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Erstes Blatt

lind Sachsen statt. Am nächsten Donnerstag wird

Grob-Berlin und Brandenburg dieselben Fragen

*

Carl sehnni

Millerand nimmt die Präsidentschaft an.

Paris, 20. Sept. (WTB.) Havas. Mil­lerand hat, dem Wunsche ter Nation nach­gebend, sich entschlossen, die Kandidatur für die Präsidentschaft anzuneh­men.

Der polnische Heeresbericht.

Warschau, 20. Sept. (Wolff.) Der pol­nische Generalstabsbericht vom 19. September 'nutet: Die Polen haben bei der Verfolgung des Heindes nach sckito. reu Kämpfen die Orte Husiatyn, Trernbowla, Alejow, Tarnopol und Brody ge* nommen. Einer polnischer Abt^nlung gelang es, auch Dubno $u besetzen. In der Ni -uni am Row.ro wurde eine bolschewistische Abteilung aus Kleban verdrängt. Sehr bedeutende feind­liche Kräfte, so sagt der Bericht weiter, wer­den am N je men und an der Sozcara zu- sammengezog'n. Westlich Sephl) verstärkten die Litauer ihre Stellungen. Heute früh be'chos'crr sie polnische Abt ilungen bei Karalin in der Nähe des Weißen Sees.

Ter litauisch-polnische Konflikt.

zordcrungen der deutschen Kolonisten in ventsch-LSdwestasrika.

London, 20. Sept. (WTB) DieTimes" meldet, daß die deutschen Kolonisten des vormaligen Deu ts ch- dwe sta frika dem General Srnnts, der,sich auf einer Jnfpek- tto ns reise in Südafrika befand, in Windhuk --in Memorandum überreichten, worin sie erklär­ten. die Dermaltuna Teutsch-Südwestafrikas als Teil der südafrikanischen Union würde eine Ver­letzung des Fttedarsvertraaes bedeuten und den em* mütirvn Wünschen der Einwohner widersprechen, die nicht in die Rasienpolitik der Union hineinge­zogen xu merben wünschen. Das Memorandum for- tert das Fortb-fteben deutscher Errtichttinaen. Zu- lassicng beu tiefer Kultur, Rücktohr nach Süd'vest- asrika der unter- Kriegs recht ansgewie'enru Deut­schen, Errichtung eines deutschen Konsulats, das Deutsche als Amtssprache und Beibehaltung des bürgerlichen Gesetzbuches, da die Emfübrung des in Sudas'ika geltenden römisch-holländischen Rechts einen Rückschritt um Jahrbnnderte bedeuten würde. In seiner Antwort auf das Memorandum er­klärte General Smuts, die Deutschen sollten es für immer aufgebeir, um Unterstützung und Hilfe nach Deutschland cmszuschLuen und müßten ein* sehen, daß ihr Sckflckial von nun an unauflöslich mit dem der Union verknüpft sei.

Witte 0kto^an*

Die Kampfe in Italien.

Paris, 20. Sepl. (Wolff.), DasEcho de Paris" meldet aus B r e c c l a, daß die Kaserne der Karabrnieri von der Roten Garde g e ft ü r m t worden ist. In Turin wurde eine chenmchc Fabrik, die sich raxf) in den Händen zxm treu gebliebenen Arbeitern befand, von der Roten Garde im Sturme genommen.

Rom, 20. Sept. (WTB.^ Stefani. Nach ehret Besprechung im Ministerium des Innern setzten die Industriellen und Arbeiter eine schtifklick« Erklärung auf, melcfr betont, daß die Arbiter rückwirkende K^rast der Vereinbarungen ab 1. September, mib Bezahlung der Tage der Ärbettsverweigerunq und des ihnen erwachsenen Schadens fordern, die Industriellen aber die For- tvrungm ablebnen, und daß daher beide Teile den Beginn der Gelttrng des neuen Abkommens auf ten 15. September sespepen und jede Entschädigung für die Tage der Besetzung der Fabriken durch die Arbeiter auäWkieau Die ErLarurm bezeugt hat

tchung.

^lt Einbethung y ®«ben laut Leschiu, ^pu atwn unb'^ 9 ioI9«nbe

)sM^äbigtt (50*/ nnj jÄäsaps '«Ion zum Preist DM

[lt, ^nnen bie gl« °|tenpr(is btt St., behanntgtgtbtn will

JMontn gelten ah

Industriellen, daß sie Giolittis Formel über die Entlassung von 9übeitem als di e ihnen gemachte Vorschittft hinnehmem DerMes^gero" hört, daß der Allgemeine Ärbeiterverb anb tnc Arbti- ter anwies, bie besetzten Fabriken zu räumen unb die Arbeit wiedu aufsunehmen. Der Ar feuer- verband versichere, daß bie Ordnung gewahrt blei­ben würde. ----,

Kus (Dbtr!d)Iefkn.

Oppeln, 21. Sept. (WTB.) Amtlich Die interalliierte Kommission teilt mit, daß General Le Rond nach Paris berufen wor­den ist und am 18. September seine Reise dorthrn <mgetreten hat.

polnischen Delegierten bei den Friedms- verhandlungetl in Kalwaria forderten als un­erläßliche Bedingung für die Fortsetzung der Ver­handlungen, daß bie litauischen Tru ppen auf bie sogenannte Curzon-Ainie im Gebiete von Suwalki zurückgezogen würden. Es ist sehr zweifelhaft, ob Litauen diese Iorberung annehmen wird. Lettland bot seine Vermittlung im polnisch- litauischen Streite an und lud aus bie,"em Anraß zu einer Konferenz nach Riga dn. Litauen ant­wortete aus bie.e Ernladung, daß man erst den end­gültigen Ausfall der Konferenz von Kalwaria und die Entscheidung des Völkerbundsrates in Paris abmartxm wolle.

Kowno, 20. Sept. (WTB.) Litauische Tele- graphenagenttlr. Die litauische Delega­tion ist gestern abmd crus Kalvarja nach Kownv zurückgekehrt, da die Verhand­lungen unterbrochen sind. Die litauische Delegation schlug vor, zwischen der litauiscfen und polnischen Armee eine neutrale Zone zu er­richten. Polen lohnte diesen Vorschlag ab und bestand darauf, daß die litauisch.n Truppen sich auf bie Foch-Clem nccau-Linie zurück ,ügen, was Litcunni ab.ehrtt'. Die polnisch.' Delegation erklärte, iaß unter solchen Umsiäuden eine weitere Be­sprechung unmöglich sei und fuhr nach Warschau zurück. Der polnische Außenminister schlug in einem Funkspruch der lettiscl)en Regierung vor, baß bie weit ren Verhandlungen zwi chen Polen unb Litauen in Riga stattfinden mögen. Demnach betrachlet Polen die Verhandlungen nur als unter­brochen. Auch der Völkerdundscat sprach sich für bie Weitersührung der Verhandlungen aus und wünschte, daß vorerst Line Kriegsooecationen slattfänten. Der lckcru sck»e Vertr.b.'r stimmte zu, Padercwski erklärte, er forme erst heute früh antworten.

Ukrainische Aufstände in Ostgalizien.

Moskau, 20. Sept. (Wolff.) Nach hier eingetroffenen Meldungen brachen in O st g a 11 - zien Aufstände aus. Die Aufs.ä id:schm kn- zentrierten in den Karpathen starL Streit» kräfte und versuchen, die Bahnlinie Lowo schnja StrpjStanislawow zu besetzen. Die Anfitän- difchen setzen übevall ukrainische Verwal­tungen dn. ------

Tic Bergarbeiterbewegung in England.

London, 21. Sept. (WTB) Die Kon­ferenz zwischen den TelegierLm der Bergarbeiter und dem Präsidenten des Board or Tra-'e itninx am Montag nachmittag nach zweitägiger Dauer aut den Ab-*b vertagt. Tie sehr bach eie Tatsache, daß Sir Robert Hör ne sich mit Sm il li e zu­sammen zum Tee begab, wird als Anzeichen dnes günstigen Ausganges der Konferenz be­trachtet.

Ter Hungerstreik

des Bürgermeisters von Cork.

London, 20. Sept. (WTB.) Eine amtliche Erklärung über den Hungerstreik des Bür­germeister von Cork, besagt, der Bürger- mdfter habe von Beginn seiner Gefangenschaft an bie Vorrechte genossen, die den politischen Gefange­nen iuerfannt wurden. Er habe niemals Gesange- nenfidbung tragen müssen. Seitdem er sich durch seine Weiterung, Nahrung $u sich zu nehmen, in einen Schwächezuftand gebracht habe, liege er im Hospital zu SBett unb genieße die beste ärztliche Pflege. Avei Pflogerinnen verweilen abwechselnd Tag unb Nackt an seinem Lager. (Sn ausgezeich­netes Essen stehe an seinem Bett bereit. Die Pflege­rinnen seien bemüht, ihn zum Essen zu bewegen.

Amsterbam, 20. Sep'. (WTB.) Den eng­lischen Blättern zufolge richtete ber Bürger­meister von Cork am 40. Tage seines und seiner Kameraden Hungerstreiks an die Iren der gesamten Wett eine Botschaft, in ber er erklärt, tojfe er nicht glauben könne, des englische Volk werde die Durchführung dieses gefühllosen Mor­dens, der Englands Namen in bdfpieCfcner Weise beflecken würde, zulassen. Sollte aber das eng­lische Volk 'keine Mach über seine Regierung haben, würden die Gejangeaar um Irlands willen gerne sterben.

Au» den, Ueiche.

Der Meinungsstreit zwischen Neichsfinanzministcr und Neickspostminister.

Berlin, 20. Sept. (WTB0 Zu den Md* nungsverschiedenhdten zwischen dem Reichs­finanzminister unb bem Reichspostmi­nister über bie Einstufung ber Beamten in bie Besoldungsordnung hören wir, baß es sich um Forberungen ber Postbe­amten handelt, die sich aus Der Höherstufung ber Landes- unb Finanzbramten ergaben unb vom Reicks Postministerium im Eüttcrr.chinen mit bem Beamtenbeirat schon vor Monaten erhoben nnrr- den. Uebcc die Forberunren schnoben zur Zeit neue Verhaublungen, bie hosf.mllich dn für berbe Teile befriedigendes Ergebnis haben werden.

Erhöhung der Bcsitzsteneru.

Berlin, 20. Sept. (Wolff.) Staatssekretär Mösle aus dem ReichSsinanzmini st e- r iu m befindet sich gegenwärtig aus einer Dienst­reise, um mit den Präsidenten bet Landesfinanz- ämter bezüglich "ber beschleunigten Er­höhung der Besitz steuern, besonders des Reichsnotopfers, sich zu berahm Eine Bespreckrung, woran die Bezirke der Laichs iiranzämter Kassel und Darmstadt beteiligt waren, fand am 15. (vPtember in Frankfurt a. M statt. Gegenwand der Beratung waren der Stand der Vorarbetten zur Ausführung der Steuergesetze unb bie Maßnahmen für bit beschleunigte Erhebung des Reichsnotvpsers. Im Laufe dieser Wofe finden Besprechungen gldcker Art in Bayern, Thüringen

UT. 222

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voftfchecktonto: 5rantsi>rt a. M. U685

Seschlüfte -er völkerdundrraler.

Pans, 21. Sept. (WTB.) Ter Böller- bundsrat hat nach dnem HavaSbericht den deutschen Protest gegen bie Ms.immung in Eupen und Malmeby verworfen und die Ikbertragung dieser beiden Kreise an Bclgren endgültig anerftinnt. Ferner hat ber Voltorbmid die Demission des Hernr von B-xh als Mitglied der Sturtominijbn angenommen und zu )d> em Nackf^lger den früheren ^ü gemvi cr ,txni Saar louis, Dr. Hrckor, eniaimt Der Aolrerburchsral hat ferner aus die Cf;obene.iammümg bcs Rates die Genehmigur.g des Budgets b s Bölkrb.nitec. für das Jahr 1921 verschoben und iäe Enoerbung eines Hauses in Genf as Sitz des VölLroundes be­schlossen. ßh.tjcg.ngeiDDmn c.i tourte der Bri t Fisch r über die Aalandsfrage, in dem b c Schluß so g. ru- 'g des juristischen Ddrats an enam- men wird 91ad> dieser Schuß'olgeruug idti) der Völkerbund für zustä.tdig erklärt, jebod) unter dem Vorbel>alt der außergewöhn.ichen Lage Rußl»<nos g g.müber ben Aalandsin.eln. Zn^i.e los, so beil;t cs in ber diesbezüg.ickxn (Srtärung, wünsäch Rutz- laird in bi ser Frage gehört zu werden, wenn cs früher oder später au3 ber grgruwärttg außer* gcwöhulick^en Lage beraud'Jommt. Ter & r.r.ter Finnlan.'s erf.ätic, baß bie sinnische fTicgurin^g iHv n Slrr'dpuu-t zu die'em vo g schlagr ncn B r- fahren Vorbehalte. Sie habe bis.xw aus Grürrden ixr Souveränität den SaiübunÖ oe;t eten, baß aussckchießlich Finnland bas ))ied)t l-abe, enu* Ent- )d)c:bung über bie Bolksaöstimmut.g zu treffen. Hysu.ans erstattete Bedckch über den litauis ch- polni scheu Sloni litt und schug eine Gnt- schlicbring vor, die vöu den Vertretern Litauens und Polens angenommen wurde unb beiden Partercn vorschlägt, die vom Obersten Rat am 8. Dezember 1919 vorgesehene Dema k .tio. slinie als vorläu- fige Grenze unter Boroehalt ihver gegatfeiligen Rechte anzuerkennen.

Die Brüsseler internationale Fiuanzkonsercnz.

B e r l i n , 21. Sept. In derDeutschen Allg. Zeittuig" werden bie Vorarbeiten für bie Brüsseler internationale Fina n z - k o n s e r e n z besprochen, an der weit über dreistig Staaten beteiligt sind. Deutschland sei in durchaus korrekter Weise zur Konferenz dngeladen worden. Mit Deutschland weise die Konferenz freilich auch noch keinen geschlossenen Kreis auf, denn es fehle Rußland. Aus einer Betrachtung der Persönlich­keiten, durch welche bie verschiedenen Staaten ver­treten werden, gehe hervor, baß auf ber Brüsseler Finanzkonferenz bei der ersten großen Arbdt des Völkerbundes vor der polttischen Oesfetttlichkert die besten Kräfte wirken würden und daß deren Tätigkeit dank einer offenbar sorgsamst aufgebauten technischen Organisation leicht und reibungslos von statten gehen weÄen.

behandeln.

Die ErwerbSlosinfürsorge.

Berlin, 20. Sept. Wolff.) Zu ber besonn deren Fülorge für langfr i stiye Erwerbs­lose wir) vom Reichsarbd smmifterium mit- g et eilt:

In betdfiglen Streifen wird vi lsach die Auf­fassung ver.reten, iebem Erw.rbö^osen ttche unter be immten Voraussetz mgen ter Anipruch auf etwa 400 Mark zu aus Mitteln, die vom Reick, de.i Ländern und den Gemünden zu einer bei^noeran F-ürsoi-ge für längs i ige Erwerl-slose I>erd aesteltt sind. Diese Llirffasiung ist nicht zutreffend. Sie gefy ans von Mi teilungm, t<> bet 9ieichs- arck>ei sminisber im volkswir schastlicken Ausschuß mad;tc, die in der Tagesp'esse nicht nchttg wiedev- geg. bcn wurden. Der R icßsarbei smini'er hat icur gesagt, daß ans den 50 Millionen Mark, die tas Reick) berdtstellt und aus Mitteln, die die La "der und Gemdnden dazu geben, nach über­schläglicher Rechnung im Durchschnitt auf den Kopf der Erw.rbslvseu c.nxi 400 Mar? cn.fallen werben. Die Länder und Gemein beit baben aber, wie schon kürzlich in ber Presse bertorgehoben nxur^e, nach den Ansfübrungsbesimmungen des Reickcharbei:smirristers to i geh.mde Irei^hett in ber Art u..3 Hohe ber beson)wm Unterstützung, die sie den Erwerbslosen' zulvmmen lasen können, selbswerständlich im Rahmen der Mittel, die dafür zur Verfügung gestellt werden tonnten.

Vom 1 arteifnmvf in ber h'eickshauptsta^t.

Berlin, 20. Sept. (Wolff) Wegen ber Wahl Dr. Löwensteins (U. S. P.) zum Ober­stadtschulrat von Berlin waren gestern Protest Versammlungen von ber Deutsch- nationalen Volkspattei, ber Deutschen Volkspartei, ber Zentrumspartei unb den jüdischen Religions­vereinen einberufen worden. Mit Ausnahme der Zentrumsversammlungen, die ohne b.sondere Zwi- schensälle durchgesührt werden konnten, unb ber Versammlung der jüdischen Rclmionsvereine wur­den alle Versammlungen durch Massenaufgebot Unabhängiger unb kommunisttscher Elemente ge­stört unb teilweise vereitelt. Es kam in den Ver­sammlungslokalen, besonders im Zirkus Busch und im Kriegerverdnshaus in ber Chausseestraße zu wüsten Auftritten unb Prügeleien.

Berlin, 20. Sept. (Wolsf.) Im Hauptaus­schuß bcs preußischen Abgeordnetenhauses erwiderte Minister Severing auf dne Anfrage, daß das Ministerium beim gegenwärtigen Stand« der Dinge jede Stellungnahme zum Magistrat von Groß-Berlin abtebne? müsse. Das nächste Wort hätte der Lberpröschent. Weder er noch Staatssekretär Freund hätten diesem auch nur im geringsten vorgegriffen. In anderen FÄlen, wo ungeeignete Personen in Staatsstellungen berufen worden seien, hätte er sie nach Erweisung ihrer Mängel rüch'ichtslos entfernt, so den Landrat Pfaff und andere.

Berlin, 20. Sept (Wolff) Der Vorstand des Bezirksverbandes Groß-Berlin der sozial- demokratischen Partei De.utschlanbs warnt imVorwärts" die Arbeiterschaft vor ber Teilnahme an ber am 21. September an gesetz­ten kommunistischm Demonstration.

Ein Ukiis ans Moskau.

Berlin, 20. Sept. (WTB) Wie dieRote F a h n" mitteilt, änderte die kommuni str­iche Partei ^Spartakusbunb) ihren Namen, entsprechen) einem Ukas von -fi.ru, in Kommunistische ParteiDeutschlands, Sektion der dritten tolmmrnistischen Internatio­nale, um.

AuS Lippc-Dktmold.

Berl in, 20. Sept, tWolff.> Die Mitteilung von ber unmittelbar b vorstehenden Einverldbung Lippe-Detmolds in Pr.nßen ist im.utreffenb. Es sanden lediglich auf Anregung Lippes in Sei lut*. 1920 Besprechungen mit Lrppeschen Vertretern ur Berlin statt. Da Lrppe leit dider Zett mcht mehr auf bie Angelegenheit zurückgekommen nimmt man in ber preußisch n Regierrmg an, daß die Sacke fallen gelassen roorben. nt <xtten3 MeußenH kerne Inivati« ergriffen^

Kopenhagen, 20. Sept. (WTB.) Tic.Mösle mit ben Veranlaaungsbehörben ber Bezirke Borlingske TUeilde" melbet aus Kowno: Tie fp-< «xr._t_ <*----

wer wird Präsident von Frankreich?

Seitdem Paul Deschanel, Präsident von Frankreich, im Mai dieses Jahres auf der Fahrt nach Montbrison, bekleidet mit einem Pyjama, aus dem Zuge fiel, spricht die ofsi- »ielle Pariser Presse von einer geistigen Uebermüduna, die den Präsidenten hindert, seinen Reprosentationspflichten nachzukorn- men. Natürlich ist es Schlimmeres. Der medi­zinische Name der Krankheit wird nicht ge­kannt. Die etwas wissen, erzählen Anek­doten, wie sie einst über König Otto von Bayern umgingen Ganz kürzlich gab es im Schlosse Rambouillet einen nächtlichen Alarm Alle Aerzte, die Deschanel behan­deln, wurden gerufen, und noch in Aix-les- Bains entschloß sich Ministerpräsident Mil­lerand, die Nationalversammlung einzuberu­fen, was 48 Stunden nach dem Rücktritt des Präsidenten geschehen muß. Der arme Des­chanel, der einst der schöne Paul genannt wurde, und der durch Herkunft, gesellschaft­liche Ausbildung und politische Laufbahn er bekleidete niemals einen Ministerposten mehr als sonst einer dazu bestimmt schien, sein Volk zu vertreten, er ist, statt sieben Jahre zu präsidieren, schon nach 8 Mona­ten erledigt. Wer wird sein Nachfolger wer­den? Miller and, der bisher die meisten Aussichten hatte, weigert sich so energisch, daß man fast glauben kaim, er ziert sich nid>t. Er hält es für seine Pflicht,Das Parlament zu verhindern, eine solche Dummheit zu be­gehen". In der Verlegenheit greift man auf Ion ner t zurück. F-ür diesen wird in der französischen Oeffentlichkeit jetzt sehr starke Propaganda gemacht. Jonnert war bei der letzten Wahl, am 18. Januar 1920, zweiter im Rennen Während Deschanel von den 897 Stimmen der Nationalversammlung, d. i. der mit dem Senat vereinigten Kammer, 734 hatte, erhielt Jonnert 54, Clemenceau (der auf seinen eigenen Sieg sicher gerechnet und schon daS Festmahl in Versailles bestellt hatte) 53, Poincarö 8, Foch 7, Bourgeois ö usw. Jonnert ginge also diesmal glatt als erster durchs Ziel, wenn er auch nur einen Teil der seinerzeit für Deschanel abgegebe­nen Stimm en erhielte. Jonnert, ein ehemali­ger Bankier, der Schwiegersohn des größten französischen Privatbaniiers (Aynart in Lion) gehört zu den reichsten Leuten in Paris, Reichtum aber spielt in der französi­schen Politik die allergrößte Rolle. Sonst ist Herr Jonnert alles andere eher, als ein großer Mann. Er verfügt über einen guten Durchschnittsverstand und ist sogar ein schlech­ter Redner. Im dritten Kabinett Briand, vor bem Krieg, ist Mnnert zwei Monate lang Minister des Aeußeren gewesen. Er verriet bei keinerlei Begabung und nicht einmal be­sondere geschäftliche Erfahrung. Im Kriege erwarb er sich als Oberkommissar der En­tente in Griechenland von der Pariser Boule- ivardpresse Lorbeeren durch die gewaltsame Bertteibung Konstantins und die Einsetzung des Venizelvs in die Macht. Unter Clemen­ceau war er eine Zeitlang Blockademinister, nach dem Kriege als Nachfolger Loucheurs ebenfalls nurckurze Zeit Vorsitzender dev Wie- bergutmachungskommission. Er hat auf rein polttischen Poften nie lange'gut getan. Trotz­dem gehört er zu den 8 odm: 9 Zivilmacht­habern ht dem Frankreich der Gegenwart, ffr steht in der engen Fühlung mit dem Kreise bchneider-Greuzots, des verhängnisvollen Mannes, der hinter den Kulissen die parla­mentarischen und militärischen Drahtpuppen lenkt, und von dem Poincars nur ein Vasall war.

Auch Raoul P e r e t, der derzeitige Kam­merpräsident, wird genannt Er rückte in die Stellung ein, als Deschanel Präsident von Krankretch wurde. Sehr bezeichnend für die heutige Stimmung in Frankreich, wenn auch rechnerisch aussichtslos, ist die von rechts­stehenden Kreisen geschickt beschriebene Kandi­datur des Generals de (Ea ft ein au. Man hofft, mit diesem religiösen Militär das Ma­növer zu wiederholen, das vor 40 Jahren mit «ac Ma hon mißlang. Der Gedanke ist der, tinen unpolitischen Strammsteher ins Elysee hmeinznbringen, der dann im günstigen klugen blick einem Monarchen den Platz u- wen werde. Foch ist nicht gefügig genug. Dsv wählt man Castelnau. Ein verrückter Plan, der in gewöhnlichen Zeiten zum Lachen reizen würde. Heute ist es ernster. In einer qtit, wo neben einer konservativen Partei tine geschwächte republikanische Partei be» 'lebt und wo die Sozialisten dauernd mit Re- tolution und Diktatur des Proletariats drohen, ist ein solcher französischer Streich rla Kapp-Putsch denkbar. Oh, eS ist so man» faul im Siegerstaate Frankreich, und ?ller. Glanz Don Spaa, Aix-les-Bains und Brüssel kann darüber nicht hinwegtäuscheu.

U0. Jahrgang Dienstag, 1\. September 1920

jffggy A Annahme von Anzeige«

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fSauptfchrif tlciter 2lug.

General-Anzeiger für Gderheffen MW

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