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s^x. 90, Freitag den 18 April 188T
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
t Sch ul ft raße 7.
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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
armee" unternommen hat, noch immer seine unheilvolle Wirkung. In mehreren Orten des Kantons Bern kam es in voriger Woche zu förmlichen Schlachten zwischen der „Armee" und ihren Gegnern, wobei letztere allerdings der provo. cirende Theil gewesen sein sollen. In Folge dessen sind die Regierungen von Bern und Neuenburg durch das eidgenössische Justiz-Departement aufgefordert worden, weitere Störungen der Salutisten-Versammlungen zu verhindern.
In Belgrad wurde am Sonntag das Gedächtniß der Befreiung Serbiens vom türkischen Joch durch Milosch Obrenovics mit großem Pompe gefeiert. Der König und die Königin empfingen die hohen Würdenträger, später fand eine Parade der Belgrader Garnison statt und am Abend war die Stadt glänzend erleuchtet. Milosch Obrenovics war es, der im Jahre 1815 nach den Niederlagen des „schwarzen Georg" der türkischen Uebermacht gegenüber Stand hielt und schließlich die türkische Armee unter Ali Pascha in der Ebene von Maratsch so entscheidend schlug, daß man seit dieser Schlacht die Unabhängig, teil Serbiens datirt.
Die Lage Gordon's in Khartum erscheint trotz mancher kleinen Vortheile, die er in der letzten Zeit errungen, hoffnungsloser als je. Die Der- binbungen der nördlich von Khartum gelegenen Stadt Berber sind zu Lande und zu Wasser unterbrochen, die Rebellen haben bedeutenden Zuzug erhalten und machen Einsälle in die nächste Umgebung der Stadt, so daß der Gouverneur von Berber die Hülse englischer Truppen nachgesucht haben soll. Alle diese Nachrichten bestätigen nur die Annahme, daß Gordon der Rückzug nach Norden so gut wie abgeschnitten und er verloren ist, wenn ihm nicht die englischen Truppen nilaufwärts marschirend noch schleunigst Hülfe bringen. Es war sogar schon das Gerücht von der Einnahme Khartums und der Besetzung des fünften Nil-Cataracts durch die Jnfurgenten verbreitet, doch hat sich dieses Gerücht nicht bestätigt; indessen scheint dasselbe die projectirte Begegnung Marghani's mit einigen andern Sheikhs bei Suakim vereitelt zu haben.
Die Meldung aus China, daß die Kriegspartei in Peking die Ober« hanv gewonnen habe und Prinz Kong, der Freund der Europäer, in Ungnade ^fallen fei, hat keine Bestätigung gesunden. Vielmehr wird verstchert, daß die friedlichen Bestrebungen bei der chinesischen Negierung noch vorherrschten. In. wieweit die anderweitige Meldung, China beabsichtige seine Gesandten an den europäischen Höfen. Marquis Tseng und Li-Fong-Pao, zurückzubemsen, mit jenen friedlichen Versicherungen zusammenhängt, muß abgewartet werden.
Darmstadt, 16. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 1. April den Steueraufseher bei dem Hauptsteueramte Mainz, Adolph Vizelins, auf fein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen; sowie an dems. Tage den Obersteuer. Calculator 1. Klaffe bei dem Katasteramt, Dr. Franz Knell, zum Steuer- controteur zu ernennen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S leLeae. Eorvespondenz-Brrrrarr.
Berlin, 16 April. Seine Maj. der Kaiser empfing heute Vormittag die Deputation des 2. Ostpreußtschen Grenadier - Regiments Nr.^3, welche sich Abends nach Wien begibt, um dem Erzherzog Albrecht zu seinem 25Mrigm Jubiläum als Chef des Regiments die Glückwünsche des letzteren darzubrtngen. Hierauf arbeitete Allerhöchst- derselbe mit dem Chef des Civtlkadtnets, Wirklichen Geheimen Rath v. W'lmowskt, und empfing den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der zu einem längeren Aufenthalte nach Petersburg reist. Nachmittags machte der Kaiser eine
— Dem Vernehmen nach wird die Abreise des Kaisers nach Wiesbaden am Sonntag Abend metbet leidet Ihre Majestät die Kaiserin feit
einigen Tagen an einem Erkältungszustande, welcher zwar normal verlauft, irdoch eine 8'ofte Schonung auserUgt.^ $6iatern ,st dem Herzoglich Meiningen-
schm Hof-Kapellmeister Hans von Bülow das Prädikat eine« Königlichen Hofpiantsten entzogen^wmden. " enthält dte Bekanntmachung, daß unter den etnge-
gangenen 52 PEbewerbungen für die Erbauung der Museumsinsel die vier Entwürfe von Alfred F)auschild zu Dresden, Fritz Wolff zu Berlin, Edgar Giesenberg zu Berlin und vom Professor Raschdorf und Baumeister Raschdorf jzul Berlin Preise von je 5000 «M. erhielten. Außerdem sind auf Vorschlag des Preisgerichts 6 andere Entwürfe °ng-k-u„ wotben.^^^ ^my-r Poznanski" bezüglich des Verzichts d-S Grafen Ledockiowskt auf das Er,bis,hum Posen - Gn-sen sagt die G-rmania": „Die Nachricht über den Verzicht stammte aus so zuverlässiger Quelle, daß wir das Demen^des „Kurier^ nicht ^rfteh^n ^ffe Ausfahrt ist dem Kaiser recht gut bekommen. Abends war kleine Theegesellschast bei dem Kaiser. Das Befinden der
„N. A Z." stellt die Angaben der ultramontanen Blätter über dte Zahl der nicht dtSpmsirten Geistlichen nochmals richtig und weist den Versuch der .Germania" zurück, in dieser Sache den Cultusm nister von der Staa s- regierung und dem Träger der Krone zu trennen. Nach der Kirchengesetz-Novelle feien die Grundsätze für die Dispensertheilung vom Staatsministerium köntgUcher Genehmigung festzusetzen, der Cultusminifter habe nur auszuführen, was das Ministerium W8'fWÄ SÄluüon des rheinischen Katholikentages sagt dte N A 3.": Wenn der Katholikentag die Rückkehr zum Status quo ante 1840 wünsche, werde das bet der Regierung auf keinen Widerstand stoßen. Die Regierung sei zu solcher Rückkehr gerne bereit, nur di- Curie habe sich dazu stets abiehnen» verhalten.
politische Keberficht.
Gießen 17. April.
Die Osterfest tage haben, wie vorauszusehen war, für die innere Volitik nichts Neues gebracht und die Betrachtungen über Uesen Gegenstand -müssen daher den wichtigsten zur Zeit schwebenden Fragen, nämlich denjenigen Kes verantwortlichen Neichsministeriums, der bevorstehenden Veränderungen UN preußischen Stnatsministerium und der Verlängerung des Soctaltstengesetzes, gewidmet bleiben. In Bezug auf erstere Angelegenheit ist dte ablehnende Kund- -aebuna des Bundesraths bekannt, indessen dürfte hier das letzte Wort noch micht gesprochen sein und vermuthlich die Angelegenheit auch im Reichstage einer Erörterung unterzogen werden. Heber den beabsichtigten Rücktritt des Fürsten Bismarck von der Leitung der preußischen Angelegenheiten ist auch jetzt etwas Definitives noch nicht zu melden und heißt die Parole eben: , Abwarten. Die am meisten ihrer Entscheidung zudrängende Frage bleibt allerdings diejenige der Verlängerung' des Socialistengesetzes und diese Entscheidung wird uns ja m nächster Zeit werden. Es verlautet hierüber mit großer Bestimmtheit, daß die Regierung in der ersten Sitzung der Socialistengesetz-Commission des Reichstages, welche nach den Ferien stattfindet, eine entschiedene Erklärung dahin abzugeben -gedenkt, daß sie entschlossen sei, auf keinerlei Anträge einzugehen und lediglich Annahme oder Ablehnung der Vorlage erwarte. Eine ähnliche Erklärung hat bekanntlich Staatsminister v. Bötticher in der genannten Commission bereits abgegeben und darf man demnach erwarten, daß die Reichs-Regierung den Reichstag in dieser Frage möglichst bald vor das Entweder Oder gestellt wissen will. Für den Fall der Ablehnung der Vorlage soll die Regierung in der That zur Auflösung des Reichstages entschlossen sein und die Anordnungen für die Neuwahlen nach allen Richtungen hin getroffen haben.
Am Ostermontag haben zwei bedeutungsvolle politische Versammlungen, aber mit durchaus verschiedenem Charakter, stattgefunden. In Köln tagte eine von hervorragenden Anhängern des Centrums einoerufene Katholiken-Ver- fammlung und in Neustadt a. d. H. ein nationalliberaler Partei, tag In Köln wurden nach dreistündigen Verhandlungen folgende vier Refo- lutionen gefaßt: 1.) die Versammlung erkennt Erzbischof Melchers als ihren rechtmäßigen Oberhirten an und bleibt ihm treu und ergeben; 2) ,tß ßWßUßrt den Protest gegen den Culturkampf, verlangt die Zurückberufung der Erzbljchofe von Köln und 'von Posen-Gnesen und verweist auf die verwaisten Seelsorgerstellen und das stetige Anwachsen der gesperrten Gehälter hin; 3) sie fordert zum Ausharren im "Kampfe für die Freiheit der Kirche auf, bis das feierliche bei der Besitzergreifung der Rheinlands gesprochene Königswort erfüllt sei; 4) die Versammlung spricht den Mitgliedern der Centrums-Fraction des Reichs- unb Landtages für ihren bisherigen unerschütterlichen Muth wärmsten Dank und sreudi e Anerkennung aus. — Die Resolution, welche in Neustadt gefaßt worden, hat folgenden Wortlaut: „Die aus dem Delegirtentag zu Neustadt a d. H. anwesenden Vertreter der nationalen und liberalen Landesparteien in Süd- und Südwest-Deutschland befinden sich in voller Übereinstimmung nut der Erklärung vom 23. März 1884, und empfehlen den auf dem Parteitag zu Neustadt vertretenen Landesparteien die geeigneten Schritte vorzunehmen, um sich übereinstimmend der Organisation der nationalliberalen Partei im Reiche
Die am Ostermontag in Cahors stattgesundene Enthüllung des Standbilds Gambetta's hat sich zu einer bedeutsamen Kundgebung für das gegen- rvärtige republikanische Regime in Frankreich gestaltet. Ministerpräsident Ferry und die übrigen Minister, soweit sie nicht durch dringende amtliche Geschäfte behindert waren, wohnten der Feier bei und hielt hierbei der erstere eine nut großem Beifall aufgenommene Rede. Als ein beachtenswertes Symptom verdient auch hervorgehoben zu werden, daß beim Empfang des Bischofs und der Geistlichkeit von Cahors Seitens des Ministerpräsidenten der Bischof seine Ergeben- Heit gegenüber der Regierung betonte und aus den Umstand aufmerksam machte, daß die ihm unterstellte Geistlichkeit der republikanischen Partei angehm'e. Ferry dankte und sprach den Wunsch aus, das Coneordat, das Band zwischen ©tacit unb Kirche, aufrecht erhalten zu sehen. Ferner fand in Montauban gelegentlich Der Enthüllungsfeier in Cahors ein Banket statt, auf welchem der Arbeitsminister Reynal erklärte, die Regierung werde im Sinne Gambetta s fortfahren, nach Außen eine Politik des Friedens, aber nicht der Entsagung, zu verfolgen, im Innern aber die Republik stark und fest zu machen. — Die Operationen der Brigaden Negrier und Briere gegen Honghoa haben mit der Einnahme 'dieser Stadt geendet, nachdem letztere von den chinesischen Truppen zuvor thei^ weise in Brand gesteckt worden war; die Chinesen sind in der Richtung nach Phulang zu entflohen. ,
Aus der Insel Cuba, dem Schmerzenskinde Spaniens, treiben wieder einmal aufständische Banden ihr Wesen. Die Regierungstruppen haben sich indessen mit Erfolg an eine energische Verfolgung derselben gemacht. Eine 42 Mann starke Bande unter Führung eines gewissen Duranas ist gänzlich aufgehoben worden; bei einem Zusammenstöße derselben mit den Truppen wurden Duranas selbst und 38 Mann der Bande getödtet und die drei Uebrigen gefangen genommen. Eine andere Bande unter der Führung Aguerro's wird noch eifrigst verfolgt und steht deren Unschädlichmachung ebenfalls binnen kürzester Frist zu erwarten. Eine größere Bedeutung braucht diesen Vorgängen jedenfalls nicht zugemessen zu werden.
In der Schweiz übt der Feldzug, den hier die englische „Heus-


