Ausgabe 
9.10.1884 Zweites Blatt
 
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1884

nzeiger

grfcbeint mit Auönah-ne W MontaKK.

Sch«»lflraHe 7.

am 4. October 1884.

Gießen,

Betreffende Die Naturalverpflegung der Truppen im Friede«.

Das nachstehend abgedruckte Schreiben des Königlichen Proviantamtes Frankfutt a. M. wird hierdurch zur Kenntniß der Kreisangehörigen gebracht.

Gießen, am 4. October 1884.

am 1. October 1884.

Bockenheim,

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Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmauu.

PrekS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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* .trtobet 1884, ^Ugr, sitzuug, ^inen wird gebeten. Ler Borstand.

Vermischte-.

Marburg, 4. October. Die Ausgrabung der alten Burg Weißenstetn bet Wehrda hat begonnen, die äußere Wand eines inneren Gebäudes ist vom Schutt bloS- ^t worden Die Funde, welche aus einem Rittersporn, Stein mit Ornamenten, Scherben und Knochen von wilden Schweinen und Hirschen bestanden, sind an den h-sfisch-n Nachrichten' -in- Dar.

fteUuna eines WtrthshauS-Excesses, dessen der mit der Verwaltung deS Amtes Neu- Lu8 ^traute ReaierunaSassessor Glogau sich schuldig gemacht hatte, indem er feine Mißbilligung der deutsch-freisinnigen Partei in äußerst drastischer Weise bekundete und den im Local anwesenden deutsch-sreisiont^eu Abgeordneten Dr. Aonem-yei-, tn » Weise insultirte, ihn alsvon ganz gemeinen erbärmlichen Arbetterhorden gewählt bezeichntte rc. Wie diePost" jetzt meldet, hat der Minister deS InnernauS dem unqualificirbaren Benehmt des Regteruugsassessors Veranlassung genommen die so­fortige Zurückberufung desielben anzuordnen. Das Wettere wird sich tm DtSctplinar- itfQ6rSranVfnurt a. 3», 6. October. [®ie gänzliche Mondstnsterniß am 4 October.f Der »gute" Mond mit seinem .Silb-rltcht', der e-klSrt- Li-bUng all-r PoZ-n Li-b-S- paare, schwärmenden Backfische und Gasgesellschaften, war am SamStag Abend wohl mehr denn je das Ziel bewaffneter und unbewaffneter Augen, die ihn alleverschwmden oderfick verfinstern" sehen wollten. Für Mitteldeutschland begann die Verfinsterung Abends 9 Uhr und etwa 15 Minuten mittlerer Ortszeit; um 10 U^r war der Mond ganz verschwunden und blieb so bis halb 12 Uhr, dann begann wtederenThetl der Mondscheibe weiß glanzend sichtbar zu werden und um 12 Uhr 30 Minuten war die letzte Spur des Erdschattens vom Monde verschwunden. Das erste Erscheinm des Schattens machte sich dem bloßen Auge am Mondrande 83° gegen Osten vom nörd­lichsten Punkt der Mondscheibe bemerkbar, indem der Mond von West nach Ost den Erdschatten durchschnitt. Wenn man die zunehmende Ausbreitung des Schattens aus der Mondscheibe betrachtete, so gewann man natürlich den Eindruck, als dringe der Schatten gegen den Mond vor. In Wirklichkeit ist jener Eindruck unter die Rubrik deroptischen Täuschungen- zu stellen und die Sache verhält sich umgekehrt. Der Schatten der Erd- flieht vor dem Monde her, dieser aber lagt mit größerer Schnellig­keit versinsterungssüchttg- demselben nach, erreicht ihn beim Beginne der Verfinsterung und "läßt ihn hinter sich zurück am Schlüsse derselben. Der Erdschatten erscheint, wie der bekannte Astronom Klein in derKöln. Ztg." schreibt, auf dem Monde zunächst ein «auch mit verwaschenen Grenzen; wenn er bk ganze Scheib- bedeckt, enl- wickelt sich jedoch -in dunkelckapserioiher Schimmer, so daß der Mond nunmehr zu alühm scheint. Wenn das Centrum de« Erdschattens aus dm Mond lallt- wa« nicht immer vorkommt, aber am Samstag Abend der Fall war - o AAintum denselben herum ein großer dunkler Fleck, der nur wenig oder gar kein Rothi durch- drinaeu läßt dagegen an den Rändern Violet glänzt. In dem düster rothen Schein- dls aan> ver'finMrten Mondes ließen sich mittel» des Fernrohrs die einzelnen Mond- landscha teu und selbst kleine Hügel,üge deutlich erkennen. Als da? Ende der gänzl chen N-ri niteruna berannahte, ward die Farbe des Mond-S nah- am Oftr-nd- wieder ?raus»war>^nd im Fernrohre sah man auf den dort sich erhebenden H°chgips-ln des Monda"birae8d'AIembert zuerst ein seltsames blaues Licht. Dasselbe entsprach -doch Acht dem durch den ersten direct-n Sonnenstrahl hervorgerufenen, sondern erschien einige Mstnstm vor d-m wirklichen Ende der gänzlichen Verstnsterung, was man sogleich

Berlin, 4. October. Der Plan, mit einer anderweiten Besteuerung der Börsen­geschäfte vorzugehen, ist durchaus nicht aufgegeben, indeß die Frage, ta welcher Weise dies geschehen soll, ist amtlich noch mcht zur Erwägung gekommen. ES «ttd auch in Bezug hierauf die Rückkehr des FtnanzmiuisterS v. Scholz zu den Geschäften erwartet werden. Das Befinden des Fürsten BiSmarck ist »ach Pttvatbertchten-aus FriedrichSruh augenblicklich durchaus zufriedenstellend. Die demselben zugefchrtebene Absicht einer Reife nach England gehört in das Gebiet der leeren Jochte. ES bestättat sich, daß die Verhandlungen der deutschen Regierung mit Spanien über Er­richtung einer Kohlenstation für die deutsche Flotte auf bet Insel ^o -u

einem günstigen Abschluß gelangt sind. ES ist damit ein weiterer Schritt zur Ver­wirklichung deS Planes gethan, die Errichtung von Kohlenstattonen für unsere Flotte In überseeischen Ländern so viel wie möglich zu erweitern. Die Verhaudluagen der englischen Regierung wegen Ankauf deS Sttousberg>chm GmndstÜcks in Berlin für die englische Botschaft sind dem Abschluß nahe.

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236 Zweites Blatt. Donnerstag den 9. October

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bemerkte, weil kurz darauf die Gipfel der Mondberge von dem Scheine der ersten an­langenden Sonnenstrahlen vergoldet wurden. Zur Beobachtung der geschilderten allgemeinen Erscheinungen der Finsterniß genügte schon ein deines Fernrohr, da sich am SamStag Abend diese Naturerscheinung bet so günstiger Beleuchtung vollzog, wie dstS wohl selim der Fall gewesen. Für die Wissenschaft halt- diese Mondstnsterniß dadurch ganz besonderes Interesse, datz man nach vLrauSgegangener Anregung auf allen größeren Sternwarten die Gläser noch einmal so gründlich putzte, utn Beobachtungen anzustellen, auS denen man möglichst genaue Ergebnisse über den Durchmesser der Mondkugel herzuletten hofft. Die Sonnen- und Mondfinsternisse und die ta ihrer Begleitung auftretenden Naturerscheinungen waren von lange her Gegenstend vieler Vermuthungm und Streitfragen gewesen, bis uns deren Entstehung klar wurde. Noch heute aber glaubm Negervölker im Innern Afrikas und darunter auch unsere w künftigen LandSleute, die Bimbianer und Ltttle Popo er steif und fest, ein schwarzes Gespenst wolle ihren Freund Mond verschlingen. Schnell schleppen sie ihre alten Donnerbüchsen herbei und eröffnen ein gewaltiges Rottenfeuer gegen dasselbe. UebrigenS stößt man auch bet uns noch vielfach auf Ansichten, die zur Evidenz beweise^ daß noch gar Mancher keine blasse Ahnung davon hat, welche Vorgänge sich bei Mond- und Sonnenfivsteruiffen vollziehen. Zum Beweise dafür möge folgender Dialog gelten, der sich zw scheu dem Berichterstatter und einem Soldaten am Samstag Abend auf der Neuen"Mainzerstraße entspann- Der Soldat: .Wollen Sie mir nicht sagen wie viel Ubr eS ist?" Der Berichterstatter:Mit Vergnügen. Genau halb 9 Uhr. Aber warum sehen sie so starr nach dem Moud?" Der Soldat:Ich habe fagen Boren, er solle sich heute Abend verfinstern." Der Berichterstattn: -Merkwürdig! Wie sängt er das wohl an?' Der Soldat: .Ja so genau weiß ich das auch E ich glaube aber daß er auf einmal ganz schwarz wird."---- Wir fchltetzen mit der

Hoffnung, daß eSspäteren Geschlechtern" vielleicht vergönnt sein möge, sich-per Luft- ballon eine Mondfinfterntß mehr auS der Nähe an,ui-h-n. Im Lande d-r ^ancks nation beainnt ia ohnehin das Construiren neuer lenkbarer Luftballons epidemisch zu werden und stehen somit unseren Kind-Skind-rn die besten Chancen. offen, mit R-Iour- billeten AuSffüae nach dem Mond zu unternehmen. BiS dahin -thront er aver noch unbesucht hinter unseren Bäumen^, spendet sein sanftes Licht aus Werthe und Un- wertbe und zieht es vor, zeitweise auS Aerger über das böse Menschengefchlecht, dessen ^ntriguen und Ränke er von seiner lichten Höhe auS dmchschaut, seinAngesicht z» versirfftern zum Leidwesen aller Poeten, Liebespaare, schwärmenden Backstsche und Gasgesellschaften. 4JU0 KDa)*

gaprrfn o pirtnber Die Herkunft eines verlassenen Kindes, welches unter eiaentbümlichen'Umständen in Bremen angetroffen worden, beschäftigt fett 6 Wochen ble^ollieibeh5rben ber 5§eren ©15bte in Deutschland, ohne daß darüber biSher

♦JaJn plmHta/mnrben ist Am 21. August er., Nachmittags, wurde tn Bremen ftt b£ Nähe de^St. Äefsttfts ein etwa fünf- bis sechsjähriges Mädchnr angetroffen, welches von einer nicht ermittelten Person ausgesetzt worden ist. Die kleine gab an, a» betfie Johanna Meyer, ihre Mutter habe gleichfalls den Vornamen Johanna und ihr Vater heiße Gustav. Mit einer Tante, deren Namen sie nicht QUf

Eisenbahn nach Bremen gefahren. In ihrer KletdettascheWurde^nSchretben: bk Schwestern ftn katholischen Krankevhause", gefunden.welches lautet.tteoe Schrmste^n' Der liebe Gott schickt Ihnen hier ein kleines Mädchen zu. Ihr werdet es wohl eher unterbrtngen können, wie ich, denn ich habe eS von Bremerhaven mit«

. i* f?nr, ,8 nher nicht behalten, denn ich habe meine Reise nach Amerika schon^acht Tag" v«rsch°b^n, und di- Mutt-r d-s KInd-S soll in Br-m-rhat-n g-st°rb-n r«4n metß keinen andern Ausweg, als daß ich zu Ihnen meine Zuflucht nehme. N w«d"^d°ch das arm- °-rwaist- Kind nicht v-rlaff-n, d» li- - G° «ir -s ^bneu lohnen Eine unbekannt« Freundin.^ DaS Kmd, welches kurz geschnittenes blonde/ Haar und braune Augen hat undhoch- undplattdeutschs^

preibet und machte den Eindruck einer Herkunft von einer desieren ^amure Lne Kleine hat in d-r l-ßt-r-n Z-» wi-d-rholt g-Suß-rt, st« ff» -am^Sttand-^also £*£,n.*ss

beiden Begleiterinnen deS Kindes noch die Eltern sind ermuretr. zue u «ib

20-00

77-00

9 65-00

9 21-00

Gießen, am 4. October 1884.

Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge der Landgemeinden des Kreises Gießen sür 1885/86.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Sie wollen sich hiernach bemessen. Dr SocEniann..

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-Ege daß der Hafer mindestens von magazinmäßiger Beschaffenheit und die Preisforderungen den Handelspreisen und der

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schriftlich zu erthellen, wenn bemusterte Offerten uns vorgelegt werden. ^omgl^rovtant^uni^ai^^