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truppen bekannt, die sich am Pfingstmontag bei der Kirche an der Land Kraße ;mischen SB? Slxiben und Limburg ereigne hat. Vier Marokkaner vvn dem dort an der (grenze des besetzten Gebiets ausgestellten Posten überfielen gegen Abend zwei Mädchen aus dem benachbarten Limüach Während es einem gelang, sich loszureitzm, wurde das an­dere hinter das Gebäude geschleppt und von den vier Unholden der Reihe nach vergewaltigt. Die Empörung der gesamten Landbevölkerung ist um so begreiflicher, als der im vergan^men Som­mer dicht dabei begangene L u st m o r d an einem von Limbach nach Görsrvth gehenden Mädchen, der nach offenkundigen Anzeigen ebenfalls von Far­bigen verübt worden ist, noch ungesühnt ist.

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dz. Mainz, 22. Juni. Eine Mainzer Besprechung zwischen der Stadtverwaltung, den Gewerkschaften, Verbrauchern und sämt­lichen Landwirtschaftsverbänden der Provinz Rheinhessen verwarf das System der Kartoffellieferungsverträge als unzulänglich. Man zieht die ganz freie Wirtschaft vor.

---Mainz, 19. Juni. Der Oberbürger­meister hat sich in einem Schreiben an die Re­gierung gewandt, in dem er die Lage des hie­sigen Wohnungsmarktes als geradezu trostlos schildert. Die Verhältnisse gestalten sich ständig schwieriger, da die Franzosen wach­sende Ansprüche zur Bereitstellung von Woh­nungen stellen, die einfach unerfüllbar sind. Der Zuzug von französischen Offiziersfami­lien während der Sommermonate gleiche einer Völkerwanderung.

Aus Sta&t unb Land.

Gießen, den 22. Juni 1920.

Die Ranmverhältnisse in der Frauenklinik.

Der Abgeordnete Reh-Alsfeld hat fol­gende dringliche Anfrage an die Regierung gerichtet:

Ist die Negierung gewillt, Maßnahmen zu treffen, welche die durchaus unzureichenden Raumverhältnisse in der Frauenklinik in Gießen ausreichend beseitigen?

Schon der Vorgänger des derzeitigen Di­rektors dec Frauenklinik hatte die Notwen­digkeit einer baulichen Erweiterung der Klinik wiederholt in Eingaben an die zuständige Stelle hervvrgehoben. Durch den Ausbau eines Flügels hat man einen Teil seiner Wünsche aber in durchaus unzureichender Weise erfüllt.

Der schon von früher bestehende Mangel an geeigneten Räumen, insbesondere für die Aufnahme von Patienten, hat in einem Maße zugenommen, daß, wie der Direktor in wie­derholten Eingaben nachgewiesen hat, gerade­zu unerträgliche Zustände bestehen. Dies hall auch das zuständige Ministerium anerkannt. Hier muß Abhilfe geschaffen werden. Es han­delt sich um eine hochbedeutsame soziale Frage, Ich verkenne nicht, daß die Bausumme der­zeit eine sehr hohe ist. Man möge aber bedeut ken, daß die Ausführung des Baues sich auf ein Jahr und noch länger erstrecken wird. Bis dahin muß und wird eine Preissenkung ein­treten. Es wäre gewiß möglich, den Erweite­rungsbau nach einem allen Verhältnissen dauernd Rechnung tragenden Plan Den Zeit­verhältnissen entsprechend stückweise zur Aus­führung zu bringen. Flickwerk muß vermieden werden. Ich behalte mir eingehende Begrün­dung und förmliche Antragstellung vor.

Die Rathausfrage.

Einer längeren Zuschrift des Herrn Adalbert Bindewa 1 d über die Rathausfrage ent­nehmen wir die wesentlichen Punkte:

Alle Fachleute und die weitüberwiegende Mehrheit der Bewohner Gießens haben sich in schier endlosen, wohlbegründeten Kundgebungen gegen die Verlegung des Rathauses und sei es auch nur vorübergehend in das alte gichtbrüchige Krankenhaus ausgesprochen, so daß man sagen konnte, es herrschte annähernd Ein­mütigkeit in der Verwerfung dieses mißliebigen Projektes. Da wird im allerletzten, aber ent­scheidenden Augenblick die Lage so konstruiert, daß man vor einer angeblichen oder vermeint­lichen Zwangslage zurücktveichend, alle die schwer­wiegenden sachliche Gründe, als seien sie gar nicht vorgebracht, unbeachtet läßt und das verpönte Gegenteil der eigenen Erkenntnis und der öffent­lichen ALemung tut. Warum verwendet man nicht die zum U ml> au der Klinik u. dgl. bereitgestellte recht beträchtliche Summe für einen Anbau im Sinne vorliegender, sehr beachtenswerter Vor­schläge hiesiger Architekten, zur Beschaffung nur der z. Zt. unumgänglichen Räume am letzigen Rathaus durchzusepen? Dann bliebe doch die Aus­

sicht, daß man in besseren Zeiten an Stelle des gegenwärtigen Stadthauses einen einheit­lichen, völlig zweckentsprechenden Neubau als würdiges Wahrzeichen der Stad: für Gegenwart und Zukunft ansch össe. Die augenblick­liche Höhe der Baukosten würde durch Schaffung eines Telinitivums an Stelle eines Provisoriums ausgeglichen."

Veranstaltungen.

Dienstag, 22. 3uni: Neue Aula, 8 Uhr: .Konzert des Bandes zur Pflege Vvn Musik und Literatur. Hotel Einhorn, 8V2 Uhr: Gastspiel Paul Buchaxüd. Lichtspielhaus:Judex", 5. Teil undErne Nacht gelebt im Paradies". Lichtspiele Selterswea:Spartakus".

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** Am tliche Perfonalnachrichten. Dirrch Entschließung des hessischen Landesamts für das Bilduugewesen ist der Lehramtsreferendar Tr. Rudels Blank zu Gießen zum Lehramlsassessor ernannt toorben. Am 22. Axril wurde dem tech­nischen Gehilfen bei der Saline und Badeanstalt zu Bad-Nauheim Laonhard Mentzer in Bav- Nauheim die Stelle des Siede Meisters bei oer Saline zu Bad-Nauheim übertragen.

** Ein schwerer Unglücksfall ereig­nete sich Montag mittag gegen 12 Uhr auf dem hiesigen Braunsteinbergweü. Ein 22jähriger Ar­beiter Namens Stein aus Beuern holte in Eimern den Mittagskasfee. Dabei begegnete er einem Fuhrwerk. Das eine Pferd schlug aus und traf .den Mann ins Gesicht. Crin Teil der Zähne ging habet verloren. Durch den Schlag kam Stein so unglücklich zu Fall, daß ihm der Kasfee den ganzen Rücken verbrühte und er in die hiesige Klinik eingeliefert toerben mußte.

** Die Reichsbank nimmt neuerdings auch junge Kaufleute in ihren Dienst, die nur die Reife für die DberfeTimba einer höheren Le lsran stall erreicht haben, mindestens aber 3V2 Jahre prak­tisch tätig gewesen sind. Die Aufnahmebedingungen sowie Vordrucke für die Antragstellung sind bei sämtlichen Reichsvankanftalten kostenfrei zu haben.

** Wo bleibt der Einmachzucker? Fast sämtliche unserer Nachbarstädte sind in der be­neidenswerten Lage in diesen Tagen mehrere Pfund Einmachzucker auf den Kopf ihrer Einwohnerschaft verteilen zu können. So u. a. Friedberg und Bad-Nauheim je drei Pfund, Frank­furt und Bad Homburg vorläufig je zwei Pfund. Sehr merkwürdig ist der Preisunterschied in den einzelnen Städten. Während zum Beispiel Fried­berg das Pfund Zucker zu 1,80 Mk. abgibt, kostet in Frankfurt das Pfund 3,50 Mk., also fast daS Doppelte. In bett Frankfurter Blättern wird diese Verteuerung mit den riesigen Kosten des Frank­furter Verwaltungsapparats begründet. Sehr be­grüßenswert ist in dieser Frage das Vorgehen der Stadt Worms, die in Gemeinsckwft mit an­deren Städten bei dem zuständigen Reichsministe­rium vorstellig werden wird, daß Einmachzucker zur Verfügung gestellt und dafür lieber eine Zeit lang die Belieferung der Marmeladefabriken mit Zucker ausgesetzt lverden solle. Hierbei sei erwähnt, daß diesmal Friedberg in der glück­lichen Lage ist, Schinken abzugeben. Preis bei Abnahme eines ganzen Schinkens (810 Pfund) 18,80 Mk. pro Pftmd, im Ausschnitt 20 Mk. pro Pfund.

* * Freibank. Mittwoch, 23. Juni, werden von 13 Uhr die Nummern 3701 bis 3788 beliefert.

* * Heiterer Abend. Die Literarische Ge­sellschaft schreibt uns: Rudolf Presber hat für seinen am Freitag den 25. Juni, abends 8 Uhr, in dec neuen Aula stattfindenden Vortragsabend ein gutes und reichliches Programm aufgestellt. Im 1. Teil wird ec ernste und heitere Verse aus seinen Werken zum Vottrag bringen: Deutsch­land, RembrmM, Nach Bethlehem, Familien­trauer, Der neue Stern, Humor, Tänze, Hast du noch die alten Briefe?, An Mathilde, Literatur, Alte Meister, Zum Besten von, Trost der Frau Lehmann, Ein Roman, Verhängnis, Die Rein­fahrt, Ketzergedcmken. Der zweite Teil bringt nur Humoristisches: Mein Patient, Die Mücke und Ich fahre nach Halle. Ein großer Erfolg wird wohl auch dieser Abend sein, wie in so vielen anderen Städten. (Näheres siehe heutige 9lnzeige.)

* * Wie der Wartburg-Verein uns mitteilt, finb die bisher zum Verkauf freigegebe­nen Eintrittsprogramme für den am Donnerstag in der neuen Aula stattfindenden Kammermüsik- abend bereits ausverkauft. Wegen der großen Nach­frage sind die von den Mitgliedern nicht abgelwlten Karten von morgen an im Musikhaus Busch zu erhalten. (Nccheres siehe Inserat.)

Landkreis Gießen.

j- Klein-Linden, 21. Juni. Einge- br 0 chen wurde am Hellen Tag bei dem Landwirt August Langsdorf neben der alten Zigarvenfabrik. Ten Dieben fielen SchmÄm. Wurst, Butter und Eier in die Hände, auch Wäschestücke hießen sie mitgehen. Die Einbrecher verschwanden in der Richtung nach Dutenhofen: am Eiscnbahndamm 'ftitten Kinder gesehen, wie sie sich an ihrem Raub gütlich taten.

- m. Langd, 21 Juni. Auf der Buderus- schen EisensteingrubeAbendstern" im sog. Hecken­wald W Hungen verunglückte heute nachmittag der Bergmann Velten von hier, indem er bei Ausführung einer Reparatur vvn einem etwa sechs

Meter hohen Pfeiler der Drahtseilbahn absturztt. 1 Er erlitt hierbei einen Armbruch und erhebliche Verlegun^n im Gesicht. Auf einer Tragbahre wurde der Verunglückte in das Hungener Kranken­haus verbracht.

Kreis Schotten.

e. Schotten, 19. Juni. Auf Antrag oes Bürgermeisters Mengei (-Sdptteni nnrriv von dem Kreistag des Kreises Schotten sorgender An­trag einstimmig angenommen:Tas hessische Ge- famtimnifüerium wird um alsboicige Aus'lxbung der Benordnung vom 10. Oktober 1919 die VersuMng über Brennholz betreffend gebeten." Des­gleichen wurden die Mittel für die Anlage einer Kreisobstbaumschule einmütig bewilligt. Tie Grundlöhne der Kreis str a ßen w,2 r ter wurden auf 11001400 Mark festgesetzt, außerdem Teuerungszulagen für Brrttiratete in der Höhe von 1500 Mk., für Ledige 1200 Mr., für Kinder unter 15 Jahren je 400 Mk. bewilligt; allerdings mit der Einschränkung, daß von dem Krrisausschuß nachgeprüft würde, ob die finanziellen Verhältnisse des Kreises die Zahlung der vorgeschlagenen Be­träge auch gestatte. Tie Tagegelder, Reisegelder und UebernachttQtgrävbühren der Mitglieder des Kreis­tages und Kreisausschusses wurden derart geregelt, daß für Auswärtige 15 Mr., für Einheimische zehn Mark Tagegelder rvrgesel^en würben. Für die Kreisfür sorge stelle für Kriegk. Hinterblie­bene, Kriegsbeichädigle ünd Kriegsgefangene wurde die Errichtung einer BeaintensbelA und Deren Ausstattung mit dem Geihalt eines staatlichen KtriS- sekvetars gntgehrißen.

Kreis Friedberg.

b. Bad-Nauheim, 20. Juni. In der letzten Stadtverordnetensitzung nnirbd folgendes beschlossen: Der durch einen Schieds- spuch festgesetzte Stundenlohn für städtische Ar­beiter Männer 3,604 Mk., Frauen 2,20 bis 2,60 Mk. wird genehmigt. Im Gegen­satz zu früheren Jahren wird die Stadtverwaltung die Versorgung der Bevölkerung mit Kar­toffeln nicht übernehmen. Für den äußersten Notfall sollen 15002000 Zentner ein gekellert werden. Im übrigen aber die Kartoffeln durch den freien Handel bezogen werden. Ter Antrag der Bürgermeisterei, einen Teil ihrer Bureaurämne aus dem Stadthaus in die Vllla Heinemann ver­legen zu bürfen, wurde abgelehnt. Die fragliche Villa liegt abseits vvm Verkehr und man wollte der Einwohnerschaft nicht zumuten, den weiten Wegzurückzulegen. DerAnschuß an die Zenttal- Preisprüsung Melle sür dasBauhandwirk inF.ank- furt a. M. mit einem Jahresbeitrag von 400 Mk. wird beschlossen. Der Wasserpvris muß mit Rcückwirkung vom 1. April ab von 50 auf 70 Pf. erhöht werden. Der Friedenspreis betrug 30 Pf. für den Kubikmeter. Die Pauschale und die Wasser­messermiete wird ebenfalls um ein beträchtliches erhöht. Die Okerpostdirektion Frankfurt a. M. beabsichtigt ab 1. Juli einen KKaftwagenverkehr Bad-NauheimUsingen zu »eröffnen. Die Stadt übernimmt die Verpflichtung, Räume zum Um ter» stellen der Kraftwagen zur Verfügung zu stellen.

[H Friedberg, 20. Juni. Gestein fand Uer die diesjährige Haupttersammlung derAktien­gesellschaft Städtisches Schwimm­bai/' unter dem Vorsitze des Notars Jockel statt. £en Jahresbericht erstattete der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Rentner C. Georgi. Mit Bedauern mußte festgeslellt «werden daß durch die se'hr/schlechte Belieferung mit Kv'lIe der Betrieb des Bades sich sich nur in sehr mäßigen Grenzen 'halten konnte. Von größtem Interesse ist deshalb das vorliegende Pwjri!t einer Fern'heizun gsanlage. welche in Verbindung mit dem 'hiesigen Gaswerke die An­stalt vvn der Belieferung mit Kähle unabhängig macht. Erne derartige Anlage besteht bereits in Tü­bingen und 'hat sich dort auf das beste bewährt; die 'hiesige Ausführung soll nach einem neuen ver­besserten Systeme von der Finna INiHoss in Bad- Nauheim mit einem Kostenaufwand von zirka Mark 120 000 aus geführt werden und nach der Geneh­migung durch, die Stadtverordnetenversa mml ung sofort in Angriff genommen werden und spätestens bis zum Herbste fertig fein. Wenn sich die Sache brip'Airt, woran -nach Auslagen vvn Fachleuten nicht nicht zu zweifeln ist, dann wird dies auch für an­dere ähnliche Schwimmbäder, wie z. B. Gießen und Wetzlar, höckssttvahrschrinlich den Anlaß geben, ihre Anstalten auf ähnliche Weise umzugZtaltcn. Wir dürfen sonach hoffen, daß unser schönes von dem Ar­chitekten Meyer (Gießen) erbautes Schwimmbad, welches eine Zierde und ein Stolz unserer Stadt ist, bald wieder seiner Aufgabe ganz gerecht wer- ben tarnt. Bei der Ergänzungswahl veS Auffichts- rates wurde an Stelle des ausscheidenden Herrn G. E. Han stein Herr Carl Scriba, der lange Jahre dem Vorstände ange'hört hatte, gewählt.

Friedberg, 20. Juni. In einer aus gestern obere» ein berufenen MitgÜederversamnllung wurde die Schlußrechnung über das am 29., 30. und 31. Mai hier abgähallene S ch ü tze n f e st vor- gelegt; es ergab sich daraus die Tatsache, daß der Verein mit einem lleberschusse von zirka 12 000 Mark abschließt. Man sieht also, daß es noch lange nicht das schlechteste Geschäft ist, Derartige Feste abzühalteu.

Hr. Staden, 22. Juni. Letzten Sonntag, am 20. dS. Mts., wurden ch der hiesigen Kirche zwei neue Glocken in einem Festgottesdienst unter Mitwirkung unseres Kirchengesangoeveins feierlich m Gebrauch genommen. Die beiden Glocken

lind nach den Angaben des Kirchenmusikmeister- Professor Arnow Mendelsohn, welckier auch die Prüfung vornahm, von der Firma Gebr. Backert in Karlsruhe gegossen. T-a in den letzten Jahren nur mit einer Glocke gelautet werden tonnte, ist unsere gesamte Einwohnersckia't froh, wieder ein schönklingendes Geläute zu besitzen.

Starkenburg und Nytinhessen.

dt. Ar Heilgen, 22. Juni. Ter Laib Brot (1600 Gramm) kostet hier jetzt 3,40 Mk.: bisher mußten Dafür 4 Mk. gezahlt werden. Mit Rück­sicht auf die Erhöhung der Schlachtviehpreise wur­den für den Kommimalverband Groß-Gerau die Kleinverkaussprcise sür Fleisch und Wurst festgesetzt: Rindfleisch das Pfund 10,50 Mark, Kalbfleisch 8,20 Mk., Wurst 10,50 Äk. Bei Notschlachtungen wird der Preis nach Anhörung des die Fleischbeschau ausübenden Tier­arztes besonders festgesetzt; er bart jedoch für das Pfund 7 Mk. nicht übersteigen.

Hessen-Nassau.

Der Kampf gegen die Zwangswirtschaft.

Frankfurt a. M., 21. Juni. Eine von nahezu 3000 Vertretern der landwirtschaftlichen Vereme, der Biehhanbelsverbände, der Metzger- ergamfationen und anderen JttteveUenverbändeft Hessens und Hessen-Nassaus besuchte 'Versammlung nahm heute in einhelliger Weise Stellung gegen? Zwangswirtschaft, besonders gegen die Rationie­rung der Fleischversorgung. Die Redner aller Grulipen forderten in schärfsten Worten dir so­fortige Einführung der freien Bewirtschaf­tung aller Lebensmittel Da dadurch allein dem Schleichhandel und Schiebertum der Garaus gemacht werden und ein Abbau der Preise ermöglicht werben könne. In einer einstimmig angenommenen Entschließung würbe zrnn Aus­druck gebracht, baß bei Beibehaltung ober gar wei­teren .Ausbau des jetzigen Systems eine noch größere Unterernährung, Mißwirtschaft imb Rechtsunsicherheit um sich greifen werde.

Gewalthilfe gegen den Obftwucher.

Frankfurt a. M., 21. Juni Auf dem Börneplatz zertrat das Puhlillim heute den KirschenhänÄern, als diese unentwegt sünohaft hohe Preise verlangten, kurzerhand die Körbe samt den Kirschen. Tie Kirscheii wurden darauf 1,50 Mk. (bisher 3 Mk.) das Pfund herabgesetzt.

mo. Frankfurt a. M., 21. Juni. Die dauernd höhen Obstprrise bildeten die Veranlassung zu einem Exzeß, der sich heute früh auf dem Börne- Platz abspielte. Schon am Somstag war in der Nähe der Hauptmarkthalle eine Menschenansamm­lung entstanden und es hatte den Anschrin, als solle ein Racheakt ausgeführt und die Obstbestände, die angefahren wurden, geplündert werden. Jndesseii fuhren die beladenen Wagen r as ch d a v 0 n. Als heute die Menge hörte, daß der Kirschenpreis wiederum 200, 250 und 300 Mark pro ZenlneL betragen sollte, warfen die Käufer plötzlich die Körbe um und zertraten den aus $) ei bri beeren, Kirschen und Erdbeeren bestehenden Jnchalt. ?ln- gesichts des Verhaltens der Menge es fam zu einer förmlichen Schlacht, wobei auch Dos Messer eine Rolle spielte sanken Die Preise sür Cron- berger Erdbeeren sehr rasch und sanden, soweit Ware noch vorhanden und nicht zerstört war, schnell Absatz.

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Frankfurt a. M., 21. Juni Der Bvlksschullehrer Christoph König von lxior, der zu Beginn der Revolution zur sozialdemokratischen Partei übertrat und kurz darauf zum Ääeisschul- inspekwr in Swinemünde ernannt wurde, ist ietzt als Regierungsrat nach Potsdam berufen morben.

Frankfurt a. M., 21. Juni. Der be­kannte Chriftuskvmmunist, Sozialaristtkrat, Geisterbeschwörer unb Schriftsteller Karl Waß mann hat bie städtische Irrenanstalt auftüchcn müssen. Wie wir erfahren, soll er an Gehirn­erweichung leiben.

ha.'Aus bem Werratal, 1'6. Juni. Den Münd. Nachc." wird aus Laubach das folgende Schelmen st ückchen berichtet: Dott hatte ein Wanderer die merkwürdige Nachricht verbreitet, daß in Hedemünden unentgeltlich Schafe abgegeben würden, deren Abnahme der Feindbund Denveigert hätte. Erst glaubtens wenige, doch bann fand das Gerücht nach langem Hin- nnb Her-Ueberlegen immer mehr Glauben, und der willkommene Bote wurde znm Lohn wohlbewirtet und gespeist ent­lassen. Dann aber wanderte jung imb alt mit Wagen unb Seilen ber Ziegelei zu, bat ver­meintlich kommenben Schafen, die auf ber Straße Hebe mündenMünben hergeleitet werden sollten, entgegen. An der Ziegelei ließ man sich im Grünen nieder unb wartete hoffmmgsfroh der Schafe, die da kommen sollten. Als diese aber zu lange ausblieben, zog die Schar endlich zur Zella, in der Hoffnung, dort vielleicht Kunde von dem Schafsegen zu bekommen. Zu aller Ueberraschung traf man hier schon eine andere Schar, bie, eben­falls an ber Straße lagernb, gcbulbig wartete. Allmählich würbe den nun gemeinsam Harrenben aber doch die Zeit z»u lang, unb als bie aus- gefanbten Patrouillen und Vorposten bie Melbnng wieber brachten, daß weit unb breit nichts von den verheißenen Schafen zu sehen sei, zog man enttäuscht wieder heim, wo hofftrungssreudige Leute zum Empfang ber Schafe schon Anstalten getroffen unb Ställe hergerichtet haben sollen.

Die Gräkin.

Roman von G. W. App le ton.

kRachdruck verboten.) Fortsetzung 62.

Oh, wie schrecklich blutdürstig Sie sind! be- merfte sic. Ich möchte Ihnen nicht empfehlen, so weit zu gehen, aber eine angemessene Züchtigung würde er schon verdienen. Ich meine eher

Eine saftige Tracht Prügel!

Nun, ja, wie Sie das benennen wollen. Etwas in Der Art hat er jedenfalls verdient

Ich will sehen, was sich tun läßt, sagte ich. Und wo ist nun diese Bia Grulio

Wir sind bereits da, sagte 'sie. Es ist eine IcbrerflidK Straße, viele Jahrhunderte alt, schauer- lieb. s2lber warten Sie erst einmal, bis Sie den Palazzo sehen! Äie derben sich daun fragen, was tn aller Welt ein Bo,wncr Mädchrn dazu bringen könnte, eine Million Dollars für das Recht zu bezalüen. nut einem Menschen zu leben, der nie ttwas vomVierten Juli" iNationalfoiettag der Amerikaners gehört hatte, in einer Art vergol­detem Newgater Gefängnis.

Ich schaute zum '.Sagenfenfter hinaus und sah daß die Straße nicht viel breiter als nne ttaffc war. Ich konnte feine Trottoirs sehen. Die Straße war mit Kieseln gepflastert Aus briben Sc t >1 starrten graue Mauerii empor, mit eifcnbergittrri n .Fenstem, und sie standen gn einigen Stellen jo

nahe beieimntber, daß ich sie mit ausgestvecktem Arme hätte berühren können.

Plötzlich hielt der Wagen.

So, da wären wir, sagte sie, und als ich den Schlag öffnete und rasch hinaussprang, fügte sic rasch hinzu: Warten Sie einen Augenblick! Das Tor ist verschlossen.

Ich benützte biese kurze Gelegenheit, um ben Palast ber Frangipani ins Auge zu fassen. Es war eine ungeheure, finstere Masse, durch bie Jahr- hunberte geschwärzt. An ber Ecke eines engen, zum gelben Tiber hin abführenden BiccoloS erbaut, stimmte er wenig mit meiner bisherigen Vorstellung von einem Palaste überein. Er ragte so hoch in die Lüfte, daß nur ein schmaler Streifen des grauen Himmels darüber sichtbar nurrdc. Tas Erdgeschoß war aus mächtigen, möglicherweise vom Kolosseum stammenden, schwarzen, verwitterten Quadeni erbaut, die hundert Generationen hin­durch von den Eisenachsen der Dorilberrabrenben Fuhrwerke verkratzt worden woran. Darüber er­hoben «ich mächtige Fenster, vom Ruß ber Jahr­hunderte übmogen_ imb mit Eifenstangen Der- gittert, bie mit Stacheln gespickt waren. Das eigentliche Portal, auf daS die Gräfin angespielt haue war hoch unb breit und schwerfällig, mit ninbföDiigen Eisenbolzen reichlich beschlagen.

Alles nie- erkaßtr ich mit einem einzigen, ver- ldurdnisvollcn Blick unb ieltfamcnoeije fragte utz

mich, was wohl der ehreiiwerte Mimms von all dem halten würde, wenn er hier wäre.

Links ist eine Glocke! sagte die Gräfin. Ziehen Sie, bitte, 'mal recht kräftig daran!

Ich folgte ihrer Aufforderung und hörte innen einen entsprechenden Glockenton, der von einem Kirchturm zu kommen schien. Ein Schieber öffnete sich in dem einen Portalflügel. Die Gräfin sprang aus dem Wagen und eilte zu dem Schieber.

So, Ihr seid es, Filippo? sagte sie. Ihr er­innert Euch doch meiner, der Contessa Maria? Deffnet sofort das Portal!

Und als die mächtigen Flügel langsam auf­schwangen, begann ich mich zu fragen, wie in aller Welt ich je ohne die Beihilfe der Gräfin Eintritt zu dieser grimmigen alten Festung erlangt haben würde. Sie gab dem Kutscher ein Zeichen, und ber Wagen fuhr in ben großen Hof cm, der auf drei Seiten doppelte Säulenveihen und, Stock­werk über Stockwerk, Galerien bis unter das Tack aufwies.

Ist der (Tonte zu Hause? fragte sie.

Filippo, ein grauhaariger, alter Hausmeister in schäbiger Livree, verbeugte sich tief und be­dauerte, daß der Conte verreist sei.

Dies setzte uns beide für einen Augenblick in Erstaunen, aber sie ließ sich nichts anmerk^m unb sagte nur:

So ? Schade, Doch macht das nicht md aus.

Ich möchte Pasquale sehen. Er ist noch hier, wie ich annehme?

Gewiß, Pasquale ist noch da.

Der alte Portier trippelte zu einem hohen Portikus auf ber linfen Seite bed Hofs unb zog eine Glocke.

Es dauerte einige Zeit, bis das Zeichen be- antwortet wurde. Torrn öffnete sich das große Tor, und ein schöner, weißhaariger, aller Tränn blickte einen Augenblick erstaunt auf die Gräftn. Dann verbeugte er sich, wie Filippo, tief imb sagte:

Contessa, das ist eine große Uebernifdjung und ein noch größeres Vergnügen!

An dieser Stelle muß ich erklären, daß Pas­quale ein altes Jnventarstück der Familie Frangi­pani war und die Rolle eines Majordomus im Paläste veriah.

Danke, Pasquale. Freut mich. Sie wieder zu sehen, dec Conte ist, wie ich von Filippo höre, verreist. Das ist ein Freund von mir aus London.

Pasquale verbeugte sich in der Richtung gegen mich.

Und da Der Conte nicht da ist, fuhr ich fort, möchten wir uns em wenig mit Ihnen unter­halten.

Wir standen in einem geräumigen Vestibül; eine mächtige Marmoctreppe füllte es der ganzen Breite nach aus und führte zu den Staatsräumen un ersten Stock, üWQCßuua plgt-J