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m. 75 Zweiter Blati

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

27./28. Marz (943

staatspolitisch gesehen, jetzt unter den neuen Ge- ichtspunkten noch wichtiger geworden sind, als sie >5 bisher schon waren. Bei der Berufsberatung tehen denn auch diese Wege durchs Leben mit in vorderster Linie. Da diese Berufe auf dem Lande in gewissem Ausmaß auch mit landwirtschaftlicher Tätigkeit verbunden werden können, eröffnet sich hierbei den Nachwuchskräften die doppelte Aussicht einer guten Existenz, die den Mann und seine Fa­milie nicht nur ausreichend ernähren kann, sondern auch die Möglichkeit bietet, bei fleißiger Arbeit im Laufe der Jahre zu Wohlstand zu kommen.

Starke Anziehungskraft bei der Berufswahl haben neben den bäuerlichen Berufen auch die von der Reichsbahn gebotenen guten Fortkommensmöglich­keiten ausgelöst. Hierbei handelt es sich in erster Linie um die Arbeit der Reichsbahn-Jungwerker, der Reichsbahn-Junghelfer und der Lokornotiv-Jung- helfer, die den jungen Menschen aussichtsreiche Wege eröffnen. Daneben steht noch eine Reihe weiterer Berufe, die unter dem Gesichtspunkt des besonderen staatspolitischen Interesses bei der Berufswahl m den Vordergrund gerückt sind. Gewisse Förderungs­maßnahmen (Erziehungsbeihilfen) sollen hierfür den jungen Menschen und den Eltern die Entscheidung über den Lebensweg der jungen Leute leichter ma­chen. Bei diesen Berufen handelt es sich um eine

Der Weg zum aussichtsreichen Beruf.

Aus der Arbeit des Berufsberaters. - Oberhessen wollen Ostbauern werden.

Die goldene Stadt."

Ein farbiger Film der Ufa im Gloria-Palast.

Aus der Stadt Gießen.

Ein menschlich Herz.

Sie haben mich in meinem Schmerz gesehn und mir ein menschlich Herz gezeigt. Empfangen Sie ein Angedenken dieser Stunde; gehen Sie." So spricht Thekla, Wallensteins Tochter, zum schwedischen Hauptmann, nachdem er ihr den Sol­datentod des Geliebten geschildert hat. Sie schenkt ihm einen Ring, nicht als Zeichen fürstlicher Herab­lassung, sondern als Gabe einer Frau, die mit dem Geliebten den Inhalt des Ledens verlor und den­noch Fassung bewahrt. Als Fremder hat er ihr die Nachricht gebracht, als Vertrauter, Beschenkter verläßt er die Prinzessin.

Wie oft wiederholt sich in der Zeit dieses Krieges solche Begegnung! Vorgesetzte und Kameraden suchen die Frauen, die Mütter auf, um ihnen von den letzten Stunden ihres Gefallenen zu berichten; und auch sie neigen sich in Ehrfurcht vor der Ge­faßtheit, mit der die Trauernde ihnen entgegen­tritt. Ja, es zeigt sich manchmal in dieser Stunde, daß solche Frau die Schenkende ist, die aus der Tiefe ihres Schmerzes dem Besucher ein unver­geßliches Angedenken an diese Begegnung mitgibt.

Worin besteht dieses Unfaßbare der Trauernden, das uns ergreift in der kleinsten Geste, das uns als Verpflichtung anspricht, gleichsam als Ver­mächtnis des Toten?Wir hoben sie in ihrem Schmerz gesehn", die Witwen, die Waisen, die beraubten Eltern, denen der Krieg das schwerste Opfer auferlegte, das vom Menschen gefordert wird. Täglich begegnen sie uns, ober gerade des­wegen därf uns diese Begegnung nicht alltäglich werden! Immer muß unsere Ehrfurcht wachbleiben vor solchen Menschen, und wenn wir versuchen, ihnen unsere Teilnahme zu zeigen, so muß es be­hutsam geschehen; freilich nicht so, als ob wir einen Kranken vor uns hätten, sondern mit der Scheu, die uns ein schweres Schicksal abnötigt.

Ader sehen wir diese Menschen wirklich in ihrem Schmerz? Sind die meisten von ihnen nicht zu stolz, ihn zu zeigen? Sie wissen wohl, daß wort­reiches Mitleid schwer zu ertragen ist, und deshalb verschließen sie sich gegen die üblichen Beileids­bezeugungen. Sie bleiben mit Absicht im Alltäg­lichen der Beschäftigungen und Pflichten, das gibt ihnen Halt und Schutz noch außen, damit sie im innersten Herzen allein sein können mit ihrem Schmerz. Den Deutschen ist es nicht gegeben, ihren Kummer laut herauszuklagen. Ihre Trauer ist ge­faßt, aber um so schwerer. Worte trösten nicht viel, wohl aber freundliches Tun, sinnvolles Rücksicht­nehmen.

Denn immer stehen wir, die das schwere Los nicht traf, außen am Rande ihres Schmerzes, und uns bleibt nichts anderes, als ihnen mit Zurück­haltung zu begegnen. Sie gehören einer Gemein­schaft on, an der wir nur bedingten Anteil haben. Sie haben das Schwerste erlitten und geleistet, was Menschen eines so männlichen Volkes wie des unfern zu tun auferlegt sein kann. Sollten wir nicht solche Erkenntnis alsAngedenken dieser Stunde" annehmen, die sie uns aus ihrer Trauer schenken? H. G.

Dolksbank Gießen «GmbH.

Im Berichtsjahr 1942 sind 21 Genossen beigetre­ten und 13 infolge Tod, 11 infolge Kündigung aus- geschieden. Ende 1942 gehören der Genossenschaft 686 Genossen mit 711 Geschäftsanteilen und 426 600 RM. Haftsummen an. Der Umsatz in 1942 betrug auf einer Hauptbuchseite 58,4 Mill. RM., gegen­über 60,3 Mill. RM. in 1941. Die Bilanz weist aus: 205 809 RM. Barreserven, 1871852 RM. Bankguthaben, 1399 329 RM. Wertpapiere und 532 231 RM. Forderungen an die Genossen.. Die gesamten Einlagen belaufen sich auf 3 795 079 RM. Es wurden 183 neue Sparbücher ausgegeben.

Bei unverändert günstigen Zinssätzen im Soll und Haben wurde ein Reingewinn von 17 370 RM. er­zielt, der wieder die Ausschüttung einer Dividende von 5 v. H. und Stärkung der Rücklagen um 11 000 RM. ermöglicht. Die gesetzlichen und freien Rückla­gen erhöhen sich dadurch auf 108 000 renb die Geschäftsguthaben der Genossen 123 990 RM. betragen... t _

Die Genossenschaftsbank gehört dem Ländlichen Genossenscha tsverband an und ist Zahlstelle der Landesbauernkasse Rhein-Main-Neckar m Frank- furt a. M. , . ~

Der mit der Landwirtschaft engverbundenen Ge­nossenschaftsbank wurde vor einigen fahren das Inkasso auf der Schlachtoiehverteilungsstelle und im Berichtsjahr das Inkasso bei den Nutzviehauktionen in der hiesigen Di eh versteigerungshalle übertragen.

Das SchauspielDer Gigant", ein Stück des Inn- oiertter Dramatikers und Lyrikers Richard Bil- li n a er wir sahen früher hier im Theater seine Stillen Gäste" undDie Windsbraut", lieferte die Vorlage für das Drehbuch zurGoldenen Stadt", das der soeben mit dem Professor titel ausgezeichnete Spielleiter Veit Harlan und Alfred Braun ge­meinsam geschrieben haben. Wer Billingers Stil und seine aus bäuerlicher Herkunft gespeiste, von Dämonen und dunklen Naturgewalten bedrängte und bedrohte Figurenwelt aus seinen Stücken und, teilweise, auch seinen Gedichten kennt, wird manches davon in der Fabel dieses Films wiederfinden. Es ist eine einfache und wohl auch alltägliche Geschichte, die sich mit einer landschaftlich eigentümlich starken Betonung aus der alten Spannung zwischen bäuer­licher und städtischer Welt entwickelt. Es ist die trau­rige, unversöhnliche und unwiderrufliche Geschichte der reichen Großbauerntochter Anna Jobst, die eines Tages der geheimnisvollen Lockung der großen, goldenen" Stadt Prag erliegt und auf eine elende und unverdiente Weise daran zugrunde geht. Es hat ein heimlicher Ausflug werden sollen, bloß für einen Tag der Vater ist dagegen, weil schon die Mutter dieser goldenen Lockung erlegen ist unö sie mit dem Leben hat bezahlen müssen: aber es wird mehr daraus als ein Tag und eine Nacht; Anna lernt zwar die strahlende Schönheit, aber auch die Verderbtheit der Stadt kennen, und in einer Mi­schung aus Faszination und dumpfer Verstrickung, gegen die sich das Mädchen in seiner Unschuld, seiner Ahnungslosigkeit und seinem Leichtsinn nicht zu weh­ren vermag, rennt es halb willig, halb geblendet in sein Verderben, erwacht zu spät aus einem bösen Traum, mit einem Kinde sitzen gelassen von seinem Verführer, ab geschnitten von d er Heimat, weit weg vom guten, ein wenig schwerfälligen, bäuerlichen Verlobten, vom Vater aufgegeben als verlorene Tochter und enterbt ...so bleibt ihr, als sie endlich nach Hause zurückfindet, nur der Weg ins Moor, den schon ihre Mutter gegangen ist.

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Har l a n, der Spielleiter, sieht in der Farbig­keit eine folgerichtige Entwicklung auf dem Wege vom stummen über den tönenden zum plastischen Film, der in Ton und Bild und Bewegung ein voll­kommenes Abbild der Wirklichkeit vermittelt. Die Aufnahmen, die ihm unter Benutzung des Agfa- color-Derfahrens, vom Kameramann Bruno Mondi betreut, gelangen, stellen technisch und ästhetisch eine sehr beachtliche Leistung dar; insbe­sondere die Bilder aus dergoldenen Stadt" sind von einer eigentümlichen Schönheit, und auch die trachtenbunten, von Kirmestänzen und galoppie­renden Pferden bewegten Szenen auf dem Lande, an der Moldau und im Moor boten dankbare, ge­schickt genutzte Motive. Die Farbe wirkt hier schon nicht mehr so sensationell wie in dem FilmFrauen sind doch bessere Diplomaten": die Technik macht

sich nicht selbständig, sondern ist als mitspielendes, dramaturgisch gewichtiges Element in die Gesamt­komposition einbezogen; sie dient wesentlich mit zur scharfen Kontrastierung der einander feindlichen Le­benskreise von Stadt und Land von Asphalt und Scholle, wie man im Sinne von Harlans heftig ab» grenzender Spielführung schon sagen müßte.

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Kristina S ob er bäum ist die Anna, blond und jung, glücklich und traurig, zärtlich und ungestüm, mit kindlicher Stimme, unbedacht in ihr Verderben rennend. Klöpfer gibt den zwischen Härte und väterlicher Weichheit schwankenden, patriarchalisch herrischen Großbauern. Die mit unheimlicher Echt­heit erfaßte Atmosphäre des Prager Tabakladens in seiner ganzen Zweideutigkeit, Schmierigkeit und hintergründig-alltäglichen Gewöhnlichkeit wird durch eine hervorragend charakterisierende Darstellung von Kurt Meisel, Annie Rosar und Dagny S e r d a e 5 faszinierend betont. Auch Paul Klinger, sehr sympathisch als Ingenieur Leidwein, und Lise­lotte S chr e i n e r als die dämonisch bösartige Maruschka, in kleineren Rollen Ernst Legal, H. H. S ch a u f u ß und Frieda Richard sind in dem ausgezeichnet zusammengehenden Ensemble hervor- zttheben. Die Musik von Hans Otto Borg» mann bildet eine stimmungsvoll-unaufdringliche, melodische Begleitung. Hans Thynot

nach kam eine Berufswahl nach Maßgabe der gegenwärtigen kriegsbedingten Beschästigungs- lage in allen Berufen von vornherein nicht in Be­tracht. Maßgeblich war vielmehr die stärkste Be­achtung der staatspolitischen Erfordernisse im Hin­blick auf die nach unserem Siege wiederkehrende Friedenswirtschaft und auf die gewaltigen Auf­gaben der Zukunft. Wer z. B. den Blick auf den deutschen Osten und die weiten Räume des gegen­wärtig noch in der Organisation begriffenen Ost­raumes jenseits unserer Reichsgrenzen richtet, dabei die ausgedehnten Siedlungsmöglichkeiten in jenen Gebieten und die riesigen Erfordernisse allein der Bauwirtschaft sowohl in diesen Ländern als auch im Reiche selbst in Betracht zieht, der wird schon an Hand dieser wenigen beispielgebenden Hinweise der Ueberzeugung zustimmen, daß bei der Berufs­wahl unserer jetzt in das Leben hinaustretenden Jugend nicht die Besetzung der im Augenblick frei­stehenden Lehrplätze entscheidend sein konnte, son­dern das größere Interesse der Volksgemeinschaft an dem Aufbau einer glücklichen Zukunft, die auch für den einzelnen nur vorteilhaft ist, den Vorrang genießen mußte.

Bei dieser Würdigun-g der Lage ergab es sich von selbst, daß der Osteinsatz für unseren Nach­wuchs in den Vordergrund gerückt wurde. In erster Linie handelt es sich dabei um die Gewinnung neuer Kräfte für das Bauerntum, nicht nur für den Ar­beitseinsatz in größeren Betrieben, z. B. in leiten­den Stellen als Verwalter, Inspektoren usw., son­dern namentlich um die Heranbildung selbständiger Bauern, die auf eigenem Grund und Boden wirt­schaften und sich und ihrer Familie eine Existenz gründen wollen. Wie Staatssekretär Backe in seiner Rede in Posen vor einigen Wochen darlegte, ist die Schaffung selbständiger Bauernwirtschaften im Osten für fleißige und strebsame junge Menschen nicht etwa von dem Besitz entsprechender Geldmittel abhängig, es besteht vielmehr die Möglichkeit, tüch­tigen yungbauem und Jungbäuerinnen auch ohne eigenes Vermögen zu einem schönen und wirtschaft­lich aussichtsreichen Bauernhof zu verhelfen, wobei ihnen das Reich feine starke Förderung zuteil wer­den läßt. Angesichts dieser guten Aussichten der bäuerlichen Siedlung im Osten haben sich in diesem Jahre wieder viele junge Menschen aus dem Bezirk des Arbeitsamtes Gießen, also aus Oberhessen, für den bäuerlichen Beruf und insbesondere für den Einsatz als Bauern im Osten entschieden, da sie dort eine große Zukunftsmöglichkeit für ihr Leben er­blicken. Wer den Osten kennt, wird diesen Ent­schluß der jungen Oberhessen als eine aussichts­reiche Berufswahl nur begrüßen, denn in der Tat läßt es sich auch im Osten gut leben und arbeiten und zu etwas bringen. Auch hat sich wiederum eine Reihe Jugendlicher zum Landdienst der Hitler-Ju­gend gemeldet, die sich auf diesem Wege für den bäuerlichen Beruf oder den späteren Einsatz in den Ostgebieten vorbereiten wollen.

Bei der stärkeren Hinführung der jungen Men­schen zu der landwirtschaftlichen Arbeit kommt auch den ländlichen Handwerksberufen besondere Be­deutung zu. Hierbei handelt es sich in erster Linie um den jungen Beruf des Landmaschinenbauers, aber auch um das Handwerk des Wagners und des Schmiedes. Die Landwirtschaft, nicht nur im Reiche, sondern in hervorragendem Maße auch in den Ost­gebieten, wird in Zukunft stärker denn je im Zei­chen des Maschineneinsatzes stehen, da zur Inten­sivierung der landwirtschaftlichen Produktion die Maschinenarbeit eine der wichtigsten Voraussetzun­gen ist. Der Landmaschinenbauer wird also nicht nur ftir die Anfertigung neuer landwirtschaftlicher Ma­schinen eine große Rolle spielen, sondern er wird besonders für die Vornahme von Reparaturarbeiten oder für Umarbeitungen von Bedeutung sein. Schon diese wenigen Hinweise genügen, um die guten Zu­kunftsaussichten dieses Berufes erkennbar zu machen. Daß Wagner und Schmiede für die bäuerliche Arbeit schon immer sehr wichtig waren, ist so bekannt, daß darüber nichts weiter zu sagen ist. Daher ist es denn auch verständlich, daß diese Handwerkerberufe,

Am morgigen Sonntag werden wieder viele Jungen und Mädels mit der Verpflich­tung auf den Führer und der Entlassung aus der Schule einen entscheidenden Schritt in ihrem Leden tun. Der Beruf wird sie auf- nehmen und ihnen neue Pflichten, aber auch die Freude an den Erfolgen geben.

Bei der Berufswahl unserer Jungen und Mädels gilt auch in diesem Jahre als oberster Gesichtspunkt: Planung und Entscheidung auf weite Sicht. Hier-

Oie Verpflichtung der Jugend.

Die Feier zur Verpflichtung der Jugend am morgigen Sonntag beginnt um 10.30 Uhr in der Aula. Ansprachen halten der Gaukulturhauptstellen- leiter Müller-Kl ingspor und der Leiter der Goetheschule Lehrer Krau sch. Musikalische Vor­träge werden die Ansprachen umrahmen und die Feierstunde bereichern.

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** Dom Theater derUniversitäts st adt Gießen wird uns nritgetenlt: Die 8. Morgenveran­staltung am Sonntag, 28. März, bringt unter dem TitelDeutsche Studentenmusik aus alter Zeit" einen bunten Strauß lustiger Studentenweisen. Mit dieser Veranstaltung tritt die Arbeitsgemeinschaft Universität und Theater" wieder an die Öffent­lichkeit. Professor Rudolf Gerber hält den ein­führenden Vortrag. Die musikalische Leitung hat Musikdirektor Otto S ö l l n e r. Mitwirkende: Elly Bamberger, Barbara Boettcher, Tilly Keitzer, Da- leska Lange, Gabriele Pvssinke, Sophie Schärtet; Eduard Burchard, Ludwig Druschel, Lenz Klein, Ottmar Mayr und das Städtische Kammerorchester.

** Weitere zwei Eier werden auf bett Bestellschein 47 der Reichseierkarte ausgegeben.

** D ie Meisterprüfung bestanden» Der Dachdecker Willy Krauß, Brandgasse 2, be­stand vor dem zuständigen Prüfungsausschuß m Darmstadt die Meisterprüfung.

ansehnliche Reihe in den verschiedensten Wirtschafts­zweigen. Für diese Beruse, wie in der Gesamtheit überhaupt, gilt aber der Grundsatz, daß für den jungen Menschen nicht etwa nur eine i h m passende Lehrstelle ausgewählt werden soll, sondern nur eine für ihn passende, d. h. sachlich und für die Zu­kunft günstige Lehrstelle für die Entscheidung maß­gebend sein kann. Nach dieser grunMegenben Er­kenntnis, die sowohl dem Einzelinteresse als auch den Erfordernissen der Volksgemeinschaft dient, müs­sen alle Erwägungen und Schritte bei der Berufs­wahl beurteilt werden.

Das Gesamtbild bei der Berufswahl ist dahin zu kennzeichnen, daß selbst nach dem Einsatz des ge­samten diesjährigen Nachwuchses noch zahlreiche Lehrstellen verfügbar sind. Lehrmeistern, die noch keinen Lehrling erhalten haben, aber bereit sind, in ihrer Hausgemeinschaft für die jungen Menschen Kost und Wohnung zu geben, wird auch dann noch aus der weiteren Umgebung ein Lehrling zugewie­sen werden können. Dabei ist jedoch zu beachten, daß es sich auch in diesen Fällen nicht etwa nur um die Ausfüllung einer augenblicklichen Bedarfslücke bandeln kann, sondern daß die Besetzung der Lehr­stellen immer mit dem Gesichtspunkt der staatspöli- tischen Gesamtinteressen in Einklang gebracht wer­den muß. Selbst mit dieser Einschränkung läßt sich für die Bereitstellung neuen handwerklichen Nach­wuchses auch außerhalb der besonders zu fördern­den Aufgaben des Osteinsatzes noch manches tun zur Stärkung des heimischen Handwerks und zum aussichtsreichen Ansatz junger Arbeitskräfte, wie zum Nutzen der gesamten Arbeit für unser Volk. B.

(Nachdruck verboten.)

32 Fortsetzung.

Bringen Sie mich bitte hier weg, Herr Ter- brüggen", bat sie noch einer Weile. Aber es lag ein harter Ton in ihrer Stimme.

Terbrüggen nahm die Lampe auf unb ging neben ihr die Strecke zurück. Der ungluckllche Vorfall schien ihn nicht sonderlich mitgenommen zu haben. Seine Schritte waren leicht und- be-

Allste sich dem Schacht näherten, blieb er stehen und meinte: . ... .

Ich glaube, nach alledem ist es vielleicht das beste. Sie ziehen in die Villa hinüber Fräulein Hammerkott.' Darf ich dem alten Pedersen eine entsprechende Anweisung geben.

Sie nickte stumm. Es war ja jetzt alles so grenzenlos gleichgültig. Wenn morgen der Vater kam, würde sie mit ihm wieder hier wegsayren.

Am Füllort war man damit beschäftigt, Mein- ders in den Förderkorb zu betten. Als sie eben einsteigen wollten, kam ihnen ein Mann aus Der Strecke nachgelaufen. f

hier - Herr Direktor", ries er atemlos oom Laufen,hier das habe ich drüben gefunden.

Alle' sahen auf den kleinen blinkenden Gegen­stand, den der Mann in Terbruggens Hand legte. Renates Augen wanderten zu Hellmgrath Yin- über, in dessen Augen Helles Entsetzen stand. Also doch dachte sie und wendete sich ob.

Damit mußte alles zu Ende sein.

Wiss-N Sie, wem diese Masse gehört? fragte Terbrüggen langsam und betont, während er den Ingenieur scharf ins Auge faßte.

Doch Werner hatte sich schon wieder dem Kron-

Glück auf, Renate!

Roman von Ernst Erau.

Een zugewendet. Was hatte es für einen Zweck, hier zu stehen und sich herumzustteiten, während der Mann dort vielleicht verblutete. Dazu würde man später noch genügend Zett haben. Zunächst hieß es, Meinders in ärztliche Behandlung zu bringen.

So steigen Sie schon ein. Wir müssen uns beeilen, ehe es vielleicht zu spät ist."

Dabei fiel sein Blick auf Renate. In seiner Grobheit begriff er nicht, was in ihr vorgegangen fein mochte. Was mochte sie in diesem Augenblick von ihm denken?

Also die Waffe gehört Ihnen, Herr Doktor Hellingrath?" fragte Terbrüggen und stieg hinter Renate in den Förderkorb.

3a!" kam es kurz und rauh zurück.

Die ersten Nachrichten von den unheilvollen Vorgängen auf Schacht HI schlugen in Hammerkott überall wie eine Explosion ein. Man wußte zwar noch nicht genau, wie sich alles verhielt und worum es ging, man hatte nur erfahren, daß Meinders verwundet worden fei, und daß der mutmaßliche Täter in .Hellingrath zu suchen sei.

Meinders erfreute sich bei den übrigen Beamten der Zechenverwaltung im allgemeinen einer un­eingeschränkten Beliebheit. Er hatte sich ihnen gegenüber immer als ein guter Kamerad gezeigt, kam jedem fteundlich und offen entgegen und ließ es sich vor allen Dingen nie entgehen, wenn er jemand gegen Terbrüggen in Schutz nehmen konnte.

Mit Hellingrath verhielt es sich ähnlich. Man wußte, mit welch zäher Energie et sich hier empor» gearbeitet hatte, ohne dabei in ein übles Streber­tum zu verfallen, und wenn er sich auch immer etwas eigenbrötlerisch zurückhielt, so war er doch bei allen gut gelitten, jeder hatte ihn gern.

Man bedauerte überall von Herzen das Miß­geschick, das diese beiden Männer so ahnungslos betroffen hatte. Aber man hatte demgegenüber auch dis Ereignisie des vergangenen Samstags noch

m guter Erinnerung, man konnte also nicht daran zweifeln, daß es dabei zwischen Meinders und Doktor Hellingrach zu einem Konflikt gekommen war, der sich nun auf die-se unselige Weise ent­laden hatte.

Und im Mittelpunkt dieses Konfliktes stand eine Frau, die Tochter Walter Hammerkotts.

Denn das wurde zur größten Sensatton des Tages, als bekannt wurde, daß der alte Peddersen die Sachen des Fräulein Schmidt in die Hammer- kottsche Villa hinübergeschafft hatte und daß dieses Fräulein Schmidt in Wirklichkeit Renate Hammer­kott war.

Nun war natürlich jeder sofort mit tausend kleinen Einzelheiten zur Hand, aus denen er schon vom ersten Tage an gesehen haben wollte, daß es mtt diesem 'Fräulein Schmidt etwas Besonderes auf sich haben mußte. Mit einem Male war diesem und jenem schon längst die unverkennbare Fami­lienähnlichkeit des Mädchens mit Walter Hammer­kott aufgefallen, und so ging es in Gerüchten und Vermutungen fort in allen Tonarten. Niemals hatte es ein interessanteres und ergiebigeres Thema ge­geben, das gleichzeitig von allen Schauern eines geheimnisvollen Kriminalfalles erfüllt war.

Allerdings gab es in diesem Orchester auch ver­einzelte Stimmen, die anderer Meinung waren.

Ich will euch mal etwas sagen, Kinder", meinte der Kassierer Molders,ich halte die ganze Sache nicht für so einfach, wie das aussieht. Dem Hel­lingrath traue ich eine solche Gemeinheit einfach nicht zu. Dazu ist er viel zu gerade. Wenn der wirk­lich etwas gegen Meinders gehabt hätte, bann wäre er auch hier 'oben frank und frei gegen ihn vorge­gangen. Das ist meine Meinung."

Gewiß, es paßt schlecht zu chm", stimmte man Molders zu.Aber wer sollte es sonst gewesen sein? Terbrüggen vielleicht? Oder der große Unbekannte?"

Nun denkt doch mal ein wenig nach, Herrschaf­ten", beharrte Molders.Das Verhältnis zwischen Xerbrüggen und Meinders ist doch auch gerade kein

sehr glückliches gewesen. Das ift uns allen doch fath fam bekannt. Meinders durfte sich mitunter Bemer­kungen erlauben, auf die hin jeder andere von uns sofort geflogen wäre. Bei Meinders dagegen schien es Terbrüggen immer ganz in der ördnung zu finden."

Molders hat ganz recht", warf ein anderer ein. ,Hch habe mir über das merkwürdige Verhältnis zwischen den beiden schon oft genug den Kopf zer­brochen."

Und trotzdem seid ihr damit auf der falschen Fährte", fertigte ihn ein Dritter ab. .Hellingrath soll doch ohne weiteres zugegeben haben, daß die Waffe, mit der geschossen wurde, ihm gehört. Das entscheidet doch, so gern ich für Hellingrach ein­treten würde."

Damit verstummte die Debatte. Gegen diese Tat­sache ließ sich nichts mehr einwenden.

Nur der alte Prokurist Riefenstahl, der schon unter Hammerkotts Vater hier gearbeitet hatte, schüttelte ernst den Kopf. Er hatte unter Terbrüg- gens Leitung hier schon so manches gesehen, was ihm nicht sonderlich gefallen hatte. Er hatte aber auch vor Jahren schon den jungen Werkstudenten Hellingrath tennengelernt.

Zusammenreimen kann ich miris auch nicht", meinte er bekümmert.Aber das eine weiß ich ge­wiß: der Hellingrath war es nicht."

*

Von Meinders erfuhr man, daß er zur Zeit noch immer ohne Besinnung liege, daß die Aerzte aber Hoffnung hätten, ihn am Leben zu erhalten. Er war in der Hauptsache nur durch den großen Blut­verlust geschwächt, die Wunde dagegen hatte sich als ungefährlich erwiesen.

Schon in den ersten Nachmittagstunden erschien Kriminalkommissar Bärensprung mit seinen Be­amten auf der Zeche, um zur Aufklärung des Falles die ersten Untersuchungen an Ort und Stelle vor» Aunebmen.

(gortfefcung folgte