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Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Dienstag, 27. Juli 1920
Nr. 174 Zweiter Blatt
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93ertxtfhmg Dr. Dvrtens i 1920 gelieferten 5 650 000 Tonnen Kohlen mit fein Verständnis für der-1 280 Millionen, Farbstoffe mit 8 Millionen, Wert
Eine Reihe fieincrcr Anträge wurden Debatte in allen drei Lesungen erledigt.
Nächste Sitzung morgen Mittag 2 Uhr.
Schluß 7 Vs Uhr.
gebieten etwa 6,8 Milliarden Goldmark. Dazu kommen als eigentliche Wiedergutmachung die Handelsflotte mit mindestens 4 Milliarden, das in Ablieferung begriffene Vieh mit 180 Millionen, die strafweise abgelieserten landwirtschastlichen Maschinen mit 12 Millionen, die bis zum 1. Juni
artige eigenmächtige Handlungen einzelner Reichsstellen. Es liege im übrigen hier ein Verstoß gegen das Völkerrecht vor. Dr. Dorten sei bereits wieder auf dem Wege nach Wiesbaden. In der Polenfrage habe Lloyd George zu unseren Gunsten eingegriffen. Er habe dabei aber sicher nicht an imserem Vorteil gedacht, aber er habe einen offenen Blick und er wolle ihm wünschen, da er jetzt erkrankt sein soll, daß er bald wieder hec- yestellt sein möge. Mit Italien werden sich un- icre Beziehungen bald wieder einrenken, da wir viele gemeinsame Interessen haben. Mit Arne- rika befinden wir uns immer noch im Kriegszustand. Ein Ende sei vor März nächsten Jahres nicht abzusehen. Dafür hätten aber drüben humanitäre Bestrebungen eingesetzt, für die wir herz' lickst danken. Das Rote Streu» finde hier ein weites Arbeitsfeld und erfreue sich internationaler Unterstützung, wie ein zustimmendes Schreiben des Schweizer Präsidenten Ador beweise, dem er an dieser Stelle herzlich danke. Gr bespricht sodann die äußeren Erlebnisse in Spaa und bedauert, daß so vielfach der Daß der belgischen Bevölkerung zutage getreten sei. Er geht sodann zu einer Schilderung des Verlaufes der Konferenz über und legt dar, wie allmählich an Stelle des bloßen Diktates sich die Möglichkeit von Verhandlungen ergeben hätten, was namentlich bei der Abänderung der Sicherheitspolizei zutage getreten sei. Bei der Enllvaff- nungssrage sei die Entente unbeugsam geblieben, trotz drohender Verwicklung im Dfielt. Wir wollen im rujsisch-Polnisckten Kriege neutral bleiben, trotzdem uns der Vertrag von Versailles dies sehr erschwert. Man macht es uns zum Vorwurf, daß Nnr die Sowjetregierung anerkennen wurden. Wit- Haben dies aber sck»n beim Friedensschluß von Brest-Li doivsk getan. Er sehe aber auch nichts Schlimmes in der Sowjetregierung. Es werde dort eine rege Aufbaut'itigkeit getrieben, die uns vielfach als Muster dienen können. (Beifall. Zuruf: Gelt, das habt ihr nicht erwartet?) 'Jhin sagt man uns nach daß wir uns Rußland ganz in die Arme werfen wollten, um den Versailler V?r- pslichtungen zu entgehen. Dies liegt uns gänzlich fern. Wenn Polen ein Scheidestern _ zwisch.'n Deutschland und Rußland bilden wolle, so 'habe es eine txinttelc Zukunft, wolle es aber eine Brück: bilden, so sei dies sehr zu begrünen. Teutschand habe nichts gegen Polen. Er ßonrmt sodann auf Bela Khun zn spreckien. Nachdem das Auswärtige 9(mt Kenntnis von der Amvesenheit Bela Khuns erhalten hatte, mußte es, ebenso liberal wie die Entente gegenüber Ungarn, eingreifen und
ihn und seine Kollegen festnehmen. So
lange sich die Festge-nommeiten ^bei uns bcffin- den, wird ihnen nichts geschehen. Stellt es sich heraus, daß Bela Khun nur ein politischer Verb rechn ist, so ’roiti) er dorthin gebracht werdetr, wolstn er zu gehen wünscht. Im anderen Falle werden mir ihn ausliefern müssen. Der Minister bespricht dann die Verhandlungen im Reichs Wirtschaftsrat. Er verliest die dort eingebrachte Resolution und appelliert an das Haus, die Forderungen zu unterstützen. Redner schließt mit einem Ausblick auf die Konferenz in Genf, wo zwischen unserer Leistungssähigkeit und den Besorgnissen Frankreichs die Mitte gezogen werden müsse. Er appelliert an das Haus, der Regierung das gleiche^Vertrauen zn schenken, wie auf der Konferenz in Spaa.
Die Besprechung wird auf morgen vertagt.
wäre, läßt sich nicht ausdenken. Ich freue mich, jetzt in dem Botschafter Laurent einen Mann nach Berlin bekommen zu haben, der die wirtschaftlichen Neziehiingen zu Frankreick wieder ausbauen will. Redner kommt dann auf die Flaggenangelegen- leit zu sprechen. Die französische Botsck-ast habe las auswärtige Amt von der bevorstehenden Feier verständigt. Wir waren im Unrecht und mußten für den Streut1 eines Toren Genugtuung geben, genau so, wie wir in vielen Fällen es für uns verlangt tzcckeu. Gegen die französische Gesandtschaft in München [jttbe er bereits protestiert, aber Harry Dard habe den bayrischen Ministerpräsidenten wie Ziethen aus dem Busch überrumpelt. Bayern !?krde natürlich keinen Gesandten nach Paris ent» iCTben. Tie Furcht der bayrischen Regierung vor emer neuen Mainlinie als Grenze sei absolut unberechtigt. Was dir Verhaftung Dr. Dvriens M^ngt, so habe er s " '
(Ein Weihbuch über die Konferenz von Spaa.
Berlin, 26. Juli. (Wolfs.) Das dem Reichstag zugegangene Weißbuch über die V e r ha n d- langen in Spaa, enthält eine Denkschrift mit 26 Anlagen. Die Einleitung der Denkschrift behandelt die Berufung der Konfernez und die Anlagen dazu enthalten die Einladungsnote und das Verzeichnis der Delegierten. Im vierten Abschnitt der Denkschrift über die Wiedergutmachungen sind Finanzvorschlätze der deutschen Delegation, ein Plan für Sacksteistungen gern .Art. 236 und der Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensvertrages, und Anregungen für die Durchführung des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete, sowie eine Zusammenstellung der getätigten Lieferungen und Leistungen, die Deutschland auf seine Wiedergutmachungsschuld anzurechnen sind, beigefügt. Nach dieser Zusammenstellung beträgt der Gesamtwert der abgetretenen Saargruben eine Milliarde, Der Wert des anrechnungsfähigen Staats- und Reichseigentums in den Abtretnngs--
Deutscher Reichstag.
10. Sitzung.
Berlin, 26. Juli.
Eröffnung 51/* nachmittags.
Tie Tribünen weisen eine reiche Fülle auf, desgleichen ist die Ministerbank stark besetzt.
Präsident Löbe gedenkt des Abstirnrnungs- ergebn'sses in Ostpreußen. Ein Stolz und Trost für uns! Wir können jetzt der Abstimmung in Oberschlesien in Ruhe entgegensehen. Tie Abstimmung erfüllt uns auch mit der Hoffnung, daß auch die anderen uns auferlegten Lasten des LersaUlcr Friedensvertrags wieder gut gemacht werden Freilich nicht mit Osewalt, sondern aus der Macht des Rechts. ^Allseitiger BeifallO
Der erste Punkt der Tagesordnung (Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten) wird gc-^ mäß den Anträgen Burlage (Ztr.) und Müller Frauken Soz.) durch Zuruf erledigt.
Abg. Schultze (Dtschntl.) bemerkt dazu, daß feine Partei an ihren Bedenken gegen die Person des unabhängigen Vizepräsidenten iwck immer fest- halte, aber feine Konsequenzen mit Rücksicht auf die Gesamtlage daraus ziehen wolle.
Ter bisherige Präsident nick der Vizepräsident werden wndergrivckhlt.
Reichskanzler Fchceubach
crflatiet sodann Bericht über Spaa und dankt dem Minister des dleüßern Dr Simons für die geleistete Arbeit. Viel Neues lasse sich über Spaa nicht sagen, xunial das meiste schon durch die Presse bekannt geworden sei. Tie Verhandlungen hätten sich nicht pvisckten gleichm Parteien vollzogen, soniern den Charakter eines ultimatumartigen Diktats getragen. Zweimal standen wir vor b?r Frage des Abbruchs ter Verhandlungen. Wir h^ben uns schließlich gefügt, aber sowohl bei der Entwaffnungsfvage wie bei der Kohlenfrage unseren Standpunkt gewahrt. Unser Rechlsstand datiert -aus dem Völkerrecht. Deshalb müssen wir den Einmarsch der fremden Truppen ab (ebnen. Gegen den Einmarsch gibt es nur ein Mittel: ti? empegangenen Verpflichtungen fa sorgfältig wie möglich zu erfüllen. In bezug auf die Reichswehr 'haben Nir lerne offenen Ohren gefunden. Es ipurde uns nur eine Frist von einem halben Fahr zugestaiwcn. Auch in der Entwaffnung Dnseres Bolfes müssen wir Den Wünschen der Entente entsprechen, um das Mißtrauen zu beseitigen. Reicl-sl.mzler Fehrenbach warnt daher vor chvaigen Putschm ober Unrul>en, die jetzt gerade ein Verbrock;en an der Nation seien. In den nächsten Tagen werd' eine entsprechende Gesetzesvorlage dem Hause «zugehen. Auch! in der Kvhlenfrage sind viele Sackwerst ändige der Ansicht, daß die uns auferlegten Lasten unmöglich seien. Aber in der Gefahr Sreife man zu dem letzten Mittel, um das größte
nglück für das Vaterland zu vermeiden. Er gedenkt Der Bergarbeiter für ihre vaterländische Kund- igdnmg, daß sie die Last auf sich nähmen; (des- tstrick.en mich den Transportarbeitern, die dem Reick?Swirtfcl>astsrat eine ähnliche Erklärung der Bereitwilligkeit abgegeben haben.
Minister des Aeußern Dr. Simons verweist zur Unterstützung seiner Ausführungen auf die vom Auswärtigen Amt herausgegebene Denkschrift, die namentlich zur Entwaffmingsfrage und zur Kohlenftage genaue Unterlagen gibt und auch die Stellungnahme der Sachverständigen enthält, namentlich die Ausführungen der Herren X)ue und Stinnes. Er dankt im Namen des Kabinetts allen Sachverständigen für ihre hingebende Tätigkeit. Für die Ergebnisse von Spaa aber tragen die Minister gemeinsam die Verantwortung und harren des Urteils des Hauses. Daß unsere Gegner den Friedensvertrag von Versailles außerordentlich ernst nehmen, ist uns in Spaa klar geworden. Da heißt es. nicht immer von einem Schmachfrieden zu reden, sondern die Zähne zu- sammenbeißen und ihn durchzuführen versuchen. Der Friede entspricht roeber dem Waffenstillstand noch dem Völkerrecht Wir müssen warten, bis eine höhere Macht die Gegner eines Besseren belehrt. Bis dahin aber wollen wir uns bemühen, dem Vertrag zu entsprechen. Die Alliierten würden den Einmarsch ins Ruhrgebiet als einen Sprung ins Dunkle nur sehr ungern vorgenommen haben, aber sie würden es ttotzdem getan haben, wie mir Gras Sforza selbst sagte. Was dann bei der einsetzenden Sabotage geschel-en
Der Klostermüller.
Eine Et^ählung von Karl Neurath.
Nachdruck verboten.) Fortsetzung 13.
„Spart Eure Worte! Es bat gar keinen oweck, auch nur noch eine Silbe darüber zu ver- lieven. Ich wiN von der ganzen Sache irir mehr frören und damit basta!"
Der Bürgermeister rick sich verlegen das Kinn Md.sah unschlüssig zu Boden, fßdyrum trat ans ijeitfter und sah ttne gleichgültig hinaus.
„Wenn ich zu scharf geredet habe," begann wttnm nach einer Weile. „Oder wenn ich . .
,Lhr könnt Eure Lunge schonen. Für mich i|t der Kram erledigt!"
Als der Bürgermeister sich immer noch nicht dorn Fleck rührte und nach neuen Worten suchte, trurbe Wehrum ungeduldig.
„Wenn Ihr zum Essen dableiben wollt, ist es mir reckt. Ich hab Hunger und mvcht nit länger warten!"
„Na, Wehrum!" bat der Bürgermeister.
„Spart Euch alle Mühe!"
Da ging der Bürgermeister schweren Herzens. IV.
Der Flieder blühte in blauen Büschen.
Die Lette hatte chre Arbeit in den Schoß sinken lassen und sah mit glückvollen Blicken hinaus in den lichtseligen Lenz, der den ganzen Nheingau mit Dust und Blüten füllte und all
die zahllosen -Obstbäume in schimmernden Schmelz gehüllt hatte. /t( „
Ziellos gingen ihre Blicke mti ihren Gedanken ins Weite und tvanken die verschwenderische Blütenpracht, die sich weit über den gleißenden Rhein hinüber in den tiefblauen Himmel hmernzog, und selbst die rauchenden Schlote der Fabrik mit mildem Schein umspann.
Das Herz wurde ihr aanj voll und Tranen kamen ihr nt die Augen. Wie schön wäre es gewesen, wenn sie das alles mit ihrem Peter gemein» am hätte genießen können . . . Und er war so rmg, so lang Idjon tot . . . verschollen . . ver- charrt . . . Gott weiß wo. Was würde er tur Augen machen, wenn er jetzt den Buben sehen könnte ... wie der umherging in der Mühle, ganz mit derselben Miene wie damals sein '^ater Der säßen auch immer zu fragen: Was kostet die Welt? Und war so elend umgekommen. — Und wie ihn zog es nun auch feinen -sohn m die Welt, unb der Großvater hatte em Einsehen unb schickte ihn auf die Müllerschule.
O, der Alte war doch gut.
Sie senkte den Kopf und nahm ihre Arbeit wieder auf. Wenn der Bub ging, sollten auch all seine Sachen in Schuß fein. Er mar ja doch ein Wehrum, wenn auch sic keine geworden war Ja, das Leben macht manchmal einen Spaß und eh man sichs versieht, ist bitterer Ernst daraus geworden.
Ter Sohn trat in die Stube.
„So, Mutter, jetzt war alles besorgt. Jetzt
Dasselbe gilt auch insbesondere für die Löhne
Schröder, AmtSgerichtssekrelLr.
.Der
ein lag
Arbeiter.
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zöge.
der 1
Es wird „Du Der setzt er seinen „Ta
schön Vorbeigehen!"
kennst ihn nit, Peter! Nit so wie ich.
Himmel und Hölle in Bewegung, wenn Kopf durcksetzen will." i
kann er nit viel durchsetzen! Tie Sache |
licken Depression erhebliche Ärbeitereittlassungen .au. Fast allgemein ist ler Stillstand in der Möbel- und Holzindustrie. Um die Kauflust nneder anzurcgen, soll in Franüurt a. M. versucht wer.en, auf geroof cnfdxt tlidicr Grund läge unter Dtivviriuirg ter Sck.ern.rzirangSin- r.ung, der Najsauisäun Möbelvcrtr iri S,.ellr und l<s Gcweri'.'cknsiskarletts die Produktion billiger Scrienmövel m Gang >.u bringen, unter mc&idy :cr Beschvänlung des IInreri•ri/mergewim.es. In B u tz-- bach, Wetzlar un? Höck t tat die Lod. rindustrü', wenn auck in beschränktem Maße, die Tätigtest wieder au g nomm n s>m G a st w , r t s g e w c r b e bat das Landesaml odrrute zur Entlastmrg des vornehmlich in B a d -* a u b e i m noch verschiedentlich verwendeten weiblickieu Serv.err'ersvnalS unternommen; die freiwerdenden Stellen werden durch Kellner besetzt.
ist entschieden. Er muß fick fügen, und das tft auch am besten so. Schad, daß seine Mutter nit mehr lebt, die tat sich nit fürchten; von der trüg ers einmal gesagt für drei Batzen! Was waren das schon für Scherereien mit dem Gericht!"
„3a, seine Mutter, das war noch der einzige Wrensch, der etwas bei rhm ausrichten konnte. Vor ber bat er noch Regard gehabt. Ach, und es war so ein gutes Tier! Das hab ich damals erfahren, als du auf die Welt gekommen bist und niemand um mich war als sie.- Und was hat sie dich so gern gehabt!"
„3a, ich kann mich noch viel erinnern. — Aber wo ist denn eigentlich der Großvater? Ich muß .doch noch manches mit ihm bereden und noch einmal meine Papiere mit ihm durchgehen, ob auch alles sttmmt."
„Der ist in die Wingert und guckt nach, ob der Adam ordentlich gespritzt hat."
„Auch so eine dumme Angewohnheit! Wenn ein Knecht zwanzig Jahre im Haus ist, braucht man ihn doch nit auf Schritt unb Tritt yu wn- trollieren! Der macht ferne Sach schon wie irchs gehört. Na hoffentlich geht der Alte am 2^'ts- kops vorbei und nit an den Sandkauten Dort fangen sie schon an abzustecken. Die z»vci „Tage, wo ich noch da bin, möckt ich nit das Gelredel hören, so's doch so zwecklos ist. Das (Selb ist schon beponiert, er könnt's ieden Augenrnur in den Sack stecken, wenn er wollte "
(Fortsetzung folgt.)
der — — — — ~.—» ,— «• v
Treppe tiefer" von Ernst Lothar.
Büchertisch.
Kleine Roman" (wöchentlich Heft"80 Pf., vierteljährlich 10 Mk. — Ve» H. S. Hermann u. Co. in Berlin) bangt tn Nr. 28 die Erzählung: „Zum Bündtner eure
Der Hrbcitsmarft im Juni.
Der Berickst des Landesamtes für Arbeitsnachweis in Frankfurt a. M. über die Lage drs Arbeitsmarktes im Äionctt Juni 1920 in Hessen, Hessen-Nassau unb Waldeck besagt u. a : Ter Arbeitsrnartt im Monat Juni stand noch unvermindert unter dem Einfluß der gefpannien wirtschaftlichen Lage, ytamentlid) wurden neuerdings Arbe(tszeitv. rkürzrmgen und B.triebsesnstellungen solcher Firmen zahlreick-er gemdeet, die, um ihre Arbeiter nicht zu entlassen, bisher auf Lager gearbeitet haben, uitb deinen es mm Schwierig leit en bereitet, die angesammellen La gerbe stände abzusetzen. In den letzten Tagen des Juni bat nun der Druck, der schon seit langen Monaten auf den Warenmärkt n la^et, b gönnen, eine weul?ende Tendenz anftunebm-ni. Aus Verbvauckntkrcise.i zeigt sich wier-er Nachfrage. Wenn auch dieses Kaufinderesse gegenwärtig ohne durchgreifende Bedeutung und leriglich auf die Bedürfnisse des dl erbringen i> Heu Bedarfes eingestellt ist, so sind bod) diese s)bnzeich-en einer begiimcnb-cn Wiederbelebung der Produktion überaus erfreuliche, umfjntie'br, als auch aus b*cr Industrie, insbesondere der ßeberbrandie, die seiner Zeit zuerst von der allgemeinen Tiefkoniunftiir in Mitleidenschaft gezogen wurde, vereinzelt die Wiederaufnahme der Fabrikatton berichtet wird. Die Zurückhaltung der Verbrouchersck>afl hatte jür eine Anzahl Gegenstände des täglichen Bedarfs eine IPreissenkung zur Folge. Namenllich die -aarslän- disckten Lebensrnittel erreichten auf Grund des stabileren Standes unserer Valuta eine einbeiilid/cre und Schwankungen weniger unterworfene Preisgestaltung. Für inländische Erzeugnisse auf dem Lebensmittelmarkt blieb die Preisteitdenz immer njd} nach oben gerichtet. Aus Grund dieser Tatsachen zeigten sich auch im Berichtsjahre wieder zahlreiche Lohn-u. Gehaltsb.'wegungen der Arbeit nehmersck)>ast, die noch eine Verschärfung erfahren werden, wenn es nickt gelingt, gleidy^itig mit dem Steuerabzug eine Erhöhung der Kaufkraft unserer Zahlungsmittel l)erb:izusül)ren. In der Landwirtschaft hat sich Arbeitsangebot und -Nachfrage im allgemeinen ausgeglichen. Der Bodars von Saisonarbeitern und Knechten zu Beginn des s)Tby= natö konnte überall befriedigt werden. Gegen Ende des Monats zeigte sich, trotz der bereits im Gange befindlichen Errckearbeiten, als eine Folge der Erwerbslosigkeit in Industrie und Handwerk, vielerorts ein Uebcrangebot an Arbeitskräften. Stellenlose Jndustriemädchen aus dem Essener Bezirk kamen in beschränkter Zahl in landwirtschaftlichen Betrieben der Wetteran unter, die für weibliches Personal immer noch recht auftvahmefAhig sind. Im Bergbau zeigte die Produktion infolge der gespannten wirttchaftlichen Verhältnisse ge.oisse Erschütterungen. In den Eisenwerken und »gruben des Dill krei ses wurden vereinzelt Leute en> lassen. Ein Braunlvhlcnbergwerk bei Friedberg kün-digte luegcn Eftrstellung des Tagebaubetriebes einer Anzahl Leute. Die Wächtersbacher Bergbaugesellschaft, die BvaunM)len förderte, arbeitete im vergangenen Monat ohne Betriebslem--' schränkungen. Die Braunkohlengrube Riessel bei TormstaOt arbeitet noch mit voller Belegschaft. Im Oberlahnkveis 'bat die Nachfrage nach Arbeitskräften fast völlig ausgehört. Auf einer Eisen stein grabe ecr dortigen Gegend wurden eine Reihe Arbriter entlassen, die jedoch in ^anderen Betrieben wieder unterkamen. Ti? Lag? der mriallverarbe tendenJnd usttie, die bisl-er noch recht zufriedenstel.end war, fängt an, sich zu verschlechtern. Tie Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar kündigten einer Anzahl Arbeiter. Eine Wetzlarer Rö'hrengießerri stellte wegen Unwirtschafllichkeit ihres Betriebes bic Produktion ein. Die Kündigung der 1000 Mann starken Belegschaft der Fuldaer Stanz- und Emaillierwerke wurde von der Betriebslertung in Erwägung gezogen. Große Fvariffurter Betriebe arbeiten nur noch an 5 Tagen in der Woche. Entlassungen fanden in Frankfurt a. M. in einer Karosserie- und Wagenbaufirma und in einer Fahrradfabrik mittlerer Größe statt. Durch Verschmelzung der Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar mit einer bekannten Großfirma der Eisenindustrie eröffnete sich für die Zukunft die Aussickst, eine größere 'Anzahl gelernter Arbeiter, Stahlsornun und Stahlgießer, in Wetzlar luttersubnngen. ^n den in Evrbach und Gießen besteheicken yrößnen Gummifabriken fanden auf Grund der wirlschaft-
öer Kabel nach Ab-ug der Regierungskttbel mit 64,65 Mlllionen, Eisenbahnmaterial mit rund 1,25 Milliarden Golbmark. Für die verschiedenen interalliierten Kommissionen wurden bisher gezahlt rund 9 Millionen Gvldmark Ter Wert der Rücklaßgüter ist mit 6,5 Milliarden Goldmark anzuseken. .Tas gibt zusammen die Summe von 20 103 650 000 Goldmark. Gemäß Art. 235 des Friedensvertrags können aus den ersten 20 Milliarden bezahlt werden die Rohstoffe, Lebensmittel- bezöge sowie die Unterhaltung der Besatzungsheere. Der bisherige Gesamtaufwand für die enteren kann auf 3 Milliarden und die Kosten der Unterhaltung der BesatzungShcerc auf mindestens eine halbe Milliarde geschätzt werden.
kann ich jede Stunde abstchren. Aber denk dir, es scheint tatsächlich Ernst zu werden mit der neuen Kreisstraße. Wie ich eben beim Bürgermeister war, hat er mir die Pläne gezeigt und mir noch einmal ans Herz gelegt, daß ich ja dem Großvater noch einmal gut zureden sollt, damit er doch endlich nachgab. Die Prozessiererer hat ja doch auch schon genug Geld gestaltet, und es ist ja doch nft für ihn herausgesprungen. Ich länn auch wirklich nit rinsehen, was er nur gegen die Straße hat; es ist direkt ein Bortell für uns. Da kriegen wir doch einen anständigen Fahrweg hierher und brauchen nit immer Vorspann zu nehmen, wenns Wetter den Grund aufwühlt bis dort hinaus." _ r _
„Er hat sichs halt einmal in den Kock gefetzt und will nit."
„Aber verrückt ist es. — Na, der wird ichön gucken, wenn die in der nächsten^ Woche anfangen abzustecken und ihm die Meßlatten vor die Nase seyen."
„Gott, wenn du doch wenigstens da wärst." „Es wär ja vielleicht besser, aber was will er denn machen. Er wird halt ein paar Tage herum gehen und nangeln. Da mußt du dich, halt mit abfinden. Es ist ein alter Mann — sÄon bald vierundsiebzig — und die sind alle krittelig.
Eingesandt.
(Für Farm und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantworinna.)
In Nr. 171 d. Bl. stellt Herr Kollege Schmalz. Betrachtungen über die Höch stmietever Ordnung an, deren Einführung der Gießener Mietn> verein an strebt Ms „unglücklicher Hausbesitzer" tunit er sich mit einer solchen.Akaßnähme. die ich gerne recht bald durch Reichsgesetz eingeführt fräbc, nicht ansreunden. Es seien nur zu seinen Ausführungen einige Entgegnungen gestattet:
1. Ich persönlich (staube, daß im allgemeinen der Hausbesitzer bei einer 15- bis L'Ovrvymtigeat Mtetvreis.'rlwhung die „gewaltig gei.i g.non und nocli ständig steigenden (! wo bleibt der Abbau der Preise?) Unlosten aller Llrt" zu decken in der Lage ist, weil er sie eben in vielen Fällen — gar nicht nufiüent-et; er läßt viel lieber sogar-den Mieter die notwendigsten Rcp-araturen auf dessen Kosten vornehmen oder mutet es ihm wenigstens zu. Ich vermisse in den Ausführungen noch die besondere Erwähnung der „gewaltig gestiegenen" Sch.'mstein- fegergebühren und des Wasserg.ldes; auch diese Aussagen sind vielfach fdjuu auf die Mieter ab- gewälzt, denen man llarzumachen versucht, daß darin eine Mletpreiserhöhung nicht zu erblicken sei.
Tie Höchstnnetevevordnung in Preußen sieht zu Gunsten des Hausbesitzers übrigens folgendes vor:
„Falls der Vermiet«,!, nachweist, daß er ungeachtet der Zahlung der Höchstmiete immer roxb ohne jein Versckiulden bei der Verwaltung des Hauses Geld zulegen muß, weil er im letzten Jahre nolwendige Instandsetzungsarbeiten hat machen losscn -ober f-oldje im laufenden Icklire machen muß oder iveil die Erhöhung der Abgaben vom Grundstück dieses unrentabel macht, so kann ihm das Mieteinigungsamt für ehren bestimmten Zeitraunr n'vch einen besonderen Zuschlag zur Miete be-- willigen." rr
2 Die Besioldungsvrdmmg soll einen Maßstab abgeben für die Höhe der Miete? Ich meine, dieser Schluß ist doch etwas kühn. Es ist ein großer Irrtum, den „Oriszuschllag" als „Wdhnungsgeld" anzusprechen: Wvhimngsgeld kennt die neue Be- soldungsordirung wchit. Wie der Abg. Braun in den letzten Kanrrnerverhandlungen auMhrt, lvn^ men viele Beamten in der Stadt mit ihren Bezügen kaum aus, während Lehrer auf dem Lande hohe Rücklagen machen.. Ter „Orts-zuschlag" ist also wohl doch nicht nur für die Miete, sondern für die teurere Lebenshaltung vorgesehen und offenbar noch nicht richtig difterenziert. Was die Bv- rechnung der Miete für Dienstwohnungen anlangt, so tft gegen solche meines Wissens bereite protesttett worden. Auf jeden Fall 'haben die Inhaber von Dienstwohnungen der großen Vorzug, daß sie in gut hergerichteten und unterhaltenen NÄrmen un- tergebvacht sind.
Auch die Besoümngsvrdnung, die ja voraus- sichitlich in wenigen 9Jiynaten einer erneuten Prüfung unterzogen werden wird, braucht nicht in jeder Hinsicht als Evangelium migesellen zu werden, so wenig wie bei öeinen Witwenpensionrn der lOpvzentiger Steuerabzug eine soziale Maßnahm: war. Daß die Seiftengdiäbigfeit der Beamten ihre schr engen Grenzen hat, ergibt sich aus einn 'llernen, Berechnung:
Tie LebenÄialtung ist gegenüber fcer VorkriHs- zeft mindestens um das Zehnfache teurer; die Bezüge ver Beamten aber sind noch nicht um das Fünffache erhöht. Daraus ergibt sich, daß der Beamte immer noch mit weniger als der.Hälfte des Gehaltes ausvommen muß, das er nach der alten Besvldungsordnung in normalen Zeiten be-


