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Nr. 92
D<r Gießener »nzeiaer erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags.
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Erster Blatt
170. Zahrgang
Dienstag, 20. April 1920
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Vruck und Verlag: Vrühl'sche Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Zchriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit. Preis für \ mm höhe für Anzeigen v. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf., für Reklame. Anzeigen von 70 MM Breite 150 Pf Bei Platz. Vorschrift 20°, Aufschlag. 5>auptschriftletter: ‘.'lug. Goctz Verantwortlich für Politik: Aua. Goetz; für den übrigen Teil: Dr Reinhold Ienz: für den Anzeigenteil: jr>. Deck, sämtlich in Gießen
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Ifl* dapagraphjschE lch 12. Mai 1920 wen ^marhing Gejsz- nzreguliernng mit umtti/Mteuluin le nebft den alpya-
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ßriedensbedingungen und wirtschaftliches Verständnis.
Immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß das gesamte deutsche Volk die im Friedensvertrag niedergelegten Forderungen der Entente in ihrer Furchtbarkeit kennen lernen muß; denn nur dann ist es möglich, daß es wieder zur Besinnung gelangt, Laß es vor einer völligen Demoralisierung gerettet wird, vor der Seuche nach dem Luxus, die allein es ermöglichte, daß — nach den Schätzungen des Reichswirtschastsmini- periums — für 17 Milliarden Mark Waren auf ungesetzlichem Wege durch das „Loch im Westen" in Deutschland einwandern konnte, die das deutsche Volk wohk entbehren konnte, wie seidene Strümpfe, Ju- pons usw. usw. Treffend erklärt der frühere Staatssekretär Dr. August M ü l l e r in seiner Flugschrift „Gewaltfrieden und Wiebcranf- bau" (Verlag der Kulturliga, Berlin 1920), daß durch diese ungeheuerliche illegale Eiip- fuhr von Luxusartikeln der schlechte Stand unserer Valuta zu einem guten Teile mit herbeigeführt worden ist, und er stellt die berechtigte Forderung, daß wir die Ein- und Aus- stihr in der Hand behalten und eine Wird- schaftspolitik treiben müssen, die in jeglicher Hinsicht abgestellt ist auf den Gedanken der höchsten Leistungsfähigkeit, auf das höchste Maß von Produktivität.
Mit Recht sagt Müller über die Versailler Friedensbcdingungen, über „das Schick- salsbuch des deutschen Volkes": „Wenn dieses Buch mehr gelesen würde, dann würde vielleicht mehr wirtschaftliches Verständnis in unserem Volke-herrschen, mehr Ernst und Arbeitsamkeit und weniger Tanzlust und Spielwut nrirrbc die Folge sein, und alle die aii>- bercit unangenehmen Zeichen moralischer Verwildern W würden ui geringerem Grade bei lmZ ststzustellen sein, als das heute der Fall ist."
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Varschauer Verhandlungen über das deutsch-polnische Abkommen.
Warschau. 19. ?lpril. (Wolff.) Haras. Am 10. und 17. s?Lt>rt( fand?n Besprechungen statt zwi- f6en dem Mivistervräsidenttn, dem Eisenbahn- niniftcr, dem Postminister, bem General Hal'.cr imb Sir Reginald Tower über das deut sch - Pvlnische ‘Abkommen. Sobald die Wahlen für die Konstituante beendet sind, hat die Stadt Tau zig einen Entwurf auszuarbeiten, der in llebereinstimmung mit dem im Januar von Sir Reginald Tower cingereichten Projekt geprüft wer- dm wird. Ferner wird die Frage der Verteilung des deutschen Staatsgutes zwisdicn Polen und Danzig erörtert. Tie Frage des Banes eines großen Vafcns wird dieser Verl-ilung untergeordnet. Ta die Mächte hierüber leine Entscheidung getroffen haben, wurde be'chlos en, daß die polnische Regierung in Pari? Schritte unternehme, um zu ffitcr raschen Eittsdieibmig zu gelangen. Mau er- ;rä<K die Umgestaltung oder audr Auflösung der Sicherheit s wehr, was für die ^Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten notwendig sei. Sir Reginald Tower teilt die Ansicht der polnischen Regierung, daß Tanzig ein b e - deutender Lasen Polens werben mülle, ^nächst als Handelshafen. dann als .fkriegsb-rsen. Tie polnischen Vertreter münfdien, mit Tanzig die besten Beziehungen zu unterhalten. Polen wird die Versorgung Danzigs bis zur nächsten Ernte über- vehmen.
Die Konteren) von San Remo.
Paris, 19. April. (Wolfs.) Nach dem offi- xitllcn Davas >rommunigus ist gesrern in San Acmo entsch/ieBen worden, daß die Konferenz sich zuerst mit der türkischen Frage beschäftigen werde, lieber jede Sitzung wird der Sresse am Albend ein offizielles Kommunique
is, 19. Llpril. (Wolff.) Nach einer Ha- »asmcldung aus Sau Remo wird Amerika «ns der Konferenz nicht vertreten sein.
Paris, 20. April. (WTB.) Ter Sonder- 'Vrid^crftnttcr der „Daily Mail" melde! aus San Remo, Fach l-abe einen Bericht ausgearbeitet, TMd? dem eine Armee von 300 000 Dimin notwen- Sig sei, um über die Llussührung des türfifdxm ^riedensvertrages zu wacken.
Nach einer L?avasmeldung begann die erste Ätzung der interalliierten MinisterLorneren; in San Reuw gestern vormittag 11 Ubr. Kein milr- Lirischer oder maritimer Sachverständiger wohnte ter Sitzung bei.
Ter Kriegsminister Lefeure äuv'rte zu dem Pariser Berichterstatter der „ALorniny Post": Tie 2el>ruptung, Franbreich sei militärilch oder irn- trerialistisch, sei umvalu. Tie letzten Ereignhse in Deutschland seien die beste -buwort, die man auf tiefe Anfrage geben könne. Tie sofortige Ennva'l- ntng Deutschlands oder die allgemeine Abrüftzmg wären sicher die beste Aietliodc, die G-'tttr eines reuen Konfliktes zu beseitigen. Unglücklicherweise mache aber die Haltung Amerikas, das sich weigere, dem Völkerbund beizutreten, den zweiten 8 eg fast unmöglich Es gäbe indessen noch ein anderes Mittel, um Deutschland tatsächlich zu ent- maftnen und es zu Verbindern, einen neuen Krieg »i beginnen. Das wäre, daß die Alliierten nd» ter Kohlenbergwerke des Ruhrgcbie- vcs bcmäd)tistcit und sie »um Nützen Europas au>.
beuteten. Die Alliierten werden natürlich Deutsch-1 land gestatten, die Kohlen zu verlangen, die es für fein Wirtschastliches Leben braucht, nicht aber die | Mengen, die es für seine militärischen BÄnrrfnisse notwendig habe.
Eine deutsche Note
über die Lmwohnerwehrsrage.
Berlin, 19. April. (Wolff.) In Sachen der Einwohnerwehrfrage richtete die deutsche Regierung an den Vorsitzenden! des internationalen Neberwachungsausschusfes für das Landheer, General Rollet, eine Note, worin sie zu der Ententenote vom 12. März Stellung nimmt, und betont, daß diese Note von unzu- treffenben Voraussetzungen über den Ausbau und ben Zweck der Einwohnerwehr ausgelst.
Die Einwohnerwehren wurden in den Wirren des vorigen Jahres von den ordnungsliebenben (Elementen in Stadt und Land zu dem Zweck gegründet, durch Unterstützung der geringen militärischen Nttäftc und der berufsmäßigen Polizeiorgane die Heimat vor vollständiger Auslösung der Ordnung zu bewahren und gesetzmäßige Z u st ä n d e z u sichern. Bei der Gründung, wie bei dem Ausbau und der Einrichtung ist jeder Gedanke an eine Verwendmra zu rnili- tärifcfrn Zwecken, insbesondere zur Vorbereitung des Kammes gegen die auswärtigen Gegner, ausgeschlossen gernefen. Auch ist ieglidx Sickxrl-eit gegen einen Mißbrauch dieser Organisation in leder Hmsicht gegeben.
Tie Behauptungen, daß die Einwohnerwehren militärische Hebungen abha'.ten, entspr.cht nicht den Tatsachen. Die Möglichkeit, daß die Einwohnerwehren einer durch den Friedensvertrag verbotenen Mobilisation Vorschub leisten wollen, ist schon deshalb nicht vorhanden, meil die Organisationen in den einzelnen Ländern dos einheitlichen Zusammensch.uises von Reichs wegen entbehren. Tic Reichszetttralstell.' der Einwohner - wehren hat nur die Durchführung der allgemein notwendigen, nicht militärisch.m Maßnahmen. wie die Lebens- inib Unsallversicherimg ihrer Mitglieder in die Hand genommen. Eine listen mäßige Kontrolle im Sinne der Aushebung sinkst nicht statt. Uebcrbicy setzten sich die Einwohnerwehren zur Halste aus über 40jährigen Mitgliedern zusammen.
Tie Einwohnerwehren haben zweifellos dazu leigetragen, die allgemeine Sicherheit in Deutschland zu befestigen, und haben in den Unruhen der letzten Wochen große Vermögenswerte vor der Vernichtung bewahren können, lebrnswich- tige Verkehrseinrichtungen ausrechttrhaiten sowie ordnungswidrige Elemente in Schach halten können, wo Militär oder Polizeikräste nicht zur Stelle waren. Insbesondere auf dem platten Lande verbürgt die Einwohnerwehr den Schutz für die Aufbewahrung und Beförderung der R a h r u n g s- mittel. Besonders haben >ich die Einwohner- webren in Bayern bewährt, wo es ihnen zu danken ist, daß vor einem Jahre die Räteherr- schast nicht weiter um sich gegriffen hat.
Ter Nutze', der Einw »kn tr wehren hat auch im Au slande völliges Verständnis gefunden. Von verschiedenen Seiten wird in ihr ein Muster des Selbstschutzes ter Bevölkerung erblickt, iro diese sich nicht auf staatliche Mittel zur Aufrecht- erhalttrng der Ordnung stützen kann.
Tie deutsche Regiertmg satte daher keinen Grmtd, die Bildung der EinwohnenvehreN ober ihren Edarakler vor ben interalliierten Kommst" fionen zu verheimlichen. Lediglich deut unter Verkennung der tatsächlichen Vcrbältttisie ausg< wandten Trude der alliierten Regierungen weichend hat sie sich nunmehr entschlossen, die Au f l ö su n g der Wehren in ihrer jetzigen Form zu veranlassen. Tie dentsäx' Regierung vermag aber nicht anzu- errenmnt, daß die Bestimmungen des Friesens- Vertrages sie zwinge, ter Bevölkerung jede Mög^- lichkeit des unter den gegebenen Verhältnissen bis auf weiter s unbedingt nötigen Selbstschutzes su versagen. Sie erachtet es vielmehr als ihre Pflicht, aHe mit dem Friedealsvertrag zu vereinbarenden Maßnahmen zu Gunsten eines solchen SeU'stschutz^-s zu vertreten. Tie Auftechterhalning der inneren Sicherheit Deutschlands ist dre5>auvt- voraus''etzung dafür, daß den Bedingungen des Friedens nack>g.kommen toerben könne. Es nr.rb geprüft werden, welche zulä'sigen Einrick)tungen ntitcr dem gekennzeichneten Zloecke btenm könnten. Dabei im'rd das HaiUataugenmerk daraus zu richten sein, biß der lopale Sckmtzcharakler getvahrt bleibt und auch in Zukunft jede Zentralisation und iede Militärische Organisation und Ausbildung vermieden wird."
Tie Riickbernfung der Truppen aus dem Ruhrgebiet.
B erl i n, 20. April. Der Minister des Innern S e v e r i n g erklärte einem Mitarbeiter der P. P. N. dei Rückberufung der Truppen ans dem Ruhrrevier habe begonnen. Ersatz irerbe wohl erforderlich erscheineri, der von der nrünen Polizei gestellt werde. Er halte es für das Zweckmäßigste, wenn bald eine Vermehrung der Sicherheitspolizei erfolge. Gleichzeitig mit der Vermehrung der SickErheitspoli.ei müfie eine wirk- liche denwkratische Reorganisation der Sicherheitspolizei durchgeführt werden. Tie ersten Schritte dazu seien getan. Die kompromittierten Führer der Abteilnnaen und Hundertschaften würden u n n n a ch s i ch t l i ch entlassen. Tüchtige Beamte im UnteroffhierdroTtg würden befördert. Ten Mteilungsstellen jvürben Zioilkcm- missare beigegeben. Zu den vencknedenen Putsch- gerächten erklärte der Minister, er halte diese Gerüchte für übertrieben. Schließlich teilte der Minister mit, daß das Ergebnis der Ablieferung im Ruhrgebiet bisher sehr unbefriedigend gewesen sei.
Tie Festnahme des Räubers Hölz. |
Ter „Berliner Lok.-Anz." meldet auss Dresden: Aus Prag wird berichtet, bafc eine sächsische Kommission, die in Eger eingetroffen ist, Hölz als den Räuberhauptmann von Falk en st ein identifiziert hat. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Dresden, daß die sächsische Regierung heute nachmittag das Ausliese- rnngsvcrlangen wegen Hölz bei der Tschecho- Slowakei gestellt hat.
Die Zremdherrschast in Oberschlesien.
Beut'hen, 20. ?lpril. (WTB.) In einer Besprechung zwisüreu dem General Leroud mG) den Vertretern iämtlid’tr Parteien ertlärtc der General, daß die Einführung des Betriebs-- rätegesetzes in Oberschlefien nunmehr von der Entente beschloßcn sei, wälnv.ch die Wahlen zum Reichstag vom Hohen Rat in Paris abgelehnt inorben wären lieber die weitere parlamentarische Tätigkeit der äugenblid1in>cn Par ■ lamentarier äußerte sich der General dahin, daß die Frage van der dei^schen 9iogienmg l'einr Hohen Rat zu regeln wäre. Es mürbe darauf hing.lvie.en, daß bann das oberfd/L Voll' lohne parlamentarische Ver- trctimg fein werde. Der General versprach, sich von den Partcivorständcn weiter beraten zu lassen. Zum Schlüsse wurde die Bea m tauf rage besprochen. Der General oertrat den Standpunkt, daß die Beamten den Weisungen der Kommission zu folgen hätten und mißbilligte den Justizbeamtenstreik.
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Deutsch- russischer Gefangenenaustausch.
Berlin, 19. April. (WTB.) Tie Reichsstelle für Kriegs- und Zivilgefangene teilt nut: Das Abkom men mit der r ussischcn -sow- jetregierüng über den gegenseitigen Ge- s a n g euc u a u s t a u s ch wurde am 19. April unter-eidmet. Tie deutsche 3teid)5regierun,a luar vertreten burdi ben Reichskommissar für Kriegs- ubn Zivilgefangene 5)crrn Stücklen, die russische Sowjetregiernng durch Herrn Viktor K o p p. 2.as Abkommen tritt in Kraft, sobald es von ben beiderseitigen Regierungen ratifiziert ist. Der Vertreter der Sowjetregiermrg beantragte bei seiner Regierung die Rattsizierung durch einen Fnnk- spruch. *
?luSstand auf den österreichischen Bahnen.
W i e u, 20. April. (WTB.) Die Streik- l a g e aus den Eisenbahnen ist sehr verworren. Auf den Wiener Linien der Südbahn halten deutschnationale Arbeiter undKommu- nisten, wie die Blätter melden, den Streik gegen die sozialdemokratischen Bahnarbeiter aufrecht. Ter Verkehr auf der Westbahn ist durch die Fortdauer des Streiks auf den Stationen St. Pölten, Amstetten und Linz unterbunden. Doch werden hier Lebensmittel- und Kohlenzüge durchgelasfen. Die Regierung verhandelte gestern den ganzen Tag mit den Gruppen der Ausständischen; bisher erfolglos.
Der Wohnsitz de; früheren Kaisers.
London, 20. April. (WTB.) Im U n - ter hause wies B onar La w in Beantwortung einer Anfrage über den früheren Kaiser auf ben Notenwechsel zwischen den Alliierten und Holland hin mrd erklärte, Holland habe sich verpflichtet, den Kaiser zu überwachen und seine Korrespondenz und seine Beziehungen zur Außenwelt zu kontrollieren. Es habe ihm zu diesem Zweck einen Wohnsitz in der Provinz Utrecht zugewiescn. lieber die Aburteilung der Schuldigen durch das Reichsgericht in Leipzig befragt, erklärte Bonar Law, er fötml seiner früheren Erklärung nichts hinzusügen. Er betonte, daß der Ministerpräsident gesagt habe, daß die Unterhandlungen fortgesetzt würden, daß aber noch keine Abmachungen getroffen worden seien, was auch heute nicht der Fall sei.
Au; dem besetzten Gebiet.
Ko b l e n z, 17. April. (Wolff.) Im September und Oktober v. I. wurden in der Koblenzer Gegend verschiedene Raubmorde und Raubmordversuche kurz bintec- einander verübt, deren Häufung die Bevöl-' kerung in Aufregung versetzte. Als Tater wurden damals der 27 Jahre alte, stellenlose Klavierbauer Hahn aus Rhens, und seine Helfershelferin, die stellenlose 24jährige ftoro* toriftin Franziska Ackermann aus Elberfeld verhaftet. Das Schwurgericht fällte beute nach dreitägiger Verhandlung das Urteil. Es erkannte gegen Hahn und Ackermann wegen' Ermordung eines amerikanischen Soldaten auf T o d c s st r a f-e, und wegen Raubes und Totschlags an dem Kaufmann Christmann aus Ehrenbreitstein auf lebenslängliches Zuchthaus, sowie ferner gegen Hahn wegen schwerer Körperverletzung und Raubversuchs in einem anderen Falle auf weitere 15 Jahve
Zuchthaus. ---— .
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Wandlungen in den Parteien.
Die Abgeordneten v. K ar d o r f f, v. T e- witz und Dr. Otto.Arendt sind aus der
Deutsch-nationalen Partei ausgetreten. Su haben ihren Austritt durch nachstehende Et" klärung begründet:
Tas fdjärfetc Sxroortretcn extrem gerichtete Persönlichkeiten innerhalb der Teutschnationalen Bolkspartei >md deren Einflußnahme aut die Entwicklung der»Partei veranlaßt uns zu folgender Erklärung: Wir liehen vorbelialtloS nicht nur in formeller Hinsicht, sondern aud* dem O'ciftc nad) auf verlass un gs m ästigem Boden. Eine Aenderimg der Verfassung ban nur auf ge'etzmärgern Dege erfolgen. Wir verurteilen icbnt Versuch einer g.nanrnnicn Aend?ruug der Liersasiung au 1'5 fdiärfsre. Wir streben eine Versöhnung aller Valks- klasseii an, die iid) nicht aus dem Boden griinb» fätlidjcr Oppo itivn, sondern nur durch Zusamnien- nirfen aller Parteien und ^krufdltänix- cmidx*n läßt, denen der Wiederausbail des Vaterlandes am Herzen liegt. Wir treten ein für eine^Vernirk- lidjung der von dem Mgevrdi'.etcn -strese- mann ausgettn-vcheneli, aber ton dem Grafent Westarp in her Kreuzzeittlng abgelelmten Möglichkeit eines Zusammengehens a u d) mit de n Mchr heitssozialisteu, sofern sick diese streng üt oersassungsmästigen Bahnen b1» gen und zugunsten einer Bo l ks ve r sö hnun g von ihrer Machtstellung mit Mäßigung Gebraud) madyit. Wir versdiliefien nr.s dabei indyt des Emdrucko, daß einzelne Mehrheitssozialisten, Imc Noske, in i-er Zeit des Umsturzes zur Erlralttmg der öffentlichen Ordnung in einfidittger Zurückhaltung parteipolitischer Wünsche tem Vaterlat.de we entliehe Dienste geleistet nahen. Wir halten bafür, daß nicht staatliche Soziack ierntig, ionb rn eine neuzeitliche Regelung der Verhältnisse zwiichm den Unternehmern eines Betriebes sowie den Angestellten nnb Arlacitern mit dem Ziel einer ausgesprochenen In- tcrch'cngvmcinfd;ait zu mol gen Hat. Tas Problem ber Versöhnung der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber ist zwar angeblich burd) dos BettiebSräte- gesetz in Angriff genommen nzorben, aber bis-- her doch nur theoretisch und in einseitiger Weise, ceren Turck)süHrung zu den fd,n>;ritcn Beden km Anlaß gibt. ES harrt noch feiner entschndendm nnb prakttschen Lösung rn einer seitgestUteten Wi-rkgemeinschast auf tem Wege des fmen Ueber- ein kam mens. Ter Werden einer cuibrithd>m
Volkegemeiiisdiaft ist für die Wirdergenindwig deS zusaminengebrocheiien Vaterlandes unerläßlid). Die erfte Voraussetzung für die Erreichung dieses Zieles ist bas Zusammemvirken auf mittlerer Lime, das uns besonders am Herzen liegt. Wenn nnr auch Nissen, daß unsere Auffassung von bielen und leitenden Mämieru ber Teutschnattonalcn Vvlks- V.irtei geteilt wird, so haben wir doch nut Bedauern seststellen müssen, daß emflußreiche Per- löiuicf'fnten und vor allem die der Partei - stehende Presse einen gegenteiligen ©tanbtxuntt vertreten. Nachdem uns von ber Deutschen Volks- Partei die Genf scheit gcg-"ben ist, daß diese uns.we Anssasiung ihre ungeteilte Zustimmung findet, lösen wir unsre Beziehungen zur Teutschnattonalrn Vo.kspanei mib t.eten zu ter ihr nal)es!ehenbm Deutschen Volkspartei über.
Das Zentrum
gegen eine Manbibatur Erzbergers.
Berlin, 20. April. Laut „Berliner Tageblatt" verlautet, daß der Reichsausschuß des Zetitrums sich gestern mit überwiegender Mehrheit gegen eine Reichstagskandidatur Erzberger s ausgesprochen habe.
Zur Abstimmung in Ostpreußen.
Al lenst ein, 19. April. (Wolfs.) Im Anschluß an die von der interalliierten Kommission in Altenstein veröffentlichten Ab- stimmungsbedingungen für Ost- Preußen gibt der Ostdeutsche Heimatdienst Abteilung für Volksabstimmung in Carlshof bei Rastenburg bekannt, daß für alle Abstimmungsberechtigten in Ostpreußen und im Reich, die sich bereits in Carlshof oder bei den von Carlshof beauftragten SteUen im Reich zur Abstimmung gemeldet haben, die 9'nmeldung bei den Abstimmungsausschüssen ihrer Heimatgemeinden sich erübrigt. Tie Einttagunff in die Stimmlisten wird von Carlshof beantragt. Die betreffenden Stimmberechtigten im Reiche erhalteit über die erfolgte Eintragtmg einen schriftlichen Bescheid, der ihnen gleichzeitig als Reiseausweis dienen soll. Ein weiterer Ausweis ist nach der Ab- ßimmunasoewrdnung der Kommission nicht erforderlich.
EtadtratSwahlen in der Pfalz.
Ludwigshafen a. Rh., 19. April. (WD.) Bei den gestrigen Stadtratswatzlen in der Pfalz beteiligten sich zirka 50—60 Prozent der Wahlberechtigten. Gewählt mürben: it Ludwigs- tuten 5 M ehr^itsHzialisten, 7 Deutsche Volks parier, 4 Zentrum, -L Temokraten, 12 Unabhängige, in Landau 9 Deutsche Volkspartei, 8 Zentrum, 6 Mehrh^tsfozialisten, 5 Temottaten, 2 Parteilose, in Neustabt an der Haardt 7 2 emo traten, 7 Deut- fdte Valksvartei, 5 Zentrum, 8 Mehrh-itssozialisten, 3 Unabhängige, 2 Parteilose, in Frankenthal 12 M ehrheitssozuilisten, 4 Unabhängige, 5 Zentrum, 3 Demokraten. 4 Bürgervereinigung, 3 Deutsche Vokkspartei, 2 Parteilose, in Speyer 4 Deutsche Voltspartei, 4 Demokraten, 8 3entrum, 9 Mel.ir- heitsfozialisten, 12 Unabhängige, in Pirmasens 8 Unabhängige, 7 Dem'd e Volkspanei, 5 Demotta- icn. 5 3 ninnn, 5 M hrh.itsfozialis.en inStaia^ I lautem 12 Uimbtangifle, 7 Mehrheitsfozurttiwn, b Zentrum, 6 Demokraten, 9 TeMfche Koltsparte^


