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Wieseck. den 23. Juni 1920.

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können besser nähren unö blerven frlsck) bei regelmäßigem Genuß von

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unserer teuren Entschlafenen sagen wir Allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank.

In tiefer Trauer: Karl Jung IV. Ludwig Bölzel Otto Jung Otto Strak.

3a haben ln6cbathtt[a3u5unö!073lar( in Xeetbrrtan.Droetdfa.wo alcbt.meite maafufcan 3htfniut^ri.r'ü^ prtfzrC Ea 6uak&

Deutschen Schutzbund Annahmestelle:

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mo. Frankfurt a. M., 22. Jüni. In Dyr mvdizinisclwn Fakultät hat sich Tr. mcb. ct pl)il. Richard Wegner, bisher Privatdozent an bir Universität Rostock, für Anatomie, Anthropologie und Geschichte der Medizin frihUitiert. An Stelle des nach Leipzig berufenen Privatdoz nten Dr. W Eitel wurde Privatdozent Dr. H. Schnei­der höhn beauftragt, das Fach der Mineralogie

Vorlesungen und Hebungen zu vertreten.

Drucksachen aller Irl

wert Ale Brühl*aehe Üalv.-Drackerel, B. Laage, Gießen

Turnen, Spiel und Sport.

Nachklang zur Frankfurter Re­gatta. Karl Iödt von der Gießener Ruder- Gesellschaft hat am Montag in faßem Rennen gegen den Oberräder Jaan Bork im klassischen Einer-Rennen auf der Frankfurter Regatta den Preis von der Gerbermühle genronnen. Damit kommt dieser Wanderpreis, dasSilberne Skiff", zum zweiten Male seit seiner Stiftung nach Gie- ßen. Im Jahre 1894 errang es Rübsamen von der Gießener Ruder-Gesellschaft. Nächst der deut­sche Meisterschaft zählt das Rennen zu den erst- llassischen out deutschen Regatten. Eine alte klas­sische Rudertrophäe, um die seit 37 Jahren ge­kämpft wird, ist nach Gießen gekommen. Gestiftet ist der Preis 1883 von der Frankfurter Ruder- GesellschaftGermania" und wurde im Stiftungs­jahr von Jean Bungert vom Mannheimer Ruder- Klub errungen. Die Siegerliste ist dann folgende: 1884-1888 Mit. Rud.-Ges.Germania" (Achil­les Wild). 1889 Favorite Ham man ia Hamburg (Emil Döring), 1890 Frkft. R.-G.Germania" (A. Wild), 1891 R.-V. SportGermania", Stet­tin. 18921893 Ulmer R.-.Kl.Donau" 1894 Gießener Ruder-Gesells cha f t, 1895 Danziger Ruder-Verein, 1896 Berliner Ruder- Verein 1876, 1897 Berliner Ruder-Klub, 1898

Vermischtes.

Zittau, 23. Juni. (Priv.-Tel.> Auf offe­ner Straße n ie d e r g e s cho s sen wurde gestern in dem benachbarten R e i ch e n b e r g ein Polizist, als er einen Unbekannten. der gestohlene Wäsche verkaufte, sestnehmen wollte. Der Ver­brecher, der entkommen ist, feuerte zwei Schüsse gegen den Beanrten, der kaum am.Leben bleiben dürfte.

Amsterdam. 22. Juni. (WTV.) Wie aus Venlo gemeldet wird, stürzte ein Flugzeug, das Rektmnebillets ausstrcute, auf das Dach eines Hauses. Die Insassen, zwei Herren und eine Dame, wurden zerschmettert. Das Flugzeug ist vollstän- dig verbrannt.

Frankfurter R.-Kl., 1899 Berliner R.-Kl., 1900 Seeklub Zürich, 19011902 R.-Kl.Alemannia" 1866, Hamburg, .19031904 Mainzer R.-V., 1905 Straßburger R.-G., 1906 Mainzer R.-V., 1907 Franff. Rud.-G.Germania", 19081910 Mainzer R.-V., 1911 Mannheimer R.-V.Ami- citia", 1912 Mainzer R.^V., 1913 Heidelberger R.-Kl., 1914 Mainzer R.-V., 1920 Gießener Ruder-Gesellschaft 18 7 7.

** Fußball. Am letzten Sonntag trat der Verein für Rasenspiele 1900 mit 10 Mannschaften zu Wettspielen an. Die ersten 4 aktiven Mannschaften spielten gegen den V. f. B.

Geriehtrsaal.

RMK. Darmstadt, 22. Juni. Recht aben­teuerlich mutet die Gescknchte des falte wegen Bigamie vor der hiesigen Strafkammer stefai- den 32 Jahre alten Kaufmanns Alfons Walter Adolf Woschetzky aus Mannheim an. Obwohl wegen Betrugs in verschiedenen Fällen vorbestraft, hatte er fünf Jahre lang in einer bedeutenden Berliner Berlagsfirma eine angesehene Stellung inne und trat dort in Beziehungen zu einer gewissen Marg.

Leven sprang. Gleich sorgfältige Darbietung erfuhr auchTod ünd Verklärung", das ich vom rein musikalischen Standpunkt aus höher einschätze als denZarathustra". Wobei wir uns nicht verschweigen w.cken, daß der Umkreis der musika tifdien Erfindungskraft bei Rich. Strauß ziem­lich bescheiden ist, mit anderen Worten: daß bei. ihm das musikalisch verarbeitete Material fast überall das gleiche ist, und nur die Arbeit selbst getvissen Schwankungen unterliegt.

Zwischen den symphonischen Dichtungen sang Elena Gerhardt aus Leidig eine Reihe von Straußscken Liedern, man darf wohl sagen: die nnrksamsten. Sic sang diese nicht überall an die Sterne reichenden Kompositionen mit so voll- ertdeler Gesangskultur, mit so tiefem Ausdruck, daß die zahlreich erschienenen Hörer vollkommen in ihren Bannkreis zog. ,Traum durch die Darn- meumg",Cäcilie",Ädorgen",Wiegenlied", Ständern" u. zwei andere Lieder waren Meister­leistungen. Am Klavier begleitete iperr Salomon aus Frankfurt a. M. sehr ansprechend, wenn auch hier und da etwas poesielos.

Mit dem 1. Festkonzert ist ein guter Anfang gemacht. Mögen die beiden nächsten Konzerte am kommenden Freitag und Montag von gleichem

Bülow. Als er im Frühjahr 1915 zum Heeresdienst eingrzogen wurde, veranlaßte ihn die Furcht vor dem Schützengraben, sich den Namen A. A. Olb'cke beizulegen und auch die Bülow zu heiraten. Auch im Standesamtsregister usw. wurde er im Wil 1918 Unter diesem Namen eingetragen Als cr rm September 1.918 wieder einen Gestell ungvbeleyl erhielt, verschwand er und ließ seiner Efaiau gegenüber nichts mehr von sich Horen. Er fauchte dann in Mannheim unter dem Namen Fr. Ltcvers aus Brieg auf und eröffnete dort mit einem ge­wissen Alfc. Müller einen schwungharten Handel, machte Schiebecgeschäfte und verdiente flott. Durch eine Vermittlerin lernte er die Kl. Sp., nn acht- baces Mädchen von hier, kennen und heiratet^ pe ebenfalls unter dem anderen falschen Namen Sie­vers. Dem Standesbeamten in Mannheim gab er als Ersatz für die, fehlende Geburtsurkunde eine eidesstattliche Versicherung ab, daß, er der Sohn des Juweliers Sievers in Brieg lei ufw. Er gibt an, daß die Furcht vor Entdeckung i.m zur Annahme und Beibehaltung der salschen Namen geführt habe, er nwllte sich >n Mannheim selbst stellen, seine jetzige Frau aber, der er fich entdeckt habe, hielt ihn davon ab. Die Sache kam durch den Teilhaber, mit dem er in Diffe­renzen geraten war, ans Tageslicht. Die fetzige Frau hält trotz aller Enthüllungen treu zu ihrem Manne, bestätigt seine Angaben, will sich,, da die Ehe ungültig ist, neu mit ihm trauen lassen und kämpft wacker für ihre Existenz und ihr letzt Drei Monate altes Kind. Dec Angeklagte, verspricht trotz des Zusammenbruchs seines Geichäst-5 ein neues Leben anzusangen. Das Gericht läßt m weitestem Sinne Milde walten. Dec Berliner Fall fällt unter die Amnestie. Wegen der Doppelehe in Darmstadt und der eidesstattlichen Versicfaung wird er zu einer Gesamtstrafe von einem ahr

Gefängnis verurteilt, wovon 6 Monate Unter­suchungshaft angerechnet werden. Der Haftbefehl wird ausgehoberi.

rm. D a r m st a d t, 23. Ium. Wegen Bern u-

bung eines Eisen b ah ngütcr wag ins ni der Nacht zum 8. August v. 3. standen heute neun Mörselder Burschen, teils Maschinenputzer, Dag löhner oder Bahnarbeiter vor der Strafkammer dahier. In jener Nacht mürbe der auf der Station Walldorf stehende Wagen nach Entfernung der Plomben erbrochen und daraus 6 Kisten Malzlarfee und 6 Kisten Zitronen geswhlcn, die dann vertan!t wurden. Im August und September wurden dann 7 Anzüge, 16 Paar Schuhe usw .gestohlen Der Staatsanwalt führte au-, daß zu jener Zeit ein? wirkliche Diebstahlsseuch' ausgchrochen und viele» Menschen das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihres Treibens abhanden gekommen ,ei. Die in der Hauptsache geständigen Angeklagten werden verurteilt: Joh. Knodt zu 1 Jahr 4 Monaten, Ludw. Jung mann, Ludw. Hechler, Hch. Hechler, Phil. Joh. Markert und PH. Rieß zu je einem Jahre Gefängnis, Ehr. Weg und PH. Arndt zu je 10 Monaten Gefängnis, zwei weitere, darunter ein Wirt aus Frankfurt, werden von der Anklage der Hehlerei freigesprochen.

Vereins Bad-aNuheim von 1906. Tie Spiele, an und für sich sehr statt und fair durchgesührt, litten sehr unter den unaünstigien Platzverh-iltnissen. Tas i Spielfeld befand sich inmitten eines Sdoppelacbws, aus dem sich u. a. ausgeprägte Ackerfurchen befan­den. Ban einer Ballbehandlung Sonnte daher keine Rede sein. Die ersten Mannschaften zeigten ein schönes, stottes Spiel; Merkur mutzte leider mit zwei 9Jtann Ersatz spielen. Resultat 3:1 für Bad- Naüfam. Auch die zweiten Maimichaften kämpften 4-art um den Sieg, den Merkur, nach überlegenem Spiel mit 1:0 Toren errang. Tie dritten Mann­schaften spielten vormittags und endete, trotz lieber- legenfat Merkurs 0:0 unentscksteden. Tos Spiel mußte leider, infolge Balldefektes, vorzeitig ab- gebwcksen tpefben. Auch 'hier ist es wie in Gießen iiottvendig, den Ruf gegenüber Stadtbeyörden und Staat "hören zu lassen:Schafft uns geeignete Sportplätze". W.

* Fußball. Am vergangenen Sonntag sanden zwei Gesellschaftsspiele zwischen den Fußballabteilungen der Freien Turner- schast Gießen und der Freien Turner­schaft Steinbach i. T. auf der Rennbahn an der Hardt statt. Vormittags 10 Uhr spielte Stein­bach II gegen Gießen II. Das Spiel endete mit 0: 3 zugunsten Steinbachs. Nachmittags standen sich Gießen I gegen Steinbach I gegenüber. Stein­bach zeigte sich gleich zu Anfang als überlegen und nach 10 Minuten hatte Gießen schon 2 Tove verloren. Gießen stellte nun ihre Mannschaft um, was aber ihr Verhängnis wurde, denn ihre Spieler konnten sich nun nicht mehr zurechtfinden. Der Gießener Torhüter war dem Spiel gar nicht ge­wachsen und hätte unbedingt mehrere Bälle halten müssen. Die flinken Steinbacher Stürmer brachten in gefährlichen Angriffen immer wieder ben .Ball vor und erzielten bei Halbzeit 5 Tore. Nach Halb zeit zeigte sich dasselbe Bild. Bei Steinbach geftel besonders das schöne Zusammenspiel, der Stürmer reihe, ebenso war die Hintermannschaft aus der Höhe. Steinbach konnte nach überlegenem Spiel den Sieg mit 8:0 Toren erringen.

-m. H ungen, 22. Juni. Der Radfahrer­bund Ober Hess en, Sitz Hungen, hielt seine diesjährige Hauptversammlung in Münster bei Lich unter Leitung des Bundespräsidenten Georg I o k e l - Hungen ab. Dem Bund sind bis jetzt 15 Vereine mit zusammen etwa 350 Mitgliedern, angeschlossen. Für den ausgeschiedmen 2 Fahr- wart, Webe r - Kesselbach, wurde Philipp H öchst- Londorf neugewählt. Es wurde beschlossen, am 1. August eine Bundesfahrt, Treffpunkt in Hatten­rod, über Lich, Hungen, Inheiden, Trais-Horloff, : Striiihrim, Untcr-Widdersheim, Bingenheim, Bel- ; lersheim. Bettenhausen abzubalten. Außerdem be­schloß die Versammlung, rin Bundesrennen in zwei Klassen abzuhalten, das in London am 4 Juli zum Austrag kommt. Es wurde werter be­schlossen, die -einzelnen Mitglieder der Bundes­vereine bei Radtouren durch Haftpsticht zii ver­sichern. Die nächste Bundesversammlung soll in Inheiden stattsinden. Für den Radsport -herrscht in Oberfascn rin sehr reges Interesse.

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*= HSchst a. M.. 23 Juni. In den Farb­werken, Abteilung Salpeterbeveitung, entstand am Dienstag früh eine K e s s e l e x p l o, io n. Die Ar­beiter des zerstörten Betriebes konnten sich bis auf 3 Mann, die Brandwunden erlitten, recht­zeitig in Sicherfat bringen.

oz. Kirchhain, 23. Juni. Vor kurzem wurde hier eine Ortsgruppe der hiesigen Dienst toten gegründet. Eine Anzahl der Dienstmäd­chen trat der Vereinigung bei und sollte am vergangenen Dienstag in den Streik ein treten. Der Tag kam, aber keins der Tienstmäbchm folgte dem Ruf, die meisten hatten sich von der Gruppe wieder abgemeldri.

hl Neustadt, 23. Juni. Boron von Schwextzel in Willingshausen, der in unserer Gemarkung über 70 Hektar Laick verfügt, hat 25 Acker zu Siedlungszwecken bereitgestellt. Auch die Herren von Dörnberg, die hi-er 71 Hektar Land besitzen, habeii sich zur Hergabe von Land Kreit erklärt. Forstmeister Grütter hier will die Siedlungen durch Hergabe von Bauholz zu billigen Preisen unterstützen. Es kann jriwch in absehbarer Zeit mit dem Bauen nicht begonnen werden wegen Mangel an Baumaterial. Da auch die hiesige Ziegelei seit Kriegsbeginn stUliegt, muß auf Lehmbauten zurückgegrisfen werden.

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Friedberg, die 4 Jugendmannschast. n gegen V. f.B. Gietzen, die Mte-verren-Mannschaft ebenfalls gegen V. f. B. Friedberg und die Hockeymamischaft in Marburg gegen den dortigen Turnverein. Das Haupttresfen, das Fußball Wettspiel der ersten Mannschaften sand auf dem Sportplätze an der Hardt statt. In den ersten Minuten war Fried­berg tm Vorteil, ohne jedoch zu einem Erfolg zu kommen, dann kam Gießen auf; der Sturm war äußerst schnell und recht schußsreudig, vor allen der rechte Zwischenspieler. Nach knapp 30 Minuten Spielzeit führt Gießen bereits mit 3:0 Toren und nach den vorgesührien Leistungen hätte man mit einem hohen Sieg der hiesigen Mannschaft rechnen müssen. Die Läuferreihe hielt jedoch das Tempo nicht durch und die Deckung nahm das Spiel etwas zu leicht. Statt in gestass.ltec Ab- ivehr zu bleiben, waren die Verteidiger stets zu weit aufgerückt. Die schnellen Durchbrüche dec Friedberger Stürmer brachten infolgedessen stets Erfolge, die für den hiesigen sonst gut spielenden Tormann nicht zu vermeiden waren. Bei Halbzeit führte Gießen noch mit 4:3 Toren. Nach Halbzeit ließ die hiesige Läuferreihe noch weiter nach, innerhalb 5 Minuten holte Friedberg 2 weitere Tore auf, konnte kurz vor Schluß noch einmal einsenden und so mit 6:4 Toren gewinnen. Die übrigen Resultate sind: 2. Mannschaft 0:lTore, 3. Mannschaft 1:3 Tore, 4. Mannschaft 2:0 To«, Mte-Herren-Mmmschasl 0:4 Tor, 2. Jn- gendmannschaft 1:6 To«, 3. Jugendmannschaft 1:3 Tore, 4. Jugendmannschaft 0: 2 Tore, 5. Ju­gendmannschast 0:1 To«, Hockeymannschaft 0:3 Tore.

** Futzbalk. Der Sportverein .Mer­kur" weilte am letzten Sonntag mit drei Mann­schaften inBad- Nan heimals Gast des Sport-

Befreiung von der Angcstelltenversicherung bis zum 30.6.1920 noch möglich. Man wende sich sofort an General-Agent Karl Mohr, Gietzen Ludwigs,ratze 28. M5, r-le»h»u 854.

5trauh-Reger-5est zu Vad-Nanheim.

Bad-Nauheim, 22. Juni. i I. '

Unser oberhessisches Weltbad hat auch in musi- < kalischen Kreisen einen guten Klang. Freilich nicht , seit alters. Seitdem aber Pwfessor Hans Wmder- stein 1906 mit seinem trefflichen und fturmbe- währten Orchesterkörper aus Leidig nach dem kleinen Nauheim zog, setzte eine schnell aufblühende musikalische Tätigkeit ein, denen Ausstrahlungen der ganzen Provinz zum Vorteil geveichten. Vor­her war Nauheim eine unmusikalische Stadt. Das bißchen enisthafte Musik, was man hier hören konnte, mußte man sich mit Mühe und Not aus derUnterhaltungsmusik" bet Kurkapelle heraus- lesen. Anders war es im benachbarten Friedberg, wo die Oratorienmusik seit mehr denn fünfzig Jahren.gepflegt wird und wo man auch Heuer vor einem großangelegden Bachfest steht. Zur Be­friedigung des hier wie dort vorhandenen Musik- Mmgers hat das letzte Jahrzehnt ivesentlich beige­tragen. In der Instrumentalmusik jedenfalls kann niemand dem jetzigen Nauheimer Orchester und seinem zielbewußten Leiter das Verdienst bestvri- ten, für unsre Gegend, ja für die ganze Provinz, Neues und Kultursörderndes geleistet zu haben. Man erinnere sich, von den zahllosenShmphonie- konzerten" mit ihren klassischen und modernen Pro­grammen ganz abgesehen, nur an das große Or­chesterkonzert der Kapellen von Homburg und Nau­heim anno 1909, an ein gleiches unter Mithilfe von Orchestermusikern aus Darmstadt, Mainz, Homburg, Frankfurt a. M., an das Richard- Wagner-Fest 1912, das Weingarmer-Fest 1914, an die Aufführung der 9. Symphonie von Beethoven (1914) und der Alpensymphonie von Rich. Strauß (1917). Sind dies nicht musikalisch-erzieherische Taten ersten Ranges? Und sollte man nicht endlich daran denken, die bedeutenden Leistungen dies's staatlichen Orchesters noch weiteren Kreisen zügang- licy zu machen? Schon lange überlegen ja ehr­liche Musik- und Bolksfreunde mancherlei Mög­lichkeiten, wie den größeren Platzen der Provinz, insbesondere der Provinzialhaupt- und Universi­tätsstadt, dieser Jnstrumentalkorper mit Hilfe wei­terer staatlicher und 'städtischer Unterstützung nutz­bar gemacht werden kann. Doch hiervon ein ander­mal ! Wenn es. wirklich erforderlich gewesen wäre, die Daseinsberechttgung eines staatlichen Orchesters für Nauheim und die Provinz Oberhessan zu er­weisen: der gestrige 1. Richard-Strauß-Mend des auf drei große Konzerte berechneten Festes hatte es getan.

Also sprach Zarathustra" war ein vortreff­liches Präludium, auch seiner Ausführung nach. Wie schön klang der Streichkörper in dergroßen Sehnsucht", wie mächtig und gemessen di-e Blech­instrumente imNachtlied", charakteristisch die Ltolzbläser beim Tanze! Und so noch manche Be­sonderheit, die ersveulich und erquicklich wirkte. Mit Umsicht und sorgsältiger Hermisarbeitung der orchestralen Farben führte Prof. W i n d e r st e i n seine gvotze Musikerschar, unter der einzelne Spieler auch solistisch hohen Anforderungen entsprachen, nim Erfolge. Wie könnte ein solcher bei gleichen Vorbedingungen überhaupt ausbleiben? Denn: dem sinnlichen Zauber, den diese Orchesterklänge auch auf den nicht von dem poetischen Vorwurfe be- rührtm Hörer ansströmen, kann sich niemand ent­ziehen. Und mag man jetzt oder später über Pro- acamin-Musik denken, wie man will es gibt Leute, die von diesem Kapitel nie etwas wissen wollten: von dem Inftrumentierungswrister Rich. Strauß wird man auch dann nock> hören wollen, wenn niemand mehr von dem Drum und Dran weiß, mit dem ein ft diese Art Musik ins

Vereine und Veranstaltungen.

rr. Schlitz, 22. Juni. Der hiesige Männer- gesangvereinHarmonisches Kränzchen" hatte das Wagnis auf sich genommen, die Vereine der Rhön- Fulda-Sängervereinigung trotz der in den Zritver- hältnissen venchenden großen Schwierigkeiten für den vergangenen Sonntag zum Bundesfest hierher einzuladen. Freudig und stolz darf heute der Verein auf rin wo hl gelungenes Fest zurück­blicken. Ungeheuer groß war die Beteiligung. Im überfüllten Gotteshaus fand zur Einleitung der Feier ein Festgottesdienst statt, in dem Pfarrer .Knodt die Festpredigt hielt und der Gesamtchor der Bundesvereine dieHymne" von Mehnl vortrug. Nachher fanden sich die Vereine aus dem von alter­tümlichen Fachwerkhäusern umgebenen und mit einem uralten Springbrunnen gezierten Markt­platz zusammen, der von einer gewaltigen Men­schenmasse gefüllt war. Nach Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Niepoth und Dankesworten des Bundesvorsitzenden erklang der Massenchor:Die Sänger" über ben weiten Platz. Im festlichen Zug ging es von da durch die mit Fahnen und Gir­landen geschmückten Straßen. Auf dem Festplatz hielt Pfarrer Boeckner die Festtede, in der er den Wert des Liedes, des Männergesangs zur Belebung und Vertiefung wahrhaft vaterländi­schen, sittlich-religiösen und sozial versöhnenden Geistes hervorhob.

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Carl Schunck

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