Samstag, 19. Juni 1920
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhchen)
Nr. H2 Zweites Blatt
ungefätft
Bermögensabgabe
jeter nach dem Tarif der in
ausmacht, das Bonn
§ 24 des Reichsno do pfergesetzes enthalten ist, selbst ausrechnen, wenn er nur weiß, welches' Vermögen
Aus
Die
Tie von
$ugeben, wer Vvm 1920 bar bezahlt, 96 Mark.
Wie viel seine
Stadt und Land.
Gießen, den 19. Juni 1920.
städtischen Rotbauten.
der Stadt in der Mühlstraße errich-
Hochschnl»;acKvScbten.
Wien, 18. Juni. (Wolff.) Wie aus Universitätskreisen verlautet, fragte eine englische Universität an, ob eine Anzahl von Professoren der Wiener Universität bereit wäre, als ihre Gäste den Sommer in England zu verbringen.
rigkeiten, so daß die Arbeiten vorerst zuriickgfftellt werden mußten.
Inzwischen hat die Stadt die Landsturm- barocken gekauft, um sie zu Wohnugnen umzubauen. Soweit sich die Anlage jetzt überblicken läßt, können dort etlva 40 Wohnungen eingerichtet werden. Wenn das äußere Fachwerk ausgcmauert wird, erhalten die Gebäude denselben Wert wie die Holzhäuser der Landbevölkerung, roeldje durchweg die gl ritte Wandstärke besitzen.
Zugleich hat die Stadt die vier Geschäftsbar ackeri angekaust, die ebenfalls zu fünf Wohnungen ausgebaut werten können und sich hierzu sehr gut eignen.
Jedenfalls werden die Baracken, wenn sie im Sinne der Stadtverwaltung ausgebaut werden, fid) sehr gut zu Wohnungszwecken eignen und zur Behebung der Wohnungsnot etwas beitragen.
Reichs wegen 500 000 Mark bewilligt worden. Um P/2 Millionen hatte sie gebeten, man war sich aber klar darüber gewesen, daß nur ein Drittel bewilligt werden würde. — Die Eisenbahnsiedelungs- gesetlscbast will 10 Wohnungen bauen und hat gleichfalls einen Reichszuschuß beantragt, der aber nur dann gewährt wird, wenn auch die Stadt eilt Twittel ter gibt. Es handelt sich um 44 000 Mt., welche Summe unsere Stadtverordneten bewilligt haben.
ra. Dorlar, 17. Juni. Unter großer Anteilnahme wurde heute nachmittag Eisenbahnschaffner Friedrich Hengst beerdigt, welcher in dn Nacht von Dienstag auf den Mittwoch durch Unglückssall auf Bachrhof Wetzlar seinen Tod gehalten.
Taß sich ter zahlungsfähige Steuerpflichtige, wenn er mit der Zahlung säumig ist, selbst schädigt, ergibt sich daraus, daß das Rrichsnatapfer schon vom 1. Januar 1920 an bis zum Zahlungstage mit 5 v. H. jälftlich verzinst werben muß, also von Tag ru Tag wächst, besonders aber auch daraus, daß ter Säumige der besonderen Vorteile ober Vergünstigungen verlustig geht, die das Gesetz den Steuerpflichtigen eingevaumt !hat, die bis zum 31. Dezember 1920 und besonders vor dem 1. Juli 1 920 bar bezahlen. Wer nämlich bis zum 30. Juni 1920 Barzahlung leistet, braucht für je 100 Mk. nur 92 Mk. hin- 1. Juli bis 31. Dezember für je 100 Mk. immerhin
9as Nelchrnatopfer.
Don zuständiger Stelle wird uns geschrieben: Es 'mt den Anschein, als ob in weiten Kreisen der Bevölkerung noch nicht mit der Tat- sacke gerechnet werte, daß das Reichsnotopser, die große Abgabe vom Vermögen nach dem Gesete vom 31. Dezember 1919, demnächst veranlagt und erhoben inerten muß. Vielfach ist die Meinung verbreitet, je nach dem Ausfall ter Wahlen zum Reichstag werde das Gesetz wohl wieder zurückgenommen werden. Nichts verstößt mehr gegen die Erkenntnis ter Lage, in der sich das Deutsche Reick) befindet; die durch das Reick>siwdopfor aufzubringenden Beträge braucht das Reich so not» wenbig, daß von einer Nichtansjnhrung teo Gesetzes gar nicht die Rede sein kann. Wer sich also durch derartige Ideen davon abt-alten läßt, schon jetzt mit der Zahlung ^u beginnen, obgleich er dazu in ter Lage 'wirre, ter . geht fehl, außerdem schädigt er damit nicht allein das Reich, das bekanntlich weiterer Mittel dringend bedarf, sondern auch sich selbst.
pen angenommen und hätten die Schuldigen ter-» l-astet. Er sei votther auch vernommen worben. Jnr übrigen bestätigte er die Angaben des Leutncutts Baldus. Tie übrigen Aussagen betrafen die Ab- 'holung der Leick-en, die Angaben über die Persönlichkeiten ter Getöteten usw. Sie feien alle, wie er gehört, bei ter roten Garte, und Horn-» schuh sei der schlimmste gewesen. Tas Kvm-> mando tebe sich anständig betragen. Der Schultheiß Lux von Settelstädt machte ebenfalls Angaben über das Auftreten ter roten Garde, wie diese geplündert hätten usw. Den Leuten seien die Pistolen auf die Brust gesetzt worden, wenn |te die Waffen nicht Herausgaben. Einige Tage später hätten andere Lebensmittel geholt, e,mer habe Horn^ schuh gri-eißen. Während ter Schießerei seien auch Plünderer dagewesin, sie hätten sich fortgemacht. Zeuge Se i f a r t h schilderte die Ankunft ter roten Garde unter Führung eines Laneckagsavgeordneten Namens Greif. Letzterer habe gesagt, es kämen feindliche Truppen. Ehe die Reichswehr gekommen, hätte sich die Garte fortgemacht. Gendarmeri-- wachtmeister Heß aus Tl)<ck schilderte die Vorgänge ähnlich wie ter Bürgerinttster, die Vil- dung der Garte usw. durch die USP. usw. Es sei gewaltsam rekrutiert worden. Lehrer Straub aus Settelstädt schilderte ebenfalls das Abholen dec Waffen durch die rote Garde am 19. März. Ein Standgericht sei nicht in seiner Wohnungi wesen, sondern nur eine Vernehmung. Ihm schloß sich Lehrer B ö h m aus Settelstädt an, er konnte auch nicksts anderes sagen: Hornschuh sei daRä gewesen. Eisenbahndiätar Rudolph aus ^.hal wußte weiter nichts zu sagen. Di: Gefangenen seien beim Abtransport gut behandelt worden. Zeuge R o s e n st o ck aus Heiligenheim hat auch von Gewalttätigkeiten bei den Verhaftungen nichts gesellen.
teten Wohnhäuser sind soweit hergeftellt, daß Baublock 1 bereits feit Frühjahr bezogen worden ist. Er umfaßt 17 Wohnungen.
Baublock 2 enthält 30 Wohnungen, die soweit vorgeschritten sind, daß sie in kurzer Zeit bezogen werten können.
Außer diesen Wohnhäusern hat die Stadt eine weitere Wohnkolonie vorgesehen, die in ter Kaiser-Allee errichtet werten soll, und zwar im Anschluß an die Häuser ter nördlichen Straßenseite. Tie Pläne waren bereits fertiggestellt. Es sollten 13 Häuschen mit je zwei Wohnungen errichtet werten, und zwar in 2, 3 und 4 zusammen hängenden Wohnungsgruppen, die insgesamt 26 Wohnungen umfaßten. Vorerst sollte ein Dvtwrihaiis in Angriff genommen werten. Die Arbeiten waren bereits ausgeschrieben, die Verhandlungen mit ten Pächtern des Geländes boten jedoch große Schwie-
Bri Beginn ter Nachmittagssitzung wurden zunächst eine Anzahl Studenten, die als Zeitfreiwillige bei dem Gesang:nrn-Transport gewesen, vernommen. Sie schilderten mit wmig Abweichungen die Vorfälle wie die Angeklagten und bestritten, daß irgendwie die Gefangenen belästigt Worten seien. Zeuge Gastwirt Hartung aus Mechterstädt hat den Gefangenentransport an fw Ineni Hause vorbeiziehen sehen. Er hab: auf der Straße gestanden und sei dort von Soldaten weg- tzejagt Worten. Bald darauf hätte es geschossen- Nachher habe er nachgesehen und auf ter Wiese zwei Tote gesunden. Wegen dem großen Nebel habe ganz in der Nähe seines Hauses zugftragen. Der Zeuge gab weiter an, daß vielt ächt einer von ten beiten Getroffenen noch g'.zuckt habe. — Der Zeuge Schuhmacher Hartmann aus Bad Thal, ter bei der bei der Sache einen Sohn verlor, ist bei der Ortsbesichtigung schon vernommen Worten. Ec schilderte, wie die Lrichm gelegen und wie sie aus- gesehen hätten. Seiner Ansicht nach seien Unschuldige verhaftet und erschossen und Schuldig' unbehelligt gebieten. Jb"» » irte entgegnet, daß dann falsche Anraten gemacht worden seien. Der Z uge fuhr fort, er toune fiuj uiegi denken, wie di: Leute auf die Wiese gekommen friert. Das Erschießen sei seiner Ansicht nach nicht nötig gewesen. — D'r Weichensteller Seitz,in Mechterstädt hörte das Schießen und ging sofort aus die Straße. Erdhütte die Leächen alle gesehen und nehme an, daß die Leute an Ort und Stelle gefallm seien, einer ter letzten vier habe die Hand: geballt gehabt. Dieser habe einen Schuß votn vorne gehabt. D,w Zeuge Hartmann bestätigte dies und nannte auch ten Toten mit Namen. — Der Zeuge Schellen- ber g aus Bad Thal sah die Autos ans der Straße nach Seebach. Er schilderte fein Zusammentreffen mit den Soldaten. Ein Posten habe gesagt: „Es wird jeder erfdjoffcn, der kftnen Ausweis hat, da an bet Straße liegen schon welch:." Er habe auch die Leichen später ges'hen. Die Mehrzahl bet Erschossenen seien fleißig', ehrliche Arbeiter gewesen. — ®in Zeuge namens Bey k aus Bad Thal sagte, man habe ihn und die aikteven Kriegsbeschädigten zum Eintritt in die note Garte auf gefoltert; er habe sich geweigert. Nach ter Festnahme der Rotgardisten, habe et e in ge k<: r b t e G e s ch o s se gefunden; er überreichte 'itn solches. Er habe auch gesehen, wie die Leute weggebtacht Worten seien. Einer habe gerufen: „Grüßt mir Frau und Kind, wir kommen doch nicht wieder." Daß die Lend: schlecht behandelt wurden, 'habe er nicht gesehen. — Der ärztliche Sachverständige, 'San.-Rat Dr. Kind ans Mechterstädt, schilderte das Einholen der Leichen, bei ter rt mitgewefon fei. Blutspuren in der Umgebung habe man nicht feststell'.n können. Die Leute hätten ausges'hen, als ob sie im F-uet zusammen gebrochen seien. Daß bi: Köpfe manchmal zertrümmert -nsgesehen hätten, sei eine Folge der Kug lschüs e Wenn Kvlbenschläg: vorgekommen wären, hätten die Köpfe ganz anders ausgesehen. Auch Bajonettstiche seien nicht vorgekommm. — Der Angeklagte Göbel bittet um 7 Uhr abinds die Verhandlung abzubrechen, da er nicht mehr in der Lage sei, zu folgen.
** Zirkus Altho ff trifft nächste Woche 'hier em. Die Eröffnun gsvorsbellung wird voraussichtlich am Freitag, 25. Juni, ftattrinben.
** T er Verband der Fabrikarbei- ter Deutschlands, Zahlstelle Gießen, veranstaltet morgen, nachmittags 3 Uhr im Saalbau und Garten des Gaf6 Leib sein 30jähriges Vec- bands-Jubiläum.
** Der Rhein-MainischeVolksbunb hat folgendes Telegramm an den Magistrat in Flensburg gerichtet: „Unseren Volksgenossen in Flensburg herzlichen Glückwunsch zum Befrriungs- tag von fremder Herrschaft."
Kreis Lauterbach.
la. Freiensteinau, 18. Juni. Im benachbarten Holzmühl brach in ter Nacht vom Montag auf Dienstag in dem Anwesen des LandwirtsJpeiw rich Koch, auf bisher noch 'unaufgeklärte Weise, F eu e r aus. Stall und Scheuer, mit landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten und Vorräten an Heu und Stroh fielen dem Brand zum Opfer sie brannten in zwei Stunden bis auf den Grund nieder. Das Vieh konnte gerettet werden, nur die Hühner kamen in ten Flammen um. Der untere Stock des Wohnhauses ist durch Eingreifen der Feuerwehr ganz, der obere zum größten Teil erhalten, während das ganze Dach niederbrannte. Obwohl die Familie im Schlafe überrascht wurde, sind Menschenleben nicht zu beklagen.
la. Aus dem Schlitzerland, 18. Juni. Lange Jahre waren Wildschweine hier ganz selten und nur dann und wann einmal machten sie sich bemerkbar. In diesem Jahr aber wollen die Klagen über die Schädlinge nickst verstummen; sie haben sich anscheinend in unseren Waldungen häuslich niedergelassen und richten von dort aus zur Nachtzeit aus den Kartofseläcforn bettächtlid)eu Schaden an, ganz besonders in Qneck und Willofs.
Kreis Schotten.
a. O b e r l a i s, 16. Juni. Die Jugend- fe st spie le ter Jugendvereine von Oberlars und Glashütten finden in diesem Jahre von Mitte Juli bis Mitte August statt. Sie werten wi_terum eröffnet durch ein großes Jugendfest in Glashütten am Sonntag, ten 18. Juli. Jrn Mittelpunkt ter Veranstaltungen stehen die Aufführungen von „Glaube und Heimat" von Karl Schönherr und „Deutsche Treue" von Th.odvr Körner. Die Darsteller sind wieder Jünglinge und Mädchen von Oberlais und Glashütten. Namhaite Künstler von ter Darmstädter und Mainzer Bühne haben ihre Mitwirkung auch diesmal zugesagt. Die Orte, an denen die weiteren Aufführungen stattfinten, werden in Kürze bekanntgegeben. Die geplanten Tellauffübrungen auf Burg Mün-enbcrg und dem Hohecodswpf fallen weg.
a. Aus dem südlichen Vogelsberg, 16. Juni. Die überaus warme und trockene Witterung, die wir in dieser Temperatur um diese Zeit in früheren Jahren nicht hatten, hat zur. Folge, daß die Heuernte schon fast beendet ist. Das Heu ist wohl von vorzüglichster Qualität, dagegen läßt die Quantität zu wünschen übrig. Der fehlende Regen hat in ten letzten Wochen das Wachstum des Grases stark beeinträchtigt. Noch mehr vermißt der Landwirt ten Regen bei ten Feldfrüchte n. Diese haben sich infolge der günstigen Frühjahrswitterung vielversprech nd entwickelt; doch bei ter anhaltenden Dürre kann ter Hahn nicht „stoßen". Ein baldiger ergiebiger Regen stellt die beste Oetreiteemte in Aussicht.
Starkenburg und Rheinhessen.
sw. Darmstadt, 17. Juni. In ter Nacht wurden in ter Stadtknabenschule I sämtliche Geigen gestohlen. Auch sonstige Wertgegenstände fohlen.
Hessen-Nassau.
ra. Biedenkopf, 17. Juni. Die Wahlen zum Kommunallandtag im Reg.-Bezirk Wiesbaden werten demnächst erfolgm. Der Kreis : Biedenkopf (Wahlbezirk 1—3) hat drei Abgeord- , nete zu wählen.
Kreis Wetzlar.
ra. Wetzlar, 17. Juni. Der Stadt Wetzlar ■ sind zum Bau von 100 Wohnungen von
Gerichtssaal.
Mar'burg, 17. Juni.
Die Gcfangenenerschießung in Thüringen.
Nackfoem gestern ein Augenscheinstermin in Dhürinaen stattgefunden hatte, würben heute früh die Verhandlungen wieder ausgenommen. Es erfolgte zunächst die Vernehmung ter weiteren Angeklagten. Sie bezogen sich besonders auf die von den einzelnen Angeklagten auf die Gefangener.1 abgegebenen Schüsse. Sie gaben sämtlich an, daß sie nicht die Absicht gehabt 'Mten, die Leute zu töten, sie hätten absichtlich immer tief gehalten. Meistens sind sie, wie sie angaben, immer noch ein Stück hinter ten Flüchtlingen 'hergerannt und
er am 31. Dezember 1919 gehabt hat. Davon bleiten 5000 Mk. bei Ehegatten regelmäßig 10 000 Mark und wenn zwei oder mehr Kinder da sind, für das zweite und jedes weitere Kind je weitere 5000 Mk. stieuerfrei; der Rest des Vermögens ist zu versteuern. So viele Kinder da sind, so viel mal 50 000 Mk. dieses Restes sind mit 10 v. H. zu versteuern, ter Ueberschuß endlich nach dem Hun- dertsatz, der für ten ganzen genannten Rest nach dem Taris anzusetzen wäre.
Es thte z. B. ein verheirateter Steuerpflich- tiger mit fünf .Kindern ein Vermögen von. 300 000 Mark, fo (Jätte er zu rechnen: steuerfrei sind für Mann, Frau irnb vier Kinder 6mal 5000 Mark = 30 000 Mk. Vom Rest mit 270 000 Mk. sind 5mal 50 000 Mk. zu 10 v. H. also mit 25 000 Mk. zu versteuern, die üterschießenten 20 000 Mk. dagegen mit dem Hundertsatz, der nach dem Tarif einem Vermögen von 270 000 Mark entspricht, d. 'h. zu 14,81 v. H. also mit 2962 Mk. Tie Vermögensabgabe dieses Mannes beliefe sich sonach auf 25 000 Mk. 4~ 2962 Mk. — 27 962 Mk.; sie muß vorn 1. Januar 1920 an mit 5 v. H. jährlich verzinst werten. Durch Bezahlung vor dem 1. Juli 1920 kann ter Steuerpflichtige 279 mal 8 ----- 2232 Mk. ersparen.
Für die Gesellschaften beträgt die Steuer schlechthin 10 v. H. des Reinvermögens nach Abzug des ringeza'hlten Grurch- oder Stammkapitals, für die jurrstischen Personen anderer Art und Ver- mögensmassen 10 v. H. ihres gesamten Vermögens nach Abzug ter Schulten. Sie werten daher noch leichter als die natürlichen Personen in ter Lage sein, die Steuer selbst zu berechnen.
Zu bezalZen ist an die von den Finanzämtern als Zahlstelle bezeichneten Kasfon.
'haben dann, 'weil sie diese nicht rin'holen konnten, erst geschossen. Fast einstimmig fügten sie hinzu, daß sie die Absicht gckhabt 'hätten, die Gefangenen an der Weiterflucht zu hindern und in die Beine zu schießen.
Es folgte dann die Vernehmung der Zeugen. Ter erste Zeuge, Fregattenkapitän von Selchow, gab Auskunft über die Bildung und Zusammensetzung des Zritfreiwilligen-Bataillons', dessen Führer er getreten war. Er schildert die Ankunft in Thüringen und das Eingreifen ter Studentenlruppe zur Unterdrückung der Bewegung. Anschließend schilderte er ten Marsch durch die Hörselterge, die Belästigungen durch Aufrührer und auch einzelne Zusammenstöße. In Settelstädt sei geraubt und geplündert worden, und deshalb seien die Verhaftungen in Bad Thal erfolgt. Diese Sache sei dem Oberleutnant Baldus übertragen 'Worten. Es sei dann später ein Begleit- fommanbo für die Gefangen«: bestellt Worten, mit ter Weisung die Flucht mit der Waffe zu verhindern. Es habe sich um febr wichtige -Gefangene gehandelt. In ähnlicher Weife wie die Angeklagten schilderte er ten Marsch nach Settelstädt, ter sich bei trübem Nebelwetter abgespielt 'hätte. Ter Gefangenentrupp sei am Ende ter Kolonne gegangen. Tie Totenköpfe seien frü'fer an ten Autos gewesen. Man 'habe dann Gotha angreifen 'wollen. An den Zeugen wurden eine Menge Einzelfvagen über die Befohlsertrilung usw. gestellt. Wo man von ter Waffe Gebrauch ge- machl, habe es im Sinne des Befehls gelegen. Ter Verteidiger machte daraus aufmerksam, daß aus dem Zuhörerraum die Angeklagten belästigt würden. Ter Vorsitzende dro'hte Zwangs- maßnähmen an.
Zeuge Leutnant Weide gab Auskunft über eine Führerversammlung. Herr v. Selchow habe völlig korrekt gehantelt mit seinen Anordnungen. Ter folgende Zeuge, Stud. Baldus schilderte die Feststellungen und Verhaftungen in Bad Thal. Tie Leute 'hätten sich an ten Räubereien, wie er genau festgesliellt 'habe, beteiligt. Insgesamt seien mit Hilfe des Wachtmeisters 40 Leute verhaftet trotten. Ein Teil (tuitbi 25) 'seien nach Vernehmung wieder entlassen worden. Ter Hauptübeltäter sei ein gewisser Rössinger gewesen. Ten Verhafteten sei gesagt 'worden, daß i'Qnen nichts passieren würde sie Kimen nur vor das Gericht. Er habe ten Leuten gesagt, wenn sie fliehen würde geschossen. Tie Gefangenen 'blatten zunächst im Spritzen'haus genächtigt und seien ten unteren Morgen weg gebracht worden. Bei Fluchtversuchen, so tfobe er befohlen, sei unbedingt zu schießen. Sie seien gewarnt worden. Ein Standgericht habe nicht stattgefunden. In Thal hätten die Leute auch gerufen:
J'hc habt die richtigen, die müßten an die Wand!" In Thal fei auch ein IWaffenlager gewesen. Tie Gefangenen seien indessen anständig bemäntelt worden. Ter Zeuge Schultheiß Schein erzählte von ten Unruhen in Thal, ter Bildung ter roten Garde und wie diese in ter Umgegend geplündert und auch Waffen gesammelt 'gälten. Unter Führung eines Mannes namens Rössinger 'habe man i'hm Vorschriften gemacht. Bald darauf seien die Trup-
Die töräftit
Roman von G. W. A p P l e t o n.
kNachdruck verboten.) Fortsetzung 60.
Wir hatten eben den scheinbar endlosen Tunnel oerlassen, als ich auf die Uhr blickte. Es war gerade zwölf Uhr. Daher klappte ich mein Bmh zu, erhob mich und ging in den Speisewagen. Er füllte sich rasch, und zu meuter Freute sah ich, daß die Gräftn keine zwei Meter von mir entfernt an einem Tische saß. Als ich mich ihr näherte, hob sie die bisher gesenkten Augenlww, heuchelte in veizenter Weise em Erstaunen übw das Zufommeiftiesfen, erhvb sich und sagte mit einer Stimme, die man im ganzen Wagen Horen konnte:
Ei, welch unerwartetes Zusammentreffen, Herr Doktor! Sie sehen, daß ich Jhven Rat befolge, ein fonnigeres Klima aufzusuchen. Aber wer hätte sich auch träumen lassen, Sie gerate hier zu treffen!
Ich murmelte etwas von einem wichtigen Patienten, einem sehr reichen Mann, her mich nach Rom berufen habe. Tiefes Anerbieten habe ich unmöglich aussch'agen können.
Das wird Ihnen nichts schoten, Herr Dottor, sagte sie fröhlich. Es wird eine angenehme Abwechslung in dem tödlichen Einerlei fern, wie Sic es als Arzt in London tagtäglich erteilten müssen. Vielleicht sind Sie nicht einmal so recht mit mir einberftanten. Haben Sie schon gespeist? Wollen Sie sich nicht zu mir setzen? Ich habe z^war Be- kannte in dem Zuge, mit denen ich mich schon halb
und halb vevabcetet 'habe — aber das tut nichts. Bitte, nehmen Sie Platz! Sie müssen mir von ber alten Gräfin Pangbonrne und Liren Töchtern erzählen, und ob Lady Felicia sich wirklich durch die Kur, die sie befolgt, wieder erholen Wirb.
Und so plauderte sie weiter, bis sich ihre Stimme in dem cl gnneiueu Stimmengewirr und Geklapper ter Messer und Gabeln des vollgepfropften Speisewagens verlor. Dann beugte sie sich vorsichtig über den Tisch vor und sagte leise:
Verstehen Sie jetzt?
Völlig. Ich war erst ein wenig verblüfft.
Und ärgerliche?
Nicht gerate.
Oh, öh, oh! Sie follten nur Ihr düsteres Gesicht gefohen haben. Ich hätte nie geglaubt, oatz Sie auch nur halb>vegs fo böse dveinblicken könnten.
Jch^ dachte mir, Sie hätten mich üterhrupt nicht bemerkt.
Sie lachte.
Welch ein unschuldiger Mensch Sie sind, oder verstellen Sie sich wirklich habet?
Wobei?
Indem Sie uns — nous autres — mcht besser zu Hennen vorgeben? Ich habe Sie schon in dem Augenblicke, wo wir in der Ehanng Croß- Station einsühren, gefohen, und mit Ausnahme der kurzen Zeit, wo ich mit dem Bruder des Marquis und seiner Frau speisen mutzte, die Uns am Nordbahühof in Paris abholten, habe ich Sie nicht aus ten Augen gelassen. Das hätten Sie übrigens wissen sollen.
Ich sehe dis jetzt völlig ein, erwiderte ich, meinerseits lachend, aber als Ihr Brieschen mir überreicht wurde —
Nun?
Ja, da war ich glücklich wie ein Kind.
Dabei lackfte ich- so laut, datz sie einen Finger warnend auf ihre Lippen legte und in verändertem Tone fagte:
Was veranlaßt Sie, zu glauben, daß sich Oie alte Gräftn in Rom befmtet? Sie haben mir v'rs noch nicht erklärt. Ihr Telegramm war fohr k irz gehalten.
Das geschah nicht absichtlich, sagte ich etwas reuig. Mein Glaube beruht einfach auf einem anonymen Brief — vielleicht lachen Sie mtd> deshalb aus. Nachdem ich schon einmal hereingefallen bin, ftmn ich mit einem solchen Anhaltspunkt nicht auf viel Beifall rechnen, oder? Er wäre Ihnen vielleicht lächerlich erschienen, deshalb sagte ich nichts und hatte auch die Absicht, nachts zu sagen — bis —
Sie ließ mich nicht iDeiterreten. «
Sie Sonnten auf jeden Fall nichts ohne mich untemeTjmen, sagte sie. Deshalb bin ich haec. Ter Palaz.^o Frangipani ist die vernste Fest mg und wäre für Sie verschlossen gewesen. Ich war ja einmal dort Herrin, und wie Sie sehen werden, wird sich mir dort auf meinen Wunsch jede Türe auftun. Aber ie&t tommen meine Freunde, um nach mir zu sehen. Ich sehe im Spiegel, wie sie den Gang herausfommen. Ich werde Sie vorstellen müssen; bod) — beugen Sie 'sich herüber uno hören Sie! —
Ich folgte ihrem Wunsch.
Wo steigen Sie in Rom ab?
Im Hotel „Minerva" — gerate hinter dem Pvncheon.
Gut, wenn ich Sie vorher nicht me'hr sehen sollte, werte ich Sie morgen mittag dort aur= suchen. Ich habe mir Zimmer im „Russie" bestellt ; heute nacht 'holt mich ein Wagen am Bahnhof ab. Haben Sie alles verstanten?
Gewiß, erwiterte ich.
In diesem Augenblick blieben verschißene Leute an unserem Tische stehen, und eine Stimm: — eine weibliche — rief:
Ah, Gräfin, endlich haben wir Sie entdeckt:
2lh, da sind Sie! erwiterte sie und erhob sich. Es ist so seltsam; denken Sie nur, ich habe gerate meinen Londoner Arzt hier getroffen! Er mutz nach Rom, zu einem foh-r reichen Patienten. Erlauben Sie mir!
Ich wurde in aller Form vorgestellt. Hievaus mahnte ich die Gräfin nochnvals, meine ärztlichen Anordnungen genau zu befolgen, und empfahl mich mit einer höflichen Verbeugung.
In Turin sah ich die Gräftn wieder, ebenso in Genua und Pisa, wo ein kleiner Aufenthalt war. Aber sie war stets in Begleitung ihrer Freunde, und kein Zeichen des @rPennend ward zwischen uns gewechselt.
Es war schon sehr spät, als wir in Rom anlangten. Ich sah sie mit ihrer Zofe in einem Wagen davonfckhren. Dann rief ich eine Droschke 'herbei.
Albergo della Minerva, rief ich dem Kutscher zu, und binnen kurzem verließen wir die glatten Straßen des modernen Roms, um über die kleinen spitzen Pflastersteine jenes älteren Roms dchin- zurasseln, das autzer mir Tausende so sehr liefen.
(Fortsetzung folgt.)


