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Mx. tos. Dienstag den 6. Mai 1884
ießener Anzeiger Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Gw-saur Schulstraße 7.
Erscheint Läßlich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
AwLticher HHeil.
Bekanntmachung.
Auf Ersuchen des Präsidiums des Landespferdezucht-Vereins bringe ich zur öffentlichen Kenntniß, daß derselbe am 12. Mai, Vormittags 11 Uhr, eine Generalversammlung in Wörrstadt mit folgender Tagesordnung abhalten wird:
1) Rechenschaftsbericht des Vorstandes.
2) Bericht des Ausschusses über die Jahresrechnung pro 1883 und Decharge-Ertheilung.
3) Wahl je eines Provinzial-Vorstehers und dessen Stellvertreter für Starkenburg und Rhemhesien.
4) Ankauf von Stutfohlen. ' ™ ~ f
5) „Zweck und Ziele der Pferdezucht in der Provinz Rheinhessen". Referent: Herr Rittmeister M. Heyl.
Gießen, am 3. Mai 1884. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
Nover. _______________
Deutschland.
Darmstadt, 2. Mai. Mit Ihrer Maj. der Königin Victoria speisten gestern Abend Ihre Kaiserl. Hoheiten der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin, Ihre Königl. Hoheiten die Prinzessin Beatrice, die Prinzessin Victoria von Preußen und der Großherzog.
Heute Vormittag hat sich Ihre Majestät mit der deutschen Kronprinzessin, der Erbpcinzessin von Meiningen und der Prinzessin Feodora von Meiningen im Reuen Palais durch den Hof-Photographen Karl Backofen in einem Gruppenbild aufnehmen lassen. Darauf empfing die Königin Se. Königl. Hoheit den Prinzen Heinrich von Preußen, welcher sich verabschiedete, und Se. Großh. Hoheit den Prinzen Alexander.
Um 2 Uhr nahmen mit der Königin der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin, die Prinzessin Beatrice von England, die Erbprinzessin von Meiningen, die Prinzessin Victoria von Preußen und die Prinzessin Alix das Luncheon ein.
Rach dem Luncheon empfing Ihre Majestät den Lord Amphtill, Königl. Großbritannischer Botschafter in Berlin; darauf den deutschen Kronprinzen, welcher sich verabschiedete. l , rr
Um 4 Uhr fuhr die Königm mit den Prinzessinnen Beatrice und Alix in einem geschloffenen vierspännigen Wagen nach Jugenheim, um den Hohen Neuvermählten auf Schloß Heiligenberg einen Besuch zu erstatten.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog war mit dem Erbgroßherzog und den Prinzessinnen Elisabeth und Irene schon am Vormittag dahin gefahren.
Darmstadt, 2. Mai. Die gestern Abend stattgehabte Versammlung der deutsch-freisinnigen Partei beschloß nach den einleitenden Referaten der Herren Schödler und Langenbach einstimmig die Reichstags-Candidatur des Herrn Stadtverordneten Rückert, vorbehaltlich der Zustimmung einer aus Stadt und Land einzuberufenden Versammlung von Parteigenossen. Es wurde ferner der der Landesversammlung vorzulegende Programm-Entwurf einer eingehenden Be- rathung unterzogen. Die einzelnen Programm-Punkte und die erläuternden Motive fanden allseitige Zustimmung der Anwesenden. Zu vorgerückter Stunde wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden, Herrn Professor Dr. Büchner, mit dem Wunsche und der Hoffnung geschlossen, daß auch die bevorstehende Wahlcampagne mit einem Siege der wahrhaft freisinnigen Partei enden möge.
Darmstadt, 2. Mai. Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogthums Hessen Nr. 3 enthält:
1. Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf § 13 und folgende des Gesetzes vom 26. Novern- oer 1883, Disciplinar-Verhältniffe der Geistlichen der evangelischen Kirche des Großherzogthums betreffend,
wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog zu ernennen geruht haben: .
den Großh. Landgerichtsdirector Köhler zu Darmstadt zum Mitglied uno Präsidenten.
den Landgerichtsrath Heinzerling zum stellvertretenden Mitglied, den Rechtsanwalt Geheimen Justizrath Buchner zu Darmstadt zum Mitglied und stellvertretenden Präsidenten,
den Rechtsanwalt Dornseiff zu Gießen zum stellvertretenden Mitglied, den Landgerichtsrath Rohde zu Darmstadt zum Mitglied,
den Amtsrichter Küchler zum stellvertretenden Mitglied, den Pfarrer Dr. Krätzinger zu Bessungen zum Mitglied,
den ersten Pfarrer Müller zu Worms zum stellvertretenden Mitglied, den Pfarrer Dr. Hager zu Erzhausen zum Mitglied,
den Pfarrer Dr. Bergmann zu Bingen zum stellvertretenden Mitglied, den Pfarrer und Dekan Kalhhenn zu Burg-Gräsenrode zum Mitglied,
den Pfarrer Hildebrand zu Echzell zum stellvertretenden Mitglied,! des kirchlichen Disciplinarhofes.
Von der Landessynode wurden zu Mitgliedern bezw. Stellvertretern des kirchlichen Disciplinarhofs gewählt: r. k
der Großh. Geheime Obersteuerrath Baur zu Darmstadt zum Mitglied, •rbcr Großh. Oberfinanzrath Emmerling zu Darmstadt zum Stellvertreter, der Rechtsanwalt Weber zu Offenbach zum Mitglied,
der Pfarrer und Dekan Müller zu Alsfeld zu deffen Stellvertreter, der Dr. Max Rieger zu Darmstadt zum Mitglied,
der Oberförster Dieffenbach zu Schlitz zum Stellvertreter.
2. Dienstnachrichten.
3. Dienstentlassung.
4. Sterbjälle.
Darmstadt, 2. Mai. Das Amtsblatt Großh. Hessischen Ob rconsistortums Nr. X enthalt folgendes Ausschretben vom 15. April, betr.: Die Errichtung einer Arbetter-Colonie für das Großherzogthum Hessen und dm Königlich Preußischen Retz erungsbezi k Wiesbaden: v _
Der Vorstand des Vereins zur Gründung einer Arbeiter-Colonie für das Groß- herzogthum Hessen und den Königlich Preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden hat uns unter Mtttheilung des von ihm erlassenen Aufrufs und eines an die Großherzoglichen Kreisämter gerichteten Schreibens ersucht, Ihnen dieses Werk der inneren Mission dringend ans Herz zu legen und Ihnen insbesondere zu empfehlen, die obrigkeitlich genehmigte Sammlung mit allen Kräften zu unterstützen, namentlich bet deren Ausführung Ihre Mithülfe da, wo dieselbe von den Staats- oder Ortsbehöcden erbeten wird, bereitwillig eintreten zu lassen. ,
Wir entsprechen diesem Ersuchen um so lieber, als einerseits wir von der Wichtigkeit der Bestrebungen des Vereins und von der Nothwendigkett, dieselben auf dem Boden christlicher Liebesthättgkett zu fördern und zu pflegen, überzeugt sind und andererseits die überaus starke Betheiligung der Geistlichen an der Versammlung, in welcher die Bildung des Vereins beschlossen wurde, uns die erfreuliche Gewißheit gibt, daß es eines Mahnrufs von unserer Seite nicht bedarf, um ihr Interesse an dieser Angelegenheit zu erwecken. Wir glauben dem Ersuchen des Vereins am Besten dadurch zu entsprechen, daß wir Ihnen einen Abdruck des Aufrufs und des von dem Vorstand an die Kreisamter gerichteten Schreibens diesem Ausschretben beischlteßen; Sie ersehen daraus, in welcher Weise die von Großherzogltchem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigte Collecte erhoben werden soll und daß auf Ihre Mitwirkung dabei gerechnet wird, sobald von den Ortsbehörden nach den lokalen Verhältnissen es für zweckmäßig erachtet wird, dieselbe in Anspruch zu nehmen. Letzteres wird wohl immer da der Fall sein, wo die Bildung von Local-Comltös angestrebt wird, und es wird wohl überall dankend anerkannt werden, wenn Sie durch Benehmen mit der Ortsbehörde in dieser Beziehung anregend thättg sind. m
Auch in anderer Weise wird es Ihnen möglich sein, das Interesse an den Bestrebungen des Vereins zu wecken. Ist es doch allgemein anerkannt, wie entsittlichend der durch planloses Almosengeben in den Häusern großgezogene Bettel wirkt; hierauf und auf den Segen einer organifirten Ltebesthätigkeit, welche den Bettel beseitigen und den arbeitsscheuen Vagabunden sittlich heben, zur Arbeit erziehen will, htnzuwetsen, dazu gibt Ihnen die Predigt und die Seelsorge hinlänglich Gelegenheit.
Wenn die Kirchenvorstände in der Lage wären, aus den vermögenderen Kirchenfonds dem rubrtctrten Vereine Gaben zuzuwenden, so würden die desfallsigen Beschlüsse die Genehmigung der Kretsämter und unsere Genehmigung finden.
Bet dieser Gelegenheit wollen wir nicht versäumen, auch der von den Arbeiter- Colonien nicht zu trennenden Naturalverpflegungsstationen, ohne welche die Colonien nicht segensreich wirken können, Erwähnung zu thun. Zwar ist, während die Gründung und Erhaltung der Arbeiter-Colonien lediglich eine Sache der freien Vereinsthattgke't sein und bleiben muß, die Einrichtung, Unterhaltung und Überwachung der Naturalverpflegungsstationen den Staats- und Communalbehörden und insbesondere den Eommunalverbänden zu überlassen, und von Setten des Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz ist diese Angeleaenheit in geeigneter Weise angeregt worden. Indessen kann auch hier unter Umständen Ihre Mitwirkung mrt Erfolg eintreten. Von dem Central-Vorstand deutscher Arbeiter-Colonien ist mit Recht darauf hingewieseu worden, daß die Verpflegungsstationen zweckmäßig mit den Herbergen zur Heimath verbunden werden und dies ist der Punkt, in welchem die Thätigkeit der Communalbehörden und Ihre Thätigkeit sich vereinigen und gegenseitig^unterstützen können. Wenn Sie in größeren Gemeinden auf dem Weg freier Vereinsthatigkeit auf die Gründung von Herbergen zur Heimath hinwirken und wenn Sie von vornherein darauf Hinweisen, daß in denselben die Stätte geschaffen wird, welcher die Verpflegungsstatton mit Vertrauen überlassen werden kann, so wird einerseits Ihr Bestreben auf Gründung der Herberqe wohlwollendes Entgegenkommen bet den Communalbehörden finden und andererseits die Verpflegungsstation den Charakter erhalten, welcher dm erwarteten Erfolg verbürgt
Daß Sie bei der Bethätiguvg Ihres Interesses an den Bestrebungen des Vereins mit den Geistlichen anderer Confesstonen gerne Hand in Hand gehen, bezweifeln wir nicht; bet der Hebung der socialen Nothftände müssen nicht nur alle politischen Parteien, sondern auch die Bekenner aller Confessionen gemeinschaftlich wirken und sie sind bet treuem Festhalten an ihrer Religion hierzu im Stande, da die Gefahr, welcher begegnet werden soll, allen Confessionen gemeinsam droht.
Oesterreich.
Prag, 3. Mai. Nach dem über das Befinden der Kaiserin Maria. Anna gestern Abend ausgegebenen letzten Bulletin ist in Folge der eingetretenen Kräfteabnahme eine günstige Prognose zweifelhaft geworden.
— Die Kaiserin Maria Anna ist auf ihren eigenen Wunsch heute mit den Sterbesacramenten versehen worden, Der Papst ertheilte der Kaiserin telegraphisch seinen Segen.


