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Aus der Stad« Gießen.

Oer Fronturlauber.

Ueber die endlosen Bänder der Schienenstränge rollen Tag um Tag und Nacht für Nacht aus allen Himmelsrichtungen unseres Kontinents Urlauber­zuge der Heimat zu. Wenn sie nach langer Fahrt auf ihrem Zielbahnhof einlaufen, dann umschließt uns Wartende eine Ahnung von dem Frontgeist, der unsere Soldaten verbindet und sie zu unbekann­ten Kampfern der verschiedenen, weit vorgeschobe­nen Fronten stempelt. Denn noch sind Stahlhelm Koppelzeug und alle die anderen Attribute ihres Soldatendaseins wie unlösbar ihnen beigegeben. Die Gesichter tragen noch die Spuren des Ernstes mit dem sie vor wenigen Tagen erst ihren Posten irgendwo draußen verteidigten, das verschwim- mende Dunkel 8er Nacht mit wachsamem Auge ourchspahend, Schlag mit Gegenschlag parierend, lwmer bereit, ihr Letztes zu geben, wo immer die Pflicht ste ries. Und auch jetzt, da der Befehl sie für eine kurze Zeitspanne entläßt, sind sie auf dem Bo- ocn öer Heimat noch immer nichts anderes als Re- praientanten der großen, nach Millionen zählenden Wehrmacht, Soldaten ohne persönliches Gesicht

Da aber wandelt sich plötzlich unser Eindruck. In der nicht abreißenden grauen Schar haben wir den einen entdeckt:unseren" Urlauber! Gewiß, auch seine vertrauten Züge haben sich verändert, angeglichen dem großen und geheimnisvollen Phä­nomen Front, das keinen unbeeindruckt läßt. Die Freude des Wiedersehens aber verschafft uns ein ahnungsvolles Bewußtsein von der Persönlichkeit, die hinter der rauhen Außenfront nicht nur dieses einen, sondern aller schlummert. Jedoch nur lang­sam löst sich der Bann, der auch über diesem liegt. Erst daheim zwischen den vertrauten Wänden, ledig der Bürde des mitgeschleppten Ballastes,' wird er wirklich der, als den wir ihn kennen.

Es werden da wieder alle die kleinen persönlichen Dinge lebendig, die er so lange entbehren mußte: der Lieblingsplatz in der gemütlichen Wohneck-e, ein manchmal ganz bescheidenes Leibgericht und vieles andere mehr. Strahlende Augen blicken ihn an, und ungezählte Male am Tage offnen sich ihm in überströmender Herzlichkeit die Arme der Mut­ter, der Frau und der Kinder, wie um sich ganz seiner Anwesenheit bewußt zu werden. Der Froh­sinn und das Lachen woll-en kein Ende nehmen; so meinten eben noch alle aber dann ist plötzlich der letzte Tag, die letzte Nacht gekommen.

Die harte Pllicht steht plötzlich wieder auf seinem Gesicht, und rückwärts vollzieht sich die Verwand­lung. Gewiß, noch ist er bei uns, derselbe, der er gestern und vorgestern war. In seinem Bewußt­sein müssen noch die gleichen Erlebnisse dieser Tage nachschwingen wie in uns, die wir um ihn sind. Und doch hat ihn innerlich die Front schon wieder, die in den Jahren des Ringens gewissermaßen eine veite Heimat für ihn wurde und kein längeres Verweilen duldet, ehe nicht der Kampf siegreich entschieden ist. Stahlhelm, Brotbeutel, Feldslasche usw. liegen wieder bereit, und der Mensch in ihm wird wieder klein und bedeutungslos im Vergleich zu dem Soldaten, der nun wieder hinousgcht, um oie Heimat, Haus und Hof und Sippe zu'schützen. Ein-em Verwandelten drücken wir die Hand. Es ist schon die gleiche Faust, die draußen wieder eine Handgranate abziehen oder den Steuerknüppel eines Flugzeuaes halten wird. Und sein Auge geht über die Menschen der Nähe hinweg in den schwe­benden Nebels seines Frontabschnitts. Ps.

Oie

Me b Führers.

NSG. Die Wa'ff.n-^ rührt am 27. Mai im Burg­hof in Gießen. Burggraben 9, um 8 Uhr eine An- n^hmeuntersli--'u".g durch und fordert damit zur Fr.''willigenm '^ung qul Meldungen werden durch ,die Annalimeuntersuchunaskommission entgegenge­nommen. Näheres in der heutigen Anzeige.

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im ofloerfebr der Ostfront.

Für den Lustfeldpostverkehr der Ostfront gibt das Oberkommando der Wehrmacht bekannt: Dom 1. Juni 1943 ab sind Lurtseldpos.karten nach dem Osten mit einer Luft'eldpostmarke, Lu'tfeldpostbriese mit zwei Luftseldpostmarken zu versehen. Die Luft- feldvostmarken werden in entsprechend erhöhter An­zahl an der Front ausgegeben.

Gieszen-r TBodicnmflrftprrile.

* Gießen, 22 Mai Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, Vs kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Sttick 8, Kartoffeln, 5 kg 58, Spinat, Vs kg 10, Römischkohl 14 bis 17, Vohnen, gelb, 80 Rpf. bis 1 20 RM., Salatgurken 56, Salat 32 bis 35. Oberkohlrabi, das Stück 18 bis 20 Rpf.

Verdnnkelunqszeik:

22. Mai von 22.20 bis 4.45 Uhr. 23. Mai von 22.21 bis 4.44 Uhr.

* * Goldene Hochzeit. Das Fest der golde­nen Hochzeit feiern heute, am 22. Mai, in geistiger und körperlicher Frische die Eheleute Konrad We­ber und Frau Katharina, geb. Momberger, Grä- benstraße 4. Herzlichen Glückwunsch!

* * Die Ausgabe der Lebensmittel­karten und der Seifenkarten betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil.

* * DieAusgabeder Zusatz-, Zulage- und Wochenkarten für den 50. Dersorgungs- abschnitt betrifft eine Bekanntmachung im heu­tigen Anzeigenteil.

* * Viehzwischenzählung a m 3. Ium. Eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil be­trifft die Vornahme einer Viehzwischenzählung am 3. Juni. Die Auskunftspflichtigen können alle Ein­zelheiten aus der Bekanntmachung ersehen.

Landkreis Gießen.

Großen-Buseck, 22. Mai. Gestern starb hier die älteste Mitbürgerin Margarethe Wag- ner, geb. Münch, Alten-Busecker Weg 1, im Alter von 89 Jahren. ,

* Albach , 22. Mai. Der Landwirt Karl Bahr feiert am morgigen Sonntag, 23. Mai, in guter Ge­sundheit seinen 8 2. G e b u r t s t a g. Der alte Herr ist immer noch in der Landwirtschaft seines ^chwle- gersohns, des Bauern Kissel, tätig. Unsere Gluck- vünsche.

= Lich, 22. Mai. Am morgigen Sonntag, 23. Mai, kann der Landwirt Ludwig Walz mit seiner Ehefrau Marie Philippine, geb. Groß, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. Unfern

I herzlichen Glückwunsch!

Immatrikulation an der Universität.

Am gestrigen Freitagmittag fand in der Aula die feierliche Immatrikulation der Studen­ten für das Sommersemester 1943 statt.

Der Rektor, Professor Dr. Brüggemann, wies in seiner Ansprache zu Beginn nach kurzen Begrüßungsworten darauf hin, daß es eine schöne, alte akademische Sttte sei, die neuen Studierenden in einem feierlichen Aktion der Universität aufzu­nehmen. Die nationalsozialistische Hochschule, so führte er u. a. weiter aus, sei eine große Gemein­schaft des deutschen Geistes; ihr falle heute im Kriege die Aufgabe zu, all ihr Wissen und Können dem deutschen Volke zur Verfügung zu stellen. Auch die Universität stehe heute mitten im Lebenskämpfe unseres Volkes, und dieser Kamps werde hier vor­wiegend auf geistigem Gebiet ausgetragen. Es gelte heute mehr denn je, unsere Studenten zu verant­wortungsvollen, leistungsbewußten und einsatzbe­reiten Männern zu erziehen, die gewillt sind, sich jederzeit mit ihrer ganzen Kraft für ihr Volk ein­zusetzen. Im Sinne eines Wortes des Führers in seinem BucheMein Kampf" von der Wissenschaft als einer Quelle nationalen Stolzes wollen wir, so sagte der Rektor, alle unsere Arbeit dem deut­schen Volke widmen. Es sei ein großes Glück, im Kriege studieren zu dürfen, eine verpflichtende Aus­zeichnung. Wer als Soldat nach kämpferischen Er­lebnissen von der Front kommt, sei ruhiger, nüch­terner als der junge Student in normalen Zeiten, gehärtet und gereist durch das Leben; Pflichtgefühl

und Wille zur Arbeit beseelen ihn; dabei brauche studentische Fröhlichkeit nicht zu kurz zu kommen, aber die Freude gedeihe nur auf dem Boden ern­ster Arbeit. Die Hochschule biete dem Studierenden eine Fülle der Möglichkeiten, seinen Geist zu bilden, auch über das Fachstudium hinaus; eine Aus­dehnung des geistigen Blickfeldes bewahre vor Ein­seitigkeit. Die UniversitWt wolle empfänglich machen für die Probleme und die Lebensaufgaben des deut­schen Volkes. Der Student, der von der Front kommt, habe es oft schwer, daheim den Anschluß zu finden, aber das sei bald überwunden. Die Hoch­schule habe auch die wichtige politische Mission, den Führernachwuchs heranzubilden. Die politische Ge­meinschaft der Kameradschaften brauche Aktivisten, keine Mitläufer. Das deutsche Studententum sei stets eine Kraftquelle des deutschen Idealismus gewesen. In bedingungsloser Hingabe an den Führer wollen wir, so schloß der Rektor, an die Arbeit gehen, den Blick in die Zukunft eines neuen, großen Deutsch­land gerichtet.

Nachdem Studentenführer Ruckelshausen mit kurzen Worten aus den Semestereinfatz und auf die bevorstehende Schlageter-Feier aus dem Gleiberg hingewiesen hatte, die als Feier mit Reichscharakter eint Zusammenkunft der gesamten Studentenschaft von Hessen-Nassau bringen und Gießen wieder einmal in den Mittelpunkt des stu­dentischen Lebens rücken werde, wurde die feierliche akademische Verpflichtung vorgenommen.

Volkstum und Raffe bei Johannes Brahms.

Der erste Vortragsabend dieses Semesters in der NS.-Dozentenakademie der Universität brachte einen Vortrag von Prof. Dr. Gerber überVolkstum und Rasse in der Persönlichkeit und Kunst von Jo­hannes Brahms".

Wie das gesamte Geistesleben, so ist auch das musikalische Schaffen des 19. Jahrhunderts von starken Gegensätzen durchzogen und von schweren Erschütterungen erfüllt. Als Reaktion auf klassi­zistische Verflachung und biedermeierliche Vernied­lichung erwachte um die Jahrhundertmitte mit WagnersKunstwerk der Zukunft" ein neuer Wille zu monumentaler künstlerischer Gestaltung und im besonderen zu ausdruckshaster Intensivierung der musikalischen Sprache. Mit der Lisztschen Pro­grammsinfonie distanzierte sich die junge Generation von der klassisch-romantischen Formenwelt, strebte nach neuen Formlösungen, wobei sich zwangsläufig eine Literarisierung der Instrumentalmusik an- oahnte. Gegenüber all diesen revolutionären Strö­mungen ist Johannes Brahms als menschliche und künstlerische Erscheinung Hüter der TroMtion, aber auch Vermehrer des arvßen künstlerischen Erbes, das dem deutschen DvA m der Hochblüte der deutschen Musikkultur in tzaröck und Klassik beschert wordey war.

Wie Brahms hier in geschichtlichem Boden wur­zelt, so senkt er auch als Mensch seine Wurzeln tief in den Boden des niedersächsischen Volkstums, dem er entstammt. Das Wesen seiner Persönlichkeit und Kunst erschließt sich weitgehend aus den volklichen

und rassischen Merkmalen des niedersächsischen Men­schentypus. Als fälischerDerharrungsmensch" prägt er in hohem Grade den bäuerlichen Typus aus, besonders sichtbar in einem gesunden, rüstigen Tätig- keitstrieb, der in sich selbst Genüge findet, nicht nach außen wirken will, ferner in phrasenloser Schlicht­heit, verstandesklarer Willenszucht, wortkarger Keuschheit und Verschlossenheit usw. Auch sein Humor trägt Züge des niedersächsischen Volkstums.

In weltanschaulich-religiöser Hinsicht distanziert sich Brahms von der kirchlichen Dogmatik und ver­körpert eine Weltfrömmigkeit, die nordisch-germa­nisches Gepräge hat. Wie als Mensch, so ist er auch als Künsller weitgehend aus dem Charakter des niedersächsischen Stammestums zu verstehen. In seiner Melodik, Harmonik, Rhythmik, in der Ge­samtformung des Kunstwerks finden sich stilistische Eigentümlichkeiten, die letztlich in der niedersä chsisch- fälischen Artung seiner Persönlichkeit, in der bäuer­lichen Schwere, aber auch in der zarten Keuschheit seines Wesens begründet sind.

Am sichtbarsten zeigt sich sein« Dolkstumsverbun- denheit bi fehwm Verhältnis zum Volkslied, das sein gesamtes Schassen, teils unmittelbar stofflich, teils ideell durchdringt. Hier wirkt Brahms über seine entwurzelte Zeit hinaus beispielgebend und be­stätigt die heute wiedergewonnene Erkenntnis, daß wahre Kunst nur in Verbindung mit den Kräften eines gesunden Volkstums entstehen und gedeihen kann.

Oer Gleiberg und -er Gießener Student

... Wer nie von Gleibergs Mauerkranz erschaut das weite Land ..."

Wer auch nur flüchtig Gießen und feine Um» aebung kennenlernt, immer wird ihm das land­schaftlich so reizvolle Bild der beiden Burgen, des Gleibergs und des Vetzbergs, die sich malerisch von dem dahinterliegenden Dünsberg abheben, in der Erinnerung haften bleiben. Nimmt man Gieße­ner Studentenbilder aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts zur Hand, so findet man im Hinter­grund der zwanglosen Gruppen im Flausrock und Kanonenstiefeln, in Band und Zerevis meist dieses Landschaftsbild, bisweilen den Gleiberg auch allein, der gewissermaßen das Wahrzeichen unserer Alma mater Ludoviciana geworden ist. Dank seiner günstigen Lage hat er immer im Leben der Gießener Musensöhne eine Rolle gespielt, trotz­dem er außerhalb der Lanüesgrenzen liegt. Als es noch keine Studentenverbindungen im späteren Sinne gab, und ihre Vorläufer, die Studenten­orden der Amicisten, Hessen usw., den Ton an der Gießener Universität angaben, etwa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erwähnt derbe­rühmteste" Student Gießens, der Theologe Lank- Hard, in seinen Erinnerungen schon den Glei- bergals Zufluchtsort der ausziehenden Gie­ßener Musensöhne.

Von da ab bis in die Jetztzeit sah der Gleiberg Generationen von Gießener Studenten in seinen altersgrauen Mauern weilen, und immer fester wurde im Lause der Zeit die Verbundenheit zwi­schen der inzwischen wiederhergestellten Burg und den Gießener Studenten.

Meist waren es wohl fröhliche Anlässe, die den Musensohn zur Burg hinaufführten. Es fanden Ausflüge bei Stiftungsfesten und sonstigen Zusam­menkünften statt, oder man traf sich mit befreun­deten Verbindungen der Nachbaruniversität Mar­burg. Oft verlockten mondhelle Nächte zu einer Wan­derung aus die Purg und zu fröhlichem Umtrunk am Fuße desdohlenumflatterten" Bergftieds. Man stellte sich auch, wie die Chronik derStarken- burgia" meldet, zum ritterlichen Waffengang der Mensur dort oben ein. Bei festlichen Gelegenheiten, wie anläßlich des 300. Jubiläums der Ludoviciana, erstrahlte der Gleiberg in bengalischer Beleuchtung und bot sich so den Blicken der Festteilnehmer dar. Manche Naturkneipe versammelte die Gießener Burschen oben an der Burgmauer, von der man den prachtvollen Mick auf das weite Land des Gie­ßener Beckens zu Füßen des Berges hat.

Aber nicht nur zumSchwärmen und zum Trin­ken" kam man auf dem Gleiberg zusammen, son­dern es waren auch ernste Feiern und besinnliche Stunden, die man da erlebte. Der Student Karl Chrffttan Sartorius, Mitglied der alten Gie­ßener Burschenschaft und Freund Karl Feilens, erzählt in seinen Erinerungen, die in der Fesffchrift um 80. Stiftungsftst der Gießener Germanen ver­öffentlicht sind, wie die aus den Freiheitskriegen zurückgekehrten Gießener Studenten, zu denen er mblte im Frühling des Jahres 1815 mit dem ersten erwachenden Grün hinaufgezogen zu der Ruine, sich dort lagerten und die Erinnerungen an die Freu­den und Leiden des Feldlebens wieder aufleben ließen. Wie sie begeistert von den Schriften einesArndt,

Jahn und Körner von einemeinigen deutschen Vaterlan d" sprachen, und wie die von vater­ländischen Ideen erfüllte akademische Jugend von damals nach neuen Formen und Wegen suchte, sich an dem Geist mittelalterlicher Ritterlichkeit erbaute, wie die Ideen der Romgnttk die Geister bewegte und wie man bestrebt war, sich zu ertüchtigen, um dereinst für des Vaterlandes Wohl wirken unb kämpfen zu können. Für den Gießener Wingolf hatte der Gleiberg eine besondere Bedeutung. Die Burg war der Gründungsort,' und die Mitglieder begingen alljährlich dort in einer ernsten Stunde der Einkehr und des Gedenkens den Stiftungstag im Geiste der Gründer ihres Bundes.

^Eine besondere Rolle spielte der Gleiberg bei den S t u d e n t e n a u s z ü g e n, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhurckerts wie an anderen Univer­sitäten so auch in Gießen stattfanden, wenn sich die Studenten in ihren Rechten geschmälert und in ihrer Ehre verletzt glaubten. Fünfmal wanderten die Gießener Musenföhne auf den Gleiberg aus, wo sie solange ausharrten, bis die Zwistigkeiten beigelegt waren und man zur großen Befriedigung der Uni­versität und Einwohner nach Gießen zurückkehrte. Laukhard schildert in seinen oben erwähnten Er­innerungen in anschaulicher Weise den Auszug von 1777. Trotzdem der Senat die Forderungen der Studenten bewilligte, konnten sich viele derselben nicht so schnell zur Rückkehr entschließen, fordern Zogen es vor, auf dem Gleiberg zu bleiben, wo sie m übermütigfter Stimmung eine neue Universität gründeten und auch sonst allerlei Unfug trieben. Der Auszug von 1826 ist von Wilhelm F l e g l e r in seiner Geschichte der ,^Hassia" beschrieben und durch eine ausgezeichnete Wiedergabe der Zeichnung E. Bielers in der 1939 erschienenen Geschichte derTeutonia" trefflich illustriert. Es war ein bunt« bewegtes Leben und Treiben, das sich auf dem Burghof abspielte und das in den Studentenstamm­büchern jener Jahre öfter erwähnt wird.

Auch die neue Zeit ließ die Verbindung zwischen Gleiberg und Gießener Studentenschaft nicht ab» reißen, zumal manche Verbindungen dem Gleiberg- verein beitraten und dessen Bestrebungen tatträftig

Als sich nach der Machtergreifung die Studenten­schaft andere Formen beilegte, war der Gleiberg wieder der £>rt häufiger Zusammenkünfte. Man rich­tete den Albertusbau zu einem Lager für studen­tische Schulungszwecke ein, das im Früh­jahr 1934 in feierlicher Weife in Gegenwart vieler Gäste ferner Bestimmung übergeben werden konnte.

Wenn in den nächsten Tagen der Gleiberg wie­der in den Mittelpunkt des Interesses tritt, wenn sich wieder Gießener Burschen, jetzt in der neuen Form der Kameradschaften, auf historischem Boden ZU ernster vaterländischer, dem Andenken Albert Leo Schlageters geweihter Feierstunde zusam­menfinden, dann können sie sich bewußt sein, eine alte Tradition weiterzuführen. Unsere von jeher für historische Ueberlieferungen sehr empfängliche und aufgeschlossene studierende Jugend aber wird die Bereitwilligkeit der neuen Zeit, solche Ueberliefe­rungen weiterzupflegen, dankbar anerkennen.

Dr. Rehmann. I

OerArzi ist nur für wirklich Kranke -a!

NSG. Die Aerztekarnmer Hessen-Nassau teilt mit: Mit Rücksicht auf den Bedarf der Wehrmacht an Aerzten ist die Durchführung einer geregelten ärzt-. lichen Versorgung der Zivilbevölkerung nur bann gewährleistet, wenn die hilfesuchende Bevölkerung jetzt mehr denn je sich der Tatsache bewußt ist, daß der Arzt, der infolge der gestiegenen kriegsbedingten Ausfälle im ärzttichen Arbeitsgebiet einen äußerst angestrengten und verantwortungsvollen Dienst zu versehen hat, nur von wirklich kranken Menschen in Anspruch genommen wer­den kann. Es kann nicht gebilligt werden, daß Aerzte mit geringfügigen Anliegen in der Sprechstunde ausgesucht und um wertvolle Arbeitszeit geprellt werden.

Die Notlage aus dem ärztlichen Arbeitsgebiet ver­langt überdies von jedem einzelnen Volksgenossen eine psteqliche Rücksichtnahme auch in sonstigen Din­gen. Soll der Arft über die ihm zur Verfügung stehende Zeit richtig verfügen können, so müssen vor allem die erforderlichen Hausbesuche rechtzeitig, und zwar vor 9 Uhr vormittags angemeldet werden. Zweckmäßigerweise sind dabei gleichzeitig kurze Erläuterungen (Art der Erkrankung, Fieber, Schmerzen und dergleichen) telephonisch mit durch­zugeben. Bei verspätet eingehenden Bestellungen wird der Arzt nur ausnahmsweise in der Lage fein, den gewünschten Besuch noch am gleichen Tage aus­zuführen. Es muß demnach von den Volksgenossen soviel Einsicht verlangt werden, daß sie zum Eige­nen Vorteil diese Rücksichtnahme auf den Arzt üben.

Ein weiteres liebel, über das in Aerztekreisen in letzter Zeit besonders oft geklagt wird, ist die miß­bräuchliche Anrufung des Arztes dzw. fei­ner Praxis durch den Fernsprecher. Es gibt Aerzte, die berichten, täglich 30- bis 40mal und öfter nur durch die Anfrage belästigt zu werden, in welcher Zeit sie Sprechstunde haben, oder wann die Anfragenden mit möglichst wenig Zeitverlust zur Sprechstunde kommen können. Es darf in der augenblicklichen, für unsere Aerzte mit äußerster Beanspruchung ihrer Arbeitskraft einhergehenden Zeit nicht vorkommen, daß durch derartige Anfragen die Aerzte und ihre Helferinnen in ihrer Arbeit be­einträchtigt werden. Dies kann unter Umständen dazu führen, daß in lebensgefährlichen Fällen die erforderliche ärztliche Hilfe nicht rechtzeitig erfolgt oder gar unterbleibt. Der Arzt ist für alle da, er kann aber feinen Angaben nur dann gerecht werden, wenn feine Arbeitsfreude nicht durch überflüssige und leichtfertige Zumutungen beeinträchtigt wird.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 21. Mai. Gestern ereignete sich in der Ferdinand-Werner-Straße ein schwerer Un- gl ü ck s s a l l. Ein Pferdefuhrwerk stieß dort mit einem Lastkraftwagen zusammen. Der Beifahrer wurde schwer verletzt und ist später im Krankenhaus g e ft o r b e n.

&. A-Gport.

Dom Fußball.

1900 Sportfreunde Wetzlar.

Die Mau-Weißen empfangen morgen im An­schluß an das Aufstiegspiel LSV. Offenbach die Sportfreunde Wetzlar. Im Vorspiel eine nicht ganz verdiente Niederlage hinnehmend, vertrauen die Gastgeber diesmal auf ihre Mannschaftsaufstellung. Neben den Gebrüdern Kraft ist auch Dinges an­wesend, so daß diesmal das Mannschaftsgebilde ein weit günstigeres Aussehen hat als beim Spiel in Wetzlar.

Daubringen.

Am Sonntag empfängt die 1. Jugend von Dau« bringen die 1. Jugend von Großen-Linden zum fälligen Rückspiel.

Vorher treffen sich die 2. Jugendmannschaften beider Vereine.

Handball der HI.

Bann 116 Gießen Gebietsmeister Bann Kassel.

Auf dem Universitätssportplatz empfängt morgen die Bannmannschaft die des Bannes Kassel zu einem Vergleichskampf. Die Kasseler errangen im ver­gangenen Spieljahr den TitelDeutscher Jugend- meister". In dieser Spielzeit haben sie m überlege« ner Weise wiederum die Gebietsmeisterschaft er­rungen und die besten Aussichten, in den weiteren Spielen den vorjährigen Erfolg zu wiederholen. Die Gießener werden daher wohl die stärkste Prüfung zu bestehen haben, zumal die Mannschaft in etwas geänderter Aufftellung antreten muß. Es gilt jedoch nicht, in diesem Treffen unter allen Umständen zu siegen, sondern das Spiel soll ein weiterer Ansporn und zu gleicher Zeit Werbung sein. Die Gießener Mannschaft: Mohn (Orüningen), Müller (Holzheim), Vecker (Lang-Göns), Schürmann (Mtv. Gießen), Bentheim (Mtv.), Ohly (Holzheim), Brückel (Lang- Göns), Becker (Mtv.), Menges (Heuchelheim), Ohly (Lang-Göns), Klotz (Holzheim). Ersatz: Hübner und Mchner (Mtv.).

mit den alten Spinnstoffen und Schuhen

Was an Spinnstoffen und Schuhwerk in

Schränken und Truhen ungenutzt lagert, muß für die totale Kriegführung mobilisiert werden. Für unsere Soldaten an der Front und die Millionen Rüstungsarbeiter in der Heimat wird Bekleidung in großem Um­fange gebraucht. Darum spendet jeder zur Spinnstoff- u. Schuhsammlung 1943 VOM23.MAI BIS 12. JUNI

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