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m 2. Oktober 1919 it wir die Säumigen s Berichts, daß die

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Swillingrrund druck u. Verlag: vruhl'sche Unio.-Vuch- u. Ztemdruckerei R.Lange. Schristleitung. Geschästritelle u. Druckerei: Zchulftt. 7.

Oberst Renner-Hs

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Ter «iete«er Uezetge, erschein 1 laglid), onber So>m und FeierlagS.

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popschectlouto:

Srentturt a. M. U686

bewußt für das Ganze arbeitender Teil des klungen, in denen die fülmmden Männer der

* Sfammerfranion sprechen inert en. Es handelt sich

um einen Protest gegen die zunehmende Gegenrevolution in der Welt ^*tb auch um einen Einspruch gegen das Aorgcl>en ixr deut­schen Regierung gegen die unadhängig.m Mani- sestanten vor dem Reidrstagsgebäude. Es mird auch gegen die unwir sche Regierlmg prod:slrert ror.tben und gegen Ämetika, dc^ Sozialisten und Gewerkschustler deportierte.

hn..ai#uie von Anzeigen s. die Lage-sinnnnler fi4 jum SRndimittoq vorher ohne jed. Verbindlichkeit. Dreis für l mm höht lüt Anzeigen o.34mm freit« drill n 25 L't. auswärts 80 Pi.; für Reklame- A«zeigen von 70 mm vrene SO Bf. Bei Platz. Doridinii20e/ Abschlag. Hauvtschri tleuer: Ang. Goeg. VerantivoNlich fiu Polit k: iliifl. Goeq; für den übriacnlfil: Dr- Reinhold Zenz, für den Anzeigenieü: V. Beck, sämtlich »n Sieben.

Französische Treiberei gegen den deutschen Einheitsstaat.

P a r i s. 22 .Jan. (Wolff.) Qavas. Tas ,,P e - titIourna 1" glaubt, daß die Anwesenheit des deutschen Geschäftsträgers Mayer in Paris in Deiner Weise zulasse, daraus Schlußfolgerungen über die besondere Vertretung Bayerns in Paris und die französische Vertretung in Mün­chen zu ziehen. Bekanntlich hatte Frankreich vor dem Kriege als Vertreter in München einen bevoll­mächtigten Minister, während Bayern durch einen Gesandten vertreten war. Das Blatt schreibt :Wir werden aus keines der Vorrechte verzichten, die früher anerkannt waren. Die Frage der Vertreter der Entente in den deutschen Einzel! ändern ist eine von jenen, die unter den Alliierten noch zu re­geln sein werden. Jedenfalls kann keine Rede datwn lein, daß der deutsche Geschäftsträger Mayer zur Zeit auch die Interessen Bayerns vertritt."

Der Setttrumsparttitag.

Berlin. 22 Jan. (WB.) In der Schluß.- sitzvng des Zentrumsparteitages wurde ixr Ab­geordnete Trimbvrn zum ersten 8Zo rsitzen­den der Zentrumspartei gewählt.

Eftistimmig gelangte eine Reihe von Resolu­tionen zur Annahme. Unter llbhastnn Beifall er­klärte der Parteitag ausdrücklich sein Einverständ­nis mit der Beteiligung des Zentrums an der Koalitionsregierung und sprach der Frak­tion der Nationalversammlung sein volles Ver­trauen aus. c. _

Ferner richtete der Parteitag an btt Reichs- regierung die dringende Aufforderung, den inne­ren Ausbau des Reiches auf lands­mannschaftlicher Grundlage so bald xüu möglich vorzunehmen, wobei unter Zugrundelegung der Verfassung von Weimar gleichberechtigte und möglichst gleichwertige Länder gebildet werden sol­len. Soweit auf Grund des Artik ls 18 der Wllle zur Schaffung jener Länder geäußert werde, sollen solche auf der Grundlage tunlichster landsmarm- schaftlicher Zugehörigkeit und im Sinne der schastlick und kulturellen Höchstleistung des Volkes geschaffen werden. Für die nötige Dezentralisatwn soll durch Ausbau der berufsständigen Wirtschafts­organisation gesorgt werten (Bezirkswirlschastsräte. Landeswirtschaftsrat. Reichsim rischaftSrat). Ferner wurde die Erwartung ausgesprochen, daß sich btc Nationalversammlung und die verfassunggebenden Landesversammlungen aus die Verabschiedung der unumgänglich notwendigen Gesetze beschränk«, um alsbaldige Neuwahlen zu ermöglichen

In einer weiteren Resolution wird der Wmisch nach baldiger planmäßiger Aufhebung der Zwangswirtschaft ausgesprochen, um btt ProdukttonsmögLichkeit und Produkttonsfteur-rgkrt zu heben und einer gefunden Preisbildung dre Wege zu ebnen. v

Das hessische Zentnk« gegen den Einheitsstaat.

Tie hessische Zentrumsfraktion hat in einer lang.« Erklärung scharfe Lüellmm gegen den deutschen Einl^-i sstaat genommen. Wir geben ans dieser Erklärung kurz dre folgenden Satze ^^Soweit wir bis jetzt ttften formten, bedauern btt Ange hörigen der Zentrumspartei in dessen den Au-tritt der Mitglieder der Ba yr. Volks Par­tei aus der Zentrumssvak i-vn der Natwnaiver-, fammlimg aufs lebhafteste. Ter Antrag der Mehr- hrtsparttttn in der preußischen Landesverlamm- (img und bte Reden verschiedener Mimirer mit ber Forderung des deutschen Ernh.i ssloatcs haben in den Kreien der hessischen Zentra ms- wähler starkes Befremden fr Tropen? fett. Seitdem es ein Zentrum gibt, hat dasietbe ohne das geringste Schwanken auf dem Boden des föde­rativen Charakters des Reiches g'standen und alle unitarrschen Bestrebungen entschi den ab» leb.it.

lieber die Vorgänge, die bte Einhnt ber beut- scheu Zentrumspartei gesprengt haben, heißt rs m der Erklärung: , _

Sicher ist, daß wir in unserer Partei zur Zeit uns in einer Krisis befinden, gegenüber der die Krills aus Anlaß der SepteimrswaNen das reine Kinderspiel war Wo« ist es notwendig, daß jetzt Älütercill und von allen zur Fsch.-mtg der Wähler berufenen Organen der Rus nach Einigbci: ertönt. Allein wir können benicm* gen, die es für rtf>ü erachtet stoben, eines der jvnptsächlichstLN Bande, die uns etmgenb um»

gen, daß wir ihnen in jeder Richtung die Treue gehalten haben und im besten Sinne des Wortes für sie die Alten geblieben find. Jedem einzelnen Gefangenen muß jene Herz- ttchkeit entgegengetragen werden, die ihm be­weist, daß sich Menschen wieder um Menschen kümmern, und er nicht nur, wie die Jahre seither, zu einer großen Masse gehört, jener großen Zahl der Heimkehrenden. Gerade hier liegt ia einer der tiefsten Schäden der Kriegs- ;ahre, daß es in ihnen keine einzelnen Seelen mehr gab, soi dern nur noch zusammengefaßte MenschenkornpHxe, Menschenmaterial, wie das bezeichnende aber verächtliche Wort lau­tet. Ter Gefangene ist von dem Erlebnis fei­ner Gefangenschaft so erfüllt, daß er den sehnlichsten Wunsch hat. ihm auch eine Bedeu­tung zu geben, durch Menschen, die es ihm ganz persönlich abnehmen und tragen, auch wenn es als Einzelerlcbnis für die Gesamt­beit unbedeutend und das von Hundcrttausen- den war. Dazu kommt, daß den Meisten als einzig noch bleibende Kraft mit elementarer Gewalt der Haß geblieben ist. Haß ist das entsetzliche Wort, das in den Herzen unserer Heimkehrenden loht. Wir müssen das zu be­greifen suchen. Wie leicht überträgt er sich auf so vieles, was sie zu Hause vorfinden

tender Teil des l Volkskörpers wird, damit in dieser positiven Leistung die Negation des Hasses überwunden I wird. Es scheint, als ob die enge Kamerad­schaft des Zusammenlebens in der Kriegsge-

Pas propramm 6es Kabinetts Millerand.

Paris. 22. Jan. (WTB.) Nach der mi­nisteriellen Erklärung, die heute nachmittag in ber Kammer und im Senat verlesen wurde, sagte M i l l e r a n d nach der Ehrung für Glemcn:oju, daß die Epoche ber Opfer und Einschränkungen noch nicht vorüber sei. Die B ü r g e r p f l i ch t e n ließen sich zum größten Teil in die vier Worte zusammenfassen: Mehr hervorbrin- ae n , weniger verbrauchen! Millerand sagte weiter, daß er eine Dar le lung geben werde der Mittel und Wege zur Herste lang des Gleich­gewichts im Budget und zur Amortisierung der Staatsschuld. Man werde alles Steuerbare er» fassen . Den Arbeitern müsse der gerechte An­teil an dem Gelingen und ebenso an ber Organi­sation der Arbeit gesichert werden. Mit Bezug auf den Völkerbund erklärte der Prändent, daß man das Vertrauen zum Völkerbund haben könne, daß er dazu angetan sei, die Wiederkehr eines solchen Krieges zu vermeiden. Die Aus­führung des Versailler Vertrages ist für uns em Gesetz und w i r werden sie ohne Gewal­tigkeit aber doch ohne Schwäche mit Entschlossenheit und Standhaftig­keit v e r f o ( g e n. In dem Ausgang der Dah­len sehe ich den Witten des Lanx-s, die Einigkeit aller Republikaner unter Ausschluß von Gewalt­tätigkeiten, woher sic auch kommen mögen, zum Wohl des Vaterlandes aufrecht zu erhalten Auf zur Arbeit für Frankreich und die Republik!

iS ine Berirauenäer.lärung der Kammer

Paris. 22 Jan. (WB.i Die Kammer hrt dem Ministerium M i l l e r a n b in enter Tagesordnung, die die Ernennung des Ministers des Innern billigte, ifyr Vertrauen mit 272 Stimmen gegen 23 bei 300 Enthaltungen ausge- iprodjen.

Protesivcrsammlungen ter sozialistischen Partei Frankreichs.

und wie leicht kann er zur Quelle Nachtrag- sicher Verachtung werden für Menschen und Dinge, die als die letzte Ursache des eigenen Leidens angesehen werden. Als dieser Krieg feinem Ende zuging, dculften viele, und es waren nicht die Schlechtesten, daß trotz seines für Deutschland katastrophalen Ausfalles et» was gewonnen sei, wenn die Wiederkehr so!» cher furchtbarer Weltkrisen, den Völkern durch das Erlebnis ihres Entse^tzens ein für allemal nicht mehr möglich sein konnte. Unsere Feinde haben durch ihren Frieden und durch das,

men habe, als später. In gleicher Weise wie füi Die Eigentumsübcrtragung lei (Hetzer,ec auch füt die Liquidation des in Deut,cb Lothringen ge legenen Grubenbcsitzes ber G.'br. de W<m>el ein- getreten Auch hür stabe er spezifisch btt Thyssen, scheu Wünsche vertreten.

Estzbergcr Der äugte die der Normandie vor­gelagerten englisdien Inseln, welche Erzlager be­iden. Er mußte wis en, daß Thyssen in der ürvrmemdic große Erzlager habe. Der ursprüng­liche Annerionismus Erzbergcrs hatte geradezu wettverschlingcnden Appetit. Der An-zettagte überreichte ein wenige Wock>cn nach Kriegs^ ausbruch ausgearbeitetes Annexion-^programm Erzbecgers zu den Akten. Von seinem Anneg'ionismus kam Erzberger ab, nach­dem in Wien der Thronwechsel einicrrcten war. In Uebercinfiimnnmg mit der Familie Par­ma begann er nun stark gegen den Annerionis­mus zu arbeiten. berget wollte gleichzeitig auf d<in alten Thysfenpserd und dem neuen Parma- pferd reiten, bis ibn endlich Thysien ab warf.

Neicbssinanzminister E r z be r g c r, als Zeuge vernommen, sagt u. a. aus, daß ihm die Firma Thys'seu nie eine einzige Zumutung gemacht habe, die nicht das allgemeine Interesse, sondern ihr eigenes geschäftliches Interesse betraf. Was er zu Gunsten ber Firma Thyssen getan habe, habe er lediglich im Rahmen des allgemeinen volkswirt­schaftlichen Interesses getan. Hinsichtlich bet lieber* eigirmg ber Gruben im Brieygebiet sagte Etz- bergrr, daß er deshalb für die Ligu^atton der Etzirruben und denen Ausnutzung im iieutscben In- tere'.je eingetreten sei, weil damals großer Mangel an Etzen in Deutschland geherrscht hab Man sei ihm aber nicht gefolgt, sondern habe aus Schweden Erze bezoeen, wodurch eine große Verschuldung ein­getreten sei. Seine Beziehungen zur Industrie seien im übrigen ohne Einfluß auf seine Tätigkcü zur Hei/ttisührmig der Friedens^solution geween. Er habe sich ferner nie gegen die Ausfuhr abgaben ge­sträubt.

Auf eine Frage Helfferichs, ob Erzbetger, wenn er 1918 noch Mitglied der Schnx-rindustrie gewesen w,ne. auch jene schweren Vorwüne (ttfitn die Re­gierung erhoben habe, baß sie bie Ausfuhrzölle nicht eingefühtt habe, um die Schwerindutstie zu begün­stigen, gibt Erz berget keine Antwort. H ieraw wird bie Berhrmdlung auf Sonnabend vertagt

Englische Zurückhaltung bei der Besetzung der Abnimmungdgebicte.

Paris, 22. Jan. (Wolfs.) Meuter. Eng­land hat dem Obersten Rat mitjeteilt, daß es nicht imstande sei, fernen Anteil an den TruppenfürdieAbstimmungsgebiete in Schlesien, Schleswig, Ällenstein ufto. zu stell m. Es nn.d berichtet, daß Italien den gleichen Sch.-itt getan hat. Die Aufgabe, den PolizeiHmst in Den Abslimmungsgeb e:en zu versehm. wird auf Frankreichallein fallen. Wie terlauk-t, war England um die Stellung von 25 Batalllaneu ersucht worden.

Ein Zwischenfall in Nordschleswig.

Hadersleben, 22. Jan. (Wolff.) Die Grenzpost^' meldet: Bei dem vorgestrigen Einzug der französischen Truppen war das Denkmal Kaiser Wilhelm I. auf dem Südermarkt auf Veranlassung des eingetrof­fenen französifä)en Fouricroffizicrs mit Leinwand verhüllt. Nach dem Einzug der Franzosen wurde die Leinwand durch drei deutsche Arbeiter wieder entfernt. Diese drei Arbeiter wurden nunmehr durch die in» ternationale Polizei verhaftet.

Flensburg, 22. Jan. (Wolff.) Zu der Angelegenheit der drei Arbeiter, die in Hadersleben die Hülle des Kaiser Wilhelm- Denkmals beseitigten, wird aus zuverlässiger Quelle noch mitgeteilt, daß die Arbe ter. die inMordschl swig nich dh imatb.re.l.ttft sind, und sich als K o m m u n i st e n bezeichneten, von der internationalen Polizei aus dem Ab­stimmungsgebiet ausgewresen worden sind.

prozetz Lrzberger-Helfferlch.

Berlin, 22. Jan. (WTB.) Im Verlaufe der heutigen Sitzung macht H e l f f e r i rf) Etzbetgcr den Vorwurf, daß trotz ber Julr e oluttou Für die Annerion von Briey gearbeitet habe. Erst nach­dem Thyssen sich von ihm trennte, wurde (rrsbet ger auch in bezug aus Briey das, was er (Helfse- rich) in derKreuzzeitung" den schärfsten Gegner des Anncxionismus genannt habe. Der An geklagte geht dann auf die angeblichen Bemühungen des Nebenklägers ein, dem Thysien-Konzern bie Erz­gruben des Bricygebietes in bte <öanb jufbrlcn. Kein Streit scheine darüber zu sem, daß Erzbet^ec sich in nachdrücklichster Wer,e dafür emsetzte, daß die Ausbcuttmg ber Gru^n an Thyssen gcgelien nxraen möchte. Beitritten rwtK lediglich. daß Erzber rer sich auch für die Ile e tramna bei Eig ntums an Thy sen noch während des Ärieje3 nu e^te. Der Ange- kla^e wirft Erz'^rger feaxr tot, bau er m Sachen der AuSfuhrab-alvi für E.sen und Kohlen anfangs, a's er noch dem Thvllen-Konzern ange­hörte, einen ganz anbeten Standpunkt eutgenom»

fangenschast hierzu die beste Grundlage ab­gegeben habe. Da jedoch in Wahrheit kein Mensch einsamer war, aU der stets von seinen seinen Kameraden umgebene Kriegsgefan­gene, muß ihm das richtige Gemeinschafts- bcwußtsein erst langsam wieder geschenkt wer­den. Die^Unmöalichkeit, vielleicht jahrelang auch nur 'einen Augenblick sich eine Insel zu schaffen, ohne eine rückfichtslofe Abkehr von der Umgebung, brachte dem Einzelnen eine besondere Fähigkeit der Isolierung und des Hinwegfehens und von ihr aus in dieser e anderen Richtung einen besonderen

, cboden für die Verneinung. Nur der wird gerade dies ganz erf-afsen, der es weiß, was es heißt, mitten vom brausenden Strom der Menschen umgeben und dennoch einsam zu sein. Und diese Einsamkeit aus vollem Be­wußtsein, geht nicht von heute auf morgen wieder verloren. Alle diese Hilfe aber darf man wieder nicht machen wollen als eine große neue Maschine der Fürsorge, gewisser­maßen als eine Organisation der Seelsorge. War es nicht auch ein Fluch eines großen Teils unserer Kriegsfürforgetätigkeit, daß sie auck> da, wo es sich um die Seele von Men­schen handelte, nicht Halt machte mit ihrem Organisationswahnsinne. Frei von Mensck zu Mensch wirken, dazu bietet sich jetzt noch einmal Gelegenheit. Ter Einzelne der zu Hause ist, soll mit einem warmen Herzen, das die Ehrfurcht kennt, vor bie Heimkehren­den treten. Deshalb helfen die Fahnen und ne Begrüßungsreden und das Hurra auf den Bahnhöfen und Straßen nur, wenn der Ge­fangene heraushört, daß es Brüder und Schwestern find, die ihn so begrüßen und ec» reuen wollen. Dafür aber haben sie alle eine Ohren. Und wir möchten, wenn wie nun noch einmal mit diesem Ruf an unsere Mitbürger herantreten, daß Jeder, der fein Haus den Heimkehrenden zu Ehren mit einer Jahne schmückt, am Fenster oder auf ber Straße winkt, und sich mit den Erlösten freut, dies tut, weil er nicht anders kann, aus einer großen Güte heraus. So wollen wir sie emp­fangen in dem Glauben, daß kein Dienst ver* loren geht, den ein Mensch dem andern leistet, wenn er nichts anderes damit will als helfen. Ob es gelingen wird, allen die Leidenszeit schließlich auszulöschen, bleibt eine andere Frage. Schmachten doch auch noch 20 000 deutsche Kriegsgefangene in den Eiswüsten Sibiriens und übenden Zeitpunkt ihrer Heim­kunft ist nock) völliges Dunkel verbreitet. Ihre Lage muß besonders nach den letzten Berichten und Nachrick) en entsetzlich sein, aber auch sie geben toir nicht auf. Auch für sie muß es ja einmal Wahrheit werden:Wenn die Gefangenen erlöst werden, werden sie fein wie dre Träumenden."

Zur Heimkehr unserer Krieg$= gefangenen aus Zrankreich.

Von Dr. Schneider, Vorsitzender der Kriegsgefangenenhilfe vom Roten Kreuz, Gießen.

In wenigen lagen wird der von vielen so sehr ersehnte Augenblick gekommen sein, daß allh wir hier in Gießen aus harter fran­zösischer Gefangenschaft heimkehreude deutsche Brüder begrüßen können. Zu ost schon waren wir in unseren Hoffnungen enttäuscht, als daß wir jetzt eben, wo wir daran denken, jene unmittelbare Freude empfinden könnten, die nur ein überraschendes und nicht ein bitter erkämpftes Glück bringt. Aber wenn sie dann vor uns stehen, und wir ihnen in die Augen schauen werden, dann sollen sie nur das eine Kn, daß ihnen Menschen gegenübertreten, lit ihnen und für sie gelitten und ihnen jetzt mit offenem vollen Herzen die Hand zum Willkommgruße entgegenstrecken. Man yat die Heimkehr unserer 430 000 eine Masfen- auferstehung von den Toten genannt. Ob wir alle ihnen helfen wollen, den Weg zurück ins Leben leichter zu finden? Gerade aus dem herbsten Leid kann ja der größte Segen herausgeboren werden, wenn nun noch ein­mal die Volksgenossen sich miteinander ver­binden, um denen, die in jahrelanger unnenn­barer Qual bis zur Grenze der Verzweiflung, die Not der Gefangenschaft durchleben muß­ten, Helfer und Führer zu fein. Manch einer von denen zu Hause sieht vielleicht dem Wie­dersehen mit einer geheimen Angst entgegen. Aber unzählige Dinge werden von den Men­schen abgeschüttclt werden können, Dinge, von denen sie selbst in den Jahren des Leides glaubten, sie nie vergessen zu können. Es wird sich zeigen, daß die Lebenskraft der Seele bis ans Unbegreifliche überwinden kann. Daß aber jeneBruchlinien", bte äußerlich oft kaum zu bemerken find und sich doch tief eingegraben haben, in dem zukünf­tigen neuen Leben nur eine bedeutungslose Rolle spielen, das liegt mit an der Gestal­tung der Rückkehr. Deshalb bringt diese uns eine Aufgabe. Der Gefangene hat schwere Arbeit für den Feind feines Landes leisten müssen . Anfangs versuchte er durch Hebet- Ä mancherlei Art, feine innere Freiheit ie äußere Sklaverei hindurch zu retten. Bald aber erlahmte, besonders durch die Länge der Zeit, die Fähigkeit zu dieser ge- danNichen Gegenwehr und es trat jener Zu­stand ein, den man als Stumpfwerden be­zeichnet. Wer einmal in die Augen unserer Heimkehrenden sieht, merkt, daß es für sie einen Zeitpunkt gab, wo sie zu erlöschen und in der Bewegung zu erstatten drohten. Dies führte zur Entfremdung gegen die Heimat. Immer mehr gewann der furchtbare Gedanke Raum, daß bie zu Hause andere Menschen für den Gefangenen werden müßten, weil nie­mand fein Leiden ganz erfassen könnte. Dar­um iftt es das erste uno wichtigste: ihnen zei-

170. Jahrgang Keltag, 25. Januar 1920

GietzenerAilMger

General-Anzeiger für Gberhesien

was sie unseren Gefangenen taten, diese Hoff­nungen endgültig zunichte gemacht. Darum« Paris, 22 Jan (Wolffs Die soziali- lommt es darauf an, baß jeder Einzelne so- stischc Partei in Paris vertmftalta am kom- bald es möglich ift, wieder ein vollwertiger, I maiben Samsiag abend drei große VolkÄ^rsamm-