Samstag, 29. Mai 1920
Erstes Blatt
170. Jahrgang
Nr. 124
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GietzennAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die Luherc Politik stehl immer noch unter dem Zeichen der Vorbereitungen für die Konferenz von Spaa. Ob sie nun endgültig auf den 21. Juni fixiert bleibt, ist nunmehr ebenfalls fraglich geworden, da Nitti weiterhin barauif lxstteh^ sie Möchte erst im Jnli shatt- finden. Welche Gründe Nitti dafür bestimmen mögen, ist nicht ganz sicher. Eine Meldung, die wir gestern in unseren letzten Nachrichten wiedergeben konnten, scheint jedoch einen Zipfel des Vorhanges zu lüfien, hinter dem die interalliierte Auseinandersetzung vor sich geht. Italien, Serbien und Rumänien fühlen sich zurückgesetzt durch den Vorsprung, den Frankreich und Belgien auf der Konferenz von hythe erlangt haben. Sie sind durchaus nicht damit einverstanden, daß nur diese beiden Gläubiger Englands ihre Zinszahlung darnach richten dürfen, was sie ihrerseits Deutschland als Entschädigung abgepreßt haben. Sie verlangen ebenfalls, daß ihre Schuld gestundet wird, wenn das ausgesogene Deutschland einmal nicht mehr kann.
Der Streit um die Entschädigungssumme tobt indessen unentwegt in Frankreich selbst fort und hat Herrn Millerand schon jetzt eine starke Gegnerschaft erzeugt, die von Poincars und Clemenceau offen gestützt wird. Es sind nicht mildere Strömungen für Deutschland, die Millerand zwingen werden, die Vertrauensfrage zu stellen, um Blankovollmacht für die künftigen Verhandlungen in Spaa zu erlangen. Die französischen Nationalisten stemmen sich gegen die Festsetzung der von England verlangten Pauschalsumme und wol- len die deutsche Kuh melken, bis sie nur mehr Blut und Wasser gibt.
Man kann die Gesinnung der französischen Machthaber Deutschland gegenüber nicht besser kennzeichnen, als baß .man folgendes aus dem Wortlaut der französischen Erklärung wiedergibt, die die einzige Wirkung unseres Protestes gegen die Verwendung von Schwarzen war. Es heißt da:
Tie Sittlichkeitsverbrechen ganz besonders, die von den Kriegsgerichten mit äußerster L>ärte geahndet werden, find im Verhältnis zur Truppenstärke relatü) selten gewesen. Nebenbei sei nur bemerkt, daß die eingeborenen Truppen vorzüglich Gegenstand der Wertschätzung und Huldigrmgen leichtfertiger Frauen sind, gegen deren Sittenlosigkeit und gefährliche Besuche man sie hat schützen müssen. Viele deutsche Familien haben dte skandalöse Lxiltung gewisser deutscher Frauen gegenüber den Scluvarzen übel vermerkt. Anderseits wäre es vollkommen unrichtig, zu behaupten, dte Anwesenheit farbiger Truppen stelle eine Gefahr für die öffentlidje Gesundheit dar. ?m Augenblick wo unsere Truppen das deutsche Gebiet betreten haben, ist der Gesundheitsdienst der Armee von Veit Lokalbehörden aus die weite Verbreitung der Geschlechtskrankheiten unter den Einwohnern und auf die Gefahr, die sich daraus für unsere Soldaten ergebe, hingewiesen worden. Dte gleiche Warnung hat die deutsche Gemeindebehörde beim Einzug der französischen Truppen m Frankfurt erteilt."
Die edle Dreistigkeit dieser Erklärung muß jedem Deutschen, der noch einen Funken Nationalbewußtsein in den Adern hat, die Wut ins Antlitz treiben. Frankreich wagt es, uns die Schmach anzutun, den Spieß urnzu- drehen und die venerisch verseuchte deutlche Bevölkerung als eine Gefahr für die schwarzen Truppen hinzustellen. Wir können es uns nicht länger gefallen lassen, daß die deutsche Frau, wie es in einem Proteste der Studentenschaft hieß, jedem anderen deutschen Volkä- gut gleich, als Ausverkaufsobjekt angesehen wird. Ob allerdings unsere jetzige Regierung den Mut einer deutlichen Antwort finden wird, .darf man nach ihrer bisherigen Haltung bezweifeln. Und auch das möge man bei den kommenden Wahlen, von denen das^chiL-' sal des deutschen Volkes abhängt, nicht fei* gessen.
In den Nachfriedensverhandlungen nimmt Amerika die abseitigste Stellung ein. Wilson, der sich auf den Versailler Vertrag festgelegt hatte, hat gegen den republikanische Antrag des amerikanischen Senats, den Friedenszustand mit Deutt'chland ohne Rücksicht auf das Ententefriedenswerk als miederhergv- stellt zu betrachten, sein Beto eingelegt. Dadurch ist der Senaisbeschluß ausgehoben. Ter Kriegszustand zwischen Amerika und Deutschland besteht (juristisch fort und es wird so bleiben bis zur neuen Präsidentenwahl im November. Für Deutt'chland kann dies nur ungünstige Rückwirkungen haben, tioydetn weder Wilsons Veto, noch der Senatsbeschluß von einer Deutt'chland günstigen Absicht dik- tiert.
Trotz dieser schlechten Zeichen hat sich in der letzten Woche der Stand der deutschen Valuta überraschend uni) sprunghaft erholt. Wie es kaum anders zu cnvarten lvar, sind wir dadurch in neue Schwierigkeiten geratenste augenbttckliclie Lage unserer Preisbildung, wie fir mit ihren Erhöhungen und Rückgän- gen gewissermaßen ein Zerrbild abgibt, zeigt
so recht deutlich^ in welche gefährliche Lage >ie deutsche Wirtschaft durch den Sturz un- erer Valuta hineingeraten war, weit nämlich unsere infolgedessen fast auf einen Siedepunkt getriebene Ausfuhr in dem Augenblick einen Rückschlag erleiden mußte, als die Valuta sich zu bessern anfing. Die Rückwirkung, die so entstehen mußte, konnte auch am Binnenmarkt nicht spurlos vorübergehen; denn hier zeigte es sich^daß die sich mit dtaturgewalt vollziehende Anpassung der Inlandspreise an )ie Weltmarktpreise, die für die deutschen Konsumenten ein, wie man wohl sagen darf, unerträgliches Ausmaß erreicht hatten, es bewirkte, daß die deutschen Preise vielfach den Weltmarktpreis überragten, als dieser für uns bei der sich 'bessernden Valuta wesentlich geringer wurde. Wie sich nun die deutsche Preisbildung in Zukunft vollziehen wird —, ob vor allen Dingen eine allgemeine Tendenz >es Preisrückganges eintreten wird, läßt sich im Augenblick gar nicht sagen. Festzustellen ist aber jetzt sck)vn, daß die Preisfrage nicht allein von der weiteren Gestaltung der Valuta abhängen wird, sondern zum sehr wesentlichen Teil von der Lohnbewegung.
Es sind der Fragen genug, die gehört sein wollen und es bedarf einer starken, vom Volksvertrauen getragenen Regierung, sie zu lösen. An uns ist es, eine solche Regierung zur Tat werden zu las en. Der deutsche Wähler muß sein entscheidendes Wort unbeirrt und mutig in die Wag chale werfen. Unbeirrt und mutig, beides tut not. Nicht umsonst werden in den letzten Tagen hartnäckig Gerüchte über Putschgefahren verbreitet, die der kommenden Wahl sowohl von rechts, wie von links erwachsen sollen. Selbst die zuständige Stelle der Reichsregierung hat sie als sehr ernst bezeichnet, jdctui sich nachher auch ihr Material als wenig aufregend entpuppte. Der Wähler soll irre gemacht, es soll der Anschein erweckt iverden, das Heil des Volkes sei einzig und allein vom Weiterbestehen der bisherigen Koalitionsparteien abhängig. Und tatsächlich hört man hie und da in Bürgerkreisen und auf dem Lande die Meinung, man dürfe diesmal nicht richtig Farbe betauten, weit man sonst die furchtbarsten Putschgefahren herauf- beschwöre. Eine Polittk des Gefühls oder vielmehr der Schwäche ist aber nicht am Platz, wo es um das Wohl und Wehe des Ganzen geht, von dem auch das Wohl und Wehe des einzelnen Wählers abhängig ist. Der Deutsche muß sich auf sich selbst besinnen und muß dafür sorgen, daß man sich nicht weiter auf ^olziveaen und in Sackgassen verrennt. Er muß seine Stimme den Parteien geben, bie den Sozialismus von einer höheren Warte aus betrachten, als aus der einseitigen Perspektive des Klasseukampfes, und er muß sie ben Parteien geben, die einem verwaschenen, vielenttäuschten Internationalismus einen gesunden Nationalismus entgegensetzen.
Di« 6ntfd)äöignng$=3ntcrptnation in der französischen Kammer.
Paris, 28. Mai. (Wolff.) Die Aeutzerun- gtn der Morgenpvesfe lassen keinen SnxiH barüber, daß es heute in der Sammer ankrjüb der Beratung der Interpellationen Aubrrel und Baudr y d'Assvn über die Ergebnisse der Konferenz von D v the zu einer großen Debatte übet die auswärtige Po.üik der Regierung kommen wird. Im Auftrage dcs FinanzausschuiseS der Kammer wurde M i l l e r a n b eriucht, drc Debatte aufschieben zu laf en, um vvrhw nocknnols den Ausschüßen für austvärtioc Politik und Finanzen der Stammet und des Senats em» gehende Ausklärmrgen über den Stand der Der- Ixtnbhmgeu zu gebrn. Mi"lerend Id/n'e dres ab. Nach seiner Ansicht sei die Debatte von äußerster Nvtwe td gkeit Irrfo'g^dc sen tetmve der Finan-- ausschntz der Stammet in seiner Ta.Tesordmmg nachmal einstimmig, daß er die Rechte Frankreichs aus dem Friede ns vertrag in Bezug auf vollkun- mene Wß dergutmacbung der Schäden imb Pensionen für unantastbar halte Nach eimyn Blättern begab sich auch Tardieu gestern zu Millerand, um ihm eine motivierte Tagesordnung vorzu schlagen. Nach bmt „Journal" erklärte der Ministerpräsident, er färme dies nicht änneh- men, bi er sich störe vollkommene £vmMimge- frecheit trttxrfnen wolle. Mehreren filtern zufolge will man es beute zu Ferner Abstimmung tarn men lasten, weil man glaubt, dadurch auf dte it tfe R fz3t g*rxrf<ei eirjimxrfrn. „£omire sibre" glaubt festste!:en zu können, daß dte Gegnerschaft aegmt be Festsetzung einer Pauschalfum me für Ke KriegtaitschLstg-ong im Wach'en begriffen sei.
Paris, 28. Mai. lWTB In der heutigen ,stammersitzung begründete der gemäßigte Sozialist Paule, Aubriot seine Interpellation über die Festsetzung der von Teutsch- land zu ^blenden Wiedergutmachunjj. Man müsse die Deutschen daran erinnern, datz |te Verpflichtungen aus dem Friedensverttag von Versailles hätten, die sie erfüllen müßten. Der Test des Vertrages, der die Franzosen am meisten intet» cf’ierc, betreffe die Wiedergutmachung. Wie immer auch die Globalsumme der deutschen Schuld fein möge und auf welche Meise man sie auch fer
setzen werde, dicht Aufgabe käme der Wiedergut- machungsiommisiion zu. Die Frage sei nun, ob die alliierten Regierungen berechtigt seien, sich, ohne die Parlamente zu befragen, an die Stelle des Wiedergutmachunasaussärnfses zu setzen. Der Verttag von Versailles sei für viele Deputierte ein Minimum der Rechte Frankreichs gewesen. Wolle man also nun sich einem schrecklichen Abenteuer aussetzen und einen Teil dieser Rechte verlieren, indem man ein neues Minimum annehme? Der Anteil der Wiedergutmachung, der Frankreich zusalle, hätte vier- bis fünfmal größer sein müllen als der, der England zugesprochen werde. Die Polittk der Generosität gegenüber Deutschland werde einzig und allein auf Stoffen Frankreichs gehen Der Interpellant warnte deshalb und'ersuchte die Regierung, der maskierten Armut und Misere Deutschland s zu mißtrauen. Er hoffe, dah die ^Regierung noch sagen könne, daß sie sich nicht verpflichtet und für Spaa freie Hand habe. Der konservative Abgeordnete B a u d r y d'A s s o n versuchte zu Beginn über die Interessen Frankreichs im,Orient S sprechen, wird aber vom Ministerpräsidenten
illecand unterbrochen, der erklärt, daß die Regierung nicht in der Lage sei, irgendetwas über den türkischen Friedensvertcag zu sagen. Baudry schließt sich deshalb den Ausführungen des Ab- Kbrieten Aubriot an und unterstreicht die Tat-
, daß Deutschland zahlen könne. Zu behaupten, Deutschland könne nicht zahlen, sei eine reine Hypothese, ein Betrug für Frankreich.
Die Erklärung MillerandS.
Ministerpräsident Millerand erklärte, in den bis jetzt erfolgten Unterhandlungen sei noch keine Verpflichtung übernommen worden. Tie Alliierten gingen nach Spaa als Fordernde, aber nicht als Verteidiger mit vollkommen freien Hmrden, um die Aus
führung des F ri eden s ve rtra ge s, aber nicht dessen Revision zu erzielen.
Deshalb habe er auch dem Abgeordneten Aubriot gesagt, als er ihm seine Interpellation anfünbigte, daß keine nützliche Debatte über die einfache Vorberatung erfolgen tarne. Er müsse an die Grflv rintgen von San Remo erneuern, aus beiten klar hervvrgehe, daß die Alliierten nach Spaa gingen, um die Anwendung des Versailler Vertrag es ^zu erzielen, aber nicht, um ihn zu revidieren. Tie Kontvolkommission würde mit Wachsamkeit und mit aller erforderlichen Eile ihre Anß-abe weiter verfolgen. Tie Entwaffnung Deutschlands sei bie erste Bedingung des Weltfriedens, liefe wesentliche Klausel müßten die Alliierten mit allen Mitteln zur TurchMl-rung bringen. Es wäre eine Ungerechtigkeit und ein Skandal, wenn die Urheber des Krieges nicht die Schuld, die sie sich verpflichtet lütten zu zahlen, vollkommen entrichten würden ;*8erfüll.) Es fei Ta:fach.', daß mehrere französische Freunde mit einer gewissen Lebhaftigkeit hervorgehoben hätten, daß cs von besonderem Interesse sei, sobald ttne möglich den Betrag der deutschen Schuld zu finanzieren und deshalb habe man die Möglichkeit ins Auge gefaßt, schon' jetzt den Bettag dieser Schuld festzulegen. D'.ejentgen, die damit übereinftimmten, behaupteten nun, damit käme man zu einer Revision des Vertrages, die nur mit Zustimmung der Parlamente möglich sei. Dieser These trete er formell entgegen, xurd) den Vertrag sei bestimmt, daß die Wiedergutmachungskommission am 1. Mai 1921 diese Schuld festgesetzt haben müsse. Aber der Vertrag verbiete nicht, daß das schon jetzt geschehe. Er gebe zu, daß es gewisse Ungelegenheiten habe, nicht bis zum nächsten Mai zu warten, weil man barm wertvollere Aufklärungen hätte. Aber die Kunst des Staatsmannes sei, zwischen großen Un- gele-genheiten zu wählen. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieses Ialten auf allen wirtschaftlichen Unternehmungen, namentlich auf denen Frankreichs Dieser Lage müsse ein Ende bereitet werden. Ministerpräsident Miller and erllärte ferner, die Auskünfte, die man feit einem Fahre erhalte, beftätigten, den Betrag der französischen Wiedergutmachung aut 200 b i s 210 Milliarden zu schätzen. Nach dem Stande vom 5. Mai seien das 70 Milliarden Goldmark Diese Schätzung beruhe nicht auf der Zahlungsfähigkeit Deutschlands. Sie hätte einfach den Zweck, den Gedanken sestzuhalten. Der Wert der P a u s ch a l z i f f e r hänge von vielen anderen Elementen ab. Erstens von den Z i n s e n. Zweitens von der Priorität. Drittens von der Frage, ob bie Lieferungen in die Anmne einbegriffen sein sollten ober nicht. Millerand erinnerte an die letzten Erklärungen Boncrr Laws im englischen Unterhause, woraus hervorgehe, datz England Frankreich die Priorität verweigere. Tie Alliierten wollten nichts von ihren Pländem aut- geben, namentlich von den besetzten deutschen Gebieten. In San Remo habe man nuht nur betont, sondern auch erklärt, daß wenn Deutscmand 'ich länger seinen Verpflichtungen,entziehe, neu e G e- biete besetzt werden könnten. Er w^der- holte, daß bie PolitstFrankreicks eme Polittk der Union mit seinen Alliierten fei, aber auaj eine Politik bes Einverständnisses mit Deutschland. Man wünsche lebhaft, datz Deutschland begreife, daß es mir nach dieser Richtung bht für Deutschland b<6 Lest g-be. Wer um diese Polittk eines Emverstandnmes und einer Union zu realisieren, müsse man zu öaräünioen schreiten, die offen eine Pol i t lk der Real l- fation und der Verantwortlichkeit verfolgen. iLebhaster Beifall, außer bei den zialcsten.) Millerand verengte von der Slimer das Recht, alle notwendigen Garantien studieren zu dürfen, um zu einer.raschen Realisierung 3Ki gelangen Die Kammer könne rote Losung suchen, bu ifcr die W an Interesse des Landes schröte.
Loucheur erklfitte zuvor, wc7m Millerand eine Pauschalsumme von 70 Milliarden Okftmuxrf onge- nummen habe, lobe er Fvankreich in eine s<ttreck- licke Lage gebracht. Die Summe sti ungenügend (Millerand ruft öajnnfdxn, er habe gesagt, datz wach feine Zister sestgehllten wurde! Loucheur nncberfoolte, man könne mit Millerand über das Ziel einverstanden sein, hxmn er von 2 00 Teil» liarben Franken Jnrerfje, aber nicht, warn er tun 66, 70 ober 75 Milliarden Gvldmark rede.
Nach kurzen Bemerkungen von Vincent Oariol ergriff Brrand das Won und sagte, 1916 sei auf einer toirtfdxfftlidxm Kvnfera» fest- geftellt nurden, daß, da Frankreich das Schlacht» seid für die ganze Welt geworden sei, seine Sorbe rungen einen besonderen priviligietten Charakter haben werde. Tas Unglück sei, daß rocim cuie Regierung der anderen folge, chre erste Sorge sei, bei feite zu sdsieben, was der Vorgänger tat Dos allgemeine Interesse müsse die periönUdym Pvl^ miken vergessen machen. Es wurde ge agt, daß der Grundsatz sinanzieller SoUtxrhiäi mcmald auf» gestellt wurde. Er aber erkläre, daß er dennoch gefiel It wurde.
ES murten acht Tagesordnun gen em- gebrad« Tie erste von ben Sazialistai, die btc Irrtümer, die im Laufe der Friedensverhandlungen begangan wuichni, bebauen, die finanzielle Go- libarität für den Wiederaufbau und Pensionen verlangt. Tie anderen Tagesordnungen, die bon den verschiedensten Seiten aussingen, ' envarsm teils die Pauschalsumme und verlangten teils voll- tammenen Ersatz irr Schäden. Millevand nahm die Tagesorbirmag Cal rat an, die h:, agt, datz der Friedensvertrag von ®erfaille< Dcutsch- lanb di e vollkommene Wiedergut- machungder Schädenan Personen und Gütern auserlegt.
Louis Bart Hou erklärte, datz er txr Regierung das Vertrauen schenken werde, tx-nn :r habe die Gewitzheit, daß der Minitterpräsident bei der Enlsdsädigungssmnme nicht unter bie Zahl hcruntergdjai werd.', worauf Fvanknnch Anspruch 'abe. Er wolle dem Ministerpräsidenten Frecheit der Handlung zusichern.
Auch Tardieu ergriff das 2ßnrt, um den Unterschied zwischen der Tagesordnung Colrat und dec von ihm, Klotz und Loulheur esiioebrödsten Tagesordnung sestzustellen. In dieser Tagesordnung werde der Verttag als Grundlage für die völlige Wiedergutmachung bet Schäden beansprucht. Tardieu bittet, seine Tagesordnung anzunehmen, bamit der Verttag von Versailles als Grundlage für alle weiteren Verhandlungen dienen könne.
Millerand erflärte trotz großer Unruhe, er nehme die Tagesordnung Colrat an, weil bet Artikel 232 als Mittelpunkt bes Berttages angesehen werde. Er erklärte in tzhthe. 120 Milli- ar den Go ldmat k korresponbierteu mit der Summe von 200 bis 210 Milliarden Franken, die man Frankreich schulde. Diese letztere Zister betrug am 15. Mai ungefähr 70 Milliarden Goldmark.
Tie Tagesordnung Colrat wurde sdstietz- llch mit 535 gegen 68 Stimmen angenommen.
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Berlin, 29. 9)tai. Tas MitzverhilttnS, m dem bie EmertteDordermigen zu der deutt'chen Leistungsfähigkeit stehen, kann man sich, wie das „23. T." schreibt, klar macken, wenn man sich überlegt, welchen Wert der deutsche Grund und Baden besitzt. Bat bem Kriege wurde er auf 40 Milliarden Mark veranschlagt. Jetzt haben wir noch atöhcre Teile von Deutschland verloren Der Boden ist aus» gelogen und kann erst nach mühevollster Arbeit wieder etttagLhig genuuf)t werden. Auf Grund einer Unterredung mit dem Reichsstnanzminister inill das genannte Blatt sagen tarnen, daß der Wert allen land» und forstwirtschaftlich benutzten Bodens in Deutschland heute kaum meist als 25 Milliarden Gvl dmark ausmacht. Die Last, die Deutschland aufertegt werde, ist um ein Vielfaches gröstw als der ganze Wert des land- und ßorsavrNschaftlichen Besitzes.
Wilson» Beto gegen die FriedenS» resolutiou.
Washington, 28. Mai. lWTB.) Bei der Mckweisung der Friedertsresollttion betonte Wilson, daß diese Resolntion den Frieden mit dem Deutschen Reich wieder Herstellen ivolle, ohne von der deutschen Regierung etwas zu verlangen, das geeignet sei, das den Mkern angetauegroßellnrechtwie- der gut zu machen. Dies aber habckn die 23ereirügten Staaten als ihr Ziel bezeichnet, als sie in den Krieg traten. Der Präsident erklärte, daß bie Resolution keines der Ziele zu verwirklichen suche, wegen welcher die Bereinigten Staaten in den Striep traten, und daß sie dadurch auf alle Ansprüche der Vereinigten Staaten gegenüber der deutschen Regierung verzichten. Wilson nahm den Vertrag von Versailles warm in Schutz, der, wie er erflärte, das Ziel Amerikas verwirklichte. Er erklärte weiter, daß die Resolution nichts erwähne von der Frecheit der Meere, der Einschränkung der Rüstungen, dem Schutze der Rechte 23elgiens und der Wiedergutmachung der gegenüber Frankreich begangenen Ungerechtigkeiten. Wilson kam zu dem Schluß, datz ein solcher Friede unvereinbar sei mit bei Würbe der Vereinigten Staaten, mit ben Rechten und der Freiheit ber Bürger und 'ben Grundbebingungen der Zivilisation überhaupt.


