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170. Jahrgang
Mittwoch, 28. April 1920
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: vröhl'sche Univ.-Vuch und Zteindruckerei H. Lange. Zchriftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraste 7.
Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Sreis für \ mm höbe für nzeigen o. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf Bei Platz' Vorschrift 20", Aufschlag, fjauptfdjriftleiter: Aua. Goetz Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz: für den übrigen Teil: Dr. Neinhold ßcnj; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in (Sieben.
Oderhesfische Wasserkraft.
Man schreibt uns:
Tic täglich sich mehrende Not unseres Volkes an allen Lebensno twendigfeiten mahnt gebieterisch, allen unnötigen Waren- und Krcisterecbrauch em plschraililcn und aus bauernden Ersatz zu i innen. Da die elektrische Ueberiandzentraie Oberi.es en4 mW gebaut roerben soll, liegt es nahe, die bi. her zur skraftgewinnung vcnvendeten Kohlen zu sparen und nach Wasserkraft Umichau zu halten. Bei der Errichtung der ob.-rhesftchen Ueberlandzentraie stand ja auch das Wasser in zwiefacher Hinsicht Pate. Demi sich damals das Lißberger Krcktprvjekl als unbrauchbar erwies, so sollte das nicht von der Untersuchung anderer Wasserkräfte abbatten. Bon der Stauung der Hillcrsbach hätte vielleicht scl-on der Name abhalten können, der im Gegensatz zu den wasserreichen Nachbarssüssen Nidda und Nidder auf Austrvcknen hinzuweisen scheint, sicher aber das kleine außerordentlich schmale Aufsailgebiet. 34 möchte mit diesen Zetten auf eine andere Stelle im Vogelsberg Hinweisen, deren Wasser- nassen ich au-j Ifijähriger Erfahrung kenne, und wo eine Untersuchuag geboten ersch'int, ob die anbem Umstande nicht die Anlage eines Stauwerks wirtschaftlich erschcAen lassen, das ist das O h m t h a l ■ton der Mündung der Felda bis Domberg, landschaftlich eine der schönsten Stellen Oberheisens.
Man hat wohl schon von einer Fassung der Ädba im .Haler Grund gesprochen, dock dürfte tner, wenn auch die londschaftftckx'N Umstände (enges Äalddal, günstig sind, die Wassermen^ noch zu rermg sein, während wir bei der Feldomündung in die Ohm, die die wasserreichen Gilgback, Streilbach und Sennbach Misgenommen hat, die bedeutendste Das.rk.aft Oberlesens vor uns haben. tc<* Aufslllgebiet ist wohl 8—10 mal so groß als iei der Hillersbach. Für die Anlage eines Stau- loerks sprechen raxf> folgende Gründe:
Tie gMize Strecke non Hamberg aufwärts bis Nieder gern ünden ist ein enges Waldtal und enthält an Siedlungen nur 2 Mühlen und das Hofgut Wäldershausen, das aber, wie auch dos Zägeweri an irr Station NeuhauS schon am Tal- vmd etwas aufwärts liegt, fo daß für die Um» fitblimg Dieflridit nur dir zwei Mühlen in Betracht kamen.
Turch de« vvrspringvtben Domberg ist dos Tal der Ohm an der Stvotzc nach Teckenb.rch fast adtioffen, so ban die Sperrmaner hier oußer- ochezttlich kurz wurde. Die Ei'enbahnbrücke ist fo hoch, daß sie vielleicht weiterhin benutzbar blei* ten kann Sollte das Werk so groß Twrben, daß ter Wasserspiegel über die Bahnstrecke steigt, so ’aütte mit der größeren Bedeutung und Wirisckaft- lichstil des Werkes auch die Verlegung der Bahn "rin Hindernis bildm. Die mächtige Bahnbrücke "cktchc d-rnn vielleicht das Cferiw« der Sp.-rr- nauer ebgeben, od.r, weim diese weiter abwärts zu legen käme, würden die werwollen Steinmofsen irr Brücke dazu 2fenm?nbung finden und die Sperr- nauev als Eiseubohnbrück- dienen. Da gerade bet Gomberg guter Ackerboden überflutet würde, Hülfen birrdi eb-usDlzende entsprechende Wass- fchke die B.fitzer entschädigt w.rden, damit feine Verminderung des ft'ultur Hodens ein tritt, nxozu die Gegend waldreich genug ist. Sollte das Werk Ho groß, werden, das; das Sägewerk Neuhaus etwas Heiter hinaus p.rlegt toe.-ben mühte, so wiegen doch die Vorteile der elektrifck-cn SVrnft einen großen jeil der Nachteile der Umsiedlung auf. Soll der focwirtschaftete Boden bei Homberg und Wälders- foiufen geschont werden, so kann das Stauwerk oterbalb Wä.derÄxrusen ange'egt werd-m, wo bis lieber armünben nur die kürzlich für einige liOCO Mk. verkaufte Walstrlraft Dicknetsmuhle in Betracht kommt.
Zur Finanzierung wären die Snxdc Sinyhain und Marburg heranzuziehcn, vielleicht «ich roch de Wirer lahnabwärts gelegnen, da alljäl'r.ich bei Sch erschmelze und luitterrcgen ive mit schnellem Gefälle aus den Gebirgstälern ters Vogelsbergs bei Homberg sich ins ebene« Lanb hinabwäl;e:rden Fluten aus den Ufern treten. Surck d e ueuedidv Regulierung der Ohm im tireife .stirchlmin, wo oft das gan« weite Tal bn Smör.eburg unter Wasser stand, ist die Gefahr für bc nnterlialb liegenden Kreise nur bcrgröfyrt warten, ivas sich kür-,lick ge»-igt bat, so daß Mar- brrg schon einen g walt gen Betrag für Regulierung l-e'ch'o"cn hat. Tas Hockwaf'ec wird nur neiter hinabgefülTrt, um hort größeren Schoden •#i tun, statt eS oben abzufangen und S'gen uiften zu lassen. Tie Summen für Reguli rung Imnat'Dem Stauwerk zugesührt werden und a> gillen hier den dreifachen Zweck, das Land von Ge- «-chren zu befreien, ihm elektrische .straft und Licht -xi gebar und die fönst benötigten Kuhlen der fhauswiNsLa t und Jndustne zu.ück»ngrchti. Denn auch die zu fangende Wasserkraft nickt an die dc-s mächtigen Gderwerkes beranreicht. so dürfte sie bxb arisreichcn, den nördlichen Teil Oberhessens nit Zickt und Straft zu rer'orgen und den te- rjdrharten ft.eiten Heften-Nastaus zum Segen zu morden.
Ehe die Provriz hx-itere Anlageftrmmen verausgabt, möge sie diesen Plan auf feine Wirtschaftlichkeit hin prüfen. Erweist er sich als wirtschaftlich, so ist er natürlich auch durchführbar.
s.
Koffer über die bevorstehenden Besprechungen in $paa.
Berlin. 28. April. lWTB-1 Der Reicks «mister des Äeußem Dr. Köster äußerte sich rarem Vertreter der „Deutschen Allgemeinen Zei- £mg'' y gen über über bk von Havas verbreitete Erklärung der Alliierten aus San Remo und bo grüBte die in Aussicht genommenen m ünd l ich en «esprechunaen in Spaa. Deutsckstand wolle
seinen freien ehrlichen Willen bekunden, den Friedensvertrag dis zur Grenze feiner Leistungsfähigkeit zu erfüllen. Bon Dcutscl^ands begrünbetnt Mlagen über Vertragsverletzungen der Ofcacnfeitc jetzt zu reden, halte er nicht für richtig, müsse aber auch die in der Erklärung nicht erwähnte Be-, ktzmig von Frankfurt a. M. und des Maingaues envähnen. Ta in der neutralen Zone deutsche Truppen jetzt nur in der durch das Abkommen vom 8. August 1919 zu gestandenen Kopf stärke ständen und die Verlängerung des Abkommens mit 2lus- ficht auf Erfolg nack>gesucht sei, l^abe die deutsche Friedensdelegation bei der BotsclM'terkonferenz angefragt, wann die nach deutscher Ansicht widerrechtliche Besetzung des .Maingaues auf geh oben würde. Gleichviel wie die Besprechungen endeten, würde Deutschland unter der Last des Friedensvertrages auf Jahre hinaus nur ein Existenzminimum haben. Die deutsche Regierung habe die Aufgabe, der Gegenseite ihre Aufllärungen und Vorschläge in aller Offenheit zu machen.
Amsterdam, 27. ?lprll. (WTB.) Nach einer Meldung des „Temps" aus San Remo erklärte Lloyd George gestern-abend bei einem Empfang italienischer Journalisten, die A!lii?rten würden bei huT bevorstel-e'rd.n Zusammenkunft in Spay die deutschen Vertreter als gleichberechtigt behandeln. Ein italienischer Diplomat bezeichnete die Inferenz als einen großen Sieg der neuen Politik Nittis.---
(Eine lächerliche Scnfafionsmdöung öes „Temps".
Berlin, 28. Aprll. (WTB.) Ter „T e m p s" vom 24. April bringt eine offenfich lich erfundene Nachricht über die Aufdeckung eines gegen Frankreich gerichteten deutschen Kriegsplanes. Tchiach hätte die m Hanau einrückende franz. Kavallerie Waffen und Munition in betnäckstlichen Mengen vorgefunden, sowie 200000 Scheffel Hafer und eine Menge tn.in Skizzen mit der Aufschrift „Armee des Westens". 2lusterdem 'hätten die Franzosen in Hanau umfangreiche gech-üme Akten gefunden und Dianöverfkizzen, die auf ftarten von Offizieren der ReichÄixchr und der Sicherheitspolizei ausgeführt seien. Diese Manöver hätten gegen Frankfo reich gerichtete Opevariun-en bis Auge gefaxt.
Von zustänbigec Seide wird uns mit geteilt, dost, die Sensationen des „Temps" auf der böswilligen Ausdeutung gänzlich harmloser Funde (trübt. Als die Franzosen in Hanau einrückten, war dort lediglich Sichriliellspoli-ei auroefaü>, aber keine Reichs»oehr. Diese grüne Polizei war von der Entente mrSdrücklick für die neutrale Zone genehmigt, und deshalb blieb die Sicherheitspolizei, d.e cuen nicht eine Militär-, sondern lediglich Po- lize.truppe ist, bri dem Ernrücken der FrMizvjcn rühig in Hanau, obwohl sie mit L-eichligkrit vor dem französischen Einmor'ch mit allem Gerät usw. hätte ab marschieren t'öimen. Tie Franzoen bc» handelten die Polizeimannschasten aber dennoch als Militär mtd internierten sie in Griesheim, Waften und Munition konnten die Franzosen mir in dem Mäht vorfinden, wie sie eine ordnungsgemäß ge- fährte Polizf.truppe stets besitzt. Bon bettächt- licheu Rkengen kann Seine Rede sein. Tie Lagerung von 200 000 Scheffel Hafer in Hanou lassen allein schon unsere traur gen wirtschaf li^en Verl^ltnisse nicht zu. Taß Sft-zen mit Bezeichenuigrm von Truppenkörtern F'su- den wurden, erf.ärt sich aus der Verwendung alter Skizzen mit entsprechenden militärischen Aufschriften, die noch aus der Strieg-5» zeit stammen. Ganz phantastisch ist der Bericht über (Geheimaften mit gegen Frankreich gerichteten Kriegsplänen. In den Städten Frankfurt, Homburg und Hanau lagen außer ein bis zwei Bataillonen Reichswehr, dem Detachement Neufvi.le und etwa 50 Rettern insgesamt etwa 1100 Mann Sicherheitspolizei. Daß sich Frankrrich durch diese Armee bedroht fühlt, ist doch wohl kaum anzm-eh- men. Was die angeblichen Operationsplänc betrifft, so handrit es sich, wenn überhaupt etwas derartiges gefunden trrrjen ist, jedenfalls um eine Manöverausgabe aus der Zeit vor dem Kriege, die im Koffer eines ehemaligen Offiziers gelegen hat.
wechsel im NeichLverlehrrminiftcrium.
Berlin, 27. April. (WTB.) Nachdem die Verreichlichung der Eisenbahnen nunmehr ixnt der Nationalversammlung vevabschickct worden ist, lut Minister Dr. Bell seine Aufgabe als erledigt angesehen und dem Reichspväfidenten sein Abschiedsgesuch erngcreübt. Gemäß der bei der Bildung des gegenwärtigen Kabinetts getroffenen s2£b» rede übernimmt der jetzige Reicksschatzrninister Bauer das ReickÄ>eickeHrsNrrnislerium Tie lieber» nähme erfolgt auf Wunsch aller drei die Regierung bildenden Parteien. Tabei war bie Erwägung magp gebend, daß Rrichsmrnister Bauer bereits rraffrenb 1 einer Kanzlerschaft Peranlassung grhobt hat, sich mit den organisatorischen Aufgaben des Berkehrs- mhrifterium» auf dao Eingehendste vertraut zu machen und wicderbtlt die schwierigen Verl-and- lungen über die für unsere sehr bedrittungSvvllen Berkehrsprobleme leiten mußte. Auck wird ihm seine langjährige Erfahrung m der Behandlung von Beamten , Angestellten- und Arbeiterfragen bri der Bewältigung der neuen Aufgabe sehr zustatten fiommen. Tas Reicksschatzministe- riu m wird vor den Wahlen nicht mehr neu bescnt. Minister Bauer hat fick bereit erklärt, behufs Erledigung der die Entscheidungen eines Ministers erfordernden Angelegenheiten das Amt üommrssa- risch zu verwalten.
StudcnteuzusammenstSße in der Wiener Univerfität.
Wien,27. April. <WTB.) Im Verlaufe enter Auseinandersetzung, die gestern eine
Studentenversammlung vor dem Rathaus begann, entfernten heule die deutsch- nationalen Hochschüler alle iüdischen und sozialistischen Studenten aus der Universität. Es kam hierbei zu Tätlichkeiten und zum Eingreifen der Polizei, die die Stu denken beider Parteien /verhaftete. Als miL- lags gegen 1000 deutschnationale Studenten die Universitätsrampe besetzt hielten, erschien den Blättern zufolge beim Chef der Staatspolizei ein Kommuniftenführer und verlangte unter Drohung mit dem Eingreifen der Kommunisten die Enthaftung der sozialistischen Studenten und die Räumung der Universität. Schließlich veranlaßte die Sicherheitspolizei die deutschnationalen Studenten, abzuziehen. Das Universitätsgebäude wurde sodann geschlossen. —
Au» dem Neicve
Reichskanzler Müller als Reichstagskanoidat.
Dem .,Bonvärts" zufolge ist durch Beschluß der sozialdemokratischen Parteiorganisation in Würzburg Reichskanzler Müller als erster Kandidat auf die Liste des Wahlkreises Ober-, Mittel- und Unterfranfen gesetzt worden. Müller hat die ihm an gebotene Kandidatur bereits angenommen.
Der Rücktritt des Generals v. Matter.
Berlin, 28. April. Wie dem „Lokalanz." aus Essen gemeldet wird, beruht der Rücktritt des Generals v. Matter nicht auf einem freiwilligen Entschluß. Ter General war vielmehr infolge eines Briefes, der in einer Form gehalten war, die ihm das weitere Verbleiben im Amte unmöglich machte, zur Einreichmtg seines Abschieds genötigt.
Zum Nachfolger des Generals v. Matter ist der Generalmajor v. Campe bestellt worden.
A«» heften.
Tagung des Finanzausschusses.
Darmstadt, 27. April. Der Finanzausschuß der Bolls kämm er trat heute hnei*r unter seinem Aoritzenden Abg. Eißnert zusammen und beriet zmrächst die Regierungsvorlage bett, die GcwÄwung von Staatsdarlehen an vom Kriege betroffene Personen. Die Vorlage, welche mll Rücksicht auf dm gesunkenen Geldwert die Unterstützung von 1500 Mk. auf 5000 Mk. erhöht, wurde angrnxmtmat. Die Regierungsvorlage bett, dle EriMnrng ter Brücke ngelder veranlaßte eine längere Aussprache, in der von feiten des Ausschusses zum AuSdruck kam, daß die Regierung aut eine möglichst rasch' Beseitigung der Brückeng:£er hinarbeiten soll. Es wird an» geregt, in ähnlicher Weise we bei den Mainzer Brücken eine Ablösung im Rahmen des ftünsl- strasengrictzes rintrvfcn zn las en, wobei der Staat, de Provinzen, Arie wd Gemeinden, zufemmen beitragen Erne Einigung tourt*- nicht erzielt: die deffi.it ive (Sntfdxtbung soll bis zur Beratung des Hamävoranschlags zurückgestellt werken. Zu der Vorstellung der Bergleute in Wölfersheim bett. Gewährung einer einmaligen Unterstützung erklärt die Regiermig, daß die Erhebungen über die Zuwendungen an ein reine Personen noch nicht abgesch'v'fen ftnd. T« Vorstellung wird vorläufig für erlringt erklärt.
Tann gibt der Finanz Minister Henrich ein Bild über bfe allgemeine A-'a^c zur Besoldung s- fragc an Hand von Zachen und über die bisher mit den verschiedenen Beamten Vereinigungen gepflogenen VerhanLllungen. Man hofft, daß diese Verhandlungen noch in der laufenden Woche zu Ende geführt werden können, damit die Vorlage selbst alsbald dem Landtage zugechn flamt. Es ioird ein aus je einem Mitgliri» der verscküedenen FraMonen besehender Unterausschuß gewählt dem Gelegetrh.nl gegeben werden fett, bei dem Abschluß der Beratungen zwischen Regierung und BeatMenvereinigung anwesend zu fein und dadurch den Ausschuß und die Fraktionen der Kammer über die Skrftrnb’ungen au in formieren.
Rackste Sitzung Aiiwrvch.
*
Ter Hessische Landtag wird, tote wir von zuständiger Qurile erfahren, noch vor Pfingsten zu sam men tret en, um, wenn irgend möglich die Besoldungsvvrlage zur Verabschiedung zu bringen.
deutsche Nationalversammlung.
Berlin, 27. April.
Präsident Fehrenbach eröfftwt dieSinung um 11.20 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen Anfragen.
Auf eine Anfrage Dr Hugo (D. Vv.'i wegen der Wcrra-Main-Masscrstraße wird regierungsseitlich geantwortet, daß das ReichsverL-hrsMinisterium bereit ist, die Vararbeiten dazu unter gewissen Vorbehalten zu übernehmen.
Auf eine Anfrage Deglert sT.-Nat.i wegen des Streikrechtr für Beamte wird regierungsseitlich geantwortet, daß die Reil^regierung und die preußische Staatsregierung darüber^einig sind,, daß ein preußischer Beamter mit dem Streik eidbrüchig fei. Die Haltung der Regierung im Falle Kapp habe damit nichts zu tun, denn in diesem Falle war der Streik der Beamten durch ihre Verfassungstreue gegeben und verdient den Tank der Regierung. (Beifall bei der Mehrheit.)
Auf eine weitere Anftage Dv giert (D.-N.) toegen der Enthebung der Effenbahnbeamten in Schlesien von ihrem Dienst durch den Reichskommissar Köbisch aui Betreiben der Gewerkschaften auf Grund ihrer Nichtbeteiligung am Streike Kavv Iriri) regferungsseitlich geantwortet, daß es suh fnerfeei tun eine pvaißllche Angelesachrit handele,
da Köbisch gleichzeitig preußischer RegierungSkvm- missar sei.
Auf eine Anftage Bocks wegen der Tat deS Freiwittigenkorps der Marburger Studenten in Kabel bei Ruhla, wird regierwlgssritlich geantwortet, daß Anllagc erhoben ist imd d« Hmiptver- handlungen in 2—3 Wock>en beginnen werden.
Aus eüw Anftage Loebe sSoz.) wegen der Freigabt- von ftafernen für Wohnzwecke nftrt) regte- rungsfritlich geantworttt, daß die Regierung grunb- sätzltch dazu l-erell ist und im kommenden Woh- nungsgefetz darauf Bezug nimmt.
Aus eine toeüere Anfrage Loebe (Soz.) wegen der Auslieferung Kapps aniwvrtet ^Heichsiusti^- Minister B l u n ck: Der Ansli ferungdivrtrag mit "Sck>tocden bietet keine Handhabe zur Üluslieferung Kappo, da es sich um ein pvlittsches Berdvechm handelt. Eine Ausweisung Kapps nach Deutjchland kommt auch nicht in Frage.
Fortsetzung der zwei tert Beratung des Notetat» in Verbindung mit dem ylusschußberich! über die Propaganda über die Sparprämienanleihe.
Ten Antrag Heirke, betreffend Bezaifeiny des Lohns für die Tage des (Keneralstrerls, 'Jüitrag Agnes, betreffend vlrbritsruche am 1. Ma», ’2ür trag An er, beireffend Festfetz>mg des 1 Mai als gesetzlicken Feiertag, Antrag Agw's, betreffend Auslobung des ?lusnahmezusmildes und Vorlegung eines Ärnnestiegesetzes.
Reichsarbeilsmmister Schlicke: Tie Reichs- sä-lichlui^gsordnung ist ün Entnmri fertig gestellt unb wird nach Möglichkeit schnellsbens eingcbracht toerben.
Abg. Tr. Riesser (D. Dol'ksp): Wir kommen dem Reickssfinanzminister mit V-.-rtrauen entgegen. Eine Reform ist nur zu brtinrieii lim Landes- Sleucrgesev und der MichSabgabenordnung. Einverstanden sind wir mit der größtmöglichen Be- fitueriiTtg des Besitzes, aber diesem muß genügend Betriebskapital zum Wiederaufbau bleiben. Der kleinere Besitz darf aber nicht vernichtet werden. Auck die indirek.en Steuern müssen noch zur Verstärkung der Finanzm hn:angezog n w rben Anleihen zur Deckung bei Defizits nerfpredjen feinest Erfolg. Vielleicht kamt man 5)ndußrie, Handel mtd Landwirtschast zu einer großen Steuerorgani sation zusammenschließen. Monopole und Sozialisierungen baodbrat sich nicht. Die Bettiebsrät« kann man nicht mehr zu den produAier.-nden Kräften rechnen.
Abg. Henke (ll. S. P.): Die Ausführungen des Ernahrungsministevs haben uns mll Mißtrauen erfüllt. Die Regierung kann des Mitt- tarismus nicht Herr weiden. Sie kann Ehrhardt nicht entwaffnen. Das Mißtrauen bet Entente ist vielfach berechtigt. Warum sind bie Einwohnerwehren noch nicht abgeschafft r
Rrichsjustizminister Blunck erklärt den Antrag auf allgnnerne Amnesttc für zu roritgehrnb. Die bolschetoistischen Rädelsführer würden scharf gefaßt werden. Zurufe der Abg. Frau Zieh und anderer Unabhängiger.)
Abg. Schirmer (Bayer. Bp.) tritt für die Notwendigkeit der Einwohnerwehren ein und wendet sich gegen die Anträge einiger Parteien, die dem Reich neue ungeheure Ausgaben zu muten, z. B. den Antrag Löoe-Rießer auf Bewilligung von <500 000 Mark für die Universität Frankfurt a. M. Von der Internationale haben wir nichts zu erwarten, weder von den englischen noch von den französischen Sozialisten. Daher lehnen wir den 1. Mai als Feiertag ab, solange die Sozialdemokratie die christlichen Feiertage abschaffen nrill.
Reichsverkchrsminisler Dr. Bell weist eine Bemerkung des Abg. Dr. Rießer zurück, wonach das Reick die Eisenbahtten von den Ländern hätte billiger haben können. Ein minderer Kaufpreis ist nach Lage der Sache nicht möglich. D« Neckarkanalisierung ist ein bedeutsames Unternehmen, das aber die bayerischen GvoßschiffahrlsplLne nicht beeinträchtigt.
Ein Bertretcr Bremens erklärt, daß die Nvrd- feehäfen eine wettere Berschlechlerung ihrer Ren- tabüität durch bie Konkurrenz von Rotterdam nicht hmnchmen tihmm. Bremen möchte nicht das Schickial von Gent und Brügge teilen.
Abg. Hansmann lSoz.- wünscht eine Amnestie für diejenigen, die der Roten Armee gedient haben, ohne sich Gewalttätigkeiten zuschulden kommen zu lassen.
Abg. Gilling (Zentt.) spricht gegen die Maifeier und b« anderen Anträge der Unabhängigen.
Nach Ausführungen des Abg. Riedmüller iS.) erklärt Reichswehr Minister Geßl er: Wegen der Zahl unserer Geschütze in den Festungen bc- stohen Differenzen mit der Entente, , die aber im Guten beige legt werden dürften. (Zuruf dec Frau
Die Brigade Ehrhardt behalte ich scharf im
Nach einer Reihe von Bemerkungen schließt die Hauptausspracke.
Bei den Einz-Beratungen wird zum Haushalt des Jimem der Antrag Loebe-Rießer auf Berilli- gung vv l600000 Mk. zu einer wiffenschaftllchen Abtellung für Volksbildung an der Universität Frankfurt a. M. angenommen.
Abg. Bayerle (Bayer. Vpt i begründet einen Antrag, 3 Millionen zur Unterstützung des Verbandes der wissenschaftlichen Akademien zu be- toilligen. Der Antrag wird abgelehnt.
Der Rest des Etots wird angenommen, ebenso der Bericht über die Sparprämienanleihe. Ab- gelehnt werden die Anträge Henfle, Agnes, Auer und anderer betneffenb die Maifeier. Angenommen wird eine Entsc^ießung wegen Unterstützung der aus Elsaß-Lothringen verdrängten Reichsdeutschen.
Das Haus tritt in die dritte Sefimg des Notetats rin, der nach kurzen Ausführungen be£ Reickssinanzminister Wirth und des Abg. Geyer- Leipzig (Unabh./ angenommen wirb gegen die Stimmen der Rechten und der Unabhängigen.
Nächste Sitzung morgen 10 Uhr. Besoldungs> gefetz.
Zretz.) Auge.


