Ausgabe 
7.12.1884 Viertes Blatt
 
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Rr. 287 Viertes Blatt Sonntag den 7. December L884t

Meßmer Anzeiger

Amts- u»d Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulstraß- 7. Erscheint täfllidi mit Ausnahme des Montags. 2 Mark 20 PH mit Bringerlahn.

u Durch bte Post bezogen vrerteliährlich 2 Mark 50 Ps.

Darmstadt, 4. December. Im Rechnungsjahre 1882/83 betrug im Steuerbezirk Mainz die Summe der zu zahlenden birecten Steuern 1,852,966 JL 99 in den beiden übrigen Hauptstädten des Landes, in Darmstadt und Gießen, zusammen 1,811.183 92 Ohne Mahnung wurden hiervon be­

zahlt 1,490,000 Jl. 83 H, hiervon wurden nach der Pfändung uno ohne Ver­kauf der Pfändung eingenommen 28,203 Posten mit 272,851 Jl. 44 durch Verkauf der Pfänder wurden eingenommen von 78 Poften mit 1006 54 $

und uneinbringlich sind geworden 44,114 Posten mit 48,399 JL 77 H. In Darm­stadt und Gießen betragen die uneinbringlichen Posten zusammen 57,023 vH. 25 , 8693 .X 7 3\ mehr wie in Mainz.

Um Staatsunterstützung für Schulhausb.mten haben sich beworben: Walldorf, Mühlheim, Sprendlingen, Jugenheim, Nieder-Ramstadt, Birkert, Böll­stein, Haingrund, Hummetroth, Rimhorn, Weitengesäß, Würzberg, Hammelbach, Kreibach, O.-Scharbach, Liederbach, Schwarz, Burg-Gemünden, Rieder-Ohmen, Ober-Gleen, Babenhausen, Merkenfritz, Bruchenbrücken, Harheim, Ober-Erlenbach, PohlgönS, Wölfersheim, Maar, Ober-Wegfurth, Dintersheim, Hackenheim, Essen­heim, Hohen-Sülzen, Horchheim, Neuhausen, Weisenau, Gronau, Zell, Schnep­penhausen, Froschhausen und Groß-Eichen.

Für die vom Staat zu erbauenden Nebenbahnen : Hungen - Laubach, Nidda-Scholten und Stockheim-Gedern, für welche bekanntlich ein Gesammt- betrag von 1,836,000 Jt. bewilligt ist und deren Inbetriebnahme im Jahre 1886 zu gewärtigen steht, glaubte die Regierung vorerst nur den Betrag von einem Procent des Baukapitals als muthmaßlichen Reinertrag in's Einnahme- Budget aufnehmen zu können, während für die Linie Eberstadt-Pfungstadt als­bald eine Verzinsung mit 3 pCt. angenommen wird.

Im Jahre 1883/84 waren im Großherzogthum 435 Branntwein- Brennereien in Betrieb und lieferte die Maischbottich-Steuer einen Ertrag von 424,853 <X An Kartoffeln wurden nahezu 21 Millionen Kilogramm ver­arbeitet.

Universität- - Chronik.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt:Einige Blätter brachten vor Kurzem die Mittheilung, daß die Berliner medic n sche Fakultät traft einhelligen Beschlusses in einem Schreiben an den außerordentlichen Pivf.ssor Dr. Schwenntnger sich bi ff en gesellschaftlichen Umgang oerdeteu oder, was in der Sache auf dasselbe hinausläuft, keinen andern alö den dienstlich und gesetzlich vorgeschrtebenen Verkehr mit ihm unter­halten zu wollen erklärt habe. W'r b.sinden uns in der Lage, die Richtigkeit dieser Angabe mit dem Hinzufügen zu bestätigen, daß d-eseS Vorgehen der Fakuliät inzwischen die erforderliche Remedur erfahren hat." W e diese Remedur gegeben ist, wird bald Mannt werden, und möglicherweise erhält die Sache die Bedeutung eines Ereignisses, welches in der w ss nschaftltchen Welt tief empfunden wird. DenNst. 31. zufolge wird nämlich von zuverlässiger Sette mitfletheilt, daß, als die Fakultät den oben be­zeichneten Entschluß faßte, eine Anzahl der hervorragendsten Gelehrten beschlossen haben, im Falle eines Vo-gehenS der Regierung in entgegengesetztem Sinne sofort ihre Stellen an b^r hiesigen Un verNiät niederzulegen.

Vermischte-.

Dillenburg, 3. December. Bei dem am Montag In den Oeconomte-Ge- bänden entstandenen Feuer find 23 Scheunen ntedergebrannt, mehrere beschädigt und eine zum Hemmen des Feuers niedergeriffen. Ueber die Entstehung des Brandes läßt sich noch nichts Bestimmte« mittheilen, jedoch ist ein fich keines guten Leumundes er­freuendes Individuum wegen Verdachts der Brandstiftung gefänglich etnqezogen, da der Betreffende tn letzter Z it mehrfach Drohungen ausgestoßen halte, die etabt anzuzünden. Die gerichtliche Untersuchung wird das Weitere ergeben.

(Zig. f. d. Dillth.)

Köln, 2. December. In dem diesen Morgen ab Frankfurt a. M. fahrenden Schnellzug gerieth durch eine heißgelaufene Axe ein nur schwach b setzier Wagen in Brand. Er konnte auf der ©tat en Boppart schnell entfernt werden, doch kam der Zug dadurch mit 17 Minuten Verspätung in Köln an.

Frankfurt a. M., 3. December. DasInt.,Bl." schreibt.' In der hiesigen Stadt besteht zur Zeit eine große Nachfrage nach Z hnpfennigstÜcken mit der Jahres­zahl 1873. Diese Münze wird hauptsächlich von W'rthen, Kellnern und Specerei- händlcrn, Ku'schern u. s. w. gesammelt. Wie eS heißt, soll das Stück mit einem Auf­geld bis zu 20 H und noch mehr bezahlt werden. Um diese Sammlermanie zu erklären, wird erzählt, daß tn München Jemand um eine hohe Summe gewettet hätte, biS zum 1. Januar 1885 4000 solcher Zehnpfenntgstücke Herbetschaffen zu können. Andererseits tblt es nicht an Leuten, welche die Geschichte für erfunden und das Ganze für einen schlechten W tz erklären. Diese Auffassung wird unterstützt durch eine Er­fahrung, die ein süddeutscher Correspondent derGermania" gemacht Hai. In dem Hamb. Frdbl." vom 12. November suchte nämlich ein Herr Ad Fr. in Hamburg, Alterwall 48, b'k 20/22. Nov mber 10 PfennigMickclstÜcke von 1873 mit dem Aufgeld von 5 per Stück, also 15 H per Stück zu kaufen. Der erwähnte Correspondent derG immia" sandte nun zur rechten Z it an Ad. Fr. in Hamburg ein Packet mit 53 X 25 H in den gewünschten Nickeln. Was war das Resultat? Das gegen Post-

nachnahme nach Hamburg adressirte Packet kam zurück mit dem Vermerk:Annahme verweigert, weil Annahme der Münzen geschlofien. Hamburg, 22. 11. 84. LohuS, Postschaffner." Obwohl die Sendung zur rechten Zeit eintraf, wurde die Annahme verweigert, wahrscheinlich wegen derPostnachnahmc". ES wäre interessant, dahinter zu kommen, ob es sich hier um einen schlechten Witz oder vielleicht gar um einen Schwindel handelt. Wie wir erfahren, geht daS Gerücht, daß nicht nur Zehnpsennig- stücke, sondern auch alle Fünfzig-Pfennigstücke aufgekauft werden und zwar von den Staatskassen mH einem Aufgeld von 20 An einzelnen Stellen sch-int der Handel bereits recht flott zu gehen. In den Wa tesälen des Hanauer Bahnhofs kaufte gestern ein Mann Zehnpfenntgstücke aus 1873 zu 25 AlS man ihn nach seiner Adresse fragte, gab er dereitw llig an:I. Weinberger, Fahrgasse 52", mit dem Bemerken, daß man bei ihm für 73er Zchnpfennigstücke stets 25 erhalte. Nach dem Adreß­buchs gibtS aber weder Fahrgasse 52, noch Überhaupt in Frankfurt einen I. Wein­berger. Auch in der Umgegend, namentlich tn Offenbach, soll dieser rätselhafte Münzhandel blühen. Es wäre vielleicht zweckmäßig, wenn die betreffenden Behörden erklärten, daß die Staatskassen für die in Rede stehenden Münzen ein Aufgeld nicht zahlten.

Theater.

Am Sonntag soll wieder den Kindern eine Freude bereitet werden durch Aus­führung desSneewittchen bei den 7 Zwergen". Abends w id das große romantische Ritteischauspiel von KleistDaS Käthchen von Heilbronn*, auf dessen Aufführung man bereits sehr gespannt ist, in Scene gehen.

Wieder ein recht erfreulicher Beweis der rastlosen Thätigkelt unserer Tbeater- birection wird uns soeben bekannt. Director Herrmann versteht es wirklich, an­genehm zu überraschen. Es ist den andauernden Bemühungen dess lben gelungen, für Montag den 8 d. M. ein hochinteressantes Gastspiel einer unserer ersten Heroinen der deutschen Bühne abzuschließen. Frau Charlotte Lange, welche vor Kurzem für die vereinigten Stadttheater in Frankfurt a M nach glänzend absolvirtem Gastspiel gewonnen wurde und dort große Triumphe feiert, wird an dies m Tage an unserer Bühne auftreten und zwar in der Titelrolle von Mösenthal'sDeborah".

Da die Überall außerordentlich gefeierte Künstlerin auch hier in weiteren Kreisen bekannt ist so steht gewiß ein großer Andrang zu dieser Volftellung zu erwarten, für bte wir schon j ht unferm Director Herrm ann besten Dank wissen. Rathsam dürfte es daher fein, sich frühzeitig mit Plätzen zu versehen.

Die berühmte Tragödin aber heißen wir herzlich willkommen und rufen wir ihr und der Direktion zum Montag fröhlichesGlück auf zu.

In Folge des bedeutenden Gastspielhonorars, daS die Künstlerin erhält, müssen die Preise um ein geringes erhöht werden.

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Literarisches.

In der G. Jonghautz'fchen Hofbuchhandlung, Verlag, wird tn der Kürze eine neue Auflage des seit Jahrzehnten wohlbekannten Handbuches der Ver­waltungsgesetzgebung im Großherzogthum Hessen von Provinzial- Director Friedrich Küchler erscheinen. Dasselbe wird tn zwei Bänden r» circa 45 Bogen zu dem Subscriptionspreise von 10 JL ausgegeben; nach Erscheinen wird eine Preiserhöhung eintreten.

Bei dem überaus großen Jntereffe, welches Küchler'S Handbuch für alle Ver­waltungsbeamte, Rechtsanwälte, Richter, Kirchen-«nd Schulvorstände. Geistliche u. f. w. bietet, halten wir es für angezeigt, unsere Leser ganz besonders auf dieses Werk auf­merksam zu machen. Aus dem reichen Inhalte heben wir hervor: Verfassung des Deutschen Reichs. Staatsoerfassung. Landständtsche Angelegenhe ten. Geschichte, Statistik und Topographie. Staatsverwaltung. Verhältnisse mit auswärtigen Staaten. Verhältnisse der Standesberren und adeligen Gerichtsherren. Lehenangelegenhetten. Militär- und Krtegsangklegenhetten. Finanzangelegenheiten. Justizangelegenheiten. Kreis- und Provinzial-Verwaltung. Land- und Stadt-Gemeinde-Verwaltung. Schul- angelegenbeiten. Armen- und WohlthätigkeitSpolizei. Krankenoersicherungsangelegen- heiten. Medicinalwesen und Saniiätspolizet. Sicherheitspolizei, Sittenpolizei. Land- wirtbschaftsangclegenh-iten. Forst-, Jagd- und Ftschereipolizei. Preßangelcgenheiten. Handel und Gewerbe. VerkehrS-Anstalten. Baupolizei. Feuerpolizei. Kirchenange- legenhe'ten. Angelegenheiten der Juden u. s. w. u. s. w.

Für Hausfrauen, Töchter oder Bräute gibt eS wohl kaum ein nütz­licheres Uno eleganteres Wechnachisgischenk, als eine gute Nähmaschine, denn mit ihr wird eine Menge Zeit und Geld erspart und außerdem arbeitet sie dauerhafter, correcter und schöner, als dieses mit der geübtesten Hand möglich ist. Sie gleicht mit ihrem unverdrossenen, fleißigen Walten einem guten Geiste im Hause und wer sie einmal besitzt, mag sich nimmermehr von ihr trennen. Den Original Singer Näh­maschinen. die auf allen Weltausstellungen und neuerdings wieder tn Amsterdam, mit dem höchsten Ehrenpre.se ausgezeichnet wurden und die hierselbft in großer Auswahl im Geschäfte des Herrn G. Neidlinger, Bahnhofstraße 10, zu haben find, geht der Weltrubm voraus, daß fie einfach und solid construirt find und eine bewundernswerth schöne und elegante Arbeit leisten, wie dieses auch in den ausgelegten Näharbeiten fich bocumentkf. Man erinnere sich daher bei seinen Einkäufen dieses renommirten Ge­schäftes. Es verdient noch ganz besonders hervorgehoben zu werden, daß die Firma G. Neidlinger weniger bemittelten Familien ober alleinstehenden Frauen und Mädchen den Bezug von Nähmaschinen tn coulanter Weise durch Ratenzahlungen erleichtert oder vielmehr erst ermöglicht, den Käufern durch geschulte Kräfte den Unterricht gratis ertheilen läßt und Jedem, der den Laden betritt, in zuvorkommender Weise die außerordentliche Leistungsfähigkeit dereisernen Nähmamsells" an diesen selbst demonstrirt.

Allgemeiner Anzeiger.

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aller auf Station Gießen ankommenden und abgehenden Züge für das Winterhalbjahr 1884|85 ist auf der Ervedition d. Bl., sowie durch die Zeitungsttäger ä 20 Pfg. zu beziehen.