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Nr. 1»9.
Freitag den 11. Juli
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icl)cnet Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau r Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinacrlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark &) Pf.
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Amtlicher Hheil.
Betreffend: Die Deutsche Molkerei-Ausstellung in München im October 1884.
Anmeldebogen können von mir bezogen werden. Gießen, den 10. Juli 1884.
Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
Nover.
Unter Bezugnahme auf meine frühere Bekanntmachung (f. Anzeiger Nr. 100) bringe ich zur Kenntniß der Betheiligten, daß die Anmeldungen am 18. I. M. in meinen Händen sein muffen, widrigenfalls sie für die Collectiv-Ausstellung nicht mehr benutzt werden können.
Bekanntmachung.
Abgesehen von dringenden Fällen und selbstverständlich von Vorladungen sind die Amtsrichter nur Dkitttvoch- zu sprechen. 6ei
unseren Gerichts schreibereien können Mittwoch- und Samstags Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden.
Gießen, den 7. Juli 1884. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.
Langsdorfs.
Politische Neberfkcht.
Gießen, 10. Juli.
In unserer inneren Politik macht sich das Herannahen der „saison morte“ durch den Eifer bemerklich, mit welchem sich die Preffe aus die Affaire Bismarck contra Stosch wirst. Ob Herr v. Stosch, der frühere Chef der Admiralität, „Kanzler - Candidat" der Liberalen gewesen — darüber wird eine Unmaffe von Behauptungen, Anspielungen und Andeutungen in Umlauf gesetzt, welche fast vermuthen ließen, daß es sich um eine Frage von eminenter politischer Wichtigkeit handele. Dem ist indessen nicht so und wenn trotzdem' diese Angelegenheit noch immer den Gegenstand eingehender Erörterungen bildet, so ist dies eben ein Beweis, wie sehr es jetzt an Stoff zu Betrachtungen über die innere Politik zu mangeln beginnt. Auch die Bremer Zollanschluß-Angele- ' genheit dürste jetzt zur Ruhe kommen, da die Bundesraths-Ausschüsse beschlossen haben, den Zollanschluß unter den von den Commissarien vorgeschlagenen Bedingungen zu genehmigen, und an der Zustimmung des Plenums ist nicht zu zweifeln. Dagegen nimmt die Bewegung , durch welche die Postdampfer-Frage hervorgerusen worden ist, anscheinend immer größere Dimensionen an. Die Kundgebungen zu Gunsten der Dampfer-Subventions-Vorlage mehren sich von Tag zu Tag; auch oie Generalversammlung des nationalliberalen Vereins für das Königreich Sachsen, welche am Sonntag in Döbeln abgehalten wurde, hat eine Resolution einstimmig angenommen, welche sich entschieden für die Vorlage und überhaupt für die vom Fürsten Bismarck entwickelten Grundzüge einer deutschen Colonialpolitik ausspricht.
Der Großherzog und vie Großherzogin von Mecklenburg- Schwerin sind am Montag von ihrem Aufenthalte in Süd-Frankreich nach Schwerin zurückgekehrt. Da im vorigen Jahre wegen der Trauer um den verstorbenen Großherzog ein feierlicher Einzug unterblieben war, so wurde diesmal das Großherzogliche Paar von der Bevölkerung mit besonderer Feierlichkeit empfangen.
In Oesterreich hat die „Versöhnungspolitik" des Grafen Taaffe soeben einen neuen Triumph gefeiert: Die Neuwahlen zum mährischen Lano- tage haben die bisher entschieden deutsch-liberale Mehrheit desselben zersprengt. Sowohl in den Wahlen der Landgemeinden, als auch der Stäote sind die Deutschen den Czechen gegenüber unterlegen und nur diejenigen des Großgrundbesitzes sind für erstere günstig ausgefallen. Dieses Resultat war aber auch nur durch ein Compromiß zwischen dem verfassungstreuen Großgrundbesitz und der sog. Mittelpartei möglich, in Folge dessen im zweiten Wahlkörper 17 Liberale und 8 „Mittelparteiler" gewählt wurden; der erste Wahlkörper nominirte 5 conservative Abgeordnete. Es stehen sich demnach in der Brünner Landstube jetzt 48 Deutsche — Verfassungstreue, Vertreter der Mittelpartei und Conservative — und 43 Czechen gegenüber, eine Zusammensetzung, welche von derjenigen des vorigen Landtages bedeutend zu Ungunsten der deutsch-liberalen Partei abweicht. Jedenfalls ist durch den Ausfall der mährischen Wahlen dem Dentschthum in Oesterreich wieder eine sichere Stütze entrissen worden, wie solche bisher die Brünner Landstube repräsentirte. — Kaiser Franz Josef und Kronprinz Rudolf sind anläßlich der Manöver der österreichischen Flotte am Montag in Pola, dem Hauptkriegshafen Oesterreichs, eingetroffen; die Nachricht von einem gegen die hohen Reisenden beabsichtigt gewesenen Dynamit-Attentat auf der Südbahn hat sich glücklicher Weise nicht bestätigt.
Die Pariser politischen Kreise werden noch stets durch den Conflict mit China in Spannung erhalten. Welche Lösung derselbe finden wird, steht dahin; was Frankreich anbelangt, so ist dasselbe fest entschlossen, für die Affaire von Langson Genugthuunq zu fordern. Ein am Montag in Paris stattgefundener Ministerrath hat beschlossen, von der chinestschen Regierung wegen Verletzung des Vertrages von Tientsin eine Kriegsentschädigung — dem Vernehmen nach im Betrage von 250 Mill. Frcs. — zu verlangen und sind dem französischen Gesandten in Peking, Patrenotre, bereits die betr. Weisungen zugegangen. Weiter wird aus Paris gemeldet, daß am gleichen Tage der Ministerpräsivent . Ferry den Kapitän Fournier empfing, welcher ihm das Instrument überreichte, in welchem der chinesische Staatsrath den Vertrag von Tientsin ratificirt hat. |
Letztere Nachricht, also diejenige von der Ratification des Vertrages von Tientsin durch das auswärtige Amt Chinas, ist neu und wird man in dieser Beziehung Bestätigung abwarten müssen. — Die Meldungen über den Stand der Cholera in Marseille und Toulon lassen eine Wiederzunahme der Cholerafälle mit tödtlichem Ausgange erkennen, was aber wohl auf Rechnung der gegenwärtigen heißen Jahreszeit zu setzen ist.
In Belgien haben am Dienstag die Senatswahlen stattgesunden. lieber ihren Ausgang ist zwar zur Stunde noch nichts Näheres bekannt, indessen dürften, nach mancherlei Anzeichen zu urthellen, die Liberalen auch hier dem klerikalen Ansturm unterlegen sein und würde somit das neue klerikale Cabinet Malou sich die unbedingte parlamentarische Herrschaft gesichert .haben. Vorläufig scheint indessen das Letztere gewillt zu sein, den Sieg, den in -Belgien die Neuwahlen zum Parlamente der katholischen Partei gebracht haben, nur in gentäßigter Weise auszunützen und dies ist eine kluge Taktik, denn ein Mißbrauch seiner Herrschaft würde dem Cabinet Malou, wie die Dinge in Belgien liegen, bei den nächsten Wahlen unfehlbar wieder die Existenz kosten.
Zwischen Holland und England spielt noch immer die Nisero- Affaire. Bekanntlich war die Mannschaft des gestrandeten englischen Dampfers „Nisero" vom Rajah von Tenom (Sumatra) gefangen genommen worden und befindet sich jetzt noch in dessen Gewalt; der Rajah verlangt für deren Freilassungen ein bedeutendes Lösegeld und hat auch sonst die Gelegenheit wahrgenommen, der niederländischen Regierung mit verschiedenen Forderungen aus den Leib zu rücken. Letztere soll sich nun bereit erklärt haben, den Forderungen des Rajah in den wesentlichen Punkten nachzugeben, unter der Bedingung, daß er die Gefangenen freigiebt. Wenn dies nicht geschieht, so will die niederländische Regierung England in allen Maßnahmen unterstützen, die zur Befreiung ergriffen werden sollten. ,
Die Arbeiten der Londoner Conferenz nehmen einen recht schleppenden Verlauf. In der Unterhaussitzung vom 7. ds. theilte ver Schatzkanzler Childers mit, daß für die nächste Sitzung der Conferenz noch kein bestimmter Tag festgesetzt sei, daß aber die Finanz-Delegirten sich eifrigst mit ihren Arbeiten beschäftigten. Weiter machte in derselben Sitzung der Unterstaatssecretär der Kolonien, Ashlay, die Mittheilung, daß ein Ober-Commiffarius der englischen Negierung für die Ostküste von Neu-Guinea in nächster Zeit ernannt werden solle, da die australischen Kolonien eine Beisteuer von 15,000 Pfv. Sterl. für diesen neuen Kolonial-Erwerb bis zum 1. Juni 1885 bewilligt hätten. Von der englischen Regierung wird die Nachricht, daß auf dem von Marseille nach Cardiff in Fahrt befindlichen Schiffe „Charthagena" zwei Cholerafälle constatirt seien, bestätigt.
Telegraphische Depeschen.
WoM'ii tslegr. CorrrsporrdeVr-Bttrearr.
Koblenz, 9. Juli. Se. Maj. der Kaiser ist heute früh 8 Uhr im besten Wohlsein von hier abgereift um sich nach der Mainau zu begeben.
Karlsruhe, 9. Juli. Se- Maj. der Kaiser ist auf der Durchreise nach der Insel Mainau heute Nachmittag auf dem hiestgen Bahnhofe von den Prinzen Wilhelm und Karl, sowie von den Ministern und der Generalität be- grüßt worden. , . r x m -. ...
— Se. Maj. der Kaiser ist aus der Reise nach Mamau heute Nachmittag hier durchpas'sirt. Während des Aufenthalts auf dem Bahnhofe wurde Sr. Majestät der hier eingetroffene bisherige Gesandte in Washington, v. Elsen- decher, im Salonwagen vorgestellt. . r .
— Nach amtlicher Mittheilung des Großh. Ministeriums des Innern sind die Nachrichten von dem Ausbruche der Cholera in Konstanz durchaus Unbegründet. g ^er Kais-r ist Abends 7 Uhr eingetroffen und wurde von der Gioßherzogiichen gamilte am Bahnhose empfanden. §ine grofje ®s'J®?Le.n(£ begrüßte den Kaiser mit begeisterten Hochrusen, die sich auf dem Wege vom Babnb f nach dem Hasen unausgesetzt erneuerten. DerKaffe,i bestiegid-n
Wilhelm", welcher um 7‘/t Uhr unter Salutschüssen der Schiffe und unauögesetzien Hochrusen der Volksmenge den Hafen verließ.


