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Art- Stadt und Land.

Gieren, den 18. Febr. 1920.

Die Kartoffelversorgung.

Ueber di? Kartofftlversorgung macht das Reichslvirtjchastsministerium einige bemerk.mÄvnte Angaben. Es teilt mit, daß die HerbstktrtDffel- anbaufläche des Jahres 1919 gegenüber d:m Vor­jahre von 2 153 274 Hektar aus 2 010 103 Hek­tar zurückgegangen ist. Die AnbanverMinderung beläuft sich also auf 6,6 Prozent. Der Ernte­ertrag beträgt nach den Schätzungen dcr Kommu- nalverbände durchschnittlich 174,8 (im Vorjahre 199) Ztr. je Hektar, zusammen gleich 351 409 172 Zentner gegenüber etnrr Vocjcrhrswnte von 482 551280 Zentnern. Das Minderaufkomnien beträgt hiernach 77 142 108 Zentner gleich 18 Pro­zent. Durch den Frostschaden im November sind der Speisekartoffelbewirtschaftung 41/4 Millionen Zentner verloren gegangen. Die erfrorenen Kar­toffeln mürben in Trortnereien, Stärkefabrikm und Brennereien Der arbeitet und teilweise zum Ver­füttern verwandt. Die Kartoffelbefötoerung litt unter Wagenmangel. In den für die Kartoffel­versorgung entscheidenden Hauptlieferwochm konn­ten nur etwa 40 Prozent der angefowertm Wagen gestellt werden. Ter Kartoffelanbau rourte durch den Mangel an natürlichem und künstlichem Dün­ger ungünsttg beeinflußt. Für das Jahr 1920 hat das Reichswirtschastsministerium 12 000 Ton­nen Kunstdünger zur Verfügung gestellt. Der Dünger wird zu Höchstpreisen cm solche Kartoffel- erzeuger abgegeben, bi? sich bei den Kartoffelablie­ferungen besonders hervorgetan habm. Die Kar­toffellieferungen aus Dänemark sind nahezu erfüllt. Aus Holland sind oa. 1 Million Zentner, aus Polen 354 500 Zentner geliefert worden. Die Durchführlmg der Zwangswirtschaft hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Durch Schleichhandel und Hamsterei wurden der öffentlichen Kartoffel- Wirtschaft erhebliche Vorräte entzogen. Fast über­all mußte die Ration auf 4 bis 5 Pfund herab- gesetzt werden. Inwieweit es gelingen wird, die Kartoffclverforgung bis zum Rest des Wirtschrsts- jahres aufrechtzuerhalten, hängt von den Vorräten ab, die sich im Frühjahr nach Oeffnung der Mieten noch vorfinden werden. Es läßt sich zur Zeit noch nicht übersetzen, ob und inwieweit der Frost dm erngemieteten Kartoffeln Schadm zugefügt hat.

Kriegsgefangenen-Heimkehr.

Der Dank oer Hcimkchrer.

Aus allgemeinen Wunsch unserer Kameraden itiifc Leidensgenossen sagen wir im Namen der Heimkehrer der Stadt Gießen unseren besten Tank für den überaus freundlichen Empfang, für die reichlichen Spenden und Liebesgaben, die sie uns Überreicht hat. Wir wußten wohl, daß wir in der Heimat nicht vergessen waren; aber dieser herzliche Empfang überstieg weit unsere Erwartung. Das Lager war in durchaus Vorbereiteten, guten Zustand gesetzt. Tie Lagerangestellten haben es verstanden, uns nach der deutschen Organisation schnell ab- znfinden, damit wir so bald wie möglich unseren Lieben daheim ^geführt, würden. Auch ihnen un­seren Tank. So wie die Stadt Gießen für uns gearbeitet hat, verpflichten wir uns auch alle, an dem Neua u fbau unseres Vaterlandes mitzuarbeiten. Ein Lebewohl der Stadt Giesen.

Wilhelm Zilins, Rotthausen tKreis Essen), Leitberstroße 55. Heinr. Ado l p h, Herne i. Westt, Rosenstr. 20. Emil Reiners, Bleseen (Oldenburg).

te» Beuern, 16. Febr. Aus unserem Orte befanden sich fünf Leute in französischer Ge­langenschaft. Alle fünf frnt nun glücklich in die Heimat zurückg-flehtt. Es sind dies: Siegfried Cdelmuth, Sohn des Handelsmannes Gukknd (Äel- muth, Karl Wilh. Otto, Sohn des Sattlers Otto, Landwirt und Steinhauec Heinrich Bello ff, Karl Aug. Sommerlad, Sohn der Witwe Sommerlad unb Landwirt Philipp Lepper. Letzterer flam am 12. September 1914 in Gefangenschaft und tjat während der 5Vr)ährigen Gefangenschaft viel er­tragen müssen, ©in früher unternommener Flucht­versuch mißlang ihm leider. Tie Zurückgeflehrten wurden, soweit sie Mitglied des Gesangvereins waren, von diesen abends durch ein Ständchen begrüßt.

* Daubriugen, 16. Febr. Vergingen en Dienstag kehrte Krrl Frey, der erste unserer Ge­meinde, aus fvan^sischer Gefangenschaft zurück. Inzwischen hat sich auch der zweite gemeldet Karl Braun, Sohn des Schuhmachers Georg Braun.

- m. .Hungen, 16. Febr Ms zweiter kam heute früh der 22iährige Buchdrucker Hermann Jockel aus französischer Gefangenschaft zurück.

= Münster, 17. Febr. Aus französischer Gefangenschaft kehrte Friedrich Törr mro Richaro Gontrum zurück. Karl Wießner ist bis setzt aus französischer Gefangenschaft noch nicht z.rrück.

- 4 Ortenberg, 16. Febr. Aus franzö­sischer Gefangenschaft kehrte weiter zurück Gott­lieb Schiff. Er war in den schweren Somme- flämpfen, im Jnf.-Regt. 116 fechtend, verwunde l in Gefangenschaft geraten. Leider traf der Heim­kehrer seinen Vater und seine Schwester nicht mehr am Leben. Ter übliche Willkomm grüß der Heimat wurde auch ihm geboten. Zu unserer größten Freude l)at auch der letzte unserer Kriegs­gefangenen Karl Fahrenbruch schon vom deutscheu Boden geschrieben, so daß die Hoffnung besteht, daß auch er bald nach Haust kommt

an dem Widerspruch Fachs gescheitert. Helfrich führte an, daß Erzberger Walls auch zum Ver­treter des Reichsverwertungskimtes im Rh.rnland vorgeschlagen und ihn zu Geschäften der Waffen- stillstandskommission zugezogen habe. Strauß )agte aus, daß weder er von Erzberger, noch Erzberger von ihm Vorteil hatte.

Berlin, 17. Febr. Im weiteren Verlaust des Prozesses Erzberger-Helfferich kommt der Fall Richter zur Verhandlung. Erzberger war mit 4 0 000 Mart und 40 Prozent Gewinn an der Firma beteiligt. Tie Firma hatte einen einzigen kleinen Auftrag erhalten und ihn nicht auSgesührt. Zeuge von der Kolk erklärte, beide, er uilü Erzberger, hätten ihr Geld verloren. Ge­heimrat H 0 0 g e n vom Eisenbahnministerium sagt' aus, daß ein Schreiben von Erzberger, - als er schon Staatssekretär war, einge­gangen sei, in dem er bat, der Firma Ge­legenheit zu geben, das Patent vor­ruf üh re n. Helsferich stellt hiermit einen Wi­derspruch gegenüber der neulichen Aussage Erz­bergers fest, daß er nie und nimmer zu Gunsten einer Privatperson eine Intervention beim Eisen­bahnminister unternommen habe. Erzberger er­klärte dies als eine irrtümliche Auffassung. Nächste Verhandlung Freitag.

Lebensmittel.

** Speck-Verteilung. Bon Freitag bis Dienstag, abends 6 Uhr, gelangt in den NLetzger- geschäften bet Stadt gegen Abgabe des Bezugs- abschnittes Nr. 1 der Auslandsfleischkarte ame­rikanischer Speck zur Verteilung. Aul leben Bezugsabschnitt entfallen 200 Gramm zum Preise von 3,04 Mk. Die Abholung hat in den Geschälten zu erfolgen, in denen der Kontrollabschnitt abge­geben wurde.

** Ausgäbe kondensierter M i l ch. Tie Milchempsänger, deren Karte auf Vs Liter lautet, erhallen am Donnerstag und Freitag gegen Abgabe der Milchmarte Dom 23. Februar der 9. Woche anstatt der ihnen zustehenden Vollmilch für den 19., 20., 21. und 22. Februar 1920 eine Tose kondensierte gezuckerte Vollmilch. Der Ver- ürusspreis beträgt 7 Mk. für die Dose. (Sieche Anzeigenteil.)

Veranstaltungen.

Stadttheater. 6 Utjr: Fidelio. 8 Uhr: Uferinis Abschiedsvorstellung imEinhorn". Lichtspielhäuser wie gestern.

*

** Amtliche Personalnachrichten. Am 7. Februar 1920 wurde der Militäranwärter Offizierstellvertreter Ferdinand Herzberger aus Garbenteich zum Steueraufseher ernannt und ihm der Aufsichtsbezirk Büdingen mit dem Wohnsitz Büdingen zugewiessi.

** ErHöhung der Aer zt e ho no rare. Durch die ungewöhnliche Teuerung veranlaßt, ha­ben die Aerzre der Provinz Oberhessen die Er­höhung der Honorare für die ärztlichen Leistungen, Beratungen und Besuche, inslstfondeve ckmh für die 'während der Nacht und des Sonntags ver­langten Besuche besckstossen.

** Anläßlich der H auswirtschafts- und Han darbe itslehrerinnen-P- f u n g findet in den Räumen der Al beschule, Steinstraße 10 parterre, eine Ausstellung der Jahresarbeiten der Seminaristinnen in Nadel­arbeit, Zeichnen und Anfertigung von Anschau­ungsmitteln statt. Die Ausstellung ist Freitag den 20. Febr. von 10V31 Uhr und 2V»5V2 Uhr geöffnet.

** Im Deutschvölflischen Schutz- und Trutz-Bund spricht am Donnerstag Abg. Wiegerhaus-Elberfeld überDie Ursache unseres ZusammÄ>ruchs".

** Der Allgem. Verein für Armen- und Krankenpflege, Gießen, halt am Frei­tag den 27. Februar feine Generalversammlung ab.

** Eva ngeli s cher Bund. Am nächsten Sonntag abend 8 Uhr soll in der Stadftkrrche wie­der ein Vortrags-Abend des Evangelischen Bundes stattsinden. Pfarrer Sattler- W-eseck wird über TiesozialeSendungunsererKirche" sprechen, ein Thema, das gewiß allseitiges Interesse beanspruchen darf) besteht doch trotz vielfacher Ab­leugnung eine enge Verbindung zwischen der christ­lichen Kirche foroo'fd katholischer wie evangelischer Ausprägung und dem sozialen Lebensgebiet. Ter Vortrag wird von musikalischen Darbietungen umrahmt sein. (Siehe Inserat!)

** Der ©Dong. Arbeiterverein hielt am Samstag bei Gastwirt Sauer, Neustadt, feine Hauptversammlung ab. Nach dem vom Vorsitzen­den erstatteten Jahr es beri ch t hat sich der Ver­ein im abgelaufenen JaAe außerordentlich gut ent- wickell. Dre Zahl der Mitglieder ist von 265 auf 290 (darunter 20 Frauen) gestiegen. Die Mitglie­derzahl der Sterbekasse des Vereins beträgt 172, die der Gesangsabteilung 49. Die finanziellen Verhältnisse der Sterbekasse Haben sich im letzten Jahre wieder wesentlich gebessert. Die Rechts­beratungsstelle des Vereins hat auch im ab- gelau fernen Jahre, besonders auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung, segensreich gewirkt. Bei den Wahlen wurde der Vorsitzende sowie die aus­scheidenden Vorstandsmitglieder wieder gewählt, neu gewählt in den Vorstand würben die Herren Gellfuß und Loh. Ueber das VereinsorgM und Über die weitere Tätigkeit des Vereins entspann sich eine sehr rege Aussprache.

** For s chungsreisen in Inner- China. Professor Dr. Wegener (Berlin) sprach Montag abend am vierten Vorttagsabend der Vortragsvereinigung über eine seiner Forschungsreisen in Inner-China. Die Hörer sahen sich sehr bald, dank der sehr guten Lichtbilder unb den klaren Erläuterungen, auf eine fesselnde For­schungsreise mitgenommen durch ein Riesen stück Chinas, südlich des Jang-tse-kiang. JnNan-tschang machten wir den sonderbaren, an das Gebahren altrömischer Fvauen-Visiten erinnernden Besuch bei den Spitzen der Provinz, beim Mandarinen mit, toobei fast alles anders zugeht wie in Europa. In­diskrete Fragen nach Aller und Vermögen sind Ge­sprächsstoff unb der Gastgeber bittet Mießlich doch aufzubrechen. Aujch sonst ist alles anders. Trauer­farbe ist weiß, Wein trinkt man heiß. In der per- spekttvtschen Zeichnung läuft alles im Hintergrund auseinander, beim Abschied schüttelt man die Hande, aber nicht einander. In der Schule schlägt man mit Allotria die Stunden tot, und die rich­tigen Stellen in dem Extemporale unterstreicht man rvt. Doch weiter nun zu Fuß, oder Pferd oder Sänfte. Wagen gibt es in ganz Düdchina keine. Das Land tst durchzogen mit fteigartigen Feld- megen, auf den Lasten durch Kulls befördert werden, auf einrabrigen Karren, die das ganze Gewicht auf dem Rade tragen und von einem Menschen bewegt werden. 5o Kilometer pro Tag für 50 Pfennig. Tempora mutantnr! Es war einmal! Ueberall geht durch Reisfelder, die kunstvoll sogar in Terassen dre Hange hinaufllettern, wagrecht an­gelegt, durch kleine Dämme das Wasser stauend, das die jungen Pflanzen den größten Teil des Wachstum über faft ganz bedeckt. Durch Schiefer- und Ro hsand stem- Gebirge getzt es auf Wasserwegen in leichten jauberen Dschunken weiter. Die Wasser­wege werden in China mit großem Geschick bis natze yrr -Quelle ausgenutzt, schließlich mit Bam­busflößen unb gar mit kleinen LaWößen, bie von dem Manne gezogen werden, der selbst im Wasser watet. Manchmal wird oud) Ackerwirtschaft ge­trieben aus Rietenflößm, die bis zu sieben Monate unterwegs btefbat. Von Kcmg-tsch>u nordwärts wieder geht es in großen Dschunken weiter, durch Stromschnellen zwischen Klippen, ums mitunter schlecht endet. Die Fahrt endete bei der Pagode von Non-tschang, wo die erste topographische Auf­nahme erfolgte. Wieder Besuch und Gegenbeftrch beim Mandarin und wir wurden entlassen mit der Bemerkung, daß China mit seiner enormen Nüch­ternheit und fernen Bodenschätzen das Lack der unbegrenzten Möglichkeiten sei, zumal die neue Reformschube in Nan-tschang einen Beweis dafür biete, daß China durcheilten naren tüchtigen, stram­men Geist aus seinem Schlafe gaveckt sei. Der Anfang der Abrechnung zwischen W«ß unb Gelb

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Vriefkaften der Redaktion.

Examenskandidat. An amtlichen For­mularen üb er er fv l g te I m p f u n gen er halten Erstimpflrnge (kleine Kinder, einer, roten Schein. Wtederimpflinge (12jahn# Schulkinder) einen grünen Schein. Weiße Imps- I scheine gibt es nicht.

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Kreis Schotten.

O Gedern, 16. Febr. Der KreiS-Obst- und Gartenbauverein veranstaltete heut: vormittag durch Kreisobstbauinspekwr Metternich von Büdingen einen Gemarkungsrundgang. Nachmit­tags fand im Bergwirtshaus ein gut besuchter Vortrag statt, bei welchem Herr Metternich di' verschiedenen Möglich Veiten zur Anpflanzung von Obstbäumen erläuterte und eine Fülte wertvoller pvakttscher Winke gab. Dem Obstbauverein trat eine größere Anzahl neuer Mllgli.'der bei.

Starkenburg und Rheinhessen.

bt Darmstadt, 17. Febr. Wirll. ®ebdme= rat v. Roemheld, der seitherige Kabinetts­direktor des Großherzogs, wird, wie aus zuver­lässiger Quelle verlautet, demnächst aus dem Hos- dienst ausscheiden und als Vortragender Rat vom Landesamt für Bildungswesen übernommen werden.

mc. Groß-Gerau, 17. Febr. Aus Veranlassung der hessischen Regierung wer­den augenblicklich im Ried Forschungen über die Abbauwürdigkeit der dortigen Torf­lager angestellt.

Hessen-Nassau.

Die Grippe.

nie. Frankfurt a. M., 17. Febr. Wie in anderen deutschen Stabten ist auch in Frankfurt eine erschreckende Zunahme an Grippe festzustellen. Namentlich werden junge Leute von 1525 Jahren davon befal­len; die Krankheit tritt hier in etwas leichteren Form, wie in den anderen deutschen Grotz- Städten, auf, doch hat man mehrfach Fälle be­obachtet, die schwere Gliederlähmungen zur Folge hatten.

= B iedenkopf, 17. Febr. Der Aerztliche Kreisverern Biedenkopf gibt bekannt, daß die Vor­zug s be l ie fer u n g der Aerzte mit Ko h- l e n nur auf dem Papier steht imb daß er infolge­dessen alle Patienten bitten muß, wenn sie ärzt­liche Spvechstmüen aufsuchen, zur Erwärmung der Wartezimmer einige Scheite Holz ober etliche Bri­ketts initzubringen.Man möge dieses Ersuchen mll der Not der Zett entschuldigen," schließt me­lancholisch die Bekanntmachung.

mc. F r a n k f u r t a. M., 16. Febr. Mll einem Kostenaufwand Dom nxibcxu 3 Millionen wird am RLerwald eine neue Kleinha u ssiedeluno erstellt, die 58 Drei- und Vier-Ziimmcrwvhnung-n umfassen soll. Die Bauplätze werden im Erbbau abgegeben.

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X Hanau, 17. Febr. Das Stadt theater in Hanau, das sich dem dramattschen Schaffen Ganglwfers stets mit besonderem In teresse gewidmet hat, brachte gestern abend dessen neuestes BühnenwerkDer Segen des Jrttum-' zur Uraufführung. Es handelt sich um eine Ein- akterfvlge, die den AktNeue Blüte", den Schwan! Tie Tepesche"' und die DorfgvotesteTas salsck-' Maß" umfaßt. Tirektor Spannuth-Bodensted! brachte im Verein mit seiner Künstlerschar das Werk so heraus, daß ihm ein durchschlagender Erfolg beschieden war.

Gießener Opern- und tkonzertwoche.

Gießen, 18. Februar. Zar und Zimmermann.

Komische Oper von Albert Lortzing.

Welch außerordentlichem Bedürfnis das Gast» spiel des gesamten Opernkörpers des hessischen Landestheaters Darmstadt entgegen» kommt, zeigte sich berells beim Vorverkauf, der eine große Zahl, wenn nicht die Mehrzahl der Andrängenden leer ausging. Ta man außerdem alles getan hat, um den mitwirkenden Künstlern in der Zeit der Verkehrsnöte u.nd Unterkunsts­schwierigkeiten alle Unbeguemlichkeiten nach Mög­lichkeit xu ersparen, oder doch auf ein Mindestmaß herabzusetzen, so kann man jetzt nach der ersten Aufführung schon die Hoffnung aussprechen, es möge sich gegen Ende dieser Spielzeit nochmals Gelegenhell zu einem Gastspiel der Darmstädter Opernkräfte bieten.

Mit einer solistisch, wie choristtsch gleich be­deutsamen Aufführung von Lortzings Zar unb Zimmermann wurde die Opernwoche einge­leitet und vermittelte so neben dem im November vorigen Jahres gehörtenWildschütz" mit dem Besten, was uns der Meister der deutschen komi­schen Oper des 19. Jahrhunderts gegeben hat.

Von den Kräften des Abends, die durchweg auf bemerkenswert künsllerischer Höhe Rauben, wäre wohl an erster Stelle Walter Elschners Zimmergeselle Peter Iwanow zu nennen, besten Vortrag sich durch spielende Frische, gesangliche Rundung und musikalische Sicherheit auszeichnete und der auch im Spiel sich gewandt und beweg­lich erwies. Eine ebenbürtige Partnerin war ihm in jeder Weise Frieda Meyer als Bürgermecsters- nichtchen von Saardam. Ihre Auffassung war dramatisch etwas stärker akzentuierend und be­lebte außerordentlich durch die anmutige Neckerei, mit der sie die Eifersucht ihres Geliebten zu stacheln weiß. Theodor Heusers gediegene stimmliche Dualitäten kennen zu lernen, hatte man bereits

Landkreis Gietzrn.

Die hessischen Braunkohlemoerke.

= Münster, 17. Febr. Die Kvhlengwß- hacklung Andre u. Co. aus Frankfurt t M., welche die hiesigen Mutungen auf B r a u n - kohlen gekauft hat, hat vor 10 Tagen mit den Bohrungen angefangen. Sie sind jetzt 25 Mebrr tief und toerben aus 39 Meter Tief: bi: Kohlen bekommen. Hoffentlich wird das Lager zum Ab­bauen stark genug sein, damit die Kohlennot in unserer Gegend etwas behobm wird.

* * Annerod, 17. Febr. Am Sonntag den 15. d. M. hielt der hiesige Turnverein eine sehr gutbcsuchte Abendunterhaltung, verbunden mit turnerischen Aufführungen, wie Fackelreigen mu> komischen Vorträgen, ab. Herr Wehrum gedachte der gefallenen Kameraden sowie der GesanZenen und richtete an die Eltern die Bitte, ihre Gxiqne zum Turnen zu schicken, damit die durch den Krieg geriftenen Lücken ausgeglichen würden und unter Vaterland wieder allmählich emporkomme. Die Unterhaltung fand reichen Beifall.

- m. Inheiden, 14. Febr. .Der gestern beim Holzfällen im Walde durch einen zu früh allenden Baum verunglückte Heinrich Baar von hier ist heute früh im Hungener .Kcanken- hause seinen schweren Verletzungen (Schabelbruch) erlege'' ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Er hinterläßt Frau und Kinder, denen ich allseittge Teilnahme zuwendet.

- m Hungen. 16. Febr. Auf Veranlassung unseres Gkisttichen, Pfarrer G ö ck e l. .fanden sich gestern abenb im Saale derTraube" erne überaus große Zahl hiesiger Einwohner zu ctnem Familien­abend zusammen. Pfarrer Gockel sprach nal)ezu drei Stunden über ferne Erlebnisse und Eindrücke als Feldgeistlicher auf dem östlichen Kriegsschau­platz. Seine interessanten Ausführungen, ine nicht die Schrecken des Krieges bemäntelten, sondern lediglich eine Schilderung van Land und Leuten, Sitten unb Gebräuchen in der Ukraine darstellten, machten auf die Zuhörer tiefen Eindruck. Tie beiden GesangvereineÄntracht" undLiederkranz^ ver- chönten den Abend durch Vortrag mehrerer wir- tungstoller. Chöre.

* Lich, 16. Febr. Der Frauenchor veran­staltete am Samstag im hiesigen Schloß unter ter Leitung von Frl. Marie Jäger einen musikalischen Abend zum Besten ter Gedächtnisslistung für die Gefallenen ter Stadt Lich. Mitwirtende warm Z-rau Damm-Zörb (Mavier) und Frl. Nella Gregor (Gesang) aus Friedberg. Das Fürstenpaar stellte dankenswertester Weise den neuen Saal im Schlosse zur Verfügung. Ter Ouvertüre -11Egmont", achthändig auf zwei Klavieren vorgettagen, folgte ein Prolog, ter als Endzweck der Veranstaltung den Dank der hiesigen Frau-en für unsere g:frll'2ien Helten forderte. Die einzelnen Chöre verdienten großen Beifall, da die Sängertnnen wirklich (Äutes leisteten. Als Höhepunkt der Leistungm war >nit- chieden ter letzte ChorIm Frühling", von Bor- giel, anzusprechen, dessen immerhin nicht M:in: Schwierigkeiten sicher bewältigt wurden. Als Kla­vier künstlerin leistete Frau Damm-Zörb Heroor- ragendes Ihr fließender Vvrtvag kam zu voller Geltung. Ebenso geschickt begleitet? sie die von Frl Gregor vorgetragenen Lieder. D?r llingmde Er­folg des Abends ergab nach Abzug der Kosten den Ertrag von 900 Mk.

Kreis Büdingen.

d. Oberlais, 18. Febr. Tas am vorigen Sonntag abend vom hiesigen GesangvereinLie- derfveunb" veranstaltete Konzert nahm in allen seinen Teilen einen schönen unb würdigen Ver­lauf. Es wäre unrecht, wollte man die eine ober andere der Darbietungen besonders ermähnen; sie verdienten alle das gleiche Lob. Sämtliche Lieder legten Zeugnis ab von dem.Fleiß und der Ge- wisfcn'haftigkeit, welche der Drngent des Vereins, Lehrer Gengnagel, auf ihre Einübung verwentet hat. Zwei flott gespielte Theaterstücke hüteten den Abschluß der Veranstaltung. Ter als Gast er­schienene Gesangverein von Glashütten sang unter Leitung von Lehrer Judersleben. Zu dem an das Konzert sich anschlmnenden Tanz spielte zum erstenmal die erst lln Herbst gogrüntete einheimische Kapelle auf.

Sport.

= Fußball. Am vergangenen Sonntag spielte die vollständige 1. Mannschaft des Sport» Vereins Merkur gegen die gleiche VNannschift des V. f. B. Marburg in Marburg und konnte nid) schönem und dauernd überlegenem Spi'.l mll 5:0 Toren den Sieg nach Hause bringen. Kommen­den Sonntag stehen sick) auf dem Sportplatz Trieb die 1. Mannschaft des Sportvereins Merkiir und die gleiche Mannschaft des F. C. Bad-Homburg I gegenüber.

Der Schlichtungsausschutz der Provinz Oberhessen fällte in seiner Sitzung vom 11. Februar folgende Entscheidungen:

Ter Tari [Vertrag für kaufmännische Angestellte in der Stobt Gießen vom 6. Tezember 1919 würbe auch für die Angestellten bes Buchhandels (her Antrag richtete sich gegen bie Firmen: Pilger­mission, Ferber, Frees, Pfeiffer, Pucker, Roth unb' Töpelmann) für grundlegend erklärt mit klei- j nen Abänderungen (Rückwirkung v-un 1. Januar | 1920, Volontäre zählen als Lehrlinge, Lehrlingen i ist auch die Wirtfchafisbeihllfe hu gewähren). Kün- , tigungen aus Anlaß bes Tarrsverttags sinb ver­boten bzw. erfolgte zurückzunehrnen.

Tie Gemeinde Londorf ist verpflichtet, ihren Holzhauern vom Beginn der Holzhauerei 1919 an den nach dem Lohngebiet II des staatlichen Tori Vertrags zusteh/nten Lohn zu zahlen.

Tie Digelegenheit des Buchdruckers Peter Krim in Maar gegen Firma Friedrich Ehrenllau in Lauterbach wegen Wiedereinstellung wurde an das Tarif schiedsgericht für Buchdrucker verwiesen.

In der Tarifsache des Transrortarber'.er-Ver- bandes gegen 13 Fnedberger Firmen haben Parteien zunächst bie Wetterführung ihrer Ver­handlungen, bie eine Verständigung erwarten' lassen, untereinanber beschlossen.

Tie Fürstlich Braunfelssche Rentkammer Hot ihren Holzhauern die Lohnsätze des Tarifvertraget nachttäglich zugesagt, das Becfalwen würbe daher vom Bauarbeiterverband als erledigt erklärt.

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Ti ent $ hiermit Gießer TrrObäb

m der letztenBajazzo"-Auffuhrung Gelegenheit. Sein Zar, der allerdings mimisch zur Tempera­mentlosigkeit verurteilt und darauf angewiesen ist, durch zurückhaltende Würde zu wirken, ließ die stimmlichen Vorzüge immer stärker hervortreten. Tas Zarenlied, der Höhepunkt der fkolle, mußte wiederholt werden. Darstellerisch im Mittchrunkt stand Heinrich Kuhns Bürgermeister van Bett, lener drollige Typ, ohne den man sich nun einmal eine komische Oper Lortzings kaum denken tarnt. Herrn Kuhns Spiel erinnerte im guten an Herttt von Schencks vorbildlichen Schulmeister Baculus, ohne ihn gesanglich ganz zu erreichen. Nichts- deswweniger blieb sein Überweiser Bürgermeister ein voller Erfolg. Die Herren Paul Petersen, Joseph Schlembach mußten als wenig be­neidenswerteEntente"-Gesandten in ihrem Patt stark zurücktteteu; ebenso Ludwig Kleinböhh der für August Globerger entsprang und daher zumal im Sextett des zweiten Aktes nicht.ganz fest stand. Besonders hervorzuheben ist noch Martha *« Siebe!, die musikalisch unb darstellerisch »*««« Frau Brown zu fesseln wußte.

Technisch wie gualitativ außerordentliche- leistete das unter dem noch jungen musikalischen Letter Ferdinand Wagner stehende Orchester. Die ganze Klangschönheit konnte jedoch bei dem ftemden Orchesterraum noch nicht zur Geltung kommen. Auch die Chöre zeigten sich ihrer Auf' gäbe durchweg gewachsen und erwiesen den Vor­zug eines volleingespielten Ensembles. Tie gut geratenen Bühnenbilder waren von Jan Hey' thekker zirsammengestellt worden. xX