Ausgabe 
9.3.1884 Zweites Blatt
 
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Ü e> f a l e.

Gießen, 8. Marz- (Sitzung der Stadtverordneten vom 6- März.) An­wesend : Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Georgi, Dr. Gulsleisch, Hanstc»n, Homberger, Kauf, Lüdektng, Ad- Noll, Aug Noll, Scheel, Schopbach, Simon, Bogt und Wortmann. Vor Eintritt in die Tages-Ordnung g'bt Herr Bürgermeister Bramm verschiedene Mttthetlungen, u. 21. über den Rechenschafts­bericht des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege, die Bestätigung des Fräulein Dingeldein als definitive Lehrerin rc. Der Gemeinde-Voranschlag für das Etatsjahr 1884/85 wird der Finanz-Deputation überwie'en. Der Voranschlag über die Bedürsn sse der städtischen Schulen für das Elatsjahr 1884/85 kommt zur Vorlage und werden die in demselben bezeichneten Ausgabeposten mit 895 genehmigt, desgl. die Anschaffung von Sptelgeräthen (Lederballen, Ziehseile, Reifen u. dergl) für diese Schulen im Gesammtbetrage von 100 X Der aus der Uebersichl über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben der Realschule im Etatsjahre 1882/83 sich ergebende, aus der Stadtkasse zu leistende Zuschuß im Betrage von 3545,05 X wirb bewilligt- Der Antrag der Baudeputation auf Ausstellung weiterer fünf Brunnen wurde bereits in einer früheren Sitzung der Stadtverordneten verhandelt und hierbei die Ausstellung eines sechsten Brunnens in Erwägung gezogen. In heutiger Sitzung wird beschlossen, an folgenden Punkten wettere Brunnen ouszustellen: 1. am Kreuzungs- Punkte der Sicher und Grünberger Chaussee, 2 am Wallthor, am Fabrikant Schetdt'schen Hause, 3. an der Ecke der Alice- und Ludwigsstraße. Betreffs der 3 übrigen noch vorgesehenen Brunnen, als deren Standorte 1. die Ecke des Neuenwegs und der Neuenbäuen, resp, das Reuenwrgerthor, 2. dieNordanlagc, zwischen der Asterwegbrücke

3) Förderung der Volkswohlfahrt auf Grund der bestehenden Gesellschafts­ordnung bei voller Wahrung der Gleichberechtigung und Selbstthätigkert des freien Vereiniaungswesens bei arbeitenben (Staffen; Eintreten für alle auf Hebung derselben rielenden Bestrebungen; Bekämpfung des Staatssocialisrnus, sonne bei auf Bevor- munduug und Fesselung des Erwerbs- und Verkehrslebens, der Gewerbefreihert und Freizügigkeit gerichteten Maßregeln.

4) Im Steuersystem Gerechtigkeit und Schonung der Volkskraft; Entlastung der nothwendigen Lebensbedürfnisse; keine Zoll- und Wirthfchaftspolitik rm Dienste von Sonderinteressen; keine Monopole; Gesetzgebung und wirksame Aussicht des Reiches im Eisenbahnwesen- , _ rc..r ,

5) Erhaltung der vollen Wehrkraft des Volkes; volle Durchführung der allge­meinen Dienstpflicht bei möglichster Abkürzung der Dienstzeit; Feststellung derFricdenS- präsenzstärke innerhalb jeder Legislaturperiode.

Dieses Alles zur Befestigung der Nationen und Einigung Deutschlands in Treue gegen den Kaiser iind auf dem verfassungsmäßigen Boden des Bundesstaates.

England.

London, 5. März. Dem Krlegsmimsterium ist eine vom 3. d. M. aus Tokar datirte Depesche G-nerol Grahams zugegangen, worin derselbe meldet, er habe >ie Garnison und die egyptischen Einwohner von Tokar nach -prinkitat geschickt, em Thefl seiner Truppen werde heute, der andere morgen dahin nachfolgen, er werde am 5 d.M. seine Streitkräfte bei Trtnkitat concentriren. In einer zweiten Depesche meldet General Graham, er sei Vormittags nach den südlich von Tokar gelegenen arabischen Ortschasten marschirt und hab- dort 2 verlassene Kanonen, eine große Anzahl Munition und gegen 1000 Gewehre aufgesunden. Die Ausständischen hätten sich tn's Gebirge gutfiefaexoaen« Alle Verwundeten habe er Tags vorher nach Trtnkitat geschickt« Eine dritte, der Regierung gestern Wend 10 Uhr zugegangene Depesche General Grahom's sagt, er befinde sich gegenwärtig auf dem Marsche von Tokar nach Trtnkitat.

und der Allee am Fahrweg und 3 der Platz vor dem Bterau'schen Hause in her Neustadt ins Auge gefaßt sind, beschließt die Versammlung nochmalige Berathung in der Commission. Von Ausstellung eines Brunnens aus der Mäusburg wirb am Antrag der Commission wegen zu großer Nähe de« Brunnens auf dem Kreuzplmtze abgesehen. Dem Anträge, den Vorarbeiter Herrn Rodewald aus rin weiteres Vierteljahr zu engagiren, wird zugestimmt. Von der beantragten Anbringung von Trinkbechern an allen Brunnen wird mit Rücksicht aus di- gemachten Erfahrungen abgesehen und sollen nur an den Brunnen an den Ausgängen der Stadt (alfo Grünbergerstraße, Ludwigs- vlotz Bahnhofstraße, Neustadt und Wallthor) Trinkbecher angebracht werden. Dem Gesuche des Vorstandes der Pfennigfparkasse um Ueberlassung eims Locals In dem Schulhause in der Schulstraße zum Zwecke der Entgegennahme von Einlagen an den Samstag-Abenden wird Genehmigung ertheilt- Em aus der Confolidirung des Neustädter Feldes berrührender Kost-nbetrog von 180 X wird aus die Stadtkasse übernommen. Die aus Anlaß Bcfchlussrs voriger Sitzung aus Bepflanzung de» Ludwigsplatzes mit Kugel-Akazien eingelavfenen Offerten aus Lieferung der erforder­lichen Bäume werden der Baudeputation zur Auswahl überwiefen. Gegen die an ihn ergangene Verfügung aus Versetzung seiner am Bahndämme am Viehmarktplatze gelegenen Veikaufsbude nach der Lahn hin hat Herr Metzger Löwenstein estr Gesuch um Bestehenlaffen fragt Bude an ihrem dermaligen Standorte gestellt. D>e Ver- sammluna spricht sich gegen dieses Gesuch aus. - Für R-nootrung der Thorhäuser am Wallthor werden die auf 1570 X veranschlagten Kosten bewilligt. - Dem Gesuch des Herrn Christoph RÜbsamen dabUr um Ueberlassung eines Kieslagerplatzes zwischen der Lobnbrücke und dem oberen W-Hr wird staitgegeben. - Betreffs der Fest­setzung der Baufluchtlinie in der Erlengasse (veranlaßt durch -'n Gesuch des Herrn W Rudolph um Aufführung eines Neubaues an Stelle des Dietz'fchen Hauses und eines TheileS seines eigenen) soll die eben bestehende Baufluchtlinie beibehalten werden und betr. der Baufluchtlinie in der Bahnhofstraße aus Anlaß des Gesuches des Herrn Heinrich Schaff st aedt zur Erbauung eines Wohnhauses an Stelle des bestehenden soll Angabe derselben durch das Stadtbauamt erfolgen.

Gießen, 7. März. Der 44. Turntag des Gaues Hessen findet nächsten Sonntag, den 9. März, Vormittags 10 Uhr, im kleinen Saale des Wenzel'schen GartenS dahier mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Aufnahme neuer Vereine, 2. Bericht des Gauvertreiers, 3. R-chnungsablsge, 4. Abänderung des §20 der Gausatzungen (Antrag Butzbach), 5. Festsitzung der Gaubeiträge für 1884, 6. Festsetzung der Gauturnfahrten, § 37, 7. Wegfall des § 23 und Einverleibung des Wortes Bezirksvorturnstunden in §29 (Antrag Alsfeld), 8. Beschwerde des Turnvereins Schotten, wegen the'lweiser Zahlungsverweigerung der statutenmäßig festgrsetzien Reisekosten aus der Gaukasse § 29 (Antrag Schotten), 9. welche Ausgaben erwachsin den Vereinen, Gauen und Kreisen aus dem Beschlüsse des letzten deutschen Tnrntags, betreffend die arzustrebende gesetzliche Dienstzeito-rkürzuvg für solche Wehrpflichtige, die eine turnerische Ausbildung besitzen (Antrag Friedberg), 10. die Vereine des Gaues Hessen sind durch den Gau­ausschuß zu ersuchen, demselben vor Ablauf dieses Jahres M>tiheilung darüber zu machen, welche Beträge von denselben in den Jahren 1881, 1882, 1883 für turnerische Zwecke aufgewandt worben sind, worin diese Auswendungen hauptsächlich bestanden haben und welchen Procentsatz der Vereinseinnahmen der betreffenden Jahre dieselben darstellen, 11. die Errichtung eines Grabdenkmals für den verstorbenen Dr. F. A- Wengenroth in Usingen- ______________________

SWonat Juni statt- DaS hohe Paar wird seinen dauernden Wohnsitz in Rußland 6. März. Die von der zweiten Kammer anläßlich der Mittheilung der Verlobung der Prinzessinnen Victoria und Elisabeth an Seine Königliche Hoheit ben Großherzog gerichtete und heute Nachmittag überreichte Aoriste hat folgenden 2B°rtla@üre Königlich- Hoheit haben mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 29. v. Mts. den Ständen des Großher-oglhums Nachricht von des Verlobung der ältesten Achter Eurer Königlichen Hoheit, der Prinzessin Victoria Elisabeth Mathilde Alberta Marte von Hessen und bei Rhein, Grobherzogliche Hoheit, mit seiner Durchlauckt dem Punzen Ludwig Alexander von Battenberg, ältester Sohn Seiner Großherzogltchen Hoh^t deS Prinzen Alexander von Hessen und bet Rhein, sowie der zweiten Tochter Eurer König­lichen Hoheit der Prinzessin Elisabeth Alexandra Louise Alice von Heven und bet Rhein, Großherzogliche Hoheit, mit Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Großfürsten Sergius Alrrandrowttsch von Rußland zu ertheilen geruht. ,.. a t _ ..

1 Die zweite Kammer, wie sie stets den Geschicken des gesiebten Fürstenhauses mit wärmster Thetlnahme gefolgt ist, hat von diesem für die GrohherzoglAe Familie und für das ganze Land so hocherfreulichen Ereignisses mit aufrichtigster Freude Kenntmß Genommen und säumt nicht, neben dem Danke für die ihr gewordene,^'ltheilung, Suter Königlichen Hoheit, wie auch Allerhöchst dessen Familie die tiefgefühltesten Glückwünsche hierzu dabei insbesondere den Wunsch und die frohe Hoffnung aus, daß der

doppelte Ehebund, welchen die vielgeliebten Töchter Eurer Königlichen Hoheit die ibrer bebm weiblichen Tugenden im Lande allverehrten durchlauchtigsten Prinzessinnen Ntctoria und Elt abeth mit ihren hohen Verlobten zu schließen im Begriff stehen, wie kür LVe?mShtten selbst, so auch für Eure König.ehe Hoheit unb Allerhöchst besser. Familie zu einer unerschöpflichen Quelle des Glückes und der Freude sich ge- ftalUn Daß Rese Hoffnung in reichem Maße sich ersülle, basür erbittet die zweite Kammer ben ^Mög?En?e"Königliche Hoheit diese aus dem Herzen kommenben Glückwünsche der zweiten Kammer, welche bie erneute Versicherung lanbessürstlicher Hulb und ©nabe dankbar anerkennt, huldreich aufnebmer. ,

Un tiefster Ehrfurcht Eurer Königlichen Hoheit alleruntertharngst-treugehorsamste

10 zweite Kammer der Landstände.

Kugler. Muhl. Hetnzerling. WolsSkehl.

Berlin, 6. März. Die Fortschrittspartei und die Liberale Vereinigung des Reichstags beschlossen gestern Abend in gemeinsamer Sitzung, folgenden Aufruf an die Gesinnungsgenossen zu richten: Die parlamentarischen Fractronen der Deutschen Fort­schrittspartei unterbreiten der Beschlußfassung der zuständigen Parteiorgane und Billigung der Gesinnungsgenoffen im Lande den Vorschlag, beide Fractionen zu einer Partei zu verbinden, welche den NamenDeutsche freisinnige Partei fuhren soll. Wr svlgen hiermit dem Rufe, der von Tag zu Tag dringender aus allen Theilen Deutsch­lands an uns ergangen ist. Wir geben der eigenen Ueberzeugung hiermit Ausdruck, daß die Vertheidigung der liberalen Sache m der Gegenwart und die Wahrung ihrer Zukunft nur bewirkt werden kann, wenn wir die uns zu Gebot stehenven Kräfte ein­heitlich zusammenfassen. Wir haben uns vergegenwärtigt, daß beide Parteien in den wesentlichen Grundsätzen, welche die politische Arbeit der nächsten Zeit beherrschen müssen, sich in Übereinstimmung befinden. Wir stellten diese Übereinstimmungen m nachstehenden Einigungspunkten fest. Mit denselben glauben wir den Rahmen geschaffen ril haben, der, ohne von irgend einem Theile Opfer an grundsätzlichen Ueberzeugungen ru fordern, fest genug ist, um lähmende innere Meinungsverschiedenheiten auszuschließen, der aber gleichzeitig allen wahrhaft Liberalen den Zutritt offen halt uub ermöglicht. Hiernach rechnen wir auf die Zustimmung der Parteigenossen, denn nur ui der Einig­keit die wir anbahnen, sind wir den Angriffen gewachsen, die heute unsere gemeinsame Sache bedrohen. Rur sie entspricht den Anforderungen einer constitutionen ^utwicklung, welche eine wesentliche Bürgschaft für die Freiheit und Wohlfahrt des deutschen Voltes bildet. Die Einigungspunkte sind: r .. r . ... .

1) Entwickelung des wahrhaft eonstitutionellen Verfassungslebens m 6E)ui)ertem Zusammenwirken zwischen Regierung und Volksvertretung und durch gesetzliche ,Or- aanisation eines verantwortlichen Reichsministeriums, ^Abwehr aller Angriffe aus die Rechte der Volksvertretung, insbesondere Aufrechterhaltung der einjährigen Finanz­periode. der jährlichen Einnahmebewilligung und der Redefreiheit. ,

2, Wahrung der Rechte des Volkes: die Erhaltung des geheimen, allgemeinen, directen Wahlrechts; Sicherung der Wahlfreiheit, insbesondere auch durch Bewilligung von Diäten; Preß-, Vcrsammliings- und Vereinsfreiheit ^gesetzliche Regelung des Ver­hältnisses zwischen dem Staat und ben Religionsgesellschaften unter gleichem Recht sur

Wrrms, 4. März. Gestern Abend sand in der Dorn'Aschen Wirthschaft m der Rbetnstraße eine Besprechung behusS Gründung einerWasserwehr" statt. Aus Verarckossuna einiger hiesiger Bürger wurde schon vor einigen Tagen eine Liste in Circulation gesetzt und haben biß jetzt schon über 200 diesige Einwohner ihren Beitritt erklmt. Die zu gründende Wasserwehr foll sich zur Aufgabe stellen, bei eintretendem Hochwasser den bedrängten Bewohnern der vsn den FluthiN hrimgesuchten Stadttheile behufs Rettung von Hab und Gut zu Hülse zu eilen.

Frankfurt, 4. März. Ein verworfener ffe'ner Bursche, etwa im Mec von 10 Jahren, gerietb gestern Mittag, als er aus der Schule kam, in der Säwurgafle mit einem andern Buben in Streit und stach dem armen Jungen kurzer Hand mit einem Messer in den Leid. Der Bengel floh sodann, wurde aber in der Borngasse ein- ntbolt und verhaftet-

Frankfurt a. M., 4. März. Ein Bauer aus dem Gebirge kam gestern mit einem Einspänner zur ©labt, auf welchen crystallhelles E's geladen war. Er ließ fein Fuhrwerk unter Aufsicht am Bvckenheimer Thor zurück und ging in die Stadt, wo er für fein Eis stolz 90 H pro Ceotner forderte. Aber Niemand wollte ihm diesen Preis bezablen. Es kam die Mittagszeit heran, der Bauer speiste in einem Wirtbshause, trank ein paar Schoppen, nickte ein wenig und machte sich dann so gegen 3 Uhr mit dem Gedanken: Mein Eis werb ich doch noch los, auf den Weg zum Bockenheimer Thor. Leider machte er dort zu seinem Schrecken die Entdeckung, daß er sein Eis in bet Zwischenzeit los geworben war. Die liebe Sonne hatte eine wohlthuende Wärme ent­faltet und das Eis bis auf einen kleinen Rest geschmolzen.

Mit den Miethern bat man heutzutage seine liebe Roth", so klagte ein Hausbesitzer einem andern gegenüber,da habe ich ein paar in meinem Hause wohnen, die kemen ZinS bezahlen und die ich doch nicht binausexpediren kann."Ich wende da ein sehr probates Mittel an" erwiderte der College.Das wäre?"Nun, ich lege den säumigen Zahlern einfach einen Schieserstein auf ihren Schornstein", war ble Antwort.Wenn die Herrschaften Feuer machen wollen, qualmte dann fürchterlich und sie kriegen nicht einen Tannapsel in Brand. Weil sie mich nicht bezahlen, schämen sie sich aber, mich um Abhülse anzrigeh-n unb so beeilen sie sich, ein anderes Logis zu erhalten." Dieses köstliche Auskunftsmittel wendete der Vermiether sofort an und siehe da, er räucherte seine Leute richtig hinaus.

Sechzig Riesenschlangen sind am Freiiag aus Hir.ter-Jnbien im Berliner Aquarium eing'trvffen. Auf der 48tägigen Reife ist nicht eines b't Tbiere zu Grunde gegangen, vielmehr sehen sie sämmtlich prächtig erhalten aus. Die Thiere kamen in fünf mächtigen Kisten an, welche mit Flies ausgeschlagen und jede mit drei Wärm­flaschen versehen waren. Als die Kisten geöffnet wurden, bot es einen grotesken An­blick, wie bie Köpfe der Thiere dichtgedrängt hervorschossen. Mit einem kühnen Grift packten sie die Wärt r alsdann einzeln im G-iftck, schoben sie in einen Sack unb spedirten sie bann von oben in den Scklangenkäfig. Eine wurde ungemüthltch und biß den Wärter in die Hand, so daß sich der ganz- Rachen addrückte. Im Käfig schossen sie nach der langen Hast beständig auf und nieder und besahen den Winkel Dann stürzten sie sich in die Wasserbehälter, die bald dick voll Schlangen lagen. Si- stellen ein Capital von 15,000 X bar.

Aus Ilfeld am Harz wird berichtet: In der Untersuchung, die gegen die drei muthmaßlichen Mörder des Forstlehrlings Beering au8 Rothchütte geführt wird, spielte sich folgende Scene ab. Der Schweißhund, welchen der Ermordete am Riemen geführt, war auf das dortig- Amtsgericht zur etwaigen R<cognvscirung her Mörder gebracht worben. Nachdem mehrere P-rfvnen sich ihm genähert, ohne daß daS sonst bissige Thier dies irgendwie gehindert, wurde d-r eine muthmahliche Mörder, bet jüngere Engelmann, vorgelassen. Alsbald gerieth der Hund in eine förmliche WM und es bedurfte der größten Kraftanstrengungen des Oberförsters M., um das auf­geregte, laut winselnde Thier zu bändigen. Darauf wurde der ältere Engelmann vvr- gesübrt, der, wie verlautet, nicht birect bei der That betheiligt, aber der intellektuelli Urheber des Verbrechens gewesen fein soll. Der Hund knurrte wohl etwas, bild aber sonst ruhig. Sobald aber der dritte Jnhaftirte, der lahme Eisenhardt, in Saale erschien, erfolgte derselbe Wuthausbruch des Hundes, wie bei dem jüngerer Engelmann. ,

Sechs in Freiheit dressirte sibirische Wolfe sind die neueste Erwerbung de! Theaters der R-ichshallen in Berlin. Ihr Dresseur ist ein Spanier, der sich bisher mit der Dressur von Thieren nur aus Liebhaberei beschäftigt hat unb jetzt auf Zured» seiner Freunbe zum ersten Male bie Bübne betritt. Seine Wölfe, große prachtice Thiere, gehorchen aui's Wort und leisten Eerstaunliches. Auf Commanbo erscheinen ft' einzeln aus ihren Käfigen und kehren in dieselben zurück. Sie marschireu in Evlonneii auf, rücken im Trabe vor, sitzen in Front auf den Hinterbeinen, springen ihrem Dresseur auf die Schulter u. s. w. und der Hauvtkünstler unter ihnen springt über eine Reihe von 7 Stühlen, 4 Stühle übereinander, mit Leichtigkeit hinweg. Wenn man die ur- unruhige Natur des Wolfes erwägt, so muß man diese Dressur als erstaunlich be­zeichnen. Auch hier hat Güte und Geduld alles erreicht. Als die Thiere jung waren, schliefen sie z. B. wie Hündchen im Bette ihres Herrn. Und wie Hund- folgen sie ihm noch heute.

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