Ausgabe 
21.12.1884 Viertes Blatt
 
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1884

ießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

-tr. 299 Viert S Blatt Sonntag oen SI. December

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerloh O Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

erscheint t.iglich mit Ausnahme des MontagS.

S«rea«r Schulstraße 7.

Fremdartig und wunderbar, wie sich der Leser einen Urwald vorstellen mag, ist e8 unmöglich, sich einen richtigen Begriff davon zu machen oder eine treue Schilderung eines solchen zu geben; man muß ihn vor Augen haben, in seinem gehelmnißvollen Dunkel geweilt haben, nicht tagelang oder für Wochen, sondern jahrelang; nicht als ein gelegentlicher Besucher, nein, als sein Gast bei Tag und Nacht, lebend im lustigen Zelte, vertraut mit seinen mannigfachen Bewohnern und Gefahren.

Dann wird der Denkende die geheimnißvolle, ewige, geräuschvolle Stille der Wildnitz oerstebeu, ihre ©t Urnen beuten lernen und daS Walten und Sein eines mächtigen Schöpfers kann nicht eindrucksvoller gepredigt werden; hier predigen tn der Thal Steine und leblose D nge zu dem, der hören will. ~ -

Wer könnte, verloren tn Bewunderung und Staunen, vor meilenweiten Fo.sten von gigantischen Rtesenbäumen, die alles Gebilde von Menschenhand zu verspotten scheinen, unempfänglich bleiben zu der sich machtvoll aufdlängenden Frage nach dem Schöpfer dieser Wunder? Oder wer nte htnwegsehen über die bunte Farbenpracht der unzählig-n Vöaela'ten, btc in den luftigen Waldetzhallen umherschwirren, die blitz­gleich hinschießende, prächtige Schlange, die unvermeidlichen Tod trägt. ohne gemahnt zu werden an GotteS Allmacht? , . .

Verhärtet und ausgebrannt muß das Herz sein, dos ^^^.^"?^^den Augenbl ck erschallenden Stimmen der Wädn'ß zu versch sitzen vermag. Und nicht Ehrfurcht und Bewunderung einer allwe stn Vo-s-hung allein, min, Balsam iand tiefen Frstdev vermag die jungfräuliche W'ldntß zu geben deml zerschlagenen.. müde«das Ruhe und Frieden vergeblich suchte in den trügerischen, unwahren Freuden der ctotlsi firlen ,6 mad)t bfRere M-nsch-n, Ihre Bewohner find wahrhaft

TW6«tWV4>, offen, muihig. Und-s ist nöihig °°° diese Eigen cho ten und Tugenden zu besitzen, denn nirgends vielleicht steht der Mensch näher seinem Gott denn hier; die mann'gfachen Boten des Todts find ihm stets nahe, stets um ihn, ein dürrer Ast, fallend, kann ibn erschlagen, ein Skorpion, Tausendfuß oder eine heim- tückisch^Echlonge^ihn^inS ^Jensett^senden. nSdifien fflrfefe eetfuSen, d-m Leser eine Schilderung des Lebens in den Urwäldern Australiens zu geben; ich hoffe, dafür competent zu ftin, da ich seit längerer Zett inmitten dieser Wildmß lebte und noch verweile.

Briese aus Australien *)

I.

Freundlich grüßten und winkten uns die grünen sonnigen Küsten Australiens als wirom frühen Morgen des 9. December, vach^einer MSgigen Reise mit d m Eegelsch ffe CopernicuS, zum ersten Male wieder Land erblickten, das langersehnte Z el, daS uns manchmal während der langen Re.se, umhergeworfen auf w lder See un­erreichbar erschien und das nun, Allem zum Trotz, so einladend und lachend irnsetts der blauen ^-^r^austaucht^ Seereise unttrnommen hat, kann sich keinen Begriff davon wachen, mit welche Gefühlen der Seefahrer Land begrüßt, besonders das Endziel seiner Reise. Freilich, wir erblickten, fern und nebelhaft im Osten, Pik Teneriffa auf der Insel Madeira, dann, nach Passtren des Aequalors und Rundung des Cap der guten Hoffnung, d'e Insel Neu-Holland; so wärchenhaft und bezaubernd als diese Perlen Ur See erscheinen, so tauchen sie auf und verschwinden dem verlangenden Aug und vergrößern nur die Sehnsucht nach Land Freunden ober Lieben " doch hier vor uns liegt das Ende unserer Gefahren und Beschwerden, Auatraha fehx und jebeS Herz föblt Schaff unter einer Wolke von Segeln, macht schnelle Fahrt längs

der grünen, waldigen, unbewohnt erscheinenden Küste und erreicht gegen Mittag die

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Belebt mit solchen' Postdampser und Segelschiffe aller Nationen laufen ein und aus und^da-wtschen "kreuzen VttgnügungSjachttt? und kleine

Richtungen. Sin Lootse, bringend die neuesten Zeitungen an Bord, hat mittterwe le das Comwando übernommen und die M'nnschaft hat alle Hände voll zu thun, denn die enge und gefährliche Einfahrt tn den inneren Hafen erfordern öfters Brasien btt S$er Kapitän, nun seiner Verantwortlichkeit für S»Iff und Bemannung zum ersten Male seit Beginn der Reife enthoben, verschwindet in seiner CojÜte, die wenigen Paffagiere bringen ihr Gepäck tn Ordnung oder werden nicht müde im Anschauen des nahen Lande«, Alles alhmet Freude und Fröhlichkeit. Nach und nach wechselt die Scenerte; die Ufer, bisher dem Auge nichts als ununterb'ochenen Urwalb darbtetend, erscheinen bewodnter, hier ist es eine robgezimmerte Bretterhütte dicht am Strands mit fptelcnbcn Kindern vor der Thü^e, dort leuchtet ein stolzer Landsitz aus dem dunkeln (Arün dann kommen Lichtungen, Felder und Gärten und tn der Ferne tauchen nun ^ Kuppeln und Tbürme M.lboürneS auf einer Seite der Bay und W'll-mstowns auf der andern Sette, in scharfen Gonturen von dem tiefblauen Aether abstechend, auf, während ein Wald von Masten den Hafen mark-rt. eine der

Die Seme, die sich hier dem trunkenen Auge darbietet, ist vielleicht eine der frfiünften der Erde die seegle che, tiefblaue Bay, die dunkelgrünen Ufer, h er und unterbrochen und besetzt mit freundlichen Landhäusern, in der Kerrie! die beiden Städie erorocy Hintergründe so weit das Auge reicht, die nach und nach schwarzblau erscke^nenden^Scbatttrungen' der Urwälder, Alles die« gewährt einen zugleich freund-

in den w'lden Wäldern Australiens entgegengehend.

SffiSBMSSI»«*®1 den Lesern einiges Jntereffe findet.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1885.

Bekanntmachung.

Diejenigen jungen Leute, welch- beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1883 Sattfindenden nibr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulaffung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. Februar 1885

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt:

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

93 Die Nulassuna rur Prüfunq kann nicht vor vollendetem 17. Lebenswahr erfolgen. ..

3j Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets bie nähere Adresse ange­geben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

b des Vaters oder Vormundes, mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den

' Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen. . .

5 Fn diesem Attest darf die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er rn der Lage sei, den Freiwilligen wahrend des emmhngen Dienstes unterhalten zu können, nicht schien, auch muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein;

c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizeiobrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist,

5) Int"m,e®S^Su6erbem -uzug-Än, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich

6) M b-reü/fAr °Ä Gesuch um Zulassung zur Prüfung -ingereicht worden, f° bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholten- Ueber "i7 Anfordemngm" welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt di- Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ers.-Ord. - L Theil der Wehr- S® «-chm. di. Prüfung stattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung;

fPeCi® nrms7adt°"d°n"8! December1881" Großherzogliche Prüsungs-CommMn fiir einjährig Freiwillige.

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GroS.________

Vermischtes.

^aabfreunbe bie einmal etwaS Anderes als dieerotgen" Böcke und Hasen schießen möchten, dürfte die nachstehende Not>z interisfiren, welche wir dem Hamburger i^rreipondeaien entnehmen: Algtee befitzi -In Jagdgebtet. E'g-n^thum MRannten franiösischen Wägers Bombonnel, wie es kaum ein zweites auf der W-lt geben Dürfte. Bombonnel d-r b-r-tts 11 Läa>-n, 32 Panther und eine Anzahl anderer Raubthtere während le ne" L-ben« »legte, hat unter dem Schutze der Regierung mitten tn den Edern »an Bo,di Bora, zwischen Algier und Conftanttn, misgedehnteS Terrain m Besitz und °?bant d°tt 1881 -in füeftltch eingerichtetes Jagdschlosi In dem Walde rund nmh» sind Abthkilungen sür Löwen und Panther; man bringt in dteselden Ziegen. Maulesel und andere Tdiere, welche als bequeme Beate die Raubthieee anlocken. Für Damen sind sichere Plätze vorhanden, auf denen sie der Jagd, ohne Gefahr zu laufen.

fSnnen Die Ja d begann am 15. November und endigt am 15 Avril. Sine Karte, die für 2 Monate zur Tbeilnahrne an diel« Jagd berechtigt, kostet 2000 FrS. incl Kost und Wohnung in dem hübschen Jagdschloß.

tuet. KW und W», ° Konto Ludwig von Bayern, der gern recht lange

lebm wollte fragte alle alten Leute nach ihrer LebenSweife Bon einem nahezu hundnt Jahre alten Bauern erhielt » einst die überraschende Antwort:3 trink' mir leben Abend ein Muschle an.