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1195 Ein braves Mädchen, welches in allen häuslichen Arbeiten erfahren und bürgerlich kocht, für Auswärts gesucht.
Näh. bei der Exp. d. Bl.
Beilage ;u Nr. 44 des „Gießener Anzeiger".
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Politische Ueberflcht.
ließen, 20. Februar.
Die Reichstagssession tritt allmälig näher, denn wenn auch noch kein bestimmter Tag für die Eröffnung angegeben ist, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß dieselbe in das erste Drittel des März fällt. Der BundeS- rath wird die größten Anstrengungen machen muffen, um das für den Reichstag bestimmte ArbeitSmaterial gleich von Anfang an in genügendem Umfange fertig zu stellen. Die bevorstehende Reichstagssesston hat bekanntlich bie ganz außer- gewöhnliche Eigenschaft, daß in Folge der vorzeitigen Feststellung des Etats pro 1884/85 ein ReichShauShalt diesmal nicht vorgelegt wird. Zu der au'SnahmS- weisen frühen Feststellung des Etats wurde der Reichstag durch die eindringliche Mahnung der kaiserlichen Botschaft bewogen, welche in Hinblick auf die social- politische'Gesetzgebung, den Wunsch aussprach, die Session möchte von andern Arbeiten möglichst ferngehalten werden. Damals dachte man noch an die Alters- und Jnvaliden-Bersorgung der Arbeiter, inzwischen ist aber das socialpolitische Programm aus die einige UnsallversicherungS-Vorlage zusammenge- schrumpst, die nunmehr dem Reichstage in dritter, jedoch verbefferler Gestalt zugeht. Da zu erwarten steht, daß der Bundesrath Die Vorlage bis zum Zusammentritt des Reichstages erledigt haben wird, so darf man erwarten, daß letzterer dieselbe gleich bei Beginn seiner Thätigkeit vorfinden wird. Im Uebri- gen wird sich die bevorstehende Session vorauSfichtlich auch mit her Novelle zum Actiengesetz und mit der Erneuerung des SocialistengefetzeS zu beschäftigen haben. Unter den kleineren Vorlagen werden sich einige internationale Verträge commerziellen und literarischen Inhalts und eine Revision des Hülsskaffengesetzes befinden, lieber andere Vorlagen, wie den vielbesprochenen Nachtrag zum Marine- Etat, die PenfionS- und Relictengesetze u. s. w. scheint die Entscheidung noch auszustehen.
Die Ernennung des Fürsten Orlow zum rusfischen Botschafter in Berlin befriedigt auch in den Petersburger diplomatischen Kreisen. Obschon die Beziehungen zwischen den Cabineten von Berlin und Petersburg in den letzten Jahren trotz des Zeitungskrieges zwischen der deutschen und rusfischen Presse stets vortreffliche waren, hat es doch nicht an Momenten gefehlt, in denen die argwöhnischen Verstimmungen auch höhere Kreise zu erfassen drohten. Nach dem ersten Besuche des Herrn v. Giers in Berlin und Wien war eine wohlthätige Beruhigung jener ziemlich pessimistischen Anschauungen emgetreten, welche die öffentliche Meinung Europas bis dahin consequent, obwohl mit Unrecht, allarmirt hatten, aber diese Beruhigung war von keiner großen Dauer. Nun, wo der abermalige Besuch des russischen Ministers des Auswärtigen beim leitenden deutschen Staatsmanne die politische Luft abermals von Miasmen gereinigt hat, muß eß im rusfischen wie allseitigen Interesse liegen, daß baß werthvolle Ergelmiß dieses Besuches länger und besser gewahrt bleibe, als das erste Mal. Indem das russische Eabinet, einem lebhaften Wunsche des Fürsten Bismarck Folge leistend, den Fürsten Orlow als feinen Vertreter nach Berlin entsendet, einen Mann, der nickt minder das Vertrauen der maßgebenden Kreise in Berlin als in Petersburg besitzt, thut eß einen glücklichen Schritt, um der Wiederkehr jener mißtrauischen Stimmungen vorzubeugen, welche sich immer und immer wieder in der beiderseitigen öffentlichen URcinung zur Geltung zu bringen juchten, und leistet hiermit dem allgemeinen Vertrauen in den europäischen Frieden einen Dienst, den man in der europäischen Presse auch richtig erkennt und würdigt.
Das österreichische Thronfolger-Paar wird im
April eine Reise nach Konstantinopel antreten und zwar mittelst Bahn über Giurgiewo (Rumänien) nach Varna, wo die Pacht „Miramare" daß hohe Paar erwartet, um dasselbe nach Konstantinopel überzuführen. Der Reise sollen keinerlei politischen Motive zu Grunde liegen, sie soll lediglich dem Wunsche des Kronprinzen Rudolf entsprungen sein, die türkische Hauptstadt näher kennen zu lernen und find für den Aufenthalt der kronprinzlicken Herrschaften in Konstantinopel 8 Tage in Ausficht genommen. Wie es heißt, werden Kronprinz Rudolf und seine Gemahlin insofern nicht die Gäste des Sultans fein, als sie jedesmal an Bord her „Miramare" zu übernachten gedenken ; Ausflüge in bie nähere Umgebung Konstantinopels und auch nach der kleinasiatifchen Küste sind in Aussicht genommen.
Mit der kürzlich erfolgten Ankunft des neuen Oberbefehlshabers des französischen Erpeditions-Corps in Tongking, Generals Millot, auf dem ostasiatischen „Kriegsschauplätze" steht eine baldige energischere Kriegsführung der Franzosen zu erwarten. Wenn es den Chinesen wirklich Ernst mit ihrer Behauptung ist, Bacninh bis auf den bekannten letzten Mann zu per* theidigen, so werden die Franzosen vor dieser Festung ein hartes Stück Arbeit bekommen. Bacninh ist viel stärker befestigt als Sontay, es besitzt nach europäischer Art angelegte Vorwerke, die zum Theil mit Kruvp'schen Geschützen armirt sind und die Besatzung besteht aus den besten chinesischen Truppen. Verschiedene Maßregeln der chinesischen Regierung lassen im Uebrigcn darauf schließen, daß in Peking die Kriegspartei die Oberhand gewonnen hat. General Tang, der im Süden Chinas befehligt, ist durch Abschneiden der seinen Rang bezeichnenden Knöpfe deqradirt worden, angeblich, well er in Sontay nicht zu Gunsten der Annamiten und „Sckwarz-Flaagen" interoenirt hat. Ferner hat die Pekinger Regierung den bisherigen Vicekönig von Nanking, der als den Franzosen geneigt gilt, feines Amtes enthoben und durch den Mandarin Tseng- Kuotschuan, einen eifrigen Anhänger der Kriegspartei, ersetzt.
Der politische Barometer für das Ministerium Gladstone, welcher bis jetzt auf großen Sturm zeigte, ist wieder ein wenig gestiegen. Mit unleugbarem Geschick hat eß Mr. Gladstone verstanden, die Debatte im englischen Unterhause über den Tadelsantrag der Conservativen bis in diese Woche herein auszuspinnen, wohl hauptsächlich in der Hoffnung, daß inzwischen günstigere Nachrichten aus Egypten einlaufen würven. Diese Hoffnung scheint auch nicht zu täuschen, den neuesten Depeschen zufolge ist General Gordon in der Nacht vom Samstag zum Sonntag wohlbehalten in Khartum eingetroffen uno diese Nachricht wird jedenfalls das Votum des Unterhauses bezüglich des Tadelsantrages in einem für das Ministerium günstigen Sinne beeinflussen. Da es mit dem parlamentarischen Ansturm nichts zu werden scheint, versuchen die Confervativen durch Massen-MeetingS gegen Gladstone zu wirken. In London, Liverpool, Birmingham, Manchester und Rochdale haben in den letzten Tagen derartige conferoatioe Versammlungen stattgefunden, in denen verschiedene Resolutionen , welche die egyptische Politik der Regierung verdammen, angenommen wurden. Dagegen fanden auch Resolutionen ganz entgegengesetzten Inhalts, welche in liberalen Meetings zu Edinburgh und Rothesay zur Erörterung ge*
langten, Annahme.
Lause des
Vermischtes.
r. Frankfurt a. M.. 16. Februar. In den heutigen^ VerwattungSrathö- fitzungen der „Providentia, Frankfurter Versicherungs-Gesellschaft" und der „Rück- versichcrunaS-Actten-Gesellschaft Providentia" wuroen die Dividenden pro 1883 auf 40 JL per Actie = 231/3p6t. und resp. 30 JL per Actie — 15pEt. festgesetzt. Eß ist dies vollständig daffelbe günstige Resultat wie im Jahre 1882.
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