeLde Bebeuiung ba- Centrumsfrakt'on auihöre, deren Bestehen für unfere ganze Parteientwicklung von nachthewgstcm Einfluß fei. Bei dieser Selraen- hett we.st Redner wiederholt mit Ecrtschievenhttt die immer wied»r im Wahlkreise ru agitatorischen Zwecken herumschlttchende Verdächtigung zurück, al« wen» er den Be- strebunrrn d-r Eentrumspartei irgendwelche Gunst erweise.
.. *7® •oj*'niatiosMiflflen des Reichstags erwähnt Redner dm von l beraler Sette
*. r* “5? ^'der immer noch nicht durchgedrmngenen auf Entschädigung uvichuldig Verurtheilter und dm von Seiten der Elfaß^Lothringer gestellten frflSLS?f<?eM Spache al« GeschäftSsvrache oeS Lande-aUß- ^oß-Lotdringe«. Er Hobe mit der Mehrheit des Reichstag« gegti letzter« «Oie8fl Stünhl« GmndsstzeS: ,Frstr Hand im Elsoffer Land, das
befte SJanbl DaS von der Regierung vorgttegte ReichSbeamten- utb SRHttätc
»obl nicht stoßen; doch könne u»d werde F*1 f^eraler Seite von dem verlangen nicht abftehen, daß bei dieser Gelegen- «2 Cowmuvalsteuerfreiheit der Officiere beseitigt werde, die zumal für deren St lS#Rmen*Cb<r EErsvreche. Bei der Novelle zur Gewerbeordnung
E ?Enchen uothwendigen Abänderungen der letzteren einverstanden gewesen, nicht aber mit den leider durch konservativ-klerikale Majorität angenommenen Ver- starkungen ^er Polizeibefugnffse in Bezug auf eine «roße Zahl von Gewerbtreibenden, tnsbesondere die Reisenden, Wirthe, Musikanten u. A. Die Einführung der ArbeitS- HLcher und der Zwangsinnungen habe man mit Erfolg abgelehnt.
Der Kranken« und Unfallversicherung stehe man nicht, wie vielfach behaupktt werde, aus liberaler Seite feindlich gegenüber; maa habe sich vielmehr und auch Redner persönlich vielfach und mit Erfolg an der Verbesserung der Krankenverficherungsoorlage bethriligt, arbeite auch redlich an der Unfolloerficherung mit und habe auS eigener Initiative einen Gesetzentwurf, betreffend die Unfallversicherung, bereits seit zwei Jahren vorgeschlagen. Wenn in Bezug auf letzteren bis jetzt immer noch nichts zu Standgekommen sei, so trage daran die wesentlichste Schuld der häufige W-chsil der Anschauungen der Regierung, die seit drei Jahren drei grundverschiedene Gesetzentwürs-: htnterrinander zur Vorlage gebracht habe. Lebhaft habe man Seitens deS Redners und seiner Freunde, wenn auch btS jetzt nur mit thettwelsem Erfolg die Einbeziehung aller, auch der lavdwirthschaftlichen Arbeiter in die Versichcrung erstrebt und speciell bei der Krankenversicherung die Localisirung dersklben auf die einzelnen Gemeinden, da nur bct dieser örtlichen Beschränkung diejenige Einfachheit der Einrichtung und Leichtigkeit der Kontrolle möglich fef, bei der allein die Krankenversicherung gedeihen könne. Beim Unfälle sei Redner für Fortdauer der bewährten und namentlich für die Verhütung des Unfalls w-rksamfttn Privatoersicherung.
Den neuerdings Dorgdegttn Gesetzentwurf, betreffend die Verlängerung des Soeialistengesetzes könne Redner nicht annehmen. Zunächst biete schon die Abgrenzung des Begriffes der socialdemokratischen Bestrebungen Schwierigkeiten, zumal seitdem der StaatSsoctaltsmuS mit den Socialdemokraten in Concurrenz getreten sei. Vielfach habe man daS Socialistengesetz auch gegen die Liberalen auSgebeutet. Sodann aber sei es überhaupt, wie schon das Beispiel des katholischen Index der verbotenen Bücher zeige, nicht zweckdienlich und nicht möglich, geistige Bewegungen mit berarhgni äußeren Maßregeln zum Stillstand zu bringen. Man unterdrücke die Bewegung an der Oberfläche-, sie wachse um so mehr im Geheimen, wo ihre Bekämpfung erschwert sei. Die strenge Handhabung des Gesetzes mache die Betroffenen zu Märtyrer« und wende ihnen die Sympathieen der Menge zu. In der That seien die Socioldemokraten zur Zeit, namentlich in Bezug auf die Zahl ihrer Vertreter im Reichstage, stärker aI6 vor dem Socialiften-Gesctze. Bereits im Mai 1878 habe dies der Führer der National- Liberalen, Herr von Bennigsen prophezeit, indem er sagte, „daß daS Socialistengesetz an Agitotionskraft für die Socialiften das überragt, was der bisherigen Agitation der Socialistrn durch das Gesetz entzogen wird." Auch die persönliche Sicherheit deS Kaisers werde durch das die Leidenschaften der Maffe und den Haß derselben gegen die Staatsgewalt erregende Ausnahmegesetz nicht gefördert, sondern gefährdet. Diese persönliche Sicherheit, welche jeder Patriot für den Kaiser von Herzen wünscht und erstrebt, wird am sichersten begründet durch weise und milde Gesetze und die dadurch gestärkte (Hebe des Volke« zum Kaiser.
Redner geht schließlich des Näheren ein auf die den jüngsten Tagen angehörende Vrldung der Deutsch-freisinnigen Partei. Zwei Drittheile der Liberalen des Reichstages haben sich unter diesem Namen zu gemeinsamer Thätipkeit vereinigt. Bereits am 12. Ium 1882 habe der Reichskanzler im Reichstage gesagt: „Eine Fraction ist gewissermaßen eine Satyre auf das Arndt'sche Lied: „Das Vaterland muß größer- lem, das ganze Deutschland soll es sein!"" Damals habe der Kanzler ausgerufen: „Hüten Sre sich vor der Zerfahrenheit, der unser deutsches Parteileben bei der «nglück- lrchen Zanksucht der Deutschen ausgesetzt ist". Desgleichen habe der Reichskanzler am 29. November 1881 gesagt: „Ich habe schon vor recht langer Zeit, im Jahre 1847 auf dem veremigten Landtage einmal meine Ueberzengung ausgesprochen, daß das englische System der Majoritätsregierung ein ganz zweckmäßiges fei, so lange cs nur zwei Fraktionen in der Hauptsache gegeben habe." Diesen Rathschlägen und dem eigenen Antrteb nach Einigung folgend, haben sich die Parteien der Sezession und des Fort- schrlttes vereinigt, nicht gewillt, die Zahl der Parteibildungen unnütz zu vergrößern, sondern bestrebt, den ersten und hoffentlich erfolgreichen Schritt zu unternehmen zur ®rnrpung aller Liberalen. Vorbereitet wurde dieser Schritt und zwar damals mit einfhntmtger Billigung aller Nationalliberalen durch den gemeinsamen Antrag der drer liberalen Partcierr, welcher im Winter 1881/82 auf Regelung der Unfallversicherung gestellt wurde Es war nur im Geiste dieser damaligen Einigung, wenn nun die förmliche Verbindung der Fraktionen erstrebt wurde. Unbegreiflich und im höchsten Grade bedauerlich und tadelnswerth aber sei es nun, wenn dieser Einigung jetzt eine gegenseitige Anfeindung der liberalen Parteien gefelgt sei, welche das direkte Gegentheil der versöhnlichen Absichten darstclle, aus denen die Parteieneinigung entsprungen ser. Redner werde sich dieser fraktionssüchtigen Richtung nie auschließen; er bestreite auch, daß bie überwiegende Zahl seiner politischen Freunde andere Gesinnung habe, als die, ln redlicher Gemeinschaft mit allen wirklich Liberalen der Wohlfahrt des Volkes zu bienen, gleich ferne von grundsätzlicher Opposition gegen die Pläne des Reichskanzlers, wie von blinder Befolgung seiner Wege. Die Form, in der einzelne Mitglieder der neuen Partei seither ihre politische Thätigkeit geübt haben, mißfalle auch ihm; er sei aber der sicheren Zuversicht, daß die Taktik der jetzt vereinigten Partei eine andere, rem sachliche sei und der Einfluß extremer Richtungen naturgemäß durch die Größe der Partei und die Persönlichkeiten ihrer derzeitigen Mitglieder zurückgedrangt werte. Er hoffe, daß auch die Negierungsvertreter zu mehr fachlicher Polemik zurückkehren werden und fei der bestimmten Erwartung, daß die Tl)ätigkeit der neuen Partei die Prophezeiungen zu Schanden mache, die ungerechter Weise schon zum Beginne der Parteibildung selbst von prlitisch Nahestehenden in die Welt gesandt würden. Die Billigung seiner Wähler für seinen Zutritt zur neuen Partei glaube er daher sicher erwarten ni dürfen, zumal er fein Streben nach Einigung aller Liberalen bereits im Jahre 1881 zmn Gegenstand feines politischen Programmes gemacht habe. Redner schließt mit dem herzlichen Wunsche, daß feine und seiner Freunde Bemühungen sich stets als förderlich erweisen möchten für die Wvhlsahrl des Vaterlandes.
Stürmischer Beifall lohnte am Schluffe des Vortrags den Redner, welcher wohl fast Jedem der Anwesenden ans dem Herzen gesprochen, wenn auch hier und d-r eine kleine Differenz mit der eigenen Ansicht vorgelegen haben mochte. Der Vorsitzende fragte hieraus, ob einer der Anwesenden eine Anfrage an den Herrn Abgeordneten habe und meldete sich sodann Herr Rechtsanwalt Dr. Muhl, der derzeitige Vorsitzende des Vereins der nationalen und liberalen Partei, zum Wort. Er constatirte, daß Niemand Herrn Dr. Gntfleisch im Hinblick auf dessen frühere dessallsige Erklärung wegen des Eintritts in die deutsch-freisinnige Partei einen Vorwurf machen könne. Bezüglich der Kirchengefetze erklärt sich Redner mit der Ausstellung des Herrn Dr. ®uh fleisch nicht einverstanden: ihm fei die Richtung der Reichsregierung schon zu sehr nach Canoss« gewandt, und er würde bedauern, wenn die liberatet Parteien hierin folgten.
Ebetffo kann er die Bildung der neuen deutsch-freifimfigen Parte: iwd) nicht als den Anfang einer einheitlichen großen liberalen Partei betrachten; da die Secefsionisten einen solchen Ernstallisationspunkt nicht, so lauge sie selbstständig gewesen/ hätten bilden können, so »ermöchten sie es jetzt noch weniger, da sie in Wahrheit in der Fortschrittspartei ausgegangen. In llebereinfiimmuiiß mit Herrn Dr. Gntfleisch mißbilligt jedoch Redner die gegenseitige unnatürliche Befehdung der neuen mib der natio- nalliberalen Partei und vornehmlich deren Art, bczügtlch welcher auf beiden Seiten gefehlt werde. Er wünsche und hoffe, daß dieser Ton in unserem Gießen nickt aufkomme, und erklärte am Schluß, daß seine Partei, trotz der bestehenden Disferenj- punkte doch in Betracht der Mäßigung und Selbstständigkeit des.Herrn Dr. Guts lei sch bei einer Neuwahl abermals für diesen stimmen werbe.
«'«n»' MW1 ..IIBMH II.1 IIIII BF I inumip ......CM "UM",,' IWt> ■ * ■ ■UMUH I Ml*
Schiffs «achrichten.
Bremen, 18. April. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdaatpfer Braunschweig, Capt. C Pohle, vom Norddeuffcheu Lloyd in Bremen, welcher am 2. April von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore aSgc- kommen.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 19. April. lFrnchtpreise.) Weizen JL 19.20, Korn JL 16.80, Gerste Jt. 16.90, Hafer JL 17.30, Erbsen JL 18.10, Linsen J4 00.00, Lem 26.00, Samen JL 00.00, Kartoffeln JL 3.90, Wicken 16.00.
731) Ueber <He Höhe der Kesten, welche die EinräekwHg einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen rernri«ioht, wird man sieh niemals enttäuaoht eehon, wenn maa v*n der Annoncen - ExpedHio* -von W.AA8B2ÄTSTJEO> «L? WOJÖSjJiSäS m Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Aushnnft einfordort, die auch hinsiehts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicheb Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Math ertheflt


