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Verwischte S.

Groß- Gerau, 17. Juni. Bei der am Sonntag bier stattgehabteo Versamm­lung in Sachen des durch den Höhenrauch verursachten Schadens wurde beschlossen, daß von einer hierzu besonders bestimmten Commission eine Petition an den Reichs­tag ausgearbeitet und dieselbe an die Vertrauensmänner in allen Orten der Provinzen Starkenburg und Rheinhessen zum Zwecke der Ctrculation zur Massenunterschrift etn- gesendet werden soll.

Mainz, 16. Juni. Vom Schwurgericht wurde die Wittwe Magaretbe Becker aus Zmnheim, 40 Jahre alt, welche emgestand, daß sie ihren Gatten Balthasar Bccker mit Schwefelsäure, in Branntwein gemischt, vergiftet, zu 5 Jahren Zuchthaus verur- thetlt. Der Mitangeklagte Taglöhner Johann Peter Held aus Stadecken, 23 Jahre alt, welcher der Verurtherlten bet dem Mordversuche geholfen haben sollte, wurde frei- gesprochen.

Seligenstadt, 17. Juni. Während des Brandes, welcher unlängst in der Aufseher-Wohnung b-r h.sigen Stärkemehlfabrik in Abwesenheit des Aufsehers und dffsm Frau ausgebrochen war, schwang sich ein hiesiges Mädchen, Fräulein Salome Grel, Tochter des Schlossermetsters Franz Gtel, rasch entschlossen über die Fenster­brüstung und rettete noch im letzten Augenblicke die drei Kinder des Aufsehers, welche bereits dem Erstickungtztode nahe waren. In Anerklnnung dieser heroischen Thal über­reichte der heldcnmüihigm Dame dieser Tage der Herr Verwalter des Etablissements ein kunstvolles schweres golbenks Kreuz.

Vor dem Schöffengericht in Bamberg stand dieser Tage ein siebzehnjähriges Fräulein, Emilie ***, unter der Anklage, Abends zwischen 8 und IOV2 Mr bet geöffneten Fenstern in fortgesetzter und die Nachbarschaft belästigender Weffe Klavier gespielt und sich dadurch pegen § 360, Z'ffer 11 des Strafgesetzbuches (derselbe lautet: Mit Geldstrafe bis zu 500 Thalern oder mit Haft wird bestraft, wer ungebührlicher Weise ruhestörenden Lärm . . . verursacht") versündigt zu haben.^ Da der durch die Anklage behauptete Tbatbrstand nachgewtesen wurde, sprach das Schöffengericht Fräulein Emilie schuldig, der Ruhestörung und des groben Unfugs und erkannte auf die Strafe von 1 jUa und Tragung der sämMtl'chen Kosten.

Heidelberg, 16. Juni. Die Anzahl der Studirenden an hiesiger Universität beträgt in diesem Sommersemester 956 und hat gegen die Frequenz im vorigen Sommer etwas adgenommen. Zum ersten Male seit Menschmgedmken wird diesmal auch b<e hiesige Frequenz durch jene der Universität Freiburg, welche in diesem Sommer besonders stark ist, und 1000 übersteigt, Überboten. Unter den hiesigen Studirenden befindet sich jetzt der Sohn des Prinzen von Wales. r , ,

Bremen, 16. Juni. Dec hiesige CriminalpolizistG.Wolffson, ein langjähriger intelligenter und tüchtiger Beamter unserer Polizeibehörde, mußte sich heute Morgen vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts verantworten, weil er sich durch seine erregbare, hfftige Gemüthsart hatte hinreißen lassen, einem angetrunkenen Cigarren­macher, der ibn Nachts auf der Straße wiederholt belästigte, durch einen Stockschlag eine Wunde über dem rechten Auge beizubringen. Wolffson wurde schuldig befunden und in eine Geldstrafe von 150 JL, event eine entsprechende Gefängnißftrffe ver- wtheilt. Wolffson nahm sich diese Verurtheilung derart zu Herzen, daß er, zu Hause angekommen, sich sofort auf den Boden begab und seinem Leben durch Erhängen ein Ende machte.

sDas Gepäck der deutschen Infanterie.) Es bestätigt sich, daß die Militär- verwaltuna ernstlich damit umgeht, nach allen Richtungen b<n eine Erleichterung des Gepäcks für die Infanterie eintreten zu lassen. Indessen sind die Dinge noch nicht soweit vorgeschritten, wie dies mehrfach in der letzten Zeit gemeldet worden ist. Die Versuche werden nach allen Richtungen hin noch fortgesetzt und der Kriegsminister persönlich widmet diesen Dingen ein überaus reges Interesse. Bezüglich der haupt­sächlichsten Ausrüstungsstücke, Tornister, Helm, Stiefeln, Broddeutel rc. ist allerdings eine Concurrenz ausgeschrieben, von welcher man Vorschläge mit möglichster Berück­sichtigung für Erleichterung der Infanteristen erwartet. Es soll hierbei auch endlich die seit langer Zett in der Schwebe befindliche Frage der Fußbekleidung zum Austrag gebracht werden.

London. 17. Juni. Die Ausschreitungen, deren sich das Milizregiment der königlichen Staffordshtre-Cavallerie in Lichfield schuldig gemacht hatte und die durch das plötzliche Htnscheiden des Obersten Bromley-Davenport ihr Ende fanden, waren sehr ernster Art. Bereits am Freiiag kam eS in dem Theater des kleinen Städtchens zu sehr stürmischen Auftritten im Zuschauerraume. Schauspieler und Schauspielerinnen wurden durch Zurufen unterbrochen und mit Orangenschalen u. s. w. beworfen: schließlich aber unternahm die eroberungssüchtige Miliz einen Sturm auf die Bühne sperrte die Schauspielerinnen, die sich in die Garderobe geflüchtet hatten, dortselbst und den Director in einem Zimmer ein und zog nach Verübung dieser Heldenthat triumphirend fort, um denUlk" in den Straßen weiter zu betreiben. Am Samstag wurden die Ausschreitungen noch schlimmer. Die Offiziere gingen dabei mit schlechtem Beispiel voran. Gegen Mitternacht holten sie eine Leiter und zogen johlend, von einem Haufen ihrer Soldaten begleitet, durch die Straßen. Sie stiegen zu den Fenstern mehrerer Bürgerhäuser empor, öffneten dieselben und wünschtengute Nacht", wöbet

kanzler und Präsidenten des Staatsministeriums, Fürsten v. Bismarck, zum Vicepräsidenteu, die in dem anliegenden Verzeichnisse aufgeführten Personen zu Mitgliedern und den Unterstaatssecretär v. Möller zum Staatssecretär des Staatsraths ernannt habe. Dem Staatsministerium habe Ich Abschrift Meines gegenwärtigen Erlasses zugefertigt.

Berlin, den 11. Juni 1884.

Wilhelm.

v Bismarck, v. Puttkamer, Maybach, Lucius, Friedberg, v. Bötticher, v. Goßler, v. Scholz, Gras v. Hatzfelöt, Bronsart v. Schellendorff.

An des Kronprinzen Kaiserl. und König!. Hoheit und Liebden.

Nachdem Ich durch Meinen Erlaß an das Staatsministerium vom 20. April d Js. die Wiedereinberufung des Staatsrathes hiermit befohlen und Se. Kafferl. und Königl. Hoheit den Kronprinzen mittelst des abschriftlich anliegenden Er­lasses vom heutigen Tage zum Präsidenten der gedachten Körperschaft ernannt habe, will Ich Sie hierdurch zum Vicepräsidenten des Staatsrathes ernennen. Dem Staatsministerium habe Ich Abschrift Meines gegenwärtigen Erlasses zugefertigt.

Berlin, den 11. Juni 1884.

Wilhelm.

v. Bismarck, v. Puttkamer, Maybach, Lucius, Friedberg, v. Bötticher, v. Goßler, v Scholz, Gras v. Hatzfelot, Bronsart v. Schellendorff.

An den Reichskanzler und Präsidenten des Staatsministeriums, Fürsten v. Bismarck.

Auf den Bericht des Staatsministeriums vom 9. d. Mts. will Ich hier­durch das Mir vorgelegte Regulativ, betr. die Verhandlungen des Staatsrathes, genehmigen und zugleich den weiteren Vorschlägen des Staatsministeriums wegen des ersten Wiederzusammentritts des Staatsrathes und der demselben nach Maß­gabe des Regulativs zur Erstattung von Gutachten vorzulegenden Gegenstände entgegensehen. Ferner benachrichtige Ich das Staatsministerium, daß Ich tue in der Anlage ausgesührten Personen zu Mitgliedern und den Unterstaats­secretär im Ministerium für Handel und Gewerbe, Dr. v. Möller, zum Staats­secretär des Staatsrathes ernannt habe. Dieselben sind hiervon in Kenntniß zu setzen. Endlich habe Ich mittelst der abschriftlich anliegenden Erlasse von: heutigen Tage des Kronprinzen Kaiserl. und Königl. Hoheit zum Präsidenten und Meinen Reichskanzler und Präsidenten des Staatsministeriums Fürsten v. Bismarck zum Vicepräsidenten des Staatsrathes ernannt.

Berlin, den 11. Juni 1884.

Wilhelm.

v. Bismarck, v. Puttkamer, Maybach, Lucius, Friedberg, v. Bötticher, v. Goßler, v. Scholz, Graf v. Hatzseldt, Bronsart v. Schellendorff.

An das Staatsministerium.

Lokales.

Gießen, 19. Juni. Sicherem Vernehmen nach fand heute Morgen in dem ReqierungS-Geväude eine Verhandlung über den beabsichtigten Neubau ber inneren und gynäkologischen Kliniken statt. Als Vertreter ber StaatSregierung waren in derselben erschienen die Herren Geh. Staatsrath Dr. Knorr und Mtnisterialrath Weber, als Vertreter der Stadt die Herren Bürgermeister Bramm, Beigeordnete Keller und Heß, sowie die von der Stadtverordneten-Versammlung gewählten Delegirten Gail und Hornberger. Außer diesen Herren waren an den Verhand­lungen betheiligt die Herren Prooinzial-Director Dr. Boekmann, Ober-Baurath Horst und Ober-Medicmal-Rath Reißner von Darmstadt, sowie Prof. Dr. Ri eg el. Es handelte sich um die Wahl des Platzes und den von der Stadt Gießen zu leistenden Zuschuß. In ersterer Beziehung soll die Auswahl des Platzes auf Grund zweier Vor­schläge der medicimschen Facultät der Stadt anheimgegeben werden. In letzterer Be­ziehung soll der Stadt von der StaatSregierung die Stellung des Platzes, sowie em weiterer jährlicher Zuschuß von fünf Tausend Mark, welcher dem wahren Aufwande der Klinik für Verpflegung der städtischen Kranken entspricht, angesonnen werden. Der bisherige Vertrag zwischen ber Stadt und Universität, nach welchem elftere für Verpflegung ber ihr zur Last fallenden Kranken in ber Klinik, sowie für ärztlichen Besuch der Stadt- armen jährlich 5000 JL zahlte, ist von Seiten der Universität mit Rücksicht aus den Umstand bereits gekündigt worden, daß die bisher bezahlte Summe kaum die Hälfte des wirklichen Aufwands beträgt, welchen die Universität verausgabte. Diese Frage wird gleichzeitig mit ber Frage des Zuschusses der Stadt zur Erbauung der Kliniken erledigt werden. Selbstverständlich werden die demnächstigen eingehend motivirtcn Vorschläge des Ministeriums dem Beschlüsse der Stadtverordneten-Versammlung unterbreitet werden und hoffen wir, daß diese, das Interesse der Stadt Gießen in so hohem Grade berührende Angelegenheit, eine ihrer Wichtigkeit entsprechende, allseitig zufriedenstellende Lösuüg finden wird.

Gießen, 20. Juni. Das zweite Ab onnements-Concert, das im Saale des Wenzel'schm Etablissements ftattfand, übte noch eine stärkere Zugkraft als bas erste aus. Das Programm bildeten außer leichten Tänzen und Märschen: die Ouvertüre zur OperDie diebische Elster", die Wsber'sche Jubel-Ouvertüre, Fantasie ausOberon", die Ouvertüre zu denLustigen Weibern" und die Gounod-Bach'scheMeditation", letzteres ein Favoritftück aller Liebhaber dieser Gattung. Alle Nummern wurden vom Orchester correct, mit Kraft und Schwung vorgetragen und von dem animirten Publikum mit dem Beifall aufgenommen, den ernstes Streben verdient.

Gießen, 20. Juni. Schwurgerichtsverbandlung am 19. Juni l I. gegen Heinrich Klein II. von Landenhausen, zuletzt in Gießen wohnhaft, wegen Körperverlktzung mit tödtlichem Erfolg.

Derselbe war angeklagt:

baß er am 28. Mai l. I. zu Gießen den Taglöhner Heinrich Bögler von da mittelst eines Messers vorsätzlich an ber Gesundheit beschädigt und hierdurch den Tod desselben verursacht habe.

Die Geschworenen erkannten den Angeklagten unter Annahme mildernder Um­stände für schuldig und wurde derselbe demgemäß in eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten und in die Kosten verurtheilt.

Am nächsten Sonntag, den 21. ds., wird, wie alljährlich, auf Wilhelmshöhe eine Zusammenkunft von Docmtm ber Universitäten Marburg, Gießen und Göttingen ftattfinden.

Telegraphische Depeschen.

EmS, 19. Juni. Se. Maj. der Kaiser nahm gestern vor dem Diner den Vortrag des Wirk!. Geh. Legaüonsrathes und Kammerherrn v. Bülow, entgegen. Zu dem Diner hatten Einladung erhalten: Die Generallieutenants Ribbentrop und v. Scheliha, Oberst v. Reinhardt, Kammerherr Frhr. v. Sole­macher-Antweiler und Oberbürgermeister Becker aus Düsseldorf. Abends erschien Se. Majestät im Theater. Heute früh setzte Allerhöchstderselbe die Trinkkur fort und machte eine Promenade. Später wurden der Hosmarjchall Graf Per- poncher und der Chef des Militär-Cabinets, Generallieutenant v. Albedyll, zum Vortrag empfangen.

Berlin, 19. Juni. In ber heutigen Sitzung des Reichstags wurde zunächst die zwischen Deutschland und den Niederlanden abgeschlossene L terar-Convention in dritter Lesung angenommen. Sodann wurde die zweite Beratung des Unfall­versicherungs-Gesetzes bet dem 8 10 das Umlageverfahren betreffend, fortgesetzt. Gegen­über den von dem Abgeordneten Sonnemann gegen das Umlageverfahren gemachten Angriffen, legte ber Staatssecretär v. Bötticher die Gründe dar, weßhalb die Regierung zu diesem Verfahren übergegangen ist. Dasselbe erleichtere der Industrie die Heber« nähme ber neuen Belastung, erziele Zinsersparnisse zu Gunsten der Industrie, er­leichtere die Verwaltung, vermeide eine ungleichmäßige Belastung der Mitglieder in einzelnen Jahren und vermindere endlich bie Verantwortlichkeit für die ehrenamtlichen Verwaltungsorgane der Berussgenoffenschastm wesentlich. Nachdem noch bie Ab­geordneten Marquardsen, Frege und Windthorst für, bie Abgeordneten Barth und Löwe gegen bie Vorlage gesprochen hatten, wurde ber von der deutsch - freisinnigen Fractton gestellte Antrag auf Umlegung der kapitaltsirten Rente abgelehnt und der 8 10 in der Commtssionsfassuug angenommen. Ebenso gelunaten auch die §§ 1140 in der Commissionsfassung zur Annahme, und zwar der 8 18, welcher dm Reserve­fonds behandelt, mit einem bie weiteren Zuschläge zum Reservefonds betreffenden An­träge des Abgeordneten Buhl. Der von dem Abgeordneten Oechelhäuser zum 8 30a gestellte Antrag auf Zulassung der Rückversicherung bei Privatgesellschaften, wurde ohne Debatte abgelehnt.

Die Fortsetzung ber Berathung ist auf Freitag anberaumt.

Der bekannte hervorragende Historiker Profeffor Dr. Droysen ist heute früh gestorben.

In ber heutigen Sitzung des Bunbesraibs würbe ber Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Gesetzes wegen Erhebung von Reichsstempelabgaben in Gemäßheit der Ausschußanträge angenommen.

Die Stadtverordneten - Versammlung nahm mit allen gegen bte Stimmen ber Bürgerpariei den Antrag der Commission an, an dm Landtag eine Petition um Schutz des Petitionsrechts der Gemeindebehörde und der Freiheit ihrer Berathungen zu richten, sowie die Redactionscommisston mit Abfassung der Petition zu betrauen, welche später dem Magistrat zum Beitritt unterbreitet werden soll.

Baden-Baden, 19. Juni. Ihre Majestät bte Kaiserin ist heute Mittag 12Vs Uhr nach Koblenz avgereist.

Koblenz 19. Juni. Ihre Majestät die Kaiserin ist heute Nachmittag 5% Uhr hier eingetroffen.

Paris, 19. Juni.Tenips" meint, es könne nicht die Rede davon fein, die Zinsen ber umficirten egypttschen Schuld zu rebuciren, ohne den Bondholders als Er» satz eine größere Sicherheit zu bieten, andernfalls würde es eine Ungerechtigkeit sein, bte Frankreich nicht auf sich nehmen könnte.

Nach einerHavas"-Meldung ist das englisch französische Uebereinkommen betreffs ber egypttschen Mächte nicht in Gestalt identischer Noten miigetheilt. Das englische auswärtige Amt hat allein eine Note versandt, während sich die französische Regierung daraus beschränkte, ihren Vertretern bet dm übrigen intercssirtm Mächten bezügliche Instructionen zugeben zu lassen.

London, 19. Juni. Unterhaus. Worms fragt, ob es wahr sei, baß eine Con- ferenz über bte Nmtralisirung des Suezkanals beabsichtigt fei. Gladstone erwidert, die Frage habe einen gewissen Bezug auf bte auf Montag versprochene Mttthetlung; er verschiebt baher die Antwort bis dahin. Fttzmaurice theilt mit, England habe ber französischen Regierung keine Vorstellungen über bte Spielhäuser in Monte-Carlo ge­macht. Hartington glaubt, bte englischen Truppen in Egypten zusammen mit den egypttschen reichen zur Verihetdiaung gegen jede Oberegypten drohende Gefahr hin. Dem Befehlshaber der britischen Tmppen ist auch der Befehl über die egyptische Armee übertragen. ____________