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DerSan Blümers" vor dem hessischen verwültungsgerichtshos.

rm Darmst adt, 22. Febr. Ter h css is che Derwaltungsgericktshos verl-andelte'rm Freitag und Samstag über beitFa l l öl u* mers", der im Jahre 1918 durch btt Damalige dringliche Anfrage des Abg. Reh tn der zmettm Kammer Aufseiten erregte. D:r feit 1913 bet dem Lretsamt Alsfeld tätige Zkreisamtmann trugen Bl um erS aus Psedeersheim rvurbe beschul»,gt, als Leiter des Alsfelder und Lauterbackr Milchgebietes aus den beim Kreisamt -'in- gegangenen Umlagen der MUchltefwer, die zuerst ein Fünftel und später zwei Fünftel Pfennig für das Liter betrugen, den Betrag von 27 000 Mk. von dem Milchvonto der Alsfelder Kreiskasse >abg> hoben zu haben, in der Annahme, tafo er den aus den Ginnahmen verbleibenden Ueberschuß Tret ver­wenden könne, da er selbständiger Letter des Milch- gebieteS set. Infolge der damaligen Interpella­tion wurde Blümers sofort seines Dienstes ent- hoben, mit dem Hinweis, daß, er sich nach etner anderen Tätigkeit umsel^n solle, da er fernerhin für den Staatsdienst sich nicht mehr eigne. Blü­mers Antrag ernt Einleitung einer Tisziplinar- untersuchung, in der er sich vech-tferttgen roAV», nnirbc abgelchnt, obwöhl einflußreiche P:rsönlich- keiten sich für ihn verwandten. Inzwischen kam der Umsturz und erst zu Beginn des Jahves 1919 wurde durch die neue Regierung ein Tiszi- plinarverfähren eingeleitet, das mit gleichem Re­sultat endigte und die Sache mit dem Antrag auf Dienstentlassung vor den Verwaltungsgerichts lwt verwies Da Bl. noch nicht fünf Jähre im Staats­dienst angestellt war, hatte er auch keinm ge,et­lichen Anspruch auf Ruhegehalt.

In der zweitägigen, auf den Antrag von Blümers öffentlichen Verhandlung ka­men etwa 20 Zeugen zur Vernehmung. Zu seiner Rechtfertigung beruft sich der Angeklagte auf eine Unterredung mit Regierungsrat Becker von der Landes-Milch- und Fettstell«, bei der ihm di: Zu­sage gemacht worden fei, daß er als selbständig'n: Leiter des Milchgebietes, glrichwie der Letter dos Gießener Milchgebietes, Frhr. v. Schenck, die Ueberschüsse für sich verwenden könne. (Diffe Zu­sage wird von dem Zeugen Becker b:ftritten.) Auch hcche er die Genehmigung seiner Vorgesetzten ge­habt (was durch die Zeugenaussagen auch nicht ganz bestäbigt wird). Im übrigen sollte der Be­trag zum weiteren Ausbau der ganzen Organiia- tion, Beschaffung eines Autos, Vergütung an die Gemeinden usw. verwendet werden, keineswegs wollte er sich damit bereichern. Aus Zeugen­aussagen geht weiter hervor, daß Bl. als sehr tüchtiger Beamter galt, daß der Alsfelder Krns, als der am besten organisierte in ganz Hess'n b^eichnet wurde und daß man M Beginn der Or­ganisation nicht annehmen konnte, daß so hohe Beträge etngrijen, während and'rersetts das Feh­len einer amtlichen Genehmigung b'i so hohen Nebenbezügen, das eigenmächtig' Abhrben, die Steuererllärimg usw. belastend wirken. D»r Ge­richtshof erkannte auf die Strafe etnes D-'r- weises unter Belastung Blümers in sämtliche Kosten.

Art» Stadt und Land.

Gießen, den 24. Febr. 1920.

Kartoffel-Anbau-vertrüge.

In der letzten Samstags-Nummer veröffent­lichten wir unter dem Stichwort:Ein sehr be­achtenswertes Beispiel" eine Zuschrift des Landwirts I. H. Preiß in Gießen. Wie uns die hiesige Ortsgruppe der Teu t s chnationalen Volks Partei mitteilt, hat sie ganz im Sinne des Herrn Preiß am 10. Februar ds. Js. eine Eingabe an die Gießener Stadtverwal­tung gerichtet, die folgenden Wortlaut hatte:

Es ist zu befürchten, daß die Anbaufläche für Kartoffeln in diesem Jahre wesentlich zurückgehen wird. Tie ungeheueren Löhne für die Landarbeiter, sowie das Fehlen von künstlichem Dünger und Saatkardofseln werden viele Landwirte veranlassen, größere Ackerflächen mit Getreide zu bestellen. Tie Landwirte selbst erkennen die Gefahr, die daraus für die Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Kartoffeln entsteht, und sind gern bereit, für Abhilfe Sorge zu tragen. Wir unterbreiten hiermit der hiesigen Stadtverwaltung! einen Vorschlag, den hierzu etner unserer Freunde vom Lande macht.

Tie Stadt Gießen möge sich ähnlich wie beim Gemüse etwa 2000 Morgen Anbaufläche für Kar­toffeln durch Verhandlung mit den Landwirten auch Pächtern von größeren Gütern sichern und sog. Anbau-Verträge abschließen. Ferner solle sich die Stadt Gießen dazu verstehen, schon jetzt den betreffenden Landwirten einen entsprechen­den Preis für die Abnahme der Kartoffeln zuzu- sichern. Tie Kartoffeln sollen durch die Kartoffel- Händler dem Verbraucher direkt zugänglich ge­macht und jeder Zwischenhandel ausgeschallet wer- cen. Tie Stadt Gießcm solle aber auch versuchen, den betreffenden Landwirten künstlichen Dünger vor allem Stickstoff ebenso auch Saatkar-

gr-

setzlichen Regel Platz greifen zu lassen.

Das letzte Hindernis der Fahrpreisvcrdoppelung beseitigt.

abzugs für die Steuerpflichtigen eine b.'sondere Härte bedeuten würde, ein: Ausnahme von der

Regent von Braunschweig. Er war in zweiter Ehe mit Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla verheiratet. Ferner starb am 18. Februar Gräfin Maria zu Castell-Rüdenhausen, bre Tochter aus erster (Stie des Fürsten Botho zu Stvlberg-Roßla. Sie war mit dem bekannten Arzt Graf Otto zu Castell-Rüdenhausen verheiratet.

Kreis Alsfeld.

Altenburg, 20. Febr. In diesen Taffen übergibt Oe ftonomt erat Engelandt die von ihm über 50 Jahre innsgShabte Pa chtung des Schloßgutes Altenburg an Fveil). v. Riedefel, der nunmehr sein Gut selbst bewirtschaften will, ab.

Kreis Friedberg.

PI Friedberg, 22. Febr. In einer stark besuchten Zusammenkunft in der Aula der Augustinersckmle fand heute die endgültig' Grün­dung einer Ein wohn erwehr statt; in die aufgelegte Liste schrieben sich näh.-zu 200 Personen ein, so daß die Wehr damit gesichert ist.

oa. Friedberg, 23. Febr. Samstag nacht verschied nach langem schweren Leiden der erste Musiklehrer an dem hiesigen Lehrerseminar, der hessische Musikdirektor Höcker. Der Verstorbene war seit 1912 hier tätig. Höcter war auch selbst mit Erfolg musikalisch schöpferisch tätig. Hier er­regten seine Kompositionen starken Beifall.

Starkenburg und Rheinhessen.

mc. D a r m st a d t, 23. Febr. Die Stadt Bensheim an der Bergstraße kann im Juli dieses Jahres die Feier ihres 600jährigen Jubiläums begehen.

Hessen-Nassau.

Aussuhrmesse deutscher Tabakerzeugnissc.

Frankfurt a. M., 23. Febr. Eine groß- zügige Kollektivausstellung des gesamten knutsch« Tabakgewerbes wird alserfte Ausfuhr­messe deutscher Tabakerz e ugniss-r" einen besonders interessanten Teil der Frarrffurter Internationalen Frühjahrsmesse bilden und mit dieser vom 2.11. Mai 1920 abgehalten werden. Die ständige Aufwärtsbewegung der Preis: läßt

*"Preiserhöhnngfürverschledene Futtermittel. Das Reichswirtschaftsmimste- rürm hat die Uebernahmepreise für di: nachst'.hen- den Futtermittel mit rückwirkender Kraft ab 15. Januar 1920 wie folgt erhöht: a) Tierkörper­mehl, Kadaverntehl, deutsches FleischsuttimM ans 900 Mk. 30 Mk. Sackzuschlag; b) Blutmehl aus 1040 Mk. 30 Mk. Sackzuschlag: c) Leimgallerte auf 550 Mk.

Erhöhungder Zuckerpreise. Durch eine Verordnung vom 29. Januar 1920 stno die Zuckerpreise entsprechend dnn Umsatzsteuergesetz neu festgesetzt worden. Cs wurden erhöht: D:r am 14. 10. 1919 festgesetzte Preis des von d:n Roh- zuckerfabriken zu liefernden Rohzuckers um 0,28 Mark je Zentner, der Verbraucl>Szuckerprns um 1,30 Mark je Zerrtner, der Handelszuschlag für den Weiterverkauf von Zucker um 1,12 Mark je Zentner.

** Fahrraddiebstahl. Am 21. Fe­bruar, abends zwischen 83/<10 Uhr, wurde aus einem Hausflur in der Löberstraße ein Fahrrad MarkeAdler" im Werte von 500 Mark entwendet. Das Fahrrad hat schwar­zen Rahmenbau, ebensolche Felgen. Das hin­tere Schutzblech ist zerbrochen, es fehlt ein Teil daran. Die Räder sind mit neuer Gummi­bereifungContinental" versehen. Das Rad hat die Fabr.-Nummer 428 838; vor Ankauf wird gewarnt.

** Schutz der städtischen An­lagen. In letzter Zeit werden die öffent­lichen gärtnerischen Anlagen durch Abreißen von Zweigen und durch Betreten der Rasenflächen wieder stark beschädigt. An die Bewohner Gießens ergeht daher die dringende Bitte, den schönen Anlagen ihren besonderen Schutz angedeihen zu lassen. Die Polizei- und Sicherheitsorgane sind angewie­sen worden, bei trotzdem vorkommenden Be­schädigungen gegen die Täter unnachsicht­lich vorzugehen. Auf das Verbot, Hunde in den Anlagen frei herumlaufen zu lassen, wird ebenfalls besonders aufmerksam gemacht.

** Ein Held derMöwe" gestorben. Der chewalige 1. Offizier des bewährten Kreuzers Möwe", der Korvettenkapitän Fritz Wolf, ge­bürtiger Kasfelaner, Bruder des pr. Arztes Dr. O. Wolf in Gießen, ist am 7. Februar in Breslau an den Folgen einer in den Kämpfen in Ob'r- schlesien erhaltenen Verwundung nach monatelan- gem, schwerem Leiden gestvrb'.n. Die Beifetzung erfolgte am 16. Februar auf dem Militärfriedhos in Kassel.

** D ie M änner- und Frauenver­einigung der Matthäus-Gemeinde eröffnete gestern abenb ihre Tätig kett mit der angekündigten Vorlesung von Univ.-Prof. D. Gunkel über die Psalmen. Trotz verschiedener beeinträchtigender Veranstaltungen waren zahlreiche Zuhörer erschie­nen, roeltbc dem Vortrag mit sichtlichem Interesse folgten. Auf die Ausführungen selbst, welche auf der Höhe der wissenschaftlichen Bedeutung des Vorttageiiden stehend, eine Fülle neuer Gesichts­punkte über das außerordentlich volkstümliche Thema boten, zurückzukommeu, behalten wir uns nach der zweiten, heute Dienstag abenb ebenfalls im Markussaal stattfindenden Vorlesung vor.

Fahrkarten den Verkaufspreis angeben müßten. Ter Reickxsvertehrsmmister hatte dieser Besttm- mmig deshalb jetzt einen Zusatz gegebm, nach t>:m bis auf weiteres die Eisenbahnverwaltungm mit Genehmigung der Landesaufsichtsbdhörde dm dop­pelten Betrag des Preises erheben können, der den Fahrkarten aufgedruckt ist. Auf den Stationen, wo dieses Verfahren Platz greift, ist durch Schalter- aushang darauf hinzuwctsen. Die Verdoppelung erftredt sich auf die Sätze für Gepäck und Expreß­gut sowie für die anderen Nebeng:bühvm, Die Wochenkarten, die Fahrpreise für Wanberarbtider, der feste Zuschlag für die Benutzung von Güter­zügen, der von 6 auf 12 Mk. erhöht wird usw. Die Erhöhung der Preise ist damit endgilttg. Eine Ausnahme macht lediglich der Stadt-, Ring- und Vorortverkehr von Berlin sowie der Stadt- und Vorortverkehr von Hamburg und Altona.

Veranstaltungen.

T i e n s t a g, 24. Febr. Deutsche demokrattsche Partei, 8 Uhr, Aquarium, Mitgliederabend. Frauen- und Mäunerveremigung der Matthäus- Gemeinde, 8 Uhr, Markussaal, Psalmen-Vvrlesun- gen. Lichtspielhaus,Ich klage an",Er muß aufs Land". Lichtspiele, Seltersweg,Tie Herrin der Welt", 4. Teil.

Für die Verdoppelung der Fahrpreise am 1. März ist jetzt das letzte Hindernis beseitigt. Es fehlt bekanntlich an Zeit, um die vorhandenen Fahrkarten bis da!hin mit einem Stempel aufdruck zu verselxm. An Zeit und an Pappe fehlt 's, um

** Der Naturheilverein hielt am Soamtag im Saale des Hotel Einhorn einen gut­besuchten Familienabend ab. Von den reichhaltigen Darbietungen verdienen neben einem flott gespielten TheaterstückTer Vetter aus Bremen", Volkslieder |

zur Laute, Deklamationen in Wetterauer Mundart, ein von acht Damen ausgeführter ReigenSchnee­glöckchens Erwachen" besondere Erwähnung. Auch die Schrammelmusik, gesanglichen Darbietungen, so wie die fonftigen musikalischen Einlagen fanden, reichen Beifall.

** Gibt es ein Fortleben nach dem Tode? Für seinen gestrigen Vortrag hatte sichHerr F. H. Kessemeier dieses Thema gewählt. Der großen! deutschen Seelennot zu fteuem und den vielen Trcuo- ernben Trost zu sprccl>en, bezeichnete der Redner als Zweck des Vortrags. Daneben rechnete er auch in wehrhafter Weise mit denen ab, die, um ein Ende des Seelenlebens mit dem Tode darzutun, so oft das Volk in leichtfertiger Weise über Zweifel bin* wegführten und Tatsachen als erwiesen hinstellten, die es nicht sind". Dem gegenüber betonte der Vor­tragende, daß kein einziges der bis jetzt anerlarmteit Naturgesetze gegen die Möglichkeit eines Daseins: nach dem To^ spräche, dafür aber zeuge gar viel, so das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, Gedächt­nis, Gewissen, Reue und Zeitsinn; mit Waffen der Logik und an Haiw von einleuchtenden Beispielen wurde das bis ins einzelne bargetan. Weitere Bürg­schaft dafür, daß der Mensch mehr sei, als ein Erdenkloß, böten die Uebcrtragung und Fernwir- fimg der Gedanken. Mit der Begründung hierfür wurden praktische Ratschläge verbunden, wie man durch reine Gedankentätigkeit nahestehenden Men* schen unmittelbar beistehen könne. Zugleich wurde daraus auch der Schluß gezogen, daß schon hier auf Erden ein Wirken ohne Organe des Körpers möglich sei. Die Reihe der vier Reiche von Gestei­nen, Pflanzen, Tieren und Menschen werde gefrönt von dem Geisterreich. Die Tätigkeit des Geister* reiches sei auch zugleich das Scyöpfungsziel: ein göttliches Geschlecht erstehen zu lassen. Um die Menschheit dahin zu führen, tue aber treuer, starker Glaube not, Zweifel und Verneinung dagegen brächten ein Sinken, wie die letzten Jahrzehnte foe* wiesen. Starker Eindruck auf die zahlreichen Zu* Hörer war unverkennbar.

Landkreis Gießen.

rt. Langsdorf, 22. Febr. Am 20. Febr. ist auf dem hiesigen Rathause die Gemeinde* waldjagd rn zwei Abteilungen verpachtet wor* deön. Die Gemeinde erzielte für die gesamte Wald­jagd 7140 Mk . Das Ergebnis steht in krassem Widerspruch zu dem Urteil des Sachverständigen, der die Jagd für Null erklärt 'batte. Die Feldiagd hatte der hiesige Wildschadenabwehrderrin schon vorher Ar 3000 Mk. gepachtet, so daß der Pacht- Preis für die Gesamtjagd 10140 Mk. beträgt, gegen 4040 Mk. bei der letzten Verpachtung. Päch­ter bei der Waldjagd sind Christian Wiesenbach und Erwin Stein, beide aus Frankfurt.

Kreis Büdingen.

Zl Ortenderg, 21. Febr. In tiefe Doppel* trattcr wurde in dieser Woche das 'hiesige gräfliche Haus Stiolberg-Rv ßla versetzt. Es starb am 16. Februar Herzog Johann Albrecht zu Mecklen­burg auf Schloß Wllligrad, der bekannte Präsident der deutschen Kolonialgesellschaft und seiner Zeit

toktekn sir mwemrffenen 'Beeilen zu beschaffen, da I neue Karten zu drucken. Die Eisenbcrhn-B'rk-hrs- Ät LL

dem einzelnen Landwirt.

Tic unterzeichnete Ortsgruppe ist gern bereit, gemeinsam dem Hess. Bauernbund die Ver­mittelung zwiscl-en der Stadtverwaltung und den Larrdwirten zu übernehmen und eine diesbezügliche Besprechung in die Wege zu leiten. Sie glaubt, baß durch solche Maßnahmen die Gegenlätze, die sich vielfach infolge der Zwcrugswirtsck)ast zwilchen Stadt und Land herausgebildet haben, wesentlich gemildert werden könnten. Auch dürfte eine Kar- tofselnvt, wie sie in diesem Winter in Erl cheinung getreten ist, dadurch ferngehalten werden.

Für den Vorstand der Ortsgruppe Gießen: gez. Kvhlhase, gez. Kling, 1. Virsitzender. 1. Schriftführer.

Oberbürgermeister Keller, dem diese Ein­gabe überreicht wurde, sagte eine wohlwollende Prüfung dieser Vorschläge zu.

Heimkehrer.

Heute mittag um 2.53 Uhr treffen wieder 1000 hrirnkehrende Kriegsgefangene hier ein.

Der gestern abend vorn Ernpfangsaus- schuß für Heimkehr ende Kriegsgefangene veran­staltete Begrüßungsabend war ausgezeichnet durch Die Anwesenheit des Freiherrn v. 2er $ ne r, eines Verwandten des deutschen Geschäftsträgers in Paris, Mitbegründer des Volksbundes zum Schlitze der deutschen Kriegsgefangenen und tätiger Vor­kämpfer in der Frage der Gefangenenheimkehr. Die Durchführung des Abends stand unter der be­währten Leitung von Herrn Dr. Schneider. Tic Hauptansprache wurde von Freiherrn von Lersner gehalten, der den Heimkehrern m einer mit ^großem Beifall aufgenommenen Rede einen Ueberblick über die Not der Verhältnisse in Deutsch­land bot und ihnen zeigte, was die Heimat von ihnen erwarte. Neben der Lagerkapelle hatte sich der GesangvereinEintracht"-Klein-Luweu ein* gefunden, der unter der Leitung seines Dirigenten Herrn Burger verschiedene Lieder vortrug. Fräu­lein Hochstetter erfreute die Heimkehrer durch eine Reihe gut vorgetragener Deklamationen. Den all­gemein warm aufgenommenen Abend schloß Dr. Schneider mit einer Ansprache, in der er besonders die in den Abstimmungsbezirken wohnenden Heim­kehrer auf forderte ihren ganzen Einstuß aufzu- bieten, um diese Gebiete Deutschland zu erhalten.

Veranlagung zur Kriegsabgabe vom Bermögenüzuwachs.

Zur Aufklärung der weitverbreiteten Zw:i- fel, die über die Verpflichtung zur Einreichung der Steuererklärung über die Veranlagung zur Kriegsabgabe vom VermögeuSzu wachs und über die Art und Weise der Ausfüllung des For­mulars entstanden sind, wird amtlich bekanntge­geben: 1. Jeder, dem ein Stm-ererllärimgsformu* lar zu gesandt wnvde, ist zur Abgabe der Steuer* erflänmg verpflichtet. Erreicht der Vermögens­zuwachs nicht die ubgabepstichttge Höhe, so wird die Veranlagung zur KriegSabgabe nicht vorgenom­men. Dessenungeachtet ist aber die Steuererklärung abzugeben, wenn das Finanzamt hierzu auffordert. 2. Die in der Anlage zur Steuererklärung unter 1 und 2 vorgesehene Angabe der Wertpapiere tm einzelnen erübrigt sich nur, wenn ein von bi Dank ausgestelltes Verzeichnis vorgetegt wird, b. h. das De po tver zei chnis ist entweder di Steuererllärimg beizufügen ober abi der Abgabe­pflichtige muß Position 1 und 2 im einzelnen anS- füllen. 3. Die Anlage zur Steuererklärung wurd: teilweise als Anlage zu Muster 2 bezeichnet. Dies erllärt sich daraus, daß in den Ausführungsbe­stimmungen zum Gesetz über die Kriegsabgab: vom Der Mögenszuwachs die © teuerer Härung als Muster 2 bezeichnet wurde. Für die Abgabchflich- tigen ist die BezeichnungAnlage zu Muster 2" ohne Bedeutung. 4. Unter 3b und d des Formulars ist der sogenannte Dreimvna tsa b z u g vor­gesehen. Hier wurde zweisrkhast, ob die Steuer­pflichtigen trotz dieses Vordrucks nicht nur den Trei* monatsbedarf, sondern den Unterhalt für 6 Monate abzuziehen berechtigt sind. Dies ist zu verneinen, denn das Gesetz läßt einen Abzug nur für drei Monate zu, und auch diesen nur unter gewissen Voraussetzungen. Wenn nach der zum Kriegsrb- gabengesetz erlassenen Dollzugsanwnsung em Ab­zug für' sechs Monate zugelassen raerben kann, so soll damit den Steuerpstichttgen teinesw.'gs das Recht eingeräumt werden, tn allen Fäll:n einen solchen Abzug zu verlangen. Die Ffti^mzämter wurden vom Reichsftnanzministerium vielmehr nur in ganz besonderen Fällen ermächtigt, nämlich bann, roercn die Versagung eines Sechsmonats-

Gietzener Ztadttheater.

Gießen, 24. F^ruar 1920.

Die spanische Fliege.

Schwank von Arnold und Bach.

Am Sonntag abenb wurdeDie spanische Fliege" in wähl gelungener Neueinstudstrung ge­spielt. Die Lachsalveii, von denen die Kvaftstellm des Schwankes begleitet waren, spr:chen am besten für seine mitreißende Komik. Voraussetzung für diese durchschlagende Wirkung der spcmischeii Fli'g: ist nur, daß auch bei den Darstellern Beine Erd rn- schwere die übermütige Laime hemmt. Und dv: Schauspieler brachten die echte Stimmung mit >aus die Bühne. DaS bewiesen sie damit, nn: sie die komischen Situationen unterstrichen, ausarbeuet'n und in drasttscher Weise ganz im Charakter des Schwankes mit mimifdjen Zutaten versal-en. Men voran Rudolf Goll, dessen Spielleitung das stotte Tempo zu bauten ist und der als vollblütiger, starkgewürztei Mostrichfab'ikant tobte unb lackte und dazwischen auch mehr zum Schutte lerner Be- haglich^-it als aus Furcht vor seiner moraldurch-' setzten stärkeren El>ehälste in überzeugender Weise von Auguste Marcks gebracht die Flucht ergisf. Ein würdiger Liebes- und Leidnsgenosse stand ihm in Karl Volck als Alois Wimmer für Seite,Ei du griene Reine," was hat doch d?r ächsische Assyriologe all für Berroicklurigen und Verwirrungen ungerichtet, da er sich au* Bure dm seiner Mama auf Freiers üße wagte' Man i'ätt* den Weltenfernen fast bemitt 'ibet wenn ihn Richarc Hellborn nicht mit so lebendigvT, trockenKo­mik versehen hätte Dazwischen tolsieu bi -

Figürchen der Damen Winner und Rupp­recht, die so gern hinter dem Rücken Der Eltern sich vom Mann« ihrer Wahl einsangen ließen Als stets triumphierender .Herzerob.'rer, dem jedes Mittel zum Siege willkommen, belusttgte Oskar Feigel; etwas mehr Haltung hätte allerdings die Persönlichkeit eines Rechtsanwalts wohl l'b:ns- echter gestaltet, ohne der Bühnenwirkung Abtrag in tun. Die guten braven Eltern aus dem Sachsen- lande, bargestellt von Hermaimi Stichel und Luise Rammel, zeigten unbeirrbar, wie Stttm- stteiig« in ihrer Heimat noch ivohnen. ?lls gründ­licher, mit Form und korrekt« Abwickelung bedach­ter ReichstagSabgeord^ceter reibt: sich Harry Nor­bert ein. Mit Leichenbittermien: nahm Wil- belm Ko ch die Sünden der Väter auf ftch. Hiloe- gard Schuft Herr bot mit Recht das ivvhl- gcschulte, flinke Stubenmädchen des Lustspiels und keine Wirtschafterin, wie das Programm besagt

R.

Die Verschwörung des Fiesko.

Republikanisches Trauerspiel von Schiller.

Tie gestrige Aufsülirimg von Schillers Ftesko erreichte nicht ganz die darstellerische Höhe der vorangegangenen Klassikerabende, da sich nur in den wenigen Haiiptrollen wirttiches Mitcrlebcn der Tichtung bemerken ließ. Mag sein, daß das wohl schwächste Bühnenwerk des jungen Schiller mit seiner vielfach rein äußerlichen Thcatralik den Schauspieler von heute nicht mehr anrmzt I auch den Zuhörern fiel es sichtlich schwer, über die äußeren Geschehnisse hinaus, 'ich ovn dem inneren

I Otehalte üt*3 9!k'rfes erfassen zu lassen, so bietet I ei ' och Ausgal^n genug, bei denen ein Schauspieler

sein Können erweisen kann. So die Rolle des Mohren Muley Hassan, die aus einem drama­rischen Behilssmittel, das die Fäden zwischen Jn- triguc und Gegenintrigue spinnen muß, sich zu einer der wichtigsten und interessantesten Figuren des ganzen Trauerspieles ausgewachsen hat. Ihre Bedeutung wurde von Adolf Teleky voll er­kannt. Er vermochte es, diesem Teufelskerl alle Eigenschaften mit auf den Weg zu geben, die fein Wesen verständlich machen, und ermöglichte damit eine Charakterstudie, die überzeugend und originell zugleich war. Auch der Fiesw, den Haus Eisolt darstellte, muß als schöne, einheitliche Leistung bezeichnet werden, die verschiedentlich, wie bei dem Monolog vor dem schlafenden Genua, ins Große zielte. Tie übrigen mamtlichen Dar­steller blieben bereits hiergegen zurück. Berrina, von Harry Noeberl verkörpert, war gut auf-» g«fa&t, besonders nt der Szene mit seiner Tochter (Sera Bondziej, die in idrer Erscheinung glück­lich wirkte), ließ aber sonst den Gefühlskern ver­missen. Oskar Feigels Gianetttno wußte nicht recht die Natur eines Renaissance Helden zu finden, wohingegen Karl Volck dem greifen Togen An­dreas Doria voll gerecht wurde.

Von den Tarnen trat Hildegard Imhof dies­mal wieder bedeutsamer hervor und wußte der Jmperiali überraschendes Leben zu verleihen Friedel T ö r r versuchte das blasse Schemen Lev- nore mit Blut zu begaben, jedoch ohne sonder­lichen Erfolg.

Tie Bühneneinrichttmg sowie di« Spiellettung Aeugrn wiederum btt bewährte Hand von Hoftat

Wer wird knochen kran k durch Unterernährung. Heilmittel. Heber Knochenerkvankungen infolge von Unterernährung enthält lehrreiche Angaben em Merkblatt für Aerzte, das der pveußischc Minister für BolkS- wvhlfa'hrl jetzt verteilen läßt. Es ist unter 9Jhfc Wirkung maßgebender Kliniker und EmährwigS' Physiologen im Ministerium ausgestellt worden. Erkrankungen treten als Rachitis, Spätrachitis, Osteopsathyrvsis oder Osteomalorie in einem Um* fange und einer Schwere auf, wie ft: in Deutschland bibber nicht vor kamen. Heim gesucht ist vor allem das Säuglings- und Kleinkindesalter, ohne Unter­schied des Geschlechts, und bee Altersklass-: der Jugendlichen vom 14. bis 19. Lebensjahr, beson­ders die männlichen. Die Schulkiuder hatten tush'r wenig darunter ztt leiden. Bon älteren Personm werden ^hauptsächlich Fvaueii, und zwar befonders ältere Schnxmgere oder frisch Entbundene, bMl- len. Erkrankungen vor dem 40. Lebensjahr sind bei den Erwachsenen selten. Di: Krankheit zeigt sich hauptsächlich in den Großstädten und beson* ders den Industriezentren. Es erkvankm hab« hauptsächlich Schlosser-, Schmiede-, Dreher-, Bäcker-, Tischler-, Haarschnride-, GlaÄnacherlehr- linge, sowie Jugendliche in Hütten* imb Maschinen­betrieben, von älteren Frauei« z. B. auch solch', die den ganzen Tag hinter dem Ladentisch st chen. Als Heilmittel empfohlen wird Lebertran, frische Luft, Sonne, künstliche Höl)ensonne, Bett» nrtx, bessere Kost, insbesondere mehr Eiweiß, Milch und Fett, das Rezept Josephs H.