Ausgabe 
2.11.1884 Zweites Blatt
 
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ttwolH, Echillerstraße -F^nksiirterstr. ,5.

-Zamlie eine Wohnung Bahnhosstrabe 48.

Wirtes ZimmerU hen. Bahnhofstraße 58. .Wohnung mit Garten- ßer oder kleiner vermlethet ____Dr. Weber. Familieniogis uermietfct ____S.^SoM. iöb!irt?§ L/mMrzu ver- fiirfynplat) 11 III.

Wd Stübchen zu oer- Ane-ek/ Sandgasse.

1884

Vee)8 v^LttkIjührlich 2 Mark 20 Pf. mit BringeÄohL Kurch die Poft bezc>tzen viertel jährlich 2 Mar? 50 Pf.

Er^heint -A-ttch mit Nusncchmr deS Mo^taKS-

Schulstraße 7.

Kandesbaugewerkschule Darmstadt

und

Bureaulocalitäten der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Gr. Gewerbvereins, sodaß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet be-

Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Mark ist beim Beginn des Cursus Voraus zu bezahlen.

Oie Laudeöbaugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren neunten JahreS-Cursus am 17. November l. I., welcher bis zum 14. März 1885 andauert. Yrr f ..

Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule dre Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Muhlen- bauern Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die practifche Ausführung zu erwerben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parliren, Bauaussehern rc. dienen.

Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit von folgenden Herren erthellt: Architekt Professor Hermann Müller, Architcct Kuhlmann, Bildhauer Fölix, Handelslehrer Peters, Ingenieur <$. Wagner, Ingenieur Esselborn, Bibliothekbeamter Göttmann und Reallehrer vr. Wiederhold. .

Die Schule umfaßt 2 Klassen mit folgenden Unternchtsgegenstanden: Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstruktionen und Perspective), Bauconstruktionslehre ^einschließlich Stabilitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinenconstruktionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschließlich Trigonometrie und Planzeichnen), gewerbliche Buchführung, Theile der Bausührung, insbesondere Materialienkunde und Anfertigung von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc., sowie Uebung in der

nutzt werden können.

Bedingungen zur Aufnahme find:

I. Für die untere Abtheilung, die erste Klaffe: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens einjährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällm gestattet. Dagegen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklaffe einer Volksschule ent­lassenen zukommen sollen, damit jebem strebsamen Handwerker die Anstalt zugänglich werde.

2. Für die obere Abtheilung, die zweite Klaffe, muß außer­dem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer angemessenen Fertigkeit im Freihand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geometrie und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden.

Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 31. October l. I. schriftlich bei der unterzeich­neten Stelle oder auch mündlich auf dem Bureau derselben Neckarstraße Nr. 3 im 3. Stock bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maß- gabe der vorhandenen Unterrichtslocalitäten erfolgen kann.

nzerger

Amis- und AkzeHrbistt für den Kreis Gießen.

Nr. 2S7 Zweites Sonntag den 2. November

Rundschrift. ,

Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den

Darmstadt, den 15. September 1884. . .

Großher?ogliche Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.

________Fink. Busch. r

Gießen, 1. November.

Die abgelausene Woche stand ganz und gar unter dem Zeichen der ReichstagSwahlen und deren Ausgang dürste noch geraume Zeit in den Betrachtungen über die innere Politik vorherrschen. Drei Momente charakteristren vor Allem die Wahlen vom 28. October: Das riesenhafte Anschwellen der Socialdemokratie, die theilweise Niederlage der deutschfreisinnigen Partei und die ungemein zahlreichen Stichwahlen, welche sich erforderlich machen. Letzterer Um­stand ist allerdings leicht erklärlich, da die Zahl derjenigen Wahlkreise, in denen nur ein Candidat aufgestellt war, eine verschwindend geringe ist, während in einer großen Anzahl von Wahlkreisen mindestens drei Candidaten um die Siegespalme rangen. Die eingelaufenen Wahlnachrichten lassen als gewiß annehmen, daß das Ergebniß durch eine ungewöhnlich große Zahl von Stich­wahlen gekennzeichnet wird. In die engere Wahl sind nach dem Wahlregle­ment von 1870 bekanntlich diejenigen zwei Candidaten zu bringen, welche bei der ersten Wahl die meisten Stimmen erhalten haben; sind auf mehrere Cam didaten gleich viele Stimmen gefallen, so entscheidet das Loos, welches durch die Hand des Wahlcommiffars gezogen wird, darüber, welche beiden Candidaten auf die engere Wahl zu bringen sind. In der acht Tage vor dem Wahl- lernün zu veröffentlichenben Bekanntmachung über Tag unb Stunbe ber engeren Wahl sinb bie Selben Canbibaten, unter denen zu wählen ist, mit bem Hin­weis barauf zu benennen, baß alle auf anbere Candidaten fallenbm Stimmen ungültig sinb. Dabei kommen die bei ben ersten Wahlen festgestellten Wähler­listen unveränbert zur Anwenbung unb auch bie Wahlbezirke, Wahlvorsteher unb Wahllocale bleiben unveränbert. Eine etwa nothwenbige unb auch zu­lässige Verlegung ber Wahllocale, sowie eine Ersetzung ber Wahlvorsteher tft öffentlich bekannt zu machen. Die engere Wahl hat der Wahlcomnnffär zu veranlassen, sobalb sich bei der Ermittelung des Wahlergebnisses herausgestellt hat, baß eine absolute Mehrheit nicht erreicht worben ist. Der Termin für bie engeren Wahlen ist von dem Wahlcommiffar sestzusetzen unb barf nicht länger hinausgeschoben werben als höchstens vierzehn Tage nach ber Ermittelung bes Ergebnisses ber Wahl. Tritt bei ber engeren Wahl Stimmengleichheit ein, so entscheibet bas von ber Hanb des Wahlvorstehers zu ziehende Loos. Die Nachwahlen ober Ersatzwahlen finden auf benselben Grundsätzen und nach denselben Vorschriften statt, wie die ersten Wahlen. Das rapide Anschwellen der Socialdemokratie ist zum Theil aus das allgemeine, gleiche und birecte Wahlrecht, zum Theil aber auch auf die Uneinigkeit der staatserhaltenden Parteien zurückzuführen und wie leider die Dinge liegen, ist das Aoanciren ber Umsturzpartei aus ber ganzen Linie noch nicht abgeschlossen. Der Centrumsthurm" ist unerschüttert geblieben, boch haben auch bie Kleri­kalen'bei den Stichwahlen verschiebene Wahlkreise zu behaupten. Em vollstan- diaes Bilb ber Wahlen zu geben, ist zur Zeit noch unmöglich; bis Freitag Ab-nb waren 293 Wahlresultate bekannt, barunter sinb 80 Stichwahlen erforder­lich' In den Reichslanden fcheinen ^ast sämmtliche protestlerische Abgeordnete wieder^wahltbzUhsem. ^^rbirUn in der abgelaufenen Woche so

vollständig das allgemeine Interesse, daß auch die braun,chwei gische Frage zurücktreten mußte und dies um so mehr, als an derselben neue Ge- fichtspunkte nicht mehr herauszufinden sind. Kaiser Wilhelm hat dem braun­schweigischen Volke eine seinen Rechten und Interessen entsprechende Lösung ber Erbsolgesrage zugesichert unb baß biefe Versicherung schwerwiegt, braucht wohl nicht erst besonbers betont zu werben und die Braunschweiger können daher mit vollstem Vertrauen der weiteren Entwickelung der Frage entgegensetzen. Der preußische Staatsrath hielt am Mittwoch seine zweite Sitzung in ber am 25. October eröffneten Session ab; ba indessen die Beratungen des Staats- rathes bekanntlich geheim gehalten werden, so ist über die Sitzung nichts weiter zu sagen. , r _ ,., ,

Die hochpolitischen Aeußernngen, welche Kaijer Franz Joses beim Empfange der österreichischen und ungarischen Delegation gethan hat, be­herrschen in Oesterreich das Tages-Interesse. Ihr Inhalt wird wohl weit über die Grenzen des Kaiserstaates hinaus sympathisch ausgenommen worden sein, zumal da der Kaiser ausdrücklich die freundschaftlichen Beziehungen der Monarchie auch zu Rußland betonte und erklärte, daß der Tag von Skierme- wice als eine Garantie für den Frieden Europas auszusassen sei. , Die außer- ordentliche Zuversicht, mit welcher die kaiserliche Anrede eine wette Friedens- Epoche in Aussicht stellt, hat ihren Eindruck in den weitesten Kreisen nicht verfehlt und finden Die Andeutungen über die Begegnung von Skiermewice, insbesondere der Hinweis auf die Wahrung der Verträge und auf die durch die Einmüthigkeit der Monarchen begründete achtunggebietende Bürgschaft des Friedens auch bei den Ungarn bereitwillige Anerkennung.

In Frankreich harrt die Frage, in welchem Umfange Verstär- kungen nach Tongking, resp. Formofa, gesendet werden sollen, noch immer ihrer Erledigung Neuerdings verlautet, daß der Mimsterprastdent F-rry eme Er- Höhung der Kredite für Tongking ablehnen werde, da er sich dort auf dre Defensive zu beschränken und nur Pfänder in Händen zu behalten gedenke. Weiter schreibt das JournalParis", daß es sich lediglich darum handle, bei der Marine-Infanterie in Tongking die Compagnie auf 2o0 Mann zu ergänzen. Vielleicht haben auch die optimistischen Auslassungen, in denen sich der letzthm nach Paris zurückgekehrte General Millot über die Lage in Tongking ergangen hat, dazu beigetragen, die Regierung in ihrem Entschlüsse, bedeutende Verstär­kungen nach dem ostafiatischen Kriegsschauplätze zu entsenden, wieder wankend gemacht. . , ..

In Englanb würbe bie öffentliche Meinung vorzugsweise ourch die Adreßdebatte im Unterhause in Anspruch genommen, welche sich au°i der von- gen Woche bis in diese hineinzog. Aus der Debatte ist das Tadelsvotum bemerkeuswerth, welches Lord Randolph Churchill, emer der conservaiiv n Führer, gegen den Handelsminister Chamberlain wegen dessen Ausfälle gegen die Conservativen beantragt hat und welches avss's Neue bie st-'S-nde Spannung zwischen den beiden großen Parteien Englands bocumentirt Am Mittwoch gab die südafrikanische Politik Gladstone's Anlaß zu heftigen Angriffen der Confer- vativen auf die Regierung, welche indessen vom Unterstaatssecretär Ajhley mtt dem Hinweis darauf zurückgewiejeu wurden, daß die Proklamation, bett, die