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London wäre kaum möglich gewesen. Das Schick­sal hatte es anders gewollt. Nachdem Iswolsky die Politik Petersburgs vom Osten ablenkte, und nach dem Vertrage von Reval Mischen dem Zaren und Eduard VII. ließ auch der Druck auf Chinesisch- Turkestan nach.

Sinkiang oder Chinesisch-Ostturkestan gehört zu den am wenigsten erforschten Gebieten der Erde. Zwischen dem Norden mit dem Zentrum Urumtschi oder Tihua und dem Süden mit den Städten Kasch­gar, Chotan und Iarkand liegt als Barriere die große Taklamakan-Wüste. Namentlich im Norden waren die Sowjets die unumschränkten Herren. Sie unterhielten dort beträchtliche Militärkräfte, und nichts durste ohne ihre Einwilligung unternommen werden. Von dort aus drangen die Agenten Mos­kaus, oft als Lamapriester verkleidet, in das Herz Innerasiens vor und hielten die Verbindung mit den chinesischen Kommunisten austecht. Gleichzeitig war der südliche Oasengürtel der Wüste Gobi em gutes Absatzgebiet für die Ramschwaren der sowjeti­schen Industrie. Da die Turksib-Bahn in einer Ent­fernung von nur etwa 250 km an Sinkiang vorbei- sührt so fand Moskau manche Möglichkeit, seinen Einfluß bis an die Grenzen Tibets auszudehnen.

Es gibt aber dort weder Eisenbahnen noch Auto­straßen, die den Verkehr erleichtern würden. Die Eingeborenenstämme der Provinz Sinkiang, die eine Ausdehnung dreimal so groß wie das Deutsche Reich hat, neigen, wenn sie nicht durch bewafnete Detache­ments im Zaum gehalten werden, zu Uebergrlffen und Räubereien, und die Karawanenwege längs dem Südrande der Gobi werden von den ein­heimischen Stämmen gemieden. Sie beq^ichnen es als das Land der Geister, weil dort oft unerklär­liche Stimmen und Rufe vernommen werden. Sven Hedin glaubt das Phänomen dadurch erklären zu können,' daß heißer Sandstaub aneinander prallt und diese Geräusche verursacht.

Die Sowjets sind in ihrem Vordringen m Sm- kiang bisher auf keinen Widerstand gestoßen, wenn auch England, bevor es der Krieg zum engen Bünd­nis mit Moskau veranlaßte, mit scheelen Augen aus 4ie Nachbarschaft der Sowjets an den Grenzen Tibets blickte,, und seinerseits Gegenminen in Kasch» gar und Jarkand zu legen versuchte. Die Verhält­nisse haben sich im vierten Kriegsjahre stark ge­ändert. Die Sowjets haben ihre Regimenter aus Ostturkestan zurückziehen und an die westliche Front werfen müssen. Die Briten sind nicht in der Lage, die Erbschaft der Sowjets zu übernehmen, und so hat sich denn in Urumtschi eine Unterabteilung der Kuomintang gebildet. Stalin, der seine Ohnmacht, Tschungking-Ehina zu helfen, nach dem Verlust der Positionen in Ostturkestan erkannt haben muß, ver­sucht die Situation durch hochtrabende Versprechun­gen zu retten. Als Antwort auf die Kriegserklärung National-Cbinas hat er Tschicmgkaischek einen noch engeren Bündnisvertrag angeboten. Die Sowjets wollen Alma Ata (Sibirien) durch eine direkte Bahn mit Tschungking verbinden und die Verbiichungs- wege durch Ostturkestan ausbauen. Aber mit solchen phantastischen Plänen wird die Hintertür für Tschungking kein brauchbarer Zufahrtsweg für eine rasche Kriegshilfe, wie sie Tschiangkaischek braucht.

Oie japanische Armee überschritt den tzangtse-Fluß.

Schanghai, 9 März. (Europavreß.) Die japa­nische Armee in Mittelchina überschritt mit starken Kräften den Iangtsefluß nach Westen in einer Front von über. 300 km an verschiedenen Punkten und durchbrach die feindlichen Verteidigungsanlagen auf dem Südufer an mehreren Stellen.t Der frühere tschungklng-chinesische Generalmajor Liyingping, der vor kurzem zur national-chinesischen Regierung über­gegangen ist, ist von dieser zum Oberkommandieren­den der Küstengarnisonen am Golf von Pechili er­nannt worden. Durch den Abfall des Generals sind die tschungking-chinestschen Truppen in der Schau- tung-Provinz erheblich geschwächt worden.

Britische ttebergriffe legen das Verkehrswesen Aegyptens still

R o m, 9. März. (Europapreß.) Die ägyptische Re­gierung hat, dem Druck der englischen Militärbehör­den nachgebend, den Zivilverkehr auf den Eisenbahn­linien KairoAlexandrien und KairoSuez sper­ren müssen. WiePopolo di Roma" feststellt, wird das Wirtschaftsleben Aegyptens durch diese Maß­nahme völlig lahmgelegt, zumal es auf dem Wirtschastsaustausch zwischen den großen Städten und dem Lande beruhte. Da bereits alle Verkehrs­mittel von den englischen Militärbehörden beschlag­nahmt worden sind, hat die Verkehrslage außerdem ehte merkliche Zuspitzung erfahren.

An der Universität El Azhar sind 10 000 Studen­ten in den Streik getreten, weil der ägyptische Iustizminister ihnen verboten hatte, sich mit poli-

Unser Doktor!"

Von Kriegsberichter Fritz Thost, PK.

Immer, wenn die stählernen Kolosse der Sturm­geschütze halten, steht in ihrem Schatten ein kleiner Volkswagen; und immer, wenn die Sturmartille­risten aussteigen, nach langer Fahrt, nach schwerem Gefecht, treffen sie den Oberarzt oder, wie ihn ihr Landsermund längst nennt:ihren Doktor". Er gehört zu ihnen wie ihr Kommandeur. Sie müssen chn haben. Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Arzt und Helfer bei allen menschlichen Gebrechen, sondern auch ein flptter, humorvoller Junge bei allem, was durch den Magen geht: die leibhaftige Medizin der ganzen Abteilung.

Keiner hat damit gerechnet, daß die Sturmge­schütze draußen angesichts des Feindes übernachten, keiner hat sich deshalb auch genügend mit Verpfle­gung eingedeckt. Es ist klar: die Kälte verbraucht mehr Kalorien, und jeder schiebt rascher Kohldampf. Der Kommandeur weiß im Augenblick keinen Aus­weg. Wir sitzen in einer verfluchten Schlaufe, und draußen ist tiefe Nacht. Die Melder werden dringend für andere Zwecke gebraucht, wer soll da schon em= springen? Wer? (Eben rollt ein Volkswagen zuruck zur Stadt: unser Doktor!

Wir warten und warten. Längst müßte er wieder zurück sein. Da reißt einer die Tür auf, einer vom Spähtrupp.Eben PKW. in den Feind gefahren, Schüsse fielen, Wagen hielt an, einer stieg aus, will wieder einsteigen, Wagen fährt ab, er hinterher, springt auf, schreit, dann war alles im Nebel ver­schwunden."

,Hungs, das war unser Doktor!" sagt aufgeregt der Kommandeur,wenn das nur gut geht!"

Da trifft ein Funkspruch ein:Treffe morgen 6 Uhr mit Verpflegung ein. Heute nacht unmöglich. Verfahren. Feind hat mich beschossen." Wir alle at­men befreit auf und warten wieder, warten bis zum andern Morgen. Neue Meldung von einem der Ge­schütze am Dorfrand:Soeben LKW. und PKW. in Richtung /Unkraut' durchgefahren. Hatten bereits LKW. angerichtet, in der Annahme, es fei ein feind­licher, entdeckten aber plötzlich hinter ihm den Volks­wagen, also müssen es welche von uns fein. Wir fragen an!

Donnerwetter!" ruft der Kommandeur, ,bas kann nur unser Doktor sein!" Neue Nachricht: Wagen fahren durch vom Feind belegtes Dorf, wurden heftig beschossen, kehrten um und sind nach hier unterwegs."

Da hält es keinen mehr in der Hütte, alle stürmen hinaus. Und wirklich: es braust die Gasse herein, durch die auch die Sowjets ununterbrochen herüber­ballern: unser Doktor! Er lacht.Verdammter Ne­bel, verdammter Iwan!. Zwei Treffer ins Verdeck, einen mitten durch's Nummerschild und einen herrlicher Plattfuß! in den Reifen. Der Schweine­

hund muß geschnuppert haben, daß ich für euch was Gutes zu futtern ausgeladen habe!"

Aber das ist im Augenblick für uns alle gar nicht die Hauptsache, nur gut, daß er wieder vor uns steht mit seinem frischen roten Gesicht und dem wil­den Wuschelkopf und der unverwüstlichen Laune: Unser Doktor!

Ein Sturmgeschütz rollt zurück, das auf seinem stählernen Rücken die Toten und Verwundeten des erbitterten Kampfes trägt. Ein Volkswagen fährt ihm weit entgegen, gesteuert von einem, den jeder kennt, von unserem Doktor. Vor einer Bauernhütte machen beide Halt, vor einer Hütte, die trotz des andauernden feindlichen Feuers wie durch ein Wun­der heil blieb. Männer springen herbei und tragen, als ob es zerbrechliche Figuren wären, die Ver­wundeten in die warme Stube. Die ruhigeStirnme^ unseres Doktors begleitet alle Handgriffe. Steppen­gras wird auf der harten Diele ausgeftreut, Bein­schienen aus Brettchen und Sttoh gefertigt und Wasser gewärmt.

Der Doktor kniet vor einem der Schwerverwun- deten und schneidet ihm die blutigen Kleider vom Leibe. Während die Pinzette die Splitter entfernt und der weiße Verband über die Wunde rollt, spricht der junge Doktor tröstliche Worte in das Ohr des leidend vor ihm Liegenden. Einmal mehr luftig, einmal mehr ernst, wie es gerade die Augen verlangen, die sich in ihrer Not an ihn klammern. Aber es sind Worte, die wie ein Zauber wirken: schmerzstillend und tröftenb. Als wir abends mit dem Kommandeur in der Stadt eintreffen, begrüßt uns schon von weitem unser Doktor. Alles in Ord­nung, Kameraden! Von den Verwundeten kommt jeder durch, sie liegen alle schon in warmen Betten, und für euch ist auch Quartier gemacht, warm und wanzenfrei!"

Hessische Grenadiere in der Abwehrschlacht.

Berlin, 9. März. (DNB.) Im mittleren Ab­schnitt der Ostfront, westlich Sytschewka, be- absicktigten Jne Sowjets, ihre Vorstöße an einer Stelle zu wiederholen, die sie letzthin schon dreimal mit je zwei Bataillonen angegriffen hatten. Sie stellten sich in einer Mulde nur 50 Meter vor un­seren vorbersten Kampfständen bereit. Schlagartig einsetzendes Artillerie- und Maschinengewehrfeuer vernichtete die bolschewistischen Sturmabteilungen. In dieser Talsenke liegen rund 1000 gefallene Bol­schewisten. An anderer Stelle rieben hessisch­siegerländische Grenadiere eine einge­brochene feindliche Stoßgruppe vollkommen auf.

tischen Fragen zu beschäftigen. Der Rektor richtete an die Studenten die Aufforderung, an ihre Arbeits­plätze zurückzukehren. Die Polizei wurde mit Steinen beworfen. Zahlreiche Studenten wurden verhaftet. Sie hatten die Zusicherung verlangt, daß Aegypten neutral bleiben und alle Forderungen der englischen .Regierung nach Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen Aegypten und der Sowjet­union ablehnen werde.

Die neue iürkische Regierung.

I st a n d u l, 9. März. (Europapreß.) Ministerprä­sident Saracoglu hat dem Staatspräsidenten Inönü die Liste der neuen Regierung vorgelegt, worauf deren (Ernennung vollzogen wurde. Einige Minister der ersten Regierung Saracoglu scheiden aus. Neuer Handelsminister wurde Cecal Sait Si- ren; Justizminister Ali Riza Tuerei; Monopolmini­ster Al Suat Hafri Uergueplue und neuer Verkehrs- Minister General Ali Fuat Cabessy, der in der er­sten Regierung Saracoglu das Ressort für öffent­liche Arbeiten verwaltete. Neuer Minister für öffent­liche Arbeiten wurde der bisherige Wirtschaftsmini, fter Sirri Day, während in das Wirtschaftsmini- fterium ein neuer Mann, Fuat Sinnen, einzieht. Die anderen Ressorts bleiben unverändert.

England und der Luft-Imperialismus der USA.

Lissabon, 9. März. (Europapreß.) Der konser­vative Abgeordnete Harold Mitchell beklagte sich in einer Rede bitter über die mehr als nachgiebige Haltung des englischen Luftfahrtministeriums gegen­über den.Ansprüchen der USA. Es sei bedauerlich, daß die Nordamerikaner für die Kriegsdauer die schweren Flugzeuge bauten, während England sich auf die leichten Kampfflugzeuge zurückgezogen habe. Wir werden daher bei Kriegsende zahllose nicht zu verwendende Kampfflugzeuge haben, während die

Amerikaner viel mehr große Tränsportflugzeuge be­sitzen, mit denen sie sich eine beherrschende Stellung in, der zivilen Luftfahrt sichern, können. Wie sehr sie uns dann auch immer aushelfen mögen, es wird uns doch unmöglich sein, unsere künftige Lufthandelsflotte auf eine gesunde Basis zu bringen, falls wir nicht selber Transport­maschinen bauen", erklärte Mitchell.

Oer KriegSeiusah der Volksdeutschen in der Slowakei.

Preßburg, 9. März. (Europapreß.) Auf einer Arbeitstagung des politischen Führerkorps gab Volksgruppenführer Karmasin neue Richtlinien für den Kriegseinsatz aus. Tausende Karpaten­deutsche kämen zur Waffen-^, die Heimat müsse nun auch alle Kriegsaufgaben erfüllen. Im Rahmen der totalen Zusammenfassung aller Kräfte würden nun die Männer zwischen 16 und 60 Jahren zum außerordentlichen Einsatz kommen. Verteidigungs­minister General C a t l o s würdigte den Einsatz der Volksdeutschen in der Waffen-^, der zugleich Brücke sei für die weitere Zusammenarbeit zwischen den Slowaken und Deutschen. Diese ^-Männer würden nach ihrer Rückkehr ein besonders positives Element für den slowakischen Aufbau darstellen.

Kleine politische Nachrichten.

Die britische Seeversicherung sah sich genötigt, ihre Versicherungssätze für die Transporte von der Ost­küste Südamerikas nach portugiesischen und spa­nischen Häfen auf 10 v. H. zu erhöhen. Nur für schweizerische, portugiesische und spanische Schiffe beträgt der Satz 6 v. H. des Ladungs- ober Schiffs- roertes.

*

(Eine Diamantenesendung im Wert von 50 000 Pfund, die mit einem Schiff von London um Afrika herum versandt worden war, um in Haifa in Pa»

I'äftina von jüdischen Diamantenjchlei-sern in Arbeit genommen zu werden, ist versenikt worden.

WieMessaggero" aus Kairo erfährt, hat die so­wjetische Nachrichtenagentur TASS, in der ägyp­tischen Hauptstadt eine Zweigstell e errichtet. Die britischen Militärbehörden erteilten ihre Zustim mung, ohne die ägyptischen Stellen zu befragen. Der Leiter der Zweigstelle, ein sowjetischer Oberst, trägt britische Offiziersuniform.

Der persönliche Vertreter des USA.-Präsidenten Roofevelt in Indien, William Philipps, verließ Delhi, um eine dreiwöchige Besichtigungsreise durch Südindien zu machen.

General Giraud hat den ehemaligen französischen Botschafter in Montevideo, Andre Hopenot, zu sei­nem Sonderbeauftragten in Washington ernannt.

Ein Abkommen über den Export französisch-indo­chinesischer Rohstoffe nach Japan wurde in Hanoi vom Generalgouverneur Decoux und dem Sonder­gesandten. Schi gern Kuriyama unterzeichnet.

Die japanischen Militärbehörden auf Ddanila ha­ben beschlossen, am 16. März 2500 philippinische Kriegsgefangene freizulassen.

Von Timor bis zu den Salomonen. Japans Front im Südwestpazifik.

Tokio, 9. März. (Europapreß.)Die japanische Front im südwestlichen Pazifik verläuft heute von Timor über Neu-Guinea und New Britain bis $u den Salomonen, wo sich die japanische Luftwaffe auf den Inseln New Georgia und Bougainville starke Stützpunkte geschaffen hat", erklärte die Zei­tungAsahi" in einem Kommentar zu der Ver­nichtung von 124 feindlichen Flugzeu­gen im Gebiet von Neu-GuineaSalomonen. Der Feind stütze sich in dieser Zone hauptsächlich auf seine Flughäfen auf Guadalcanar und bei Port Moresby. Seit dem strategischen Rückzug der Ja­paner von Guadalcanar hätten die Japaner ebenso wie der Feind täglich Angriffe auf die gegnerischen Stützpunkte, durchgeführt, wobei die Japaner ihren Aktionsradius bis zu den über 1200 Kilometer von dem südöstlichen japanischen Stützpunkt entfernten Neuen Hebriden ausdehnten. Die Vernichtung von 124 Flugzeugen erfolgte in einem Gebiet, das sich von Westen nach Osten über 2500 Seemeilen erstreckt. Der amtlich gemeldete Verlust von zwei japanischen Zerstörern und fünf Transportern fei auf feindliche Luftangriffe zurückzuführen.

Kunst und Wissenschaft.

Mars gegen Dionysos.

In der Reihe her besonders von der Form her bemerkenswerten Dichtungen unserer Tage dürfte sich das soeben im Württembergischen Staatstheater aufgeführte Schauspiel von Artur Müller Fessel und Schwinge" einen Platz gesichert haben. Das aus der griechischen Sage schöpfende Werk behandelt nicht wie bei Euripides den tragi­schen, sondern den harmonischen Ausgang des zwi­schen dem Thebanerkönig Pentheus als dem Ex­ponenten der staatspolttischen Pflicht zum Krieg und der Königinmutter Agaue als der von dem Mysterium des" Freudengottes Dionysos Gefangenen entstandenen Konflikts. Der kategorische Imperativ männlicher Pflichterfüllung vereinigt sich mit dem dionysischen rauschhafter ©efüMsregung zu der SyntheseFessel und Schwinge". Allerdings erst, als das Volk von seinem König immer wieder mit den Wortenes ist Krieg" eindringlich ins Ge­wissen gerufen und nun aus feinem Rausch zum Kamps gegen den gemeinsamen Feind aufgerüttelt ist. Das Stück fesselt durch seine hohe Sprache-

Max Löffler, hochschulnachrichlen.

Im 49. Lebensjahr starb in Frankfurt das wissen­schaftliche Mitglied des Chemotherapeutischen For- schungsinstitutsGeorg-Speyer-Haus", Profellor Dr. Ernst Maschmann. Er war auch Mil ied des Staatlichen Instituts für experimentelle Thera­pie. Im 81. Lebensjahr starb der Schöpfer des ' Sanatoriums St. Blasien im Schwarzwald, Medi- zinalrgt Dr. Albert Sander. Er wirkte in St. Blasien feit 1895, zunächst als Besitzer und Chef­arzt, dann als Vorsitzender der Gesellschaft. Der Ordinarius für Tierzucht und Geburtskunde an der Universität Leipzig, Professor Dr. Johannes Rich­ter, vollendet sein 65. Lebensjahr. In Dresden ge­boren, studierte er in Genf und Dresden und habt' litierte sich dort 1904. 1912 wurde er Ordinarius. Seit 1923 wirkt er in Leipzig. Der a. o. Pro­fessor Dr. Hans Rohrbach ist zum o. Professor der Mathematik an der Karls-Universität in Prag

Der Achill von Rschew.

Ein Bericht von der Front von Walther Gottfried Kluüe.

Das war bei Rschew, so erzählte ein Kamerad vom Pionierbataillon, als der Oberfeldwebel, unser Zugführer, die Stoßgruppe gegen die in die Haupt­kampflinie eingebrochenen Sowjets an führte, um sie der Teufel soll sie holen! wieder hinauszu­werfen. Die Maschinenpistole um den Hals, in den Händen, im Koppel wie in den SttefelN Stücker zehn Handgranaten, so stürzte er uns voraus von Trichter zu Trichter, von Schützenloch zu Schützen­loch, ein Hüne von einem Kerl, der, als die Sowjets ihr Maschinengewehr herumrissen, um eigens auf ihn anzuhalten, auf vierzig ober fünfzig Meter so genau kams nicht drauf an, denn er traf im­mer seine Handgranaten durch die Lust und mit­ten unter die sowjetische Rasselbande fetzte, daß es sie durcheinander wirbelte wie die Tauben hn Schlaa, wenn der Marder hereinbricht. Und ,^Ha- ha-! Sprung auf!" schrie er, ohne nach rückwärts zu schauen; denn er war uns jetzt schon so weit voraus, daß es aussah, als wenn er allein die ganze sowjetische Armee zu Haufen treiben wollte. Und es liefen nun schon zwei drei vier Horden weißer Gestalten wie die Hasen in der Treibjagd vor ihm her, schlugen Haken und spritzten mit Sprüngen und Kapriolen durch die Lust und zu Boden, wenn seine Handgranaten dazwischen fuh- ren, und daß er bei dieser Hetz nicht den Atem ver­lor, das war nun schon fast wie ein Wunder.

Nein, den Atem verlor er nicht, aber die Hand­granaten waren ihm, scheint's, ausgeganqen, und Brendle, der neben mir lief, der kleine Dicke von der zweiten Gruppe, hielt die Hände vor dem Mund zusammen und schrie: ,Zm Trichter bleiben, Herr Feldwebel! Ich bringe Munition!" Das schrie der Brendle und rannte los durch den hohen Schnee und wir ihm nach!

Ja, was, im Trichter hocken und warten, bis der Herr Pionier Brendle mit seinen Handgranaten kam oder die Welt untergegangen war, das sollte den Sowjets so passen! 11 nb ,Ha-ha-ha, dalli dalli, Leute!" schrie unser Feldwebel und schien sich nach was zu bücken, nach so einem schwarzen russischen Ei, wie sie da Herumlagen. Bückte sich also, zog eine russische Eierhandgranate ab und machte ,Leidi Ho!" und drüben echote es mit ,Lium-m-m!" und nochmalrummm!", und ein drittes, viertes und fünftes Beuteei flog den sowjetischen Hähnen, denen die Sporen und die roten Kämme nur so durch die Luft wirbelten, an die Köpfe, daß sie rapplig und blöd wurden wie die Wolfsköpfe unter der Mitternachtssonne, wenn sie meinen, der Him­mel brennt, und setzt noch die Schnee- und Eis­wüsten in lodernden Feuerbrand.

Und wie er sich nun eben wieder bückt, unser Oberfeldwebel, ein Ausbund, ein verteufelter von einem Kerl, da rutscht ihm doch weiß der Him- mel, wie es kam rutscht ihm die Eierhandgranate über die Schulter weg, und die war schon abge­zogen! Aber, was tut unser Achill von Rschew? Ach, ja, ein Achill war er nun schon, nur, daß ihn kein Feind je überwunden hat, was tut er also? Hinlegen?" schreit er uns zu, die wir im Sprung mir noch fünf Schritte hinter ihm sind, und wirst sich bei Gott, ich hab's mit eigenen Augen ge­sehen und vor Schmerz um seine Opferung aufge» fchrien wie ein, Tier, wirft sich, wie einst die Männer von Sempach sich in die feindlichen Lan­zen stürzten, auf die brennende Kugel, fängt Zün­dung, Prall und hundert Svlitter mit seinem Leib auf und rettet uns zehn oder fünfzehn Männern dergestalt das Leben?

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Die Hauptkampflinie war wieder unser, die Kom­panie tarn auch ohne weitere Verluste nach vorn. Und hatte nur einen Mann verloren nur einen Mann?

Stürmische Begrüßung.

Von Paul Eipper.

Jedes Kind weiß, daß Tiere imstande sind, sich zu freuen. Ja, es gibt Menschen, die sogar behaupten, daß ihr Hund vor Freuden lache. Und wenn man mWätig genug ist, sich mal ein Stückchen Zucker zu entziehen, bann kann man eines Tages erleben, wie sich auch ein müder alter Karrengaul freuen kann, wenn er plötzlich an der Straßenecke eine Süßigkeit zwischen die Zähne geschoben bekommt. Man braucht sich hernach nur das Auge eines solchen Tieres anzusehen.

Der Frankfurter Tiergartenleiter stellte mir, vor einiger Zeit seine afrikanische Elefantin vor. Das geschah auf überraschende Weise. Ich kam aus dem Vogelhaus, das die reichhaltigste Samm­lung von Nashornvögeln zeigte, und wollte zu den Wölfen, vorbei am Hirschgehege. Da schob sich aus dem Gebüsch ein grauer B^'rg hervor. Die Elefantin ist zwar noch nicht ausgewachsen, immerhin aber fast zweieinhalb Meter hoch, und ich war milde gesagt ein wenig überrascht. Man begegnet ja auch in zoologischen Gärten für gewöhnlich keinem frei herumlaufenden Elefanten. Aber nach ein paar Minuten war nur noch Freude in mir. Freude über dieses kluge, liebenswürdige Tier, das mich mit feinem Rüsselfinger abtastete und lange beschnup­perte. Bis ich ihm dann meinerseits viele freundliche Worte in feine Nasenöffnung sagte. Leise natürlich, denn nur so empfinden alle Tiere die Menschen­stimme als Wohltat.

Am Abend dieser meiner ersten Begegnung mit hem afrikanischen Elefantenmädchen mußte ich nach Berlin zurück. Genau ein Vierteljahr später kam ich wieder in den Frankfurter Zoo. Während der ersten Stunde besichtigte ich mit einer großen Gesellschaft die neueinqetroffenen Kolibris. Dann ging ich rasch über den Rasenplatz zum Dickhäuterhaus. Die beiden indischen (Elefanten bummelten durch ihr Gehege. Der Auslauf der Afrikanerin war leer. Bis zum

Eckpfeiler der äußeren Absperrung waren vielleicht noch vierzig Schritte, das Außengehege selbst ist fr der Diagonale dreißig Meter lang, die Entfernung zwischen meinem Standort und der Tür zum In­neren des Dickhäuterhauses betrug also gut sechzig ^Dieter Enttäuscht blieb ich stehen. Ich hatte es mir so schön gedacht, daß mich die Elefantin vielleicht aus der Ferne wieder erkennen würde ... Immer­hin, ich rief ihren Namen ins Ungewisse.

Was nun geschah, ist in seiner Schnelligkeit kaum zu beschreiben. Ein quietschender Trompetenlaut, durch die Tür schnellt, ja schnellt? ein grauer Koloß und fegt mit ungeahnter Fixigkeit schnur­gerade durch den umgitterten Auslauf in der Rich­tung des Rufes, unabtäffig quietschend, wie das (Eie fernten in ihrer Freude tun. Sie hatte meine Stimme erkannt. Schon setzte auch ich mich in Trab. Unb wie ich eben unter der Barriere durchschlüpfe, ist das große Tier auch schon da.

Im nächsten Augenblick wickelte sich der Russe!, wie eine Schlange um mich. Die (Elefantin beroch mich, klappte mit den Flügelohren und blies mir ihren Atem zu. Zärtliche Begrüßung ...

Dücherttsch.

Der Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh, läßt eine dankenswerte Sammlung von kleinen, handlichen Feldpost heften erscheinen, die, jedes Heft 32 Seiten stark, der Front gediegenen Lesestoff vermitteln wollen. Wir finden da z. B. GoethesNovelle", SchillersVerbrecher aus ver­lorener Ehre" undDie Marquise de la Pivardiäre" von E. T. A. Hoffmann neben ernschaften und hei­teren Erzählungen neuerer Autoren wie Hermann Eris Busse, Heinz Steguweit, Georg von der Dring, Walter Vollmer, Else Ernst, Paul Habraschka und Mario Heil de Brentani. Die Hefte sind in Um fang und Gewicht so bemessen, daß sie in jedem Feldpostpäckchen noch Platz finden und auch allein als Brief bequem versandt werden können.

Hans Thyriol