Ausgabe 
7.12.1884 Erstes Blatt
 
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Rr. 287 Erstes Blatt. Sonntag den 7. December

1884

Gießener

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn.

Vnrean: Schulftraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Gefunden: 1 Plüschkragen, 1 Handschuh, 1 Armstauchen, 1 Sturmlaterne, 1 Halstuch, 2 Compressen.

Gießen, am 6. December 1884. Großherpgliche« Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» itUat. rorrespondem-Vneea«.

Berlin, 5. December. R-ichStag. Beraihuag über den Antrag Grillen- beraer:Der Termin btß Inkrafttreten« de« Krankenkassengesetzes wird auf den 1. April 1885 verschoben." StaatSsecretSr Bötticher bestreitet da« von Grillenberger behauptete Vorhandensein einer Animosität gegen die freien HülfSkassen. Da« Kranken- kassengesrtz sei vollständig durchgeführt. Neue Anträge würden nur den Erfolg haben, die Wohlthaten de« Gesetze« den weiten Srbeiterkretsen sechs Monate vorzuentha ten. Die Regierungen würden unter keinen Umstünden auf den Antrag etngehen. Schließ- lich wird der Antrag an eine Commission verwiesen- . ,

In der darauf fortgesetzten EtatSberathung über den Militürrtat wird denelbe bi« Capttel 17 tncl. genehmigt mit Ausnahme einiger Titel, welche der Budget-Com- Miffion überwiesen werden.

Nächste Sitzung Dtendtag. . .

Die Budget-Commission setzte die Berathung de« Militüretat« fort und ge­nehmigte das KapitelGeldverpflegung der Truppen". Fravkcnstetn zog den Antrag auf Besetzung der beiden Bezirke commandeurftellen in Berlin durch inakt ve Osficiere zurück, nachdem der KriegSmtnister erklärt hatte, er würde, wenn möglich, auf den Brtgadecommandeur verzichten, wenn für die BeztrkScommandeurstellen zwei activ: Regt» mentScommandeure bewilligt würden. , .

Köln, 5. December. Der Oberbürgermeister hat den Stadtverordneten in der gestrigen Sitzung mitgetheilt, daß die Stadt den Proceß wegen Rückgabe der in dem letzten Kriege zu viel erhaltenen Seroisgelder bei dem Reichsgericht verloren habe. Die Stadt Köln hat daher ungefähr eine Viertel-Million Mark an den Staat zurückzuzahlen. , , , x

Krefeld, 5. December. Wie dieKref. Ztg." meldet, fuhr heute Mor­gen eine leere Maschine dem um 7 Uhr hier abgehenden ersten Personenzuge nach Köln beim Ausfahren aus dem Bahnhofe in die Flanke, wodurch em Ge- päckwagen zertrümmert und drei Personenwagen beschädigt wurden. Passagiere sind nicht verletzt worden. Der Locomotivführer der leeren Maschine wurde leicht verwundet. n r , ,, , .

Danzig, 5. December. Bei der gestrigen Rerchstags-Ersatzwahl in dem hiesigen Wahlkreise erhielten Schrader (dsreis.) 6376 Stimmen, Oberpräsi­dent v. Ernsthausen (conf.) 2985 Stimmen, Landmesser (Centr.) 2859 Stimmen, und Jochem (Soc.) 1451 Stimmen; es ist eine Stichwahl zwischen Schrader und Ernsthausen erforderlich.

Aachen, 5. December. Siebzehn bei Rochefort gescheiterte deutsche Seeleute trafen heute, von Paris kommend, hier ein; dieselben werden nach ihrem Stationsorte Danzig weiterbefördert.

Stuttgart, 5. December. Die von der zweiten Kammer zur Vorbe- rathung der Reichspost - Sparkassen - Angelegenheit niedergesetzte Commission be­schloß mit 13 gegen 3 Stimmen, die Kammer wolle unter Wahrung des Post'Reservatrechts ihr Einverständniß mit der Stellung erklären, welche die Staatsregierung in dieser Frage eingenommen habe, und gegen die Zustimmung der Staatsregierung zu dem amendirten Reichs-Gesetzentwurf keine Einwendung erheben. In den Motiven des vom Kanzler Rümelin erstatteten Berichts heißt es, daß der Gesetzentwurf sich aus dem Art. 52 der Reichsversassung nicht be- gründen lasse und daß Württemberg somit berechtigt sei, den Beitritt abzulehnen, daß dasselbe jedoch auch nicht gehindert sei, in freier Zustimmung und ohne Präjudiz für sein Sonderrecht dem Reichs-Jnstitute sich anzuMeßen. Dre Zu­stimmung Württembergs sei indeß nur bindend für die vorliegende Fassung des Bundesraths. Sollte der Reichstag wesentliche Aenderungen beschließen, so könnte Württemberg sein Reservatrecht auf's Reue geltend machen. Die Plenar­sitzung der Kammer findet morgen statt.

Bremen, 5. December. Die Rettungsstation Warnemunde der deut- schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 5. December von der Oldenburger BriggCatharine", Kapitän Brumund, gestrandet auf Kratzsand, von der Südsee nach Hamburg bestimmt, 11 Personen gerettet durch das RettungsbootKöln." Schwerer Weststurm mit Gewitter. Schiff verloren.

Hamburg, 5. December. Das schwimmende DockBlohm Voß" mit dem englischen DampferAtheus" ist in Folge starken Sturmes und Eisganges losgeriffen und sitzt in gefährlicher Lage oberhalb des Schanzengrabens. Stülckes Dock, welches gleichfalls mit dem SegelschiffeHammonia" losgeriffen ist, liegt vor Steinwärders Landungsbrücke gegenüber St. Pauly.

London, 5. December. Das Oberhaus hat in dritter Lesung ohne Abstimmung die Reformbill angenommen.

Lokales.

Gießen, 6. December. sMusikj Am Samstag den 13. b. M. findet tm Saale des Gesellschaftsvereins ein Extra-Concert statt, dem das größte Interesse ent- gegengebracht werden dürfte. Wir brauchen nur den Namen Dengremont zu nennen und jeder Musikfreund wird wissen, daß er etwas Hervorragendes zu erwar en hat: denn wer kennt nicht den gefeierten, überall mit wahrem Enthusiasmus berühmten Geiger, der schon als kleiner Knabe die ganze Welt von sich reden machte und heute, wo er zum Jüngling herangereift ist, und ein tieferes Empfinden seinem Vortrage bei­geben kann, auf der Höhe unserer bedeutendsten Virtuosen steht. Au« dun Wunder­kinde ist ein Jüngling geworden, der durch entzückendes Spiel, durch musterhafte Be. Handlung des schwierigen Instrument- ohne rede Effekthascherei daS Publikum für sich

zu gewinnen versteht. Sein Ton ist rund und schön und dabei so zart singend, daß man ihn der menschlichen Stimme vergleichen kann. Seine Bogenführuug ist elastisch und graciöS. ~ r m

Der Abend, an welchem der junge Künstler mit Frau Johanna Wegner, einer vortrefflichen Altistin, und Herrn Hoipiantsten Paul Eckhrff, hier austreten wird, dürfte sich zu einem höchst genußreichen gestalten. Wir kommen in nächster Woche noch einmal auf da« Concert zurück um das musikliebende Publikum auch mit den beiden anderen Gästen bekannt zu machen.

Eingesand t.e)

Gießen, 6. December.

Im gestrigen Anzeiger ist über die erfolgreiche Thätigkctt des Gießener Pump­werks berichtet. Sollte diese nicht über daS Ziel hnauSsch,eßen, wenn dadurch alle« Wasier auS der Stadt fortgeschdfft wird? Seit gestern Morgm ist in dem Schoor- graben nicht so viel Wasser, daß man trotz aller Mühe einen Eimer vollschöpfen kann. WaS hätte es geben sollen, wenn bet dem gestrigen Sturm Feuer auSgebrochen wär«? Eine rationelle Leitung muß dahin führen, daß das Pumpwerk nur daS überflüssige Wasier beseitigt, nicht aber eine WasserSnotb veranlaßt, durch welche viele Leute, ab­gesehen von der FcuerSgefahr, sehr empfindlich berührt werden.

*) Wenn wir auch mit dem Inhalt deS vorstehenden .Eingesandt" nicht ein­verstanden sind, so gewähren wir demselben doch, nach dem Grundsatz: Audiatur et altera para, die Aufnahme in unserem Blatte. D. Red.

Stuttgart, 3. December. lAllgemeiner. Deutscher VersicherungS- verein j Im Monat November 1884 wurden 405 Schadrnfälle angemeldet und zwar 319 äußere Verletzungen und 86 innerliche Erkrankungen. Von den Unfällen batten 4 den sofortigen Tod und 34 eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Verletzten zur Folge. Von den Mitgliedern der Sterbrkasse starben in diesem Monat 19. Neu ausgenommen in den Verein wurden im Monat November 3459 Personen. Alle vor dem 1. September 1884 cingetretenen Schäden, tncl. der Tode«- und Jnvalidität«- sälle sind bis auf bt% von si.deuuudzwan-'g noch nicht genesenen Personen vollständig regultrt.8116

Hebet Netter'S Haarwasser.

Es kann Nicht genug wiederholt werden, und ist auch darüber schon Vieles von Autoritäten geschrieben worden, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur verstopfen, in Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welck^e die Hautausdünstung verhindert, die Haarwurzeln erstickt und dadurch Kopfleiden und kahle Stellen erzeugt. Und dennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwindel­hafte Rcclame unbedacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich fei Hundert­tausende für schädliche Haarmittel ausgeben und in dem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur den Charlatamsmus unter­stützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Zelten von dem unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abzulassen und dafür em wirklich gutes conservirendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Oele und Pomaden zu gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und unschädliches Mittel kann das

Haarwasser von Carl Retter in München nicht genug empfohlen werden, da dasselbe laut Gutachten hervorragender Autoritäten, wie Professor Dr. v. Wittstcin rc- rc-, Alles enthält, um das Haar feucht, weich, glan- 'zend und die Kopfhaut immer thätig und weich zu erhalten, sowie die lästigen Schuppen innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. Zu beziehen per Flacon ä 40 und «X 1.10 bei Herrn C- Merkel, Marktstraße, Gießen-

Handel und Verkehr.

Gießen, den 6. December. Auf dem heutigen Markt kostete Butter: perPmnd JL 1.051-10, Hühnereier pr. Stück 80 Käse St- 47 Kasematte 23 Erbsen pr. Liter 20 H, Linsen 28 Tauben per Paar 0,45-0 60 ^ Hühner per Stück 0.85-1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.701.10, Enten per Stuck 130-1.50, Gänse per Pfund 40-52 H, Welsche ^ 0.00-0.00 Ochsenflersch per Pfund 6670 H, Kuh- und Rindfleisch 54-60 Schweinefleisch ov-60 Hammelfleuch 60-68 ^, Kalbfleisch 50-00 H, Kartoffelnper 100 Kilo3.00-3.o0 Milch per Liter 1216 Zwiebeln per Ctr. JL. 4.00-0.00, Weißkraut vr. Stück 47

Auszug aus dm Standesamtsregistern des Standesamts Gießm.

Aufgebote.

November: 29. Gärtner Johannes Schwegler mit Elisabeth Welker zu Gießen. December: 1. Der Großh Amtsanwalt Emil Georg Schlapp zu Bingen mit Mathilde Amalie Auguste Pauline Marie Hoffmann, Tochter des Großh. HofgerichtSroth i. P. Karl Christian Hoffmann zu Gießen. 1. Kaufmann Friedrich Ludwig Richard Volck zu Berlin mit Marie Luise Agnes Flory, Tochter des Obertelegrophen-Assisienten Christian Friedrich Ferdinand Flory zu G'eßen. 2. Schuhmacher Karl Ferdinand Funck mit Lina Schmitt, Tochter des Taglödners Hartmann Schmitt zu Mainz. 3. Decorationsmaler Johann Lock mit Marie Steurath zu Wiesbaden. 3. Taglöhner Friedrich Heberkorn mit Elisabethe Leng zu Rainrod. 3. Weißbinder Johannes Brawm mit Jacodine Johanna Henriette Katharine Welcker, Tochter des verstorbenen Bäcker« Philipp Wilhelm Welcker zu Gießen. 4. Der Hülfsweichenstiller Ernst Franz Heilmann mit Luise Sann, Tochter des verstör denen LandwirihS Heinrich Sann V. zu Gießen. 4. Gendarm Heinrich Dörr zu Gießen mit Marie Katharine Hamel, Tochter des Land- wirths Eberhard Hamel zu Annerod-

Geborene.

November: 25. Dem Weißbinder Konrad Döpfer eine Tochter. 25 Dem Kutscher Karl Stroh ein Sohn, Johannes Adam Willy^ 25. Dem Schutzmann Andreas Göbel eine Tochter, Auguste Katharine Luise. 29. Dem Kaufmann Rodert Hecker ein Sohn, Albert. 30. Dem Gemüsehändler Johannes -Schäfer ein Sobn. 30- Dem Premier- Lieutenant im II. Großh- Hessischen Infanterie-Regiment (Grotzh-rzog) Nr. 116 Wilhelm Müller eine Tochter. 30. Dem Schreiner August Biek eine Tochter, Auguste Wilhelmine. 30. Dem Schuhmacher Georg Hoos ein Sohn, Heinrich. December: 2. Dem Schreiner Heinrich Karl Dickhardt eine Tochter, Johannette. 3. Dem Taglöhner Ludwig Seibert ein Sohn.