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Nr. 16L Zweites Blatt. Sonntag den 13. Juli 1S84

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Amtlicher HHeit.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 12 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Provinzialausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Laus der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unterbrochen.

Gießen, am 8. Juli 1884. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberheffen.

_________________Dr. Boekmann, Provinzial-Director.__

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach § 10 des Regulativs vom 26. Februar 1875 der Kreisausschuß während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September Ferien hält.

Während dieser Ferien können in öffentlicher Sitzung nur schleunige Sachen zur Verhandlung gelangen, dagegen wird der Lauf der gesetzlichen Fristen dadurch nicht unterbrochen.

Gießen, am 8. Juli 1884. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen.

Dr. Boekmann.

Wochenschau.

Gießen, 12. Juli.

Kaiser Wilhelm hat in dieser Woche seine vom besten Erfolge 'begleitet gewesene Emser Brunnenkur beendet und ist nach einem eintägigen Besuch, den er seiner hohen Gemahlin in Koblenz abstattete, am Mittwoch Abend auf der Bodensee-Jnsel Mainau eingetroffen. Hier wird der Kaiser im Kreise der Grobherzoglich Badischen Herrschaften bis zum 14. Juli verweilen und noch am genannten Tage über Rosenheim, wo er Nachtquartier nimmt, nach Gastein abreisen, woselbst die Ankunft am 15. Juli, Nachmittags in der fünften oder sechsten Stunde, erfolgt.

In unserer inneren Politik ist eine gewisse Stagnation unver­kennbar, die auf Rechnung der nunmehr vollständig eingetretenen politischen saison morte zu setzen isi. Als einziges bemerkenswerthes Ereigniß aus dieser Woche kann der am Mittwoch erfolgte Schluß der Arbeiten des Bundes- rathes hervorgehoben werden. Es ist indessen kein eigentlicher Sesstonsschluß eingetreten, sondern nur eine Vertagung auf unbestimmte Zeit und wirb der Bundesrath wieder zusammentreten, sobald Material für ihn bereit liegt. Wahrscheinlich dürste solches für die nächste Sitzung die Bremer Zollanschluß- Angelegenheit liefern, welche vorläufig noch den Berathungen der ständigen Bundesraths-Ausschüsse unterliegt. Aus der Mittwochssitzung selbst ist die Wahl des Vorsitzenden und vier nicht ständiger Mitglieder des Reichsversicherungs- Amtes zu erwähnen.

Eine aufregende Nachricht, diejenige über das Auftreten der Cholera im Bodensee-Gebiet, ist glücklicher Weise fast unmittelbar nach ihrem Austauchen amtlich dementirt worden. Diese allarmirende Meldung wird durch das osficielle Dementi der badischen Regierung darauf zurückgesührt, daß in dem schweizerischen Orte Kreuzlingen bei Konstanz ein zweijähriges Kind an Brechruhr starb, was das Gerücht hervorrief, in Kreuzlingen sei ein Cholera- Todessall vorgekommen, dem in Konstanz mehrere Cholera-Erkrankungen gefolgt seien. Was den Stand der Epidemie im Süden Frankreichs anbelangt, so ist derselbe insofern ein etwas veränderter, als sich die Zahl der täglichen Cholera- Todesfälle in Marseille und Toulon vermehrt hat; am 8. Juli kamen auch in Aix drei derartige Fälle vor. Im Touloner Comitä für Gesundheitspflege -sprach sich Geheimrath Dr. Koch dahin aus, daß die Cholera nach Toulon importirt sei und daß dieselbe sich nicht durch die Luft und die directe Berüh­rung mit Cholerakranken übertrage, sondern durch Excremente von Cholera- kranken. Früchte, Wasser, Getränke seien die gefährlichsten Beförderungsmittel. Die auf Bahnhöfen getroffenen Desinfections-Maßregeln hätten keinen Werth, wor Allem sei die Desinfection der Kleider und Maaren nothwendig. Von ben in Deutschland zur Abwehr der Epidemie getroffenen Maßregeln ist die vom Hamburger Senat der zuständigen Behörde in Kuxhaven zugegangene Verfügung zu erwähnen, wonach für alle aus dem mittelländischen Meere und speciell aus Marseille und Toulon kommenden Schiffe eine Quarantäne ange­ordnet wird. Die Verfügung ist sofort in Kraft getreten.

In Oesterreich ist nunmehr der erste Abschnitt der Landtagswahl- Campagne, die Wahlen in Mähren und Nieder-Oesterreich, vorüber. Während dieselben den herrschenden Besitzstand der deutsch-liberalen Partei auf dem nieder­österreichischen Landtage aufrecht erhalten haben, ist dem Deutschthum in Mähren dadurch, daß fast die Hälfte der Städte diesmal czechische Abgeordnete wählte, eine empfindliche Niederlage bereitet worden. Zur selben Zeit haben die Czechen auch in Böhmen einen bemerkenswerthen Triumph gefeiert, indem bei den Neu­wahlen zur Prager Handelskammer 33 Czechen und nur 16 Deutsche gewählt Wurden, in Folge dessen nun auch die Mandate, welche die Prager Handels­kammer zum böhmischen Landtage und zum Reichsrathe besitzt, in Zukunft nur noch von Czechen ausgeübt werden.

In Frankreich bilden die Revisionssrage und der Streitfall mit China die Brennpunkte des politischen Interesses. Erstere gewinnt jetzt dadurch an Bedeutung, daß ein Theil des Senates entschieden gegen den Revisions-Entwurf in der Gestalt, wie ihn die Kammer angenommen hat, ist und kommt diese Opposition schon dadurch zum Ausdruck, daß sich in der Senatscommission zur Vorberathung der Versassungs-Revisions-Vorlage Freunde wie Gegner der letz­

teren in gleicher Zahl gegenüberstehen. Die Negierung des Herrn Ferry wird sich aber in der Durchführung der Verfassungs-Revision in ihrem Sinne kaum durch den Widerstand des Senates beeinflussen lassen. In die Affaire mit China ist noch kein neues Moment gekommen und handelt es sich vorläufig noch immer darum, ob die chinesische Regierung gewillt ist, die von Frankreich wegen des Zwischenfalls von Langson geforderte Entschädigung zu leisten. Zur Zeit dauern die bezüglichen Verhandlungen hierüber zwischen den beiderseitigen Bevoll­mächtigten in Peking wie in Paris noch fotr, man erwartet aber in Paris schließlich ein Nachgeben Chinas.

Die Arbeiten der Londoner Conferenz haben auch in dieser Woche keine wesentliche Förderung erfahren. Nur die finanziellen Beigeordneten hielten wiederholt Sitzungen ab, um zunächst die finanziellen Vorfragen baldigst zu erledigen. Von größerem Interesse ist aus London die Meldung, daß das Oberhaus die Wahlreformbill in zweiter Lesung abgelehnt hat. Hiermit kann man diese Maßregel, durch welche nicht weniger als zwei Millionen Wahl­stimmen bei den allgemeinen Wahlen neu geschaffen werden sollten, einstweilen als gescheitert betrachten. Es wird dem Cabinet daher nichts weiter übrig bleiben, als im Herbste eine neue Session einzuberufen und dem Parlamente die Resormbill abermals vorzulegen und sollte dieselbe wiederum vom Oberhause trotz der Zustimmung des Unterhauses abgelehnt werden, so müßte nach der Verfassung die Regierung zur Auslösung des Unterhauses schreiten. Diese Taktik der conservativen Opposition ist nicht ungeschickt und wenn sich die Ver­hältnisse im Sudan und in Egypten bis zum Zeitpunkte der eventuellen Neu­wahlen zum Unterhause nicht radikal ändern, so könnten letztere allerdings dem Cabinet Gladstone die von den Conservativen bis jetzt vergeblich gehoffte Nieder­lage bringen.

Für Belgien bilden die Senatswahlen das Ereigniß der Woche. Nach dem Ausgange der Kammerwahlen konnte an dem Siege der klerikalen Partei auch bei den Senatswahlen nicht mehr gezweifelt werden und dieser Sieg ist in einem Umfange erfolgt, wie er selbst von den Liberalen nicht be­fürchtet worden war, denn die klerikale Mehrheit im Senat beträgt, abgesehen von den sich nothwendig machenden Stichwahlen, 17 Stimm«. Dieses Re­sultat hat denn auch in Belgien große Erregung hervorgerufen, die sich namentlich in Brüssel und Gent durch ernste Demonstrationen gegen die An­hänger der katholischen Partei kundgab. Durch das energische Einschreiten der Polizei wurde schließlich in beiden Städten die Ruhe wieder hergestellt.

Die Nachrichten über eine zwischen Oesterreich und Mon­tenegro eingetretene Verstimmung werden entschieden dementirt. Es hieß, Fürst Nikita habe sich bei den Mächten beschwert, well von Oesterreich angeb­lich Befestigungen an der herzegowinisch - montenegrinischen Grenze aufgeführt würden und Oesterreich habe den montenegrinischen Herrscher energisch auf­gefordert, einen Cordon an der Grenze zu ziehen, um den Uebertritt von In­surgenten aus der Herzegowina nach Montenegro zu verhindern. Von Wien aus wird nun versichert, daß an beiden Meldungen kein wahres Wort sei und die Beziehungen zwischen Oesterreich und Montenegro den freundlichsten Charakter trügen.

Die Wahlbewegung in der nord amerikanisch en Union wird mit der bevorstehenden definitiven Nominirung des demokratischen Präsi­dentschaftscandidaten sich zu ihrer vollen Höhe entfalten. Zu diesem Zwecke ist in dieser Woche die demokratische Nationalconvention in Chicago zusammen­getreten und wird sich dieselbe vermuthlich für den Gouverneur von New-Iork, Cleveland, entscheiden.

Great Aamaqua-Land.

Von vr. Fr. Müller. , t .

(Nachdruck verboten.)

Was ich in meinem neulichen Artikel über die deutsche Colonte Angra-Pequcna avdeutete und als sichere Vermulhung hinstellte, ist nun schon etngetreten und es l sich auch ohne viele Mühe vorauSsehen. Deutsche Unternehmungslust und Thatkraft hat den Weg nach dem Innern bereits eingeschlagen und neue Entdecker sind wiederum unterwegs, um neue wette Gebiete, fruchtbarer als die sandig- Meeresküste, für deutsche Arbeit zu gewinnen. Ob die Reichsregierung alle diese Unternehmungen mit der Flagge Deutschlands decken wird, das kann man freilich noch nicht wißen, *emi auo>