Ausgabe 
9.10.1884 Erstes Blatt
 
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Nr. 2S6. Erstes Blatt. Donnerstag den 9. October 1SS1

Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen.

B*t**Wt Schulstraße 7.

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Erscheint ILgliÄ mit NvSnchme des Monlsg».

Preist vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlc-Hn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 56 Pf.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die ReichStagSwahlen.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß von Großherzoglichem Staatsministerium zu Wahlcommiffäreu in der Provinz Oberheffen ernannt worden sind: , , r

für den I. Wahlkreis: der Großh. Provinzial-Drrector Dr. Boekmann in Gießen, für den II. Wahlkreis: der Großh. Kreisrath Dr. Braden in Friedberg, für den III. Wahlkreis: der Großh. Kreisrath Hoffmann in Alsfeld.

Der I. Wahlkreis 1.

2.

3.

4.

Gießen, den 8.

besteht aus:

Kreis Gieße«.

Aus dem Kreise Alsfeld die Gemarkungen: rY , o. f .

1) Atzenhain, 2) Bernsfeld, 3) Ermenrod, 4) Flensungen, 5) Ilsdorf, 6) Kirschgarten, 7) Lehnheun, 8) Merlau, 9) Nreder- Ohmen, 10) Ober-Ohmen, 11) Ruppertenrod, 12) Wettsaasen, 13) Zeilbach.

Aus dem Kreise Schotten die Gemarkungen: rvi, L

1) Eichelsdorf, 2) Gedern, 3) Glashütten, 4) Groß-Eichen, 5) Klein-Eichen, 6) Mittel-Seemen, 7) Rieder-Seemen, 8) Ober- Lais, 9) Ober-Seemen, 10) Ober-Schmitten, 11) Steinberg, 12) Unter-Seibertenrod, 13) Volkartshain.

Aus dem Kreise Büdingen die Gemarkungen: ,x , x . r,

1) Bellmuth, 2) Bergheim, 3) Berstadt, 4) Bingenheim, 5) Bisses, 6) Berstadter-Markwald, 7) Bleichenbach, 8) Blofeld, 9) Reichelsheimer Antheil an Bingenheimer Mark, 10) Babenhausen I, 11) Borsdorf, 12) Dauernheim, 13) Dauernheimer Hof, 14) Schleifeld, 15) Echzell, 16) Echzeller Markwald, 17) Eckardsborn, 18) Effolderbach, 19) Fauerbach, 20) Geis-Nidda, 21./22. Gelnhaar (Jsenb. u. Doman.), 23) Gettenau, 24) Heuchelheim, 25) Hirzenhain, 26) Kohden, 27) Harbwald, 28) Leidhecken, 29) Lißberg, 30) Michelnau, 31) Nidda, 32) Ober-Widdersheim, 33) Ortenberg, 34) Ranstadt, 35) Schwickarts­hausen, 36) Selters, 37) Conradsdorf, 38) Unter-Schmitten, 39) Unter-Widdersheim, 40) Grund-Schwalheim, 41) Usenborn, 42) Wallernhausen, 43) Wippenbach.

October 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Betreffend: Die Aufnahme einer Armenstatistik. Gießen, am 7. October 1884.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgern ^issereien des Kreises.

Wir erinnern Diejenigen, welche noch im Rückstände stnd, an Erledigung der Verfügung vom 22. September 1884 Anzeiger Nr. 224 Binnen fünf Tagen, bei Meldung von Strafe.

Politische veberficht.

Gießen, 8. October.

Die Einberufung des preußischen Staatsraths, welcher man früher für Anfang October entgegengesehen hatte, ist in der nächsten Zeit kaum zu erwarten, schon aus dem einfachen Grunde nicht, weil weder der Prä­sident noch der Vicepräsident der reorganisirten Körperschaft in Berlin anwesend sein werden. Zwar ist über die Rückkehr des Fürsten Bismarck von Friedrichs­ruhe absolut noch nichts bestimmt, aber auch wenn er seinen Aufenthalt dort abkürzen sollte, bleibt doch die Annahme begründet, daß der Kronprinz an der Absicht sesthält, in Person als Präsident des Staatsraths die Eröffnung der Sitzungen zu leiten. Das kronprinzliche Paar hat sich aber jetzt von Baden- Baden auf eine für mehrere Wochen berechnete Reise nach Tyrol begeben. Bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin hat Fürst Bismarck keine Gelegenheit gehabt, mit dem Kronprinzen, welcher mit den Manöver-Jnspectionen beschäftigt war, zu conferiren.

Das deutsche kronprinzliche Paar nebst Familie hat in Gries bei Bozen für einige Zeit Aufenthalt genommen.

Von derNordd. Allg. Zeitung" wird das Gerücht von der be­vorstehenden Ersetzung des deutschen Botschafters in London, des Grasen Mün­ster, durch den Grasen Herbert Bismarck entschieden dementirt. Die Möglichkeit aber, daß Gras Münster doch noch zurücktritt, bleibt bestehen, da dieses selbst dieNordd. Allg. Ztg." nicht in Frage stellt. Als eventuellen Nachfolger des Grafen Münster nennt man bereits Herrn v. Radowitz, den gegenwärtigen Botschafter in Konstantinopel. Derselbe wäre in der That der rüstige Mann für den Botschasterposten am Hose von St. James, er ist ein genauer Kenner der orientalischen Verhältnisse und da diese bei der jetzigen Lage der Dinge im diplomatischen Verkehr eine Hauptrolle spielen, so wäre Herr v. Radowitz aller­dings der geeignetste Vertreter Deutschlands in London. Den erledigten Kon­stantinopeler Posten würde alsdann, wie es weiter heißt, vermuthlich Gras Hatzseldt, der Staatssecretär im Auswärtigen Amte, wiederum übernehmen, da dies seinen Wünschen nur entsprechen soll. In die Stelle Hatzfeldt'S würde Graf Herbert Bismarck einrücken, den sein Vater augenscheinlich immer um sich zu haben wünscht und da Graf Herbert Bismarck im eminenten Sinne Ver­trauensmann seines Vaters ist, so würde die einstige Uebernahme des Staats- secretariats des Auswärtigen durch den jungen Bismarck gerade nicht als ein überraschender Act erscheinen; die weitere Entwickelung dieser Angelegenheit bleibt allerdings vorerst abzuwarten.

lieber die Besprechung des Reichskanzlers mit den Chefs der an dem afrikanischen Handel beteiligten Hamburger und Bremer Firmen wird mitgetheilt, daß hinsichtlich Angra Pequenas und der nördlich angrenzenden

Küste die Meinungen dahin gingen, daß es genüge, wenn das Reich lediglich das Protectorat übernehme, wie es tatsächlich geschehen ist. Dagegen stellten die Hanseaten Bismarck vor, daß die Verhältnisse in Kamerun verwickelter seien, und daß die deutschen Besitzer der dortigen Faktoreien M^Verantwor- tung für eine dauernde Ordnung nicht übernehmen könnten. Sie erklärten es für wünschenswert, wenn diese Gebiete in eine engere Verbindung mit Deutsch­land gebracht und durch eine von der Centralstelle im Reich ressortirende Colo- nial-Regierung verwaltet würden. Nur auf diese Weise würde die Ausdehnung der Colonie in das Innere des Continents erreichbar fein. Es wird behauptet, daß in dieser Beziehung die Meinungen Bismarck's mit denen der hanseatischen Export-Firmen sich decken.

Aus Capstadt meldet ein Telegramm vom 2. d. Mts.: Herr Lüderitz. der Gründer der deutschen Colonie in Angra Pequena, hat den Kapitän Spencer, der seit vielen Jahren Pächter jener Guano-Inseln gegenüber von Angra Pequena ist, auffordern lassen, die Colonie zu verlassen.

Die Dissonanzen des französisch-chinesischen Conflictes, welche sich nach den letzten Darstellungen des Londoner Telegraphen in fried­liche Accorde aufzulösen schienen, bestehen in unverminderter Stärke fort. Es stellt sich jetzt heraus, daß weder Frankreich noch China die Vermittelung Nord- Amerikas nachgesucht haben, von der in den letzten Tagen viel die Rede war. Gleichzeitig wird es auf dem Actions-Schauplatze in Tongking wieder lebendig, wo ein anscheinend ernster Zusammenstoß zwischen dem französischen Expeditions- Corps unter General Briere und einer 4000 Mann starken Abteilung regulärer chinesischer Truppen stattgesunden hat. Der osficiöse französische Be­richt über das Gefecht, dessen Schauplatz bei Lochnau war, selbst giebt zu, daß die Franzosen ziemlich empfindliche Verluste erlitten haben; allerdings haben auch die Chinesen beträchtliche Verluste davongetragen und sind überall im Weichen begriffen. Die unvermuthete Anwesenheit frischer regulärer chinesischer Truppen im Delta des Rothen Flusses deutet darauf hin, daß Die chinesische Regierung ihre vielgenannte Diversion nach Tongking nun doch ausgefuhrt hat. Fast auf dem Fuße sind diesen Mitteilungen aus Tongking die längst erwarteten Nachrichten vom Admiral Courbet gefolgt. Eine Depesche desselben vom 3. d. Mts. an den französischen Marineminister lautet: Ich habe am 1. d. Mts. die Operationen gegen Keelung mit der Besetzung des Hügel» von St. Element begonnen, die nach einem ziemlich heißen Gefecht erfolgte. In der Nacht vom 1. zum 2. d. Mts. räumten die Chinesen zwei vorgeschobene Werke im Westen des Hügels von St. Element, wir besetzten dieselben ohne Schwert­streich und sind dabei, uns darin zu versschanzen. Am 4. d. Mts. werden wir unsere Operationen gegen ein östlich gelegenes Schanzwerk beginnen. ^aoen 4 Todte, 5 schwer, 9 leicht Verwundete und 1 Vermißten. Die Verluste Der Chinesen werden von Landes-Eingebornen auf 80 bis 100 Todte und 200 vis