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Nr. <97

Der O i eh en er Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, verug, preise.

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Erster Blatt

170. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und bteinöruckerei R. Lange. 5chriftlettnng, GeschaftssteAe und Druckerei: 5chulftra^e 7.

Vorschrift 20 , Aufsätlag. Sauptfchristlerter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr Reinhold Jenz; für den Anzeigenteil: H. Derb, sämtlich in Gießen

Montag, 25. August 1920 Annahme von Anze,ar» für die Tagesnummer bi» a a zum Nachmittag vorher jCTa ohne jede Verbindlichkeit.

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DerZufall" von Luzern.

Von besonderer, in diplomatische Vor­gänge eingeweihter Seite wird uns geschrie­ben: Man kann der deutschen Oessentlichkeit nur raten, sich jetzt nicht durch Havasdepescben und Reutertelegramme beirren zu lassen, auch wenn sie aus oem harmlosen Teller des Wolffi­bureaus serviert weroen. Besonders die Pa­riser Meldungen werden sich alle Mühe geben, die Bedeutung der Luzerner Zusammenkunft zu verwischen. Es sieht wie ein Zufall aus und es ist vielleicht auch Zufall, daß die drei maßgebenden Staatsmänner Englands, Deutschlands und Italiens in Luzern auf ihrer Urlaubsreise Zusammentreffen. Von Lloyd George und Giolitti wird man nicht sagen, daß sie dem Zufall nachgeholfen haben. Aber von Dr. Simons? Als der deutsche Außenminister sich in den Tagen größter Spannung zu einer Schweizer Reise entschloß, schüttelte mancher den Kops. Nun ist wohl des Rätsels Lösung offenbar. Und man täte jetzt den« deutschen Staatsmann sehr unrecht, wollte man ihm den Vorwurf machen, er laufe denSiegern" angesichts der sehr wenig ent- gogenkomiffenden Behandlung in Spaa all­zuweit nach. Deutschland befindet sich zur Zeit infolge der Ereignisse im Saargebiet und in Oberschlesien in derart schwieriger Lage, daß man es dem Leiter der auswärtigen Ange­legenheiten nicht übel nehmen kann, wenn er jeden diplomatischen Vorteil wahrzunehmen bestrebt ist. Fast inöchte man bedauern, daß seit Spaa im Verhältnis Frankreichs zu 6ng= land dec Wrangel-Konflikt dazwischen gekom­men ist. Denn Lloyd George, den seine tak­tische Klugheit auch in der Luzerner Ferien­luft nicht verläßt, wird bemüht sein, den Riß in der Entente nicht durch allzu große Deutsch- freundlichkeit zu vergrößern. Er wird kühle Zurückhaltung markieren auch da, wo er unter anderen Umständen den deutschen Wünschen schon die Hand gereicht hätte. Trotzdem wird die Zusammenkunft, wenn sie wirklich statt­findet, und es ist wohl kein Zweifel mehr daran, dem deutschen Minister Gelegenheit bieten, den furchtbaren Druck, unter dem Deutschland jetzt steht, durch Aufklärung und Verhandlung zu lindern. Wichtig ist auch die Anwesenheit Giolittis in Luzern. Graf Sforza hat in Spaa Deutschland gegenüber nicht mehr als eine wohlwollende Neutralität gezeigt. Ec konnte nicht anders, weil er seinen Marschweg vorgezeichnet hatte. Ihn hinderte die Instruktion und das Gefühl, daß zu Hause noch nicht alles in Ordnung und er nicht Gio­litti war. Nun kommt der Meister selbst, der im Ansehen größter Deutschfreundlichkeit steht, zum ersten Male wieder seit dem Weltkriege mit der deutschen Politik in persönliche Be­rührung, und schon der Umstand, daß Giolitti zunächst mit Lloyd George Unterredungen hat, ist für die deutsche Sache von Bedeutung. Lloyd George wird in Luzern auch eine Zu­sammenkunft mit dem E m i r F a i s a l haben. Faisal, der entthronte König von Syrien, hat vor einem Monat, als er das Ultimatum des französischen Generals Gouraud annehmen mußte, einen Protest bei den Mächten oer Friedenskonferenz eingelegt. Er appellierte an die ganze zivilisierte Welt, verlangteGe­rechtigkeit, Schutz und Hilfe für ein so un­gerecht verratenes Volk". Jedes Wort dieses Protestes ließe sich auch auf Deutschland an­wenden. Faisals Vater Hussein, der König de. Hchschas, hat sich dem Protest ange- schlvssen. Ec war Mitglied der Pariser Frie­denskonferenz und ist Unterzeichner des Ver­sailler Pertrages. Während der Konferenz war sein Sohn Faisal als sein Vertreter in Paris gewesen. Hussein schied aus der Kon­ferenz aus und berief seine Abgesandten aus Varis. Glühenoer Haß ist an die Stelle der französischen Freundschaft getreten. Wenn letzt Faisal mit Lloyd George unter vier Augen verhandelt, werden die französischen Blatter wieder behaupten, daß der britische Bundesgenosse eine Politik mit doppeltem Bo­den betreibe.

Giolitti und Lloyd George.

. Luzern, 22. Aug. (Wolff.) Giolitti ist Ottern abend in Luzern cingetrosfeu und wurde Lloyd George emp augeir.

Luzern, 22. Aug. ^WTV.) Eine Persön- 'lwke-.' dn3 der Umgebung des italienisck^en Mi- Msterprä ident-m Giolitti hat beut Vertreter bcr Schw.iz.ri schm Depeschenagentur so:gen '5 mrtgcteitt: Der wirllich herzlich: Empfang in Lu-ern hat d u Minst-r Präsidenten aus das Tiefste geröhrt. Tlgi:ich Giolitti der Einladung des eng» lychm Pr in'.ini-'ters ausschließlich für einen Neundichatt irf-en Besuch und per örtliches sleinten» to'i Ao'./ - leistete unb obwohl Fein bestimmtes Programm zur Diituifion stebt, ist es vom euilcdaß die beben Staatsmänner übe: ltt akru- tte.t Fragen, die gegenwärtig Europa bewegen, unterhalten werden, immerhin mrr Aip- allgemein n Ori.ntiernng und nicht im Dmne bestimmt r Besch üs Ditte Tatsache geht auch daraus hervor, daß Giolitti ohne größeres

Gefolge reift und nur von seinem Arzt und fernem politischen sowie seinem Prioatsekretär be­gleitet wird.

Luzern, 22. Aug. (WTB.) Nach Schluß der heutigen Besprechung zwischen dem englischen und italienischen 9Rtni .ertrrä;iibenten erfuhr der Vertreter der Schweizer schm Tepeschenagentur von englischer Seite: Heule fand in der Villa Hasltlprn die erste Unterredung zwischen Lloyd George und Giolitti statt. Tie Konferenz begann morgens um 10 Uhr und dauerte bis 12 Uhr 30 Minuten mittags. Nachmittags 3 U h r wurde sie fortgesetzt und war gegenb Uhrzu Ende. Tie russisch pvllrische, ine Adria- und andere euro­päische Fragen bildeten den Gegenstand der TiS- kussion. Tte Besprechung zwischen den beiden Staatsmännern fand in den Parkanlagen der Villa statt und ver ief freundschaftlich Es wurden feine definitive Beschlüsse gefaßt.

Luzern, 22. Aug. (WTB.) Schweizerische Tepeschenagentur. Von italienifajer Seite wird mitgeteilt, daß nach den bisherigen Dispositionen die Abreise G i o l t i t i s am Mttwoch erfolgen soll. Zu der Meldung eines Teiles der ausländi­schen Presse über eine geplante Zusammenkunst zwischen Giolittt und dem beutfefjen Minister des Aeußern Tr. Simons wird italieuischrseits er­klärt, daß von dem Plan einer solchen Zusammen­kunft nichts bekannt ist.

Luzern, 22. Aug. (WTB.) Ter Sonder­berichterstatter der Schweize ischen Tepeschenagen­tur meldet: In der Unterredung von heute nach­mittag wurden alle schwebenden Fragen erörtert. ZwUctM fr eiben Staatsmännern wurde völlige Uebereinstimmung erzielt. Morgen ist Gio­litti bei Lloyd George zum Frühstück eingeladen.

Rom, 23. Aug. (WTB.) TieAgenzia Stefani" meldet über das Zusammentreffen Gio­littis und Lloyd Georges in Luzern, daß sich bte beiden Ministerpräsidenten wie alte Freunde begrüßten. Tie beiben S-aatsmänrer hatten im HotelNational^ eine längere Unterredung, die sich außerordentlich herzlich gestaliete. Gvo- littt wird mrndeftenS bis zum Dienstag in Luzern bleiben.

Luzern, 22. Aug. (MTB.) Der Sonder­berichterstatter der Schweizerischen Deveschenagen- tur erfährt über die Zusammenkunft zwischen Lloyd (George und Giolttti folgende Einzelheiten: Die beiden Staatsmänner bedienten sich bn den offi* ziellen Unterredungen zweier Dolmetscher, der Herren Dr. Mattoli und Sir Maurice Hankey. Uiebcr den Verlauf der Unterredung waren sie sehr befriedigt. Am Schlüsse wechselten sie unmittelbar Innige Worte miteinander, Lloyd George in ita­lienischer, Giolittt in englischer Sprache. Morgen soll ein offizielles Communigus über den Verlauf der Besprechungen veröffentlicht werden.

Eiu Komplott gegen Lloyd George?

Paris, 21. Aug. (WTB.) TerDaily Ex­preß" verbreitet, wie dem .Lntransigeant" aus London berichtet wird, eine Nachricht aus Luzern, man habe in Genf ein bolschewistisches Komplott gegen dos Leben Lloyd Ge­orges entdeckt. Tie schweizerische Polizei habe Siä;erheitsmaßvegeln ergriffen.

Ein Dementis

Berlin, 21. Aug. (Wolff.) Tie Meldungen über das Zusammentreffen des Ministers des Aet'.ßern Tr. Simons mit Lloyd George und Giolitti in der Schivei- werden von zu­ständiger Seite als unrichtig bezeichnet.

Ein Besuch Giolittis in Bern

Luzern, 22. Aug. (WB.f Schweizerische Tepesä-enagcntur. Bundespräsireitt Motta hat durch den italienischen Gesandten in Bern den lebhaften Wunsch geäußert, nrit Giolittt zusam- mentreffen zu können, bevor dieser die Schweiz DedäRt. Giolittt hat diesen Wunsch mit größtem Vergnügen ausgenommen. Er wird auf der Rück­reise über Bern fahren. Auf dem Bahnhof in Bern wird eine Begegnung zwischen den beiden Staatsmännern stattfinden.

Der Aktionsrat in England.

Amsterdam, 21. Aug. (Wolff.) TerTc- legraaf" meldet, daß in Groß-London ein Aktionsrat gebildet worden ist. Heute sollen große ^Kundgebungen für Rußland ftattfinben.

BöltcrbundStazung.

Washington, 21. Aug. (WTB.) Havas. Präftdcttt Wilson har die Versammlung des Völkerbundes auf den 15. November dn= berufen. Die Tagung finbet wahrscheinlich in Genf statt.

Die Sozialisten in Amerika.

N e u y o r k, 22. Aug. (WTB.) Reuter. Die sozialistische Parier von Amerika sprach sich durch Referendum unter gewissen Vor­behalten für die dritte Internationale aus. Durch eine weitere Abstimmung sprach sich die Partei jedoch gegen jede Diktatur des Proletariats, itrie sie jetzt in Rußland ausgeübt werde, aus.

Der russisch-polinsche Krieg.

Kopenhagen, 21. Aug. (WTB.) Wie Berlingske Tidende" aus Warschau telegraphiert wird, hielt gestern der Verteidigungsrat eine lange Gehenasitzung ab. Mari chall Pil- s u d s k i wohnte der Sitarng bei, der man im allgemeinen große Bedeutung beimißr. Von den Fronten wird gemeLet, daß leichte Arttllerie und

Autvmobilabteilungen den Russen schwere Verluste beibrachten. Die Artillerie folgte den polnischen Stoßtrupps auf den Fersen und überschüttete die flüchtenden Truppen mit einem vernichtenden Schnellfeuer. Tie Bettchte heben das Verhalten der französischen Offiziere hervor, die in den ersten Reihen kämpften, um die Truppen durch ihr Beispiel anzufeuern. Dieses Beispiel wirkte auf die polnischen Offiziere ansteckend, aller­dings mit dem Ergebnis, daß viele gefallen sind, was umsomehr ins Gewicht fällt, als die Polen nur über verhältnismäßig wenig Offtziere ver­fügen.

Königsberg, 21. Aug. (WTB. Sol bau nurbc 'heute früh von den Polen besetzt. Ihre Potwuilleu 'haben bereits Illowo erreicht. Ter Rückzug der nördlichen Teile des russischen Nordflügels über Mftuva ist i n O r d n u n g erfolgt. Ietoch erschien noch stärkere Kavallerie- abtcilungen nördlich von Ciechmow im Rückmarsch zu sein. Nördlich von C ieckia.no w und westlich von Pultusk waren nur geringe Fortschritte des pol- nifcben Offensivstvßes zu verzeichnen. Tie über Wyschlow vvrgehende erste Armee kämpfte südwest­lich von Ostvow. Tas polnische Zentrum erreichte auf der ganzen Linie den Bug. Oeftlich von E ho l m unb bei Hrubieczvw verstärkten sich die bolschewistischen Angriffe. Hott ösllich und nördlich von Lemberg wird gekämpft.

K ö n i g s b e r g, 23. Aug. (WTB.) Lage­bericht: Die Polen haben Mlawa und die Gegend nördlich von Trzasmysz und südlich von Oftrolenka erreicht. In dem Grenz­abschnitt Janow Flammberg fanden gestern und heute andauernd Ueberschreitun- gen von Teilen oer 4. bolschewistischen Armee statt. Bisher wurden 1500 Mann ent­waffnet. Das polnische Zentrum nähert sich der Eisenbahn OstrolenlaBialistok. Im Vormarsch auf Bialistok überschritten die pol­nischen Truppen den Narew bei Bransk und südwestlich von Bielsk. Bolschewistische An­griffe aus Brest-Litowsk und bei Grubenschow wurden abgewiesen. Grubenschow wurde ge­nommen. Der bolschewistische Vormarsch auf Lemberg erreichte die Gegend östlich und süd­östlich der Stadt.

Paris, 21. Aug. (Wolff.) Havas. Der Daily Ehwnicle" will wissen, baß das rufst- s ch e Heer von einer Panik ergriffen fei. Dem Journal "zufolge hat ein alliierter Offizier, der von der Fvvirt zurückgekehrt ist, erklärt, daß bte russischen Geschütze in den Wäldern zurückgelassen wurden: die Bedienu-igsmamtsckiastm eien bemo ralifiert und machten feinen Versuch, sie zu retten. DieTimeS" meldet, daß bei Brest-Liwwsk 10 000 Gefangene gezählt worden seien, ferner 30 Ge­schütze und 350 Masckstneng-wehr e. Der Korre­spondent desMattn" berichtet Don der polni­schen Front, daß Nowo-Minsk von den Russen geplündert worden sei, bevor es bte Polen hätten erreichen können. Nach derTimes" war Brest- Litowsk, nachdem, es bte sftussen verlassen hätten, in den Händen einer Sürger)ve^r, die die An­kunft der polnisck^n Reiterei erroartete. 'DieTi­mes" behauptet, daß Trotzki in Postken an der ostpreußischen Grenze an gekommen sei.

Der russische Bericht.

Moskau, 22. Aug. (WTB.) Twrch Funk- spruch. Operationsbericht der russischen Sowjetrepu­blik vom 20. August. Im Abschnitt Plonsk unb Cichanow dauern die hartnäckigen Kämpe an. Zm Abschnitt Warschau kämpfen unsere Truppen west­lich der Linie Wyskow-Stamslawow. Iw Abschnitt Brest-Litowsk find Kämpfe westlich des Bug im Gange. Abschnitt Lemberg: Unsere Truppen entwickeln ihren Vormarsch und 'haben nach der Besetzung des Fleckens Glimjony kämpfend die Linie der Ortschaften ösllich und südöstlich von Lemberg erreicht. Wir machten 300 Gefangene und erbeuteten 20 Geschütze In den Abschnitten von Tarnopol und Buczaez hab.' nimfere Truppen den St r y pa- fluß überschritten unb gehen kämpfend in westlicher Richtung vor An der Krimfront besetzten unsere Truppen im Abschnitt von Oreschow nach barmäckigen Kämpfen die Station der Ortschaft Wassiljewka und erbeuteten einen Zug mit Ber- Estärtungen. An der Kaukasusfront an der Küste des Asowschen Meeres landeten feindliche Truppen bei der ©iebütng Achtyrskaja. Unsere Trtuwen, die ihnen entgegen gesandt wurden, haben den Kampf ausgenommen.

Die Taktik der Russen.

Moskau, 22. Aug. (WTB.) In einer 'Kundgebung der Regierung heißt es: Die Niederlage der Polen veranlaßt die Franzosen, General Wrangel als HauptstoßLaft gegen die Räterepublik vorMschieben. Aus diesem Grunde hat die Wrangelfrom gegenwärtig eine große Be­deutung bekommen. General Wränget, der sich hauptsächlich «ul'Kubanreiterei und denikinsche In- KmMnc stützt, versucht von der Krim aus in das Ton- und Stüban gebiet einzudringen und rechte auf die Hille der ukraürchchen Großbauern. Er stellt die Räierepitblik vor die Möglichkeit des Verlustes der Tou-Kvhle, des Kvrns aus dem Kitbangebiel und des Napchta? ans Baku. Tas würde für unsere Wirt- schal unschätzbares Elend zur Folge haben. Ter Kamps.gegen Wrangel wird zu einer der wichtigsten Aufgaben der Räte­republik. Diese muß die. Wrangessvont mit Streitkräften aus der Etappe der Armee vernich­ten, ohne im geringften die polnische Front zu schwächen. Tic ©Übung besonderer freiwilliger Kavallerieabteilungen zur Grgänymg der Roten

Armee, die Abkommandierung der besten Arbefter durch hie Partei, die Durchführung von 'M nahmen, die unsere Südarmee stärken können, die Hebung der Produttiou uns bte Wahrung der Disziplin unb revolutionären Ordnung, das sind die allgemeinen Ausgaben der Arbetter imt Bauern int Zusammenhänge mit dem Stnnwfe an der Wrangrljront.

Millerandö Politik.

Paris, 22. Aug. (WTB.) Havas. Die Zeitungen melden, daß sich M i l l e r a n b so­fort nach seiner Rückkehr aus den befreiten Gebieten nach dem Quai d'Orsay begab, wo er unmittelbar darauf den englischen Botschaf- Lord Derby empfing sowie den militäri­schen Sekretär der Republik. Dann kehrte er nack) Versailles zurück.

Paris, 22. Aug. (WTB.) Der bri­tische Botschafter in Paris, Lord Derby hat heute morgen Paris verlassen, um sich nach London zu begeben.

Spaltung der fozialisttschen Partei Frank­reichs?

Paris, 23. Aug. (WTB.) Nach demJour­nal" ist eine Spaltung der sozialistischen Partei Frankreichs wahrscheinl'ch. Die Ursache ist zweifel­los die Frage des Beitttrts zur 3. Internationale, die jetzt nach Rückkehr der Delegation aus Moskau gelöst werden soll.

Frankreichs Stimmungsmache in Amerika.

Haag, 21. Aug. (WTB.) DieTimes" meldet aus Washington, daß man dort nach der ersten Genugtuung über den herz­lichen Ton der Note Millerands zu der Ein­sicht kommt, daß die außerordentliche Freund­schaftlichkeit noch keine Uebereinstimmung in der Politik bedeute. Wilsons Blatt N e u y o r k W o r l d" stellt fest, daß die Ant­wort ganz und gar nicht mit den Ansichten übereinstimmt, die die Vereinigten Staaten verkündet haben. Man ist wohl darin einig, die Bolschewisten nicht anzuerkennen. Im übrigen aber gehen die Ansichten wegen der gegen Rußland'zu verfolgenden Politik und dec Anerkennung Wrangels sehr auseinander. DerRepublican" meint, der Zweck der fran­zösischen Note sei gewesen, die Vereinigten Staaten an die Seite Frankreichs zu ziehen. Dies sei indessen nicht möglich, ehe Frankreich seine Haltung ändere, die Integrität Ruß­lands anerkenne, Polen nicht mehr für seine militärischen Operationen gegen Rußland be­nutze und darauf verzichte, Wrangel mili­tärisch zu unterstützen. Tatsächlich neigt die Stimmung der öffentlichen Meinung mehr zur Politik Lloyd Georges.

Aegypten die Unabhängigkeit wiedergegeben?

Paris, 23. Aug. (WTB.) Nach einer Mel­dung desMalin" aus London soll sich die eng* lisch? Regierung entschlossen Ijaben, Aegypten die Unabhängigkeit zurückzugebot. Das Protektorat, das am 18. September 1914 erklärt worden ist und das durch den Friedensvertrag von Versailles anerkannt wurde, soll wieder aus gehoben roerben., Aegypten wird bas Recht haben, sich selbständig im Auslände durch diplomatische Vertreter ver­treten zu lassen und dem Völkerbund beizu­treten. Das englische Besatzungsheer wttd znrück- gesogen, wähtxnd in Suez einige Truppen zum ESchutze des Kanals bleiben.

Die Herstellung der Ruhe in Oberschiesten.

Kattowi tz, 21. Aug. (Wolff.) Bis Mitter­nacht Ivar alles ruhig und der normale Zustand dürfte baEo wieder hergestellt sein. Tie Besatzungs­truppen sind vvllliommen Herr der Lage. Ter Landkreis Kattowitz befindet sich baaegot vvllSommen in den Händen der Insur­genten, die heute thr Unwesen auf den Kreis Ple ß ausdehiten. Hier wurde der Ort Anhalt angezündet. Imittn und Berum sind bedroht. Tie Bevölkerung ftüchtet. 9üt einzelnen Orten flam es zu schweren und verlusttttchen Kaulpfen «vischcn bet Sicherheitspolizei unb den Aufständischen. In Boguffchütz, Laurahutte und Mhslowitz, wo die £)unbert)d-aft entwaffnet und geiangengenrnnmen mutte, unterlag die Sicherhei sivetzr, weil an Zahl und Bewaffnung die Polen überlegen sind. Tas Auftreten regulären polnischen Militärs schevtt fest- zuistrhm. Der Bela gernngs» ustand tft über Kattowiy-Land ausgedehnt worden, dürfte aber and) über den Kreis Pleß »erbangt werden. Der Bahn- und Pvswerkehr ist im Auffbandsgebiet un- terbnxben. Die Streikbewegung der polnischen 23er gar beiter dehnt sich aus und war bis geltern (ibenl) bis m bte östlichen Grenzreviere bei Hin­denburg rorgebrungen Die Nvtitandsarbellen werden, so wett Meloungen vorliegen, verrichtet. In Beuthen unb Gleiwitz und in ganz Oberschlelien westlich von Pleß ist alles txftltommen ruhig.

Beuthen, 21. Aug Wolff.) 10 Ubr vornr In Deutsch-Piekal und Scharley treten BerannQe auf. Es kam zu kleinen Schießeveum. Auch in Hoherlinde treiben sich Bewaffnete herum, ^onjt herrscht im Bezirk Beuthen Rlche. In Lchoppmitz bllden sich bewaffnete Banden, bte anscheinend am Kattowitz marschieren. Die fran^östschep