Rr Erstes Blatt. Donnerstag den 4. December 1884
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
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Burearr: Schulftraße 7.
fic'ren. Die Kammer muß alsdann die so mobifichte Vorlage annehmen oder da« Gesetz von 1875 aufrechterhalten. _ .
London, 2 December. Oberhaus. Northbrook verioeidtgt den Flottenzustand Englands. Die Regierung sei entschlossen. Englands Floltensuprematte aufrecht zu erhalten. England besitze weit mehr Sch'ffe als Frankreich. Englands jetzige Ausgaben für Panzerschifibau übcrsttcgen die französischen bet weitem. England betreibe so schleunig als mögt ch den Bau begonnener Panzerschiffe und beabsichtige den Bau von vier neuen Panzerschiffen, zwei Torpedowtddern, fünf Kreuzern, zehn AotsoS und dreißig Torpedobooten, einschließlich Atmirung und Befestigung. Die Kosteu der Kohlenstattoaen sind auf 5V» Millionen geschätzt, die auf die nächsten 5 Jahre zu ver- tbctUn jtno^ Un(er^aug „klärte Gladstone. eS sei wenig Hoffnung vorhanden, daß daS Resultat der egyptischen Ftnanzvorlagen dem Parlamente vor der nächsten Vertagung msigethe.lt werden könne, da noch kleinere Mächte zu consultiren und Aenderuugen des L.quidafonsgesetzes auszuarbetten wären. , pr ir, C1 . ,
London, 2. December. Thornton, der englische Botschafter in Peters- bürg, geht als Vertreter Großbritanniens nach Konstantinopel, während Morier, der britische Gesandte in Madrid, zum Botschafter in Petersburg ernannt ist. — Coutney, der Finanzsecretär im Schatzamt, hat demissionirt.
Charkow, 2. December. Die Gerichtskammer beschloß die Erhebung der Anklage gegen die Theilnehmer an die beim Zollamte zu Taganrog vor- gekommenen Mißbräuche. Unter 38 Angeklagten, wovon 18 Staatsbeamte sind, befinden sich der Verwalter des Zollamtes, Nikitenko, und der als Millionär bekannte Mari Valiano. Der Proceß findet Mitte Februar statt.
New-Uork, 2. December. Nach Meldungen aus Mexiko erfolgte die Uebernahme der Regierung durch den Präsidenten Diaz in größter Ordnung und 2. December. Die Botschaft des Präsidenten Arthur
an den Congreß bezeichnet die Beziehungen der Union-Staaten zu den fremden Mächten als freundschaftliche, die Beziehungen zu Astasien würden mdeß durch die französisch-chinesischen Feindseligkeiten fortgesetzt belästigt. Mit Nicaragua fei em Vertrag über die Herstellung eines Kanals, einer Eisenbahn und eines Telegraphen, welche Nicaragua durchschneiden sollen, abgeschlossen. Die Botschaft beläßt an Stelle der bestehenden bezüglichen Verträge mit den einzelnen deutschen Bundesstaaten den Abschluß eines AuSlieferungs-Vertrages mit dem beuti scheu Reich vor. sowie eine Revision der internationalen Vereinbarungen zur Verhinderung von Schiffs-Zusammenstößen auf offenem Meere. Der Präsident spricht sich über die Frage des Silber-Dollars und Silber-Certificate ebenso wie Macculloch aus.
Telegraphische Depesche«.
BolIP« telegr. Eseresporrdem-Dn-ea«.
Berlin, 3. December. Die Budget Commission letzte die Berathung deS auS- wfirHgen Etats fort und lehnte auf Antrag Frankenstein's mit 12 gegen 11 Stimmen btc für das General-Consulat in Capstadt geforderten 30000 JL ab und bewilligte nur 16000 JL für (inen dort anzustellenden Consul, ferner lehnte sie die für das General- Confulrt auf Korea geforderten 45000 Jü ab und bewilligte nur 30000. Für die .n Ap.'a geforbcrten drei neue Viceconsulate mit 48000 JL. wurde nur ein VIceconsul mit 150^0 ^nb<°^^en Remunerationen und Diäten an nicht fest angestellte Consulats- beamte wurden mit derselben Stimmenzahl 12000 JL gestrichen.
Daris, 2. December. In der heutigen Sitzung der Taris-Commission leate der Minister des Ackerbaues die Gründe der Erhöhung der Getreidezölle auf 2 Frcs. 60 Cent, dar und erklärte, das sei das annehmbarste Maximum. Die Negierung beabsichtige keine weitere Erhöhung, sondern eine Verringerung oder die Abschaffung, sobald es die Umstände erlauben.
»itiiriS, 2. Decemder. Der Ministerrath tritt Mittwoch ftüh zusammen, um die durch Annahme dis Amendements Floquet geschaffene Lage zu p^üfen. D>e Niberiä" foaiWenn, beschränkte sich daraus, von den englischen Vorschlägen betreffs Einot ns Akt zu nehmen und behielt sich für später seine Meinungsäußerung vor. UW* ns A m.rlammtskreisen glaubt man nicht, daß die Abstimmung über daS ctinniiet eine Minlsterkcisis herbeiführen werde. Der Minister des Innern ‘ ESSdSSS dlmissioniren doch bemerkten ihm nahestehende Persönlichkeiten
haft e?niät öttfßnlkb anaegriffen worden und daß das Kabinet entweder insgesammt iiufirftreten aber intaft bleiben müffe. Man nimmt an, daß morgen ein zvsammen- ^rns-n-r Mini»'rraid entscheiden und die Berathung der Wahlreformvorlage durch illÄ« »raten hfia S V°r°ussich!«ch wi-d L-- Senat di- Vorlage modi-
Daruistadt, 1. December. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: .
Am 29. November dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Obbornhofen, im Kreise Gießen, Konrad Leschhorn H., das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" zu verleihen.
Davurstadt, 30. November. Die Abgg. Tecklenburg, Schade und Grünewald haben bei der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, Großh. Regierung um Vorlage bezüglich einer Bahn von Grünberg nach Laubach und von Utphe nach Echzell, Gettenau, Bingenheim, Reichelsheim und Friedberg zu ersuchen. - 29. November. (AuS dem Staatsbudget s Der für die nächste
Ftuanzpe'iooe o.ranfchlagle jährliche SlaatSzuschuß zu den Kosten des LandeSzucht- hauses Marienfchloß, drn Ge'Sagniffen zu Darmstadt und Mainz und dem Arbe ts- Hause zu Di-brng benagt 233,750 JL und berechnet sich mithin bei einem Durchschnittsbestand von 845 Sträflingen auf 276 JL 62 $ pro Kopf und Jahr. Im Budget für die laufende Finanzperiode waren hierfür 254,096 also pro Kopf und Jahr 315 64 a vorgesehen und beträgt daher die für die nächste Finanzperiode berechnete
jährliche Ersparniß 20.346 v4L oder 39 JL 2 pro Kopf und Jahr.
1 Nach einer Gcs'tzesvorlage. welche den LandstSndcn zur verfassungSmäß'gen Zu- stimmung zugehen wird, sollen - in Abänderung der dermalen noch geltenden Bestimmung des Art. 6 deS Hessischen Ausführungsgesetzes vom 9 Juni 1876 zur Deutschen Strasp oceßordnung — künftighin auch die im LandeszuchthauS und in den Gefängnissen Freiheitsstrafen verbüßenden Condemnaten die Kosten ihre« Unterhalts mit acwiffvrt Aversionalbtträgen per Tag ersetzen insoweit sie dazu im Stande sind.
P Die B träae, welche hierdurch zur Staatskasse fließen werden, lasten sich zur Seit nur durch Vergleichung derjenigen Summen, welche in anderen deutschen Staaten eingehen, in denen jene Einrichtung bereits besteht, ungefähr veranschlagen. In dem Großherzogtbum Baden wird nach bort'ger osstcieller Publikation angenommen, daß sich der Kostenansatz für 1881 int Ganzen auf 62,000 JL und für 1882 auf 80,000 JL
Wenn' man sich nach dem ungefahren Verbältniß der Einwohnerzahlen von Baden und Hessen für bas Großherzogthum eine Einnahme aus stn-n Wpoßen von 2/3 der Barschen Einnahme annchmm darf, so würde hier ein Betrag von (-/. aus 80,000 Jt) = 54.000 JL erwart-.t werben können. Statt derselben ist unter Voraussetzung der ständischen Genehmigung des erwähnten Gesetzentwurf-s vorerst nur eine jährliche Einnahme von 50,000 in.das Budget eingestellt W°lbt%em im laufenden Jahre gebildeten „Verein zur Gründung und Unterhaltung einer Arbester-Colonie für das Großherzogthum Hessen und den Königlich Preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden" soll vorläufig eine jährliche Staatsdeihülfe von M00 gewährt werben. Die Summe entspricht den Jahresbeiträgen, welche von den be- tbetligten preußischen Communalverbänden Frankfurt a. M. und ^siau mit je 1000 JL vorläufig bewilligt worben sind. Ob und in welchen Beträgen auch in späteren Jahren dem Unternehmen Staatshülfe zu gewähren sein wirb, muß einerseits von der Fortdauer und dem Umfange des Bedürfnisses, andererseits von dem Erfolg der Wükiam- feit der Anstalt für die Unterdrückung d:s Vagantenthumö abhängig gemacht werden. Ferner ist zur Unterdrückung des Bettler- und Landstreicherthums ^wächst in Worms öer Versuch gemacht worben, Bettler und Landstreicher, welche auf Grund des 8 3o2 deS ReichSstrafgesetzbuchs vom Gerichte d-r LandespolizNbehorde überwiesen worden find, welche sich aber zur Verweisung in das Dieburger Arbeitshaus auf längere Zrtt nicht eignen ober welche wegen zeitweiliger Ueberfüllung daselbst nicht augenblickttch Aufnahme finden können, in demjenigen Kreise, wo sie aufgegriffen worden sind, auf kürzere Reit zu gemeinnützigen Arbeiten zu v'rwenden, wie in dem Gesetze vorgesehen ist.8 2u diesem Zwecke müssen dieselben natürlich für die Dauer jener Verwendung festgehalten und gepflegt werben, was in lokalen Haftlokalen geschehen kann. Für den Fall, daß sich der ermähnte Versuch bewährt, ist eine allmähstge Ausdehnung der Einrichtung auf andere Kreise in Aussicht genommen.
Berlin, 30. November. In der Reichstagssitzung vom 26. d. M. haben von ben IRationaUiberalen gestimmt für den Diäten - Antrag 17. nämlich v. Benda, Dr. Bü-klin. Dr. Buhl, Cornelsen. Gebhard, Gottburgsen. Dr. Groß, Dr. Haarmann, Lenz, Dr. Marquardsen, Dr. Müller - Sangerhausen. Pfähler. Sander, S-dlmayr, Dr. Schreiner, Seiet Z^gler; gegen denselben
Buderus, v. Curry, Feustel, Francke, Dr. Hammacher, Haupt, o. Hülst, Kalle, Klumpp, Krämer, Krafft, Lebmann, Meier (Bremen), Penzig, Dr. Sattler, Scipio, Struckmann, Dr. Tröndlin, Ulrich, Wörmann, Zeitz.
Lokales.
G. Gipsten, 3. Decemder. (Sterblichkeit in Gießen.j Die Sterblichkeit blieb auch in der Woche vom 23. bis 29. November eine geringe, Da sich nur 7 Todesfälle ereigneten. Es wurden betroffen- ein Kind im ersten Lebensjahre, welches an Darm- catarrb starb und 6 erwachsene Personen, bet denen zweimal Lungenschwindsucht, je einmal Schlagfluß, Nierenentzündung, Altersschwäche, Rückenmarkentzündung als Todesursache bezeichnet wurde.
Vermischtes.
Darmstadt, 1. December. (MilttSldiinftnachricht.) Schumann, Second, lieutenant vom 2. Großh. Hess. Jaf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116, in das 8. Rhein. Jnf.-Regt Nr.^70 verfttzt-^^^ ^^hj^ng der Lehrer für den Turnunterricht und zwar nicht blos Der Volksschullehrer, sondern auch der akademifch Sebttdeten ^jrer an den höheren Schulen, sollen die seither versügdaren Mittel mit jährlich 1500 Mark sich als unzureichend erwiesen haben, weshalb nunmehr 5000 Mark für diesen Zweck ins Budget eingestellt wurden- Andererseits ist dagegen eine Anforderung für Zetchencur.e meesefaUcn.^ Srel8imtetn ,a»tlg- ©hülfen zu erhalten, sollm die Mittel ge-ebe- werden, um bet jeder Pioomztaldtreclton un!> an i-d-m Krelsamt I- inen Gchüt en auf Widerruf mit einem Jahresgehalt von 900-^^00 Mark, im DurchsAnitt also 1350 Mark, welcher Jahresgehalt das pmsionsfähige mmen beffelben zu
bilden hätte, anzustellen. Voraussetzung dieser Anstellung hätte eine 10jährige Verwendung gegen Bezahlung bei einem Kreisamt zur vollen Zufriedenheit der vorgefetztrn Behörde in dienstlicher wie außerdienstlicher Beziehung zu lein.
Marburg, 1. December- Im hiesigen Kreise auSgegebene falsche Einmarkstücke haben zu Recherchen geführt, bei bemn es dem Gendarmen Wiebe gelungen sein soll, ben V°fertlaer zu entbecken und brr.selben, einen schon wegen ähnlichen Verbrechens bestraften rc Boßhammer aus Sarnau dingfest zu machen. Derselbe soll auch seine Kunstfertigkeit, d e er bei Verbüßung einer früheren Strafe im hiesigen Stockhaufe erlernt haben will, eingestanden haben-
Ilbenstadt- Dieser Tage wurde hier an einer tiefen stelle der Nidda ein von un'aewöbnlicher Größe gefangen. Man erzählte schon lange von einem riesigen Fische,^der sich da aufhalte, Viele wollten ihn gesehen haben, die Meisten hielten es für ein Märchen, bis es nunmehr gelang, deS alten Burschen habhaft zu werden. Es war em Hecht von nickt weniger als 38 Pfd. Er wurde nach Assenheim verkauft, sein Fleisch soll wohlschmeckend und zart gewesen sein.
^Frankfurt a M-, 29- Noo-mber. Der Schauplatz einer schrecklichen Scene war gestern Abend der Maiu-Weskr-Bahnhof. Der von Homburg um 11 Uhr einlaufende Zug brachte auck die sich in fröhlichster Stimmung befindlichen Mitglieder eines Gesangvereins von Oberursel zurück. Unter ihnen befand sich auch der Tapezierer und Hausbesitzer Stoppar.y. Derselbe stieg erl'g aus unb zwar auf der un- rechten Seite, unglücklicherweise in dem Augenblick, als ein Rangierzug vasstrte. Der unglückliche Mann wurde von der Locomotive ntebtrgewoTfen und aus der Stelle ge- töbtet. Es würben ihm beide Bein- unb ein Arm abgefahren und der Brustkastea zerquetscht. Der Verunglückte, ein ruhiger und gern gesehener Mann aus M-Frank- furter Famstie, hinterläßt eine Frau unb mehrere Tochter- Er stand in der Mitte bei oOer Iah'«- Mg^ha H. in München, eine schmucke 18j8hrige Blondine, stand vor dem Schöffengericht unter der Anklage des Hausfriedensbruches. Sie hatte nämlich ihren Bräutigam, um ihn von dem Wirthshauslaufen zu currirem aus der Kneipstube getragen und dabei sich nicht nur des Hausfriedensbruches schuldig gemacht, fonoer«


