Montag, 21 Juni 1920
170. Jahrgang
Erstes Blatt
drei Parteien verwirklicht werden könne.
für den
Rücktritt des portugiesischen Kabinetts«
Lissabon, 19. Juni. (Wolff.) M. Kabi^ nett ist aurütf getreten.
lands. Sie Müssen den Beweis erbringen, daß ohne diese Wiederherstellung unserer Leistungsfähigkeit auch unsere Zahlungsfähigkeit nur auf dem Papier bleibt, daß jede Festsetzung unserer Verpflichtungen völlig nutzlos ist, wenn Man uns nicht die Mittel (in die Hand gibt, unsere Wirtschaft wieder, in Ordnung, unsere Bevölkerung zu regelmäßiger und genügend ertragreicher Arbeit zu bringen. Die Initiative zum produktiven Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten Welt muß in Spaa lin den Händen unserer Vertreter liegen. Sie müssen dort sogleich zur Offensive eines schöpferischen Programms, eines Programms übergehen, dessen Logik zu zwingend ist, als daß es einfach mit einer Handbewegung beiseite geschoben werden könnte. Bleiben sie, wie bisher, in der unfruchtbaren Defensive leeren Protests, so wird auch Spaa nur leine Etappe auf.unserem Wege zu völliger Verelend düng sein.
Zur Regierungskrise.
In der politischen Krise, die nunmehr über eine Woche dauert, haben die Parteien, die nach dem Ergebnisse der Wahlen ihre bisherige Macht mit andern politischen Richtungen teilen.müssen, leider so gut wie ausschkeß- lich parteitaktische und parteiegoistische Gesichtspunkte zur Debatte gestellt und zur Geltung gebracht. In einem Berliner Mittagblatte hat der Abgeordnete Vögler in vortrefflicher Weise darauf hingewiesen, wie vollkommen die Parteien der bisherigen Regierungskoalition die Interessen sowohl des inneren Wiederaufbaus wie der Sicherung und Förderung unserer Stellung nach außen ignorieren und wie ihnen nichts weiter als Grundlage ihrer Haltung und ihrer Entschlüsse dient als Erwägungen über die Wirkung, die das Zusammenarbeiten mit dieser oder jener Richtung für ihre Erfolge bei den nächsten Wahlen haben -wird. Es ist überaus charakteristisch für den.allgemeinen Mangel an staatlichem Verantwortungsgefühl, daß die Konferenz von Spaa in den Aeußerungen der bisherregierenden Parteien zur Krise und zur Neubildung des Kabinetts überhaupt keine Rolle gespielt hat. Ju -jedem anderen Lande hätte das Bevorstehen einer internationalen Entscheidung von so außerordentlicher Tragweite alle anderen inner- und parteipolitischen Rücksichten und Bedenken in den Hintergrund gedrängt und alle staatsbejahenden parlamentarischen Gruppen hätten.sich in dem Bestreben geeinigt, die besten Männer für die Teilnahme an so schicksalsschweren internationalen Verhandlungen zu finden und ihnen unbekümmert um die mehr oder minder aufgebauschten inneren Gegensätze einen starken Rückhalt int Parlament und in der öffentlichen Meinung zu sichern. Statt den Parteihader zu schüren und die Führer anderer politischer Richtungen persönlich zu verunglimpfen, hätte man sich in einer solchen Situation in jedem anderen Lande unverzüglich an die Aufstellung eines praktischen Aktionsprogramms für die bevorstehenden internationalen Verhandlungen gemacht und hätte alle Kräfte herangezogen, die.für den Entwurf oder für die Ausführung dieses Programms Nützliches leisten könnten. Hätten wir die politische Reife, die unsere demokratisch-parlamentarische Verfassung voraussetzt, so hätte es für die Mehr- heits- und Regierungsbildung vom ersten Augenblick an nur eine Parole und einen Leitsatz geben dürfen: Spaa. In Wahrheit aber kannten die meisten unserer sogenannten politischen Führer keine andere Sorge als die, ob sie sich mit diesem oder jenem an einen Bll- ratungs- und Arbeitstisch setzen könnten, ohne sich bei ihren Wählern allzu sehr zu kompromittieren. Den Gipfel der Verantwortungslosigkeit erreichte die Aeußecung eines sozialdemokratischen Ministers, es geschehe dem Volke ganz recht, wenn es jetzt keine Regierung bekomme, die nach innen und außen für seine Interessen und seine Wohlfahrt sorgen könne. Das Volk habe falsch gewählt und müsse jetzt dafür seine.Strafe haben. Wenn ein Preis füll die beste Methode ausgeschrieben würde, das parlamentarische Regime lächerlich und unmöglich zu machen, so müßte ihn der Mann erhalten, der dieses unglaubliche Wort gesprochen hat.
Die Tatsache, daß die größte Partei des Reichstags ihr Fraktions- und Wahlinteresse höher stellt als die Verantwortung für Staat und Volk, wird leider hochstwahrscheinlick) zur Folge haben, daß unseren Vertretern in Spaa der notwendige.kräftige Rückhalt int Paria« ment und in der Oeffentlichkeit der Heimat fehlt. Die Erfüllung ihrer Aufgabe wird dadurch naturgemäß außerordentlich erschwert werden, und es wird für eine Regierung nut ungenügendem parlamentarischen Eigengewicht fast unmöglich sein, eine wirkliche Parität in Verhandlungen mit Ministern zu erzielen, hinter denen in bei uns leider unbekannter nationaler.Geschlossenheit ihre Länder stehen. Umso wichtiger ist es, daß wenigstens beider Auswahl der Persönlichketten, die uns in Spaa vertreten werden, die allergrößte Sorgfalt angewandt wird, und daß jede unsachliche Rücksicht auf Parteifreundschaften und Koterien unter allen Umständen unterbleibt. Nach Spaa dürfen nur die außenpolitisch und wirtschaftspolitisch sachkundtgsten und erfahrensten Männer, über dte wir überhaupt verfügen: und diese Männer dürfen nicht nur Proteste mitnehmen, mit Ziffern belegte Versicherungen unserer Armut und unseres wirtschaftlichen Unvermögens, sondern sie müssen in der Lage sein, in Spaa ein wtrk- liches positives Arbeits- und Wiederaufbau-' Programm vorzulegen, ein Programm europäischer und sogar über Europa htnausgret- sender Arbeitsgemeinschaft, ein Programm internationaler Hilfe für die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts und her wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutsch-
Ur. 143
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Der Boykott gegen Ungarn.
Wien, 20. Juni. (Wolff.) Der Boykott gegen Ungarn hat, den Blättern zufolge, heute begonnen. Die „Arbeiterzeitung" schreibt: Zum ersten Male greift die Internationale der Gewerkschaften mit einer großen Aktion in die Getriebe der europäischen Politik ein. Der Boykott, den die Gewerkschaftsinternationale über Ungarn verhängt hat, stellt den ersten Versuch dar, die gewerkschaftlichen Kampfmittel in den Dienst einer internationalen politischen Aktion zu stellen. Es wird, wenn nicht alle Zeichen täuschen, sehr bald Gelegenheit zum Eingreifen auch bei anderer Gelegenheit gegeben sein.
Wien, 20. Juni. (WTB.) Die Korrespondenz Herzog meldet, daß feit Mitternacht der B o tz- ko t t aus den Bahnen, mit Ausnahme des Personenverkehrs, und im Post-, Delegraphm- und Telephonverkehr in Kraft getreten ist. Wie verlautet, wurden die Tei'-phonleittmgen an der Grenze unbrauchbar gemacht. Eine einzig» Leitung dient noch dem TelephonverkM der Regierung und der diplomatischen Vertretungen und Missionm. An Telegrammen werden nur bffördert Staatstelegramme, diplomatische Korrespondenzen und Trau- sitde^schen. Der ungarische Gesandte in Wien Dr. Gratz bespricht in Budapest die Boykottfrage.
Budapest, 20. Juni. (WTB.) Der Standpunkt der ungarischen Regierung zum Boykott gegen Ungarn ist, wie das „Ungar. Korr.-Bnr." erfährt, der, daß die ungarische Regierung gegen alle Staaten, welche die Blockade tatsächlich durchführen, von ihrem vollen Rechte, Repressalien zu ergreifen, Gebrauch machen und dieselben Maßnahmen durchführen wird, welche gegen Ungarn in den betreffenden Staaten tatsächlich. durch- geführt werden.
Die Regierungskrise in Oesterreich.
Wien, 19. Juni. (Wolff.) Bei der heutigen Besprechung der Parteiführer büm Prästdenten Seitz über die Neubildung der R^ierung schlugen die Christlich-Sozialen die Bildung emes Kabinetts aus neutralen Fachmännern vor, das von allen Parteien imtcrftüfct werd; ober eventuell die Bildung eines parlamentarischen Kvnzentrations- kabinetts, lehnten aber die Bürauung des demissionierten Koalitionskabinetts mit der Fortführung der Geschäfte bis zur Durchführung der Neuwahlen ab Die Grvßdmtschen stimmten der Bildung -nnes neutralen Kabinetts zu, wenn alle drm Parieren sich zur Unterstützung verpflichteten. Die Sozialdemokraten erflärten, sie könnt;n ein bürgerliches Kabinett, auch wenn es nur aus sogenannten Fachmännern zusammengesetzt sei, w;der wählen noch mtterstützen. Die Beteiligung an -nnent Konzentrationskabinett sei für die Sozialdemokratie ausgeschlossen. Die Sozialdemokraten nriirbnt im äußersten Falle, wenn infolge dm Weigerung der bürgerlichen Parteien, die Regierung zu übernehmen, eine Regierung überhaupt nicht zustande kom- men könnte, zulassen, daß die sozialdemokratischrn Mitglieixr des gegenwärtige Kabinetts bis zu den Wahlen die Geschäfte weitwführen und zwar imter der Voraussetzung, daß bestimmte Bedingungm bezüglich der Wahlordnung, des Wahltermins mit der Vermögensabgabe erfüllt würden. Di; Verhand- hmgen wurden dann behufs Berichterstattung an die Parteien unterbrochen.
Berlin, 19. Juni. (WTB.) Tie Verhandlungen -zwischen Fe'hvenbach unb den Parteiführern gelten den Abendblättern zufolge als soweit gediehen, daß man von einer Lösung der Krisis sprechen könne. Tie Demokraten,, die besonders auf die Sicherung der republikanischen Verfassung brangten, sollen durch die Erklärungen der Deutschen Bolkspartei befriedigt fein. Die Deutsch«; Volkspartei erklärte, wie das „Berl. Tgbl." mitteift, daß sie sich auf den Boden der Verfassung stelle, den gegebenen Verhältnissen Rechnung trage und von einer monarchistischen Agitation muer- halb der Regierung und Koalition absehen werde. Nachmittags soll die programmatische Regierungserklärung formuliert werden. Tie sdzialdemV- kvatische Fraktion wird nach Mitteilung ves „B. Tgbl." der neuen Negierung voraussichtlich, wenn auch vielleicht ein bedingtes Bertrsuensvotum erteilen, um ihr bte parlamentarische Möglichkeit einer einigermaßen gesicherten Stellung für die nächste Zeit zu geben. Tie Deutschnationa len feien entschlossen, mit Rücksicht auf die bevor- stellenden Verhandlungen in Spaa eine ähnliche Haltung wie die Sozialdemokratie einzunehmen.
Berlin, 19. Juni. (WTB.) Tie demokratische Reichstagsfraktion setzte auf Grmch neuer Verhandlungen zwischen dem als Reichs'Ämzler in Aussicht genommenen Präsidenten Fetzren - bad) und dem Fraktionsführer Dr. Petersen ihre Beratungen heute fort. Wie in den vorher- gegangenen Sitzungen wurde auch in dieser als erste Voraussetzung für den Eintritt in die neue Regierung gefordert, daß ihre Tätigkeit sich klar und unzweideutig auf dem Boden der verfassungsmäßigen, republikanischen Staatssiorm auf» baut. Tie weitere Aussprache war vertraulich.
Berlin, 19. Juni. (WTB.) Die Deutsche demokratische Partei beruft den Parteiausschuß auf Dienstag nach Berlin ins Reichstagsgebäude zur Stellungnahme zur politischen Lage.
Berlin, 20. Juni. (Priv.-Tel.) Die Morgenblätter sind ziemlich einig, daß mit dem Zustandekommen des Blockes der Mitte noch nicht endgültig gerechnet werden könne. Man müsse noch das weitere Ergebnis der demokratischen Beratungen und den Besdstuß der Sozialdemokratie am Dienstag ab wart en, ob nämlich diese der neuen Koalition für alle Fälle wohlwollende Neutralität
Tas Gesetz tverde im Auslande den Eindruck erwecken, daß es sich hier um die alte Politik des Einsackens handele. Er verlangte, daß die Vorlage zurückgestellt werde, bis der Völkerbund über den Umfang der Rechte der Mandat - macht entschieden habe. Asquith bezweifelte die Korrektheit der Vorlage. Tie alliierten und assoziierten Mächte hätten überhaupt kein Recht cü> Mandat zu übertragen. Das Abkommen sei vom juristischen und völkerrechtlichem Standpunkt ans ungültig und verstoße gegen den Wortlaut und Geist der Völkerbundssatzung. Die Angelegenheit sei an sich nicht bedeutungsvoll, werde es aber weil sie für größere Fragen einen Berufungsfall bieten könnte. Nachdem Bonar Law die Vorlage verteidigt und die Beschuldigung selbst- füdjtiger Bestrebungen zurückgewiesen hatte, bemerkte Lord Robert Cecil, er habe viele Regierungen gekannt, aber nicht eine, die in ihrer Wahrheitsliebe und der Ehrlichkeit ihres Handelns in so schlechtem Rufe gestanden habe, wie die gegenwärtige. Bonar Law bemerkte: „Das sind sehr starke Ausdrücke^.
Tie Vorlage wurde schließlich in zweiter Lesung angenommen.
Eine Anfrage im englischen Unterhaus.
A m fte rdarn, 19. Juni. (WTB.) Im englischen Unterhaus richtete gestern Bettonv- bey folgende Anfrage an Lloyd George: Will der sehr ehrenwerte Herr denn nicht das Haus ins Vertrauen ziehen und uns mitteilen, daß die Frage der Bestrafung der Kriegsverbrecher in gleicher Meise wie viele andere Wahlversprechen als p o l i t i s ch f a u l e S ch u l d ab- geschrieöen werden muß. Lloyd George erwie- derte: Ich kann nicht im mindesten zugeben, daß sie abgeschrieben werden sollte. Das wücds eine schwere Pflichtversäumnis unsererseits bedeuten.
Die Entwaffnung Deutschlands.
Paris, 20. Juni. (Wolff.) Die Botschafter- konserenz hat heute vormittag unter dem Vorsitz von Jules C a m b o n eine Sitzung abgehalten. Sie hat Entscheidungen festgestellt über die Frage der Entwaffnung Deutschlands. Diese Entscheidungen entsprechen denen des mterallierten militärisck>en Komikers und werden den Regierungschefs, die in Bonlogne versammelt sind, mitgeteilt. Zu dieser offiziellen Mitteilung bemerkt der „Demps", daß die Sitzung nur von kurzer Dauer gewesen sei, da die Mitglieder des Botschafterrates im Besitze von Instruktionen ihrer Regierungen gewesen seien. Ob zwar die Entscheidungen des Obersten Rates nicht veröffentlicht wurden, glaubt der „Temps" zu wissen, daß das deutsche Heer innerhalb der sestgesetzten Zeit, also bis zum 10. Juli, auf 100 000 Mann zurückgeführt werden müsse. Im Falle die deutsche Armee von 100 000 Mann nicht genügen werde, um die innere Ordnung aufrechtzuerhalten, müsse zur Schaffung regionaler Polizeitruppen geschritten werden. Die nächste Sitzung des Botschafterrates findet kommenden Samstag statt. *
Die Politik des Einsackens.
Amsterdam, 19. Juni. (Wolff.) Englischen Mattern zufolge kam eß' im Unter hause ber der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs über das Abkommen über die Nauruinsel zu enter lebhaften Ausspracw. Die früher deutsche Insel, dte wertvolle Phosphatlager enthält, wurde bet den Besprechungen in Paris unter die Kontrolle der Regierungen des vereinigten Köntgsveichs, Australiens und Neuseelands gestellt. Die gewonnenen Phosphatmengen fattten nach dem Gesetzentwurf diesen Regierungen gegen Selbstkostenpreise, den anderen Ländern zu Marktpreisen verduft werden.
Lord Robert Geeit erklärte, die Vorlage set mit M. 22 der WlkMmdÄatzML »huckein bat
zusagen werde. Dem ,Lok al an feiger" zufolge wirb auch in demokratischen Kreisen betont, baß es nicht angehe, daß die Sozialdemokvaten bei Abstimmungen int Reichstag von Fall zu Fall entscheiden. Die „G e r m a n i a" sagt : „Nach Feststellung der grundsätzlichen Bereitwilligkeit der drei beteiligten Parteien bleibt noch die Verständigung über das Regierungsprogramm übrig. Sie scheint nur eine Frage der richtigen Formulierung zu sein, damit die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit den Wiederaufbau des Vaterlandes zwischen
gutmachungskommission Dhysse. Japan wird seine beiden Gesandten in England und Frankreich Lur Konferenz entfenbm. Italien ist durch den Minister des Aeußern Grafen Sforza vertreten. Tie englische D elegativn ist noch nicht bekannt.
Paris, 19. Juni. (WTB.) Hävas. Laut einer Reutermeldung wird Veniselvs an der Konferenz in Bonlogne teilnehmen.
23autogne, 20. Juni. (WTB.) H<was. Der italienische Minister des Aeußern Graf Sforza, der englische Botschafter in Paris, Lord Derby, der japanische Botschrftsrat Nagaoka und verschiedene andere Persönlichkeiten sind heute abend zur Konferenz in Boulo gne eingetroffen. Gleichzeitig kamen der belgische Minister des Aeußern Huymcms und der Wirtschaftsminister Jaspar an. Lloyd George, Millerand, Marschall Fach, Chamberlain, der japanische Botschafter in London und die französischen und englsichen Sachverständigen werben M ontag vormittag dort erwartet. Veni- selos, der sich am Sonntag in Folkestone aufhielt wird ebenfalls morgen bort eintreffen.
Amsterdam, 20. Juni. (Wolff.) Aus London wird gemeldet: Die für Montag angesetzte Zusammenkunft zwischen LloydGeorge und M i 1- lerand in Boul ogne entwickelt sich nunmehr zu einer wichtigen Konferenz d^ Obersten Rates. Sie wird bezüglich des Umfangs der zu behandelnden Gegenstände viel wnter gehen, als ursprünglich geplant war. Die Zusammenkunft in Hythe dient einer Dorbereitenbm Besprechung.
Paris, 20. Juni. (Wolff.) Millerand traf heute vormittag in Folkestone ein, um von dort am Montag mit Lloyd George nach Bonlogne zurückzukehren. Die erste offizielle Konferenz in Folkestone wird für heute erwartet. Havas bestätigt, baß es sich bei der Besprechung rn Folkestone hauptsächlich um finanzielle Fragen handeln wird, vornehmlich um die Entschädi- gungs- und Wiedergutmachungsfragen, aber auch die rnffische Frage werbe erörtert werben. Wenn eine Uebereinftimmung auf der Grundlage des Projekts, mit dem übrigens die französischen wie die englischen Sachverständigen sehr zuftieben feien, in Folkestone unb Boulo gne erzielt würbe, wäre bas ein großer Fortschritt in der Regelung ber finanziellen und wirtschaftlichen Fragen in einem für Frankreich, "England und Belgien sowie auch Italien, das durch die Annahme des Vorschlags Frankreich und England entgegenkommen würde, günstigen Sinne bedeuten. Der wichtigste Punkt sei, daß das finanzielle Projekt ohne Rücksicht auf politische und namentlich innerpolftische Erwägungen angenommen werde. Die russische .Frage sei weniger gut borbereitet.
London, 20. Juni. (WTB.) Havas. Nach ber Ko n fereuz in Hythe vom Sonntag nach- mittag wurde folgende Mitteilung ausgegeben: Tie französische Regierung stimmt der Ansicht der britischen Regierung bezüglich der be- bebauerliefen Langsamkeit zu, mit der die deutsche Negierung die Bestimmungen des Versailler Ver- ttages "hinsichtlich der Abrüstung, ausführt. Die beiden Regierungen 'haben gemäß einer gemeinsamen Uebcreinhrnft beschlossen, der interalliierten Konferenz iwn Bonlogne nahezu legen, dem Militärrat Weisung zu erteilen, Vorschläge zu machen hinsichtlich einer beschleunigten Ausführung der Bestimmungen des Friedensvertrages, die sich auf die deutsche Abrüstung der Mannschaftsbestämde und des Kriegsmaterials beziehen. Am Sonntag abend wurde in Hythe folgende Mitteilung ausgegeben: Heute nachmittag würben in Hythe verschiedene Fragen behandelt, darunter auch diejenige der Wiedergutmachung. Tie Fortsetzung der Besprechung würbe der in Boulogne beginnender, Konferenz Vorbehalten.
vir Konferenz in Bonlogne.
Paris, 19. Juni. (WTB.) Wie das „Echo de Paris" mitteilt, bestätigt man, daß die Konferenz von Spa wegen der Schwierigkeiten der deutschen Kabinettsbildung auf den 15. Juli verschoben werde.
Paris, 19. Juni. (Wolff.) Auf der Tagesordnung ber interalliierten Konferenz von Bonlogne steht neben ber Frage der Wiedergutmachungssumme auch die Frage der deutschen Abrüstung. Es scheint, daß zwischen den Alliierten eine Einigung zustande kommen wirb.
Paris, 19. Juni. (WTB.) Miinsterpräsi- bent Millerand ist 'heute morgen von Paris über Boulogne nach England abgereist, um mit Lloyd George in Hythe vor der Konferenz von Boulogne zusamnrenzutreffen. In Begleitung Millerands betrüben sich Marschall Fach, Finanzminister M a r s a 1 und General W e y g a n b.
Paris, 19. Juni. (WTB.) Havas'. Tie Zusammensetzung ber Kd-nferenz von Bonlogne, die Montag zusammentreten soll, ist folgende: Frankreich wird vertreten sein durch Millo- ranb, Biarschall Foch, General Weygand, Avenol, delegierter für Finanzen beim Obersten Wirtschaftsrat und Tirektor beim Fmanzministerium, unb Eheyssoir, Vertreter Frankreichs bei der Wie- dergutmachungsDmmissiion. Tie belgische Delegation bestckht aus Huysmmrs, dem Minister des Aeußern, Jaspar, dem Minister für Wirtschasts- augel-Wm hallen und tem Vertreter Jfei ber Wieber-
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