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Samstag, 19. Zuni 1920

170. Jahrgang

enerAnzeiger

vruck und Verlag- VrLhl'sche Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Schristleitung, Geschäftsstelle und Druderet: Schulstratze 7.

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nähme des Handels beziehen, zur

örterung gelangten.

teilweise aufhört.

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62

T eutschnationalen Teutsch-Volksparteilern,

Nr. H2

Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, vezugspreis:

Monatlich Mark 3.60, oierteljährlichMark 10.80 einschließlich des Bestell­gelds ; durch die Post vierteljährlich Mark 9.75 ausschließlich Bestellgeld. Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; Verlag,Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

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Frankfurt a. M. 11686

der Besprechungen über die Wiederauf-I beitswillige durch tätliche Angriffe geschreckt, 'j c : Er- so daß die Milchlieferung nach den Städten

Erstes Blatt 9

Trimborn, erfahren, der am Montag diel Kabinettsbildung übernahm und heute noch am Verhandeln ist. Vom Zentrum ausgehend hatte er nach allen Seiten hin freiere Hand und konnte gleich zu Anfang mit drei Kombi­nationen aufwarten, von denen die dritte: ein Block der Mitte, aus Demokraten, Zen­trum und Deutscher Volkspartei bestehend und auf die wohlwollende Neutralität der Nachbar- Parteien rechnend, die größere Aussichten hatte, zumal Herr Fehrenbach dabei die Funk­tion des Reichskanzlers übernehmen sollte. Es bedeutete dies eine Regierung der bürgerlichen Mitte, die allerdings zahlenmäßig wenig stark wäre und sich daher aus umso befähigteren! Köpfen zusammensetzen müßte. Nachdem Feh­renbach abgelehnt hatte, wurde am Donners­tag eine Liste präsentiert, die aus diesem Get- sichtspunkte zusammengestellt war und den Namen des deutschen Geschäftsträgers in Pa­ris, Dr. Mayer, als Reichskanzler an der Spitze trug. Auch dieser Kombination blühte kein Glück. Die Deutsche Volkspartei Halle zum Eintritt in die Regierung der bürgerlichen Mitte u. a. die Forderung einer sachkundigen Leitung der Geschäfte auf dem Gebiete der aus­wärtigen Politik und des gesamten Wirt- schastswesens erhoben. Die Liste enthielt nun einen unpolitischen Fachminister für das Reichswirtschastsministerium und einen eben­solchen für Has Auswärtige Amt, während Dr. Heinze alsdritter Kandidat" der Deutschen Volkspartei mit dem Reichsjustizministerium betraut werden sollte. Die Deutsche Volkspap- tei sah jedoch in der Zurechnung zweier Fach­minister als Parteiministec das Bestreben, sie zur Deckung eines Kabinettes zu verpflichten, auf dessen Politik ihr bestimmender Einfluß versagt war, und so erledigte sich diese Kabi­nettsbildung auch ohne die telegraphische Ab­sage Dr. Mayers, der als Mitglied der klein­sten bürgerlichen Partei, der Bayrischen Volkspariei, nicht den nötigen Rückhalt fühlte.

Bei erneuten Verhandlungen am Don­nerstag stellte sich das Zentrum auf den Standpunkt, daß die Deutsche Volkspartei int Verhältnis zur Stärke ihrer Fraktion vollbe­rechtigt in die Regierung eintreten, und daß damit ein Kabinett zustande kommen solle, dessen Tragfähigkeit für absehbare Zeit ge­sichert sei und später gegebenenfalls' durch Er­weiterung eine dauernde Stärke gewinnen könne. An die Spitze dieses Kabinetts zu treten, erklärte sich nunmehr wieder Präsident Feh­renbach bereit, der auch neuerdings die Ver­handlungen führt. Bei dieser Lage der Dinge entschloß sich die Deutsche Volkspartei, sich an der Bildung des Kabinetts zu beteiligen. Nun­mehr handelt es sich noch darum, ob die Wün­sche der Demokraten befriedigt werden können, die von den Sozialdemokraten die Zusicherung einer weitgehenden Neutralität für das so zu- standekommende Kabinett verlangen.

Sollte dies nicht der Fall sein, würde auch dieser Versuch scheitern, so muß man anneh­men, daß Fehrenbach damit seine Bemühun­gen aufgeben wird und die Demokraten durch ihren Abg. Schiffer eine Kabinettsbildung» versuchen werden.

68 Zentrumsleuten,

45 Teutsch-Demokvaten,

81 Unabhängigen,

2 Kommunisten,

'4 Vertretern des Bayerischen Bauernbundes, 5 Hannoveranern und insgesamt

21 Angehörigen der Bayerischen und Ehrist- lichen Volkspartei.

In diesen Ziffern sind 17 Mandate der So­zialdemokratie, 9 des Zentrums und 8 der De­mokraten aus den Absti mmungs gebieben einbegriffen ferner ein Sozialdemokrat und ein Demokrat, die gemäß § 38 Abs. 2 des Wahlgesetzes für den Rest des bischerigen Wahlkreises 2 über­nommen worden sind. Die Stimmen, die auf die Vereinigten Landwirtschaftlichen Berufsvereinigun­gen Thüringens, auf die Hessische Volkspartei, auf den Hessischen Bauernbund sowie auf den Würt- tenbergischen Bauern- und Weingärtnerbund ent­fallen sind', sind den Deutsch nationale n> zu gerechnet. ---

Balfour über den Völkerbund.

London, 18. Juni. (Wolff.) Reuter. In seiner Rede im Unterl)aus sagte Balfour noch folgendes, der Völkerbund werde nie als voll­kommen gelungen gelten können, wenn nicht alle Nationen von dem Gedanken beseelt seien, daß eine Verminderung der Bewaffnung die erste Be­dingung für einen dauernden Frieden sei.

Ferner führte Balfour aus, die gefährlichsten Feinde des Völkerbundes seien nicht diejenigen, die zu wenig von ihm erwarteten, sondern im Gegenteil die Leute, die der Ansicht seien, der Bund gehe noch lange nicht weit genug. Bal­four erinnerte daran, daß am Dienstag eine Ab­ordnung bei Lloyd George auf die Bildung einer internationalen Polizeimacht gedrungen habe, da­mit die Beschlüsse des Völkerbundes im Notfälle mit Gewalt durchgesetzt werden könnten. Balfour fügte hinzu, wem: es gelingen würde, dem Völker­bunde eine KriegsmacA zur Verfügung zu stellen, so würde man ihn zu einer Art Ueberstaat machen, dem die anderen Staaten der Welt untergeordnet sind. Dies sei aber nicht die Absicht bei seiner Stiftung gewesen. Man dürfe nicht vergessen, daß dec Völkerbund mehr als die Hälfte seines Wertes verlieren würde, werrn er nicht ein Weltbund sei. Gegenwärtig stehe aber einer der größten Staaten der Wllt abseits. Eine der Hauptbedin- gitngen für Amerikas Beitritt zu dem Bunde sei offenbar die, daß dadurch seine Souveränität nicht in Gefahr gebracht werde.

Balfour betonte ferner noch die Wichtigkeit der Entwaffnungsfrage. Er warnte davor, den Völkerbund als Mittel zu benutzen, um Ordnung in das gegenwärtige Chaos der Welt zu bringen. Ter Völkerbund werde gute Dienste leisten, wem: er nicht überladen werde. Aber wenn mm: ihm zu viel aufbürde, werde er bestimmt zusammen- breckien.

Asquith bemerkte, der Völkerbund hatte in der polnischen Frage Eingreifen müssen und fragte, toarum der Völkerbundsrat die Hände in den Schoß gelegt habe. Asquith stellte ferner Fragen über die Mandate für Mesopotamien und Palästina und schlug vor, den Ober st en Ratabzuschaff en damit der Völkerbund eine Realität werde.

Nack) weiterer längerer Aussprache verteidigte Balfour das Nichteingreifen des Völkerbundes in die polnische Frage, .indem er darauf himvies wie verwickelt das Problem sei und wie schwierig die Umstände gewesen seien.

Englisches Getreide sür Deutschland?

Paris, 18. Juli. (WTB.) Nach dem Matin besagt eine Meldung aus Soubon, die englische Regierung 'habe an Deutschland 9 000 Ton­nen Getreide verkauft.

Die Wirtschastsverhandlungen mit Nutzland.

London, 18. Juni. (Wolff.) Reuter. Gestern nachmittag wurde zwischen den Ver­tretern des ständigen Ausschusses deA ober st en wirtschaftlichen Rates und den russischen Handelsabgeordneten eine Zusammenkunft abgehalten, worin gewisse vorläufige Fragen, die sich auf die Eröffnung

Da; amtliche Ergebnis öer Reichrtagswahl.

Berlin, 18. Juni. TerReichsanzeiger" veröffentlicht jetzt das amtlich- Ergebnis der Reichstagswahlen. Tmmch wurden im ganzen 26 017 590 Stimmen abgegeben. Davon entftelen auf die Sozia demokratie 5 614 452, auf das Zentrum 3540830, auf die Deutsch- Demokraten 2202334 auf die Deutsch­nationalen 3 736 778, auf die Deutsche Volkspartei 3 606 316, aus die Unab­hängig e n 4 894 317, aut die Deutsche Mit­tel standspart ei 11920, auf die Kv m m u- n i ft e n 441995, auf die Deutsche Wir t - schafts- und Arbeit spar tei 43, auf die Rativnaldemokratische Partei 3938, auf den Bayer. Bauernbund 218884, auf die Hann. Lande spart ei 319 100, auf den Deutschen Wirtschaftsbund für Stadt und Land 88 652, auf die Chr i stl i ch e Volks- Partei 65219 aus die Bayerische Volks­partei 1 171 722 auf die Deutsch-Sozia­listische Partei 7216 und auf die Lau- sitzerVolkspartei 4052 Stimmen; die übri­gen Stimmen zerschplitterten sich.

Demnach besteht der Reichstag aus 4 6 6 Ab­geordneten:

Die Kabinettsbilöiing.

Berlin , 18. Juni. Tie Abendblätter rechnen mit einem Kabinett Fehrenbach unter Be­teiligung des Zentrums, der Temokra- ten und der Deutschen Volkspariei. Eine endgültige Entscheidung der Demokvatei: ist noch nicht erfolgt.

Berlin, 15. Juni. Die Verschiebung der Entscheidung der Krise wurde durch die Demo­kraten veranlaßt. Die Aussprache, die sie gestern vormittag hatten, war sehr lebhaft. Einer ihrer Vorschläge ging lautB. T." darauf hinaus, daß sie die Demokraten nicht selbst in das Kabi­nett eintreten, dafür aber sich verpflichten, einem aus Zentrum und Deutscher Volkspartei gebil- deten Kabinett ihre parlainentarische Unterstützung zu leihen. Diesen Vorschlag erklärten die Herren Fehrenbach und Trimborn unter keinen Umständen annehm en zu koirnen.

DerVorwärts" schreibt: Werrn die De- nwkraten die Teilnahme an der Regierung ab­lehnen, dann wird alles wieder ins Ungewisse ge­stellt sein. Jedoch scheint bet den Demokraten die Ansicht zur stärkeren Geltung zu gelangen, daß sie als Abwehrposten gegen reaktionäre Vorstöße in der Regierung eine wichtige Funktion ausüben könnten.

DieVoss. Ztg." erwartet nicht, daß die endgültige Konstituierung des Kabinetts vor Mitte nächster Woche (am Donnerstag tritt der Reichs­tag zusammen) erfolgen wird.

DerVorwärts" hebt hervor, daß, weil Zu- sammensetzung und Programm der neuen Regie­rung nicht festgestellt werden können, solange.sich die Demokraten nicht entschieden haben, auch noch kein letztes Wort über die Haltung der Sozial­demokraten gesprochen werden könne.

Berlin, 18. Juni. (WTB.) Die demo­kratische Partei, von deren Entsckstüssen man die Lösung der Kabinettskrise erwartete, ist in ihren Beratungen bisher zu keinem Beschluß ge­kommen und hat :hre Beratungen aus morgen vor­mittag 10 Uhr vertagt- \

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigenv. 34mm Breite örtlich 35 Pf., auswärts 45 Pf.: für Reklame. Anzeigen von 70 mm Breite 150 Pf D-». Platz­vorschrift 20u/9 Aufschlag. Hauptschriftletter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dr. Reinhold Zenz: für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Französische

Paris, 18. Juni. 'WTB..) Inn der Kammer­sitzung erllärte bei der Beratung des Kri:gsbudgets der Abgeordnete Oberst Tabryin in Bezuy auf Deutschlannd, daß die deutsche Militärpartei durch die Niederlage an Einfluß verlor«: hält'., daß das deutsche Volk einen Krieg nicht mehr woll' und daß auch Deutschland bezüglich seines Materials nicht ^nehr in der Lage sei anzugreifen, so lang; bie Alliierten die Brückenköpfe am Rhein besetzt hiel­ten. In diesem Airgenblick ruft Abg. Bcrn a- do t t e: Solche verbindlichen Reden sind wider- wärttg! Als Abg. Tabryin erklärte, er glaube un den gut eit Willen des deutschen Volkes, ruft Abg. Daudet, er verkenne die Wahrheit! Der Kriegsminister erklärte, daß er nicht so o p t i m i stis ch sei wie der Abg. Tabryin. In Deutschland gebe es eine Anzahl Lmte, die sich nicht unterwerfen wollten und es geb.: Fabriken, die noch immer für den Krieg arbeiteten, sogar N'.ue Fabriken, die Kriegsnurterial herstelldm. Er habe als Kriegsminister nicht das Recht, optimistisch zu sein und so lange er die Verantwortung trage, hab: er keine Berechtigung, optimistisch zu -urteil m. Deutschland mache nicht den Eindruck eines besieg­ten Landes. Der Kriegsministec wies auf die großen Schwierigkeiten hin, der die Kontrollkommission be­gegne und bei: schlechten Willen Deutschlands hin­sichtlich der Vernichtung des Kriegsmaterials Frankreich müsse so gerüstet sein, daß der Mann, der ihm gegenüb erstehe, wisse, daß, wenn er etwas von ihm verlange, sich auch in der Lage sehe, durchzusetzen. Unter dieser. Bedingung könne man den Friedensvertrag zu einer Rmlität machen. Eine Minute Schwäche zeigen hieße später Jahre hin­durch bluttge Tränen weine::.

Ein amerikanisches Darlehen an Deutschland.

London, 18. Juni. (Holl. Nieuws-Bu- reau.) Nach einer Meldung derMorning Post" hat das Auswärtige Amt in Washing­ton Deutschland ein Darlehen von 40 Millionen Dollar bewilligt.

wochenrückblick.

Jegliches Interesse für die außenpoliti- ' schen Ereignisse, die ja auch durch die Berta- gung der Konferenz von Spaa cm Dringlich- feit verlieren, tritt zurück hinter den nun be>» reits acht Tage währenden Versuchen, eine , tragfähige Regierung zu bilden. Das rech­nerische Ergebnis dec Wahlen am 6. Juni bot die Möglichkeit, in zahlenmäßiger Permuta­tion, in mehrfacher Zusammensetzung eine Parlamentsmehrheit zu bilden. Dem prakti­schen Zusammenschluß einer solchen Regie­rungsbasis stellen sich aber bei der gespannten Atmosphäre zwischen den einzelnen Parteien die größten ,Schwierigkeiten entgegen. Der Reichspräsident hat bereits den Auftrag, die Bildung des Kabinettes zu übernehmen, zum dritten Male vergeben und noch ist keine be­sondere Klärung der Lage erfolgt. Wir wissen nur, welche Kombinationen sich als unmöglich erwiesen haben und daß, was nun noch übrig bleibt, eher Konstruktionen, als natürlich ge­gebene Kombinationen sind. Der erste Unter­händler, Reichskanzler Müller, der den für ihn gegebenen «Weg zu den Unabhängigen ein­schlug, holte sich bei den radikaleren Genossen eine scharfe Absage, die ihm die Lust zu wei­teren Verhandlungen verleidete. Ebenso schnell endeten die Versuche Dr. Heinzes, der von der Ueberzeugung .geleitet, daß ohne die So­zialdemokratie eine Regierungsbildung un­möglich sei, sich erst an die Mehrheitssozial­demokratie wendete. Man hat vielfach das Herantreten an die Sozialdemokratie als einen Kompromiß der Deutschen Volkspartei! aufgefaßt, den gerade diese Partei bei den Demokraten verurteilt hatte. Nun ist aber be­kanntlich dasselbe, was von zwei Verschieden nen getan wird, noch lange nicht dasselbe, und gerade die Deutsche Volkspartei war bestrebt, durch eine stärkere Betonung ihrer Grundsätze einer erweiterten Koalition eine andere poli­tische Mischung zuteil werden zu lassen. Ob­gleich sie zu diesem Zwecke im Interesse des Ganzen die Fühlung mit der Sozialdemokratie suchte, lehnte diese jedes Zusammenarbeiten mit der Deutschen Volkspartei ab. Die Bil­dung einer Koalition nach rechts hin wurde von Dr. Heinze nicht versucht, da sowohl von den Demokraten, wie vom Zentrum, eine Ver­bindung mit der äußersten Rechten als un­möglich erklärt war. Dr. Heinze legte als.zwei­ter seinen Auftrag zur Bildung eines Regie- rungskabinettes in die Hände des Reichspräsi­denten zurück.

Das Problem, wie die widerstrebenden Faktoren zu einem brauchbaren Produkt zu vereinen seien, hat inzwischen zu merkwürdi­gen Vorschlägen geführt. Einen der eigen­artigsten hat die Köln. Ztg., wie sich heraus­stellt, auf eigene Verantwortung gemacht, nämlich den Vorschlag einer Fusion der Deut­schen Volkspartei und der Deutschen demo­kratischen Partei. Das offizielle Bureau der Deutschen Volkspartei rückt deutlich von diesem Vorschlag ab, indem es schreibt:

Die Köln. Zeitung hat vor einigen Tagen einen Artikel gebracht, in dem die Sammlung- aller liberalen und demokratischen Elemente, also eine Fusion der Deutschen Volkspartei! und der Demokratischen Partei, befürwortet wird. Das Kölner Blatt hat auch schon einen Namen für das neue Gebilde auf Lager, mach schweizerischem oder spanischem Muster soll es liberal-demokratische Partei" heißen. Der Artikel des rheinischen Blattes ist sicherlich gut gemeint, der Plan selbst ist undurchführbar. Einmal war die Einigung aller deutschen Liberalen schon so gut wie vollzogen: im No­vember 1918. Da traten überraschend die Gei­ster des Verl. Tageblattes und der Franks. Zeitung, Prof. Alfred Weber, Kello von Ger- lach und andere auf und schufen die Demo­kratische Partei. Aus der beinahe vollzogenen Einigung wurde nichts. Dadurch sind Millio­nen deutsche Wähler gezwungen worden, für ihre Ueberzeugung ein eigenes Haus zu zim­mern: die Deutsche Volkspartei. Diese hat bei den letzten Wahlen die Führung des deutschen Bürgertums erhalten. Wollte sie ihren ver­heißungsvollen Aufstieg damit beendigen, daß sie sich mit der total geschlagenen, von Millio­nen verlassenen demokratischen Partei ver­schmelzen würde, so könnten das nur Wenige im Lande verstehen. Und dieselben Kräfte, die vor 18 Monaten die neue Demokratie schaf­fen wollten, würden als ein Ferment der Zersetzung das neue Gefüge bald in die alte Ohnmacht bringen. Aus der Fusion entstünde eine Konfusion. Der Vorschlag dec Kölnischen Zeitung stellt selbstverständlich die Privatmei^- nung des genannten Blattes dar, die Deut­sche Volkspartei hat mit ihm nichts zu tun. Klar und deutlich ist dieser Weg abzulehnen."

Tatsache ist auf jeden Fall, daß gerade die Gegnerschaft der Demokraten und der Deut­schen Volkspartei die größten Schwierigkeiten bei der Kabinettsbildung verursacht. Dies Mußte auch der dritte Beauftragte, Dr.

Kein allgemeine Aushebung öer Zwangswirtschaft.

Berlin, 18. Juni. (WTB.) Die Abendaus­gabe derVossischen Zeitung" bringt in auffälliger Weise unter der UeberschristAllgemeine Aufhe­bung der Zwangswirtschaft" völlig unzutreffende Angaben über d:e Pläne, welche das Reichsmini­sterium für Ernährung und Landwirtschiaft in dieser Hinsicht verfolgt. In Anknüpfung an Be­sprechungen, die in den letzten Tagen in diesem Ministerium ftattgesundei: haben, wird als,Ergeb­nis mitgeteilt, daß die Zwangswirtschift mit Aus­nahme von Milch und Getreide möglichst nmgeheiH beseitigt werden müsse. Alle Fesseln sollen späte­stens bis 1. Oktober dieses Jahres gefallen sein. Demgegenüber wird bemerkt, daß das Reichsmini­sterium für Ernährung und Landwirtschaft an eine Aufhebung der Zwangswirtschaft ab 1. Oktober nie gedacht hat und nicht denkt, und daß auch Reichsminister Dr. Hermes eine Auffassung, wie sie ihm zugeschrieben wird, nie geäußert hat. Dagegen sind in inneren Besprechungen im Ministerium entscheidende Beschlüsse über den beschleunigten Abbau einer Reihe von Kriegsgesellschaften gefaßt wor­den. Das Ministerium hält nach wie vor daran fest, daß für die wichtigsten Nahrungsmittel vorläufige an eine Freigabe nicht gedacht werden könne. Tas gilt nicht nur für Getreide und Milch, sondern auch für Fleisch. Gerade hierüber ist in diesen Tagen eingehend verhandelt worden, und es wurden auch scharfe Angriffe gegen die Zwangswirtschaft gerichtet. Schließlich haben aber selbst vorhandene Vertreter der Landwirtschaft die Berechtigung der gegen die Aufhebung der Zwangs­wirtschaft geltend gemachten Einwendungen aner­kannt und während einer Uebergangszeit sich mit einem bloßen Umbau der Zwangswirtschaft ein­verstanden erllärt, bis durch den Wiederaufbau unserer Viehwirtschaft die Vorbedingungen für die Freigabe von Vieh und Fleisch geschaffen worden sind. Das Ministerium für Er­nährung und Landwirtschaft hat wiederholt erklärt, daß es einen planmäßigen Abbau der Zwangswirtschaft erstrebt und den freien Handel wieder in seine Rechte einsetzen wckl, wo seino Zulassung die Ernährung des Volkes nicht ge­fährden, sondern eine Verbilligung der Nahrungs­mittel zur Folge hoben würde. Besonders soll soweit als möglich wieder die freie Einfuhr zugelassen werden, zunächst für Fische, Eier, G e m üs e und Obst, später auch für andere Lebensmittel. Bei der heutigen Ernährungslage wäre es unverantwortlich, wenn nicht alles ge­schähe, was unsere Ernährung durch reichliche Zufuhr aus den: Ausland verbessern und ver­billigen kann. Als weitere Folge dieser Wiederher­stellung des freien Handels ergibt sich dann auch die seit langem durch das Volk gewünschte Auf­lösung der Kriegsgesellschaften.

Aus des« Aeiche.

Landarbeiterstrcik.

S t e 11 i n, 18. Juni .(Wolff.) Der Land­arbeiterausstand in Hintecpommern, der be­kanntlich nach dem Scheitern der Tarifveo- handlungen ausgebrochen ist, gewinnt erheb­lich an Umfang. Im Kreise Köslin umfaßt er bereits über 30 Güter von 58, im Land­kreise Stolp kann man fast von einem Allge­meinausstand sprechen. Zum Teil werden so­gar die Notstandsarbeiten verhindert und Ar-