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170. Jahrgang
Montag, 19. April 1920
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
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-langen, Putschs icktten u. ä&nl. zugrngcn, faßte ter ReichSwel/r Minister den Entschluß, persönlich den Vorgängen auf den Grund zu geben, £ne no — wemi auch nicht durch An gehörige des
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Die geheimnisvolle Tagung im Neichswchrminifterium.
Berlin, 17. April. (Wolff.! Das Reichs- h chrmrnistenum drill mit:
,,Am 15. April spät nachmittags erhielt bi?r Stid^dmnmiftjcr eine dringliche Mitieilung aus turc Reichskanzlei. Die Mitteüung, die der Reichs- iauzlei von führenden Persönlichkeiten der U.S.P^ zugegcmgrn war, wies auf eine „seh eime Si p n n g" bin, b’c um 8 Uhr abends tri einem genau bezeichneten Zimmer des R.nchs- n chrministeriums ftattfinbeu sollte, und zwar zw.- 'lLen einigen namentlich genannten Offizieren und verschiedenen Arbeiterverrretern. In der Sitzung vlte die Fortsetzung frül^rer Besprechungen stau roden, die angeblich sich rn der m der „Freiheit' Dargenblatt v. 14. 4. <mgebadeten Richtung bc» ttrtgten.
Angesichts der Gerüchte, die seil einer fctrbe von Tagen auch von sonst gut imterrich- $ ter Seite der Reichsregierung über Berjchwö -
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putschgesahr und Alliierte.
Worte und Taten! Erst vor wenigen Tagen lairbe aus Anlast der neuesten Puts chgerüchte in einer offiziösen Äundgrdung versichert, es sei cher das ganze Land ein engmaschiger Rachrickst-rn-- iHenft con der Regiermig eingerichtet worden, der eine Gewähr dafür geben soll, das, die amtsich.n !» Stellen genau über alle Borgänge informiert sind. k jos erste Ergebnis dieser „Nachrichtenrefvrm" war dann die Falschmeldung des W. T. B. über die an» . | gchliche Festnahme von Lütttvitz und Bisckwff, 9hrmmer 2 ist der geradezu tragikomische Nach- IDrichtemrirrwarr aus Anlast der sog. „Vers chwö- ■ rung im Reichwehr Ministerium", die Igicfct, allzu harmlos, als eine Art Fnsvrmations-- r dirs auffrisiert wird.
Es ist zu begrüßen, daß eine gerichtliche Klar- irllung in Aussicht gestellt wird: denn diese tut M angesichts der widerspruchsvollen Darstellungen von ■ Zeiten der beteiligten Offiziere einer sät s und der ■ Unabhängigen und Kommunisten andererseits drin-- |r genb not Wenn es den Offizieren^ wirklich ernst damit war, auf diesem Wege ,.bie Spannung zwi-- • ichen Militär und Arbeiterschaft zu beseitigen und - die Turckfuhrung der Waffenablieferung zu er» niöglichen", wenn sie sich zu diesem Zweck an den Summunisten Bartram, den Begründer des „Bun- ess der Frontsoldaten", und an den „Edellominu- ,listen" Meher ivandten, so würde das von einer ioldien Naivität zeugen, das; es schon mehr pvlizci- imdrig wäre Es must ja nicht ganz ausgeschlossen sein, daß beide Teile, Offiziere wie Kvmmunisten mtb Unabhängige, bestrebt waren, sich gegenseitig eine Falle zu stellen, wie das die unabhängige ..Freiheit" und die kommunistische „Rote Fahne" iemlich offen durchblüken lassen. Aber bis zur Zölligen Klarstellung bleibt doch der Verdacht be- tdehen, daß Ernsteres dahinter steckt.
Man muß sich erinnern, daß schon die Kapp, H Uitttmitz und Geitossen sich um die Bundesgenossen- fe schäft der Kommunisten wie der Unabhängigen be-
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mrben, was aber an deren Weigerung scheiterte. E Sogar Organe der Rcchüm, wie die „Deuffche ■ Tageszeitung", räumen die Tatsache ein, daß es
..kleine Kreise" gibt, die von dem Gedanken eines 1 nationalen Bolschewismus befangen sind.. Ist es
>och Wahnsinn, hat es gleich Methode! Dte Probe Ulf das Erempel konnten wir machen, als der .app Putsch und tin Anschluß daran die Re- tolution im Ruhrrevier, beide aus demselben Boden eivachsen, diese auf jenem auf gebaut, das Joch der latente verschärften, indem die Franzosen die Kriegen beit lre.mtzten, weiteres deutsches Ge- >vt zu besetzen. Schon hatte _ es den 'Infdjehi, als ob sich aus diesem An- qb eine Art reinlicher Scheidung Zwischen ■ Frankreich und den anderen Alliierüm, die jenen knapaft mißbilligten, vollziehe, als setzt die creme Putschgesahr unsere Gegner wieder z u sa in m en-- ! >t»ieistt, indem sie sic in der gleichen Sorge vor |:an „deutschen Militarismus" einigt. Tas ist
'it Wirliing dieser Wahnsinnstaktik, freilich auch ta nitge'chicteil, clarmierteu osfiziö en Bericht- rcibattung. Wird doch berichtet, dast am der^bc- rorstehenden Tagung des Obersten Rates in ean 'tano, und zw-ar diesmal anscheinend aus eng* scheu Boi sch sag, ein gcmerw'amcr Schritt unter- nommen weid.ii soll, um in kurzer Befristung bit „Entwassnimg Deutschlands" durch;uführen, und „Sicherheiten gegen einen neuen reaktionären Staatsstreich" zu erhalten. Tic deutsche Regierung t'ird frciiid) demgegenüber darauf hm- mtifen, daß das ein Widerspruch in sich ist, H das entwaffnete deutsch? Volk, dessen Ein- I »hncnvehren und sonstige Widerstandsmasmahnieu r.an unterbindet, gerade der Abwehrmöglickk'nten aegen einen Staatsstreich beraubt wird. Zweifellos iit es eine sehr durchsichtige Taktik, wenn gerade Frankreich, das durch und durch militarisiert ist, Enid) über den „deutschen Militarismus" beklagt:
. „ick c6er es ist zu befürchten, dast England, welches ,„s,ren R llnzuzvrj iiej) bnrtf, Wl. Wegnahme unserer Flotte, durch die
Dtc9 II rg uuo Augicidt wehrlos und konkurrcnzunsähvr
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„ „„.J ; -eigen wird, den .ranzc.fischen Plänen entgegen-
' t. (Heil; -utoninini. die von einem der Anarchie preise IfariC 9c0, 9 ' icgebenen Teutschland am Ende doch noch das
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s^kichswshrministci-iums — bäibe abspielen sollten.
Es rtrurbe zunächst festgestellt, daß der An- lege cnpprechend im Tienstzimmer des iwuvt- «mrns im Stabe des Reichswehrgruvpenkomman- l«s I v. Viebahn eine Sitzung zwischen Offizieren Vid Zivilpersonen stattfand. Dar Retä/swchr-
Minister liest die Sitzung aufh'ben, ordnete sofort die lelephenische Sperre üb r das gesamte Reiche wehrministcrium an und unterzog sich persönlich der Vernehmung aller an bet Sitzung Beteiligten. Das Ergebnis der Vernehmungen war, daß cinec- eits der Gegenstand der Besprechungen nichts für die Teilnehmer unmittelbar Belastendes enthielt, andererseits aber die scharf präzisierten Angaben der Anzeige und die sclünereu Beschuldi gungen gegen die militärischen Teilnehmer der Sitzung nicht entkräftet waren. Die Aussagen und Angaben der Vernommenen waren zur Stunde weder erweislich noch nachprüfbar.
Mit Rücksicht auf die vorliegenden seltsamen Verhältnisse in Verbindung mit den teils bestätigten Angaben der Anzeige, ferner auch um jeden Schein der parteilichen Beljandlung der Angelegenheit zu vermeiden, entschloß sich der Reichswehrminister, die Teilnehmer an der Sitzung zwecks eingehender Untersuck-nng dem Staatskommissar für öffentliche Ordnung zuM- führen. Darüber hinaus hatte der Reichswehrmiüi- ftcr gerade im Interesse des Ofsizieriorps die Absicht, sowohl durch llntersuchung von unbeteiligter Seite wie auch durch Gegenüberstellung von Anklägern und Beschuldigten die restlose dlusklä- rung der Vorgänge baldmöglichst herbeizuführen.
Am 16. April vormittags wurde der E h e s der Heeresleitung von den nächtlichen Vorgängen unterrichtet. Bei der von ihm weitergesühr- ten Nachprüfung der Vorkommnisse erhielt er von dem Chef des Stabes des Rcichswehrgruppen- kommandos I, d. h. von dem Dienstvorgesetzten Vie bah ns, die Meldung, daß Viebahn die vorgesetzte Dienststelle über den Zweck und die Absickt der infriminierten Sitzung unterrichtet und diese daher mit voller Billigung seiner Vorgesetzten abgehalten hat. Durch diese Meldung wurden die Angaben, die tzauptmann Viebahn bei seiner nächtlichen Vernehmung gemacht hat, bestätigt. Auszuklaren bleiben noch Charakter und Inhalt ber Besprechungen, die früher, so am 11. April, in der Wohnung ViebahnS stattgefunden haben, und ferner die Gründe, aus welch.m weitere Persönlichkeiten wie beispielsweise Kapitänleutnant Altvater und Bertram, an der Besprechung beteiligt wurden.
Die Angelegenheit wird nunmehr durch em gerichttickics Ermittlungsverfahren klargestellt, dessen Ergebnis baldmöglichst der Oeffenttichkeit mitgeteilt werden soll."
Em neues Umsturzkomplott?
Berlin, 18. April. (WB.) Die ^hiesige bayerische Gesandschaft teilt mit: In letzter Zeit haben sich Anhaltspunkte dafür ergeben, tutz in der Festungshaftanstalt Rieders chönen- feld zum Sturz der Regierung und der Ein- s ü h r u n g b e r Räterepublik anscheinend ein neitveizw.igtes hochverräterisches Komplatt geplant ist. Tas ini einzelncn ieflgekgte hochverräterisch.' Unternehmen sollte nach der Entwaffmmg der Ein- uohnenvehr ins Werk geletzt w.rden. Eine am 17. April in der Festungs-anstalt Niederschönen- selb bei d?n GK'faiigene-u vorgenommene Durchsuchung bestätigte diele Verbachtsgründe. Die Untersuchung ist eingeleitet. Die Oesfentlichkeit wird über den mnbereit Gang der Angelegenhüt unterrichtet.
Warnung des englischen Botschafters vor einem neuen Putschversuch?
Berlin, 17. April. (Wolff.) Tie „Teutschc Allgemeine Zeitung" bestätigt, daß der e n g l i s ch e Geschäftsträger in Berlin sich vor acht Tagen zu dem Unterstaaislekrelär des Auswärtigen Amtes Haniel in dem Sinne äußerte, daß die Vorbereitung eines neuen Putsches zu seiner .g-enntnis gelangt sei, und daß er es für seine Pficht halte, vor dieser Gefahr zu warnen.
Berlin, 17. April. (WTB.) Wie die „Deuffche Allg. Ztg." von unterrichteter Seite er» fährt, beabsichtigt der Minister des Innern sich demnächst mit der Reinigung des Beamtentums in dem StniK zu beschäftigen, daß Beamte, die nicht auf dem Boden der heutigen Ver- iassung stehen, künftig ihren Dienst nicht mehr aus- V.ben dürfen. In ein geweihten Kreisen werde es nicht für ausgeschlossen gehalten, daß hierbei auch der Prozeß gegen den Prinzen Joachim Albrecht zur Sprache komme.
Eine vernünftige Stimme aus England.
Haag, 17. ?tpril. >Wolff.) Laut „Rcieuwe Courant" schreibt „Westminster Gazette": Tie deutsche Regierung steht noch immer der^glei- chen Schwieiigkeit gegmiiber. Sie muß entroarpien, kann aber die zu entwaffnenden Truppen nicht zur Waffenabgabe zwingen, wenn sie nickst die Erlaubnis erhält, für diesen Zweck eine genügende Anzahl anderer Truppen zu haben. Tie Wieder Erstellung der Ordnung in Deutschland und die Öersiellung seines politischen und wirtschaftlichen Gleichgewichts ist dringend notwendig für die ganze Welt. Tie Wiederherstellung ist unmöglich, wenn die Alliierten nicht bereit sind, die gemäßigte deutsche Regierung zu stützen und m.'im sie nicht gestatten, daß diese für die Durchführung ihrer mühevollen Aufgabe eine ausreichende Truppcp- marht unterhält.
Die ftanzöflsche Propaganda gegen Deutschland.
Paris, 18. April. (WTB.) Der „Matin" tcroifentiid t heute vormittag Aeußerungen sian- zösischer Politiker über die Art und Weife, wie Teutsckland die Friedensbedingungen von Versailles ausgefühn Hobe. Ter ehemalige Tena'spräsident Dubost meint, ein Grund seht er des Friedensverrrages sei, daß man nicht begriffen habe, daß die Sufonfi von der
Regelung finanzieller Fragen abhönge. Ter ehemalige Pkäsident Poincar6 hat Bedenken, ob Teutsckland bis 1. Mai 1921 die vorgeschriebene Summe in Goldmark zallen werde Louckieur habe in der Kammer mitgeteilt, daß, alle schon erfolgten Lieferungen abgeredmet, Franlreich auf die Summe von 5—6 Milliarden zälien könne. Pvimars ruh aus: „Möge es dem Öimmel gefallen, daß er recht behält!" Finanzminister Francois Marsal lxibe in der Sammer am 14. l'lpril erklärt, nach feiner Kenntnis hätte Amerika 730 Millionen Goldmark, England 325 Millionen Goldmart für gelieferte Nahrungsmittel 'von Teutschland er ballen Franlreich habe für g lieferte Nah^u: gsmittel 131 Millionen Franks in ttohlen empfangen. Als Ersatz für die Unterhaltungskosten der Besatzungsarmee habe Frankreich bis 1 Februar 600 Millionen Mark in Papier erhalten, was weniger als den zelinten Teil der Kosten für die Besatzungsarmee darstelle, die er im ganzen auf 1600 Millionen Franks berechnet. Ter Abg?ordnete Louis Dubost l;ibe ht der Kammer gefragt, welch: ^ßohlenab- schlüsse im August 1919 mit Deutschland getroffen worden seien und welche Mengen cS zu liefern gehabt hätte. Das Protokoll spreche sich darüber nick t aus. Bis 31. Marz Haie Deutschland Frankreich geliefert 3 654 318 Tontten. Der sozialistisch^ Abgeordnete Vincent Auriol 'habe in der Kammer die Zinsenfrage besprochen. Teutschstand müsse im Grundsatz 5 Prozent bezal-len, Frankreich aber bezahle mindestens 53/i Prozent, also während 25 Jähren müsse es einen höheren Zinsfuß bezahlen als Deutschland.
Deutschlands Llohlenlicferungcn.
Haag, 17. April. (Wolff.) Ter „Rieuwe Eourant" meldet aus London: Tie (Entarte untersagte auf Ersuchen Frankreichs Deutschland, Steinkohlen nach dem Auslände zu liefern, solange nicht die verabredete Bkenge an Frankreich geliefert ist.
Der Prozeß Caillanx.
Paris, 17. April. (Wolfs.) Der Generalstaatsanwalt hot gestern abend seine Anklagerede gegen C a i l l a u r vor dem obersten Gerichtshof beendet und die Verurteilung Caillattt" auf Grund der Artikel 77 und 79 des Code pefale des Strafgesetzbuches zu einer politischen Strafe verlangt. Politische Strafe will heißen: Devortienmg ober Verbannung.
Ein Denkmal für JaureS.
Paris, 18. April. (WTB.) Nach einer Meldung jdcs „Populair" aus Le Davre soll dort ein Denkmal sür Jaurös errichtet werden.
Die Franzoseiherrschast in $ranffurt.
Messe- und Reisepaß.
Frankfurt a. M., 17. April. >Wolff.) Tas Mes-amt Frankfurt gibt offiziell bekamst: Tie französischen Besatzungsbehörden haben bestimmt, daß bei Fortdauer der bestehenden ruhigen Ver- llältnisfe die Zureise nach Frantsurt a. M. zum Besuch der zweiten Frankfurter Internationalen Messe oom 2. bis 11. Mai und des Internationalen Wirtfchaftskongresses am 1. und 2. Mai auf Gnmd des üblichen Reisepasses, der mit einem Vermerk: „Inhaber reift zur Frant7urter Messe" versehen ist, erfolgen kann. Der Vermerk „Inhaber reift zur Frankfurter Messe" kann durch alle Handelskammern und ähnliche Stellen, sowie durch die Polizeibehörden ausgestellt werden und genügt zur ungehinderten Einreise, zum Sluienthalt in Frankfurt und zur ungehinderten Ausreise aus dem hefteten Gebiet ins unbesetzte. — ?luch sonst wird die Abhaltung der Frankfurter Frühsahrs- messe durch die französische Besatzung nicht bc- lindert. Das Meßadreßbuch erscheint dieser Tage. Bestellungen, sowie alle Anfragen wegen Wohnung ufw. sind an das Meßamt Frankfurt n. M. zu richten.
Der Streik in Amerika.
A m ste r d a m, 17. April. (WTB.) Wie deniBlättern drahtlos aus Washington gemein bet wirb, sind in Chicago 24 Streik- sührer verhaftet worden.
Laut „Newyork Sun" sind in Neuyork von bolschewistischer Seite Flugblätter angeschlagen worden, ivorin zum Sturz bes Regierung und zu einem allgemeinen Streik ausgefordert roirb.
Tie Aufstandübewegung in Irland.
Londonderry, 18. April. (WTB.) Am Samstag abend wurde die Solbatenge ndarmerie- Kaserne überfallen. «Die zu Hilfe geeilten Polizeik^amten wurden mit Maschinengewehrfeuer überfallen. Eine Anzahl Soldaten und Polizisten sowie mehrere Zivilpersonen wurden verwundet. ,
Amsterdam, 17. April. (Wolff.) Wie „Zele» graas" aus London meldet, wurde der P o st z u g Eork-Baltimore sIttand) gestern fiich von 50 bewaffneten maskierten Männern angehalten, die einen Teil der Driefpost n^gnahmen.
Tie tlricgSgewinnsteuer tu Italien.
Mailand, 17. April. (Wolff.) Der „Eor- riere della Sera" berichtet über Maßnahmen bet Regierung zur Einschätzung der Vermögen. So müssen beispielswepe von einem Kapital rwn 100 000 Lire, das durch den Krieg auf 2 Millionen angewachsen i|t, 1 700 000 Lire, d h 91 Prozent abgegeben werden. Die Kriegs- gewstrne dürfen das Grundkapital um nicht über
80 Prozent übersteigen. Die au&erorbeiitlidic Steuer auf Vermögen, die schon vor tvm Kriege bestand, beträgt im Minimum 4Vi Prozent auf Vermögen von 50 000 Lite, nuib 11 Prozipil bet Vermögen von einer Million Live und 50 Prozent bei Vermögen von 100 Millionen Lire.
Hölz verhaftet,
Dresden, 18. April. (WB.) Born Wehrkreiskommando 4 wird mitgekilt: Nach übereinstimmenden Meldimgen der tschechischen Grenz- kommmidos in Gradlitz imd Breitenbach fowü> txer| Militärpollzei in Eget ist Hölz am 17. b. Mts. in Marien bad verhaftet und in das Kriegs- gerichtsgefäi^guis Eger eingeliefert nwtden.
Planen i. Voqtl., 18. April. (Wolff , 8« der Verhaftmig von Hölz wird bet Poliz. iinspek- tion Eger noch mitgeteilt: Hölz verweigert > de '2lM£>fuitft über seine Person. Et erklärte, crst vor dem Gerichtshof in Prag Rede stehen zu wollen Durch Gegenübers^ ltmg mit einigen anderen im Stri gsg.'richtsgefängnis befindlichen V x-* lasteten muib.* jedoch seine Identttät idtgr'ft 11t. Bei ihm wurden noch etwa 130 000 Ml. vor gesunden. Mit ihm zusammen wurde ein Kommunist namens Webet festgenommen.
Das (Ergebnis im Zalle Sklarz.
Ter von der s o z i a 1 d e nt akratischen Partei eingesetzte ll n t e rind) u n g s ans« schuß zur Untersuchung der im Falle Sklarz gegen fvzialdenvokratisckie Parteiführer er tulenen Beschuldigungen veröffentlicht jetzt bas Resultat dieser Untersuchung. Er kommt nach genauer Prüfung jeder (Änzelbeschuldigung auf Grund bet Vernehmung aller in Betracht kommenden Personen: zu folgendem Schlußergebnis, das.die Grundlosigkeit der Beschuldigungen feststellt:
Der Ausschuß hatte natürlich nicht die Möglichkeit, seine Zeugen eidlich zu vernehnum. Drvtz- dem erscheinen die Ergebisisse der Untersuchungen so einbeinig klar, daß schwrlich jenurnb, der bis Aussagen und das dem Ausschuß sibriftlich übergebene Material vorurteilsfrei prüft, noch bei»übten kann, daß auf Grund dieses ^.Materials und dieser Zeugenaussagen von Ävrrup'.ir.m^-erfck>einunM gen an der Spitze der Sozialdemvkratisck>en Partei Deutschlands gesprochen werden dürfe. Keiner der 91t!flöget, Baumeister, Davidsohn und Svmienfeld, lat einen Beweis auch nur versucht, daß sozialdemokratische Minister für entsprechende Gegenleistungen die Herren Sklarz und Pärnus begünstigt hätten. Baumeister und Sonnenfeld erklärten sogar wiederholt, daß ihnen solche Behauptungen ganz ferngelegen hatten. Tie beschuldigten führenden Parteigenossen haben entschieden zurückgewiesen, das- sie jemals an Sklarzschen ober Par- ousscken (^schäften beteiligt gewesen seien, und niemand 1-at anck nur versucht, das Gegenteil zu beweisen. Ob bei den Sllarz-Parvusschen Geschäften und ob bei den Abrechnungen bet Regierungs- huuyen strafbare Unregelmäßigkeiten vor gekommen find, wird die Staatsanwalffchaft.zu prüfen haben. Der fozialdemotratische Unterfuchun^sausschuß lattc nick! die Ausgabe und auch nicht die Möglich- feit, die Geschäfte dos iberm Sklarz zu prüfen, der überhaupt nicht Parteigenosse ift
Für die Verhandlungen vor dem Ausschuß war bezeichnend: der Beweis, daß sich die Ankläger in manchen Behauptungen nachweislich geirrt haben, in anderen unzweifelhaft unsichter waren, ans eigenem so gut wie nichts wußten, immer wieder versickerten, daß es ihnen nicht um die Belastuarg von führenden Parteigertosten, sondern nur um die Klärung der Angelegenheit zu tun sei.
Immer mehr schränkte sich während der Verhandlungen die Untersuchung auf die Frage ein, ob einige führende Parteigenossen in ihrem gesellschaftlichen Berke hr mit Sklarz nicht weitergegangen seien, als mit ihrer politischen Stellung vereinbar sei. Eine solche Frage ist aber nur sehr schwer und wohl immer nur subjektiv zu entscheiden. Es müßte zu bedenk- licken Folgerungen führen, wenn man Partei-, qeridjte über den gesellschaftlichen Verkehr der Parteigenossen einrichten nullte. Auf diel em Gebiete wird immer das TaktgefuA des einzelnen zu entscheiden haben, das allerdings führende Parteigenossen und Regierungsmitglieder stets heran- lassen muß, in ihrem Verkehr besonders wählerisch und lurückhol.'end zu sein.
Ter Llussckuß hat auf Grund des ihm von den Anklägern vorgelegten Materials, das nach deren eigenen Bekundungen vollständig ist, die lieber- zeugung gewonnen, baß nichts vorliegt, toas zu dem Vorwurf der .stvrrupnon gegen führende Parteigenossen berechtigt:. Zwar hatte der Ausschuß nickt die Möglichkeft, den jungen Somienfeld zu vernehmen, weil dieser sich in Lolland bi .haft befano, aber es liegt auch kein Anhaltspunkt dafür vor, daß Sonnenfeld junior gegen führende Parteigenossen belastend au singen könnte.
Tie Aussckstißmitgtieder hatten während der langwierisen, mühevollen und zum Teil kleinlichen Verl/LNidlungen oft den ©rnbrurf, ihre Zeit und Arbeit an eint Sache zu verschweigen, die den Ausivan> nickch lohnte. Immerhin werd die Untersuchung infofern von Wert sein, aXS sie ^eigt, dafe die maßlose Betze, die monatelang in vielen Zeitungen gegen svzialdemokrattsche Parteiführer getrieben worden ist, in dem Material, das Baumeister, Davidfohn und Sonnenfeld vorlegten, und das auch die Quelle des Preffefeldzuges bildete, feine berechtigte Grundlage hatte. Ter Ausschuß ist überzeugt, daß auch die bevorsdeheichen Prozesse, soweit sozialdemokratische Parteiführer in Betracht kommen, fein anderes Ergebnis haben werden, alS es in den Arbeiten des so^mldemrofrati'cken linier- füchungsauÄchlo'ses torliegt.


